Spreizende Melde

Spreizende Melde
Spreizende Melde (Atriplex patula)

Spreizende Melde (Atriplex patula)

Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Chenopodioideae
Tribus: Atripliceae
Gattung: Melden (Atriplex)
Art: Spreizende Melde
Wissenschaftlicher Name
Atriplex patula
L.
Spreizende Melde am Feldrand
Samen der Spreizenden Melde

Die Spreizende Melde (Atriplex patula), auch Ruten-Melde genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Melden (Atriplex) in der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Die Spreizende Melde ist eine einjährige krautige Pflanze. Der aufrechte, im oberen Teil deutlich gerippte und gestreifte Stängel erreicht eine Länge von meist 30-100 cm (10 bis 150 cm). Er ist stark verzweigt mit langen, waagerecht oder schräg abgespreizten bis bogenartig aufsteigenden Ästen, die dunkelgrün und kahl sind. Die Laubblätter sind wechselständig (die untersten auch gegenständig) am Stängel angeordnet. Die Blätter besitzen einen 5 bis 12 mm langen Blattstiel und erreichen eine Länge von 25 bis 120 mm und eine Breite von 3 bis 40 (bis 75) mm. Die beidseitig grüne Blattspreite der unteren Blätter ist länglich dreieckig-rhombisch, spießförmig oder schwach dreilappig, mit keilförmigem Blattgrund oder mit basalen Spießecken und am Rand gezähnt. Die oberen, auf der Unterseite manchmal gräulichen Blätter sind lanzettlich und meist ganzrandig.

Blütenstand und Blüte

In unterbrochenen ährigen Blütenständen stehen die Blüten in Knäueln aus vier bis zehn Blüten zusammen. Die Spreizende Melde ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch) oder fast diözisch. Die männlichen Blüten besitzen vier bis fünf längliche, grüne Blütenhüllblätter (Tepalen) und vier bis fünf Staubblätter. Die weiblichen Blüten werden von zwei grünen, rhombischen Vorblättern umhüllt, Blütenhüllblätter sind nicht vorhanden, sie enthalten nur einen vertikalen Fruchtknoten mit zwei fadenförmigen Narben.

Die Blütezeit reicht in Deutschland von Juli bis Oktober. Die Bestäubung erfolgt in der Regel durch den Wind oder durch Selbstbestäubung, selten auch durch Insekten[1].

Frucht und Samen

Die vertikale Frucht wird von den krautigen, im unteren Drittel (bis fast zur Mitte) miteinander verwachsenen Vorblättern umhüllt, die sich zur Fruchtreife schwarz verfärben können. Bei einer Länge von 2 bis 7 (20) mm sind sie rhombisch oder rhombisch-dreieckig, an der breitesten Stelle mit nach oben gestreckten Seitenecken und ganzrandig oder gezähnt. Auf ihrer Rückseite tragen sie meist Anhängsel.

Die häutige Fruchtwand umgibt den Samen. Es gibt zwei verschiedene Samentypen (Heterokarpie): Hellbraune, etwas konkave Samen mit einem Durchmesser von 1,8 bis 3 mm, sowie rötlich-schwarze, flache oder konvexe Samen mit einem Durchmesser von nur 1,5 (- 2) mm.

Chromosomenzahl

Als Chromosomenzahlen werden 2n=36 und 2n=18 angegeben[2].

Photosyntheseweg

Die Spreizende Melde ist eine C3-Pflanze mit normaler Blattanatomie[3].

Ökologie

Die Spreizende Melde wird von den Raupen von Schmetterlingen als Nahrung genutzt, beispielsweise von Meldenflureule (Dicestra trifolii) und Meldeneule (Trachea atriplicis)[4], dem Miniersackträger Coleophora vestianella, Gänsefuß-Blütenspanner (Eupithecia sinuosaria), Melden-Blattspanner (Pelurga comitata), dem Bläuling Brephidium exilis, der Federmotte Emmelina monodactyla, und den Scythrididae Scythris limbella und Scythris sinensis[5].

Die Larven der Meldenwanze Parapiesma quadratum quadratum saugen den Saft der Pflanze[6].

Ein Falscher Mehltaupilz, Peronospora minor lebt parasitisch auf der Spreizenden Melde[6].

Auf lebenden Stängeln können zahlreiche schwarze Flecken durch die Fruchtkörper (Pyknidien) der Schlauchpilze-Anamorphe Stagonospora atriplicis hervorgerufen werden[6].

Vorkommen

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Spreizenden Melde umfasst ganz Europa[7], Nordafrika, Westasien und Sibirien bis zur chinesischen Provinz Xinjiang. Als eingeführte Art ist sie auch in anderen Teilen von China zu finden. In Nordamerika ist sie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eingeführt worden und heute dort weit verbreitet. Auch in Südamerika kommt sie eingeschleppt vor. Ihr Lebensraum sind fast überall Ruderalgesellschaften, nur selten wächst sie auch an Meeresküsten oder in sandigen Steppen.

In Deutschland ist die Spreizende Melde ein Archaeophyt oder war eventuell auch ohne Zutun des Menschen bereits einheimisch[4]. Sie besiedelt kurzlebige Unkrautfluren in Äckern und Gärten, an Schuttplätzen oder Wegen, oder wächst an trockenfallenden Flussufern. Dabei bevorzugt sie frische, nährstoffreiche, lockere Ton- und Lehmböden mit neutralem Boden-pH. Von der Ebene dringt sie bis zu einer Höhenlage von 1100 m vor. Im System der Pflanzensoziologie ist sie eine Kennart der Klasse Chenopodietea, und eine Differentialart des Verbands Chenopodion rubri.

Systematik

Die Spreizende Melde (Atriplex patula) zählt innerhalb der Gattung Atriplex zur Sektion Teutliopsis Dumort.[3]

Die Erstbeschreibung von Atriplex patula erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum 2, S. 1053-1054[8].

Synonyme von Atriplex patula L. sind Atriplex angustifolia Sm., Atriplex patula subsp. producta (Guss.) Giardina & Raimondo sowie Atriplex amana Post, Atriplex erecta Huds., Atriplex macrodira Guss., Atriplex patula subsp. amana (Post) Aellen, Atriplex patula subsp. erecta (Huds.) Arcang. und Atriplex patula subsp. macrodira (Guss.) Arcang.[7]. In der Flora of North America werden auch Atriplex hastata subsp. patula (L.) S. Pons, Atriplex hastata var. patula (L.) Farwell und Teutiopsis patula (L.) Selak als Synonyme genannt.

Trivialnamen

Die Spreizende Melde wird auch Ausgebreitete Melde, Gemeine Melde, Gewöhnliche Melde, Ruten Melde oder Spreizmelde genannt. Trivialnamen in anderen Sprachen sind[9]

  • chinesisch: 草地滨藜 Cao di bin li
  • dänisch: Svine-mælde
  • englisch: Common orache, Spear orach, Spreading orach, Spreading orache
  • finnisch: Kylämaltsa, Peltomaltsa
  • französisch: Arroche étalée, Arroche à feuilles larges, Arroche à larges feuilles
  • isländisch: Fjöruhriblaðka[10]
  • italienisch: Atriplice erba-corregiola, Erba corregiola
  • japanisch: セイヨウハマアカザ Seiyou hama akaza
  • niederländisch: Uitstaande melde
  • norwegisch: Svinemelde
  • portugiesisch: Armoles
  • slowenisch: Loboda konarista
  • schwedisch: Vägmålla, gårdmålla
  • spanisch: Armuelle silvestre
  • tschechisch: Lebeda rozkladitá

Nutzung

Die jungen Bläter der Spreizenden Melde sind essbar und können roh oder gekocht wie Spinat zubereitet werden. Ihr milder, etwas ausdrucksloser Geschmack kann durch Zugabe von Gewürzkräutern verbessert werden. Auch die Samen sind zum Verzehr geeignet, wenn auch etwas mühsam zu ernten. Sie können gemahlen zum Andicken von Suppen oder als Mehlzusatz verwendet werden[11].

Die frischen reifen Samen sollen ein wirksames Abführmittel sein[11].

Literatur

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3800133644. S. 92. (Abschnitt Beschreibung)
  • Erich Oberdorfer, Theo Müller: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. 5., überarb. und erg. Auflage. Ulmer, Stuttgart 1983, ISBN 3-8001-3429-2.  S.348 (Abschnitt Vorkommen)
  • Alexander P. Suchorukow: Zur Systematik und Chorologie der in Russland und den benachbarten Staaten (in den Grenzen der ehemaligen USSR) vorkommenden Atriplex-Arten (Chenopodiaceae). In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien, Serie B, 108, 2007, S. 342-344 (pdf-Datei) (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen)
  • Stanley L. Welsh: Atriplex patula, S. 333 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico, Volume 4: Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 1., Oxford University Press, New York u. a. 2003, ISBN 0-19-517389-9. (Abschnitt Beschreibung, Vorkommen)

Einzelnachweise

  1. Eintrag bei BiolFlor
  2. Eintrag bei Tropicos
  3. a b Gudrun Kadereit, Evgeny V. Mavrodiev, Elizabeth H. Zacharias, Alexander P. Sukhorukov: Molecular phylogeny of Atripliceae (Chenopodioideae, Chenopodiaceae): Implications for systematics, biogeography, flower and fruit evolution, and the origin of C4 Photosynthesis, In: American Journal of Botany, Band 97 (10), 2010, S. 1664-1687. (pdf-Datei)
  4. a b Spreizende Melde. In: FloraWeb.de.
  5. Gaden S. Robinson, Phillip R. Ackery, Ian J. Kitching, George W. Beccaloni & Luis M. Hernández: Eintrag bei HOSTS - A Database of the World's Lepidopteran Hostplants.
  6. a b c Eintrag bei Encyclopedia of Life EOL
  7. a b Pertti Uotila: Chenopodiaceae (pro parte majore). – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Atriplex patula, 2011. Eintrag bei PESI-Portal.
  8. Erstveröffentlichung eingescannt bei Biodiversity Heritage Library
  9. Trivialnamen bei MMPND
  10. Eintrag bei Den virtuella Floran
  11. a b Eintrag bei Plants For A Future

Weblinks


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