Bartholomäuskirche (Markgröningen)

Die zwei unterschiedlichen Kirchtürme der Bartholomäuskirche in Markrgröningen

Die Bartholomäuskirche in Markgröningen ist ein in mehreren Bauphasen entstandener gotischer Kirchenbau aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Die dem Apostel Bartholomäus geweihte evangelische Kirche steht im historischen Stadtkern Markgröningens und hat als Besonderheit zwei unterschiedliche Kirchtürme.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das älteste steinerne Wappen Württembergs auf dem Grabmal des Stifters Hartmann I. von Grüningen

An der Stelle der Bartholomäuskirche befand sich bereits im 9. oder 10. Jahrhundert eine Basilika, die annähernd die Größe des heutigen Mittelschiffs hatte. Der noch unter dem heutigen Kirchenboden erhaltene Boden jener Basilika wurde teilweise freigelegt und ist im so genannten archäologischen Fenster sichtbar. Der Legende nach soll Hildegard, die Gattin Karls des Großen, den Vorgängerbau gestiftet haben.

Der gotische Kirchenbau unserer Tage wurde um 1270 von Hartmann I. von Grüningen († 1280) gestiftet. Sein in der Kirche erhaltener Grabstein trägt das Wappen des Hauses Württemberg. Es ist der älteste Nachweis eines in Stein gehauenen württembergischen Wappens. 1272 wurde die erste Glocke gegossen und geweiht. In etwa zur selben Zeit entstand der von einem Kreuzrippengewölbe überspannte Altarraum. Anschließend wurde um 1277/78 das Mittelschiff nach Westen hin errichtet. 1340/46 entstanden die beiden Türme im Westen. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche um zwei Seitenkapellen erweitert: Um 1400 entstand die nach der Adelsfamilie Reischach benannte Reischachkapelle, 1459 wurde die von Walter von Haslach gestiftete zweite Seitenkapelle fertiggestellt, die später nach Elisabeth Volland, einer bedeutenden Markgröninger Bürgerin aus dem 15. Jahrhundert, deren Grabstein sich in jener Kapelle erhalten hat, Vollandkapelle genannt wurde. Von 1469 bis 1472 baute Baumeister Aberlin Jörg einen spätgotischen Chor, sowie die Sakristei an, wodurch die Kirche im Wesentlichen ihre heutige Gestalt erreicht hatte.

Die Kirche war ursprünglich den Aposteln Peter und Paul geweiht, die sich besonders häufig im Figuren- und Bildschmuck der Kirche wiederfinden. Wann und warum das Patrozinium auf den heiligen Bartholomäus übergegangen ist, ist unbekannt.

Der Platz um die Kirche wurde bis 1618 als Begräbnisplatz genutzt.

Von 1953 bis 1956 wurde die Bartholomäuskirche umfangreich renoviert. 1978 wurde nach fast vier Jahren die neue Orgel mit 2874 Pfeifen eingeweiht.[1]

Ausstattung

Architektur

Blick vom Chor zur Empore
Fürstenkapitell
Darstellung von Petrus und Paulus am Chorgestühl

Die Bartholomäuskirche ist eine dreischiffige Basilika mit nach Ostem ausgerichtetem Chor mit 5/8-Schluss. Nördlich des Chors ist noch eine Sakristei angebaut. Der Zugang zur Kirche erfolgt von Westen durch eine Vorhalle zwischen den beiden Kirchtürmen. In der Nordwestecke des Chors ist ein Treppenturm eingezogen.

Der Chor und die Sakristei sind von einem Kreuzrippengewölbe überspannt, das Haupt- und die Seitenschiff sind in jeweils acht Joche unterteilt. Im nördlichen Seitenschiff befindet sich anstelle der östlichsten beiden Joche eine ebenfalls von einem Kreuzrippengewölbe überspannte Marienkapelle, die einst durch Mauern vom Kirchenschiff abgetrennt war. Nach Süden hin sind im dritten und fünften Joch des südlichen Seitenschiffs die Reischachkapelle und die Vollandkapelle angebaut, letztere wiederum mit Kreuzrippengewölbe.

Bauschmuck und Wandmalereien

Neben den kunstvollen Kreuzrippengewölben mit ihren zahlreichen schmuck- und bedeutungsvollen Schlusssteinen ist an Bauschmuck in der Bartholomäuskirche vor allem das so genannte Fürstenkapitell an der Säule vor der Marienkapelle zu nennen. Im Gegensatz zu den sonst schmucklosen Kapitellen der Säulen zeigt das frühgotische Fürstenkapitell neun vollplastische Köpfe, von denen einer durch eine Rosenranke besonders hervorgehoben ist. Die Identität der dargestellten Personen ist unbekannt. Die besonders hervorgehobene Person könnte gemäß der historischen Gegebenheiten sowohl Reichsvogt Albrecht von Hohenberg, dessen 1284 in der Kirche verheirateter Sohn Albrecht der Jüngere oder der Kirchenstifter Hartmann von Grüningen sein.

Der große 13-eckige Taufstein wurde im Jahr 1426 aus einem einzigen Steinblock gehauen und zeigt Christus und die zwölf Apostel auf seinen Seitenflächen. Die Tür zur Sakristei stammt aus der Zeit der späten Gotik und weist schmuckvolle Beschläge auf.

Die älteste Malerei in der Kirche ist eine Darstellung des Jüngsten Gerichts im Gewölbe des vierten Jochs des südlichen Seitenschiffs. Eine weitere Darstellung des Jüngsten Gerichts aus der Zeit um 1500 befindet sich am Triumphbogen zum Chor. Die Stirnseite der Marienkapelle zeigt eine Darstellung des Marientods aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Ausstattungsgegenstände

Das Chorgestühl der Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert und weist vollfigürliche Schnitzereien an den Wangen auf: rechts den heiligen Christophorus, links Petrus und Paulus, von einem Gläubigen verehrt und ein Drachenwesen abwehrend.

Neben dem Grabstein für Hartmann von Grüningen sind in der Kirche zahlreiche weitere historische Grabmale aufgestellt.

Glocken

Die Bartholomäuskirche besitzt fünf Glocken, welche sich alle im Südturm befinden.

  • 1272 wurde die erste Glocke gegossen. Auf ihr steht in Lateinisch: ANNO DNI 1272 ID. NOV. CONFLATA SUM AUCTORE COMITE HARTMANNO. (Übersetzt: Im Jahre des Herrn 1272, am 15. November bin ich auf Veranlassung von Graf Hartmann gegossen worden.
  • Die zweite Glocke verweist auf keine Jahreszahl, aber auch auf ihr ist in Latein graviert: SANCTA MARIA MATER, MARCUS, LUCAS, MATHÄUS, JOHANNES, COMES HARTMANNUS DE GRÜNINGEN QUI (H)ABET FILIAM DE EBERST. (Übersetzt: Heilige Mutter Maria, Markus Lukas Matthäus Johannes, Graf Hartmann von Grüningen, der eine Tochter des Herrn Eberstein zur Frau hat)
  • 1487 kam die dritte und größte Glocke (Dominica) hinzu.

Die alten Glocken wurden 1855 auf Grund von Sprüngen eingeschmolzen und daraus neue hergestellt. Im Ersten Weltkrieg wurden auch diese Glocken, bis auf die Dominica (die große Glocke), zur Waffenherstellung eingeschmolzen.

  • 1923 kam dann eine neue Glocke hinzu, auf der stand: ZUM GEDÄCHTNIS DER 1914-1918 GEFALLENEN KRIEGER. Durch einen Sprung wurde sie zehn Jahre später aber wieder umgegossen. Auf ihr stand dasselbe, zusätzlich enthielt sie noch ein Bild des Reformators Martin Luthers - auf Grund dessen 450. Geburtstags - und die Worte DES HERRN WORT IN EWIGKEIT.

1942 mussten alle Glocken, auf Grund des Zweiten Weltkriegs, wieder abgegeben werden. Sie wurden aber nicht eingeschmolzen und konnten 1948 dann wieder läuten. 1954 wurde dann eine dritte Glocke gegossen. Auf ihr stand: ZUM GEDÄCHTNIS AN DIE GEFALLENEN DER BEIDEN WELTKRIEGE 1914/1918 UND 1939/1945 und auf der anderen Seite unter einem Kreuz: ER IST UNSER FRIEDE. 1956 wurde eine Taufglocke gegossen, auf der nichts steht. Die fünfte Glocke dient als Viertelschlagglocke und ist auf dem Kirchturm montiert. Es ist die älteste Glocke der Bartholomäuskirche und mit dem Text versehen: Martin Miller zu Esslingen gos mich 1604.[2]

Orgel

Die ursprüngliche und 8.000 Gulden teure Walcker-Orgel der Kirche stammt aus dem Jahr 1848 bzw. 1850[3]. Der Standort der Orgel in der Kirche wechselte mehrere Male. 1978 erhielt die Kirche eine neue, von der Firma Vier erbaute Orgel. Das Prospekt der Walcker-Orgel wurde an die neue Orgel angepasst, sowie 12 Register übernommen. Heute steht die Orgel auf der Empore im Westen. Ihre Disposition ist wie folgt:

Die Orgel mit dem Walcker-Prospekt auf der Empore im Westen
I Hauptwerk
Prinzipal 16′
Bourdon + 16′
Prinzipal 8′
Gemshorn + 8′
Rohrflöte + 8′
Oktave 4′
Kleingedackt + 4′
Oktave 2′
Cornett 5fach ab a° + 8′
Mixtur 6fach 22/3
VA Quinte 22/3
Trompete 8′
Clairon + 4′
II Schwellwerk
Quintade 16′
Gedackt 8′
Salicional 8′
Principal 4′
Traversflöte 4′
Sesquialter 2-3fach 22/3
VA Quinte 22/3
Waldflöte 2′
Mixtur 4fach 11/3
VA Quinte 11/3
Zimbel 3fach 1′
VA Oktave 1′
Fagott/Oboe 8′
Schalmey 4′
Brustwerk
Bourdon 8′
Rohrflöte 4′
Doublette 2′
Larigot 11/3′ + 1′
VA Spitzquinte 11/3
Vox humana 8′
Tremulant
Pedalwerk
Prinzipalbass 16′
Subbass + 16′
Oktavbass 8′
Gemshorn + 8′
Rohrflöte + 8′
Quintbass 102/3
Kleingedackt + 4′
Hintersatz 5fach 4′
VA Oktave 4′
Cornett 5fach + 2′
Bombarde 16′
Posaune 8′
Clairon + 4′

5 Normalkoppeln, Schleifladen mit mechanischer (hängender) Taktur, 34 Register, zusätzlich 6 Wechselregister HW-P (+), 6 Vorabzüge, ungleichstufige Stimmung nach A. Silbermann

Besonderheiten

Die Bartholomäuskirche besitzt zwei Kirchtürme. Der mit der Uhr (Südturm) gehört der evangelischen Kirchengemeinde Markgröningen und der andere (Nordturm), der früher als Hochwachturm genutzt wurde, der Stadt Markgröningen. Der Südturm besitzt heute fünf Glocken. Am Heiligabend 2007 fand in der Bartholomäuskirche die Christvesper statt, die live in der ARD übertragen wurde.

Literatur

  • Petra Schad: Die Bartholomäuskirche, in: Markgröninger Bauwerke und ihre Geschichte, Band I, 2002
  • Evangelische Kirchengemeinde Markgröningen: Bartholomäuskirche Markgröningen, Kirchenführer o. J.

Einzelnachweise

  1. http://www.bartholomaeuskirche.info/bartholo%20geschichte.htm
  2. http://www.kirchplatz.info/GlockengeschichteRHirsch.PDF
  3. Klingende Kostbarkeiten - Ausgewählte Orgeln in der Region Stuttgart von 2004 nennt 1848, andere Quellen 1850

Weblinks

 Commons: Bartholomäuskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
48.9047949.081606

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