Bernhard Vogel (Ministerpräsident)

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Bernhard Vogel (Ministerpräsident)
Bernhard Vogel, 2009

Bernhard Vogel (* 19. Dezember 1932 in G√∂ttingen) ist ein deutscher Politiker (CDU). Er war von 1976 bis 1988 Ministerpr√§sident des Landes Rheinland-Pfalz und von 1992 bis 2003 des Freistaats Th√ľringen. Damit ist er neben den beiden baden-w√ľrttembergischen Ministerpr√§sidenten Maier und M√ľller, die zuvor jeweils Ministerpr√§sident in den Vorg√§ngerbundesl√§ndern W√ľrttemberg-Baden und W√ľrttemberg-Hohenzollern als Regierungschefs amtierten, der bislang einzige Politiker, der in zwei deutschen Bundesl√§ndern Ministerpr√§sident war.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Vogels Vater stammte aus M√ľnchen und war Habilitand f√ľr Biologie an der Universit√§t G√∂ttingen, sp√§ter Professor in Gie√üen und M√ľnchen. Seine Mutter war in zahlreichen r√∂misch-katholischen Sozialorganisationen t√§tig. Nach ihrem Wunsch h√§tte Bernhard Vogel eigentlich Jurist werden sollen. Sein √§lterer Bruder ist der SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel.

Vogel ist Junggeselle, hat keine Kinder und wohnt in Speyer.

Ausbildung und Beruf

Nach dem Besuch der Volksschule in Gie√üen und humanistischer Gymnasien in Gie√üen (Landgraf-Ludwig-Gymnasium) und nach der R√ľckkehr der Familie nach M√ľnchen am dortigen Maximilians-Gymnasium legte Vogel 1953 dort das Abitur ab. Anschlie√üend studierte er Politikwissenschaft, Geschichte, Soziologie und Volkswirtschaft in M√ľnchen und Heidelberg. 1960 erfolgte hier seine Promotion zum Dr. phil. mit der Arbeit Die Unabh√§ngigen in den Kommunalwahlen westdeutscher L√§nder. Er war f√ľr vier Jahre als wissenschaftlicher Assistent und ab 1961 als Lehrbeauftragter am Institut f√ľr Politische Wissenschaft in Heidelberg t√§tig. Vogel strebte eine wissenschaftliche Laufbahn an.

Partei

Bernhard Vogel, 1978

1967 wurde Vogel Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Pfalz, 1974 Landesvorsitzender der CDU in Rheinland-Pfalz. Von 1975 bis 2006 war Vogel Mitglied des CDU-Bundesvorstandes.

Nach einem heftigen innerparteilichen Streit auf dem Landesparteitag in Koblenz wurde am 11. November 1988 anstelle von Bernhard Vogel Hans-Otto Wilhelm zum neuen Landesvorsitzenden gew√§hlt. Vogel stellte daraufhin auch sein Amt als Ministerpr√§sident zur Verf√ľgung.

Von 1989 bis 1993 und von 2001 bis 2009 war er Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im Dezember 2009 ist er auf der Mitgliederversammlung der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. zum Ehrenvorsitzenden gew√§hlt worden. Seine Nachfolge als Vorsitzender der Stiftung hat der fr√ľhere Pr√§sident des Europ√§ischen Parlaments, Hans-Gert P√∂ttering, angetreten.

Von 1974 bis 1988 war er Landesvorsitzender der CDU in Rheinland-Pfalz und von 1993 bis 1999 war er Landesvorsitzender der CDU in Th√ľringen.

Abgeordneter

Von 1963 bis 1965 gehörte Vogel dem Stadtrat von Heidelberg an.

Bei der Bundestagswahl 1965 erreichte er mit 48,1 % der Stimmen das Direktmandat des Wahlkreises Neustadt - Speyer. Am 17. Juli 1967 legte er sein Mandat nieder.

Von 1971 bis 1988 war er Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz.

Von 1994 bis 2004 war er Mitglied des Th√ľringer Landtags.

√Ėffentliche √Ąmter

Bernhard Vogel, 1988

Am 18. Mai 1967 wurde Vogel als Kultusminister in die von Ministerpr√§sident Peter Altmeier gef√ľhrte Landesregierung von Rheinland-Pfalz berufen. Dieses Amt behielt er auch unter dessen Nachfolger Helmut Kohl.

Nachdem Helmut Kohl nach der Bundestagswahl 1976 als Oppositionsf√ľhrer in den Bundestag gewechselt war, wurde Vogel am 2. Dezember 1976 zum Ministerpr√§sidenten von Rheinland-Pfalz gew√§hlt.

In dieser Funktion war er vom Amtsantritt bis zum 31. Oktober 1977 zugleich Präsident des Bundesrates. Von 1981 bis 1983 war er Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz und vom 1. November 1987 bis zum 31. Oktober 1988 schließlich erneut Präsident des Bundesrates.

Am 5. Februar 1992 wurde Vogel als Nachfolger des zur√ľckgetretenen Josef Duchańć zum Ministerpr√§sidenten des Freistaates Th√ľringen gew√§hlt.

Aus Altersgr√ľnden trat Vogel am 5. Juni 2003 vom Amt des Ministerpr√§sidenten zur√ľck. Sein Nachfolger wurde der damalige CDU-Landesvorsitzende und vormalige Vorsitzende der Landtagsfraktion Dieter Althaus.

Politische Entwicklung

Fr√ľhe Jahre

Bereits mit 32 Jahren errang Bernhard Vogel nach zweij√§hriger Mitgliedschaft im Stadtrat von Heidelberg bei den Bundestagswahlen 1965 das Direktmandat des Wahlkreises Neustadt - Speyer. Mit 35 Jahren wechselte Vogel als Minister f√ľr Unterricht und Kultus in die von Ministerpr√§sident Peter Altmeier gef√ľhrte Landesregierung von Rheinland-Pfalz. Im selben Jahr wurde Vogel zum Vorsitzenden des CDU-Bezirks Pfalz gew√§hlt. 1969 √ľbernahm Vogels Heidelberger Studienkommilitone Helmut Kohl das Amt des Ministerpr√§sidenten. 1971 errang Vogel zus√§tzlich zum Ministeramt ein Landtagsmandat des Landtages von Rheinland-Pfalz. Als Kultusminister errang Vogel bundesweite Anerkennung und √ľber die Parteigrenzen hinweg Wertsch√§tzung in der Kultusministerkonferenz. Eine der wichtigsten Entscheidungen Vogels war die Gr√ľndung der Universit√§t Trier-Kaiserslautern (sp√§ter geteilt in Universit√§t Trier und Technische Universit√§t Kaiserslautern).

Vorsitzender der rheinland-pfälzischen CDU

Nach der Wahl des bisherigen CDU-Landesvorsitzenden Helmut Kohl zum CDU-Bundesvorsitzenden 1973 setzte sich Vogel 1974 auf einem Landesparteitag der CDU gegen Kohls Wunschkandidaten Heiner Geißler bei der Wahl des neuen Landesvorsitzenden durch. Ab 1975 wurde Vogel Mitglied des CDU-Bundesvorstandes.

Nachdem Helmut Kohl nach der Bundestagswahl 1976 als Oppositionsf√ľhrer in den Bundestag gewechselt war, wurde Vogel am 2. Dezember 1976 zum Ministerpr√§sidenten von Rheinland-Pfalz gew√§hlt. In dieser Funktion hatte er zahlreiche f√∂derale Funktionen wie Pr√§sident des Bundesrates, Vorsitzender der Ministerpr√§sidentenkonferenz oder Mitglied im Rundfunkrat des ZDF inne.

Auf dem Landesparteitag Ende 1988 kam es in der rheinland-pf√§lzischen CDU zu einem heftigen innerparteilichen Streit, der unter anderem durch Vogels Begnadigungen der RAF-Terroristen Manfred Grashof und Klaus J√ľnschke ausgel√∂st wurde, sowie auch durch den Gram der Delegierten √ľber den Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl 1987 und den Zwang zur Koalition mit der FDP. An diesem Landesparteitag forderte Umweltminister Hans-Otto Wilhelm in einer f√ľr die CDU sehr ungew√∂hnlichen Form, die √Ąmter des Ministerpr√§sidenten und des CDU-Landesvorsitzenden zu trennen. Vogel k√ľndigte an, dass er nur beide √Ąmter gleichzeitig behalten wolle. Als er dann Wilhelm bei der Wahl zum Landesvorsitzenden deutlich unterlag, stellte Vogel sein Amt als Ministerpr√§sident mit den Worten ‚ÄěGott sch√ľtze Rheinland-Pfalz!‚Äú zur Verf√ľgung. Au√üerdem legte er sein Landtagsmandat nieder. Sein Nachfolger als Ministerpr√§sident wurde am 8. Dezember 1988 Carl-Ludwig Wagner. Bei der folgenden Landtagswahl 1991 fiel die CDU hinter die SPD zur√ľck, woraufhin die FDP einen Koalitionswechsel hin zur SPD vollzog; Rudolf Scharping (SPD) wurde zum neuen Ministerpr√§sidenten gew√§hlt.

Th√ľringische Zeit und danach

Der Ministerpr√§sident a.D. beim th√ľringischen Landesparteitag der CDU 2008.

Vogel konzentrierte sich nach seinem R√ľcktritt auf die Leitung der Konrad-Adenauer-Stiftung, deren Vorsitzender er 1989 wurde.[1] Nach dem R√ľcktritt des th√ľringischen Ministerpr√§sidenten Josef Duchańć 1992 wurde in den Medien √ľber einen Wechsel Vogels von der Adenauer-Stiftung nach Th√ľringen spekuliert. Am 5. Februar 1992 wurde Vogel zum Ministerpr√§sidenten des Freistaates Th√ľringen gew√§hlt und gab 1993 den Vorsitz der Adenauer-Stiftung auf. Im selben Jahr √ľbernahm Vogel bis 1999 den Vorsitz der Th√ľringer CDU.

Da Vogels Koalitionspartner FDP bei der Landtagswahl 1994 an der F√ľnf-Prozent-H√ľrde scheiterte, ging er eine Gro√üe Koalition mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ein. Bei der Landtagswahl 1999 erreichte die CDU mit 51,0 % der Stimmen die absolute Mehrheit. Aus Altersgr√ľnden trat Vogel am 5. Juni 2003 vom Amt des Ministerpr√§sidenten zur√ľck. Sein Nachfolger war der CDU-Landesvorsitzende und bisherige Vorsitzende der Landtagsfraktion Dieter Althaus.

Von 2001 bis 2009 stand Bernhard Vogel wieder der Konrad-Adenauer-Stiftung vor. Vogel ist ebenso als Schirmherr f√ľr die Stiftung des Gymnasiums Canisius-Kolleg Berlin t√§tig[2].

Gesellschaftliches Engagement

Vogel im Gespräch mit Botschafter Prawda 2011 in Warschau

1968 war Vogel Präsident des 82. Deutschen Katholikentags in Essen. Von 1980 bis 1984 war Vogel Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW).

Seit 2002 ist Bernhard Vogel Mitglied im Kuratorium der Eugen-Biser-Stiftung M√ľnchen.

Im Juni 2007 hat Bernhard Vogel die Schirmherrschaft √ľber eine Aktion f√ľr den Bau eines Kinder- und Jugendzentrums in Nyagatare, Ruanda √ľbernommen.[3]

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

Werke

  • Bernhard Vogel, Hans-Jochen Vogel: Deutschland aus der Vogelperspektive. Eine kleine Geschichte der Bundesrepublik, Freiburg: Verlag Herder 2007. ISBN 3-4512-9280-7.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Bernhard Vogel ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Bernhard Vogel ‚Äď Zitate

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ G√ľnter Beaugrand, Die Konrad-Adenauer-Stiftung. Eine Chronik in Berichten und Interviews mit Zeitzeugen, S. 281 f., ISBN 3-927535-15-X
  2. ‚ÜĎ Canisius-Kolleg Berlin Stiftung
  3. ‚ÜĎ Gru√üwort des ehemaligen Ministerpr√§sidenten. Abgerufen am 29. September 2008.

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