Campuskino

Als Unikinos werden Filmclubs an Hochschulen bezeichnet. Weitere geläufige Begriffe sind: Campus-Kino, Hochschulkino und Studentenkino. Ehrenamtliche Mitarbeiter organisieren auf dem Campus Filmvorführungen und leisten so einen Beitrag zum kulturellen Angebot der jeweiligen Universität, TU oder FH.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte & Organisation

Die ersten organisierten Filmclubs in der BRD wurden nach 1945 von den Besatzungsmächten ins Leben gerufen. Ziel war die Demokratisierung Deutschlands. Mit dem Rückzug der Alliierten 1949 wurden in der BRD viele Filmclubs zu gemeinnützigen Vereinen oder suchten sich eine Bildungs- oder Kultureinrichtung als Träger. Auch in der DDR, wo die Filmclubbewegung später als in der BRD aufgekommen war, mussten sich die Filmclubbetreiber einen Träger suchen, da autonome Vereinsgründungen im SED-Staat nicht ohne Weiteres möglich waren. Dies sind die Gründe, warum sich in beiden Teilen Deutschlands damals viele Filmclubs im Umfeld von Universitäten ansiedelten. Auch heute existieren die aktiven Filmclubs vor allem als kulturelle Einrichtung der Hochschulen. Das Prinzip der ehrenamtlich organisierten Filmvorführungen fand schnell Anhänger und so entstand in den 50er Jahren sowohl in der BRD als auch in der DDR eine Filmclubbewegung, welche sich durch einen raschen Anstieg der Anzahl der Filmclubs auszeichnete. Unikinos an deutschen Hochschulen entwickelten sich vor allem während dieser Blütezeit der Filmclubbewegung. So wurde zum Beispiel der aka-Filmclub der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der heute zu den ältesten Unikinos in Deutschland zählt, im Jahr 1957 gegründet. Das Ende der Filmclubbewegung in Deutschland erfolgte durch die Auflösung des Verbandes der deutschen Filmclubs am 31. Dezember 1970. Dieser Dachverband war gegründet worden, um die Arbeit der Filmclubs zu koordinieren und die Interessen der Filmclubbetreiber zu vertreten. Als Gründe für die Auflösung des Verbands gelten neben der Ausbreitung des Fernsehens in den Haushalten, das Fehlen eines zentralen Filmarchivs. An die Stelle des ohne staatlichen Einfluss organisierten Verbandes sind heute zwei Bundesverbände getreten: Zum einen der Bundesverband für kommunale Filmarbeit, dem u.a. das AStA Kino Konstanz und der aka Filmclub e.V. Freiburg angehören. Zum anderen der Bundesverband für studentische Kulturarbeit, welchem unter anderem das Studio für Filmkunst der TU Braunschweig angehört. Die Unikinos selbst werden heute generell durch ehrenamtliches Engagement der Studierende organisiert. Viele sind als Verein eingetragen, andere sind als studentische Gruppe organisiert und werden teilweise durch den AStA unterstützt.

Programmstruktur

Anders als in kommerziellen Kinos werden die Filme in Unikinos oft nur einmal gezeigt. Die Filmvorführungen bekommen so den Charakter einer exklusiven Veranstaltung. Das typische Unikinoprogramm umfasst sowohl Mainstream-Filme als auch Arthouse-Produktionen und Filmkunst. Einige Unikinos zeigen Retrospektiven, bei denen Gastredner zu Wort kommen. Andere Veranstalter bieten ihren Zuschauern redaktionell vorbereitete Themenabende, manchmal auch in Zusammenarbeit mit anderen studentischen Initiativen. Um eine größtmögliche Authentizität zu gewährleisten, werden viele Filme in Originalsprache mit Untertiteln gezeigt.

Finanzierung & Sponsoring

Eine Eintrittskarte für eine Vorstellung im Unikino kostet meist deutlich weniger als der Eintritt in privat betriebene Kinos. Um das anspruchsvolle und hochwertige Programm zu studentenfreundlichen Preisen anbieten zu können, sind die Unikinos auf Sponsorengelder angewiesen. Eine Sponsoringmöglichkeit besteht in der Schaltung von Kinowerbung. Auch durch die Schaltung einer Printanzeige im Programmheft der Unikinos können Unternehmen die Veranstalter unterstützen, die für das studentische Kulturleben wichtig sind. Die im Unikino werbenden Unternehmen schätzen vor allem, dass der Kinobesuch oft nur den Studenten vorbehalten ist und sie diese dort gezielt ansprechen können. So wird das Unikino von einigen Firmen auch als Plattform für Recruiting genutzt.

Quellen

Becker, Wieland; Petzold, Volker - Tarkowski trifft King Kong. Geschichte der Filmclubbewegung in der DDR. Berlin 2001.


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