Consumer Confidence Index

Durchschnitt der Konsumklimaindizes des Conference Board (grün), der University of Michigan (gelb) und der Washington Post (rot) von 2004 bis 2009

Der Consumer Confidence Index (CCI, Index für das Verbrauchervertrauen) misst die Konsumneigung der Privathaushalte in den USA. Er wird vom unabhängigen Forschungsinstitut „The Conference Board“ mit Sitz in New York veröffentlicht. Der Index steht in Konkurrenz zum University of Michigan Consumer Sentiment Index, dem Konsumklimaindex von Thomson Reuters und der University of Michigan.

Inhaltsverzeichnis

Konzept

Der Consumer Confidence Index (CCI) gilt als Frühindikator der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA. Zur Berechnung werden 5000 repräsentativ ausgewählte Konsumenten über ihre Konsumplanungen, insbesondere der Anschaffungsneigung langlebiger Konsumgüter, befragt. Im monatlichen Bericht, dem Consumer Confidence Survey, wird das Vertrauen gemessen, das die Privathaushalte in die Leistung der amerikanischen Wirtschaft haben. Das Verbrauchervertrauen gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen.

Die Umfrage besteht aus fünf Fragen zu folgenden Themen:

  1. Beurteilung der aktuellen konjunkturellen Entwicklung in der Region des Befragten
  2. Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung in sechs Monaten
  3. Aktuelle Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen in der Region des Befragten
  4. Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen in sechs Monaten
  5. Familieneinkommen für die nächsten sechs Monate

Die Teilnehmer der Umfrage werden gebeten, jede Frage „positiv“, „negativ“ oder „neutral“ zu beantworten. Aus allen Daten berechnet das Conference Board zwei Teilindizes, die zusammen den Gesamtindex ergeben: den Present Situation Index für die Einschätzung der aktuellen Lage und den Expectations Index, der die Beurteilung der zukünftigen Erwartungen beinhaltet. Meinungen zum aktuellen Verhalten haben einen Anteil von bis zu 40 Prozent am Gesamtindex, Erwartungen zum zukünftigen Verhalten einen Anteil von 60 Prozent. Die vorläufigen Ergebnisse aus dem Consumer Confidence Survey werden am letzten Dienstag des Monats um 10:00 Uhr EST (16:00 Uhr MEZ) veröffentlicht.[1]

Bewertung

Zu den Stärken des Consumer Confidence Index (CCI) gehört die Veröffentlichung der Daten für den laufenden Monat. Das Verbrauchervertrauen ist ein Frühindikator für wirtschaftliche Zyklen. Die veröffentlichten Informationen geben Auskunft über die gegenwärtige Lage und die zukünftigen Erwartungen der Konsumenten.

Zu den Schwächen des Index gehört, dass die Verbraucher nicht die nötigen Informationen besitzen, um eine korrekte Einschätzung des Einkommens wie des Arbeitsplatzwachstums im vorhinein abzugeben. Der monatliche Bericht enthält Informationen über geplante Ausgaben, die aber nicht unbedingt getätigt werden.

In einer Phase mit längerem Wirtschaftswachstum können die Kaufabsichten trotz sinkender Arbeitslosigkeit abnehmen, da die rege Nachfrage bereits befriedigt wurde. Dagegen können bei steigender Inflation die Kaufvorhaben kurzfristig zunehmen, da die Verbraucher in Erwartung steigender Preise diese schnell umsetzen, um den Preisanstieg zu vermeiden.

Die Finanzmärkte reagieren sensibel auf unerwartete Veränderungen des Index, er wird als Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung wie auch aufkommende Inflation empfunden. CCI und Purchasing Managers Index gehören wie beispielsweise auch der Case-Shiller-Index, der FHFA House Price Index oder der Ölpreis zur Gruppe der Indikatoren, deren Entwicklung die Aktienindizes erkennbar beeinflussen.

Neben dem CCI gibt es in den USA noch zwei Konsumklimaindizes: University of Michigan Consumer Sentiment Index von Thomson Reuters und der University of Michigan sowie den ABC News Consumer Comfort Index der Washington Post. Während sich die Fragestellung beim Conference Board auf die Arbeitsmarktsituation konzentriert, steht bei den anderen Indizes die finanzielle Lage der Haushalte im Mittelpunkt. Insgesamt bilden die Daten des Conference Boards einen stabileren Zusammenhang mit den Konjunkturdaten als die Indizes der Uni Michigan und der Washington Post. Der CCI ist in den Medien, bei Geschäftsleuten und Verbrauchern in den USA der am meisten beachtete Konsumklimaindex.[2]

Geschichte

Historischer Überblick

Der Consumer Confidence Index (CCI) wurde 1985 mit einem Basiswert von 100 Punkten erstmals vom Marktforschungsinstitut „The Conference Board“ veröffentlicht und bis 1967 zurückgerechnet. Der langjährige Durchschnitt der Zeitreihe des CCI von Januar 1970 bis Dezember 2007 beträgt 95,8 Indexpunkte. Der Durchschnitt von Januar 1970 bis Dezember 2010 liegt bei 92,6 Indexpunkte. Laut Conference Board liegt die Grenze, wo sich die US-Wirtschaft in einer Expansionsphase befindet, bei 90 Punkten. Der Durchschnitt des Verbrauchervertrauens in den Phasen mit stabiler wirtschaftlicher Entwicklung beträgt 110 Punkte.

Im Januar und Mai 2000 erzielte der CCI mit 144,7 Punkten ein Allzeithoch. Im Verlauf der Finanzkrise ab 2007 wuchs die Arbeitslosigkeit in den USA und das Realeinkommen ging zurück. Entsprechend sank das Verbrauchervertrauen im Februar 2009 auf ein Allzeittief von 25,3 Punkten. Die beiden Teilindizes zur aktuellen Situation und zu den Erwartungen erlebten eine ähnliche Entwicklung.

Der Present Situation Index markierte im Juli 2000 mit 186,8 Punkten einen Rekordstand. Bis Dezember 2009 fiel er auf einen Tiefststand von 20,2 Punkten. Tiefer lag er nur während der Rezession von 1980 bis 1982. Im Dezember 1982 markierte der Lageindex mit 15,9 Punkten ein Allzeittief. Der Expectations Index stieg im Januar 2000 auf einen Höchststand von 119,1 Punkten. Damit lag er nur wenige Punkte unter seinem Allzeithoch vom Mai 1983 mit 124,3 Punkten. Bis Februar 2009 sank der Erwartungsindex auf ein Allzeittief von 27,3 Punkten.

Im Februar 2011 gab es Änderungen beim Marktforschungsunternehmen und in der Methodik. The Nielsen Company übernahm die monatliche Umfrage für das Conference Board von Taylor Nelson Sofres (TNS). Eingeführt wurde eine Zufallsstichprobe, eine nachträgliche Schichtung mittels Gewichtung für Geschlecht, Einkommen, Geographie und Alter, sowie das Saisonbereinigungsverfahren X-12-ARIMA vom United States Census Bureau. Die Änderung in der Methodik führte zu einem höheren Verbrauchervertrauen als ursprünglich veröffentlicht. Der neue Index ergab 57,8 Punkte für November 2010 (vorher 54,3 Punkte), 63,4 Punkte für Dezember 2010 (vorher 53,3 Punkte) und 65,6 Punkte für Januar 2011 (vorher 60,6 Punkte).[3][4] Im Februar 2011 wurde ein Wert von 72,0 Punkten ermittelt.

Im Oktober 2011 fiel der Konsumklimaindex auf 39,8 Punkte und lag damit nach August (45,2 Punkte) und September (46,4 Punkte) den dritten Monat in Folge unter der Grenze von 50 Punkten. Das Verbrauchervertrauen befand sich damit auf einem Niveau, dass es zuletzt während der Rezession 2008 und 2009 hatte.[5]

CCI versus US-Wirtschaftsdaten

Das Verbrauchervertrauen in den USA korreliert eng mit der Arbeitslosigkeit, der Inflation und der realen Einkommenssituation. Es besteht ein starker Zusammenhang mit dem Konsumverhalten. Die Größen stimmen aber nicht unbedingt überein.

In den USA gibt es seit 1994 sechs verschiedene Arbeitslosenquoten (U-1 bis U-6), wobei die U-3 als die offizielle Zahl angesehen wird und die U-6 die Quote der Unterbeschäftigung wiedergibt.

Alternative Unterbeschäftigungsquoten des Bureau of Labor Statistics:[6]

  • U-1 Arbeitslose, die mindestens 15 Wochen arbeitslos sind, in Prozent der zivilen Erwerbspersonen.
  • U-2 Personen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, plus vorher befristet Beschäftigte in Prozent der zivilen Erwerbspersonen.
  • U-3 Alle Arbeitslosen in Prozent der zivilen Erwerbspersonen (offizielle Quote).
  • U-4 Alle Arbeitslosen zuzüglich entmutigter Arbeitnehmer in Prozent der zivilen Erwerbspersonen einschließlich entmutigter Arbeitnehmer.
  • U-5 Alle Arbeitslosen zuzüglich entmutigter Arbeitnehmer zuzüglich der instabil Beschäftigten in Prozent der zivilen Erwerbspersonen zuzüglich aller instabil Beschäftigten.
  • U-6 Alle Arbeitslosen zuzüglich der instabil Beschäftigten zuzüglich der Personen, die aus wirtschaftlichen Gründen eine Teilzeitstelle haben, in Prozent der zivilen Erwerbspersonen zuzüglich der instabil Beschäftigten.

Die Erwerbsquote (Civilian Participation Rate) des Bureau of Labor Statistics setzt aus dem Civilian Labor Force Level (Arbeitskräfte, die dem Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten zur Verfügung stehen) und dem Civilian Noninstitutional Population Level (arbeitsfähige Gesamtbevölkerung ab 16 Jahre) zusammen.[7]

Die Inflation und das Wirtschaftswachstum wird in den USA seit 1996 hedonisch berechnet. Damit wird versucht die Qualitätssteigerungen von Produkten zu quantifizieren. Dies führt zu niedrigeren Inflationsraten und je nach Bundesstaat und Branche zu geschätzt bis zu 30 Prozent höheren Wachstumszahlen. Soziale Leistungen werden oft mit der Inflationsrate angepasst. Auch die Lohnpolitik richtet sich nach der Inflationsrate.[8] In Deutschland erfolgte eine entsprechende Revision der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung im Jahr 2005.[9][10]

Die folgende Tabelle vergleicht den Gesamtindex und die Einzelindizes (Lageindex und Erwartungsindex) mit der Arbeitslosigkeit, der Unterbeschäftigung, der Erwerbsquote sowie der Inflation.

Datum
Gesamtindex
in Punkten
Lageindex
in Punkten
Erwartungs-
index
in Punkten
Arbeits-
losigkeit
(U-3) in %
Unter-
beschäftigung
(U-6) in %
Erwerbsquote
in %
Inflation
in %
31. Dez. 1994 103,4 111,4 98,1 5,5 10,0 66,7 2,7
31. Dez. 1995 99,2 109,6 92,3 5,6 10,0 66,4 2,5
31. Dez. 1996 114,2 135,7 99,9 5,4 9,5 67,0 3,3
31. Dez. 1997 136,2 163,1 118,3 4,7 8,4 67,2 1,7
31. Dez. 1998 126,7 168,6 98,7 4,4 7,6 67,2 1,6
31. Dez. 1999 141,7 181,7 115,0 4,0 7,1 67,2 2,7
31. Dez. 2000 128,6 176,1 96,9 3,9 6,9 67,1 3,4
31. Dez. 2001 94,6 97,8 92,4 5,7 9,6 67,0 1,6
31. Dez. 2002 80,7 69,6 88,1 6,0 9,8 66,7 2,4
31. Dez. 2003 94,8 76,0 107,4 5,7 9,8 66,3 1,9
31. Dez. 2004 102,7 105,7 100,7 5,4 9,2 65,9 3,3
31. Dez. 2005 103,8 120,7 92,6 4,9 8,6 66,0 3,4
31. Dez. 2006 110,0 130,5 96,3 4,4 8,0 66,4 2,5
31. Dez. 2007 90,6 112,9 75,8 5,0 8,8 66,0 4,1
31. Dez. 2008 38,6 30,2 44,2 7,4 13,7 65,8 0,1
31. Dez. 2009 53,6 20,2 75,9 10,0 17,3 64,7 2,7
31. Dez. 2010 63,4 28,8 86,5 9,4 16,7 64,3 1,5

Beste und schlechteste Monate

Die Tabelle zeigt die Monate mit dem höchsten und niedrigsten Wert des Consumer Confidence Index seit 1970.[11][12][13]

Beste Monate
Rang Datum Wert
1 Jan. 2000 144,7
2 Mai 2000 144,7
3 Juli 2000 143,0
4 Sep. 2000 142,5
5 Dez. 1999 141,7
6 Feb. 2000 140,8
7 Aug. 2000 140,8
8 Juni 2000 139,2
9 Juni 1999 139,0
10 Juni 1998 138,2
11 Mai 1999 137,7
12 Apr. 2000 137,7
13 Feb. 1998 137,4
14 Apr. 1998 137,2
15 Juli 1998 137,2
16 Mär. 2000 137,1
17 Nov. 1999 137,0
18 Mai 1998 136,3
19 Dez. 1997 136,2
20 Juli 1999 136,2
Schlechteste Monate
Rang Datum Wert
1 Feb. 2009 25,3
2 Mär. 2009 26,9
3 Jan. 2009 37,4
4 Dez. 2008 38,6
5 Okt. 2008 38,8
6 Okt. 2011 39,8
7 Apr. 2009 40,8
8 Dez. 1974 43,2
9 Nov. 2008 44,7
10 Aug. 2011 45,2
11 Feb. 2010 46,4
12 Sep. 2011 46,4
13 Feb. 1992 47,3
14 Juli 2009 47,4
15 Sep. 2010 48,6
16 Okt. 2009 48,7
17 Juni 2009 49,3
18 Okt. 2010 49,9
19 Mai 1980 50,1
20 Jan. 1992 50,2

Jährliche Entwicklung

Die folgende Tabelle zeigt die jährlichen Höchst- Tiefst- und Schlussstände des bis 1970 zurückgerechneten Consumer Confidence Index.[11][12][13]

Jahr Höchststand Tiefststand Schlussstand
1970 101,7 75,7 75,7
1971 85,0 75,2 85,0
1972 116,1 85,0 116,1
1973 116,1 70,6 70,6
1974 95,1 43,2 43,2
1975 93,7 43,2 93,7
1976 101,0 87,1 98,9
1977 109,7 93,1 109,7
1978 109,9 96,5 102,2
1979 101,5 79,4 90,7
1980 87,2 50,1 78,6
1981 86,9 66,6 66,6
1982 64,9 54,3 59,5
1983 103,6 59,0 103,6
1984 106,1 97,0 97,0
1985 104,4 96,0 98,2
1986 100,2 85,8 93,2
1987 115,7 85,4 107,7
1988 120,2 109,9 119,4
1989 120,7 113,0 113,0
1990 110,6 61,2 61,2
1991 81,1 52,5 52,5
1992 78,1 47,3 78,1
1993 79,8 58,6 79,8
1994 103,4 79,9 103,4
1995 104,6 94,6 99,2
1996 114,2 88,4 114,2
1997 136,2 118,5 136,2
1998 138,2 119,3 126,7
1999 141,7 128,9 141,7
2000 144,7 128,6 128,6
2001 118,9 84,9 94,6
2002 110,7 79,6 80,7
2003 94,8 61,4 94,8
2004 105,7 88,5 102,7
2005 106,2 85,2 103,8
2006 110,0 100,2 110,0
2007 111,9 87,8 90,6
2008 87,3 38,6 38,6
2009 54,8 25,3 53,6
2010 63,4 46,4 63,4
2011¹ 72,0 39,8

¹ 31. Oktober 2011

Weblinks

Einzelnachweise

  1. The Conference Board: Consumer Confidence Survey
  2. Markt-daten.de: Verbrauchervertrauen, Conference Board Consumer Confidence
  3. Wall Street Journal: Conference Board Changes Show Higher Consumer Confidence, vom 14. Februar 2011
  4. Conference Board: Consumer Confidence Survey Technical Note – February 2011
  5. Manager Magazin: US-Verbrauchervertrauen Oktober weitaus schlechter als erwartet, vom 25. Oktober 2011
  6. U.S. Bureau of Labor Statistics: Alternative Measures of Labor Underutilization
  7. U.S. Bureau of Labor Statistics: Civilian Participation Rate
  8. Handelsblatt: Geschönte Wachstumsdaten – Der Statistik-Schmu der Amerikaner, vom 4. Juni 2010
  9. Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung: Reales BIP
  10. US Inflation Calculator: Historical US Inflation Rate
  11. a b Advertising Age: Historische Daten 1970–2008
  12. a b Polling Report: Historische Daten 1997–2010
  13. a b Retail Sails: Historische Daten der letzten 5 Jahre

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