Abflämmen (Haut)

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Abflämmen (Haut)
Leder und moderne Lederbearbeitung

Leder ist eine durch Gerbung chemisch haltbar gemachte Tierhaut, deren nat√ľrliche Faserstruktur weitgehend erhalten ist. Grunds√§tzlich muss zwischen den Begriffen Leder und Pelz (Pelzfell) unterschieden werden.

Leder wird meist aus der Lederhaut (anderer Name Dermis) genannten Hautschicht gewonnen. Diese gliedert sich ihrerseits in die nach au√üen liegende, der Lederoberfl√§che ihr glattes Aussehen gebenden Papillarschicht und die darunter liegende, f√ľr die mechanische Festigkeit verantwortliche Retikularschicht. W√§hrend z. B. Spaltleder nur aus der Retikularschicht besteht, werden beispielsweise Skivers, das sind sehr d√ľnne Schafleder, fast nur von der Papillarschicht gebildet.

Pelzfelle enthalten neben der Lederhaut noch die haarbildende Oberhaut oder Epidermis.

Die K√∂rperh√ľlle von Rind, Ross, B√ľffel, Esel, also alles von gr√∂√üeren Tieren und auch die vom Schwein wird im rohen ungegerbten Zustand ebenso wie als Leder als Haut bezeichnet. Die H√ľlle von kleineren Tieren wie z. B. Kalb, Ziege, Schaf, etc. wird grunds√§tzlich Fell genannt. Sind nach der Gerbung die Oberhaut und Haare noch erhalten, spricht man von Pelz oder Pelzfellen.

Nach dem Abzug liegen die Häute und Felle meist flach vor. Bei kleinen Tieren, vor allem bei Pelzfellen, wird die Haut manchmal als Balg abgezogen. Sie liegt dann in einer schlauchförmigen Form vor.

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften und Qualität

Lederg√ľrtel mit Dornschnalle aus Metall

Leder ist ein geschmeidiges, z√§hes, relativ festes, haltbares und vielseitig einsetzbares Material. Es ist relativ undurchl√§ssig f√ľr Wasser, trotzdem ist es atmungsaktiv, d.¬†h. ausreichend durchl√§ssig f√ľr Luft und Wasserdampf.

F√ľr die technische Beschreibung und Qualit√§tsbeurteilung von Leder sind die Dichte (spezifisches Gewicht), die Zugfestigkeit, die Dehnbarkeit, die Bruchfestigkeit des Narbens, die Wasser- und Luftdurchl√§ssigkeit, die Lichtbest√§ndigkeit und die Schrumpfung entscheidend. Neben diesen physikalischen Werten werden auch chemische Werte wie Fettgehalt, Schrumpfungstemperatur im nassen Zustand, Gerbstoffgehalt, Waschbarkeit, S√§uregehalt, etc. beurteilt. F√ľr die chemischen und physikalischen Parameter gibt es f√ľr die meisten Lederarten entsprechende Richtwerte.

Schwer oder gar nicht messbar sind Eigenschaften wie Weichheit, Struktur und Griff und auch die Optik. In der Praxis sind diese Eigenschaften f√ľr eine Entscheidung ob, und welches Leder verwendet wird oft ebenso wichtig wie die technischen Parameter.

Geschichte

Fr√ľhgeschichte und R√∂misches Reich

Lange vor der Zeitenwende waren lederne Gegenst√§nde in √Ągypten, in Mesopotamien und bei den Israeliten in Gebrauch. Die pflanzliche Gerbung war schon im 4. Jahrtausend v. Chr. im alten √Ągypten bekannt. Auf dem Sarkophag von Ti, einem reichen √Ągypter, der etwa zwischen 2850 v. Chr. bis 2700 v. Chr. gestorben ist, kann man Szenen mit Gerbern erkennen.

In der Zeit des r√∂mischen Imperiums wurde viel Leder f√ľr die Herstellung der Ausr√ľstung der r√∂mischen Legion√§re verwendet. Die Produktion wurde vor allem in Rom durch eine Zunft der Leder- und Hautverk√§ufer aus Ostia geregelt. Der Lederhandel war u. a. auch einer der Gr√ľnde f√ľr die punischen Kriege; Karthago war ein Zwischenhandelsplatz zwischen den M√§rkten Nordafrikas und denen des Mittelmeers und hatte dadurch das Monopol f√ľr den Lederhandel in Europa und im Mittelmeerraum.

Vom 3. Jahrhundert an war der Lederhandel unter r√∂mischer Aufsicht. Vermutlich waren S√ľdfrankreich und Spanien die Produktionszentren dieser Zeit. Dieses best√§tigen vor allem Funde in Botonita (Zaragoza); dort wurde gr√∂√üere Mengen Kalk, Schwefel und andere chemische Produkte gefunden, die vermutlich zum Gerben verwandt wurden. In den Ausgrabungen in Contrebia Belaisca wurden ebenfalls Beweise f√ľr die Existenz der Lederherstellung aus der Epoche zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 3. Jahrhundert v. Chr. gefunden.

Tipi aus B√ľffelleder (1869)

Mittelalter bis Barock

Sp√§ter, nach dem Sturz des r√∂mischen Reichs im Jahr 476, √ľbernimmt Karl der Gro√üe die Gesetzgebung hinsichtlich der Lederherstellung und deren Handel. Er belegt einige Produkte mit einer Steuer. In dieser Zeit war das Leder relativ grob verarbeitet und stammte meist aus einem nahen Einzugsgebiet, obwohl in Einzelf√§llen Leder auch importiert wurde.

Im Mittelalter war die Produktion von Leder in Vorderasien und Nordafrika sehr viel weiter fortgeschritten als in Europa, sowohl was die Quantität als auch was die Qualität anbetraf. Erst 1749 wurde die erste Saffianleder-Fabrik im Elsass errichtet.

F√ľr die Mode dieser Zeit wurde oft Leder aus Sibirien importiert. Sp√§ter wurde dieser Handel aber durch ein Monopol der Juden aus Warschau oder Lemberg kontrolliert, die in direktem Kontakt mit den russischen J√§gern standen.

Die Herstellung einzelner Lederarten war in Deutschland lange Zeit einzelnen Regionen oder Städten vorbehalten:

Die Geschichte der Lederwarenfertigung wird im Deutsche Ledermuseum in Offenbach dokumentiert.

Moderne

Lederarmband mit Metallapplikationen

Leder hat fr√ľh auch eine Bedeutung im Bereich der Bekleidung erreicht, wie es z.¬†B. die Cowboys zeigen, die das Leder aufgrund seiner Resistenz gegen Wind und Wetter bevorzugten. Auch die ersten Piloten- und Motorradfahrerhelme waren aus diesem Material. Au√üerdem wurde die Lederbekleidung oft mit den Heavy-Metal-Gruppen assoziiert wie z.¬†B. den Scorpions.

Im 19. Jahrhundert findet man in der Literatur verschiedene Hinweise auf Leder, in denen vor allem auch seine Verwendung im Bezug auf die menschliche Fantasie eine Rolle spielt, einschlie√üend sexueller Ausrichtungen. So hat sich z.¬†B. Leopold von Sacher-Masoch, von dessen Nachnamen sich der Masochismus ableitet, sehr von der erotischen Seite des Leders angezogen gef√ľhlt. Dies beweist er in seinen Romanen Venus im Pelz und Falsches Hermelin.

Verwendung

Pokerw√ľrfel mit ledernem W√ľrfelbecher

Leder und Pelz geh√∂ren zu den √§ltesten von der Menschheit verwendeten Materialien, zusammen mit Holz, Stein und Wolle. Neben Schuhen und Lederbekleidung werden Erzeugnisse aus Leder als Lederwaren oder Portefeuilles bezeichnet. Dar√ľber hinaus hat Leder Bedeutung und Verwendung in der Fetischszene und im BDSM. In der Geschichte wurde Leder auch f√ľr Waffen und Ger√§te verwendet. Verschiedene Holzgegenst√§nde wurden mit Leder √ľberzogen, wie z.¬†B. Truhen und kleinere K√§sten. Auch W√ľrfelbecher bestanden meist aus Leder, ebenso wie die ersten Eimer.

Pergament ist eine bearbeitete aber ungegerbte Tierhaut, die seit dem Altertum als Beschreibstoff verwendet worden ist. Es ist damit ein Vorläufer des Papiers.

Die nordamerikanischen Indianer verwendeten Leder f√ľr die Bekleidung oder als Zelt (Tipi).

Leder wird nach der Fläche des Fells gehandelt. Dies geschieht noch heute in Quadratfuß. Ein Quadratfuß Leder sind 929 cm².

Schuhe

Der √ľberwiegende Teil des weltweit produzierten Leders wird noch immer f√ľr Schuhe verwendet. F√ľr die Herstellung eines Schuhs sind verschiedene Lederarten mit g√§nzlich unterschiedlichen Eigenschaften erforderlich. Je nach Bauart des Schuhs z. B. sehr festes, verschlei√üfestes Sohlenleder, schwei√übest√§ndiges Brandsohlenleder, gut hautvertr√§gliches Futterleder, festes aber pr√§gbares Rahmenleder und nat√ľrlich Leder f√ľr das Schuhoberteil, das allegemein Oberleder bezeichnet wird und je nach Schuhart unterschiedliche Eigenschaften aufweist. Typische Lederarten f√ľr Oberleder sind: Kalbbox (Boxcalf), Rindbox, Chevraux (Ziegenleder), Hunting (Veloursleder aus Vollrind oder Kalb), Waterproof, Schuh- und Stiefelnappa.

Bekleidung

Leder wird vor allem in der Bekleidungsindustrie f√ľr Kleidungsst√ľcke (z.¬†B. Jacken, Hosen, M√§ntel), Handschuhe, Schuhe oder H√ľte verwendet. Daneben gibt es Schutz- und Funktionskleidung aus Leder, wie Fliegerjacken und Motorradkleidung, aber auch Sch√ľrzen oder Helme.

Lederjacken und Lederhosen sind fester Bestandteil der Alltagskleidung, in den 1950er Jahren bekamen sie eine zeitlang den Status aufm√ľpfiger Jugendbekleidung. Vor allem in Bayern und √Ėsterreich ist die Lederhose ein wesentlicher traditioneller Bestandteil der Trachten.

Accessoires

Handschuhe aus Leder

Accessoires aus Leder k√∂nnen sein: Taschen, Handtaschen, Geldb√∂rsen (siehe auch Geldkatze) oder Portemonnaies, Koffer, K√§sten, Schmuckk√§sten, Futterale, G√ľrtel und H√ľte. Es wird auch in Form von Lederschn√ľren als Schmuckkette mit Anh√§nger, als Lederarmreif angeboten oder auch als Haarschmuck angeboten.

Möbel

In der Möbelindustrie wird Leder vor allem als Bezug verwendet z. B. von Möbeln wie Ledersofas und Ledersesseln. Im weitesten Sinn können hier auch die Ledersitze in den Autos genannt werden.

Sport

Lederfußball

Beispiele sind hier √úberz√ľge von B√§llen (z.¬†B. Fu√üball, Handball, Medizinball) oder Sportger√§ten (z.¬†B. B√∂cke, Boxsack, Boxhandschuhe, Knieschoner und Sportbekleidung, v.a. Sportschuhe).

Technik

Schon fr√ľh wurde Leder f√ľr Transmissionsriemen, Treibriemen und √Ąhnliches verwendet. Auch der Blasebalg wurde teilweise aus Leder hergestellt. In modernen Autos nimmt die Verwendung von Leder als Innenraum- oder Lenkradverkleidung sowie f√ľr Ledersitze zu (siehe dazu auch: Fahrzeugtuning).

Vor der Verwendung von Kunststoffen wurde Leder auch zur Isolierung von elektrischen Kabeln eingesetzt. Auch als Dichtung, als Putz-, Wasch- und Filtrierleder wird Leder verwendet.

Ein historisches Beispiel f√ľr die Verwendung von Lederriemen ist das Bandalier.

Buchbinden

In der Buchbinderei wurde seit ihren Anf√§ngen Leder f√ľr Einb√§nde und Einbandgestaltung verwendet. Der Buchbinder √ľberzieht auch K√§sten, Schuber, Etuis und Futterale mit Leder.

Ledertapeten

Leder wurde auch in Form von Tapeten (historisch auch Goldledertapeten) f√ľr die Wandgestaltung verwendet.

Sattlerei

Reitsattel

Leder ist der √ľberwiegende Bestandteil von S√§tteln und Geschirren f√ľr Pferde und Ochsen in Reitsport und Landwirtschaft. Auch einige Peitschen (Martinet, Tawse) werden aus Lederschn√ľren hergestellt. Aber nicht nur f√ľr Arbeitstiere wurden Lederriemen verwendet, sondern auch f√ľr Hundehalsb√§nder oder Hundeleinen.

Waffen und Militär

Römische Militärstiefel Caligae
Lederhalfter einer Browning

Die r√∂mischen Soldaten trugen teilweise unter dem Schienenpanzer oder Kettenhemd eine Art Polsterweste aus Leder, die an Schultern und Unterkante mit Lederstreifen verziert war. Auch die Milit√§rstiefel der r√∂mischen Armee waren aus Leder, genau wie die H√ľllen, die w√§hrend des Marsches √ľber die Schilde gezogen wurden, um diese vor Feuchtigkeit und Besch√§digungen zu sch√ľtzen. Leder wurde auch f√ľr die Pfeil-K√∂cher der Bogensch√ľtzen verwendet. Alternativ wurden auch Pistolen-Holster oder Scheiden f√ľr Messer aus Leder gefertigt. Auch Masken, vor allem auch im afrikanischen Raum, waren Symbol eines Kriegers.

Materialbezogene Berufe

Es gibt zahlreiche lederverarbeitende Handwerksberufe, wie den T√§schner oder √∂sterreichisch Taschner, Feint√§schner, Gerber, Punzierer, Buchbinder, K√ľrschner, Riemer, Sattler, Schuster oder Schuhmacher. Im Mittelalter waren Lederberufe in Z√ľnften organisiert, wie z. B. Lederer, sowie Wei√ü- und Rotgerber und Corduanmacher. Weitere eher historische Berufsbezeichnungen sind: Beutler, Futteralmacher und Pergamenter.

Ein relativ neuer Beruf, der sich auch mit Leder beschäftigt ist der Restaurator, insbesondere der Buchrestaurator und der Restaurator archäologischer Funde.

Ausgangsmaterial

Häutemarkt nördlich der Altstadt von Fès/Marokko
Fischhäute, gegerbt und gefärbt

F√ľr die Herstellung von Leder kann jede tierische Haut verwendet werden. Das Ausgangsmaterial ist oft entscheidend f√ľr die Qualit√§t des Leders. Von allen weltweit verarbeiteten H√§uten stammen √ľber 95 Prozent von Rindern, K√§lbern, Schafen, Ziegen und Schweinen, sie sind quasi ein Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie. Insbesondere Rinderh√§ute lassen sich f√ľr die unterschiedlichsten Verwendungen einsetzen.

Daneben finden sich Leder aus H√§uten exotischer Tiere und ‚Äď eher selten ‚Äď anderen Ursprungs. Vor allem die Schuh-, Handtaschenproduktion und auch andere Modebranchen haben exotische Quellen entdeckt. Dazu geh√∂ren Krokodile, Wild (Hirsch, Reh), Bison, B√ľffel, K√§nguru, Strau√ü, Fische (Aalleder) und Schlangen. Besonders Krokodilleder und Schlangenh√§ute waren eine Zeitlang sehr in Mode, was fast zur Ausrottung dieser Tierarten f√ľhrte. In den 1970er Jahren wurden vor allem Strau√üe gez√ľchtet, deren Fleisch und Leder vielseitig eingesetzt worden ist. Strau√üenleder gilt als sehr fein und sehr haltbar, es wird immer noch zu modischen Artikeln verarbeitet. K√§nguru-Leder wird oft f√ľr Motorradhandschuhe verwendet, f√ľr die es aufgrund seiner St√§rke und Dehnungsf√§higkeit eher geeignet ist als Kuh- oder Rindsleder.

Auch die Haut von Hunden und Katzen wurde zu Leder verarbeitet. Hundeleder wurde im Mittelalter bis zur Moderne im Bereich des Buchdrucks und anderer Drucktechniken angewendet, bei denen der Auftrag von Druckerschw√§rze auf den Druckstock mit einem Ledertampon erfolgte. Da der Hund ‚Äď seine Haut ist nicht von Schwei√üdr√ľsen durchsetzt ‚Äď ein porenfreies Leder hat, wurde vor allem Hundeleder daf√ľr benutzt. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war es f√ľr bestimmte Artikel, wie beispielsweise Handschuhe, sehr begehrt. In Brasilien werden Hundefelle, insbesondere die der Dackel, zum Bespannen einer bestimmten Reibetrommel, der Cu√≠ca, verwandt.

Einige Fundst√ľcke aus dem 11. Jahrhundert zeigen, dass Katzenfell von den Wikingern getragen und im Mittelalter in Europa bevorzugt gehandelt wurde. Zu dieser Zeit und noch vor etwa hundert Jahren sch√§tzten insbesondere franz√∂sische und englische K√ľrschner Katzenleder als besonders geschmeidiges Material f√ľr Handschuhe. Es gibt sogar einige - wenn auch wenige - Beispiele f√ľr die Verwendung menschlicher Haut f√ľr Bucheinb√§nde (Anthropodermic bibliopegy).

Herstellung

Die Inuit (Eskimos) stellten ihr Leder auf eine besondere Weise her. Die Häute wurden gewalkt und dann mit den Zähnen gekaut, bis sie vollkommen geschmeidig und weich geworden sind.

Bei der Gerberei wird aus verderblichen, den nat√ľrlichen Abbauprozessen ausgesetzten H√§uten ein dauerhafteres Produkt geschaffen. Die H√§ute werden zun√§chst in Salz oder durch Trocknen konserviert. In verschiedenen Prozessen der Wasserwerkstatt wie der Weiche, dem Enthaaren (√Ąschern) und Entfleischen (mechanische Entfernung des Unterhautbindegewebes), dem Entk√§lken und der enzymatischen Beize, wird die Haut auf die eigentliche Gerbung vorbereitet. Die gew√ľnschten Ledereigenschaften werden bei diesen Arbeitsschritten schon wesentlich beeinflusst. Bei der eigentlichen Gerbung erfolgt die Umwandlung der bis dahin rohen Haut in Leder. In der Gerberei k√∂nnen verschiedene Rohstoffe eingesetzt werden. Bei der pflanzlichen Gerberei (vegetabile Gerbung, Lohgerberei) werden Gerbstoffe in Eichen- oder Fichtenrinden, Ausz√ľge aus Quebracho-, Kastanien- oder Eichenholz, Mimosa-, Sumach- und andere Holz- bzw. Rindengerbstoffe verwendet. Bei der Mineralgerbung werden Chromsalze, Aluminiumsalze Alaun (Wei√ügerbung) und Zirkonsalze angewendet. Neben den mineralischen und pflanzlichen Gerbstoffen werden auch synthetisch hergestellte Gerbstoffe (Syntane), Aldehyde (Glutardialdehyd, Formaldehyd) und Fettgerbstoffe (Trane) zur Gerbung verwendet. Erfolgte dies fr√ľher haupts√§chlich in gemauerten Gruben mit wenig Bewegung, werden diese Prozesse heute in drehbaren F√§ssern aus Holz, Edelstahl oder Kunststoff durchgef√ľhrt. Der Aufbau ist √§hnlich wie bei einer Waschmaschinentrommel, aber mit einem Fassungsverm√∂gen von mehreren Kubikmetern.

Lederfelle

Die gegerbte Haut hat nach dem Gerben eine raue und eine glattere Seite. Die raue wird als Fleischseite (Aasseite) bezeichnet, da sie urspr√ľnglich dem Fleisch zugewandt war. Die glatte wird als Narben bezeichnet und weist die arttypische Oberfl√§chenstruktur auf. Diese Narbenseite kann in verschiedenen Verfahren ihrem Verwendungszweck angepasst werden. Dabei kommen chemische und mechanische Prozesse in Frage.

Dicke des Leders

Leder kann vor und nach dem Gerben gespalten werden (Spaltleder). Der Narbenspalt ist allgemein der wertvollere Teil der Haut. Der Fleischspalt hat zwei raue Seiten und wird zu Veloursleder verarbeitet oder mit einer Beschichtung (Zurichtung) als Ersatz f√ľr Narbenleder verwendet. Nicht gespaltetes Leder wird auch Vollleder genannt. Die genaue Dickenregulierung erfolgt nach der Gerbung durch ‚ÄěFalzen‚Äú. Dabei werden durch rotierende Messerwalzen Falzsp√§ne vom Leder abgetragen.

Nachgerbung, Färbung, Fettung

Grundlegende Ledereigenschaften wie Weichheit oder F√ľlle entstehen durch die Arbeiten der Wasserwerkstatt und durch die Gerbung. Die Nachbehandlung mit Gerbstoffen (Nachgerbung), Farbstoffen und Fettungsmitteln legt die Eigenschaften f√ľr den speziellen Verwendungszweck des fertigen Leders fest. Insbesondere bei der Mineralgerbung bestimmen diese Arbeitsschritte die sp√§teren Ledereigenschaften, dies sind vor allem Weichheit, Dehnbarkeit, F√ľlle, Wasseraufnahme und F√§rbbarkeit.

Die nat√ľrliche Farbe des Leders h√§ngt vom Gerbmittel ab. In der Lohgerberei erh√§lt man r√∂tliche-br√§unliche T√∂ne, in der Wei√ügerberei wei√ües, in der Chromgerbung blaugr√ľnes und mit Fettgerbstoffen gelbliches Leder. Unter anderem deshalb wird Leder oft gef√§rbt.

Das F√§rben war bereits den √Ągyptern bekannt, wo das Leder noch kostspielig mit Purpurschnecken gef√§rbt wurde. Bis etwa 1860 war der F√§rber auf Naturrohstoffe angewiesen, heute werden fast ausschlie√ülich Anilinfarbstoffe verwendet. Es wird zwischen sauren, substantiven, basischen, Entwicklungs- und Schwefelfarbstoffen unterschieden. Die F√§rbung erfolgt haupts√§chlich in der Flotte in F√§ssern, kann aber auch durch Spritzen, B√ľrsten oder auf Walzenauftragsmaschinen durchgef√ľhrt werden. Gef√§rbtes Leder wird entweder durchgef√§rbt oder oberfl√§chengef√§rbt. Die verwendeten Farbstoffe gehen eine chemische Bindung mit dem Leder ein und beeintr√§chtigen nicht den nat√ľrlichen Oberfl√§chencharakter. Erhalten diese Leder keine oder nur eine geringe Beschichtung (Trockenzurichtung), werden sie als Rein-Anilinleder bezeichnet. Komplett anilingef√§rbtes Leder hat auf der Ober- und der Unterseite die gleiche Farbe, Kratzer oder Abnutzung fallen dadurch weniger auf. St√§rker beschichtetes Leder wird als semianilin, oder wenn die Beschichtung mit deckenden Pigmenten versetzt ist, als gedecktes Leder bezeichnet.

Oberflächenbehandlung

Durch die Oberfl√§chenbehandlung der Narbenseite kann Leder bestimmte Effekte erhalten. Es kann gl√§nzend oder matt werden. Auch die Widerstandsf√§higkeit der Oberfl√§che kann wesentlich verbessert werden. Die Behandlung erfolgt heute haupts√§chlich mit umweltfreundlichen, wasserverd√ľnnbaren Bindemitteln, Pigmenten und Additiven. Der Auftrag erfolgt in mehreren Schichten durch Spritzen, Gie√üen oder √ľber Walzenauftragsmaschinen (Rollercoater). Die Schichten werden durch B√ľgeln, Polieren oder Glanzsto√üen gegl√§ttet und fest auf dem Leder verankert. Durch Krispeln, Pr√§gen, Perforieren oder Chagrinieren kann dem Leder eine k√ľnstliche Oberfl√§chenstruktur verliehen werden. Auch Lackleder, bei dem ein √Ėllack, ein Kaltlack oder ein Folienlack auf die Lederoberfl√§che aufgetragen wird, geh√∂rt mit zu den Veredelungen der Lederoberfl√§che. Wird die Fleischseite geschliffen und als sichtbare Oberfl√§che verwendet, erh√§lt man ein Rauhleder. Bei Nubukleder wird die Narbenseite mit feinem Schleifpapier angeschliffen.

Lederdekoration

Leder in seinen vielschichtigen Anwendungsbereichen, kann nach der Verarbeitung auch vielf√§ltig dekoriert und geschm√ľckt werden. Leder kann bemalt, neu eingef√§rbt werden. Mit hei√üen Stempeln kann man ein Muster im Blinddruck (Gaufrage) oder auch in Gold oder anderen Farben aufbringen. Bei den √Ągyptern waren Verzierungstechniken wie Ausschneiden, Ritzen, Unterlegen, Flechten, Schneiden, Punzen, Sticken und andere Applikationen gebr√§uchlich. In der Buchbinderei kennt man auch die Technik des Lederschnitts. Leder kann auch durch Pressen und durch Druck reliefartig geformt werden.

Chemische Zusammensetzung

Leder setzt sich je nach Herstellungsverfahren verschieden zusammen. Die eigentliche Ledersubstanz kann prozentuell schwanken. Ein pflanzlich gegerbtes Leder hat einen höheren Gerbstoffgehalt und somit eine Ledersubstanz von 38 bis 46 Prozent, ein chromgegerbtes Leder dagegen kann bis zu 72 Prozent Ledersubstanz aufweisen. Die Alaun- und die sämischgegerbten Leder liegen dazwischen.

Daneben wird immer auch der Wassergehalt des Leders begutachtet. Leder ist hygroskopisch und daher ist der Wassergehalt immer auch abhängig von der umgebenden Luftfeuchte. Bei pflanzlich gegerbten Leder liegt er um 14 Prozent, bei mineralgegerbten Leder etwas höher um 18 Prozent. Steigt der Fettgehalt im Leder, so sinkt der Wassergehalt. Die Wassermenge im Leder bestimmt dessen Reißfestigkeit, Griff, Stand, Gewicht und Elastizität.

Der Fettgehalt des Leders hängt auch davon ab, von welchem Tier die Haut stammt. Normalerweise liegt der Naturfettgehalt der Haut bei ca. 1 Prozent; eine Ausnahme ist Schafleder, das bis zu 12 Prozent Naturfettgehalt aufweist. Während der Fettung im Herstellungsprozess kann ein Fettgehalt von bis zu 50 Prozent erreicht werden. Der Fettgehalt beeinflusst ebenso wie der Wassergehalt die Eigenschaften des Leders: Reißfestigkeit, Elastizität, Wasseraufnahmevermögen, etc.

Wichtig ist auch der Gehalt an gebundenem Gerbstoff. Darunter versteht man, den an die Proteine der Haut gebundenen Gerbstoff in Relation zur Hautsubstanz. Pflanzlich gegerbte Leder enthalten 24 bis 32 Prozent, mineralgegerbte Leder 4 bis 6 Prozent und fettgegerbte Leder 12 bis 18 Prozent gebundenen Gerbstoff.

Daneben findet man in Leder verschiedene Mineralien, die aus dem Herstellungsprozess (√Ąschern, Gerben) stammen. Normalerweise ist der Mineralstoffgehalt bei pflanzlich gegerbten Leder unter 2 Prozent, der der mineralisch gegerbten zwischen 7 und 9 Prozent.

Lederbezeichnungen

Nach Verwendungszweck

  • Sattler- und T√§schnerleder
    • Geschirrleder. Geschw√§rztes oder naturelles, st√§rker gefettetes Blankleder.
    • Feinleder. Sammelbezeichnung f√ľr die in der Feint√§schnerei verarbeiteten Lederarten.
  • Schuhunter- und Schuhoberleder
    • Sohlleder. Dickes, wenig biegsames Leder pflanzlicher Gerbung, meist Rindsleder
  • M√∂belleder und Autoleder
  • Bekleidungs- und Handschuhleder
  • Buchbinderleder
  • Futterleder
  • Technische Leder

Nach Herstellung

  • Blankleder ist ein pflanzlich gegerbtes, leicht gefettetes naturelles oder gef√§rbtes Rindleder f√ľr S√§ttel, Taschen und Reitzeug.
  • Chromleder wurde 1858 erfunden und wird mit dreiwertigen Chromsalzen gegerbt.
  • Glac√©leder besteht meist aus Lamm-, Zickel- oder Kalbleder. Es ist sehr weich und durch eine besondere Behandlung waschbar.
  • Pflanzlich gegerbtes Leder. Diese Leder wurde mithilfe von pflanzliche Gerbstoffen (z.¬†B. Rinden) gegerbt. (Geringe Schrumpfungstemperatur).
  • Rhabarberleder durch Gerbung mit Extrakten der Rhabarberwurzel.
  • S√§mischleder ist eine Ledersorte, welche nur mittels Fett (ursp. Waltran) gegerbt wird. Als Rohmaterial wurden H√§ute von G√§msen, Rehen, Hirschen, Rentieren, Ziegen, Schafen, K√§lbern und Rindern verwendet.
  • Spaltleder wird durch spalten gewonnen. Es wird zwischen Narbenspalt und Fleischspalt unterschieden. Ersteres besteht aus Papillar- und Retikularschicht und hat eine glatte Oberfl√§che. Zweiteres besteht nur aus Retikularschicht. Die glatte Oberfl√§che wird bei Fleischspalten oft durch Beschichtungen mit Folien oder Polymeren nachgebildet.
  • Alaungegerbtes Leder wurde mit Aluminiumsalzen gegerbt. (Wei√ügerberei).
  • Vollleder sind die nach der Haarseite gelegenen oberen Teile der Haut, die durch Bearbeitung von der Fleischseite oder durch Spalten auf die erforderliche St√§rke gebracht worden sind.
  • Waterproof sind meist Rindsleder mit Chromgerbung, die durch eine spezielle Behandlung eine geringe Wasseraufnahme und eine gute Wasserdichtigkeit zeigen. Sie werden haupts√§chlich f√ľr schwere Schuhe (Bergschuhe, Milit√§rschuhe, Arbeitsschuhe) verwendet.
  • Juchtenleder wurde fr√ľher mit Weidenrinden gegerbt und mit Birkenteer√∂l impr√§gniert. Es war sehr haltbares und gut wasserdichtes Leder - der Vorl√§ufer von Waterproof.
  • Schrumpfleder zeigt eine stark strukturierte Narbenschicht. Die Struktur entsteht durch eine spezielle Gerbung und ist wesentlich best√§ndiger als bei gepr√§gten Ledern. es wird f√ľr Schuhe, Taschen und Koffer verwendet.
  • Altgrubengerbung wird f√ľr die Herstellung von hochwertigen Sohlenledern durchgef√ľhrt. Sie ist eine reine Vegetabilgerbung und es d√ľrfen nur gemahlene Gerbmittel (Rinden, Bl√§tter, H√∂lzer und Fr√ľchte) und keine Gerbextrakte verwendet werden. Die Gerbdauer betr√§gt bis zu 12 Monate.

Nach Herkunft der Haut

Beschlagnahmte Handtaschen aus Krokodil- und Schlangenleder

Nach Oberflächenbehandlung

  • Anilinleder hat ist sehr d√ľnn zugerichtet, die nat√ľrliche Struktur des Leders ist hierbei gut zu erkennen.
  • Farbleder
  • * H√ľhnerleder stammt nicht von H√ľhnern sondern bezeichnet ein feines Schaf- oder Ziegenleder.
  • Lackleder ist ein gedecktes, d.h. mit einer Lackschicht bedecktes Leder.
  • Nubukleder entsteht, wenn die Oberfl√§che von Rinds- oder Kalbleder angeschliffen wird, so dass eine feine, samtartig aufgeraute Struktur entsteht.
  • Rauhleder ist ein veloursartig aufgerautes chromgegerbtes Rinds- oder Kalbleder.
  • Schwarzleder wird durch B√ľrsten des gegerbten Leders mit Eisensalzl√∂sungen (Schw√§rzen) hergestellt.
  • Schleifbox ist nicht, wie oft vermutet wird, ein Artikel der Firma Boxmark - diese sollen angeblich gar keine Schleifmaschinen besitzen - sondern ein Rindleder, dessen fehlerhafter Narben angeschliffen wird und bei dem durch eine relativ dicke Zurichtung ein k√ľnstlicher Narben nachgebildet wird. Schleifbox wird haupts√§chlich f√ľr Schuhe und Taschen verwendet.
  • Veloursleder ist ein Sammelbegriff f√ľr Ledersorten mit aufgerauter Oberfl√§che, die auf der Fleisch- oder der Narbenseite angeschliffen werden. Auch Leder, bei dem die rauere Fleischseite nach au√üen gewendet wird, wird als Veloursleder bezeichnet.
  • Hirschleder wird s√§misch (Tran) gegerbt.

Sonderbezeichnungen

Fensterleder oder Chamoisleder
  • Boxcalfleder wird vor allem f√ľr Schuhe verwendet. Dieses Kalbleder ist geschmeidig und hat eine hohe Rei√üfestigkeit.
  • Chagrin ‚Äď Leder vom Pferd. Chagrin ist ein relativ grobes Leder mit gr√ľner F√§rbung und mit viel Narben. Fr√ľher wurde es aus dem Leder des Pferde- oder Eselr√ľckens, heute kann es auch aus Hai- oder Rochenhaut gewonnen werden. Meistens handelt es sich aber um ein chromgegerbtes Rind- oder Mastkalbleder mit Pressnarben und Deckfarbenzurichtung.
  • Chamoisleder ist ein fettgegerbtes G√§msenleder mit gutem Saugverm√∂gen.
  • Chevreauleder. Urspr√ľnglich wurde mit diesem Begriff ein feines Glac√©leder franz√∂sischer Herkunft bezeichnet. Heute versteht man unter Chevreau ein Ziegenleder, chromzweibad oder kombiniert gegerbt. F√ľr eine Imitation dieses Leders wird oft Schafsleder verwendet (sogenannte Chevretten)
  • Cordovan ‚Äď Leder nur aus der Kruppe des Pferdes
  • Ecras√©leder werden aus Kapziegen- oder Kalbh√§uten hergestellt. Es zeichnet sich nach der F√§rbung durch kleine, helle ‚Äě√Ąderchen‚Äú aus.
  • Goldchrom ist ein aus H√§uten junger Rinder hergestelltes Chromleder, das gelb gef√§rbt wird. Es wird vorwiegend zu Sportb√§llen verarbeitet.
  • Juchtenleder ist russischen Ursprungs. Mit jufte ‚ÄěPaar‚Äú wurde die Herstellungstechnik beschrieben. F√ľr die Gerbung wurden immer zwei H√§ute des sibirischen Steppenrinds zusammengeheftet und mit Weidenrinde gegerbt. Auch heute werden Rinderh√§ute mit Birkenrindenteer und Weidenrinde gef√§rbt; danach erh√§lt es eine starke Fettung. Juchtenleder ist r√∂tlich, wasserdicht und geschmeidig.
  • Knautschlack ist ein Leder, das mit einer wasserunl√∂slichen Lackschicht bedeckt ist.
  • ‚ÄěK√ľhlendes Leder‚Äú. Im Gegensatz zu herk√∂mmlichem Leder soll es sich in der Sonne nicht aufheizen, weil hier Farbpigmente das Sonnenlicht reflektieren.
  • Maroquin oder Marokkoleder ist ein geschw√§rztes Saffianleder. In der Buchbinderei versteht man darunter aber sumachgegerbtes, grobnarbiges, sehr haltbares Ziegenleder aus den H√§uten der afrikanischen Kapziege.
  • Mastboxleder ist ein Boxcalfleder aus den H√§uten von Mastk√§lbern.
  • Mochaleder oder Mochetto sind auf der Narbenseite geschliffene tuchartig zugerichtete Lamm- und Zickelfelle oder Kalbfelle. Mit das teuerste und haltbarste Handschuhleder, an Weichheit nicht zu √ľbertreffen.
  • Nappaleder ist sehr weich und flexibel und wird f√ľr Geldb√∂rsen, und andere Lederwaren verwendet. Es wird aus Lamm-, Zickel- oder Kalbleder hergestellt. Nappaleder hat noch die nat√ľrliche Oberfl√§che, auf der einstmals die Haare gesessen haben. Diese Oberfl√§che ist nicht abgeschliffen.
  • Oasenziege ist ein Buchbinderleder, hergestellt aus den H√§uten der Sudanziege in Zentralafrika
  • Saffianleder. Echtes Saffianleder wird aus den Fellen ostindischer Ziegen hergestellt und mit Sumach gegerbt. Die Bezeichnung wird von der Stadt Safi in Marokko hergeleitet. F√ľr eine Imitation dieses Leder werden Schafsfelle verwendet, die auch unter der Bezeichnung Mouton verkauft werden.
  • Skivers sind sehr d√ľnne Narbenspalte von Schafleder. Sie fallen teilweise bei der Produktion von Schaf- oder Lammvelour an und bestehen oft nur aus der Papillarschicht. Dadurch haben sie auch meist sehr schlechte mechanische Eigenschaften und werden bei der Verarbeitung auf Tr√§germaterialien aufkaschiert. Verwendet werden sie zB. als Futterleder f√ľr Kleinlederwaren.
  • Vacheleder. Sohlleder, aus Kuhh√§uten hergestellt.
  • Vachetta Leder oder Vachetten wurde f√ľr Koffer und Handtaschen verwendet und bekannt durch Louis Vuitton. Das Leder dunkelt und ver√§ndert sich bei Ber√ľhrung mit Wasser und anderen Fl√ľssigkeiten. Es wird aus gro√üfl√§chigen, vor der Gerbung gespaltenen Rinderh√§uten hergestellt. Man unterscheidet zwischen den stark gefetteten und geschw√§rzten Schmiervachetten, Koffer- und Taschenvachetten und Lack- und Autovachetten.
  • Walknappaleder ist wie Nappaleder sehr weich aber gl√§nzt auf Grund seiner Behandlung weniger.
  • Waschleder ist meist ein Lammleder, das sehr d√ľnn ausgeschliffen wird. Es ist voll waschbar.
  • Wildleder wird heute noch gelegentlich als Bezeichnung f√ľr angeraute Leder benutzt, richtiger und mittlerweile gebr√§uchlicher ist Veloursleder. Tats√§chliches ‚ÄěWild‚Äúleder stammt von G√§msen, Rehen, Hirschen, ostindischen Ziegen, Antilopen, Gazellen oder Rentieren.

Lederkonservierung

Schäden

Buchr√ľcken von Lederb√§nden mit Br√ľchen im Falz

Leder kann - wie jedes Material - durch eine konstante Nutzung geschädigt werden. Dazu gehören Schäden wie Einrisse, Abrieb, Flecken, Wasserränder, usw. Oft findet man bei Ledern auch Risse in der Oberfläche, die durch eine zu hohe Trockenheit oder auch einen zu hohen Fettgehalt im Leder ausgelöst worden sein können.

Schuhe k√∂nnen, abgesehen durch die t√§gliche Beanspruchung ‚Äď auch durch den Fu√üschwei√ü gesch√§digt werden. Um dieses zu vermeiden wird heute Leder verwendet, das schwei√übest√§ndiger ist. Kleidungsst√ľcke wie Jacken und Hosen sind ebenso jeder Witterung, d.h. Regen, Schnee, Sonne und Wind ausgesetzt, die auf Dauer auch sch√§digend auf das Leder einwirken k√∂nnen.

Das gegerbte Leder kann im Laufe der Zeit √ľbers√§uern. Die entstehende S√§ure baut das Leder ab. Dieser Prozess wurde vor allem w√§hrend der Gasbeleuchtung vorangetrieben, bei der schwefelhaltige Substanzen durch die Luft auch auf das Leder einwirkten. Dieses war vor allem in den Bibliotheken der Fall, so dass dieses Ph√§nomen eine eigene Bezeichnung erhielt: Im Englischen wird es als red rot, im Deutschen auch als Roter Zerfall bezeichnet. Das Leder wird dadurch komplett zerst√∂rt, die Oberfl√§che pulvert ab. Dieser Prozess resultiert bei gleichzeitiger geringer Luftfeuchte (kleiner als 40 Prozent) √ľber einen l√§ngeren Zeitraum in einem trockenen, irreversiblen Schaden der Faserstruktur des Leders. Es werden verschiedene Hausmittel empfohlen, besser ist es doch, einen fachkundigen Restaurator zu konsultieren.

Lederpflege

Leder sollte einen Wassergehalt von 14 bis 18 Prozent haben. Mit zunehmenden Fettgehalt nimmt der Wassergehalt des Leders ab. Durch den Wassergehalt des Leders werden Rei√üfestigkeit, Griff, Stand, Gewicht und Elastizit√§t stark ver√§ndert. Der Naturfettgehalt der Haut liegt bei 1 Prozent. Nur Schaffelle weisen bis zu 12 Prozent Naturfettgehalt auf. Wie der Wassergehalt, so beeinflusst auch der Fettgehalt die Eigenschaften des Fertigleders, wie Elastizit√§t, Rei√üfestigkeit, Wasseraufnahmeverm√∂gen, etc. sehr stark. Daher muss bei wertvollen Objekten mit Lederpflegemitteln vorsichtig umgegangen werden ‚Äď im Zweifelsfall sollte man auf jeden Fall einen Fachmann (z.¬†B. Lederrestaurator) zu Rate ziehen.

Schuhe

Schuhe unterliegen vergleichsweise sehr hohen Belastungen durch √§u√üere Einfl√ľsse wie Schmutz (= schmirgelnde Reibung), N√§sse (= Gefahr des Auswaschens von Fettungs- und Farbstoffen), Reibung und St√∂√üen der Oberfl√§che (= mechanische Besch√§digung), wie sie im Alltagsgebrauch nicht zu vermeiden sind. Zus√§tzlich wird das Leder durch Fu√üschwei√ü, Zug, Druck und Walkbewegungen st√§ndig beansprucht. Oft kommen noch chemisch Einfl√ľsse aus den Strumpfmaterialien oder Waschmittelreste hinzu. Deshalb erfordern Lederschuhe eine regelm√§√üige Pflege.

Glattleder

Die Pflege von Glattledersch√§ften besteht darin, dass nach einer gr√ľndlichen Reinigung der Oberfl√§che eine Schuhcreme d√ľnn aufgetragen wird und abschlie√üend poliert wird. Dadurch entsteht ein weitgehend geschlossener Schutzfilm, der besonders bei Verwendung einer Hartwachscreme (Dosencreme) das Oberleder optimal sch√ľtzt, gl√§nzt und eine Neuanschmutzung erschwert. Bei sehr stark beanspruchten Schuhsch√§ften (Arbeitsstiefel, Bergschuhe usw.) ist der f√ľr chromgegerbte Sch√§fte normaler Alltagsschuhe ausreichende Schutz durch Hartwachscreme nicht zufriedenstellend. Hierf√ľr gibt es deshalb spezielle Pflegemittel, wie Fettwachse, Lederfette und andere.

Rauhleder

Schuhe aus Rauhleder (Velours und Nubuk) haben sehr offenporige Sch√§fte und erfordern deshalb regelm√§√üiges gr√ľndliches Ausb√ľrsten um den eingedrungenen Staub zu entfernen. Gelegentliches Impr√§gnieren mit Impr√§gnierfl√ľssigkeiten oder -sprays verhindert ein vorzeitiges Neuanschmutzen und sorgt in einen gewissen Grad f√ľr einen Wasser absto√üenden Effekt.

Sonstiges

Ledersohlen können durch spezielle Ledersohlenöle gepflegt werden. Damit wird der Abrieb verringert und es entsteht eine zusätzliche Hydrophobierung.

Werden durchn√§sste Schuhe durch W√§rme (Strahlung oder warme Luft) beschleunigt getrocknet, besteht die Gefahr eines irreversiblen chemischen Umbaus der Lederfaser. In der Folge verh√§rtet das Leder, wird spr√∂de und rei√üt oder bricht leicht. Das gilt sowohl f√ľr Ledersch√§fte (besonders gef√§hrdet: vegetabil gegerbte Leder) wie auch f√ľr Ledersohlen. Deshalb werden durchn√§sste Schuhe nur mit Zeitungspapier ausgestopft, das die Feuchte aufsaugt und regelm√§√üig ausgetauscht wird. Dabei ist der Schuh am besten von allen Seiten von Luft umsp√ľlt (beim Vorhandensein von Ledersohlen gar durch Aufh√§ngen an eine W√§scheleine). Um den Verlust der Passform zu vermeiden, wird gegen Ende der Trocknungsphase in den noch leicht feuchten Schuh ein passender Schuhspanner eingelegt.

Weitere Hinweise siehe Schuh#Schuhpflege.

Bekleidung

Die Reinigung der Bekleidung geh√∂rt in die H√§nde eines Fachmanns, wo sie meist mit organischen L√∂sungsmitteln durchgef√ľhrt wird. Nappaleder ist, da es eine in sich geschlossenere Oberfl√§che hat, besser gegen Schmutz, Wasser und Staub gesch√ľtzt.

Lederhandschuhe

Handschuhe aus Glac√©leder k√∂nnen mit Waschbenzin gereinigt werden. Handschuhe aus Nappaleder, Schweinsleder und Wildleder k√∂nnen mit weichen Waschmitteln oder Spezialwaschmitteln gewaschen werden. Sie werden dann im angezogenen Zustand gewaschen, danach werden sie aufgeblasen und langsam getrocknet. Durch Glattziehen erh√§lt der fast trockene Handschuh seine urspr√ľngliche Form wieder, durch Knautschen und Dehnen kann man ihn wieder so weich wie vorher bekommen.

Ledermöbel

Clubsessel

Ledermöbel können mit Hilfe eines weichen, ggf. leicht feuchten Lappens gereinigt werden. Die Verwendung von Lederpflegemitteln ist als problematisch einzustufen. Es sollte in jedem Fall ein Fachmann aufgesucht werden, der sich auf die Reinigung und Restaurierung mit original Gerbereiprodukten spezialisiert hat.

Lederaufbewahrung

Wertvolle Lederobjekte sollten sorgfältig aufbewahrt werden. Dazu gehört ein Schutz vor der energiereichen Sonnenbestrahlung, vor Staub, Schmutz und Nässe. Leder wird im Museum bei einer mittleren, möglichst konstanten Temperatur und einer Luftfeuchtigkeit von 45 bis 55 Prozent r. F. konserviert. Bei einer höheren Feuchte fördert man die Schimmelbildung. Dabei sollte ein angemessener Luftaustausch gewährleistet sein.

Ist das Lederobjekt bereits gesch√§digt, br√ľchig, eingerissen, abgerieben, verzogen, mit Schimmel √ľberzogen, sollte ein ausgebildeter Restaurator hinzugezogen werden.

Metaphern und Redewendungen

Leder wird oft mit Wildheit und Ungez√ľgeltheit in Verbindung gebracht. Vermutlich ist das darauf zur√ľckzuf√ľhren, dass zur Gewinnung von Leder ein Tier sterben muss und der Tr√§ger deshalb ein potentieller J√§ger sein muss. In dieser Funktion diente Leder lange Zeit zur absichtlichen Abgrenzung Jugendlicher von der b√ľrgerlichen Gesellschaft (Jugendkultur). Leder haftete deshalb lange ein Hauch von Abenteuerlust und harter M√§nnlichkeit an.

Leder kann aber auch ein Ausdruck f√ľr Konvention, Brauchtum und Tradition sein. Es wird schon sehr lange von Menschen verwendet. Daher ist es auch ein Ausdruck einer Verbundenheit mit der Vergangenheit und der Verbindung zu Natur. Bekannte Beispiele sind Trachtenjacken und die ber√ľhmte bayerische Lederhose.

In Redewendungen findet man Leder oft als Synonym f√ľr die menschliche Haut. In diesem Sinn bedeutet jemandem das Leder gerben, ihn zu verpr√ľgeln und jemandem ans Leder wollen, ihn angreifen zu wollen.

Alternativen zum Leder

Aufgrund der aufw√§ndigen und daher teuren Herstellung werden anstelle von echtem Leder oft Lederimitate, sogenanntes Kunstleder, eingesetzt. Kunstleder kann positive Eigenschaften von echtem Leder in Teilbereichen ersetzen oder sogar √ľbertreffen (z. B. in der Rei√üfestigkeit - Treibriemen, im Abrieb - Schuhsohlen, in der Wasserundurchl√§ssigkeit - Schuhe, f√ľr Schutzkleidung, im optischen Eindruck). Werden aber viele der Eigenschaften gleichzeitig gefordert, ist Leder noch immer √ľberlegen (z. B. in der mechanischen Festigkeit und Atmungsaktivit√§t, Z√§higkeit, Haptik, Feuchtigkeitsaufnahme, Trageverhalten bei Bekleidung).Zudem ist Leder im weiteren Sinn ein nachwachsender Rohstoff, der in fast allen Kulturen als Nebenprodukt der Nahrungsgewinnung anf√§llt.

Siehe auch

Literatur

  • Rainer Atzbach: Leder und Pelz am Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit. Die Funde aus den Geb√§udehohlr√§umen des M√ľhlberg-Ensembles in Kempten (Allg√§u). Bamberger Schriften zur Arch√§ologie des Mittelalters und der Neuzeit 2.=M√ľhlbergforschungen 1, Bonn 2005.
  • Hans Herfeld (Hrsg.): Bibliothek des Leders. 10 B√§nde. Umschau Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-524-82004-2. - Sehr ausf√ľhrliche Quelle f√ľr Leder!!
  • Gerhard E. Moog: Der Gerber, Eugen Ulmer KG, Stuttgart 2005, ISBN 3-8001-1228-0
  • Hans Hegenauer: Fachkunde f√ľr Leder verarbeitende Berufe. Verlag Ernst Heyer, Essen 2001, 8. Auflage, ISBN 978-3-920454-23-8
  • Werner Schmitzer: Lederrestaurierung. Tips f√ľr Sammler. Deutsches Ledermuseum/ Deutsches Schuhmuseum, 4. Aufl., 1991.
  • Farren, Mick, Black Power-Der Kult der schwarzen Lederjacke, Verlag Heyne, M√ľnchen 1985, ISBN 3-453-35086-3

Weblinks


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