Exchange Traded Note

Exchange Traded Notes (ETN) zählen wie Exchange Traded Funds (ETFs) und Exchange Traded Commodities (ETCs) zur Gruppe der Exchange Traded Products (ETP). Das in diesen Produkten verwaltete Vermögen ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen und beträgt mittlerweile mehr als 230 Milliarden US-Dollar in Europa. Gemeinsam ist allen ETPs der Handel über die Börse, wobei unabhängige Wertpapierhandelsbanken, so genannte Market Maker, Liquidität für die Produkte stellen. Über den so genannten Creation-Redemption-Prozess können die Market Maker jederzeit Cash oder entsprechende Wertpapierkörbe mit dem Emittenten gegen neue Anteilsscheine tauschen und so Liquidität sicherstellen.

Inhaltsverzeichnis

Struktur von ETNs

Eine ETN ist ein börsengehandeltes Wertpapier in Form einer Schuldverschreibung, dessen Kurs sich – abzüglich der ausgewiesenen Investmentgebühr – identisch zu dem Wert eines zugrunde liegenden Index, zum Beispiel auf Währungen, Rohstoffe oder Volatilität, entwickelt[1]. ETNs zählen zu den so genannten passiv gemanagten Anlageprodukten. Im Gegensatz zu den Exchange Traded Funds (ETFs), die als Sondervermögen keinem direkten Emittentenrisiko unterliegen, besteht bei ETNs in der Regel ein solches Kreditrisiko, da sie meist als vorrangige, unbesicherte Inhaberschuldverschreibungen mit sehr langer Laufzeit ausgestaltet sind.

Unterschiede zu ETCs

Sowohl bei ETNs als auch bei ETCs handelt es sich um Schuldverschreibungen. Allerdings unterscheidet sich ihre Ausgestaltung. Für die ausgegebenen ETCs halten die Emittenten entweder physisch hinterlegte Edelmetalle oder besichern sie mit Staatsanleihen und anderen als sicher geltenden Wertpapieren. Die Wertentwicklung des jeweils zugrunde liegenden Index bildet der Emittent von ETCs über Swap-Vereinbarungen ab. Er tauscht hierbei die Wertentwicklung des gehaltenen Wertpapierkorbes mit einer Investmentbank gegen die Performance des jeweils abgebildeten Index.

ETNs werden dagegen in der Regel direkt aus der Bankbilanz des Emittenten begeben und bewusst nicht besichert. Zudem garantiert der Emittent selbst die Wertentwicklung des jeweiligen Index, d.h. die Kosten für Swap-Vereinbarungen und die Kreditbesicherung entfallen. Da ETNs diese zusätzlichen Kosten ausschließen, haben sie keinen Tracking Error. Ihre Wertentwicklung weicht also lediglich exakt um die Höhe der ausgewiesenen Investmentgebühr von der des jeweils zugrunde liegenden Index ab. Allerdings geht der Investor ein unbesichertes Kreditrisiko gegenueber dem Emittenten ein, wobei für institutionelle Ordergrößen meistens ein tägliches Rückgaberecht zum Nettoinventarwert besteht und so praktisch nur ein „Übernachtkreditrisiko“ besteht.

Handelssegmente an der Börse Frankfurt

Für die Aufteilung der Handelssegmente der Börse Frankfurt ist die jeweils abgebildete Anlageklasse ausschlaggebend. Im dortigen ETC-Segment finden Investoren daher alle Produkte auf Rohstoffe – unabhängig ob diese mit Kreditsicherheiten hinterlegt sind oder nicht. Im ETN-Segment sind dagegen alle Produkte auf andere alternative Anlageklassen, wie beispielsweise Volatilität und Währungen gelistet.

Unterschiede zu Zertifikaten

Auch wenn es sich bei ETNs rechtlich um Schuldverschreibungen handelt, gibt es einige Unterschiede zu Zertifikaten. Zum einen bilden ETNs immer exakt die Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index ab. Sie sind also so genannte Delta-1 Instrumente und nutzen im Unterschied zu Zertifikaten keine Strukturen zur Renditeoptimierung. Zudem stützen unabhängige Market Maker die Liquidität der ETNs, während bei Zertifikaten lediglich der Emittent den Handel gewährleistet. Im Unterschied zu Zertifikaten ist der Emittent von ETNs daher auch nicht am Spread, dem Handelsaufschlag, beteiligt. Bei ETNs profitieren Anleger von sehr engen Spreads, da mehrere unabhängige Market Maker miteinander konkurrieren und so Wettbewerbspreise stellen. Ferner wird für ETNs fortlaufend ein indikativer Nettoinventarwert berechnet, anhand dessen Investoren die am Markt gestellten Kurse bewerten können. Letztlich sind bei ETNs Leerverkäufe möglich. Investoren können mit ihnen daher Short-Positionen einnehmen, während dies bei Zertifikaten nicht möglich ist.

Geschichte

Begünstigt durch die US-amerikanische Steuergesetzgebung wurden die ersten ETNs im Jahr 2006 in den Vereinigten Staaten emittiert. In Europa wurden ETNs erstmals im Dezember 2009 von Barclays Capital auf der Handelsplattform Xetra der Deutsche Börse AG angeboten[2]. Zu den wichtigsten Anbietern von ETNs und ETCs in Europa zählen iPath (Barclays Capital), ETF Securities, Source und db Exchange Traded Commodities.

Siehe auch

Weblinks

  • Barclays Capital /iPath [1]
  • Deutsche Bank Exchange Traded Commodities [2]
  • ETF Securities [3]
  • Source [4]
  • Erklärung der Börse Frankfurt zu ETNs [5]

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