Handlungs- und Lageorientierung (Sportpsychologie)

Handlungs- und Lageorientierung sind Begriffe aus der Sportpsychologie.

Handlungsorientierung bedeutet: machen, tun und handeln ohne groß darüber nachzudenken.

Lageorientierung bedeutet: überlegen, grübeln, die Lage checken, sich einen Überblick verschaffen.

Diese Einordnung ist äußerst grob angelegt, Feindifferenzierungen sind in jedem Falle notwendig, etwa durch Anwendung weiterer Messverfahren. Es ist handlungsorientierten Sportlern zwar möglich, sich kurzzeitig in eine Art Lageorientierung zu versetzen (analytisches Denken) jedoch vermögen lageorientierte Sportler nur sehr schwer oder nur unter besonders positiven Umständen, handlungsorientiert zu sein. Steigt der mentale Druck, werden lageorientierte Persönlichkeiten eher den Kontakt zu ihren sportlichen Fähigkeiten verlieren. Es gibt Sportarten, die allerdings lageorientierten Sportlern entgegenkommen (Beckmann & Kazén, 1994), sogenannte Flowsportarten wie Radfahren, Schwimmen, Laufen und einige Leichtathletiksportarten. Handlungsorientierte Sportler finden sich in den schnellen Mannschaftssportarten wie Handball, Basketball, Eishockey und Fußball wieder, aber auch im Karate oder im Boxen. Das Vertrauen in die eigenen intuitiven Fähigkeiten ist auch unter mentalem Druck da und wirkt nicht dysfunktional auf das Teamgefüge.

Inhaltsverzeichnis

Erholung und Belastung

Beckmann & Kellmann (2004) zeigten, dass sich handlungsorientierte Ruderer über ihre Selbstregulationsfähigkeiten besser erholen können und daher über eine bessere Superkompensation verfügen. Heckhausen & Strang (1988) konnten darlegen, dass lageorientierte Basketballer unter Erfolgsdruck einen überschießenden Energieverbrauch aufweisen (gemessen über Laktatwerte) während handlungsorientierte Basketballer unter derselben Bedingung keine Veränderung aufweisen. Problematisch hierbei: der erhöhte Energieeinsatz zahlt sich nicht aus - die geworfenen Körbe waren bei den lageorientierten unter Erfolgsdruck nicht höher als ohne Erfolgsdruck während die handlungsorientierten Spieler signifikant bessere Ergebnisse erzielten. Raadts (2009) legte anhand von Jugendfußballern dar, dass Handlungs- und Lageorientierung zwar ein guter Prädiktor für Erholung und Belastung ist, zeigte aber gleichzeitig, dass andere Persönlichkeitsvariablen besser zur Vorhersage von Erholung und Belastung geeignet sind (was möglicherweise sportartspezifisch bedingt ist). So konnte auch gezeigt werden, dass eine erhöhte emotional instabile Persönlichkeitsausprägung besonders den handlungsorientierten Spielern Probleme bereitet, die sich bis in das Passverhalten zurückverfolgen lassen.

Sportlicher Erfolg

Roth (1993) wies nach, dass handlungsorientierte Fußballer besser unter erhöhtem Schnelligkeitsdruck arbeiten, während lageorientierte Fußballer besser unter erhöhtem Präzisionsdruck entscheiden. Froese (2007) zeigte, dass lageorientierte Jugendfußballer nach negativer Rückmeldung zur Pause plötzlich hochsignifikant weniger Scorerpunkte erzielen, während handlungsorientierte Spieler unter derselben Bedingung besser werden. Raadts (2009) konnte diesen Befund über ein PC-Experiment noch weiter differenzieren: Spieler mit einer erhöhten Willensbahnung bei kognitiven Aufgaben nach Einblendung negativer Wörter des Machtmotivs verlieren ihren Zugang zur Handlungsschnelligkeit und verlieren darüber an Scorerpunkten, während Spieler, die bei diesen Aufgaben diese Willensbahnung bremsen können, vermehrt Kontrolle auszuüben verstehen und zwar ebenfalls über Parameter der Handlungsschnelligkeit und mit dem Ergebnis einer Stabilisierung bei der Erzielung von Scorerpunkten.

Methoden

Lageorientierung

  • stehen bleiben, Augen schließen und sich kurz fragen: Was mache ich hier eigentlich?
  • ruhiger Atem: normal einatmen, den Atem kurz anhalten und ganz langsam ausatmen
  • auf die Körpermitte konzentrieren, zentrieren

Handlungsorientierung

  • Gedankenstopp
  • sich mitreißen lassen, eine Motivationsquelle suchen
  • Aggressivität entwickeln

Literatur

  • Heckhausen, H. & Strang, H. (1988). Efficiency under record performance demands: exertion control – an individual difference variable?. Journal of Personality and Social Psychology, 55, 489-498.
  • Kuhl, J.: Motivation und Persönlichkeit, Hogrefe 2001
  • Kuhl, J. & Beckmann, J.: "Volition and Personality", Hogrefe 1994
  • Raadts, S. (2009). Theorie der Handlungsschnelligkeit im Sportspiel Fußball. Unveröffentlichte Dissertation. Universität Osnabrück.
  • Roth, K. (1993): Entscheidungsverhalten im Sportspiel in Abhängigkeit von Situations- und personenbezogenen Merkmalen. In J. Beckmann, H. Strang & E. Hahn (Hrsg.), Konzentration und Energetisierung: Facetten von Konzentration und Leistung (S.155-175). Göttingen.

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