Ableben

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Ableben
allegorische Darstellung des Todes - Grabmal auf dem Nordfriedhof Wiesbaden

Der Tod ist der endg√ľltige und dauerhafte Verlust der f√ľr ein Lebewesen typischen und wesentlichen Lebensfunktionen (siehe Lebewesen). Den √úbergang vom Leben zum Tod bezeichnet das Sterben.

Inhaltsverzeichnis

Die Schwierigkeit einer Definition

Die Schwierigkeit einer f√ľr alle Lebewesen g√ľltigen Definition l√§sst sich durch die Beispiele Tod von Einzellern und Tod von S√§ugetieren erahnen. Im ersten Fall ist der Tod entweder durch den unumkehrbaren Verlust der Zellintegrit√§t (Lyse) oder den unumkehrbaren Verlust der Zellteilungsf√§higkeit (durch Zerst√∂rung des Genoms) definiert, im zweiten Fall durch die unumkehrbare Desintegration lebensnotwendiger Organe wie des Herzkreislaufsystems und des zentralen Nervensystems (Gehirn). Das Sterben ist ein Prozess und das Eintreten des Todes l√§sst sich selten exakt einem Zeitpunkt zuordnen. Der Tod ist der Zustand eines Organismus nach der Beendigung des Lebens und nicht zu verwechseln mit dem Sterben und Nahtoderfahrungen, die ein Teil des Lebens sind.

Der Tod als biologischer Mechanismus

Die biologische Begr√ľndung f√ľr den nat√ľrlichen Tod ‚Äď und auch schon der Alterung ‚Äď wird von Wissenschaftlern im Mechanismus der Evolution vermutet: Hat ein Lebewesen sein Erbgut erfolgreich weitergegeben (sind die Nachkommen selbstst√§ndig), dann existiert das Erbgut in den Nachkommen fort. Ereignisse, die sich nach der erfolgreichen Weitergabe des Erbguts einstellen, haben keine direkte Wirkung auf seine Ver√§nderung, also weder eine f√∂rdernde noch eine hemmende Wirkung. Folglich k√∂nnen sich im Erbgut Faktoren ansammeln, die das weitere Leben nach der erfolgreichen Erbgutweitergabe bestimmen, ohne dass sie dem Selektionsdruck ausgesetzt sind. Dazu z√§hlen auch Erbkrankheiten, die erst im fortgeschrittenen Alter ausbrechen, wie z.¬†B. die Nervenkrankheit Chorea Huntington. Diese ‚Äěgenetisch unaufger√§umten Winkel‚Äú verursachten, so die Theorie, den Alterstod. Dass der Alterstod nicht zwangsl√§ufig sein muss, zeigen Experimente mit bestimmten Seegurken-Arten: Diese konnten √ľber Jahrzehnte am Leben erhalten werden, ohne dass Alterungserscheinungen auftraten. Voraussetzung f√ľr die v√∂llige Aussetzung der Selektion ist, dass es ein Alter gibt, ab dem eine Fortpflanzung nicht mehr m√∂glich ist. Bei Lebewesen, die sich durch Knospung vermehren, ist dies oft nicht gegeben. Diese sollten also nach dieser Theorie potentiell unsterblich sein.

Zwei Faktoren k√∂nnen jedoch auch nach der Erbgutweitergabe einen Selektionsdruck auf Gene bewirken, die sich auf den Todeszeitpunkt auswirken: Bei vielen Lebewesen ist es Aufgabe der Eltern, ihre Nachkommen gro√üzuziehen, und ein Tod der Eltern w√§hrend dieser Zeit verhindert das Fortbestehen des Erbgutes. Andererseits f√ľhrt ein zu langes Weiterleben nach der Fortpflanzung zu h√∂herem Druck f√ľr die Nachkommen wegen Platz- und Ressourcenmangel. Weiterhin f√ľhrt zu langsamer Generationswechsel zur langsamen Anpassung an ver√§nderte Umweltbedingungen und dient nicht der Arterhaltung. In dieser Hinsicht ist der Tod also n√ľtzlich und notwendig (f√ľr die Art).

Todesursachen

Hauptartikel: Todesursache

Todesursachen werden in der Medizin im Fachgebiet Epidemiologie behandelt. Es gibt h√§ufige und seltene und es gibt geschlechtsspezifische Todesursachen beim Menschen. Die Mortalit√§t dr√ľckt die Wahrscheinlichkeit an einer Krankheit zu sterben in Zahlen oder Wahrscheinlichkeiten aus.

Im engeren Sinne unterscheidet man beim Eintritt des Todes einerseits konkret fassbare Ursachen, andererseits werden aus den jeweiligen Umständen des Todes einer Person abgeleitete, psychogene Faktoren diskutiert, die als Ursache des Todes in Erscheinung treten sollen.

Zu den nat√ľrlichen Todesursachen z√§hlen Krankheiten und das Versagen von K√∂rperfunktionen.

Zu den nicht nat√ľrlichen Todesursachen rechnet man Unf√§lle, Verbrechen, Krieg, Vergiftungen oder Suizide. Bei Verkehrsunf√§llen beispielsweise versterben viele der Unfallopfer an den Folgen eines Polytraumas.

Der Begriff des psychogenen Todes beschreibt Vermutungen, wie der Tod aus der ‚ÄěT√§tigkeit der Psyche heraus‚Äú eintreten k√∂nnte. Der psychogene Tod soll etwa in Zusammenhang mit Voodoo als Folge von Verzauberung, Verfluchung, Suggestion, Prophezeiung, schwarzer Magie oder Beten beobachtet worden sein. Man geht auch bei Todesf√§llen nach Brechen von abergl√§ubischen und religi√∂sen Tabus oder bei Verzweiflung, Hilf- und Hoffnungslosigkeit oder Heimweh im Rahmen des ‚ÄěHeimweh-Tods‚Äú von psychogenen Ursachen beim Todeseintritt aus.

Der √úbergang vom Leben zum Tod

Der Übergang vom Leben zum Tod heißt Sterben, Sterbevorgang.

Die genaue Grenze zwischen Leben und Tod ist schwer zu definieren. Je weiter man von der Grenzzone zwischen beidem entfernt ist, desto klarer scheint der Unterschied zwischen Leben und Tod, je n√§her man an der Grenze ist, desto unsch√§rfer wird sie: So k√∂nnen Lebewesen, die bereits einen Herzstillstand haben, manchmal erfolgreich wiederbelebt werden. Ebenfalls k√∂nnen einzelne Zellen und Gewebe w√§hrend des so genannten intermedi√§ren Lebens noch viele Stunden nach eingetretenem Hirntod auf √§u√üere Einfl√ľsse reagieren. So f√§llt es ebenfalls schwer den Todeszeitpunkt genau zu definieren. Beim Menschen ist es in aller Regel Aufgabe eines Arztes den Tod festzustellen. F√ľr eine Organentnahme zur Organtransplantation wird der Tod √ľber den Hirntod definiert. Zur Feststellung des endg√ľltigen Todes dienen die sicheren Todeszeichen.

Der Tod im deutschen Recht

Gesetzliche Definition

Im deutschen Recht gibt es keine gesetzliche Definition des Todes. Das Transplantationsrecht verlangt f√ľr eine Organentnahme (neben anderen Voraussetzungen) kumulativ den Tod des Organspenders (¬ß¬†3 Abs. 1 Nr. 2 TPG) sowie den endg√ľltigen, nicht behebbaren Ausfall der Gesamtfunktion des Gro√ühirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms (sog. Gesamthirntod, ¬ß¬†3 Abs. 2 Nr. 2 TPG). Damit hat der Gesetzgeber nicht eine Definition des Todes vorgenommen, sondern den Gesamthirntod lediglich als notwendige Bedingung f√ľr die Organentnahme festgeschrieben. In der Rechtspraxis wird allerdings unter Tod i. S. d. ¬ß¬†3 Abs. 1 Nr. 2 TPG der Gesamthirntod verstanden. In zumeist ausdr√ľcklicher Anlehnung an das Transplantationsrecht greift die Rechtsprechung auch in anderen Rechtsgebieten in Zweifelsf√§llen auf den Gesamthirntod als Todesdefinition zur√ľck.

Anders das Schweizer Transplantationsgesetz vom Dezember 2003. Dieses definiert in § 9 Satz 1 den Tod eines Menschen als den irreversiblen Ausfall aller Hirnfunktionen einschließlich des Hirnstamms.

Der genaue Todeszeitpunkt kann bei erbrechtlichen Fragen eine Rolle spielen. Mit dem Tod endet die Rechtsfähigkeit des Menschen, wenn auch das postmortale Persönlichkeitsrecht und gewisse weitere Schutzrechte (z. B. in Form der Schweigepflicht) fortdauern.

Der Sterbefall ist am Werktag nach dem Tod dem zuständigen Standesamt mitzuteilen (§ 32 Personenstandsgesetz), welches den Sterbefall beurkundet und eine Sterbeurkunde erteilt. Meldepflichtig sind nach § 33, § 34 PersStG Mitbewohner der Wohnung, in der der Verstorbene gelebt hat und Leiter von Anstalten, Kliniken, Heimen, wenn der Verstorbene dort gestorben ist.

Der tote menschliche K√∂rper ist ein Leichnam, der totenf√ľrsorgebed√ľrftig ist. An einer Leiche gibt es kein Eigentum, sondern nur Aneignungsrechte. Die Totenf√ľrsorgepflichtigen sind nach Bestattungsrecht der Bundesl√§nder zur Durchf√ľhrung der Bestattung verpflichtet. Der Erbe ist nach ¬ß¬†1968 BGB zur Zahlung der Bestattungskosten verpflichtet.

Rechtsmedizin

Zur Aufkl√§rung von Verbrechen sowie f√ľr Erbschaftsfragen ist gelegentlich die Feststellung der Todesursache oder die Feststellung des Todeszeitpunktes von Bedeutung. Dies ist Aufgabe der Rechtsmedizin.

Todesursache

Bei den ‚Äď zumindest aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht ‚Äď konkret fassbaren Todesursachen versucht man, die gewaltsamen von den nicht gewaltsamen Todesursachen zu unterscheiden. Diese recht grobe Unterteilung wird von den f√ľr die Untersuchung zust√§ndigen Amtspersonen mit dem Begriff Todesart bezeichnet und kennt die M√∂glichkeiten nat√ľrlich und nicht-nat√ľrlich; eine als ungekl√§rt bezeichnete Todesart kann dagegen nicht als eigentliches Untersuchungsergebnis bezeichnet werden. Eine nach dem Tod eines Individuums letztlich ermittelte ‚ÄěTodesursache‚Äú ist nichts anderes als eine rekonstruktive Formulierung, die das Ergebnis eines umsichtigen Einreihens der einzelnen, zur Verf√ľgung stehenden Beobachtungen in einen Erfahrungsrahmen ist, die umso besser gelingt, je mehr Beobachtungen zur Verf√ľgung stehen.

Die Formulierung von Todesursachen kann Fehlern unterliegen: z.¬†B. ungen√ľgende Untersuchung der verstorbenen Person oder Verkennen kausaler Zusammenh√§nge. Das Spezifit√§ts-Paradox ist ebenfalls ein nicht seltener Fehler: nur weil eine bestimmte Beobachtung besonders genau dokumentiert wurde, ist sie nicht alleine deswegen der wichtigste Faktor im pathophysiologischen Sterbeprozess.

Die Untersuchung einer Todesursache bedingt je nach konkreter Fragestellung eine äußere Leichenschau, eine autoptische Leichenöffnung und eine toxikologische Untersuchung mit Frage nach Vergiftung. Die Frage nach Vergiftung durch Drogen wie Alkohol oder Medikamente oder durch andere Substanzen kann bei ausschließlich äußerer Untersuchung meist nicht beantwortet werden.

Welche Untersuchungsschritte zur Etablierung einer Todesursache unabdingbar sind, hängt zum einen vom öffentlichen Anspruch an das Ergebnis der Todesursachenbestimmung ab, zum anderen von den konkreten Gegebenheiten. Es gibt Ereignisarten, die keine Gesetzgebung verpassen sollte; dazu gehören Tötungen, Vernachlässigungen, medizinische Behandlungsfehler, Unfälle als Folge technischer Mängel, Unfälle als Folge verantwortungslosen Handelns und man kennt meldepflichtige infektiöse Erkrankungen, deren Vorliegen mitunter nach Abschluss einer amtlichen Untersuchung konstatiert werden kann.

Die von Amtes wegen vorgeschriebene Strategie zur Untersuchung von Todesursachen unterscheidet sich daher auch von Gesetzgebung zu Gesetzgebung. Zweckmäßig ist mindestens

  1. das routinem√§√üige Durchf√ľhren einer toxikologischen Untersuchung von Blut und Urin,
  2. die routinemäßige Inspektion der äußeren Körperoberfläche und
  3. die routinemäßige Untersuchung der dem Tod vorausgehenden Umstände und der Auffindesituation bei jedem Todesfall durch
  4. geschultes Personal.

Ohne triftigen Grund sollte keiner dieser vier f√ľr die Todesursachen-Untersuchung wichtigen Bereiche ausgelassen werden. Es erstaunt daher nicht, dass Gesetzgebungen, die auf eine oder mehrere dieser vier f√ľr die Todesursachen-Untersuchung wichtigen Bereiche verzichten, entsprechende ‚Äě√úberraschungen‚Äú erleben.

Todeszeitpunkt

Zur Feststellung des Todeszeitpunktes stehen der Rechtsmedizin verschiedene Methoden zur Verf√ľgung. So geben die Beurteilung der Totenstarre und der Leichenflecken grobe Richtwerte (Beginn der Totenstarre nach 2‚Äď4 Stunden, volle Auspr√§gung nach 6‚Äď8 Stunden, L√∂sung nach 2‚Äď3 Tagen). Als eine der genauesten Methoden gilt die Bestimmung der K√∂rperkerntemperatur, die unter Ber√ľcksichtigung der Au√üentemperatur, des K√∂rpergewichtes und den Auffindungsumst√§nden zur Berechnung der Abk√ľhlungszeit benutzt werden. Ebenfalls zur Ermittlung der Todeszeit werden Insektenlarven beurteilt. Daraus hat sich eine eigene Forschungsrichtung der Rechtsmedizin, die forensische Entomologie, entwickelt.

Rezeption

In der Philosophie und Religion

Zu den Konsequenzen des Todes f√ľr das betroffene Individuum lassen sich vier philosophische Grundhaltungen unterscheiden:

  1. Der Tod ist das endg√ľltige Ende der k√∂rperlich-organischen und der aktiven, physisch feststellbaren geistigen Existenz eines Lebewesens (z.¬†B. Ganztodtheorie)
  2. Der Tod ist nur eine Phase, die schlie√ülich zu einem neuen individuellen Leben f√ľhrt (Wiederverk√∂rperung durch Reinkarnation)
  3. Der Tod ist der unumkehrbare √úbergang in einen anderen Seinszustand (Weiterleben in einem Totenreich, Auferstehung, Unsterblichkeit)
  4. Leben und Tod sind indifferent (in einigen mystischen Richtungen, z. B. im Zen)

Zu den unterschiedlichen Auffassungen der verschiedenen Religionen und philosophischen Richtungen gibt der Artikel Leben nach dem Tod Auskunft.

In der Gesellschaft

Kindliche Unbefangenheit beim Umgang mit dem Thema Tod

Der Umgang mit dem Tod f√§llt schwer, so gibt es nur wenige Begriffe so viele Synonyme und abmildernde Bezeichnungen wie f√ľr den ‚ÄěTod‚Äú. In Todesanzeigen und Nachrufe findet man solche

Der direkte Umgang mit dem Tod ist seltener geworden, wo er nicht mehr im Kreise der Familie oder inmitten von Gef√§hrten (wie etwa im Krieg, im Katastrophenfall) eintritt, sondern in Kliniken, und wo der Leichnam von Bestattungsunternehmen √ľbernommen wird.

Mehrere Wissenschaften befassen sich direkt mit dem Tod, und im Zusammenhang damit mit den Sterbenden und Hinterbleibenden

Kultursoziologischer Ansatz

Der soziale Umgang mit dem Tod h√§ngt zun√§chst stark davon ab, ob eine Kultur √ľberhaupt den ‚ÄěTod‚Äú als Tatsache verneint oder bejaht.[1]

Sie betonen damit eine der beiden M√∂glichkeiten, die in jedem einzelnen Menschen psychisch pr√§sent sind, denn einerseits lernt er glaubhaft bereits im Jugendalter ‚ÄěAlle Menschen sind sterblich‚Äú, andererseits aber hat er bis an die Schwelle von schwerer Krankheit oder Alter die innerliche √úberzeugung, er lebe immer weiter.

Verneint eine Kultur die Endg√ľltigkeit des Todes, so m√ľssen bereits die Lebenden mit dem Weiterwirken der Verstorbenen rechnen, m√ľssen sie ggf. f√ľrchten, sich aber auch auf ihren eigenen physischen Tod entsprechend einstellen, um ihr andersartiges Weiterleben zu optimieren (vor allem Strafen f√ľr diesseitige Schuld im Jenseits zu vermeiden). Entsprechend entwickeln solche Kulturen auch Konzepte des k√∂rperlichen oder geisterhaften Weiterlebens, der Wiedergeburt, des Ewigen Lebens u.¬†a. und entsprechende Br√§uche und Rituale (behausende Bestattungsformen, Ahnenkulte, Opfer und F√ľrbitten).

Verneint eine Kultur jedes diesseitige oder jenseitige Weiterleben, sieht also den Tod als endg√ľltig an ‚Äď wie die alten Griechen den Hades ‚Äď, so sind ihre Mitglieder ganz darauf verwiesen, ihr Diesseits zu gestalten und ggf. ihr Weiterleben im Diesseits zu beeinflussen, vor allem also f√ľr ihr Angedenken, im st√§rksten Fall f√ľr ihren Nachruhm zu sorgen. Auch hier finden sich darauf abgestimmte Br√§uche und Rituale ( erinnernde Grabmale, regelm√§√üige Gedenktermine, Gedenkst√§tten).

Psychoanalytischer Ansatz

Hier wird mit der Entgegensetzung und -wirkung des Sexual- und des Todestriebs in jedem Einzelnen gearbeitet.[2]

Beide Triebe sind nicht auslebbar, also m√ľssen sie minder oder mehr unterdr√ľckt werden. Dies geschieht nicht nur bewusst, sondern ‚Äď angesichts der St√§rke dieser Triebe vorhersehbar ‚Äď auch unbewusst. Entsprechend wird der Tod verdr√§ngt oder so verarbeitet, dass er ins Vorbewusste zur√ľcktritt und alltags den Menschen nur gelegentlich behelligt. Doch verschwindet er nicht v√∂llig, sondern macht sich in Gewohnheiten (z.¬†B. regelm√§√üigen angstvollen Gebeten, Tr√§umen oder Neurosen) immer wieder bemerkbar.

Wie viel Triebunterdr√ľckung n√∂tig erscheint, h√§ngt wiederum von der jeweiligen Kultur ab. Diese reichen von der vorherrschenden Todesbejahung (vgl. den Heldentod) bis hin zur vorherrschenden Todesverneinung (vgl. die H√∂llenangst).

In Literatur und Kunst

Hans Baldung Grien, ‚ÄěTod und Frau‚Äú (1518‚Äď1520)

Oftmals wird der Tod in der Literatur personifiziert, etwa in Wolfgang Borcherts Drau√üen vor der T√ľr, Woody Allens Einakter Death knocks (‚ÄěDer Tod klopft‚Äú) oder Terry Pratchetts Mort (‚ÄěGevatter Tod‚Äú). Ein zentrales Motiv stellt er auch bei Thomas Mann dar, so bereits in seinen fr√ľhen Erz√§hlungen (Der Weg zum Friedhof, Der Kleiderschrank), vor allem aber in Der Tod in Venedig und Der Zauberberg. In Paul Celans Gedicht Todesfuge hei√üt es: ‚ÄěDer Tod ist ein Meister aus Deutschland‚Äú.

Hugo Simberg 1896
Kuoleman puutarha
(‚ÄěDer Garten des Todes‚Äú)

In der darstellenden Kunst wird die Vergänglichkeit des Lebens mit Hilfe verschiedener Vanitas-Symbole dargestellt. Der Tod wird oft als Skelett mit Sense (Sensenmann) oder Schädel gezeigt; die Sense dient dazu, die Seele vom Körper zu trennen. Siehe auch Totentanz.

In der Alltagssprache

Der Tod von Menschen ist oft ein Tabuthema. Daher haben alle Sprachen euphemistische Ausdr√ľcke, um den Tod zu umschreiben. Oft handelt sich dabei um Ausdr√ľcke, die anstelle der Endg√ľltigkeit des Todes einen √úbergang in ein potentielles Jenseits betonen. In der deutschen Sprache sind Euphemismen wie Verlassen, Hinscheiden, Heimgehen, Entschlafen gebr√§uchlich. Regional wird auch h√§ufig ‚ÄěAbberufen werden‚Äú (zum christlichen Gott) verwendet. Stirbt ein Mensch unter besonders qualvollen Umst√§nden, spricht man umgangssprachlich auch von krepieren, um die menschenunw√ľrdigen Umst√§nde seines Todes zu betonen. Ein Soldat, der bei Kampfhandlungen ums Leben gekommen ist, wird als Gefallener bezeichnet.

Zudem existieren viele saloppe Wendungen wie ‚ÄěDen L√∂ffel abgeben‚Äú, ‚Äěins Gras bei√üen‚Äú oder ‚Äěsich die Radieschen von unten ansehen‚Äú.

Weitere Bezeichnungen f√ľr den Tod, die auf einen eher famili√§ren Umgang mit ihm hinweisen, sind: Boanlkramer, Freund Hein, Gevatter Tod, der Schnitter oder Hein Klapperbein.

Der Tod von nicht-menschlichen Lebewesen wird meist mit spezifischen Ausdr√ľcken bezeichnet: Tiere, die get√∂tet werden, schl√§fert man ein, sie krepieren oder verenden. Oder sie werden von Tieren gefressen oder von Menschen geschlachtet oder gesch√§chtet, speziell von J√§gern erlegt. Pflanzen sterben ab oder gehen ein.

Siehe auch

Literatur

  • Philippe Ari√®s: Geschichte des Todes. 10. Aufl. Dtv, M√ľnchen 2002, ISBN 3-423-30169-4
  • Christoph Daxelm√ľller (Hg.): Tod und Gesellschaft ‚Äď Tod im Wandel. Schnell und Steiner, Regensburg 1996, ISBN 3-7954-1114-9
  • Kurt Eissler: Der sterbende Patient. Zur Psychologie des Todes, Stuttgart-Bad Cannstatt: frommann-holzboog 1978
  • Gustav Theodor Fechner: Das B√ľchlein vom Leben nach dem Tode. Mit einem Vorwort von Klaus H. Fischer zur Philosophie Gustav Theodor Fechners, Schutterwald/Baden 2003, ISBN 978-3-928640-64-0
  • Norbert Fischer: Geschichte des Todes in der Neuzeit. Sutton, Erfurt 2001, ISBN 3-89702-342-3
  • Albrecht Gl√§ser: Grenzen zwischen Leben und Tod. Probleme in der Intensivmedizin. Hirzel, Stuttgart u. a. 1998, ISBN 3-7776-0861-0
  • Martina G√∂rke-Sauer: Im Land der Trauer. Abschiedsrituale. Patmos, D√ľsseldorf 2006, ISBN 3-491-70399-9
  • Sandra Joachim-Meyer: Sinnbilder von Leben und Tod. Die Verdr√§ngung des Todes in der modernen Gesellschaft Tectum-Verl., Marburg 2004, ISBN 3-8288-8753-8
  • Ines Klinge: Todesbegriff, Totenschutz und Verfassung. Der Tod in der Rechtsordnung unter besonderer Ber√ľcksichtigung der verfassungsrechtlichen Dimension. Nomos, Baden-Baden 1996, ISBN 3-7890-4585-3
  • Ulrich H. J. K√∂rtner: Der unbew√§ltigte Tod. Theologische und ethische √úberlegungen zum Lebensende in der heutigen Gesellschaft. Rothe, Passau 1997, ISBN 3-927575-62-3
  • Elisabeth K√ľbler-Ross: Interviews mit Sterbenden. Droemer Knaur, M√ľnchen 2001, ISBN 3-426-87071-1
  • Britta Nielen: Kind und Tod - Trauerarbeit im Elementarbereich, in: Praxisbuch Sozialp√§dagogik, Band 6, Bildungsverlag EINS, Troisdorf 2008, S. 164 - 202, ISBN 978-3-427-75414-5
  • Sherwin B. Nuland: Wie wir sterben. Kindler Verlag, M√ľnchen 1994, ISBN 3-426-77237-X
  • Norbert Ohler: Sterben und Tod im Mittelalter. Patmos, D√ľsseldorf 2003, ISBN 3-491-69070-6
  • Walter Stolle: Der Tod - Zur Geschichte des Umgangs mit Sterben und Trauer, Katalog zur Ausstellung im Museumszentrum Lorsch, 01.11.2001 - 30.06.2002, ISBN 3-926527-60-9
  • Oliver Tolmein: Keiner stirbt f√ľr sich allein. Sterbehilfe, Pflegenotstand und das Recht auf Selbstbestimmung, Bertelsmann, 2006, ISBN 978-3-570-00897-3
  • Walter Zimmermann: Rechtsfragen bei einem Todesfall. Erbrecht, Testament, Steuern, Versorgung, Bestattung. 5. Aufl. Dtv, M√ľnchen 2004, ISBN 3-423-05632-0, 3-406-49284-3

Weblinks

Portal
¬†Portal: Tod ‚Äď √úbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Tod

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Dazu Franz Borkenau, Ende und Anfang. Von den Generationen der Hochkulturen und von der Entstehung des Abendlandes, hgg. u. eingef. v. Richard L√∂wenthal, Stuttgart 1995 (1984), ISBN 3-608-93032-9 (mit kritischer Behandlung zentraler Thesen Sigmund Freuds zum ‚ÄěTodestrieb‚Äú u.¬†a.)
  2. ‚ÜĎ Sigmund Freud, ‚ÄěJenseits des Lustprinzips‚Äú, 1920


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