Malá Čermná

Malá Čermná
Malá Čermná führt kein Wappen
Malá Čermná (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Královéhradecký kraj
Bezirk: Náchod
Gemeinde: Hronov
Fläche: 92,28[1] ha
Geographische Lage: 50° 27′ N, 16° 14′ O50.44861111111116.231111111111Koordinaten: 50° 26′ 55″ N, 16° 13′ 52″ O
Einwohner: 127 (2001)
Postleitzahl: 549 31
Struktur
Status: Ortsteil

Malá Čermná (früher Malá Německá Čermná[2], auch Malá Čermá[3]; deutsch Klein Tscherma[4] auch Kleintschermna) ist ein Ortsteil der Gemeinde Hronov im Okres Náchod in der Region Hradec Králové in Tschechien. Es liegt rund 4,5 Kilometer südöstlich von Hronov.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Malá Čermná liegt seit 1945 unmittelbar an der Grenze zu Polen, von der es im Norden, Osten und Südwesten umgeben ist. Tschechische Nachbarorte sind Žďárky im Nordwesten, Malé Poříčí (Klein Poritsch) im Südwesten und Velké Poříčí sowie Hronov im Nordwesten. Jenseits der Grenze liegen im Nordosten Pstrążna und Czermna, im Osten Kudowa-Zdrój, im Südosten Zakrze und im Südwesten Słone.

Geschichte

Malá Čermná war ursprünglich ein Teil der benachbarten Ortschaft Tscherbeney, die erstmals 1354 in den Konfirmationsbüchern des Erzbistums Prag erwähnt wurde und zum Königgrätzer Kreis gehörte. Später gelangte Malá Čermná an die Herrschaft Machau[5] und vermutlich mit dieser zusammen 1405 an die Herrschaft Náchod. Unter Herzog Heinrich d. Ä. von Münsterberg wurde das während der Hussitenkriege erloschene Lehen in Malá Čermná 1477 erneuert. Da Herzog Heinrich im selben Jahr die benachbarte Herrschaft Hummel in die Grafschaft Glatz inkorporierte, grenzte Malá Čermná nun an diese.

1525 wurde Malá Čermná und der an der Brlenka liegende Meierhof Černík bzw. Hartvík emphyteutisch umgesetzt. Bis 1597 war es im Besitz der Slánský von Doubrawitz (Slánský z Doubravic) und gelangte danach an die von Sendraž auf Sendraž (ze Sendraže). 1616 verkaufte Katharina von Sendraž den Besitz dem Franz von Hobrik und Dibsdorf (František z Hobriku a na Dibsdorfu). Von Hedwig von Hobrik (Hedviká Hobriková, rozena z Opšacu) erwarb deren Besitz Anna Maria von Sendraž, ebenfalls eine geborene von Opšac, die ihn 1637 wiederum der Katharina von Sendraž verkaufte. 1640 besaß Jan Siegmund von Sendraž Malá Čermná und sechs Jahre später wiederum Anna Maria von Sendraž. Im Dreißigjährigen Krieg fiel am 21. Mai 1646 ein kaiserliches Heer in Malá Čermná ein. 1650 war Malá Čermná im Besitz des Adam von Sendraž und 1653 des Ritters Bohuslav Adam von Sendraž. Er verkaufte den Besitz 1653 dem Heinrich von Bubna. Für das Jahr 1669 ist der Ritter Karl Christoph von Ullersdorf (Karel Kryštof z Ullersdorfu) als Besitzer verzeichnet. Er verkaufte am 27. November d. J. Malá Čermná mit allem Zubehör sowie allen Rechten und Pflichten der Juliane Rozalie von Bubna (Juliáná Rozálie z Bubna, rozená ze Šmídu), der Ehefrau des Ritters Albrecht von Bubna. Für 3.500 Rheinische Gulden wechselte der Besitz mit allen Rechten und Pflichten sowie den 27 zugehörigen Beisassen im Jahre 1674 an die Stadt Náchod. Obwohl die Stadt Nachod den Kaufpreis bis 1678 vollständig bezahlt hatte, erfolgte der entsprechende Eintrag in die Landtafel aus unbekannten Gründen erst im Jahre 1730. Ab 1763 grenzte Malá Čermná an Preußen, an das die Grafschaft Glatz nach dem Hubertusburger Frieden gefallen war. 1836 bestand Malá Čermná aus 197 Einwohnern, die in 34 Häusern wohnten. Außerdem waren eine Mühle, eine Branntweinbrennerei und ein Gasthof vorhanden. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaft wurde 1848 die Grundherrschaft aufgelöst, wodurch die Untertänigkeit zur Stadt Náchod erlosch. 1850 wurde Malá Čermná eine selbständige Gemeinde. Um 1890 erhielt Malá Čermná eine Schule. 1909/10 wurde in Malá Čermná durch die Breslauer Firma Schein & Co. nach Kohle gesucht und bei den Vorarbeiten eine alkali- und salzhaltige Quelle entdeckt, die jedoch bis heute nicht genutzt wird.

Von wirtschaftlicher Bedeutung waren neben der Landwirtschaft die Hausweberei und später die Textilfabriken in Velké und Malé Poříčí. Durch die unmittelbare Nähe zu Bad Kudowa spielte auch die Beherbergung von Kurgästen sowie die Gastronomie eine wirtschaftliche Rolle. 1932 bestanden zwei Gemischtwarenhandlungen, ein Tabakgeschäft und ein Gasthaus sowie die bekannten Hotels „U dobré Nálady“ und „Bohemia“. Seit der Gründung der Tschechoslowakei 1918 bis 1948 bestand in Malá Čermná ein Zollamt. Nachdem als Folge des Zweiten Weltkriegs Schlesien 1945 an Polen gefallen war, wurde diskutiert, ob Malá Čermná, das nun von drei Seiten unmittelbar an Polen grenzte, ebenfalls an dieses fallen sollte. Vermutlich weil sich die Bewohner dagegen aussprachen, blieben die Grenzen unverändert. 1960 verlor Malá Čermná seine Selbständigkeit und wurde an die Gemeinde Hronov angeschlossen. Ein Jahr später erfolgte die Einstellung des Schulbetriebs in Malá Čermná.

Kirchliche Zugehörigkeit

Seit alten Zeiten war Malá Čermná zur Pfarrei St. Bartholomäus im unmittelbar benachbarten Tscherbeney gepfarrt. Nachdem Tscherbeney zusammen mit der Grafschaft Glatz 1763 an Preußen fiel, wurden 1780 auch die kirchlichen Grenzen den politischen angepasst. Seit dieser Zeit gehört Malá Čermná zur Pfarrei Hronov.

Sehenswürdigkeiten

  • Der Bildstock mit Kreuzigungsgruppe stammt aus dem Jahre 1887.
  • Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs wurde 1925 aufgestellt.
  • Der kleine Glockenturm wurde 1934 errichtet. Den erforderlichen Grund stiftete Josef Dörfler, der Besitzer des Hotels Bohemia.

Literatur

  • Lydia Baštecká, Ivana Ebelová: Náchod. Nachod 2004, ISBN 80-7106-674-5, S. 59, 63, 110, 124, 127, 129 und 159.
  • Jan Karel Hraše: Dějiny Náchoda. Bd. I, Náchod 1895, S. 657–658.
  • Jan Karel Hraše: Dějiny Náchoda. Bd. II, Náchod 1994, ISBN 80-900041-8-0, S. 335–338.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. [1]
  2. s. Hraše, Bd. II, S. 335
  3. [2]
  4. [3]
  5. [4]

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