Mainzer Rathaus

Rathaus mit Jockel-Fuchs-Platz und der Skulptur Lebenskraft

Das Rathaus der Stadt Mainz wird von den Mainzern auch nach dem damaligen Oberbürgermeister Jockel Fuchs als ‚Fuchsbau‘ bzw. heute als ‚Beamtengefängnis‘[1] bezeichnet.

Das Rathaus am Rheinufer unweit der Theodor-Heuss-Brücke gelegen, wurde von Arne Jacobsen und Otto Weitling im Jahr 1966/1970 entworfen und von 1970 bis 1974 gebaut, bildet mit dem Hilton-Hotel und der Rheingoldhalle einen aus der Moderne stammenden Komplex.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In den 1970er Jahren wurde das Stadtzentrum von Mainz erheblich umgestaltet und ausgebaut. Die letzten Aufbauarbeiten bzw. das Ersetzen von Nachkriegsprovisorien wurden mit der Errichtung neuer Einkaufszentren (Am Brand) und Einrichtung größerer Fußgängerzonen in der Innenstadt verknüpft. Das neue Selbstbewusstsein der Stadt, die diese seit dem 2000-Jahr-Feier der Stadt 1962 begonnene Ausbauphase prägte, drückte sich auch in neuen Gebäuden für die Verwaltung aus. Schon zwei Jahre vor den mit der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform von 1969 vollzogenen Eingemeindungen mehrerer neuen Stadtteile beschloss die Mehrheit des Stadtrats den Bau eines neuen Rathauses am Rheinufer. Um das Rathaus und seinen Standort hatte es bereits eine jahrelange Kontroverse gegeben, die zum Teil bis in die 30er Jahre zurückreichte. Ein eigentliches Rathaus hatte es in Mainz seit 1462, als Adolf von Nassau als Ergebnis der Mainzer Stiftsfehde den Stadtrat auflöste und die Stadt nur noch von den Vertretern des Erzbischofs und Kurfürsten regiert wurde, nicht mehr gegeben. Der Stadtrat, der bis zur Franzosenzeit seiner Kompetenzen beraubt war, tagte ein halbes Jahrhundert lang in verschiedenen Gebäuden, die meistens als „Stadthaus“ firmierten.

Nachdem die Debatte über ein neues Rathaus Ende der 50er wieder aufgeflammt war, wurden unter anderem der ein ausgebauter funktionalistischer Bau an der Stelle des ehemaligen Pulverturms, in dem die Stadtverwaltung nach dem Zweiten Weltkrieg untergebracht war, das Kurfürstliche Schloss, der Komplex um die Golden-Ross-Kaserne und das Gelände „Am Brand“ als Standort vorgeschlagen. Schließlich wurde das Rathaus auch am Rheinufer gebaut, in ein Gesamtkonzept aus dem Einkaufszentrum „Am Brand“ und der neuen Rheingoldhalle, dem Nachfolgebau der zerstörten Stadthalle aus der Gründerzeit, eingebunden. Aber auch als der Bau und der Standort beschlossen waren, gingen die Diskussionen weiter, diesmal entzündeten sie sich an den Kosten und der Architektur des als moderner Kontrapunkt zum Stadtkern konzipierten Baus. Dennoch wurde das neue Rathaus am 31. Dezember 1973 eingeweiht.

Der Rathausplatz wurde ein Jahr nach dem Tod von Jockel Fuchs 2002 in Jockel-Fuchs-Platz umbenannt.

Baukosten

Für den gesamten Rathaus-Komplex inklusive Rathausplateau und Brückenturm wurden 1969 45 Mio. DM veranschlagt. 1973, ein Jahr vor der Fertigstellung, wurden bereits 67 Mio. DM kalkuliert. Letztendlich hat der Rathauskomplex die Stadt Mainz circa 80 Mio. DM, nach heutiger Kaufkraft ca. 106 Mio. Euro, gekostet.

Nutzung

Modell 3207 mit Leder und Armlehne, Modell 3108 mit Leder Typ "Möwe", Modell 3107 aus Holz, Modell 3107 mit Leder
Zeitgenössischer Weinprobierkeller im Rathaus

Das Gebäude beherbergt zwei Rathäuser. Zum einen das Rathaus für die Stadt Mainz und zum anderen der Altstadt, da das Gebäude sich in diesem Stadtteil befindet. Daneben können der Ratsaal und das Foyer auch als Forum für Musik, Literatur und Ausstellungen genutzt werden.

Die Konferenzräume im Rathaus tragen die Namen der Partnerstädte von Mainz. Die darin enthaltene Bestuhlung stammt ebenfalls von Arne Jacobsen und ist, wie das Rathaus, denkmalgeschützt. Die Stühle, insgesamt 460, gehören zur Serie 7 die Jacobsen in den 1950er Jahren entworfen hat. Modell 3107 ist ohne und Modell 3207 mit Armlehne. Beide Typen sind mit braunem Leder überzogen. Das Rathaus sowie die Innenausstattung darf nur mit Genehmigung eines Architektenbüros, welches die Rechte an den Werken von Arne Jacobsen vertritt, umgestaltet werden.

Ende Oktober 2006 wurden in einem Stuttgarter Auktionshaus 270 Sitzmöbel von Jacobsen aus dem Rathaus versteigert. Mit dem Erlös von knapp 85.000 Euro will man die verbleibenden 190, unter Denkmalschutz stehenden, Stücke sanieren.[2][3]

Zustand

Geschlossener Zugang zur Straße Am Rathaus
Gesperrte Treppe zum Adenauerufer

Teile des Gebäudes befinden sich nach 36 Jahren Nutzung 2009 in schlechtem Zustand. Der Innenhof und die Treppe in Richtung des Adenauerufers ist gesperrt. An einzelnen Stellen fehlen Fassadenplatten. Die Dächer sind zum Teil – schon seit der Einweihung – undicht, so dass Eimer im Inneren aufgestellt wurden um das eindringende Wasser aufzufangen. Nach einem Gutachten der Mainzer Gebäudewirtschaft, einem städtischen Unternehmen, von 2009 würde alleine die energetische Instandsetzung etwa 14,5 Millionen Euro kosten. Betroffen wären davon sämtliche Installationen, die zum Teil noch im Zustand von 1973 sind. Eine Sanierung ist aus Kostengründen aber nicht im Haushalt, auch nicht im Rahmen des Konjunkturpakets II, vorgesehen.[4] Der Ehrenpräsidenten der Landesarchitektenkammer Rheinland-Pfalz, Günther Franz, sieht die Gründe für den Zustand in der zur Erbauungszeit nicht ausreichenden Erforschung der verwendeten Materialien, Fehlern bei der Instandhaltung und bei der Planung. Er stellt fest, dass „gerade die Architektur jener Zeit nur schwer in Würde altern kann.“[5]

Siehe auch

Literatur

  • Bruno Funk, Wilhelm Jung: Das Mainzer Rathaus; Herausgeber: Stadtverwaltung Mainz, Mainzer Verlagsanstalt und Druckerei Will & Rothe KG, Januar 1974

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Städtische Beamte hinter Gittern – Was die Rathaus-Planer Jacobsen und Weitling vor 40 Jahren wollten und was daraus wurde in der Rhein Main Presse vom 3. August 2009
  2. Stadt saniert denkmalgeschützte Stühle
  3. Pressemitteilung der Stadt Mainz zur Sanierung der Stühle
  4. Allgemeine Zeitung Mainz: Fuchsbau verkommt zur Bruchbude 4. August 2009
  5. Allgemeine Zeitung Mainz: "Der Architekt ist nicht an allem schuld" 10. August 2009
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