Siné

Siné beim Pariser Buchsalon, März 2007

Siné, eigentlich Maurice Albert Sinet (* 31. Dezember 1928 in Paris) ist ein französischer Zeichner und Satiriker. Er ist Herausgeber des satirischen Wochenmagazins Siné Hebdo.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Maurice Albert Sinet trägt den Familiennamen von Albert Sinet, dem damaligen Ehemann seiner Mutter. Diese Ehe wurde geschieden. Die Mutter, Inhaberin eines kleinen Lebensmittelladens, heiratete anschließend den Kunstschmied Laurent Versy, den leiblichen Vater von Maurice.

1942 begann er eine Ausbildung zum Grafiker an der renommierten École Estienne[1] in Paris. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Sänger in Nachtclubs. Von 1946 bis 1948 war er Sänger bei der Gruppe Les Garçons de la rue. Nach seiner Militärzeit begann er zu zeichnen; seine Einkünfte erzielte er zunächst mit zeichnerischen Retuschen an Erotikfotos.

1952 erschien das erste Mal eine Zeichnung von ihm in France Dimanche. 1955 erhielt er den Grand Prix de l'Humour Noir[2] für seine Sammlung Complainte sans Paroles[3]. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er eine Serie von zart empfundenen Karikaturen von Katzen, die 1956 in France Soir erschienen.

Danach wechselte er zu L'Express als politischer Karikaturist. Dort polarisierte er durch die Leserschaft durch seine pointierte Ablehnung von Frankreichs Verwicklung in den Algerienkrieg. Die Opposition gegen diesen Krieg unterstützte er auch durch aktives Handeln: „Ich versteckte Leute, ich fertigte falsche Papiere.“[4] In jener Zeit arbeitete er eng mit dem Anwalt Jacques Vergès zusammen, von dem er sich jedoch Jahre später, 1987, distanzierte, als letzterer das Verteidigungsmandat für Klaus Barbie übernahm. Siné wurde auch zum scharfen Kritiker und Karikaturisten von Präsident Charles de Gaulle. Zu seiner Antipathie gegen de Gaulle trug bei, dass Sinés Militärzeit von Kontroversen mit seinen Vorgesetzten geprägt war und dass ihm alles Militärische grundsätzlich zuwider war. Nach Auseinandersetzungen mit Jean-Jacques Servan-Schreiber, dem Herausgeber von L'Express, verließ Siné 1962 das Blatt. „Ich fand ihn zu weich, so wie die sozialistische Partei unserer Tage“,[5] urteilte Siné später.

Siné brachte dann sein eigenes Blatt namens Siné massacre auf den Markt. Seine guten Verbindungen zu Algeriern aus der Zeit des Krieges verhalfen ihm zu Aufträgen der staatlichen algerischen Ölgesellschaft Sonatrach, für die er von 1965 bis 1980 zeichnete. 1968 gründete er gemeinsam mit Jean-Jacques Pauvert die Zeitschrift L'Enragé. Parallel dazu zeichnete er für die Zeitschrift Action.

Über sein Engagement für Algerien wurde er zum radikalen Fürsprecher der palästinensischen Sache, und zum radikalen Gegner Israels. In einem Interview mit Radio Carbone 14 bekannte er sich 1982 schließlich offen zum Antisemitismus: „Ich bin Antisemit, seit Israel Bomben wirft. Ich bin Antisemit, und ich habe keine Angst mehr, das zuzugeben.“[6] Später entschuldigte er sich damit, dass er betrunken gewesen sei. Kritiker wie Pierre Desproges, der ihn als den „einzigen rechtsextremen Linken Frankreichs“[7] bezeichnete, und Bernard-Henri Lévy hielten jedoch am Vorwurf fest, er vertrete antisemitische und rassistische Auffassungen.

Von 1981 bis 2008 war Siné Zeichner bei der Zeitschrift Charlie Hebdo. Der Herausgeber, Philippe Val, entließ ihn 2008, weil er ihm antisemitische Polemik gegen die jüdische Schwiegertochter des Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy vorwarf. Die Ligue Internationale Contre le Racisme et l’Antisémitisme erwirkte wegen dieser Polemik und wegen einer weiteren Serie von Zeichnungen, die sie als Verunglimpfung muslimischer Frauen bewertete, eine Anklage gegen Siné. Im November 2009 wurde Siné in erster Instanz vor dem Kammergericht[8] in Lyon freigesprochen.

Nach seiner Entlassung bei Charlie Hebdo gründete Siné erneut ein eigenes satirisches Wochenblatt, Siné Hebdo, das Ende 2009 in einer Auflage von 50.000 Exemplaren verbreitet wurde.

Publikationen

Literatur

  • Alain Abellard: Brutal, bête et méchant, Le Monde, 4. Dezember 2009, S. 21

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. heute offiziell École supérieure des arts et industries graphiques
  2. deutsch: Großer Preis für schwarzen Humor
  3. deutsch: Wortlose Klage
  4. « Je planquais des gens, je faisais des faux papiers. » Zitat laut Le Monde
  5. « Je le trouvais trop mou, comme le PS aujourd'hui. » Zitat laut Le Monde
  6. « Je suis antisémite depuis qu'Israël bombarde. Je suis antisémite et je n'ai plus peur de l'avouer. »
  7. « le seul gauchiste d'extrême droite »
  8. cour d'appel

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Siné — au Salon du livre de Paris, mars 2007. Naissance 31 décembre 1928 …   Wikipédia en Français

  • Siné — in March 2007 Born 31 December 1928 Paris Maurice Sinet (born 31 December 1928), known as Siné, is a French cartoonist. As a young man he studied drawing and graphic arts, while earning …   Wikipedia

  • Sine — Sine, n. [LL. sinus a sine, L. sinus bosom, used in translating the Ar. jaib, properly, bosom, but probably read by mistake (the consonants being the same) for an original j[=i]ba sine, from Skr. j[=i]va bowstring, chord of an arc, sine.] (Trig.) …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Siné — en el Salón del libro de París, marzo de 2007. Siné, pseudónimo de Maurice Sinet (París, 31 de diciembre de 1928),[1] es un humor gráfico de prensa y caricatura político francés de extrema izquierda. También regente del Colegio Patafísico de… …   Wikipedia Español

  • SINÉ — MAURICE SINET dit (1928 ) Après avoir fréquenté l’école Estienne, appartenu au groupe vocal des Garçons de la rue et exercé les fonctions de maquettiste dans une imprimerie, Siné a trouvé sa voie dans le dessin d’humour. Impressionné par le… …   Encyclopédie Universelle

  • sine — SÍNE pron. refl. (Forma accentuată de acuz. pers. 3 pentru toate genurile şi numerele; uneori întărit prin însuşi ) 1. (Precedat de prep. pe sau înv. pre , având funcţie de complement direct al unui verb reflexiv) Numai pe sine nu se vede. 2.… …   Dicționar Român

  • Sine — bezeichnet: einen historischen Wolof Staat, siehe Reich von Sine einen Fluss in Senegal, siehe Sine (Fluss) einen Nationalpark in Senegal, siehe Sine Saloum National Park Siné, (*1928), französischer Zeichner und Satiriker. Sine, kurdische… …   Deutsch Wikipedia

  • sine — sine1 [sīn] n. [ML sinus (< L, a bend, curve, hanging fold of a toga), used as transl. of Ar jaib, sine, bosom of a garment] Trigonometry the reciprocal of the cosecant; specif., a) the ratio of the opposite side of a given acute angle in a… …   English World dictionary

  • Síne — f Irish Gaelic form of JANE (SEE Jane), derived from Anglo Norman Jeanne. Cognate: Scottish Gaelic: Sìne (Anglicized as Sheena). Pet form: Scottish Gaelic: Sìneag …   First names dictionary

  • Siné — Le nom est porté à la fois dans les Pyrénées Orientales et dans le Morbihan. Dans ce dernier département, il semble désigner celui qui est originaire de la commune de Séné. Quant aux Siné catalans, ils demeurent une énigme …   Noms de famille

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.