Chemnitz-Schlosschemnitz

Karte
Basisdaten
Fläche: 3,49 km²
Einwohner: 11.858 (30. Juni 2001)
Bevölkerungsdichte: 3.297 Einw./km²
(31. Dezember 2001)

Schloßchemnitz ist ein Stadtteil von Chemnitz. Der Ortsteil wurde 1859 aus den beiden Landgemeinden „Schloßgasse“ und „Schloßvorwerk“ gebildet und wurde am 1. Oktober 1880 eingemeindet. Durch Schloßchemnitz führt die B 95 (Leipziger Straße) und die B 107 (Blankenauer Straße). Angrenzend an Schloßchemnitz sind die Stadtteile Zentrum, Kaßberg, Altendorf, Borna-Heinersdorf, Furth und Hilbersdorf.

In diesem Stadtteil befindet sich die Schloßkirche mit Schlossbergmuseum, das „Krankenhaus Küchwald“, das Schulbiologiezentrum, die Eissporthalle mit Eisschnelllaufbahn, der Küchwald mit Festwiese, Parkeisenbahn und Kosmonautenzentrum sowie der Schönherrpark, der Schloßteich und die Schloßschule. Der Chemnitzfluss durchfließt Schloßchemnitz zwischen Mühlenstraße und dem Heizkraftwerk in Furth.

Inhaltsverzeichnis

Verkehr

Der Stadtteil Schloßchemnitz ist durch die Stadtbuslinien 21, 22, 23, 32, 76 und der Nachtbuslinie N18 der CVAG zu erreichen.

Durch Schloßchemnitz fuhr einst die Straßenbahnlinie 4 stadtauswärts über die Hartmannstraße und Leipziger Straße nach Borna sowie die Straßenbahnlinie 7 von der Stadt her, über die Mühlenstraße kommend, über den Zöllnerplatz nach der Blankenauer Straße nach Glösa.

Kloster / Schloßkirche / Schloß

Schloßkirche

Durch König Lothar III. und dessen Gemahlin Richenza wurde 1136 das Chemnitzer Kloster gestiftet und mit Pegauer Benediktermönchen besetzt. In einer schriftlichen Nachricht König Konrads III. an den Vogt des Klosters, findet das Kloster 1143 seine Ersterwähnung. Zu dieser Zeit besaßen die Äbte schon die Hochgerichtsbarkeit und ein Gebiet in Umkreis von 2 Meilen. Außerdem war den Äbten das Recht einen öffentlichen Markt abzuhalten sicher. Zu den zinspflichtigen Klosterdörfern zählten um 1200 Kappel, Klaffenbach, Adorf, Neukirchen, Altendorf, Altchemnitz, Gablenz und Stelzendorf. In Schwierigkeiten brachte das Kloster der Verlust zahlreicher Güter an den Böhmenkönig Ottokar I., so dass 1216 Kaiser Friedrich II. den Benediktern den Schaden ersetzte. Der Papst forderte zudem 1226 das Magdeburger Erzbistum zu materiellem Beistand auf, so konnte eine Auflösung des Klosters und Einfügung in das Zisterzienserkloster Buch (bei Leisnig) verhindert werden. Erst für 1254 wird wieder ein Aufschwung bezeugt, so erwarb man die Patronsrechte über „St. Jakobi“ und „St. Johannis“ in Chemnitz. 1338 wurde das Kloster mit den Dörfern Glösa, Furth, Borna, Draisdorf und Heinersdorf belehnt, 1375 wurde die Herrschaft Rabenstein, mit den Dörfern Löbenhain, Kändler, Grüna, Siegmar, Höckericht und Pleißa, käuflich erworben. Durch diesen Kauf übertrug sich die Vogtei über das Kloster und ein Drittel der Gerichtsfälle in Chemnitz an den Abt. Zu den größeren Auseinandersetzungen des Klosters gehörte die Rabensteiner Fehde von 1386 unter Abt Albrecht von Leisnig (1390 nur flüchtig beigelegt) und der Grundstücksverkauf (Borssendorf, Streitdorf, Teile von Bernsdorf, Gablenz und Kappel) an die Stadt Chemnitz 1402. Unter Abt Heinrich von Schleinitz (1483-1522) wurde alle bisherige Prachtentfaltung des Klosters übertroffen. Er ließ Kloster und Kirche umfangreich umbauen und hielt sich einen schon fast fürstlichen Hof. Dies sorgte für weiteren Zündstoff in den Volksmassen der Klosterdörfer. Der Auflösungsprozess des Klosters begann unter Abt Hilarius von Rehburg, er konnte die Abwanderung der Mönche vom Kloster nicht aufhalten. Ihm stand ab 1524 eine breite bürgerliche Oppositionsbewegeung entgegen, worauf seit 1539 die Mönche nur noch „still geduldet“ waren. 1541 verließen noch mehr Mönche das Kloster und Hilarius gab 1546 die Pacht über das Kloster auf.

Nach der Auflösung des Benediktinerklosters erfolgte seit 1548 der Umbau der Klosteranlagen in ein kurfürstliches Schloss. Seit 1930 sind die verbliebenen Gebäudeteile Sitz des Schlossbergmuseum Chemnitz. Ausgestellt ist z. B. ein aus dem 15. Jahrhundert stammender Sarkophag in Form eines Heiligen Grabes und die von Hans Witten geschaffene „Schmerzensmutter“ aus dem 16. Jahrhundert. Das Schloßbergmuseum bietet darüber hinaus ständig Sonderausstellungen. Alljährlich findet auf dem Gelände das „Lichterfest“ statt.

Eine erste Schloßkirche entstand bereits im 12. Jahrhundert, daran schloss sich südlich die Klosteranlage an. Durch einen groß angelegten Umbau, ließ Abt Heinrich von Schleinitz eine neue Kirche auf den Grundmauern errichten und das Kloster ab 1499 in Form der obersächsischen Spätgotik umbauen. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts erfolgten noch einige weitere Umbauten an der Kirche.

Kirchenausstattung

Schloßteich

Der Schloßteich und die Schloßkirche

Das Schloßteichgelände gehörte von Beginn an zum Chemnitzer Kloster. Abt Heinrich von Schleinitz ließ 1493 den Schloßteich als Fischteich für das Kloster anlegen. Um den Schloßteich floss der Pleißenbach herum, der auch noch heute den Teich bewässert. Nach der Auflösung des Klosters wurde der Teich dem Amt Chemnitz unterstellt und 1860 von der Stadt Chemnitz aufgekauft und in ein Erholungsgebiet umgebaut. Auf der Schloßteichinsel entstand 1913 der Zipper-Brunnen und nach dem Zweiten Weltkrieg ein neuer Konzert-Pavillon.

Durch den Konkurs der „Sächsischen Maschinenfabrik A.G.“ und dem einhergehenden Abbruch der Fabrikhallen am Schloßteich, konnte ab 1930 der Schloßteichpark erweitert werden. Es wurde eine Brunnenanlage geschaffen, an deren Fuße die 1868 geschaffene Figurengruppe „Die vier Tageszeiten“ von Johannes Schilling aufgestellt wurde. Diese standen zunächst auf dem Treppenaufgang der Brühlschen Terrasse in Dresden (1872-1897), dort stehen seitdem bronzene Abgüsse), wurden dann 1898 der Stadt Chemnitz geschenkt und auf dem Theaterplatz, an der Stelle des heutigen „Chemnitzer Hof“ aufgestellt.

Eine Ernst Thälmann-Skulptur befindet sich am Eingang des Schloßteichparkes Promenadenstraße / Arndtplatz. Unweit davon sind die Schloßteichhallen für Messeveranstaltungen in der DDR-Zeit entstanden.

Während der wärmeren Jahreszeiten können am Schloßteich Ruder- und Paddelboote ausgeliehen werden. Im Winter wird der vereiste Schloßteich von den Chemnitzern gern als Eislauffläche genutzt.

Küchwald

Die ehemalige Haupteingang der „Freilichtbühne Küchwald“

Im Nordwesten des Stadtteils befindet sich das Naherholungsgebiet „Küchwaldpark“. Innerhalb dieses Parkes fährt seit 1953 (in seiner heutigen Strecke seit 1. Mai 1954) die Parkeisenbahn (ehem. „Pioniereisenbahn“). An der Stelle der ehemaligen, 1909 errichteten, „Küchwaldschänke“ entstand die 1960 eröffnete Freilichtbühne, die viele kulturelle Veranstaltungen (u. a. ein Freilichtkino) bot. Heute ist dieses Gelände völlig verwildert, da sich nach der politischen Wende in der DDR kein neuer Betreiber dieses Komplexes fand. Erwähnenswert ist auch das Kosmonautenzentrum „Sigmund Jähn“ (1964 eröffnet) mit dem 36 Meter hohen Modell einer Rakete, welche eine reine Fantasiekonstruktion ist. Sportlich betätigen kann man sich auf den Tennis-Plätzen unweit der Festwiese, auf der alljährlich das Pressefest der „Freien Presse“ begangen wird. Am nördlichen Rand befindet sich die am 6. Oktober 1965 eröffnete Eissporthalle, in der schon Katarina Witt trainierte.

Noch Ende des 18. Jahrhunderts reichte der Küchwald bis an die Gebäude des ehemaligen Schlosses. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er 1541 („Kuchenwaldt“), erneut 1590 („Küchenwaldt“). Zur Zeit des Chemnitzer Klosters wurde hier das benötigte Holz geschlagen und auch gejagt. Die Stadt Chemnitz erwarb den Küchwald im Jahre 1885 und baute ihn zum Naherholungspark aus.

Schönherrpark

Am Füße des östlichen Küchwaldhanges entstand im 19. Jahrhundert nahe der Schönherr-Fabrik, am damaligen Fischweg (heute Schönherrstraße), der Schönherr-Park. Er wurde vom Webstuhlfabrikanten Louis Schönherr gestiftet.

Geschichte

Das „Kellerhaus“ am Schloßberg
Gasthäuser am Schloßberg

Mit der Gründung des Chemnitzer Benedikterklosters im Jahre 1136 beginnt nicht nur die Geschichte des heutigen Stadtteils Schloßchemnitz, sondern auch die von Chemnitz. Im Schutze des Klosters wurde im ausgehenden 12. Jahrhundert wurde von hier aus die Stadt in der Chemnitzaue gegründet. Siehe oben (Kloster/ Schloßkirche/ Schloß).

Kurfürst Friedrich August II. verkaufte 1702 das Gebäude des kurfürstlichen Vorwerks, nahe dem heutigen Schloßbergmuseum, an den Augustusburger Amtshauptmann von Günther, dass von da an ein Rittergut mit eigener Gerichtsbarkeit war. Daraus bildete sich die Gemeinde „Schloßvorwerk“. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die Gemeinde Schloßchemnitz, das 1859 durch die Vereinigung der Gemeinden „Schloßvorwerk“ und „Schloßgasse“ entstand, durch die fortschreitende Industrialisierung zu einem Arbeitervorort mit typischen Mietskasernen. Die Gemeinde wuchs immer mehr mit der Stadt zusammen, wodurch sie 1880 nach Chemnitz eingemeindet wurde. Die älteste Arbeitersiedlung der Stadt, die Hartmannsiedlung an der Gottfried-Keller-Straße, entstand im späten 19. Jahrhundert. Um ein Naherholungsgebiet für die Chemnitzer zu schaffen, erwarb die Stadt 1885 den Küchwald. Bis 1897 befand sich noch die Schloßmühle am Fuße des Schloßbergs, die von 1748 bis Mitte des 19. Jahrhunderts der Chemnitzer Kaufmannsfamilie Siegert gehörte.

Am Fuße des Schloßberges lag seit 1495 ein Kupferhammer, die Neumühle am linken Chemnitzufer wurde erst 1546/52 erbaut (heute erinnert das 1876 errichtete Neumühlenwehr nahe der Georgstraße an diese Mühle).

Lukas-Kirche

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich auf dem Josephinenplatz die 1901 geweihte Lukas-Kirche. Schon 1885 erwarb die St.-Petri-Gemeinde, die auf dem Theaterplatz ansässig war und zu der die Lukasgemeinde bis 1897 gehörte, ein Areal auf dem Josephinenplatz für den Bau einer neuen Kirche. Mit dem Bau wurde 1895 begonnen. Ein Gedenkstein (bestehend aus Mauerteilen der Lukaskirche) erinnert an die in der Bombennacht zerstörte, 1947 abgerissene Kirche. Seit dieser Zeit sind die beiden Gemeinden auch wieder vereint.

Richard Hartmann A. G. / Sächsische Maschinenfabrik A. G.

1844 verlegte Richard Hartmann seinen Maschinenbaubetrieb von der Chemnitzer Klostervorstadt nach Schloßchemnitz. Das Firmengelände befand sich beiderseits der Hartmannstraße und reichte bis an die Fabrikstraße und bis zum Schloßteich. In dieser, 1870 in Sächsische Maschinenfabrik AG umbenannten, Manufaktur wurden Lokomotiven, Werkzeugmaschinen, Dampf- und Spinnereimaschinen hergestellt. Für die Chemnitzer war es jahrelang ein Spektakel, wie die großen Lokomotiven mit einem Pferdegespann zum Hauptbahnhof gebracht wurden. Im Jahr 1903 erhielt die Firma einen eigenen Eisenbahnanschluss, so konnten die Lokomotiven direkt zum nächst gelegenen Altendorfer Güterbahnhof gelangen. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise ging das Unternehmen 1930 in Konkurs. Die am Schloßteich gelegen Fabrikgebäude wurden abgebrochen und in Parkanlagen umgewandelt. Das ehemalige Verwaltungsgebäude (1896 erbaut) wird heute von der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge, bzw. dem Polizeirevier Chemnitz-Mitte genutzt.

Sehenswertes

Die ehemalige Kattundruckmanufaktur Schüffner an der Müllerstraße
  • Schloßteich mit dem Schloßteichbrunnen und den Schillingschen Figuren
  • Schloßkirche mit Schloßbergmuseum
  • „Kellerhaus“ und umliegende spätmittelalterliche Gebäude am Fuße des Schloßbergs
  • Küchwald-Park mit Parkeisenbahn, Eissporthalle und Kosmonauten-Zentrum
  • Schönherrpark
  • Ehemalige Kattundruckmanufaktur Schüffner an der Müllerstraße (1851 errichtet)

Weblinks


50.84305555555612.9152777777787Koordinaten: 50° 51′ N, 12° 55′ O


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Chemnitz-Schloßchemnitz — Schloßchemnitz …   Deutsch Wikipedia

  • Schloßkirche (Chemnitz) — Schloßkirche Chemnitz Die Schloßkirche Chemnitz befindet sich im Chemnitzer Stadtteil Schloßchemnitz auf dem Schloßberg und gilt als das wertvollste Bauwerk der Stadt. Sie ist die Kirche der Schloßkirchgemeinde und der Evangelisch Lutherischen… …   Deutsch Wikipedia

  • Schillingsche Figuren — Aufgang zur Brühlschen Terrasse mit den vier Skulpturen; rechts daneben noch das Brühlsche Palais Die „Vier Tageszeiten“ sind eine von Johannes Schilling entworfene Statuengruppe am nördlichen Aufgang der Brühlschen Terrasse in Dresden. Ein 1860… …   Deutsch Wikipedia

  • Schillingsche Figuren "Vier Tageszeiten" — Aufgang zur Brühlschen Terrasse mit den vier Skulpturen; rechts daneben noch das Brühlsche Palais Die „Vier Tageszeiten“ sind eine von Johannes Schilling entworfene Statuengruppe am nördlichen Aufgang der Brühlschen Terrasse in Dresden. Ein 1860… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.