Paula Deppe

Paula Deppe (* 12. Oktober 1886 in Rokycany; † 4. Oktober 1922 in Passau) war eine deutsche Malerin und Grafikerin. Sie schuf Gemälde, Radierungen, Zeichnungen und Illustrationen.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Paula Deppe war das zweite Kind von insgesamt vier Geschwistern. Ihr Vater Clemens Deppe (1855–1933) heiratete Louise Bertram (1862–1943) am 30. September 1884. Der in St. Andreasberg im Harz geboren Clemens Deppe war zunächst für ein Ledergeschäft in Hannover tätig, bevor er mit seiner Frau nach Paris ging. 1885 zog das Ehepaar nach Rokycany bei Pilsen, wo Clemens Deppe zum Direktor der dortigen Lederfabrik Carl Simon Söhne ernannt wurde. Am 23. Juli 1885 kommt die erste Tochter Frieda zur Welt, am 12. Oktober 1886 Paula, am 26. Oktober 1887 Louise und schließlich am 25. Juli 1893 der Stammhalter Clemens. Die aus Hamburg-Harburg aus der Druckerei Bertram stammende Louise Deppe war eine weltoffene und gebildete Frau, sie liebte Rainer Maria Rilke und Opern von Richard Wagner. Louise Deppe förderte ihren Nachwuchs. Wichtig war ihr für die Erziehung der Kinder stets Kunst, Musik und Literatur. Sie erkannte das Talent ihrer Tochter Paula und ermöglichte ihr eine künstlerische Ausbildung an der Pilsener Malschule sowie an der Münchener Damen-Akademie. Die Familie unternahm ausgedehnte Reisen in Deutschland, nach Österreich, Italien und Kroatien. Paula Deppes Bindung zu ihrer Familie war sehr eng. Den Großteil ihres Lebens verbrachte sie unter einem Dach mit ihren Eltern und Geschwistern. Auch während ihrer Studienzeit wohnte sie zeitweise mit ihrem Bruder Clemens, mit ihrer Schwester Louise und mit ihrer Mutter in einer Wohnung in München-Schwabing.

Familie Deppe lebte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs im böhmischen Rokycany. Als die deutsche Lederfabrik, die Clemens Deppe leitete, an den tschechischen Staat überging, entschloss sich die Familie im Frühjahr 1918 zu einem Umzug nach Harlaching bei München. Der Aufenthalt währte nur kurz, die widrigen Umstände nach Ende des Ersten Weltkriegs veranlasste die Familie Deppe schon 1919 ihre Lebensplanung zu ändern und in das niederbayerische Seestetten bei Passau zu ziehen. Dort erwarb der Vater ein Sägewerk mit angeschlossener Landwirtschaft. Paula Deppe bezog mit ihrer älteren Schwester Frieda ein Haus im benachbarten Laufenbach (Gemeinde Heining). Die letzten drei Jahre ihres Lebens verbrachte Paula Deppe mit ihrer Familie in Laufenbach und Seestetten. Sie starb am 6. Oktober 1922 in der Klinik Deidesheimer (der heutigen Hellge-Klinik) in Passau an Blutvergiftung als Folge einer operativen Behandlungen ihrer Erkrankung an Unterleibstuberkulose.

Ausbildung

Paula Deppe begann Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Ausbildung an der im Oktober 1894 eröffneten Akademischen Malerschule von Jindřich Duchoslav Krajíček in Pilsen. Diese Akademie stand ausschließlich Frauen offen und beinhaltete unterschiedliche Unterrichtseinheiten. Im Oktober 1907 ging Paula Deppe nach München, um dort an der Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins ihr Studium aufzunehmen. Grundsätzlich lehnte sich der Unterricht an dem der Akademie der Bildenden Künste an. Im Mittelpunkt stand das Studium nach der Natur, insbesondere des menschlichen Akts. In Fächern wie Aktkursen, Kostümkursen, Kompositionskursen oder Kursen für Stillleben und Landschaft bildeten sich die Künstlerinnen fort. Paula Deppe belegte Kurse bei Heinrich Knirr (1862–1944) und Ferdinand Götz (1874–1941). Um ihre Ausbildung zu intensivieren besuchte Paula Deppe auch die private Malschule von Julius Seyler (1873–1955). Unter Umständen hatte Paula Deppe auch Malunterricht bei Karl Caspar (1879–1956) erhalten. Der Künstler persönlich hängte Paula Deppes Werke – post mortem – neben sein Weihnachtstriptychon in der Jubiläumsausstellung der Münchener Neuen Secession im Jahr 1925. Diese Gunst wurde im Übrigen nur seinen Schülern zuteil.

Werk

Paula Deppe ging kurz nach der Jahrhundertwende in die Kunstmetropole München. Wie vor ihr Anna Klein, Paula Wimmer, Käthe Kollwitz und Gabriele Münter, folgte sie ihrer künstlerischen Ambition und begann ein Studium an der Damen-Akademie.

In dem Zentrum der Moderne und der Bohème, Gründungsort des Blauen Reiter und der Münchener Neuen Secession entwickelte Deppe ihren persönlichen Stil, der in ihrem späteren niederbayerischen Domizil in Seestetten bei Passau seine Vollendung finden sollte. Stillleben, Landschaften, religiöse Motive, Porträts und Selbstbildnisse brachte sie auf Leinwand und Papier, ihre Gedanken und Eindrücke schrieb sie ihren Tagebüchern nieder.

Das künstlerische Werk Paula Deppes ist gekennzeichnet von einzelnen Werkphasen, die in engem Zusammenhang mit Beteiligungen an Ausstellungen bzw. mit Teilnahmen an Wettbewerben zu sehen sind. Über die Jahre hinweg versuchte Paula Deppe ihrer Kreativität durch verschiedenste Techniken Ausdruck zu verleihen und befasste sich mit den unterschiedlichsten Themen. Den Porträts der frühen Akademiejahre folgen Landschaftsbilder in Aquarell, Gouache, Tusche und Rötel sowie Radierungen und religiöse Kompositionsstudien, die von Stillleben- und Landschaftsgemälden ihrer Seestettener Zeit abgelöst werden. Eine Auswahl ihrer Werke präsentierte Paula Deppe bereits 1914 auf der Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik (BUGRA) sowie 1919 und 1921 auf den Ausstellungen der Münchener Neuen Secession.

Freunde und Förderer

Engste Vertraute und beste Freundin Paula Deppes war die Stillleben- und Landschaftsmalerin Gerta Springer (1880–1960). Sie stellte 1917 die ersten Kontakte zwischen Paula Deppe und dem Künstlerehepaar Maria Caspar-Filser und Karl Caspar her – den Mitbegründern der Münchener Neuen Secession. Zwei Jahre später konnte sich Paula Deppe zusammen mit der Neuen Secession an der Glaspalastausstellung beteiligen. Nachdem sich die Familie Deppe in Seestetten niedergelassen hatte, freundete sich Paula Deppe auch mit der in Rittsteig ansässigen Hedwig Kerber an, der späteren zweiten Ehefrau des Arztes und Schriftstellers Hans Carossa (1878–1956). Möglicherweise hatte Hedwig Kerber Paula Deppe auch mit ihrer engen Freundin Therese Schmidmayer bekannt gemacht. Diese war ebenfalls Künstlerin und lebte alleine in einem Häuschen am Waldrand bei Rittsteig.

Paula Deppe – Frau ihrer Zeit

Paula Deppe war Künstlerin aus Leidenschaft und Frau ihrer Zeit. Ihr Leben und Werk stehen beispielhaft für das vieler Künstlerinnen Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Lebensgestaltung, Weltanschauung und Erfahrungen beleuchten die Situation der Frau und Künstlerin in einer Epoche, die gleichermaßen geprägt war von Wandel und Umbruch wie von Konventionen und festgelegter Gesellschaftsstrukturen. Paula Deppe verzichtete auf eine eigene Familie, um sich vollkommen der Kunst widmen zu können. Das Leben an der Seite eines Mannes hätte für sie vermutlich zu viele Entbehrungen bedeutet. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch war die Frau verpflichtet, sich um den Haushalt zu kümmern. Ausschließlich dem Mann stand es frei zu entscheiden, ob seine Frau einer Arbeit nachgehen durfte oder nicht. Wohl auch deshalb entschied sich Paula Deppe gegen Ehemann und Kind. Finanziell abgesichert durch das Vermögen ihrer Familie konnte sie sich ganz ihrem Kunststudium und ihrem künstlerischen Schaffen widmen, ohne sich Sorgen um ihren Lebensunterhalt machen zu müssen. Sicherlich war ihr Lebensweg nicht revolutionär – viele Frauen aus gutbürgerlichem Hause drängten damals an die Damen-Akademie – dennoch steht ihr Leben beispielhaft für das vieler Künstlerinnen Anfang des 20. Jahrhunderts.

Ausstellungsbeteiligungen

  • 1921: Münchener Neue Secession, Glaspalastausstellung, München
  • 1919: Münchener Neue Secession, Glaspalastausstellung, München
  • 1914: Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik (BUGRA), Leipzig

Ausstellungen

  • 21. Mai bis 15. November 2011: OberhausMuseum Passau : Zum 125. Geburtstag von Paula Deppe zeigt das OberhausMuseum Passau, das den größten Bestand ihrer Werke bewahrt, eine Sonderausstellung mit 150 Arbeiten aus allen Schaffensphasen mit unterschiedlichen Techniken und Motiven aus den Sammlungen des OberhausMuseums, der Kulturstiftung der ZF Passau GmbH, des Fördervereins des OberhausMuseums e.V. und des Stadtarchivs Passau.
  • 1992: Museum Moderner Kunst
  • 1991: Dokumentationszentrum für moderne Kunst des 20. Jahrhunderts in St. Pölten, Ausstellung von Graphik und Arbeiten auf Papier in
  • 1991: Trnka-Galerie Pilsen, X-Zentrum, Paula Deppe-Graphik
  • 1990: Kulturhaus in Graz, Ausstellung von Graphik und Arbeiten auf Papier in Verbindung mit Werken von Margret Bilger
  • 1990: Rokycany, Ausstellung von Graphiken
  • 1990: Schloß Chodov in Prag, Ausstellung von Graphiken
  • 1988: Cordonhaus Cham, Ausstellung von Graphik und Arbeiten auf Papier
  • 1987: Landkreis Passau und Lehrstuhl für Kunstgeschichte und Christliche Archäologie Passau, Ausstellung von Graphik und Arbeiten auf Papier, Kloster Asbach
  • 1986: Galerie am Steinweg in Passau, Ausstellung zum 100. Geburtstag von Paula Deppe
  • 1982: Lehrstuhl für Kunstgeschichte und Christliche Archäologie Passau, Ausstellung in der Sparkasse Passau
  • 1975: Kunstkabinett Hans E. Haybach
  • 1958: Gedächtnisausstellung, Rittersaal, Oberhausmuseum Passau
  • 1948: Vereinigung freier Künstler, Ausstellung im Lambergpalais, Passau
  • 1926: Künstlergruppe „Der Fels“, Ausstellung im Graphikkabinet Maria Kunst, Künstlervereinigung
  • 1926: Künstlergruppe „Der Fels“, Ausstellung im Kunsthaus Messing, Cassel
  • 1925: Münchener Künstlerinnenverein, Galerie Thannhäuser, Ausstellung u. a. mit Käthe Kollwitz, Emmy Klinker, Hilde Dorner, Dora Bromberger, Carla Pohle
  • 1925: Münchener Neue Secession, Frühjahrsausstellung, München
  • 1925: Münchener Neue Secession, Letzte Jubiläumsausstellung, München
  • 1925: Münchener Neue Secession, Jubiläumsausstellung, München
  • 1923: Münchener Neue Secession, Glaspalastausstellung, München

Literatur

  • Max Brunner, Petra Gruber, Sandra Gabert (Hrsg.): Paula Deppe – Lebensskizzen einer Künstlerin. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im OberhausMuseum Passau vom 21. Mai bis 15. November 2011. Passau 2011.
  • Herbert Schindler: Paula Deppe – Wege und Umwege zu einer Künstlerin. Passau 1982.
  • Landstrich (Hrsg.): Paula Deppe 1886–1922 – Graphik und Arbeiten auf Papier. 2. Auflage, Passau-Schärding 1992.
  • Landstrich (Hrsg.): Paula Deppe 1886–1922 – Graphik und Arbeiten auf Papier.Passau-Schärding 1987.
  • Paula Deppe: Aus den Tagebüchern der Paula Deppe. Neuauflage. Hamburg-Harburg 1942.
  • Yvette Deseyve: Der Künstlerinnen-Verein München e. V. und seine Damen-Akademie. Eine Studie zur Ausbildungssituation von Künstlerinnen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. München 2005.
  • Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik. Abteilung „Zeitgenössische Graphik“. Erste Internationale Graphische Kunst-Ausstellung Leipzig 1914, Berlin 1914.
  • Eva-Maria Gerhardinger: Einführung in Leben und Werk von Paula Deppe (1886–1922). In: Vilshofener Jahrbuch. 12, 2004, S. 101–104.
  • Volker Probst: Paula Deppe – eine Malerin der frühen Moderne. In: Ostbairische Lebensbilder. Band III. Passau 2007, S. 171–190.
  • Herbert Schindler: Der Weg einer Malerin zu ihrem Expressionismus. Paula Deppe. In: Niederbayern. Zeitschrift für Kunst und Kultur, Geschichte und Gegenwart. 2. Jg., Nr. 1/1981, S. 6–15, 94–95.
  • Helmut Wagner: Einige Details zur Biographie Paula Deppes. In: Vilshofener Jahrbuch. Band 10, 2002, S. 71–76.
  • Wolfgang Wildner: Paula Deppe. In: Berührungen. Hommage à Alfred Kubin. Hrsg. Landkreis Passau. Passau 2006, S. 113–115.
  • Künstlerinnenverein München: Jahresberichte und Rechenschaftsberichte für die Vereinsjahre 1906/07 bis 1919/20. München.

Weblinks


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