Werner Ackermann

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Werner Ackermann
Werner Ackermann 1930

Emil Hermann Werner Ackermann, auch bekannt unter den Pseudonymen Rico Gala, Robert Landmann, W.A. Fieldmann oder W.A. Kermann (* 28. Dezember 1892 in Antwerpen, Belgien; † 10. Mai 1982 in Mbabane, Swasiland) war ein deutschsprachiger Schriftsteller, Verleger und zeitweise MiteigentĂŒmer der KĂŒnstlerkolonie Monte VeritĂ  in Ascona/Schweiz.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Werner Ackermann wurde 1892 in Antwerpen als Sohn des deutschen BuchhÀndlers Rudolf Ackermann und seiner Frau Elli, geb. Koeving geboren. Seine Eltern betrieben eine internationale Buchhandlung am Place Verte in Antwerpen, unweit der Kathedrale.

Der Vater Rudolf Ackermann stammte aus Könnern bei Halle a. d. Saale, wo die Familie eine Ziegelei und eine Grube besaß, und war in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts nach Antwerpen ausgewandert; die Mutter war die Tochter deutscher Emigranten in den USA. Antwerpen hatte sich an der Wende zum 19. Jahrhundert wieder zu einer europĂ€ischen Handelsmetropole entwickelt; vor allem niederlĂ€ndische und deutsche Kaufleute (Seehandel, Reederei, Seeversicherung, Fell- und Wollhandel) waren zugewandert. Den deutschen Kaufleuten waren deutsche Handwerker, Hausangestellte, Ladenbesitzer und Gastronomen gefolgt. Um 1910 lebten ĂŒber 8000 Deutsche in Antwerpen.

Werner Ackermann hegte zeitlebens große Sympathien fĂŒr den Philosophen Max Stirner und propagierte ein kompromissloses weltbĂŒrgerliches Denken der Individuen, das den egoistischen und aggressiven Nationalstaat ablehnt. Er selbst bezeichnete sich als großen GlĂŒcksmenschen, worunter er nicht das ‚GutestubenglĂŒck‘ mit Geld und gesicherter Position verstand, sondern seinen steten Glauben an sich und seinen steten Sinn.[1]

Kindheit und Jugend

Werner Ackermann verbrachte seine Kindheit mit seinen beiden Geschwistern, dem Ă€lteren Eduard und der jĂŒngeren Hilde, in der elterlichen Wohnung ĂŒber der Buchhandlung am Place Verte in Antwerpen.

Ab 1898 besuchte Werner Ackermann die 1882 gegrĂŒndete Deutsche Schule in Antwerpen. Die Schule war bilingual (Deutsch und Französisch) und genoss einen sehr guten Ruf. Die Geschwister Ackermann galten als unartig.[2] Werner Ackermann musste mehrfach die Schule wechseln und war zeitweise auch auf einem Internat im Deutschen Reich.

Werner Ackermann als Kind

Werner Ackermann wuchs in einem bildungsbĂŒrgerlichen Milieu mit deutschnationaler, lutherischer PrĂ€gung auf. Der Vater war der belesene BuchhĂ€ndler, die Mutter die GeschĂ€ftsfrau. Das VerhĂ€ltnis zu den Eltern war gut. In einem spĂ€teren Brief an die Eltern schrieb Werner Ackermann:

„Ich stehe – was uns angeht – durchaus nicht auf dem Standpunkt, dass Alt und Jung sich nicht verstehen können, denn gerade durch Eure Erziehung und Euren Willen zu unserem, Eurer Kinder, GlĂŒck habt Ihr gezeigt, dass Ihr im besten Sinne modern seid.[3]“

Werner Ackermann verfasste wĂ€hrend der Schulzeit erste TheaterstĂŒcke, die er an Max Reinhardt schickte. Reinhardt soll ihn zum weiteren Schreiben ermuntert haben.[4]

1909 entschied sich Werner Ackermann fĂŒr die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft, was er spĂ€ter schwer bereute.

Erste berufliche Erfahrungen

Durch die Vermittlung der Eltern erhielt Werner Ackermann nach dem Abitur eine Anstellung beim Touring Club Suisse in Genf. WĂ€hrend dieser Zeit verfasst er die beiden StĂŒcke ‚GrĂ¶ĂŸe‘ und ‚Der große Junge‘.

Erster Weltkrieg

Werner Ackermann meldete sich nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Kriegsfreiwilliger auf deutscher Seite und kam als Unteroffizier bei der Feldartillerie an der belgischen und französischen Front zum Einsatz. Die anfĂ€ngliche Kriegsbegeisterung von Werner Ackermann verwandelte sich schon nach wenigen Monaten ĂŒber eine KriegsernĂŒchterung in einen Pazifismus, der fĂŒr seine weitere politische Entwicklung prĂ€gend sein sollte.

Im September 1916 wurde er verletzt und landete im Reservelazarett VII in Hannover-Herrenhausen, wo er versuchte seine Genesung so lange wie möglich hinauszuzögern.

Studium und Heirat

Bereits am 16. November 1917, also noch vor Kriegsende, nahm er das Studium der Literaturwissenschaft an der Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t Berlin auf, das er jedoch im FrĂŒhjahr 1919 wieder abbrach.

Anfang 1920 heiratete er in Berlin Hedwig Emma Ota Boehme (1894–1986), Tochter eines Eisenbahningenieurs aus Hannover. Beide lehnten die Institution Ehe ab, benötigten aber den Trauschein, um an eine Wohnung zu kommen. Im November 1921 wurde die Tochter Sonja geboren.

Verleger und MiteigentĂŒmer des Monte VeritĂ 

Nach der vorzeitigen Beendigung des Studiums wurde Werner Ackermann in Berlin Teilhaber der Verlage Ackermann & Pungs sowie Morawe & Scheffelt. Er veröffentlichte u.a. Werke von Hans Bethge, Eugen Georg und Jeremias Gotthelf. Auch zwei Farblithographien von Lou Albert-Lasard, die Albert Einstein darstellen, wurden herausgegeben. Die wirtschaftlichen UmstÀnde des Verlagswesens in der Anfangsphase der Weimarer Republik gestalteten sich jedoch immer schwieriger.

Der Zusammenbruch des deutschen Finanzsystems und die Hyperinflation veranlassten Werner Ackermann schließlich im August 1923 die Verlage zu verkaufen und woanders nach einer besseren Zukunft zu suchen. Mit seinen Berliner Freunden, dem Maler Hugo Wilkens und dem Rezitator und Kunstgewerbler Max Bethke, beschloss er, von Henri Oedenkoven die KĂŒnstlerkolonie ‚Monte Verità‘ in Ascona zu erwerben. Ein Teil des fehlenden Kapitals wurde von Verwandten seines Schwagers William Werner, der einer reichen Antwerpener Industriellenfamilie entstammte, zugeschossen.

Am 1. Februar 1924 wurde der Monte VeritĂ  nach grĂ¶ĂŸeren Renovierungs- und Umbauarbeiten als KĂŒnstlerhotel offiziell eröffnet. Dem KĂŒnstlerhotel ‚Monte Verità‘ war kein wirtschaftlicher Erfolg beschieden. Auf Druck der belgischen Geldgeber mussten Wilkens und Ackermann bereits im Herbst 1924 wieder aus der EigentĂŒmergemeinschaft ausscheiden, wenig spĂ€ter wurde die KĂŒnstlerkolonie an den ehemaligen Bankier des deutschen Kaisers, Baron Eduard von der Heydt, verkauft. Ackermann und Wilkens blieben jedoch beide mit ihren Familien in Ascona. Werner Ackermann freundete sich mit dem russischen Baron Eduard von Erdberg, dem Biologen und Naturforscher Karl Soffel, dem Schriftsteller Max Picard und dem spĂ€teren Marionettentheaterregisseur Jakob Flach an.

Werner Ackermann war nun freier Schriftsteller. Neben Artikeln fĂŒr Schweizer Zeitungen entstanden seit 1925 BeitrĂ€ge fĂŒr ‚Die WeltbĂŒhne‘ , die satirische Zeitschrift ‚Das Stachelschwein‘ von Hans Reimann und ‚Die Annalen‘ von Dr. Walter Muschg. Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag allerdings bei seinen TheaterstĂŒcken. Er schrieb in dieser Zeit u.a. die StĂŒcke ‚Die BrĂŒcke‘, FĂŒnf Akte Lotterie und ‚Flucht nach Shanghai‘. Gelegentlich trat er mit dem deutschnationalen Dichter Werner von der Schulenburg, dem Dadaisten und Surrealisten Hans Arp bei Lyrik-Lesungen im Haus seines Schwagers William Werner auf.[5]

Werner Ackermann sah sich selbst als Kopfarbeiter und verlangte in einer polemischen Replik auf einen Artikel in der Zeitschrift der KPD ‚Die Front‘, dass der Literat, der frei vom bĂŒrgerlichen DĂŒnkel ist, wohl verlangen kann, dass ihm der Handarbeiter ohne DĂŒnkel gegenĂŒbertritt.

„das kleine und mittlere BĂŒrgertum (ist) eine Masse von irregeleiteten, betrogenen, armseligen, ausgebeuteten Proletariern“. „Hand oder Kopf – man kocht uns alle in einem Topf.[6]“

Ein Werner Ackermann immer wieder interessierendes Thema war der Kolonialismus. In einem Essay nahm Ackermann 1927 den kritischen Reisebericht AndrĂ© Gides ĂŒber den Kongo zum Anlass, sich mit den wieder auflebenden Kolonialinteressen in der Weimarer Republik auseinanderzusetzen, ein Interesse, das bis ins sozialistische Milieu hineinreichte. FĂŒr Ackermann war, im Unterschied zu Gide, der Kolonialismus zwangslĂ€ufig durch unbegrenzte Gewaltherrschaft charakterisiert und damit verbrecherisch. Daran sollte man sich aus seiner Sicht als BĂŒrger nicht mitschuldig machen.

FrĂŒhzeitig kritisierte er den Rassismus der weißen Siedler in SĂŒdafrika und sah den Befreiungskampf der Schwarzen bereits am Horizont heraufziehen, allerdings mit der Hoffnung, dass sich der Klassenkampf dem Rassenkampf hinzugesellen wĂŒrde.

Auch an der Debatte um die Paneuropa-Idee von Graf Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi beteiligte sich Werner Ackermann 1926 und 1930. Zu den Mitgliedern der Pan-Europa Union gehörten u.a. Franz Werfel, Thomas Mann und Albert Einstein. Coudenhove und andere, darunter auch der Herausgeber der WeltbĂŒhne Carl von Ossietzky, sahen in einem geeinten Europa einen Ausweg aus der heraufziehenden Kriegsgefahr. Ackermann sah in der Paneuropa- Idee eine Gefahr, weil sie „ohne den stĂ€ndigen Ausblick auf Weltstaat, proletarische Internationale oder herrschaftslose Gesellschaft ein Spielball zwischen unvereinbaren Interessen – also eine Bombe“ (bleiben mĂŒsse). FĂŒr Ossietzky eine Verkennung der damaligen Etappe europĂ€ischer Entwicklung.[7]

Diese Vorstellung von der ‚Staatenlosigkeit‘ fand sich partiell wieder in den GrundsĂ€tzen der Cosmopolitischen Union, die er 1928 zusammen mit Kurt Zube und Ulrich von Beckerath grĂŒndete und deren Provisorisches Sekretariat in Ascona eingerichtet wurde. Die Cosmopolitische Union wurde mit dem Machtantritt Hitlers 1933 wieder aufgelöst, viele ihrer Mitglieder gingen in die innere oder Ă€ußere Emigration. Trotzdem blieb Ackermann der Idee vom Weltstaat treu und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Mitglied in Joe Heydeckers Weltstaatliga.

Erste Erfolge

Nach seiner RĂŒckkehr nach Berlin Ende 1928 bemĂŒhte sich Werner Ackermann verstĂ€rkt um die AuffĂŒhrung seiner TheaterstĂŒcke. Im Februar 1930 wurde sein StĂŒck ‚Flucht nach Shanghai‘ von Fritz Jessner am Schauspielhaus Königsberg uraufgefĂŒhrt.

Szene aus ‚Flucht nach Shanghai‘ am Schauspielhaus Königsberg

Eine bereits 1929 geplante AuffĂŒhrung am Staatlichen Schauspiel zu Berlin unter der Regie von Leopold Jessner kam nicht mehr zustande , nachdem Jessner die Generalintendanz auf politischen Druck hatte aufgeben mĂŒssen. Herbert Ihering, einer der fĂŒhrenden Theaterkritiker der Weimarer Zeit, sah darin eine verpasste Gelegenheit fĂŒr das Berliner Theater und schrieb:

„Ackermann schreibt ein StĂŒck mit starken Wirkungsmöglichkeiten. Es hat eine Fabel (nach einer Anregung von Holitscher), aus der sich alles entwickelt. Es ist Kunst, Gestaltung.[8]“

Am 26. Oktober 1930 kam es noch zu einer einmaligen AuffĂŒhrung des StĂŒcks in einer Nachtvorstellung des Lessing-Theaters in Berlin unter der Regie des jungen Max OphĂŒls.

1930 wurde das TheaterstĂŒck Kleists Tod, das Werner Ackermann zusammen mit dem Juden und Kommunisten Siegfried LönnerstĂ€dter geschrieben hatte, als Hörspiel im Schweizer Radio uraufgefĂŒhrt. Mit LönnerstĂ€dter verfasste er auch die Funkgroteske Dr. Eisenbart. Es folgte im Januar 1931 die UrauffĂŒhrung von FĂŒnf Akte Lotterie am Frankfurter KĂŒnstler-Theater.

Daneben fĂŒhrte Werner Ackermann Auftragsarbeiten durch. Der KĂ€ufer des Monte VeritĂ , Baron Eduard von der Heydt, beauftragte ihn ein Buch ĂŒber die Geschichte der KĂŒnstlerkolonie zu schreiben, das 1930 im Adalbert Schultz Verlag, Berlin erschien und bis heute immer wieder aufgelegt wurde.

Der pazifistische Druckereibesitzer und Verleger Paul Riechert finanzierte Werner Ackermann 1931 einen halbjĂ€hrigen Aufenthalt in St. Tropez, um ĂŒber den Kampf des italienischen Sozialisten Matteotti gegen Mussolini zu recherchieren. Seit 1927 erschien bei Riechert die ‚Deutsche Zukunft‘, ein Antikriegsblatt, und 1929 das eigenstĂ€ndige Beiblatt „Die Friedensfront“ unter der Leitung von Dr. Arnold Kalisch als offizielles Organ der „Internationale der Kriegsdienstgegner“. Zu deren Autoren gehörte auch Marcel van Diest, den Werner Ackermann in BrĂŒssel wiedertreffen sollte.

Auf der Basis der Recherchen schrieb Werner Ackermann den Roman ‚Wehe dem Sieger‘ und das gleichnamige TheaterstĂŒck. Die erste Auflage des Romans wurde kurz vor Auslieferung 1932 durch die SA, die den Riechert-Verlag stĂŒrmte und demolierte, fast vollstĂ€ndig vernichtet.

EuropÀisches Exil

Familie Ackermann in BrĂŒssel 1938

Werner Ackermann machte sich keine Illusionen ĂŒber den heraufziehenden Nationalsozialismus. Im Herbst 1932 verließ er Berlin und zog mit Familie zu seinen Eltern in den Kunstkaten von Ahrenshoop, den die Eltern 1919 erworben hatten. 1933 verließ er schließlich Deutschland aus GesinnungsgrĂŒnden, wie er spĂ€ter sagte.[9] Es folgten zwölf unruhige Jahre. Verzweifelt versuchte er sich 1933 zunĂ€chst in ZĂŒrich bei der Schwester, danach in Istanbul und auf Ibiza eine neue Existenz aufzubauen. Alle Projekte scheiterten. Schließlich kehrte er an seinen Geburtsort Antwerpen zurĂŒck. Sein Antrag auf die belgische StaatsbĂŒrgerschaft scheiterte aber an seinen fehlenden finanziellen Mitteln.

Werner Ackermann hielt sich mit Übersetzungen einzelner Werke von Stijn Streuvels, Elisabeth Zanke und Antoon Coolen ĂŒber Wasser. Kurzzeitig arbeitete er bei Klaus Manns Exil-Zeitschrift ‚Die Sammlung‘ mit. Es entstanden die StĂŒcke ‚Langusten fĂŒr das Volk‘ , ‚Der MinnesĂ€nger‘, ‚Dolores und Juan‘ und ‚Das MĂ€dchen aus Prag‘. Einzelne StĂŒcke wurden als Hörspiele bei Radio Suisse und bei Radio Paris gesendet.

In der Wehrmacht

Zu Beginn des deutschen Überfalls auf Belgien wurde Werner Ackermann als feindlicher AuslĂ€nder von den belgischen Behörden am Rande der PyrenĂ€en in SĂŒdfrankreich interniert. WĂ€hrend der Internierung stellte er einen Aufnahmeantrag bei der Fremdenlegion, der aber abgelehnt wurde. Nach der Besetzung Belgiens wurden die Internierten, darunter auch Ackermann, von der deutschen MilitĂ€rverwaltung repatriiert. Werner Ackermann begann danach in BrĂŒssel als Übersetzer fĂŒr die Abwehrstelle (Ast) BrĂŒssel unter Dr. Karl Krazer zu arbeiten. Krazer war Monarchist und Hitlergegner und hielt eine schĂŒtzende Hand ĂŒber Ackermann, als diesem wegen seines Antrags auf die belgische StaatsbĂŒrgerschaft politische UnzuverlĂ€ssigkeit vorgeworfen wurde. Im August 1942 wurde Werner Ackermann schließlich zum aktiven Wehrdienst der Wehrmacht einberufen und bei der Marinespionage in Antwerpen eingesetzt. Nach der Auflösung der Ast BrĂŒssel im Herbst 1943 wurde er an die Kriegsmarine in Wilhelmshaven ĂŒberstellt, wo er 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet.

Nachkriegsjahre in der Bundesrepublik

Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im August 1946 siedelte sich Werner Ackermann in Weinheim an der Bergstraße an. Er hoffte darauf, in einem vom Nationalsozialismus befreiten Deutschland an die erfolgreichen spĂ€ten 20er und frĂŒhen 30er Jahre anknĂŒpfen zu können. Und in der Tat war der Auftakt durchaus vielversprechend. Mehrere seiner Hörspiele kamen in den folgenden Jahren bei den Radiosendern SaarbrĂŒcken, Stuttgart, Wien und Halle zur AuffĂŒhrung. Die TheaterstĂŒcke ‚Kinder aus Spanien‘ und ‚Langusten fĂŒr das Volk‘ wurden uraufgefĂŒhrt und sein Matteotti-Roman wurde 1947 in der Bundesrepublik und 1950 in der DDR verlegt.

Werner Ackermann freundete sich mit dem Schauspieler und Regisseur Herbert G. Doberauer, dem Maler Willi Baumeister und dem Galeristen Egon GĂŒnther an. GĂŒnther stellte als einer der Ersten nach dem 2. Weltkrieg Beckmann, Kirchner, Feininger, Dix, Klee und andere von den Nationalsozialisten verfemte Maler wieder aus. Er zeigte auch bereits afrikanische Kunst, die damals noch ‚Negerplastik‘ hieß.

Der heraufziehende Kalte Krieg fĂŒhrte jedoch alsbald zu Schwierigkeiten. In der Bundesrepublik erlahmte im Zuge der Restauration das Interesse an dem kapitalismuskritischen Autor der Weimarer Republik und fĂŒr die DDR war Ackermann im Zuge der Stalinisierung ideologisch fragwĂŒrdig geworden. So wurde sein Roman ‚Ein Toter besiegt Mussolini‘ ĂŒber den SozialistenfĂŒhrer Matteotti nach der GrĂŒndung der SED von den DDR-Behörden kurz nach Drucklegung beschlagnahmt und danach nicht wieder aufgelegt.

Zweites Exil in SĂŒdafrika und Tod

Werner Ackermann war von Deutschland mehr und mehr beruflich und politisch enttĂ€uscht und entschloss sich 1951 auf Einladung seines alten Freundes Hugo Wilkens nach SĂŒdafrika auszuwandern. Wilkens war mit seiner zukĂŒnftigen jĂŒdischen Frau bereits 1936 nach SĂŒdafrika emigriert. Abgeschnitten von den deutschen Theatern und dem deutschen Verlagswesen einerseits und vorwiegend im Kontakt mit anderen deutschen Emigranten in SĂŒdafrika (insbesondere mit dem Journalisten Alfred Futran und dem Galeristen Egon GĂŒnther) blieb Werner Ackermann jedoch isoliert und weitgehend auf sich selbst zurĂŒckgeworfen. In einem Brief an Wilhelm Fraenger schrieb er 1955:

„Ich lebe seit ĂŒber 4 Jahren im Ausland, vollkommen losgelöst vom ‚Betrieb‘, habe keinen Kontakt mit Theaterleuten, gehöre zu keiner Clique und arbeite ohne Widerhall.[10]“

Es entstanden noch Kurzgeschichten und einige TheaterstĂŒcke, bis auf das KriminalstĂŒck ‚Mord ohne Spuren‘ kamen letztere aber nicht mehr zur AuffĂŒhrung. Werner Ackermann lebte ĂŒberwiegend von kleineren und grĂ¶ĂŸeren Zeitungsartikeln, die sich großenteils mit Afrika befassten.

Politisch wollte er sich unter dem Apartheid-Regime in SĂŒdafrika, das er verabscheute, nicht mehr betĂ€tigen, denn:

„Ich habe im Leben mit viel Lehrgeld gelernt, abzuwĂ€gen (

) Vom Mut um jeden Preis halte ich nichts. Verzeihen Sie mir das, wenn Sie eine Schuld darin sehen. Vor mir bin ich nicht schuldig.[11]“

Werner Ackermann verstarb im Mai 1982 bei seiner Tochter in Mbabane/Swasiland.

Zum Werk

Verlagseinband der Erstausgabe des Romans Wehe dem Sieger

Werner Ackermann verfasste ĂŒber 20 TheaterstĂŒcke, 2 Romane, mehrere ErzĂ€hlungen, zahlreiche Essays und unter dem Pseudonym Robert Landmann ein bis heute verlegtes Sachbuch ĂŒber die Geschichte des Monte VeritĂ . Ackermann galt Anfang der 30er Jahre als junger begabter Dramatiker.

Das von der Kritik gelobte StĂŒck Flucht nach Shanghai kreist um das Schicksal entflohener, zaristischer Emigranten im Frachtraum eines Schiffes, das sich auf dem Weg nach China befindet. In FĂŒnf Akte Lotterie (UrauffĂŒhrung am Frankfurter KĂŒnstler-Theater 1931) geht es um einen jungen, adligen Lebemann, der ĂŒber beide Ohren verschuldet ist und um die Einhaltung oder Nicht-Einhaltung von gesellschaftlichen Regeln bei der Lösung dieses Schuldenproblems . Kleist sucht den Tod, aufgefĂŒhrt als Hörspiel 1930, behandelt die finanzielle Not und das prekĂ€re Dasein eines KĂŒnstlers. Eine dramatische Fassung des Romans Wehe dem Sieger ĂŒber den Kampf Matteottis gegen Mussolini (1930), fand bei dem Kritiker Herbert Ihering in seiner ursprĂŒnglichen Gestalt wenig Gegenliebe. Er fand es zu parodistisch und gleichzeitig nicht sarkastisch genug. Ob Werner Ackermann es danach umgeschrieben hat, ist nicht bekannt. In Langusten fĂŒr das Volk (1935/36, uraufgefĂŒhrt 1950) geht es um den Raubtierkapitalismus des Direktors einer Langustenfirma, der nach Auswegen in der Wirtschaftskrise sucht und dabei die Arbeiter zugrunde gehen lĂ€sst und die AktionĂ€re ĂŒber den Tisch zieht.

Ackermanns Kapitalismuskritik war dabei nie einseitig ideologisch und von heldenhaften Arbeitern begleitet. In einer Kritik der AuffĂŒhrung Langusten fĂŒr das Volk in der Zeitung Neues Deutschland wurde ihm geradewegs vorgeworfen:

„Dem kapitalistischen Profitsystem stehen entweder nur korrumpierte Arbeiter gegenĂŒber oder solche, die in der Nebelwelt religiöser oder individualistischer Vorstellungen haften bleiben.“[12]

Kinder aus Spanien (1938; UrauffĂŒhrung 1947 oder 1948) behandelt das Schicksal von zwei Kindern aus Spanien wĂ€hrend des Spanischen BĂŒrgerkriegs und ihr Leben als Heranwachsende im Exil in Frankreich.

An seinem Roman Wehe dem Sieger unter dem Pseudonym Rico Gala wurde das Reportagenhafte kritisiert und sein zweiter Roman Der schwarze Fink blieb ebenso unveröffentlicht wie seine Gedichtsammlungen.

Eine Beurteilung seines literarischen Gesamtwerkes steht bis heute aus.

Werke

TheaterstĂŒcke

  • GrĂ¶ĂŸe (Drama), Antwerpen 1913
  • Der große Junge (Komödie in 3 AufzĂŒgen), Antwerpen 1914
  • Die BrĂŒcke (Schauspiel in 3 Akten), Ascona 1925
  • Flucht nach Shanghai (französ.: La cargaison fantĂŽme) (Schauspiel in 5 Bildern), Berlin 1927/28; 1930 uraufgefĂŒhrt
  • Kleist sucht den Tod (Romantische Tragödie in 5 Szenen), Berlin 1929; 1931 uraufgefĂŒhrt als Hörspiel
  • Der Apostel von Steisserbach (Komödie in 3 Akten), Berlin 1930
  • FĂŒnf Akte Lotterie (französ.: Le duel amĂ©ricain/Jeux de Hasard) (Komödie in 5 Akten); 1931 uraufgefĂŒhrt
  • Der KĂŒmmerling; auch: Der Sturz vom Seil (Tragikomödie in 5 Akten), Ascona/Berlin 1928/31
  • Staat ohne Volk; oder: Wehe dem Sieger (Drama in 5 Akten), St. Tropez 1931; 1950 uraufgefĂŒhrt als Hörspiel
  • Dr. Eisenbart (Komödie), Antwerpen 1934
  • Langusten fĂŒr das Volk (Drama in 5 Akten), Antwerpen 1934/35; 1949 uraufgefĂŒhrt
  • Kinder aus Spanien; auch: Dolores und Juan (Schauspiel in 5 Akten), BrĂŒssel 1938; 1947 uraufgefĂŒhrt
  • Das MĂ€dchen aus Prag, BrĂŒssel/Paris 1939;
  • Das Loch in der Mauer (Schauspiel ), Weinheim 1949; 1950 uraufgefĂŒhrt als Hörspiel
  • Stern auf den HĂŒgeln, Weinheim 1950
  • Das Gold der Bolleboers (SĂŒdafrikanisches Lustspiel in 3 Akten), Johannesburg 1952
  • Der Dicke aus Lille (Komödie in 3 Akten), Johannesburg 1953
  • Mord ohne Spuren (KriminalstĂŒck in 5 Akten), Johannesburg 1954; 1968 uraufgefĂŒhrt

Romane, ErzÀhlungen

  • Der schwarze Fink, Ascona 1924
  • Wehe dem Sieger, Paul Riechert-Verlag, Heide/Holsten 1932
  • Urwald in der großen Stadt, Pohl-Verlag, MĂŒnchen 1956

Gedichte

  • Visionen und letzte Spiele, Johannesburg o.J.

SachbĂŒcher

  • Ascona - Monte VeritĂ , Adalbert Schultz Verlag, Berlin 1930, Neuauflage Huber Verlag, Frauenfeld 2009

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Brief von Werner Ackermann an die Eltern vom 18. Februar 1925
  2. ↑ Interview mit der Tochter Sonja Reissmann, geb. Ackermann am 15. September 1991.
  3. ↑ Brief von Werner Ackermann an die Eltern vom 18. Februar 1925
  4. ↑ Interview mit der Tochter Sonja
  5. ↑ Vgl. Robert Landmann, Ascona – Monte Verità, Frauenfeld 2000
  6. ↑ Zit. nach WeltbĂŒhne vom 26. Februar 1930
  7. ↑ Vgl. WeltbĂŒhne vom 26. Januar 1930
  8. ↑ Zit. nach Berliner Börsencourier vom 27. Oktober 1930
  9. ↑ Vgl. dazu Brief an Carl Seelig vom 15. September 1966
  10. ↑ Zit aus einem Brief an Wilhelm Fraenger vom 29. September 1955, in dem er um dessen UnterstĂŒtzung bittet.
  11. ↑ Zit. aus einem Brief an John Zube vom 15. September 1965
  12. ↑ Zit. nach Kleine Chronik deutscher UrauffĂŒhrungen, in: Theater der Zeit , 1949, H. 3, S.34

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