Christentumsgeschichte

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Christentumsgeschichte
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Dieser Artikel befasst sich mit der weltweiten Geschichte aller christlichen Richtungen, Kirchengeschichte aus der Sicht einer bestimmten Kirche, siehe Kirchengeschichte (BegriffsklÀrung).

Unter Christentumsgeschichte oder auch Kirchengeschichte wird im weiteren Sinne die Geschichte des Christentums bzw. der christlichen Kirche(n) (allgemein) verstanden - im engeren Sinne die Geschichte einer christlichen (Teil-)Kirche bzw. Konfession.

Das Christentum entstand im 1. Jahrhundert aus dem Glauben einer Minderheit im palĂ€stinischen Judentum an die Gottessohnschaft des Jesus von Nazaret. Urchristen wie Paulus von Tarsus und der Evangelist Johannes entfalteten diesen Glauben auch mit Begriffen aus der griechischen Philosophie. Seitdem verbreitete sich die neue Religion trotz Verfolgungen im gesamten Römischen Reich. Nach dem Ende der staatlichen Verfolgungen 313 wurde sie 380 zu dessen Staatsreligion, spĂ€ter zur heute grĂ¶ĂŸten Weltreligion. Mit der Bildung von Kirchen mit einer Beamtenhierarchie (Klerus) gingen dogmatische Streitfragen einher, die mitunter zu Kirchenspaltungen und Neubildung von Konfessionen fĂŒhrten.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Nach 300 Jahren waren etwa 10-15% der Bevölkerung des römischen Reiches Christen geworden. Die theologischen Zentren dieser Ausbreitung lagen in Kleinasien, Syrien und Nordafrika. Nachdem es im Römischen Reich in der Zeit Konstantins erst akzeptiert und dann unter Theodosius I. sogar zur Staatsreligion wurde, breitete es sich innerhalb der griechisch-römischen Kultur so stark aus, dass es außerhalb des Römischen Reichs mit diesem identifiziert wurde. In der ausgehenden SpĂ€tantike umfasste seine Ausdehnung die des Römischen Reichs und einiger angrenzender Gebiete wie Armenien oder Äthiopien; auch im Sassanidenreich breitete es sich, in Gestalt der nestorianischen Glaubensrichtung, langsam aus.

Die weitgehende Christianisierung des Römischen Reichs fĂŒhrte jedoch nicht zu einer christlichen Einheitskultur. Neben der Reichskirche mit einem lateinischen Schwerpunkt in Rom und einem griechischen in Konstantinopel gab es, insbesondere im Vorderen Orient und Ägypten, verschiedene monophysitische Kirchen und die Assyrische Kirche des Ostens, die alle in der lokalen Sprache und Kultur fest verankert waren und blieben.

Vom 6. bis 10. Jahrhundert erlebte das Christentum seine bisher schwersten RĂŒckschlĂ€ge in seiner Geschichte. Das Römische Reich zerbrach unter dem germanischen Ansturm (siehe Völkerwanderung und SpĂ€tantike). Die ursprĂŒnglichen christlichen Kernlande, der Vordere Orient und Nordafrika, wurden vom Islam ĂŒberrannt (siehe auch: Islamische Expansion), ebenso Sizilien und Hispanien. Einer Expansion der Westkirche, insbesondere im Frankenreich, folgte ein absoluter Tiefpunkt des römischen Papsttums im 9. und 10. Jahrhundert. Die östlichen Ableger der Assyrischen Kirche, die bis in das Kaiserreich China gelangt waren, gingen fast alle im Mongolensturm unter.

Diesem Niedergang folgte ein erstaunlicher Aufschwung. Im Westen gingen von Wandermönchen und Klöstern Erneuerungsbewegungen aus, die nach und nach das ganze westliche Europa christianisierten und unter der römischen Kirche einigten und Spanien und Sizilien zurĂŒckgewannen. Von Konstantinopel aus wurden der Balkan und das europĂ€ische Russland christianisiert und es entwickelten sich neue Patriarchate. Die Assyrische Kirche breitete sich wieder als Minderheitsreligion entlang der Seidenstraße bis zur chinesischen KĂŒste aus.

Im SpĂ€tmittelalter folgten weitere RĂŒckschlĂ€ge: Konstantinopel wurde von den TĂŒrken ĂŒberrannt, die bis vor Wien gelangten. In Asien verschwanden die christlichen Niederlassungen bis auf wenige Reste in Indien. Im Westen war das Papsttum im wesentlichen durch ein großen Schisma wieder auf einem organisatorischen und moralischen Tiefpunkt und wurde gerade im Kernland Italien teilweise vom Humanismus verdrĂ€ngt.

Im 16. Jahrhundert kam es zu den protestantischen Reformationen und parallel dazu zu einer tiefgehenden Reform der katholischen Kirche. Gleichzeitig breitete sich das Christentum durch die Mönchsorden, die den spanischen und portugiesischen Entdeckern folgten, in Lateinamerika und entlang den KĂŒsten von Afrika und Asien weiter aus als je zuvor. Dieser katholischen Verbreitung folgte im 17. und 18. Jahrhundert eine Ă€hnliche weltweite Verbreitung des Protestantismus durch die HollĂ€nder und EnglĂ€nder und durch Auswanderer, die protestantischen Minderheitskonfessionen angehörten. Die russisch-orthodoxe Kirche expandierte nach Nordasien, insbesondere Sibirien und Japan.

Das Zeitalter der AufklĂ€rung brachte einerseits einen Wegfall des bisherigen christlichen Konsens in Europa, wo jetzt auch andere Weltanschauungen Platz fanden, andererseits aber auch eine Revitalisierung des Christentums im Pietismus, Methodismus und den Erweckungsbewegungen in Amerika, die alle das Glaubensleben des Einzelnen intensivierten. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich der Protestantismus in ganz Nordamerika, war die dominierende Religion in Australien, expandierte in Lateinamerika und hatte Missionen in fast jedem afrikanischen und asiatischen Land. Gleichzeitig kam es in Europa zu neuen theologischen Entwicklungen. Die katholische Kirche erfuhr politische RĂŒckschlĂ€ge, insbesondere durch die Französische Revolution, festigte jedoch gerade dadurch ihre innere Organisation und Einheit. Emigranten verbreiteten sie verstĂ€rkt in Nordamerika, Missionare in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Im 20. Jahrhundert verlegte sich der Schwerpunkt des Christentums erneut. Kernlande der protestantischen Kirchen waren jetzt die Vereinigten Staaten. Um 1965 waren die Christen hÀlftig auf westliche und nichtwestliche LÀnder verteilt, und in den folgenden Jahrzehnten wurden die Christen der Dritten Welt zur Mehrheit. Besonderen Aufschwung hatten dort nicht die traditionellen, sondern neue, lokale Kirchen der charismatischen Richtung.

Antike

Urchristentum

Als Urchristentum oder apostolisches Zeitalter bezeichnet man die ersten Jahrzehnte des Christentums von den ersten JĂŒngerberufungen in GalilĂ€a (um 28) bis zur Abfassung der letzten spĂ€ter in das Neue Testament aufgenommenen Schriften (um 130). Einige Kirchen wurden in dieser Zeit noch von Aposteln und ihren direkten SchĂŒlern geleitet, z. B. die Gemeinde in Jerusalem von Jakobus dem Gerechten, die Gemeinde in Ephesus vom Apostel Johannes und die Gemeinde in Alexandria von Johannes Markus.

Das Christentum breitete sich vor allem durch die griechischsprachigen „Hellenisten“ schnell nach Samaria und Antiochia aus, wo die AnhĂ€nger der neuen Religion zuerst Christen genannt wurden (Apg 11,26), dann nach Zypern, Kleinasien, Nordafrika, Griechenland und Rom. Die einzelnen Kirchen waren durch Briefe und reisende Missionare miteinander verbunden.

Im ersten Jahrhundert fand die graduelle Abspaltung des Christentums vom Judentum statt, mit einem scharfen Schnitt nach der Eroberung Jerusalems im Jahre 70, und parallel dazu kam es zu den Auseinandersetzungen zwischen Judenchristen und Heidenchristen, bei denen es im Wesentlichen darum ging, wie weit nichtjĂŒdische Christen ans jĂŒdische Gesetz gebunden sind. Diese Auseinandersetzungen fanden eine erste Lösung im Apostelkonzil.

Ebenso entstanden in dieser Zeit die Briefe, Evangelien und ĂŒbrigen Schriften des neuen Testaments und kamen nach und nach in den liturgischen Gebrauch parallel zu den von Anfang an verwendeten Schriften des Alten Testaments.

Apostolische VĂ€ter

Apostolische VĂ€ter heißen die frĂŒhen KirchenvĂ€ter, die noch direkten Kontakt zu Aposteln hatten oder von diesen stark beeinflusst wurden.

Die Quellen bezĂŒglich dieser Zeit sind ziemlich begrenzt. Relativ wenige Texte und Biografien sind erhalten.

In dieser Zeit entwickelt die Kirche sich zur Bischofskirche, wobei die Bischöfe damals Vorsteher einer örtlichen Gemeinde waren. Die Schriften des Neuen Testaments zirkulierten in verschiedenen Sammlungen in den Gemeinden.

Das Christentum wurde nach und nach vom römischen Staat als eigenstĂ€ndige nichtjĂŒdische Gruppe wahrgenommen. Es kam zu Christenverfolgungen unter Domitian (81-96) und Trajan (98-117).

Christenverfolgungen

Zu den ersten Christenverfolgungen und MĂ€rtyrern kam es bei innerjĂŒdischen Auseinandersetzungen mit Tempelpriestern und PharisĂ€ern (Stephanus, Jakobus der Ältere, Jakobus der Gerechte), dann auch im römischen Reich (Simon Petrus, Paulus von Tarsus) unter Nero.

In die Zeit der apostolischen VÀter fiel die Christenverfolgung unter Trajan (98-117), der z. B. Ignatius von Antiochia zum Opfer fiel.

Aus der Zeit von Trajan ist dessen Korrespondenz mit Plinius dem JĂŒngeren erhalten, aus der hervorgeht, dass der römische Staat zwar nicht von sich aus systematisch nach Christen fahndete, jedoch Leute, die als Christen angezeigt wurden, vor die Wahl stellte, dem Kaiser Opfer zu bringen, d.h dem Christentum abzuschwören, oder hingerichtet zu werden. Anonyme Anzeigen wurden allerdings nicht berĂŒcksichtigt. Daraus resultierte fĂŒr die Christen eine permanente Rechtsunsicherheit, die sie vom Wohlwollen nichtchristlicher Nachbarn abhĂ€ngig machte. Das römische Reich wusste nicht so recht, wie es mit den Christen umgehen sollte; es entwickelte keine logische Verfahrensweise: nicht das Christsein, nur das Christbleiben wurde bestraft.

WÀhrend der folgenden Jahrzehnte kam es weitverbreitet zu lokalen Christenverfolgungen, teilweise durch die Behörden, teilweise direkt durch die Bevölkerung. Bei solchen lokalen Christenverfolgungen kamen Polykarp von Smyrna 155 in Kleinasien und Justin der MÀrtyrer in Rom als MÀrtyrer ums Leben. Unter Mark Aurel kam es in der Folge einiger Naturkatastrophen 177 in Lyon und Viennes zu massiven Verfolgungen.

Nach dem Tod von Mark Aurel 185 lebten die Christen in relativem Frieden bis zu den Christenverfolgungen unter Decius (249-253) und Valerian (253-260). Diese fanden, im Gegensatz zu frĂŒher, im ganzen Reich statt und zielten darauf, das Christentum auszurotten. Verbreitet war die Anwendung von Folter, um Christen zum Abfall zu bewegen. Insbesondere Bischöfe und Priester wurden getötet, Eigentum von Christen wurde konfisziert, christliche Schriften wurden zerstört.

Die massivsten Christenverfolgungen fanden anfangs des vierten Jahrhunderts unter Diokletian statt. Besonders im Osten des Reichs, in Kleinasien, Syrien und PalÀstina, verliefen sie sehr blutig.

Apologeten

Als Reaktion auf die Verfolgungen und auf sarkastische Schriften heidnischer Schriftsteller (Celsus) traten im 2. Jahrhundert Apologeten auf, die in ihren Schriften den christlichen Glauben verteidigten. Zu den bedeutendsten gehörten in der Mitte des 2. Jahrhunderts Justin der MÀrtyrer, Tatian und Athenagoras und anfangs des 3. Jahrhunderts Origenes und Tertullian.

Theologische Auseinandersetzungen im 2. Jahrhundert

Die bedeutendste Auseinandersetzung des jungen Christentums im zweiten Jahrhundert war die mit dem Gnostizismus, einer um die Zeitenwende entstandenen und im römischen Reich weit verbreiteten synkretistischen Geistesbewegung, die in sich eine reiche Palette philosophischer und kultischer Überlieferungen vereinte und auch christliche Überlieferungen in sich aufnahm, so dass auch eine christliche Variante der Gnosis entstand, von der einige Schriften ĂŒberliefert sind, z. B. das Thomasevangelium. GegenĂŒber der von der Gnosis vertretenen Geheimlehre, die nur Eingeweihten zugĂ€nglich ist, vertraten KirchenvĂ€ter die Apostolische Nachfolge, in der die gleiche Lehre gepredigt wurde, die auch die Apostel gepredigt hatten.

Um die Mitte des zweiten Jahrhunderts grĂŒndete Marcion seine eigene Kirche, die ebenfalls teilweise gnostische Ideen beinhaltete und eine radikale Distanzierung von der jĂŒdischen Tradition vertrat. Marcion erkannte nur wenige der neutestamentlichen Schriften an, in erster Linie die Paulusbriefe.

Ebenfalls um die Mitte des zweiten Jahrhunderts trat in Phrygien Montanus auf, der GrĂŒnder des Montanismus, einer ekstatischen Endzeit-Bewegung mit charismatischen ZĂŒgen, strenger Kirchenzucht, Askese und Eheverbot.

In der Reaktion auf Marcions Reduktion der neutestamentlichen Schriften und die neu legendenhaften oder gnostisch beeinflussten Schriften, entstanden verschiedene Listen von Schriften, die in den miteinander in Kommunion stehenden christlichen Gemeinden offizielle liturgische Verwendung fanden. Aus diesen Listen entwickelt sich im Verlauf der nÀchsten zweihundert Jahre nach und nach der neutestamentliche Kanon.

Eine weitere Reaktion der apostolischen Tradition gegen die verschiedenartigen Interpretationen des Neuen Testaments war die Entstehung von „Symbolen“ (Taufbekenntnissen), in denen der christliche Glaube in Kurzform zusammengefasst wurde. Eines der frĂŒhesten erhaltenen Bekenntnisse ist das Altrömisches Glaubensbekenntnis.

KirchenvÀter

Vom letzten Viertel des zweiten Jahrhunderts an traten die ersten bedeutenden KirchenvĂ€ter auf: IrenĂ€us von Lyon, in Gallien, Tertullian in Afrika. In Alexandria entstand unter Pantaenus und Clemens von Alexandria die erste christliche theologische Schule, die durch Origenes fĂŒr ihre allegorische Bibelauslegung berĂŒhmt wurde.

Cyprian verteidigte die allgemeine, inklusive Kirche gegen Novatian, der eine rigorose Exkommunikation von SĂŒndern und Abgefallenen vertrat.

Eusebius von CĂ€sarea schildert in zehn BĂ€nden die Geschichte der christlichen Kirche von ihrem Entstehen bis gegen 324.

Theologische Fragen im dritten Jahrhundert

Nach den Verfolgungen von Decius sah sich die Kirche mit der Frage konfrontiert, wie sie mit den Christen umgehen sollte, die unter dem Druck der Verfolgung abgefallen waren – und allgemeiner mit Christen, die nach der Taufe schwer gesĂŒndigt hatten. Diese Frage der Ekklesiologie sollte insbesondere den Westen wĂ€hrend der nĂ€chsten 150 Jahre beschĂ€ftigen. Eine Fraktion unter Novatian gehörte zu den ersten Gruppen, die um der Reinheit der Kirche willen eine rigorose Exkommunikationspraxis forderten, eine Haltung, die auch von den Donatisten vertreten wurde. Im Gegensatz dazu vertraten im dritten Jahrhundert Cyprian und im spĂ€ten vierten Jahrhundert Augustinus von Hippo eine Kirche, die sich, wie ihr GrĂŒnder Jesus Christus, den SĂŒndern zuwenden solle.

Die zweite Frage, die im dritten Jahrhundert von verschiedener Seite diskutiert wurde, betraf die Christologie, insbesondere das VerhÀltnis von Jesus Christus zu Gott dem Vater. Sabellius war der prominenteste Vertreter des modalistischen Monarchianismus, der die Sicht vertrat, dass sich der eine Gott nacheinander als Schöpfer, Jesus Christus und Heiliger Geist offenbarte. Im Gegensatz dazu vertraten z. B. Paul von Samosata und nach ihm Lukian von Antiochia, der seinerseits der Lehrer von Arius und Eusebius von Nikomedia war, das andere Extrem des dynamischen Monarchianismus, der Jesus Christus ganz als Menschen sah, der bei seiner Taufe von Gott adoptiert worden war. Beide Lehren wurden von Bischofssynoden verurteilt. Die christologischen Streitigkeiten gingen jedoch bis ins sechste Jahrhundert weiter.

In der Bibelauslegung entwickelten sich zwei unterschiedliche Schulen, die Antiochenische Schule, die sich unter BerĂŒcksichtigung von Feinheiten des Wortschatzes und der Grammatik auf die Erforschung des tatsĂ€chlichen Schriftsinns konzentrierte, und die Alexandrinische Schule, die in der Nachfolge von Origenes den Schwerpunkt in der allegorischen Bibelauslegung hatte. Der Gegensatz zwischen Antiochia und Alexandria sollte sich spĂ€ter auch in der Politik und in der Dogmatik weiter auswirken.

In der Liturgie sind z. B. bei Hippolytus Formulierungen ĂŒberliefert, die bis heute in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und lutherischen Liturgie in Gebrauch sind, z. B. der Anfang der Eucharistie:

„Der Herr sei mit euch
und mit deinem Geist!
Die Herzen in die Höhe!
Wir erheben sie zum Herren.
Lasset uns Dank sagen dem Herren, unserm Gott.
Das ist wĂŒrdig und recht.“

Reichskirche im römischen Reich

Die schlimmste Christenverfolgung unter Diokletian (303-311) endete damit, dass Kaiser Galerius 311 das Toleranzedikt von Nikomedia herausgab, das die Christenverfolgungen im römischen Reich beendete. Zwei Jahre spĂ€ter erweiterten Kaiser Konstantin I. und Licinius, Kaiser des Ostens, dieses Edikt im Toleranzedikt von Mailand, das allen im römischen Reich freie ReligionsausĂŒbung zusicherte.

Nach der konstantinischen Wende nahm die Zahl der Christen, die vor der diokletianischen Verfolgung etwa 10% der römischen Einwohner umfasst hatten (im Osten wohl mehr, im Westen eher weniger), stark zu – allerdings gab es in dieser Zeit auch Bekehrungen aus politischen GrĂŒnden, insbesondere in der Umgebung des Kaiserhofs, wo Christen von Konstantin und seinen Nachfolgern stark bevorzugt wurden – im vierten Jahrhundert allerdings meistens Christen der arianischen Richtungen. Der Versuch Kaiser Julian Apostatas (regierte von 361 bis 363), die konstantinische Wende wieder rĂŒckgĂ€ngig zu machen, erwies sich als Fehlschlag.

In den Medien (Time Magazine, Der Spiegel) wird irrtĂŒmlich immer wieder behauptet, dass Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erhoben habe. Richtig ist, dass das VerhĂ€ltnis zwischen Kaiser und Kirche sehr unterschiedlich war: Kaiser Theodosius I. erklĂ€rte durch verschiedene Gesetze in den Jahren 380 bzw. 390/391 das Christentum faktisch zur Staatsreligion, wurde aber auch von Ambrosius von Mailand unter Drohung der Exkommunikation zu einer mehrmonatigen öffentlichen Buße fĂŒr das Massaker von Thessaloniki gezwungen (siehe dazu die Religionspolitik Theodosius I.).

Sein Sohn Arcadius andererseits verbannte Johannes Chrysostomos, den Patriarchen von Konstantinopel, als dieser seiner Frau Eudokia Vorhaltungen machte. Der arianisch gesinnte Constantius II. bedrohte die Bischöfe auf dem Konzil von Mailand (355) mit dem Schwert, um einen Konzilsentscheid zu erreichen. Justinian I. vertrat die Einheit und eine enge Zusammenarbeit zwischen der Kirche (die sich mit göttlichen Dingen befasste) und dem Reich (das ĂŒber die Moral gebot). Er wird von der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt. Die von ihm komponierten Hymnen werden noch heute in der orthodoxen Liturgie verwendet.

Struktur der Kirche

WĂ€hrend es in den Jahren der Verfolgung im Wesentlichen lokale Kirchen mit mehr oder weniger gleichberechtigten lokalen Bischöfen gab, die miteinander in Kommunion standen (oder bei starken Unterschieden in der Lehre diese Kommunion abbrachen) entwickelt sich jetzt eine Hierarchie von Bischöfen. Schon frĂŒh hatten die Bischöfe von bedeutenderen Kirchen eine gewisse AutoritĂ€t gegenĂŒber ihren Kollegen, aber im vierten Jahrhundert hatten dann die Bischöfe von ProvinzhauptstĂ€dten, im ersten Konzil von NicĂ€a als Metropoliten bezeichnet, eine klare FĂŒhrungsrolle, wobei die Bischöfe von Alexandria, Antiochia, und Rom besonders erwĂ€hnt werden. De facto war jedoch im 4. Jahrhundert die Persönlichkeit eines Metropoliten oft entscheidender als der Rang der Stadt – Bischöfe wie Ossius von CĂłrdoba, Eusebius von Nikomedia, Basilius von Caesarea. Hilarius von Poitiers, Ambrosius von Mailand oder Augustinus von Hippo spielten in der Kirche des 4. Jahrhunderts theologisch und kirchenpolitisch eine bedeutendere Rolle als die meisten ihrer Kollegen in Antiochia, Rom und Alexandria.

WĂ€hrend schon im zweiten und dritten Jahrhundert in lokalen Synoden ĂŒber Lehrfragen entschieden worden war, gab es im vierten Jahrhundert erstmals ökumenische Konzilien – das erste Konzil von NicĂ€a 325 und das erste Konzil von Konstantinopel 381 – denen nach damaliger Sicht die höchste AutoritĂ€t in Fragen der Lehre und Kirchenorganisation zukam, wobei eine solche AutoritĂ€t von der unterlegenen Seite lĂ€ngst nicht immer anerkannt wurde.

Mönchtum

Als Reaktion auf die zunehmende Verweltlichung des Christentums gab es im vierten Jahrhundert einen starken Zuwachs beim Mönchtum, das sich auf die asketischen Traditionen des FrĂŒhchristentums berief. Auch beim Mönchtum ist zu sehen wie das christliche Leben im Westen und Osten sich unterscheidet. Im Osten strebten die Mönche ein eremitisches Leben in der WĂŒste an. Im Westen hingegen wurde durch Benedikt von Nursia ein Zusammenleben mit anderen Mönchen entwickelt, das asketische Extreme vermied. Die Grundlage eine solches Zusammenlebens war die Gehorsamkeit des Einzelnen gegenĂŒber dem Abt. Die Mönche verzichteten auf Eigentum und achteten auf die Ausgewogenheit zwischen Arbeit und Gebet. Wissenschaft war in Benediktklöstern als Arbeit wichtig und so konnte das antike Gedankengut durch die Schulen und Schreibstuben in den Klöstern ĂŒber mehrere Jahrhunderte hinweg ĂŒberliefert werden. Ein Schwerpunkt war Ägypten, wo Antonius der Große und Pachomios zu Beginn des 4. Jahrhunderts die ersten Einsiedlergemeinschaften bzw. Klöster grĂŒndeten; andere bildeten sich in Kleinasien, stark gefördert durch Basilius von Caesarea. Im Westen verbreitete sich das Mönchtum noch im 4. Jahrhundert durch Johannes Cassianus und Martin von Tours in Gallien, ab dem 5. Jahrhundert durch Patrick von Irland in Irland und Schottland, im 6. Jahrhundert durch Benedikt von Nursia im Gebiet des römischen Reichs.

Theologische Fragen

Christologie und TrinitÀt

Bekannt sind im MatthĂ€usevangelium die u.a. die trinitarische Taufformel (Mt. 28,19-20: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu JĂŒngern, indem ihr diese tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und sie lehrt alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“, sowie weitere Hinweise auf den dreieinigen Gott. Ein interessantes Beispiel ist z. B. Gen. 1,1 wo von Gott als „Elohim“ im Plural geschrieben und „schuf“ im Singular geschrieben steht.

Ekklesiologie

Nicht-chalcedonische Kirchen

Die Assyrische Kirche des Ostens hat sich beim nestorianischen Streit von den ĂŒbrigen Kirchen getrennt, ohne jedoch tatsĂ€chlich den Nestorianismus zu vertreten.

Sowohl die Armenische Apostolische Kirche, als auch die Assyrische Kirche des Ostens und die Monophysitischen Kirchen haben die Entscheidungen des ökumenischen Konzils von Chalcedon nicht anerkannt und sich zu diesem Zeitpunkt von der Kirchengemeinschaft mit den anderen Kirchen getrennt. Die GrĂŒnde dafĂŒr waren unterschiedlich – teils theologisch und teils politisch.

Die Patriarchate von Alexandria (einschließlich Äthiopien) und Jerusalem waren weitgehend monophysitisch und sagten sich von der Reichskirche los, wenn es auch ĂŒberall parallel dazu Minderheiten gab, die bei der Reichskirche blieben.

Die Armenische Kirche bestand auch unter der Herrschaft der Sassaniden und Araber weiter und trug wesentlich zur armenischen IdentitÀt bei und hatte ihre eigene Literatur und Architektur, zahlreiche Klöster und Schulen und eine eigene Kunstrichtung. Sie verbreitete sich im Wesentlichen durch armenische Kolonien und HÀndler.

Die Nestorianer waren die vorherrschende christliche Kirche im persischen Reich und unter den Abbassiden. Es waren nestorianische Christen, die an den Höfen der Kalifen die alten griechischen Philosophen ins Arabische ĂŒbersetzten – die dann Jahrhunderte spĂ€ter von den Arabern ins europĂ€ische Mittelalter kamen. Die Nestorianer waren missionarisch sehr aktiv: es gab viele nestorianische Gemeinden und Bischöfe entlang der Seidenstraße und 635 kamen sie bis nach China, wo sie Klöster grĂŒndeten und einen Metropoliten einsetzten. Bis zum Jahr Tausend waren diese Gemeinden jedoch dem Islam und Buddhismus gewichen. Einzig in SĂŒdindien und Ceylon blieben nestorianische Gemeinden bestehen.

Mittelalter

Byzantinische Reichskirche

Hesychasmus

Christianisierung Europas: braun bis 600, grĂŒn bis 800, rot bis 1100, gelb bis 1300

Christianisierung Osteuropas

Die Christianisierung Osteuropas geschah im Wesentlichen von Konstantinopel aus. Vom siebten bis neunten Jahrhundert wurden die Serben missioniert.

Im neunten Jahrhundert ĂŒbersetzten die aus Saloniki stammenden BrĂŒder Kyrill und Method von Saloniki Teile des Neuen Testaments und der Liturgie ins Slawische und schrieben sie in der von Kyrill entwickelten glagolitischen Schrift nieder. Sie missionierten im Auftrag von Photius I. in Böhmen und MĂ€hren, wo sie in Streitigkeiten zwischen der Westkirche und der Ostkirche verwickelt wurden. MĂ€hren bekannte sich zum Christentum, wurde aber nach dem Einfall der Ungarn wieder mehrheitlich heidnisch.

Die Übersetzungen von Kyrill und Method spielten eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung des Christentums in Bulgarien und nach 950 auch in Russland. 864 wurde Boris, der Khagan der Bulgaren getauft was bald zu einer Massenbekehrung fĂŒhrte. Bulgarien war das erste Land, das offiziell eine slawische Liturgie einfĂŒhrte. Und dem Sohn von Boris, Simeon wurde das Land vollstĂ€ndig christianisiert und 917 erklĂ€rte sich die Bulgarische Kirche als autokephal unabhĂ€ngig und wurde ein eigenes Patriarchat. Die Kirche war in der Lehre orthodox, in der Verwaltung aber unabhĂ€ngig – die erste von mehreren slawischen Kirchen, die nach diesem Muster selbstĂ€ndig wurden.

Photius sandte im neunten Jahrhundert auch die ersten Missionare nach Russland. In der Mitte des zehnten Jahrhunderts gab es in der Hauptstadt Kiew eine christliche Kirche und die GroßfĂŒrstin Olga ließ sich taufen. Erst unter ihrem Enkel Wladimir kam es jedoch zu einer Massenbekehrung von Kiew und der Umgebung. 991 wurde die Bevölkerung von Novgorod getauft. Beim Tod Wladimirs 1015 gab es drei BistĂŒmer in Russland. Im zwölften Jahrhundert breitete sich das Christentum entlang der oberen Wolga aus. Die Mission geschah in erster Linie durch Mönche und es wurden zahlreiche Klöster gegrĂŒndet.

Die Böhmen wurden in erster Linie von Deutschland her missioniert. Im 10. Jahrhundert war Wenzel von Böhmen ein christlicher Herrscher, der von seinem heidnischen Bruder Boleslav I. ermordet wurde. Dessen Sohn, Boleslav II. förderte allerdings wieder aktiv das Christentum, grĂŒndete Klöster und baute Kirchen, und vervollstĂ€ndigte die nominelle Christianisierung von Böhmen.

Ebenfalls im zehnten Jahrhundert wurde Polen von Deutschland her missioniert, aber es dauerte mehrere Generationen, bis sich das Christentum dort halbwegs durchsetzte.

Die Christianisierung Ungarns erfolgte im spĂ€ten 10. und frĂŒhen 11. Jahrhundert und wurde hauptsĂ€chlich durch das Königshaus erreicht, insbesondere durch Stephan I.

Die Völker des Baltikums - die Prußen, Wenden, Letten u.a. baltischen StĂ€mme, sowie die Esten wurden erst im 10. bis 13. Jahrhundert im Zuge der deutschen Ostsiedlung zwangschristianisiert, wobei das GroßfĂŒrstentum Litauen nicht erobert werden konnte und sich erst Ende des 14. Jahrhunderts zum Christentum bekehrte.

Christianisierung Westeuropas

Die lateinischsprachigen LÀnder Westeuropas gehörten zum christianisierten römischen Reich. Auch nach dem Zusammenbruch des Westreichs blieb die Bevölkerung mehrheitlich beim katholisch-orthodoxen Glauben, auch dort, wo sie wÀhrend der Völkerwanderung zeitenweise von arianischen germanischen StÀmmen beherrscht wurden.

Irland wurde seit dem 5. Jahrhundert von Patrick von Irland christianisiert. Dort bildete sich eine eigenstĂ€ndige Irische Kirche und ein ganz unabhĂ€ngiges keltisches Christentum heraus, das nicht durch Bischöfe sondern durch Klöster geleitet wurde. In diesen Abteien gestaltete sich das Leben nach anderen Regeln und es entwickelte sich eine hohe Kultur der Buchkunst mit reich verzierten Bibeln und anderen BĂŒchern. Da Irland abseits der Ströme der Völkerwanderung lag, blieb hier ein großer Teil des Wissens der Antike erhalten und wurde auch durch Klöster bewahrt. Bonifacius betrachtete das keltische Christentum als ungenĂŒgend und verlangte die Unterwerfung unter Rom. Keltische Geistliche, die nicht dem Papst unterstellt waren, bezeichnete er als falsche Propheten, Götzendiener und Ehebrecher (da sie als Geistliche verheiratet waren). Insbesondere in Bayern traf er auf energischen Widerstand der existierenden Christen. Dabei hatten es die irischen Mönche, da es an einer zentralstaatlichen Einheit völlig fehlte, immer wieder mit lokalen Herrschern zu tun, die kirchenfeindlich eingestellt waren und ebenso wie die Wikinger Klöster ausraubten. Dies hielt im wesentlichen bis ins Hochmittelalter an. Mönche der uneinheitlichen irischen Kirche zogen sich daher immer wieder in Eremitagen und auf einsame Inseln zurĂŒck oder verließen die Insel und waren missionarisch aktiv: Im 6. Jahrhundert wurde nicht nur die Missionierung Schottlands und Nordengland begonnen (Columban von Iona) sondern irische Mönche reisten auch nach Gallien, SĂŒddeutschland und der Schweiz (Columban von Luxeuil), wo sie Klöster grĂŒndeten. Erst im 12. Jahrhundert wurde die Irische Kirche nach römischem Vorbild umgestaltet, wobei Rom u. a. wegen der anglo-normannischen Besetzung schnell wieder an Einfluss verlor.

Im 7. Jahrhundert wurde England gleichzeitig von Iro-schottischen und römisch-katholischen Missionaren bearbeitet, was wegen des unterschiedlichen KirchenverstĂ€ndnisses zu Konflikten fĂŒhrte. Auf der Synode von Whitby wurde 664 zugunsten des römischen Ritus entschieden. Auch von England aus reisten zahlreiche Missionare auf den Kontinent, die sich insbesondere den mit den Angelsachsen verwandten germanischen Völkern widmeten. Die herausragende Figur dabei war Bonifatius, der insbesondere in Franken und Hessen zahlreiche Klöster grĂŒndete, aber auch in ThĂŒringen und Friesland predigte.

Im Frankenreich, dessen einfache Bevölkerung seit der Römerzeit im Wesentlichen christianisiert war, wurde 499 mit der Taufe Chlodwigs auch die bis dahin heidnische frÀnkische Oberschicht katholisch.

Die Sachsen wurden im 8. und 9. Jahrhundert durch Karl den Großen teilweise gewaltsam zum Christentum gebracht, das dennoch dort schnell Fuß fasste, wie das in der ersten HĂ€lfte des 9. Jahrhunderts entstandene Lied Heliand ebenso zeigt wie die Ottonen, die im 10. Jahrhundert eine starke StĂŒtze des westeuropĂ€ischen Christentums wurden.

Der Nordosten Deutschlands kam erst im 10. Jahrhundert zum Christentum.

Kirchenreform von Cluny

Vom Kloster Cluny ging die Reformbewegung aus.

Papst, Kaiser und Könige

Papst Gregor VII., ein ĂŒberzeugter AnhĂ€nger der Reformbewegung, setzte seinen Machtanspruch gegenĂŒber König Heinrich IV. durch (s.auch Investiturstreit).

KreuzzĂŒge

Siehe: Kreuzzug

Nichtkatholische und Protestbewegungen in Europa

Waldenser

Albigenser

Hussiten

Gescheiterte Unionen

SpÀtmittelalterliches Schisma

Reformationen

Lutherische Reformation

Siehe auch: Protestantismus, Magdeburger Centurien, Reformation

Reformiert-Calvinistische Reformation

Siehe: Reformierte Kirche

Anglikanische Reformation

Siehe: Anglikanische Kirche

Radikale Reformation (TĂ€ufer)

TĂ€ufer

Die von dem TĂ€uferforscher Heinold Fast als linker FlĂŒgel der Reformation bezeichnete Bewegung der TĂ€ufer bietet kein einheitliches Bild. Zwar war allen (wie ĂŒbrigens auch anderen Reformatoren) eine apokalyptische Welt- und Zeitsicht eigen. Die Konsequenzen, die sie jedoch daraus zogen, waren durchaus unterschiedlich.

Zum einen gehörten zu diesem linken FlĂŒgel die radikalen Reformatoren, fĂŒr die hier stellvertretend Thomas MĂŒntzer, der große Gegenspieler Martin Luthers, genannt werden soll. Ihre zentralen Anliegen waren die radikale Reform der Kirche und die revolutionĂ€re UmwĂ€lzung der politischen und sozialen VerhĂ€ltnisse. Hier lagen auch die Wurzeln des Deutschen Bauernkriegs. Dabei kam es auch in ThĂŒringen zur GrĂŒndung des Ewigen Rates, der die politischen und sozialen Forderungen der Bauern durchsetzen sollte.

Die kurz nach dem Bauernkrieg im Umfeld der Schweizer Reformation entstandene TĂ€uferbewegung verfolgte die Wiederherstellung der neutestamentlichen Gemeinde Jesu. Die von ihnen ausschließlich praktizierte GlĂ€ubigentaufe, die von ihren Gegnern irrefĂŒhrend als Wiedertaufe bezeichnet wurde, war nur ein Teil und – genau genommen – Folge ihrer Ekklesiologie. Kirche war fĂŒr sie die Gemeinde der GlĂ€ubigen, in der die sozialen Schranken gefallen waren. Sie praktizierten das Allpriestertum und wĂ€hlten ihre Ältesten und Diakone auf „demokratische“ Weise. Sie traten fĂŒr die Trennung von Kirche und Staat ein, forderten Religionsfreiheit nicht nur fĂŒr sich und verweigerten in weiten Teilen ihrer Bewegung den Kriegsdienst und den Eid. Zu ihnen gehörten unter anderem auch die Hutterer und die Mennoniten.

Ganz anders positionierten sich die sogenannten MĂŒnsterschen WiedertĂ€ufer, deren Wegbereiter – wenn auch ungewollt – Melchior Hofmann geworden war. Ihr enthusiastischer und gewaltbereiter Chiliasmus, der durch die erlittenen Verfolgungen entfacht worden war, gipfelte in der gewaltsamen Aufrichtung des Königreichs von MĂŒnster. Ihre FĂŒhrer sahen sich als die entscheidenden Werkzeuge und Wegebahner eines hereinbrechenden Reiches Gottes.

Eine vierte Gruppe innerhalb des linken FlĂŒgels der Reformation bildeten die von ihren Gegnern als SchwĂ€rmer bezeichnete Bewegung. Sie waren mit der TĂ€uferbewegung eng verwandt und gingen zum Teil aus ihr hervor. Sie vertraten einen stark verinnerlichten Glauben. Ihr Ziel war es nicht in erster Linie, eine sichtbare und verfasste Kirche zu bilden. Sie legten auch auf die Ă€ußeren Zeichen bzw. Sakramente wie Abendmahl und Taufe keinen großen Wert. Sie verstanden sich als eine Art unio mystica. Zu ihren bedeutenden Vertretern gehörte Sebastian Franck.

Sowohl die katholischen als auch die lutherischen und reformierten Obrigkeiten verfolgten die genannten Gruppen mit großer HĂ€rte – ohne Ansehen ihrer unterschiedlichen Zielsetzungen und Lehren. Tausende von (friedlichen) TĂ€ufern wurden wegen ihrer Überzeugungen gefangen gesetzt, gefoltert und bei lebendigem Leib verbrannt oder ertrĂ€nkt.

Mennoniten

Hutterer

Katholische Reformation (Gegenreformation)

Altkatholizismus

Siehe: Altkatholische Kirche

Koloniale Kirchen

Neuzeit

Hexenverfolgungen

In der frĂŒhen Neuzeit wurden weise Frauen und auch MĂ€nner, die Kenntnisse in Heilkunde hatten, als Hexen angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In Hexenprozessen hatte die Angeklagten in der Regel keine reale Chance ihre Unschuld zu beweisen, Urteile beruhten meist auf Denunziationen und Folter, die Verurteilten wurden oft gezwungen ihrerseits "MittĂ€ter" zu denunzieren. Die Hexenverfolgungen wurden nicht nur von kirchlichen Stellen - kirchlicherseits taten sich z.B. im spĂ€teren 16. Jahrhundert einige sĂŒddeutsche Bischöfe unrĂŒhmlich hervor - , sondern auch von staatlichen AmtstrĂ€gern und durchaus auch von der ortsansĂ€ssigen Bevölkerung betrieben. In der Ă€lteren Forschungsdiskussion vermutete Opferzahlen von mehreren Millionen Menschen sind heute aufgrund der besseren Quellenlage deutlich reduziert worden; man rechnet mit einigen zehntausend hingerichteten Hexen und Hexern (vgl. z.B. Wolfgang Behringer: Hexen. MĂŒnchen 1998, S. 65-67). Dabei gibt es eindeutige regionale Schwerpunkte, vor allem im Alpenraum und in Mitteleuropa kam es zu schrecklichen Verfolgungswellen. Dagegen gab es beispielsweise in Spanien - trotz der dort sehr mĂ€chtigen Inquisition - so gut wie keine Hinrichtungen (Behringer, S. 64 f). Konfessionelle Unterschiede sind nicht festzustellen. Insgesamt ist das PhĂ€nomen nicht einfach auf "die" Kirchen zurĂŒckzufĂŒhren, auch wenn die Verfolgungen zweifellos religiös begrĂŒndet wurden.

Osmanisches Reich

Die orientalischen Christen waren im osmanischen Reich in das Millet-System eingebunden und genossen gegen Zahlung einer Sondersteuer eine gewisse Autonomie, bei der die christlichen Kirchen als Ethnie am Hofe vertreten waren. Die orthodoxen Kirchen galten als ein gemeinsames Patriarchat, das von den Griechen dominiert wurde, was zum UnabhĂ€ngigkeitsstreben der slawischen Völker unter osmanischer Herrschaft beitrug. Das Milliyetsystem hat in wenig verĂ€nderter Form in einigen Nachfolgestaaten des Osmanischen Reiches (die TĂŒrkei nicht dabei) ĂŒberlebt.

Zeit des Nationalsozialismus

1939 wurde unter Zustimmung von Dreivierteln der deutschen Evangelischen Landeskirchen das Eisenacher „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jĂŒdischen Einflusses auf das deutsch kirchliche Leben“ gegrĂŒndet. Siehe auch Deutsche Christen. Die Leitung hatte Walter Grundmann.

Eine der Hauptaufgaben dieses Institutes war die Zusammenstellung eines neuen „Volkstestamentes“ im Sinne des im „Mythos des 20. Jahrhunderts“ von Alfred Rosenberg geforderten „FĂŒnften Evangeliums“, das den Mythos des „arischen Jesus“, verkĂŒnden sollte. Diese neuartige „Bibel“ hatte nicht den von Dreivierteln der damaligen Evangelischen Landeskirchen (zum Teil auch von Bekenntnis-Christen) erhofften und geförderten Erfolg. In der Bearbeitung dieses Volkstestamentes wurde auch auf Bibelkritik der damaligen Zeit RĂŒcksicht genommen. (Herausnahme einer Lohn-Straf-Moral und anderes mehr.) Diese Aspekte und diese Phase der evangelischen Kirchengeschichte und Christentumsgeschichte sind geschichtlich noch wenig aufgearbeitet.

Auch viele Angehörige der Bekennenden Kirche befĂŒrworteten ein solches Vorgehen in der Hoffnung, dass wenigsten noch hierdurch der Kirchenaustrittsbewegung der Jahre von 1937 bis 1940 Einhalt geboten werden könne und die Menschen zum Verbleiben in den Kirchen bewegt werden könnten.

Ökumene und zwischenkirchliche Zusammenarbeit

Siehe: Ökumene, Konferenz EuropĂ€ischer Kirchen, Ökumenischer Rat der Kirchen, Evangelische Allianz, Vereinigung evangelischer Freikirchen, Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland u.a.

Siehe auch

Literatur

Siehe auch die Literatur unter Alte Kirche, Geschichte der römisch-katholischen Kirche. Zur Kirchengeschichtsschreibung unter Kirchengeschichte (Literatur).

Lexika

HandbĂŒcher

  • Die Geschichte des Christentums. Religion ­ Politik ­ Kultur. Herausgegeben von Jean-Marie Mayeur, Charles und Luce Pietri, AndrĂ© Vaucher, Marc Venard. Deutsche Ausgabe herausgegeben von Norbert Brox, Odilo Engels, Georg Kretschmar, Kurt Meier, Heribert Smolinsky. 14 Bde., Verlag Herder, Freiburg i. Br. 1991ff. (Aktuelle Gesamtdarstellung: Besprechung)
  • Ernst Dassmann: Kirchengeschichte, Kohlhammer StudienbĂŒcher Theologie 10, 11/1-2, Stuttgart/Berlin/Köln 1991, 1996, 1999.
  • Carl Andresen: Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte, Göttingen 1980-1982.
  • Raymund Kottje / Bernd Moeller (Hgg): Ökumenische Kirchengeschichte, 3 Bde., Mainz 1970 u.ö.
  • Herbert Smolinsky, Klaus Schatz: Kirchengeschichte der Neuzeit, I und II (Leitfaden Theologie), DĂŒsseldorf 1993, 1995.


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