Topfwagen

Ein Topfwagen im polnischen Eisenbahnmuseum Chabówka bei Rabka-Zdrój.

Ein Topfwagen oder Säuretopfwagen war ein zweiachsiger Güterwagen zum Transport von Säuren und Laugen. Er diente dem Transport von Säuren wie beispielsweise Schwefelsäure, Oleum, Salzsäure, Salpetersäure, Flusssäure und Phosphorsäure.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Topfwagen polnischer Bauart.

Da Säuren oder Laugen Metalle angreifen können, konnten diese früher nicht in Kesselwagen befördert werden, stattdessen wurden spezielle Wagen mit Steinguttöpfen zum Transport entwickelt. Diese Wagen wurden in genieteter und später auch in geschweißter Bauart hergestellt und sind in Deutschland schon 1911 bei den Länderbahn-Güterwagen zu finden. Sie wurden als „Vorsichtswagen“ eingestuft, da die Steinguttöpfe sehr empfindlich auf Rangierstöße reagierten. Im oberen Bereich des Wagenaufbaus waren diese Töpfe auf dem Waggon durch eine Holz- oder Stahlkonstruktion befestigt. Jeder Topf hatte zwei Anschlüsse, wobei über einen der Anschlüsse Druckluft gepumpt wurde und an dem anderen Anschluss die Flüssigkeit entweichen konnte. Ein Topf hatte ein Fassungsvermögen von 800 bis 1200 Litern, es konnten zwischen 8 bis 14 Töpfe in einem Wagen transportiert werden.

Für die Konstruktion der „Säuretopfwagen“ galten besondere Abnahmevorschriften:

  • Der Boden des Waggons musste aus Holzbrettern mit Nut und Feder bestehen und mit Asphalt gestrichen werden
  • Der Wagenboden musste zu den Längsseiten hin geneigt sein, um ausgelaufener Säure das Abfließen zu ermöglichen
  • Die Abflüsse mussten aus Bleirohren bestehen, die lang genug waren, um eine Beschädigung von Fahrzeugteilen (etwa der Bremseinrichtungen) durch Säure auszuschließen
  • Die Töpfe wurden unten durch geteerte Holzstücke so gehalten, dass sie sich nicht verschieben konnten
  • Die Fugen zwischen den Töpfen und dem Gestell wurden durch verstellbare Holzklötze so ausgeglichen, dass sich die Töpfe keinesfalls bewegen konnten

Zuordnung

Topfwagen gehörten trotz der besonderen Bauform zur Gruppe der Kesselwagen und waren bei allen europäischen Bahngesellschaften im Einsatz. Bei der Deutschen Reichsbahn wurden sie als „Privatwagen“ eingestellt und gehörten privaten Unternehmen. Sie waren der Reichsbahndirektion zugeordnet, in deren Bezirk sich der Heimatbahnhof des Wagens befand. Privatwagen erhielten kein Gattungszeichen, sondern nur eine Wagennummer, den Namen eines Gattungsbezirks und den eingerahmten Großbuchstaben P. Die Deutsche Bundesbahn stellte Topfwagen ebenfalls als Privatwagen ein, diese erhielten auch kein Gattungszeichen, ihre Wagennummer begann immer mit einer "5" und es folgte der eingerahmte Großbuchstaben P. Bei der Deutschen Reichsbahn der DDR waren sie noch bis 1990 in Betrieb und hatten das Gattungszeichen Z und die Gattungsnummer 50 bis 54.

Topfwagen bei der DRG

Der 1928 für das Elektrochemische Werk München gebaute Topfwagen wurde von der Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) in der Bahndirektion München als Privatwagen eingestellt. Er wurde in genieteter Bauart hergestellt und hatte eine Länge über Puffer von 9.500 mm, sein Achsstand betrug 4.500 mm, das Ladegewicht lag bei 15 Tonnen. Er konnte zwölf Steingutgefäße aufnehmen und wurde nur mit Bremserhaus gebaut.

Siehe auch

Weblinks

Literatur- und Quellenangaben

  • H. Behrends; W. Hensel; G. Wiedau: Güterwagen deutscher Eisenbahnen. Alba Verlag, Düsseldorf 1989.
  • Verlagsgruppe Bahn GmbH: MIBA-Hefte Nr.10 und 11, MIBA-Verlag, Nürnberg 2000.

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