Christlich-Demokratische Union Deutschlands (DDR)

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Christlich-Demokratische Union Deutschlands (DDR)
Parteibanner der CDU der DDR
Satzungsheft der DDR-CDU

Die ĂŒberkonfessionelle Partei Christlich-Demokratische Union Deutschlands[1] (CDU) – kurz auch als Ost-CDU bezeichnet − war eine Blockpartei in der DDR. Sie wurde im Juni 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone gegrĂŒndet und schon in den ersten Jahren ihres Bestehens mit der Politik der SED gleichgeschaltet. 1990 ging sie in der gesamtdeutschen CDU auf.

Inhaltsverzeichnis

Innere Struktur

Die CDU verabschiedete im Oktober 1952 ihre erste Satzung. Diese wurde im Oktober 1982 abgelöst durch eine neue, die bis zur Übernahme der Partei durch die West-CDU 1990 galt. Die Partei war in Ortsgruppen, KreisverbĂ€nde und BezirksverbĂ€nde gegliedert. Die Parteimitglieder nannten sich „Unionsfreunde“. Zentrales Organ der Partei war die Tageszeitung Neue Zeit aus dem Union Verlag. Außerdem wurden fĂŒr die Bezirke der DDR fĂŒnf spezielle Zeitungen herausgegeben:

  • Die Union (Dresden, Leipzig, Karl-Marx-Stadt)
  • Der Neue Weg (Halle, Magdeburg)
  • ThĂŒringer Tageblatt (Erfurt, Gera, Suhl)
  • Der Demokrat (Rostock, Schwerin, Neubrandenburg)
  • MĂ€rkische Union (Cottbus, Potsdam, Frankfurt/Oder)

Die Mitarbeiter erhielten die Monatszeitschrift „Union teilt mit“. Zentraler Sitz war das Otto-Nuschke-Haus in Berlin. Die zentrale BildungsstĂ€tte der CDU war im Schloss Burgscheidungen an der Unstrut. An verdiente Parteimitglieder wurde das „Otto-Nuschke-Ehrenzeichen“ verliehen.

KreisverbÀnde

Den knapp 200 KreisverbĂ€nden kam eine wichtige Rolle zwischen ParteifĂŒhrung und einfacher Mitgliedschaft zu.

Jeder Kreisverband verfĂŒgte ĂŒber einen hauptamtlichen, d. h. besoldeten KreissekretĂ€r. Die ĂŒbrigen Posten der KreisvorstĂ€nde waren ehrenamtlich. Die Aufgabe des KreissekretĂ€rs war es einerseits, die Weisungen der höheren Parteigliederungen nach unten umzusetzen (siehe auch: Demokratischer Zentralismus). Andererseits sollte er auch das Sprachrohr der Basis sein. Hierzu lieferte er einmal im Monat an Bezirks- und Parteileitung Informationsberichte. In der Praxis kamen die KreissekretĂ€re der Mittlerfunktion von unten nach oben jedoch meist nur ungenĂŒgend nach, so dass nichts sagende und schön gefĂ€rbte Berichte die Regel waren. Die Vorsitzenden der Partei bis hin zu den Kreisvorsitzenden wurden innerhalb des SED-Nomenklaturasystems ausgewĂ€hlt.

Das formal höchste Organ der KreisverbÀnde, die Kreisdelegiertenkonferenz (KDK), tagte alle zwei bis drei Jahre.

Nach der Wiedervereinigung wurde deutlich, dass auf der Kreisebene die Dichte der KreisgeschÀftsstellen und der dortigen Mitarbeiter im Vergleich zur westdeutschen Situation sehr viel höher und finanziell nicht mehr tragbar war. Infolgedessen wurden in den folgenden Jahren - auch im Rahmen der laufenden Kreiszusammenlegungen - KreisverbÀnde und insbesondere KreisgeschÀftsstellen massiv zusammengelegt und Personal eher ehrenamtlich beschÀftigt.

BezirksverbÀnde

In jedem der 15 Bezirke der DDR existierte ein eigener Verband der CDU. Wie bei den KreisverbÀnden tagte auch hier das formal höchste Organ, die Bezirksdelegiertenkonferenz (BDK), alle zwei bis drei Jahre.

Organe auf DDR-Ebene

Höchstes Organ der CDU war der Parteitag. Dort wurde der Hauptvorstand gewĂ€hlt. Dieser wiederum bestimmte das PrĂ€sidium und das Sekretariat. Der Parteitag wurde seit 1960 alle vier Jahre einberufen. Von 1972 an tagte er nur noch alle fĂŒnf Jahre. Der Hauptvorstand der Partei tagte mindestens zweimal im Jahr und umfasste neben dem Parteivorsitzenden und seinen Stellvertretern mehr als 100 Mitglieder. Die eigentliche Arbeit fand daher im PrĂ€sidium des Hauptvorstandes, welches bis 1960 Politischer Ausschuss hieß, und vor allem im Sekretariat des Hauptvorstandes statt. Das Sekretariat setzte sich aus dem Parteivorsitzenden, seinen Stellvertretern, den SekretĂ€ren des Hauptvorstandes sowie einigen anderen FunktionĂ€ren zusammen. Es hatte die satzungsmĂ€ĂŸige Aufgabe, mit den FĂŒhrungen der ĂŒbrigen Blockparteien und mit dem Staatsapparat zusammenzuarbeiten.

Sitz des Hauptvorstandes war seit Mitte der 1980er Jahre das Otto Nuschke-Haus, ein 1981–1985 errichteter Neubau am Berliner Gendarmenmarkt.

Geschichte

GrĂŒndung

Bereits am 10. Juni 1945, frĂŒher als die Westalliierten in ihren Sektoren, hatte die Sowjetische MilitĂ€radministration in Deutschland (SMAD) die Etablierung antifaschistisch-demokratischer Parteien in der Sowjetischen Besatzungszone zugelassen, um ĂŒber die Parteizentralen in Berlin den Prozess der Parteibildung in Deutschland zu beeinflussen.

Die CDU wurde am 26. Juni 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) gegrĂŒndet. Zu den GrĂŒndungsmitgliedern zĂ€hlten u. a. Jakob Kaiser, Ernst Lemmer und der WiderstandskĂ€mpfer gegen die Nationalsozialisten, Andreas Hermes, der als erster Vorsitzender der CDU in der SBZ gewĂ€hlt wurde.

In der ersten Zeit vertrat die CDU wie ihre Schwesterparteien im Westen eine christlich-soziale, auf parlamentarisch-demokratische VerhĂ€ltnisse zielende Politik. Sie trat fĂŒr die Wiedervereinigung Deutschlands ein und stand in stĂ€ndiger Auseinandersetzung mit der KPD/SED, die in ihrem FĂŒhrungsanspruch von der SMAD unterstĂŒtzt wurden.

Eine gesamtdeutsche CDU konnte es aufgrund der Lizenzbestimmungen der BesatzungsmĂ€chte nicht geben. Auf dem Reichstreffen der CDU in Bad Godesberg im Dezember 1945 einigte man sich auf den reichsweit (außer Bayern) einheitlichen Namen CDU. Bis zur Gleichschaltung der Ost-CDU erfolgte die reichsweite Koordinierung der politischen Arbeit der Union im „Zonenverbindungsausschuss“. An der Mitwirkung hier wurden die CDU-Vertreter der SBZ durch die SMAD gehindert.

Gleichschaltung

Die Möglichkeiten, christlich-demokratische Politik in der SBZ umzusetzen, wurden jedoch bereits nach kurzer Zeit unterbunden. Erstes Konfliktfeld war die im Herbst 1945 auf Befehl der Sowjets durchgefĂŒhrte Bodenreform. Der Vorstand der CDU sprach sich gegen dieses Vorhaben aus. Hermes und Schreiber wurde daraufhin auf Befehl der SMAD als VorstĂ€nde abgesetzt.

Ihren Nachfolgern, Kaiser und Lemmer, gelang es trotz massiver Repressalien, einen Aufbau einer Parteiorganisation in der SBZ durchzufĂŒhren. Trotz umfangreicher Behinderungen und Nichtzulassung vieler Orts- und KreisverbĂ€nde gelang es bei den halbfreien Landtagswahlen im Oktober 1946, 23,1 Prozent der Stimmen zu erreichen.

Da es der SMAD nicht gelungen war, eine absolute Mehrheit fĂŒr die (aus SPD und KPD zwangsvereinigte) SED zu erreichen, wurde der Druck auf die demokratischen Parteien weiter erhöht. Hierzu zĂ€hlte die Verweigerung von Papier und Druckmöglichkeiten, die Nichtzulassung von Gliederungen der Partei und Kandidaten zu Wahlen, aber auch die Vertreibung und Verhaftung fĂŒhrender Mitglieder.

Mit der Absetzung des demokratisch gewĂ€hlten Parteivorstandes am 20. Dezember 1947 endete die Möglichkeit der CDU, ihre Positionen selbst bestimmen zu können. Vorangegangen war Kaisers aufsehenerregende Rede auf dem 2. Parteitag der CDU in Berlin am 6. September 1947, in der Kaiser forderte, die CDU mĂŒsse „Wellenbrecher des dogmatischen Marxismus und seiner totalitĂ€ren Tendenzen“ sein.

Die Arbeit der CDU wurde in vielfĂ€ltiger Weise durch die SMAD behindert. Alle Veranstaltungen der CDU, auch interne, bedurften der Genehmigung durch die SMAD. Hierzu waren vorab Texte von Reden oder Entschließungen vorzulegen. BeschlĂŒsse unterlagen der Zustimmungspflicht der SMAD. Auch gab die SMAD vielfach die Beschlusstexte vor. Die CDU erhielt nur Bruchteile der Zuweisungen an Papier und DruckkapazitĂ€ten, die der SED zugeteilt wurden. Die Publikationen der CDU unterlagen der Zensur. Es kam zu einer Vielzahl von Verhaftungen und Entlassungen.[2]

Die CDU wurde nach und nach von so genannten „reaktionĂ€ren Elementen gereinigt“. Das PolitbĂŒro der SED hatte bereits 1949/1950 entsprechende BeschlĂŒsse gefasst. Ziel dieser Differenzierungspolitik der SED war es, zwischen den anpassungsfĂ€higen FunktionĂ€ren und den ĂŒberzeugten AnhĂ€ngern der parlamentarischen Demokratie einen Keil zu treiben. 1950 wurden widerspenstige CDU-Politiker wie Hugo Hickmann – Landesvorsitzender in Sachsen – sowie diverse CDU-Landesminister ausgeschaltet. Mit ihnen war die letzte Widerstandskraft der Union gebrochen. Auf ihrem 6. Parteitag im Oktober 1952 erkannte die CDU die fĂŒhrende Rolle der SED „vorbehaltlos“ an. Die Gleichschaltung war weitgehend abgeschlossen. Verbunden mit dieser Gleichschaltung war ein erheblicher Mitgliederschwund. Von ungefĂ€hr 200.000 Mitgliedern in Jahre 1947 waren durch Flucht, Austritt und Ausschluss 1950 ein Viertel ausgeschieden[3].

1950 kam es im Zusammenhang mit dem erzwungenen RĂŒcktritt des sĂ€chsischen CDU-Vorsitzenden Hugo Hickmann erneut zu einer Verfolgungwelle. In der Folge stieg die Zahl der CDU-Mitglieder, die verhaftet wurden oder aus der DDR flĂŒchteten stark an. 1950 zĂ€hlte das CDU-OstbĂŒro 118 Verhaftungen von CDU-Mitgliedern aus politischen GrĂŒnden gegenĂŒber 61 im Jahr zuvor. Auch in den Folgenjahren blieb die Zahl der Verhaftungen auf dem Niveau von 1950. Waren 1949 im Schnitt monatlich 20 Parteimitglieder in den Westen geflohen, waren es 1950 ĂŒber 100. Die zunehmende Repression zeigte auch in den Folgejahren die Wirkung kontinuierlich steigender Fluchtzahlen. Der Höhepunkt der Fluchtbewegung war im MĂ€rz 1953 erreicht, als 691 CDU-Mitglieder in den Westen flohen. Diese Flucht trug gleichzeitig zu einer Zementierung der Gleichschaltung bei. In der DDR blieben MitlĂ€ufer und Resignierte[4].

Widerstand

Aus den Reihen der Union bildeten sich Ende der 1940er Jahre eine Vielzahl lokaler illegaler Widerstandsgruppen. Alleine oder in Zusammenarbeit mit dem OstbĂŒro der CDU wurde versucht, dem Macht- und Meinungsmonopol der Kommunisten entgegenzuwirken. Der Preis dieser AktivitĂ€ten war die Verhaftung vieler Demokraten. Beispielhaft stellt GĂŒnther Buchstab 2.283 Opfer dieser Verfolgungen in Kurzbiographien dar[5].

Exil-CDU und OstbĂŒro

Da eine freie Parteiarbeit in der SBZ nach der Gleichschaltung der CDU nicht mehr möglich war, bildete sich die Exil-CDU, eine Organisation der nach Westdeutschland geflĂŒchteten Mitglieder der CDU der SBZ. Diese wurde von der Bundes-CDU als Vertretung der Christdemokraten in der DDR angesehen und einem Landesverband gleichgestellt.

Alleine von den 14 gewĂ€hlten Mitgliedern des Hauptvorstandes der SBZ-CDU waren 10 in den Westen gegangen. Diese luden die Delegierten des 2. Parteitages von 1947 zum 1. Parteitag der Exil-CDU am 24. und 25. September 1950 in Berlin ein. Über 200 emigrierte Christdemokraten aus der DDR nahmen teil.

Die Exil-CDU bestand bis zur Wiedervereinigung.

Die operative Arbeit der Exil-CDU wurde durch das OstbĂŒro der CDU durchgefĂŒhrt. Es bildete sich aus dem West-Berliner BĂŒro Jakob Kaisers, das dieser auch nach seinem Eintritt als Bundesminister fĂŒr gesamtdeutsche Fragen im Kabinett Adenauers beibehielt. Neben der Organisation der Exil-CDU bestand ein wesentlicher Teil der Arbeit in der UnterstĂŒtzung des Widerstandes in der DDR sowie der UnterstĂŒtzung der demokratischen KrĂ€fte in der DDR-CDU. Von 1949 bis 1959 stand das Ost-BĂŒro unter Leiter von Werner Jöhren. Nach seinem Tod und dem Bau der Berliner Mauer 1961 verlor das BĂŒro seine Bedeutung.

Kontakte zum OstbĂŒro der CDU waren in der DDR streng verboten. Eine Vielzahl von Verhaftungen und Schauprozessen erfolgte wegen des Vorwurfs der Zusammenarbeit mit dem OstbĂŒro, u. a. auch der des DDR-Außenministers Georg Dertinger.

Blockpartei

11. Parteitag der CDU in Erfurt, 1964

Resultierend aus der Politik der Sowjetunion kam es zu einer allmĂ€hlichen Umformung dieser Blockpartei. Der 6. Parteitag im Oktober 1952 bestĂ€tigte den pro-kommunistischen Kurs eines „christlichen Realismus“ und die Ost-CDU definierte sich als „eine einschrĂ€nkungslos sozialistische Partei“ (Otto Nuschke). In den 22 „Thesen des Christlichen Realismus“ bekannte sich die Ost-CDU „zur sozialistischen Gesellschaft“ (2. Fassung, 1952). Unter Verweis auf die „beispielhafte Verwirklichung“ der von Karl Marx entwickelten „Lehre zum Aufbau einer neuen besseren Gesellschaftsordnung“ in der Sowjetunion wurde in diesem auch betont, dass der Sozialismus den Christen heute „die beste Möglichkeit zur Verwirklichung der Forderungen Christi und zur AusĂŒbung praktischen Christentums“ gebe. Die Partei erkannte die sozialistische Entwicklung seit dem 6. Parteitag ausdrĂŒcklich „als geschichtlich notwendig und folgerichtig“ an.[6]

Trotz aller BemĂŒhungen der SED, die Ost-CDU völlig gleichzuschalten, finden sich auch innerhalb der Partei noch in den fĂŒnfziger und sechziger Jahren Anzeichen widerstĂ€ndigen Verhaltens einzelner Mitglieder. Entgegen dem Wunsch der ParteifĂŒhrung war es nicht gelungen, die innere Opposition aus der Ost-CDU herauszudrĂ€ngen oder auszuschließen. Wiederholt protestierten Mitglieder gegen einzelne Maßnahmen der StaatsfĂŒhrung oder ihrer eigenen Partei. Ein zentraler Kritikpunkt war die indifferente Haltung der ParteifĂŒhrung zur EinfĂŒhrung der Jugendweihe in der DDR. Gerade in dieser fĂŒr eine christliche Partei zentralen Frage hĂ€tten sich viele Mitglieder mehr Widerstand gegen die Bestrebungen der SED gewĂŒnscht.

Dresdner Parteitag 1982
Otto-Nuschke-Haus (Charlottenstraße 53/54), Zentrale der Ost-CDU, gebaut 1981-85

Die CDU etablierte Ă€hnliche Parteistrukturen wie die SED, das Vermögen der Partei wie auch der politische Kurs wurde von einigen wenigen GeneralsekretĂ€ren kontrolliert und die Mitglieder wurden in die gesellschaftlich-politischen Strukturen der DDR integriert. So waren ungefĂ€hr 30.000 Mitglieder in den AusschĂŒssen und Arbeitsgruppen der Nationalen Front, ĂŒber 15.000 als Abgeordnete und Nachfolgekandidaten in den verschiedensten gewĂ€hlten Vertretungen tĂ€tig und 52 Abgeordnete gehörten der Volkskammer an. Die CDU war im PrĂ€sidium der Volkskammer, im Staatsrat, im Ministerrat und dessen PrĂ€sidium, sowie in den örtlichen RĂ€ten (Rat der Stadt, Rat der Gemeinde, Rat des Stadtbezirks, Rat des Kreises) der DDR vertreten. Mit diesem Kurswechsel waren drastisch sinkende Mitgliederzahlen verbunden (1947: 218.189, um 1958: 99.372).

Die vergleichsweise kleineren Zahlen hatten allerdings auch zur Folge, dass manche meinten, „es sei ganz besonders schlau, nicht der SED, sondern einer Blockpartei beizutreten“[7]. Die Mitgliedschaft in der CDU zog also eine ganz besondere Klientel an: „Die Blockpartei-Mitglieder (wirkten) noch unaufrichtiger als die durchschnittlichen Genossen, denn sie schoben sich noch bedenkenloser als jene die kleinen Vorteile zu, deren Austausch fĂŒr das Funktionieren der DDR-Gesellschaft so wichtig war“.[8] Der Volksmund bezeichnete die CDU und die anderen Blockparteien spöttisch als Blockflöten. Sie wurden mit Vermögen ausgestattet.

Als Blockpartei rechtfertigte die CDU auch den Mauerbau 1961. Parteinahe Autorenkollektive betrieben unter anderem politische Propaganda, die gegen die West-CDU ausgerichtet war, so beispielsweise der Titel eines Buches aus dem Jahre 1968: „CDU/CSU: Kreuzritter des Kapitals.“[9]

LangjĂ€hriger Parteivorsitzender war Gerald Götting, der im Zuge der Wende am 2. November 1989 zurĂŒcktrat.

1989/1990

Ende 1989, mit der Wende, legte die Ost-CDU ihre Rolle als Blockpartei ab.

Auf ihrem Sonderparteitag am 15./16. Dezember 1989 bekannte die DDR-CDU sich – entgegen ihren bisherigen langjĂ€hrigen Bekenntnissen als „Partei des Sozialismus“ und Blockpartei und in Übereinstimmung mit der West-CDU – zur Marktwirtschaft und zur „Einheit der Nation“.

Unter ihrem am 10. November 1989 neu gewĂ€hlten Vorsitzenden Lothar de MaiziĂšre ging sie bei der Volkskammerwahl 1990 in der „Allianz fĂŒr Deutschland“ zusammen mit dem Demokratischen Aufbruch (DA) und der Deutschen Sozialen Union (DSU) als Wahlsieger (zusammen 48 %) hervor. Die CDU erreichte 40,8 % der Stimmen und damit 163 der 400 Sitze in der Volkskammer. In den Bezirken Erfurt (56,3 %) und Suhl (50,6 %) erreichte sie die absolute Stimmenmehrheit. Am schwĂ€chsten schnitt sie in Berlin mit 18,3 % ab.

De MaiziĂšre wurde zum MinisterprĂ€sidenten der DDR gewĂ€hlt und bildete mit der SPD, dem Bund Freier Demokraten und den Allianz-Partnern DSU und DA eine große Koalition. Mit Sabine Bergmann-Pohl stellte die CDU die letzte PrĂ€sidentin der Volkskammer und damit das letzte Staatsoberhaupt der Deutschen Demokratischen Republik. Am 1. und 2. Oktober 1990 vereinigte sich die Partei mit ihrer Schwesterpartei, der West-CDU. Lothar de MaiziĂšre wurde erster stellvertretender CDU-Vorsitzender.[10]

Nach der Wende bildete auch die Ost-CDU die Vereinigungen der CDU, darunter die Junge Union, hervorgegangen aus Teilen der kirchlichen Jugend und die Senioren-Union. Auf der GrĂŒndungsveranstaltung der SU am 18. April 1990 in der Zentrale der Ost-CDU in Berlin Mitte, die inzwischen in Jakob-Kaiser-Haus umbenannt worden war, wurde Gisela KrĂŒger, eine Theologin aus Schwerin, zur ersten Vorsitzenden gewĂ€hlt. Anfang Dezember traten die VerbĂ€nde der Senioren-Union der neuen BundeslĂ€nder dem Bundesverband bei. Im Bundesvorstand wurde Ulrich Braun aus Eberswalde als stellvertretender Vorsitzender mit dem Verantwortungsbereich neue BundeslĂ€nder gewĂ€hlt.

1989/1990 Vermögen der Ost-CDU

Ein wesentliches Thema im Jahr 1990 war der Umgang mit dem Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der DDR.

WĂ€hrend weitgehend unstrittig war, dass diese lediglich das „rechtsstaatlich erworbene“ Vermögen behalten sollten, war naturgemĂ€ĂŸ schwer festzustellen, worin dieses bestand.

Bereits Anfang 1990 hatte der Vorstand der Ost-CDU beschlossen, sich von dem nicht-rechtsstaatlich erworbenen Vermögen zu trennen, ohne allerdings angeben zu können, worin dieses bestand. Die Umsetzung wurde somit auch in der Presse kritisiert, so schrieb z. B. der „Spiegel“:

„Formal hat sich die CDU Anfang des Jahres (1990 [Anm. d. Verf.]) von ihrem Parteivermögen getrennt. Aber ‚das Saubermachen‘ (Korbella) hat an den EigentumsverhĂ€ltnissen eigentlich nichts geĂ€ndert. Statt der VOB Union (VOB = Vereinigung Organisationseigener Betriebe) verwaltet nun eine ‚Union GmbH‘ das Eigentum 
 VOB-Generaldirektor Wolfgang Frommhold blieb auch Chef der Union GmbH, und auch die Hauptgesellschafterin blieb – natĂŒrlich – die CDU.“

– Der Spiegel vom 28. Mai 1990

Weiter heißt es in dem Artikel: „Die SED-Nachfolgerin PDS und die gewendeten Blockparteien haben so viel Grundbesitz und andere Annehmlichkeiten geerbt, daß sie allen Grund haben, das heikle Thema ruhenzulassen. Auch die Bonner Schwestern, CDU und FDP, die bei einer Vereinigung die lachenden Miterben wĂ€ren, belassen es bei starken Worten. Profitieren könnten von der öffentlichen Diskussion nur die Parteien, die es im SED-Staat entweder noch nicht oder nur im Untergrund gab: Sozialdemokraten, GrĂŒne, Alternative – die ins Hintertreffen geratenen Vorreiter der Herbstrevolution, die weder GrundstĂŒcke noch ParteihĂ€user, weder Verlage noch Zeitungen haben.“[11]

Die CDU verzichtete im Herbst 1990 endgĂŒltig auf das nicht rechtsstaatlich erworbene Vermögen der Ost-CDU und der DBD. Dieser Vermögensteil wurde den AlteigentĂŒmern zurĂŒckgegeben bzw. fĂŒr gemeinnĂŒtzige Zwecke in den neuen BundeslĂ€ndern verwendet.[12] Nicht verzichtet hat die CDU dagegen laut Abschlussbericht der UnabhĂ€ngigen Kommission zur ÜberprĂŒfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR (UKPV) vom 5. Juli 2006 auf das flĂŒssige Vermögen der Ost-CDU in Höhe von 11,2 Mio. Euro. Mit Beitritt der LandesverbĂ€nde der CDU der DDR in die CDU Deutschlands sind ihre Geldmittel auf diese ĂŒbergegangen (etwa 8,1 Mio. DM = ca. 4 Mio. €). Die auf sie ĂŒbergegangenen Geldmittel des Vorstands der CDU der DDR (etwa 14,7 Mio. DM = 7,2 Mio. €) stellte die CDU Deutschlands in ein Treuhand-Abwicklungs-Sondervermögen (TAS) ein, das als eigenstĂ€ndige, abgegrenzte Vermögensmasse gefĂŒhrt wurde. Aus dem TAS wurden personelle Abwicklungsmaßnahmen sowie die technische Ausstattung der Landes- und KreisgeschĂ€ftsstellen finanziert.[13]

So konnte sie einen Teil der ParteibĂŒros und der Infrastruktur behalten, um kĂŒnftige WahlkĂ€mpfe zu fĂŒhren. Aufgrund der finanziellen Situation nach dem Vermögensverzicht musste der Parteiapparat stark verkleinert werden.

Ost-CDU und Stasi

Wie die anderen Organisationen wurde auch die CDU vom Ministerium fĂŒr Staatssicherheit (MfS) beobachtet. HierfĂŒr war von 1950 bis zum Sommer 1952 die Abteilung VI und ab Herbst 1952 die Abteilung V (unter Leitung von Bruno Beater und Fritz Schröder) im MfS zustĂ€ndig. Im November 1953 wurde die Kontrolle der „bĂŒrgerlichen Parteien“ neben der CDU auch die LDPD, NDPD und DBD) von der Hauptabteilung V/3 vorgenommen. Diese war neben der Überwachung der Blockparteien auch fĂŒr die Überwachung der West-CDU, der Exil-CDU und des CDU-OstbĂŒros verantwortlich.[14] Erich Mielke legte in der Dienstanweisung 1/51 fest, dass er monatlich Berichte ĂŒber die LandesvorstĂ€nde der CDU erhalten sollte.[15] Im Sommer 1981 wurde der Arbeitsbereich Blockparteien und Massenorganisationen als Referat III in die Hauptabteilung XX/1 eingegliedert.

Auf der letzten Sitzung der freigewĂ€hlten Volkskammer vom 28. September 1990 wurde die Verteilung der Stasimitarbeiter bekannt: Die CDU fĂŒhrte mit weitem Abstand (35), es folgten die FDP und PDS (11), GrĂŒne (2).[16]

Parteitage der Ost-CDU

15. Parteitag in Dresden 1982
CDU-Sonderparteitag in Berlin im Dezember 1989
  1. Parteitag 15. – 17. Juni 1946 in Berlin
  2. Parteitag 6. – 8. September 1947 in Berlin
  3. Parteitag 18. – 20. September 1948 in Erfurt
  4. Parteitag 12. – 13. November 1949 in Leipzig
  5. Parteitag 15. – 17. September 1950 in Berlin
  6. Parteitag 16. – 18. Oktober 1952 in Berlin
  7. Parteitag 21. – 25. September 1954 in Weimar
  8. Parteitag 12. – 15. September 1956 in Weimar
  9. Parteitag 30. September – 3. Oktober 1958 in Dresden
  10. Parteitag 22. – 25. Juni 1960 in Erfurt
  11. Parteitag 30. September – 3. Oktober 1964 in Erfurt
  12. Parteitag 2. – 5. Oktober 1968 in Erfurt
  13. Parteitag 11. – 13. Oktober 1972 in Erfurt
  14. Parteitag 12. – 14. Oktober 1977 in Dresden
  15. Parteitag 13. – 15. Oktober 1982 in Dresden
  16. Parteitag 14. – 16. Oktober 1987 in Dresden
  17. Parteitag 15. – 16. Dezember 1989 in Berlin

Personen

Parteivorsitzende

GeneralsekretÀre

CDU-Mitglieder im Ministerrat der DDR

  • Otto Nuschke (Stellvertretender MinisterprĂ€sident 1949–1957)
  • Luitpold Steidle (Minister fĂŒr Arbeit und Gesundheitswesen 1949–1950 Minister fĂŒr Gesundheitswesen 1949–1958)
  • Georg Dertinger (Minister fĂŒr AuswĂ€rtige Angelegenheiten 1949–1953)
  • Friedrich Burmeister (Minister fĂŒr Post- und Fernmeldewesen 1949–1963)
  • Heinz Winkler (Minister fĂŒr Bauwesen 1953–1958)
  • Max Sefrin (Minister fĂŒr Gesundheit 1958–1971, Stellvertretender MinisterprĂ€sident 1958–1971, Mitglied des PrĂ€sidiums des Ministerrates 1965–1971)
  • Rudolph Schulze (Stellvertretender MinisterprĂ€sident 1971–1989, Minister fĂŒr Post- und Fernmeldewesen 1963–1989)
  • Lothar de MaiziĂšre (Stellvertretender MinisterprĂ€sident 1989–1990, MinisterprĂ€sident 1990)
  • Klaus Wolf (Minister fĂŒr Post- und Fernmeldewesen 1989–1990)
  • Peter-Michael Diestel (Innenminister 1990)
  • Christa Schmidt (Ministerin fĂŒr Familie und Frauen 1990)
  • Herbert Schirmer (Minister fĂŒr Kultur 1990)
  • Horst Gibtner (Minister fĂŒr Verkehr 1990)
  • Gerhard Pohl (Minister fĂŒr Wirtschaft 1990)

Quellenangabe

  1. ↑ Die gleiche Schreibweise verwendet auch die Christlich Demokratische Union Deutschlands in der Kurzfassung ihres Grundsatzprogramms von 2007. Siehe: Kurzfassung des Grundsatzprogramms der CDU (PDF-Datei)
  2. ↑ Richter: Die Ost CDU, S. 88–90
  3. ↑ Neubert, Ehrhart: Ein politischer Zweikampf in Deutschland, Freiburg 2002, ISBN 3-451-28016-7Seite 36-37
  4. ↑ Richter: Die Ost CDU, Seite 403-405
  5. ↑ GĂŒnther Buchstab (Hrsg.): Verfolgt und entrechtet. Die Ausschaltung Christlicher Demokraten unter sowjetischer Besetzung und DDR-Herrschaft 1945–1961. 1998, ISBN 978-3-7700-1086-8
  6. ↑ Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU) [Ost] von Ralf G. Jahn.
  7. ↑ Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Stefan Wolle, Bonn 1999
  8. ↑ Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Stefan Wolle, Bonn 1999, S. 111
  9. ↑ CDU/CSU Kreuzritter des Kapitals. Ein Blaubuch, herausgegeben vom Sekretariat des Hauptvorstandes der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands Berlin. Autorenkollektiv; Sekretariat des Hauptvorstandes der Christlichen-Demokratischen Union (Hrsg.) 1968.
  10. ↑ http://www.hdg.de/lemo/html/1990/index.html
  11. ↑ Der Spiegel vom 28. Mai 1990
  12. ↑ Siehe hierzu erster und zweiter Zwischenbericht der UnabhĂ€ngigen Kommission zur ÜberprĂŒfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR (UKPV) (Internetseite der UKPV)
  13. ↑ Abschlussbericht der UKPV vom 5. Juli 2006, S. 39 (PDF)
  14. ↑ S. 81 ff.
  15. ↑ Dienstanweisung 1/51 des StaatssekretĂ€rs Mielke v. 15. November 1951 betr. LandesvorstĂ€nde der LDP, CDU, NDPD, DBD, FDJ, DS, VdgB; BStU, MfS, BdL/Dok. 002062
  16. ↑ TAZ Nr. 3223 Seite 2 vom 29. September 1990 173 Zeilen von TAZ-Bericht petra bornhöft

Literatur

  • Ralf Thomas Baus: Die Christlich-Demokratische Union Deutschlands in der sowjetisch besetzten Zone 1945 bis 1948. GrĂŒndung – Programm – Politik, Droste, DĂŒsseldorf 2001 (Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte, Band 36) ISBN 3-7700-1884-2
  • Peter Joachim Lapp: Die 'befreundeten Parteien' der SED. DDR-Blockparteien heute, Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1988,

ISBN 3-8046-8699-0

  • Peter Joachim Lapp: Die Blockparteien im politischen System der DDR, Verlag Ernst Knoth, Melle 1988, ISBN 3-88368-135-0
  • Peter Joachim Lapp: Ausverkauf. Das Ende der Blockparteien, edition ost, Berlin 1998, ISBN 3-932180-58-5
  • Michael Richter: Die Ost-CDU 1948–1952. Zwischen Widerstand und Gleichschaltung, 2. korrigierte Auflage, Droste, DĂŒsseldorf 1991 (Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte, Band 19) ISBN 3-7700-0917-7
  • Michael Richter und Martin Rißmann (Hrsg): Die Ost-CDU, Köln 1995, 258 S. – (Schriften des Hannah-Arendt-Instituts fĂŒr Totalitarismusforschung, ISBN 3-412-07895-6
  • Christian v. Ditfurth: Blockflöten – Wie die CDU ihre realsozialistische Vergangenheit verdrĂ€ngt, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1991, ISBN 3-462-02179-6
  • Manfred Wilde: Die SBZ-CDU 1945–1947. Zwischen Kriegsende und kaltem Krieg. Herbert Utz Verlag, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-89675-322-3
  • Hans-Joachim Veen, Peter Eisenfeld, Hans Michael Kloth, Hubertus Knabe, Peter Maser, Ehrhart Neubert, Manfred Wilke (Hrsg.): Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur (Lexikon), Lexikon PropylĂ€en Verlag, Berlin/MĂŒnchen 2000, 456 Seiten
  • Wunnicke, Christoph: „Auf der Suche nach Leben.“ Das MfS, die Westmedien, die CDU und auch ein wenig Friedensbewegung. Der Kirchentag in Stralsund vom 16. bis 18. Juni 1978, in: Zeitgeschichte regional, ISSN 1434-1794, Bd. 8 (2004), 1, S.72-76.
  • Wunnicke, Christoph: Personelle KontinuitĂ€t und Elitenwandel in den Parteien Brandenburgs - Von den Blockparteien zu CDU und FDP. Gutachten fĂŒr die Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Geschichte und BewĂ€ltigung von Folgen der SED-Diktatur und des Übergangs in einen demokratischen Rechtsstaat im Land Brandenburg“http://www.landtag.brandenburg.de/sixcms/media.php/5701/Gesamtgutachten%20Wunnicke%2C%20Neubert%2C%20Niemann%2C%2028.pdf
  • Stephan Zeidler: Auf dem Weg zur Kaderpartei? Zur Rolle der Ost-CDU in der inneren Entwicklung der DDR 1952–53, Kovač, Hamburg 1996
  • Stephan Zeidler: Die CDU in der DDR vor dem Mauerbau (1953–1961), Holos-Verlag, Bonn 2001
  • Sebastian Stude: Die CDU in der spĂ€ten DDR. Zum Wirken der BezirksverbĂ€nde Magdeburg und Halle. Reihe "hefte zur ddr-geschichte, Heft 114, 2009, 60 S., broschiert, A5. Hrsg.: Helle Panke e.V. Berlin

Siehe auch

Parteiwesen in der SBZ

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