Columbus (II)

COLUMBUS (1924)

Dampfer "Columbus" des Norddeutschen Lloyd, 1926
Schiffsdaten
Flaggen: Deutsches Reich Deutsches Reich Deutsches Reich Deutsches Reich
Schiffstyp: Dampfschiff
Verwendung: Passagierschiff
Kreuzfahrtschiff
Heimathafen: Bremen
Kiellegung: 1914
Schiffstaufe: 17. Juni 1922
Jungfernfahrt am: 22. April 1924
Bauwerft: F. Schichau, GmbH, Werk Danzig
Eigner: Norddeutscher Lloyd Bremen
Technische Daten
Baunummer: 929
BRT vor Umbau: 32.345
nach Umbau:32.565
Länge über alles: 232,89 m
Breite über alles: 25,30 m
Max. Tiefgang: ca.8 m
Maschine
Antrieb vor Umbau: 2 Vierzylinder-Dreifachexpansions-Dampfmaschinen

mit Ölfeuerung

Antrieb nach Umbau: 2 Dampfturbinen mit Untersetzungsgetriebe
Maschinenleistung in PS: vor Umbau: 32.000
nach Umbau:49.000
Höchstgeschwindigkeit: 19 / 23 kn
Schrauben: 2
Schornsteine: 2
Masten: 2
Sonstiges
Anzahl der Passagiere 1924 513 I. Klasse, 574 II. Klasse, 705 III. Klasse
Anzahl der Passagiere 1929 480 I. Klasse 610 Touristenklasse 596 III. Klasse
Anzahl Besatzung: ca. 730
Schwesterschiff
Red Ensign Vereinigtes Königreich RMS Homeric der White Star Line

Die Columbus war ein Schiff des Norddeutschen Lloyd.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

Noch vor dem Ersten Weltkrieg ließ der Norddeutsche Lloyd zwei große Transatlantik-Liner auf Kiel legen, welche die Namen Columbus und Hindenburg erhalten sollten. Zunächst verhinderte der Krieg die Indienststellung der Schiffe. Ersteres musste an Großbritannien abgetreten werden und wurde in RMS Homeric umbenannt und fuhr für die White Star Line. Die Geschichte des zweiten Schiffes hingegen verlief grundlegend anders.

Vor dem Krieg betrug der Anteil der deutschen Handelsflotte an der Welthandelsflotte 11%, danach nur noch einen Bruchteil dessen, denn viele Schiffe waren im Krieg verloren gegangen oder als Kriegsbeute den Siegermächten in die Hände gefallen. Die Hindenburg befand sich jedoch noch in einem so frühen Baustadium, dass sie als Kriegsbeute nicht in Frage kam. Sie wurde deshalb für den Norddeutschen Lloyd fertiggebaut. Der Bau verlief aufgrund der Materialknappheit sehr schleppend. Darüber hinaus sollte das Schiff in Columbus umbenannt werden. Diese Entscheidung wurde wegen der damals vorherrschenden antideutschen Stimmung gewählt.

Bau und Ausstattung

Paul von Hindenburg besucht die Columbus in Bremerhaven im April 1924

Das Schiff sollte am 17. Juni 1922 in Danzig, wo es auf der Schichau-Werft gebaut worden war, vom Stapel laufen. Es blieb jedoch auf der Ablaufbahn hängen, und es gelang erst am 12. August 1922, den Rumpf zu Wasser zu bringen. Im November 1923 war das Schiff endlich fertig und lief zu seiner Jungfernreise nach New York am 22. April 1924 in Bremerhaven aus. Die Columbus war im wesentlichen genauso fertiggestellt worden wie der Vorgänger Homeric, allerdings waren die Aufbauten nicht so sehr aufgetürmt wie bei der Homeric. Ursprünglich hatte sie zwei relativ schlanke hohe Schornsteine und sah mit ihrem geraden Bug und dem schnittigen Heck sehr elegant aus. Der Rumpf war von fünf durchlaufenden Decks durchzogen und unterteilt durch 14 wasserdichten Schotten. Vorne waren drei, hinten zwei Laderäume und ebensoviele Luken. Die Passagierunterkünfte hatten den bei deutschen Schiffen bekannten hohen Standard und waren in drei Klassen unterteilt. Das übliche Kontingent an Gesellschaftsräumen war vorhanden, dazu gehörten Speisesaal, Rauchzimmer, Bücherei, Veranda, Sporthalle etc. Die riesige Empfangshalle machte einen besonderen Eindruck.

Weggefährten

Die Columbus war der damals größte Nachkriegsbau Deutschlands. Weggefährten der Columbus waren die München (III) und die Stuttgart (III), die jedoch um vieles kleiner waren und nur 15 Knoten liefen. Darüber hinaus hatte der Norddeutsche Lloyd noch die alte Bremen (1900). 1925 kam die neuerbaute Berlin (III) zu den Nordatlantikschiffen hinzu. Diese war so erfolgreich, dass man überlegte noch weiter Schiffe dieses Typs zu bauen. Diese hießen Bremen (1929) und Europa (I).

Schiffsleben bis zum Zweiten Weltkrieg

Nikolaus Johnsen - Kommodore und Kapitän der Columbus (1924) und der Europa III (1930)

Am 2. August 1927 brach auf der Columbus mitten auf dem Atlantik die Steuerbord-Schraubenwelle. Die Maschine überdrehte und wurde dabei dermaßen beschädigt, dass eine Reparatur nicht lohnte. Sie verholte zur Vulkan-Werft nach Bremen, wo ihr als Übergangslösung eine kleine Dreifach-Expansions-Dampfmaschine eingebaut wurde, so dass sie ihren Nordatlantikdienst mit reduzierter Geschwindigkeit zunächst weiterführen konnte. 1929 jedoch erfolgte in Hamburg eine komplette Neumotorisierung, durch die die Geschwindigkeit so erhöht werden konnte, dass die Columbus im Nordatlantik-Expressdienst des NDL eingesetzt werden konnte, der inzwischen zur Realität geworden war.

Während des Werftaufenthalts wurden auch die Passagierunterkünfte aufgearbeitet und die schlanken, fast dünnen Schornsteine durch dicke ersetzt. Das Aussehen näherte sich dadurch demjenigen der Bremen (IV) und Europa (I) an. Natürlich war sie nicht so schnell wie die beiden anderen Schiffe, doch konnte sie sich mit ihren 22-23 kn zu den noblen Expressdampfern zählen. Als solcher fuhr die Columbus bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und machte sich auch als Kreuzfahrtschiff einen guten Namen. Eine dieser Reisen dauerte beispielsweise 47 Tage und führte rund um Südamerika.

Das Ende des Schiffes

Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges befand sich das Schiff auf Kreuzfahrt in der Karibik. Es erhielt aus Deutschland den Befehl unverzüglich einen neutralen Hafen außerhalb der USA anzulaufen. Jedoch gelang es erst nach mehreren vergeblichen Anläufen in verschiedenen Häfen die zumeist amerikanischen Passagiere in Havanna (Kuba) an Land zu schaffen. Danach erreichte das Schiff mit letzten Treibstoffreserven den Hafen Veracruz in Mexiko. Am 14. Dezember 1939 lief es durch ein deutsches Schiff betankt von dort wieder aus, um den Durchbruch nach Deutschland zu wagen. Der Vorschlag des Kapitäns, Wilhelm Dähne, an den Eigner, das Schiff in Mexiko zu verkaufen und nach Kriegsende wieder zu erwerben, wurde in Deutschland abgelehnt. Es bewegte sich zunächst durch die neutralen Gewässer Mexikos und der USA nach Norden um britischen Kriegsschiffen auszuweichen. In US-Gewässern wurde das Schiff durch abwechselnde amerikanische Zerstörer begleitet, die später durch den US-Kreuzer USS Tuscaloosa abgelöst wurden. Dieser sendete jedoch stündlich unverschlüsselt die eigene Position und die der Columbus. So konnte das Schiff, kurz nachdem es die US-kontrollierten Gewässer verlassen hatte, von dem britischen Zerstörer HMS Hyperion entdeckt und beschossen werden. Die Besatzung wollte das wertvolle Schiff dem Gegner jedoch nicht in die Hände fallen lassen. Sie setzte das Schiff in Brand, öffnete die Seeventile und ging von Bord. 4 Heizer versäumten den Gang in die Boote und starben an Bord. Die Columbus sank im Atlantik, 320 Seemeilen östlich von Kap Hatteras. Die Besatzung wurde von der Tuscaloosa aufgenommen und nach New York gebracht.

Die Mannschaft einschließlich Kapitän hätte nach Seerecht als Schiffbrüchige um Aufnahme in den USA bitten können, erklärte auf Ellis Island aber, dass sie nach Deutschland zurückkehren möchte. Daraufhin wurden 567 männliche und 9 weibliche Besatzungsmitglieder in den USA, u.a. in Kalifornien und Süddakota interniert und kamen erst nach dem Kriegsende 1945 zurück nach Bremen. Einige blieben ihr weiteres Leben in Amerika.

Regelmäßige Liniendienste

  • Bremerhaven - New York

Filme

  • Die letzte Fahrt der Columbus, Film von Reinhard Joksch, Radio Bremen, 2008: Der Film dokumentiert u. a. anhand von Aufnahmen des Bordfotografen Richard Fleischhut (auch 16 mm-Filme) und anhand des erhaltenen Logbuchs die Zeit vom Sommer bis zum Dezember 1939 und verfolgt das Schicksal der Mannschaft nach dem Untergang des Schiffes auch durch Interviews mit noch lebenden Seeleuten.

Weblinks


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