DDR

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DDR
Deutsche Demokratische Republik
Flagge der DDR
Staatswappen der DDR
Flagge Wappen
Amtssprache Deutsch
Hauptstadt Berlin[1]
Staatsform Volksrepublik
Staatsoberhaupt Vorsitzender des Staatsrates[2]
Regierungschef Vorsitzender des Ministerrates[3]
FlĂ€che 108.179 kmÂČ
Einwohnerzahl etwa 16,35 Millionen (Januar 1990)
Bevölkerungsdichte 151 Einwohner pro kmÂČ
WĂ€hrung 1949–1964: Deutsche Mark
1964–1967: Mark der Deutschen Notenbank
1967–1990: Mark der DDR
(drei Namen, aber dieselbe WĂ€hrung)
nach der WĂ€hrungsunion 1990: Deutsche Mark
UnabhĂ€ngigkeit 7. Oktober 1949 – 3. Oktober 1990[4][5]
Nationalhymne Auferstanden aus Ruinen
Zeitzone UTC +01:00
Kfz-Kennzeichen bis Ende 1973: D, danach: DDR
Internet-TLD .dd (niemals zugewiesen)
Telefonvorwahl +37 (nicht mehr gĂŒltig; +37x an mehrere Staaten neu vergeben)

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) war ein Staat in Mitteleuropa. Er bestand von 1949 bis 1990.

Die GrĂŒndung der DDR am 7. Oktober 1949 auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone („SBZ“) erfolgte vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf Betreiben der Sowjetunion, nachdem zuvor mit UnterstĂŒtzung der drei West-Alliierten auf dem Gebiet ihrer Besatzungszonen („Trizone“) die Bundesrepublik Deutschland gegrĂŒndet worden war.

Der Aufbau der DDR wurde maßgeblich durch die Gruppe Ulbricht bestimmt, welche die RĂŒckendeckung Josef Stalins hatte. Im staatlichen SelbstverstĂ€ndnis nach 1952 wurde die DDR als erster deutscher „sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“ charakterisiert. Bis zum Mauerbau 1961 wurden anfĂ€nglich enthaltene föderale und demokratische Elemente im Staatsaufbau aufgegeben und der „Aufbau des Sozialismus“ nach den Vorgaben der SED als „marxistisch-leninistischer Partei der Arbeiterklasse“ zunehmend autoritĂ€r und zentralistisch durchgefĂŒhrt.

Die friedliche Revolution[6] 1989/90 markierte das wirtschaftliche und politische Scheitern der DDR. Die 1990 erstmals frei gewÀhlte Volkskammer beschloss die Wiederherstellung von ostdeutschen LÀndern und den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland als einen Akt der Selbstbestimmung[7]. Die Existenz der DDR wurde damit zum 3. Oktober 1990 mit der Deutschen Wiedervereinigung beendet.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Das Staatsgebiet der DDR bestand aus den heutigen deutschen LĂ€ndern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen sowie dem Amt Neuhaus in Niedersachsen. Die Verfassung der DDR erklĂ€rte Berlin (faktisch Ost-Berlin) zur Hauptstadt der DDR. Dies verstieß gegen die Vereinbarung der Alliierten auf der Jalta-Konferenz, nach der Berlin eine Viersektorenstadt war, die zu keiner der Besatzungszonen gehörte, auch nicht teilweise. Es wurde jedoch von den WestmĂ€chten de facto geduldet. Die diesbezĂŒgliche Problematik ist auch als Berlin-Frage bekannt.

Die DDR grenzte im Norden an die Ostsee mit einer Seegrenze zu DĂ€nemark, im Osten an die Volksrepublik Polen mit der Oder-Neiße-Grenze und im SĂŒden an die damalige Tschechoslowakische Sozialistische Republik (ČSSR). Im Westen grenzte die DDR mit der damaligen innerdeutschen Grenze an die Bundesrepublik Deutschland. West-Berlin lag als Enklave inmitten der DDR. Der nördlichste Punkt der DDR war Gell-Ort nordwestlich von Kap Arkona auf der Insel RĂŒgen. Der sĂŒdlichste Punkt lag in der NĂ€he von Bad Brambach im Vogtland. Der westlichste lag in der NĂ€he des von den Amerikanern so benannten Point Alpha in der Rhön. Der östlichste Punkt war Zentendorf zwischen Rothenburg und Görlitz.

Der Norden und die Mitte des Gebiets der DDR sind Teil der Norddeutschen Tiefebene. Charakteristisch fĂŒr den Norden sind eiszeitlich geformte MorĂ€nenlandschaften und zahlreiche Seen (Mecklenburgische Seenplatte). SĂŒdlich davon erstrecken sich HĂŒgellĂ€nder, in welche große Tieflandsbuchten (Leipziger Tieflandsbucht, ThĂŒringer Becken) hineinragen. Der SĂŒden wird von Mittelgebirgen eingenommen (Harz, ThĂŒringer Wald, Rhön, Erzgebirge, Elbsandsteingebirge, SĂ€chsische Schweiz, Lausitzer Bergland, Zittauer Gebirge). Die höchsten Berge sind der Fichtelberg mit 1214 m, gefolgt von Brocken (1142 m) und Großem Beerberg (983 m). Der grĂ¶ĂŸte See ist die MĂŒritz in der Mecklenburgischen Seenplatte. Weitere große Seen sind der Schweriner See und der Malchiner See. Als wichtige FlĂŒsse durchfließen Elbe, Saale, Oder, Havel, Mulde, Lausitzer Neiße, Spree, Ilm, Peene, Unstrut, Warnow, Werra und Weiße Elster das Gebiet. Als Inseln in der Ostsee sind neben RĂŒgen vor allem Usedom, Poel, Hiddensee und die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst zu nennen.

Bevölkerung

Einwohner

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lebten in der Sowjetischen Besatzungszone knapp 19 Millionen Menschen.

Die Bevölkerungszahl nahm in der DDR kontinuierlich ab. Das hatte vornehmlich zwei GrĂŒnde:

  1. Bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 zogen oder flohen viele Menschen aus der DDR in den Westen, vor allem in die Bundesrepublik (Familientrennung, politisch motivierte Flucht und Abwanderung zu besseren Arbeits- und Lebensbedingungen). Auch nach 1961 gelangen einzelne Fluchtaktionen. Die DDR wies Einzelpersonen, unter anderem im Rahmen des Freikaufs politischer HĂ€ftlinge unter Entzug der StaatsbĂŒrgerschaft der DDR aus. Auch der Antrag zur stĂ€ndigen Ausreise aus der DDR ermöglichte im Rahmen eines langwierigen und mit Schikanen verbundenen Antrags die Emigration aus der DDR.
  2. Mit EinfĂŒhrung der schwangerschaftsverhĂŒtenden Pille und der Legalisierung von SchwangerschaftsabbrĂŒchen nahm die Anzahl der Geburten ab („Geburtenknick“, „Pillenknick“). Wie in anderen entwickelten LĂ€ndern auch ging der Trend generell von der Großfamilie hin zu Familien mit ein bis zwei Kindern.

Einwohner und BerufstÀtige der DDR in Millionen Menschen (S. 8 und 17):[8]

Jahr Einwohner (Mio.) BerufstÀtige
(ohne Lehrlinge, Mio.)
1950 18,388 7,196
1960 17,188 7,686
1970 17,068 7,769
1980 16,740 8,225
1988 16,675 8,594
Bevölkerungsentwicklung von 1946–1985 (unterschiedliche JahresabstĂ€nde)[9]

Sprache

Dialekte in der DDR 1990

Das Gebiet der DDR gehörte zum deutschen Sprachraum. In einigen Kreisen der Bezirke Dresden und Cottbus waren auch die westslawischen Sprachen Obersorbisch und Niedersorbisch als die Sprachen der sorbischen Minderheiten staatlich anerkannt.

In den Schulen der DDR war bis zur Wende Russisch die zuerst gelehrte Fremdsprache. Zweite Fremdsprache war meist Englisch, sie wurde fakultativ gelehrt. Alternative, auch fakultative, Fremdsprachen waren Französisch, ganz selten Spanisch (mit stĂ€rkerer landeskundlicher Orientierung auf Kuba), an insgesamt vier Schulen Tschechisch und bis in die 1960er-Jahre hĂ€ufig, spĂ€ter an noch einigen EOS Latein (etwa 2.000 SchĂŒler pro Jahr) sowie an neun EOS Altgriechisch[10], an einzelnen Schulen auch andere Sprachen. Die Kenntnis einer zweiten Fremdsprache war Voraussetzung fĂŒr die Erlangung der Hochschulreife.

Die Benrather Linie teilte das Land von West nach Ost auf der Höhe der Bezirke Magdeburg, Potsdam und Frankfurt/Oder bzw. auf einer Linie zwischen Nordhausen und Frankfurt/Oder. Nördlich von ihr wurden die niederdeutschen Dialekte Mecklenburgisch-Vorpommersch und Mark-Brandenburgisch bzw. MĂ€rkisch gesprochen. An der Grenze zum Bundesland Niedersachsen waren auch ostfĂ€lische bzw. Braunschweig-LĂŒneburgische Dialekte wie ElbostfĂ€lisch und Heideplatt verbreitet. SĂŒdlich der Benrather Linie, wo etwa 60 % der DDR-Bevölkerung lebte, sprach man einen der ostmitteldeutschen Dialekte. Zu dieser Gruppe gehörten die Berlin-Brandenburgischen Dialekte, lausitzische Dialekte und die ThĂŒringisch-ObersĂ€chsische Dialektgruppe. Im SĂŒden des Vogtlandes (Kreis Oelsnitz/Vogtl.) wurde der oberdeutsche Dialekt Nordbairisch gesprochen. Im SĂŒdosten der DDR gab es ein Gebiet, was bis 1945 zu Niederschlesien gehört hatte, wo sich der Schlesische Dialekt erhalten hat.

Religion

In der DDR gab es verschiedene Religionsgemeinschaften. Die grĂ¶ĂŸten waren die christlichen Kirchen, darunter die seit 1969 im Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR zusammengeschlossenen acht evangelischen Landeskirchen, die römisch-katholische Kirche sowie verschiedene Freikirchen, zum Beispiel der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR. 1950 gehörten etwa 85 Prozent der DDR-BĂŒrger einer evangelischen und etwa 10 Prozent der katholischen Kirche an. Bis 1989 ging der Anteil der Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung deutlich zurĂŒck: noch 25 Prozent der Bevölkerung waren Protestanten und 5 Prozent Katholiken. Der Anteil der Konfessionslosen an der Gesamtbevölkerung stieg von etwa 6 Prozent auf etwa 70 Prozent 1989.

Daneben gab es jĂŒdische Gemeinden sowie vereinzelt ab den 1980er-Jahren buddhistische, hinduistische und muslimische Gruppen. Die religiösen Organisationen waren die einzigen legalen vom Staat unabhĂ€ngigen Organisationen.

Religionsfreiheit war in der DDR in der Verfassung festgeschrieben und wurde formal auch gewĂ€hrt. Dennoch versuchte die DDR den Einfluss der Kirchen zurĂŒckzudrĂ€ngen und vor allem junge Menschen kirchlichem Einfluss zu entziehen. Ihre schĂ€rfste Form hatte die antikirchliche Politik der DDR Anfang der 1950er-Jahre. Sie gipfelte 1953 in der Kriminalisierung der „Jungen Gemeinden“. Dies fĂŒhrte zu Relegierungen von Schulen und UniversitĂ€ten, auch zu Verhaftungen, die im Juni 1953 jedoch wieder zurĂŒckgenommen wurden. Auch danach blieb fĂŒr bekennende Christen die Möglichkeit zu studieren bzw. eine staatliche Laufbahn einzuschlagen erschwert.[11]

Zwar nahm die Zahl religiös gebundener Menschen erheblich ab, dennoch konnte die Politik der DDR nicht verhindern, dass die christlichen Kirchen ein eigenstĂ€ndiger gesellschaftlicher Faktor blieben. Die Geschichte der Jahre 1989/90 zeigte dann, dass sich gerade in den evangelischen Kirchen als halböffentliche VersammlungsrĂ€ume ein großer Teil der Menschen fand, teilweise ohne selber religiös zu sein, die zu den TrĂ€gern der friedlichen Revolution in der DDR wurden.

Siehe auch: Christen und Kirche in der DDR

Staatssymbole

Staatswappen der DDR
(12. Januar 1950
–28. Mai 1953)
Staatswappen der DDR
(28. Mai 1953
–26. September 1955)

Drei waagerechte Streifen in den traditionellen deutsch-demokratischen Farben Schwarz-Rot-Gold mit dem Staatswappen der DDR in der Mitte, bestehend aus Hammer und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz als Symbol des BĂŒndnisses von Arbeitern, Bauern und Intelligenz.

Erste EntwĂŒrfe des Wappens von Fritz Behrendt enthielten nur Hammer und Ährenkranz, als Ausdruck des Arbeiter-und-Bauern-Staates. Die endgĂŒltige Version beruhte hauptsĂ€chlich auf der Arbeit von Heinz Behling.

Mit Gesetz vom 26. September 1955 wurde das Staatswappen mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz bestimmt, als Staatsflagge aber weiter „nur“ Schwarz-Rot-Gold. Mit Gesetz vom 1. Oktober 1959 wurde das Wappen in die Staatsflagge eingefĂŒgt. Das öffentliche Vorzeigen dieser Flagge wurde bis Ende der 1960er in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin als ein Verstoß gegen Verfassung und öffentliche Ordnung angesehen und durch polizeiliche Maßnahmen verhindert (vergleiche ErklĂ€rung der Innenminister von Bund und LĂ€ndern, Oktober 1959). Erst 1969 verfĂŒgte die Bundesregierung, „dass die Polizei nirgendwo mehr gegen die Verwendung von Flagge und Wappen der DDR einschreiten sollte.“

Auf Antrag der DSU beschloss die erste frei gewÀhlte Volkskammer der DDR am 31. Mai 1990, dass das DDR-Staatswappen innerhalb einer Woche in und an öffentlichen GebÀuden entfernt werden sollte. Dennoch fand es bis zum offiziellen Ende der Republik beispielsweise auf Dokumenten weiter vielfÀltige Verwendung.

Der Text Auferstanden aus Ruinen der Nationalhymne der DDR stammt von Johannes R. Becher, die Melodie von Hanns Eisler. Von Anfang der 1970er Jahre bis Ende 1989 wurde der Text der Hymne aufgrund der Passage „Deutschland einig Vaterland“ aber nicht mehr gesungen.

Geschichte

Siehe: Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik

DDR als sozialistischer deutscher Staat von 1949 bis 1989

Wilhelm Pieck auf einer DDR-Briefmarke
Johannes Dieckmann (Briefmarke, DDR 1973)

Die Deutsche Demokratische Republik wurde am 7. Oktober 1949, fĂŒnf Monate nach GrĂŒndung der Bundesrepublik Deutschland, durch die von der Sowjetunion eingesetzte Regierung als „sozialistischer Arbeiter- und Bauernstaat“ proklamiert. In politischer Hinsicht wurde von Beginn an eine Parteidiktatur der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) errichtet. Weiter war die DDR Teil des unter der Hegemonie der Sowjetunion stehenden Ostblocks.

Otto Grotewohl wird der erste MinisterprÀsident und Wilhelm Pieck der erste und einzige PrÀsident der DDR. Diese beiden Politiker setzten die Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED ins Werk, Drahtzieher war jedoch die sogenannte Gruppe Ulbricht.

Trotz der Vereinigung gab es nun im noch einheitlich verwalteten Berlin weiterhin zwei Arbeiterparteien. Um ihre Zulassung wurde weit oberhalb des Kontrollrats gestritten, was mit einem Kompromiss endete: SED wie SPD wurden mit alliiertem Beschluss vom 31. Mai 1946 in allen vier Sektoren zugelassen. Nach dem Mauerbau beschloss die Berliner SPD auf Empfehlung des stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Herbert Wehner, ihre KreisverbÀnde im Ostsektor der Stadt aufzulösen.[12]

Walter Ulbricht war von 1950 bis 1971 als Erster SekretĂ€r (bis 1953 GeneralsekretĂ€r) des Zentralkomitees (ZK) der SED der faktische Machthaber, 1971 bis 1989 gefolgt von Erich Honecker (ab 1976 mit dem Titel GeneralsekretĂ€r) und zuletzt von Egon Krenz (18. Oktober 1989 bis zum RĂŒcktritt des gesamten PolitbĂŒros der SED am 3. Dezember 1989). Johannes Dieckmann (LDPD) wurde der erste PrĂ€sident der Volkskammer bis 1969. Ihm folgten bis 1976 Gerald Götting (CDU), bis 1989 Horst Sindermann (SED) und 1990 GĂŒnter Maleuda (DBD).

Politik und Wirtschaft 1952 bis 1961

ZunÀchst betrieb die Sowjetunion die Angleichung der DDR an das zentralkommunistische System kaum, um die Chance auf eine politisch neutrale und vielleicht auch sowjetisch dominierte deutsche Einheit nicht zu verspielen. Dies Ànderte sich jedoch schlagartig mit der Ablehnung der Stalinnote 1952 durch die Bundesregierung unter Konrad Adenauer und durch die Westalliierten. Die Kollektivierung der Landwirtschaft und die Verstaatlichung der Betriebe wurden vorangetrieben. Ebenso wurden staatliche Beteiligungen an Privatbetrieben gefördert.

Auf der II. Parteikonferenz der SED vom 9.–12. Juli 1952 verkĂŒndete Walter Ulbricht den „planmĂ€ĂŸigen Aufbau des Sozialismus“. Kurz darauf wurden mit der Verwaltungsreform von 1952 die LĂ€nder der DDR aufgelöst und durch Bezirke ersetzt. Am 17. Juni 1953 kam es in Ost-Berlin zu Demonstrationen gegen erhöhte Arbeitsnormen, die sich in weiten Teilen des Landes zu AufstĂ€nden gegen die Politik der SED ausweiteten. Diese wurden von den in der DDR stationierten sowjetischen Truppen militĂ€risch niedergeschlagen, wobei es zu Todesopfern kam.

Die Wirtschaft der DDR entwickelte sich aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen (die DDR leistete umfangreiche Reparationszahlungen an die Sowjetunion und verzichtete auf Grund des Drucks aus Moskau auf finanzielle Leistungen aus dem Marshallplan zum Wiederaufbau Europas), aber auch aufgrund der Kollektivierung sowie der zunehmenden Enteignung der Betriebe und der prinzipiellen MĂ€ngel der Planwirtschaft langsamer als die der Bundesrepublik Deutschland.[13]

Unter anderem aufgrund des WirtschaftsgefĂ€lles, aus Furcht vor Repressionen und WillkĂŒrmaßnahmen seitens der sowjetischen Besatzungsmacht und spĂ€ter der DDR-Organe oder auch, weil wesentliche Freiheiten nicht gewĂ€hrt wurden, flohen schon ab 1945 viele BĂŒrger in den Westen. Seit der Errichtung der DDR verließen immer mehr BĂŒrger die DDR. Zwischen 1949 und 1961 flohen etwa 2,6 Millionen Menschen aus der DDR einschließlich Ost-Berlin, davon allein 47.433 noch in den beiden ersten Augustwochen 1961.

Vom Bau der Mauer 1961 bis zu ihrem Fall 1989

Innerdeutsche Grenze zwischen ThĂŒringen (Bezirke Suhl und Erfurt, rechts) und Hessen (links), die hier vom Grenzmuseum Schifflersgrund (bei Bad Sooden-Allendorf) erhalten wird. Zu sehen ist der Grenzzaun (einreihiger Metallgitterzaun) mit davorliegendem Kontrollstreifen (Spurensicherungsstreifen) und Kolonnenweg mit Fahrspurplatten, die eigentliche Grenze befand sich oberhalb des mittlerweile bewaldeten Hangs.

Diese Abwanderung wurde fĂŒr die DDR wirtschaftlich bedrohlich, da ĂŒberdurchschnittlich viele junge und gut ausgebildete Menschen den Staat verließen, obwohl „Republikflucht“ strafbar war. GeflĂŒchtet wurde in erster Linie ĂŒber Berlin, wo die Sektorengrenze zwischen West- und Ost-Berlin kaum zu kontrollieren war, im Gegensatz zur schon seit 1952 scharf bewachten innerdeutschen Grenze der DDR zur Bundesrepublik. In der Nacht vom 12. auf den 13. August begannen Volksarmisten, Volkspolizisten und Angehörige der Kampfgruppen der DDR, die Grenze rings um West-Berlin mit Stacheldraht und bewaffneten KrĂ€ften „gen Osten“ abzusichern. Alle Verkehrswege, wie der U- und S-Bahn-Betrieb, wurden unterbrochen. Seit dem 13. August 1961 wurde die Grenze durch Sperranlagen, Minensperren, Selbstschussanlagen und gezielt schießende Grenzsoldaten noch umfassender gesichert und die Berliner Mauer gebaut, die zum Symbol der Teilung Deutschlands und Europas wurde. Bei dem Versuch, dieses von der DDR als „antifaschistischer Schutzwall“ bezeichnete Sperrsystem zu ĂŒberwinden, wurden mehrere hundert FlĂŒchtlinge (in der offiziellen DDR-Sprachregelung „Grenzverletzer“) an der innerdeutschen Grenze getötet. Die durch die DDR verĂŒbten Menschenrechtsverletzungen, darunter die an der innerdeutschen Grenze, wurden in der Bundesrepublik Deutschland von der eigens eingerichteten Zentralen Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen in Salzgitter dokumentiert.

Nach dem Tod Wilhelm Piecks am 7. September 1961 wurde das Amt des PrĂ€sidenten nicht mehr besetzt. Stattdessen wurde per Gesetz der Staatsrat der DDR als „kollektives Staatsoberhaupt“ eingesetzt. Erster Vorsitzender wurde Walter Ulbricht.

Im Zuge der Neuen Ostpolitik der bundesdeutschen Regierungen seit 1966, die hauptsĂ€chlich von Willy Brandt (Außenminister 1966–1969 und Bundeskanzler 1969–1974) formuliert wurde, kam es beginnend mit dem Erfurter Gipfeltreffen 1970 zu einer AnnĂ€herung zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Die Bundesrepublik gab ihren Alleinvertretungsanspruch auf; die DDR erkannte an, dass die Deutschen ein Volk sind, das lediglich in zwei Staaten lebte. Daraufhin wurden 1973 beide deutsche Staaten Mitglieder der UNO.

Am 6. April 1968 gab es den ersten und einzigen Volksentscheid zur neuen „Sozialistischen“ Verfassung der DDR. Im Gegensatz zu den sonst ĂŒblichen WahlausgĂ€ngen erreichte hier sogar der Nein-Stimmen-Anteil 5 Prozent. Die markantesten SĂ€tze in der neuen Verfassung waren, neben der Fixierung der FĂŒhrungsrolle der SED, die Definition der DDR als „sozialistischer Staat deutscher Nation“ und die Formulierung aktueller Ziele wie etwa die „Herstellung und Pflege normaler Beziehungen“ und die „Zusammenarbeit der beiden deutschen Staaten“. Letzteres erzeugte in Moskau Argwohn und man begann dort daraufhin, Erich Honecker als Nachfolger von Walter Ulbricht zu favorisieren; auch durch SĂ€tze wie vom „entwickelten Sozialismus in der DDR“ hatte Ulbricht Missfallen in Moskau ausgelöst. Die Möglichkeit eines solchen Volksentscheides, die bis dahin bestand, wurde mit dieser Verfassungsreform abgeschafft.

Am 3. Mai 1971 erklĂ€rte Ulbricht „aus gesundheitlichen GrĂŒnden“ den RĂŒcktritt von all seinen Ämtern, bis auf das Amt des Staatsratsvorsitzenden, und wurde von Erich Honecker abgelöst. Vorausgegangen war ein interner Machtkampf mit Honecker, der von Moskau unterstĂŒtzt wurde.[14] Ulbricht starb am 1. August 1973.

Am 7. Oktober 1974 kam es zu einer erneuten VerfassungsĂ€nderung. Alle Textpassagen zur Wiedervereinigung als Verfassungsziel wurden entfernt. Die Anbindung an die Sowjetunion deutlicher manifestiert; aus Ulbrichts Satz „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat deutscher Nation“ wurde „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“. Außerdem wurde die Wahlperiode von vier auf fĂŒnf Jahre verlĂ€ngert und die Befugnisse des Staatsrates so stark eingeschrĂ€nkt, dass diesem Organ lediglich ReprĂ€sentationsrechte blieben.

EhrentribĂŒne zur Abnahme der Truppenparade der NVA zum 32. Jahrestag der DDR, 1981
Erich Honecker und weitere Mitglieder der Partei- und StaatsfĂŒhrung der DDR sowie ReprĂ€sentanten aus dem Ausland auf einer EhrentribĂŒne in der Berliner Karl-Marx-Allee anlĂ€sslich der Feierlichkeiten am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag DDR.

In den beiden Jahrzehnten bis 1989 blieb die DDR bedacht auf weitere Abgrenzung gegenĂŒber der Bundesrepublik. Dennoch wurden zahlreiche Abkommen mit ihr geschlossen, die die Kontakte zwischen den Menschen erleichterten, obwohl Moskau diese eher misstrauisch wahrnahm.[15] Der DDR brachte ihre Sonderstellung im innerdeutschen Handel Vorteile und wichtige Devisen ein. Die von Honecker proklamierte „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ und ein großes Wohnungsbauprogramm sollte den Lebensstandard heben, blieb aber hinter den Erwartungen zurĂŒck und fĂŒhrte zu Verschuldung des Landes. In den Jahren ab 1980 wuchs das Zahlungsbilanzdefizit der DDR bis an kritische Grenzen. Die RĂŒstungsexporte an die Sowjetunion brachen ein, wĂ€hrend diese deutlich höhere Rohstoffpreise verlangte. Nur die Bonner Kredite 1983 konnten eine drastische Wirtschaftskrise verhindern. Der Besuch Honeckers 1987 in Bonn war der Höhepunkt seiner internationalen Anerkennung, als bereits in der DDR die viel zu geringen Erhaltungs- und Erneuerungsinvestitionen dazu fĂŒhrten, dass die Wirtschaft ins Stocken geriet, die AltstĂ€dte verfielen und die Umwelt verkam. Die Zahl der AusreiseantrĂ€ge wuchs an.

Politische Wende und Beitritt zur Bundesrepublik (1989/1990)

→ Hauptartikel: Wende (DDR)

Hans Modrow

Im Sommer und Herbst 1989 flohen immer mehr BĂŒrger der DDR ĂŒber Ungarn, das am 2. Mai 1989 seine Grenze zu Österreich geöffnet hatte und ab dem 11. September 1989 auch DDR-BĂŒrgern offiziell die Ausreise nach Österreich erlaubte, sowie ĂŒber die Botschaften der Bundesrepublik Deutschland in ostmitteleuropĂ€ischen Staaten, vor allem in Prag. Da die DDR-FĂŒhrung die Umgestaltungspolitik des sowjetischen GeneralsekretĂ€rs Michail Gorbatschow nicht nachvollziehen wollte, destabilisierte sich die DDR zunehmend von innen heraus.

Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, die sich auch durch einen vom bayerischen MinisterprĂ€sidenten Franz Josef Strauß im Jahre 1983 vermittelten Kredit aus der Bundesrepublik Deutschland nicht hatte aufhalten lassen, und die auf der sowjetischen Perestroika-Politik beruhenden, von Honecker aber enttĂ€uschten Hoffnungen auf freiheitliche VerĂ€nderungen fĂŒhrten im Rahmen der Friedensgebete besonders der Evangelischen Kirche 1989 zu regelmĂ€ĂŸigen Protestdemonstrationen. Diese weiteten sich vor allem in Leipzig, aber auch in anderen StĂ€dten, sehr schnell zu Großdemonstrationen aus, die friedlich blieben – anders als die Protestdemonstrationen wegen der erzwungenen Durchreise der BotschaftsflĂŒchtlinge aus Prag und Warschau, die am Hauptbahnhof Dresden zu heftigen Ausschreitungen fĂŒhrten.

Am 18. Oktober 1989 musste Honecker unter dem Druck der öffentlichen Proteste zurĂŒcktreten, wie wenige Tage spĂ€ter die vollstĂ€ndige DDR-Regierung. Am 9. November wurde die Berliner Mauer geöffnet. Am 17. November wĂ€hlte die Volkskammer Hans Modrow, bisheriger 1. SekretĂ€r der Bezirksleitung der SED Dresden, zum neuen Vorsitzenden des Ministerrates. In dessen Regierungszeit wurden die Runden Tische zur zweiten demokratischen Diskussionsebene. Die Montagsdemonstrationen der DDR-Bevölkerung und die Maueröffnung fĂŒhrten schließlich zum Zusammenbruch des SED-Regimes. Die unbewaffneten Montagsdemonstranten blieben friedlich, und die bewaffneten Organe der DDR, die vor allem 1989 noch mit PrĂŒgeleien und Verhaftungen auf die Demonstrationen reagiert hatten, verzichteten, wohl auch angesichts der zunehmenden Masse der Demonstranten, weitgehend auf die gewaltsame Auflösung der Versammlungen. Der bewusste Verzicht auf Gewalt wurde am deutlichsten bei der großen Leipziger Demonstration, in deren Vorfeld es dazu öffentliche Absprachen zwischen SED-Bezirksleitung und prominenten DDR-BĂŒrgern (u. a. Kurt Masur) gab. Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18. MĂ€rz 1990 wurde die Allianz fĂŒr Deutschland, ein WahlbĂŒndnis aus CDU-Ost, DSU und DA, mit 48,15 Prozent der abgegebenen Stimmen Wahlsieger. Auf Basis des Einigungsvertrags trat die Deutsche Demokratische Republik am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 a. F. des Grundgesetzes bei.

Politik

→ Hauptartikel: Politisches System der DDR

Die nachfolgenden AusfĂŒhrungen beziehen sich dort, wo nicht anders vermerkt, auf den Zeitraum der „realsozialistischen“ DDR bis zur Wende 1989/90.

Verfassung

Ausschnitt aus dem Buntglasfenster im Berliner StaatsratsgebÀude
Wappen des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit der DDR

→ Hauptartikel: Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik

Die DDR verstand sich selbst als sozialistischen Staat. Sowohl der Staatsaufbau als auch die Organisation von Parteien und Massenorganisationen folgten den Prinzipien des demokratischen Zentralismus. Die eigentliche Macht ging von der kommunistischen Partei, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, und deren Gremien aus.

Dieser „FĂŒhrungsanspruch“ der SED war seit 1968 wie folgt in Artikel 1 der Verfassung der DDR festgehalten:

(Text 1968): „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat deutscher Nation. Sie ist die politische Organisation der WerktĂ€tigen in Stadt und Land, die gemeinsam unter FĂŒhrung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei den Sozialismus verwirklichen.“
(Änderung 1974): „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der WerktĂ€tigen in Stadt und Land unter FĂŒhrung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei.“

Der Ministerrat als Regierung der DDR war laut Verfassung das höchste exekutive Organ des Staates und wurde von der Volkskammer gewÀhlt. Die Minister kamen aus den verschiedenen Parteien der Nationalen Front, jedoch konnten in der Praxis die entsprechenden SekretÀre und Abteilungsleiter im Zentralkomitee der SED den Ministern Anweisungen erteilen.

Der Staatsrat der DDR war – nach dem Tod des ersten und einzigen PrĂ€sidenten Wilhelm Pieck – als kollektives PrĂ€sidial-Gremium das Staatsoberhaupt der DDR. Der Staatsratsvorsitzende wurde bis zur Wende immer von der SED gestellt.

Die Behörden in der DDR wurden als Organe bezeichnet. Gegen Entscheidungen oder Maßnahmen der Organe bestand kein Rechtsschutz, BĂŒrger hatten die Möglichkeit, eine Eingabe (Petition) an Verwaltungen, beispielsweise den Rat der Stadt, Parteigliederungen, die Volkskammer oder auch den Staatsrat zu richten. Berechtigten Eingaben wurde gegebenenfalls entsprochen, allerdings willkĂŒrlich und fĂŒr den BĂŒrger in nicht nachvollziehbarer Weise. Der Obrigkeit unliebsame Eingaben, vor allem in Bezug auf AusreiseantrĂ€ge, konnten zu Repressalien zu Lasten des BĂŒrgers fĂŒhren.

Die entscheidenden Machtstrukturen in der DDR befanden sich auf verschiedenen Ebenen und Arbeitsbereichen innerhalb der SED. Die politische Entwicklung wurde durch das Sekretariat des Zentralkomitees der SED einerseits und dessen PolitbĂŒro andererseits bestimmt. Diesen standen zentralistische Strukturen zur VerfĂŒgung, die in allen Lebensbereichen prĂ€sent waren („Nomenklatura“), einschließlich eines umfangreichen Überwachungsapparats, insbesondere des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit. Printmedien, Hörfunk und Fernsehen wurden zensiert, politisch Andersdenkende litten unter Repressalien.

ZusÀtzlich erfolgte eine Politisierung der gesamten Gesellschaft. Mit der Ideologisierung und der damit verbundenen Zensur in Medien, Literatur und Kunst wurde gleichzeitig mit einer neuen Terminologie ein Feindbild propagiert, welches vor allem die Jugend verinnerlichen sollte.

Rechtssystem

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Regelungen des BĂŒrgerlichen Gesetzbuches waren in der DDR zunĂ€chst ĂŒbernommen worden. 1976 wurde dieses durch das Zivilgesetzbuch der Deutschen Demokratischen Republik ersetzt. Eigentums-, Patent- und Erbrecht waren eng begrenzt, das Vertragsrecht war der Planwirtschaft verpflichtet.

Auch die erste Verfassung aus dem Jahre 1949 enthielt noch bĂŒrgerlich demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien wie die Gewaltenteilung sowie Grundrechte wie das Recht auf freie MeinungsĂ€ußerung oder die Versammlungsfreiheit, Föderaler Aufbau, Rechtsstaatlichkeit wie auch die Pressefreiheit und die Auswanderungsfreiheit wie auch eine UnabhĂ€ngigkeit der Gerichte und Rechtspflege. Einzelne Elemente blieben auch in den spĂ€teren Verfassungen der DDR erhalten, wurden tatsĂ€chlich aber nicht oder nur stark eingeschrĂ€nkt gewĂ€hrt. Der wesentliche Aspekt war der in Artikel 1 festgeschriebene FĂŒhrungsanspruch der SED, der erst 1989 abgeschafft wurde.

Die geringe Bindungswirkung der Verfassung und besonders die nicht unabhĂ€ngige Judikative zeigte sich in Geheimverfahren wie u. a. den Waldheimer Prozessen sowie auch im Umgang mit föderalen Elementen. Die EigenstĂ€ndigkeit der LĂ€nder wurde bereits in den 1950er-Jahren zugunsten des Demokratischen Zentralismus abgeschafft, was in der Verfassung aber erst 1968 beziehungsweise 1974 seinen Niederschlag fand. Neben ihrem vorherrschenden Einfluss auf Gerichte nutzte die SED interne Parteiverfahren (u. a. Paul Merker) zur Sanktionierung ihrer Mitglieder. Diese wurden nicht durch Gerichte sondern durch die Zentrale Parteikontrollkommission durchgefĂŒhrt.

Da keine Verwaltungsgerichtsbarkeit existierte, waren Grundrechte nicht einklagbar − Rechtsschutz gegen staatliches Handeln wurde nicht gewĂ€hrt. Das Planungsrecht war Ausfluss der parteikontrollierten Planwirtschaft, die Austragung von Konflikten verschiedener Gebietskörperschaften und Behörden, wie etwa bei Infrastrukturprojekten, im Umweltschutz und Denkmalrecht nicht vorgesehen beziehungsweise geregelt.

Die fĂŒr einen Rechtsstaat unabdingbare UnabhĂ€ngigkeit der Gerichte war ebenfalls nicht gegeben. Das Rechtswesen der DDR entsprach damit nicht rechtsstaatlichen Standards. RechtsanwĂ€lte konnten ihre TĂ€tigkeit in politisch relevanten Verfahren nicht unabhĂ€ngig gemĂ€ĂŸ ihrer berufsrechtlichen Verpflichtungen ausĂŒben, Akteneinsicht wurde nicht oder nur willkĂŒrlich gewĂ€hrt, MandantengesprĂ€che mitunter vereitelt oder nur ĂŒberwacht zugelassen. Hiervon gab es jedoch Ausnahmen, wie der auch an West-Berliner Gerichten zugelassene Rechtsanwalt und als DDR-UnterhĂ€ndler im Kalten Krieg tĂ€tige Rechtsanwalt Vogel.

FĂŒr die Rechtsprechung waren vor allem das Strafgesetzbuch und die Strafprozessordnung der DDR maßgeblich. Im Bereich des Strafrechts wurde von der DDR-Justiz zum Teil auf Basis vager und unbestimmter TatbestĂ€nde wie „Staatsfeindliche Hetze“, „Öffentliche HerabwĂŒrdigung“, „BeeintrĂ€chtigung staatlicher und gesellschaftlicher TĂ€tigkeit“, „Rowdytum“, „Asoziales Verhalten“ oder „Ungesetzliche Verbindungsaufnahme“ politisch unerwĂŒnschtes Verhalten kriminalisiert. Aufgrund ihrer offenen und unscharfen Formulierungen widersprachen diese TatbestĂ€nde insofern dem rechtsstaatlichen Bestimmtheitsgrundsatz. Hinzu kam eine extensive und kaum vorhersehbare Auslegung derartiger TatbestĂ€nde. Besonders in den ersten Jahren der DDR wurden vielfach wegen „Boykotthetze“ Ă€ußerst harte Strafen fĂŒr objektiv harmlose Handlungen verhĂ€ngt. Gerichte und die Staatsanwaltschaft waren in politisch bedeutsamen Verfahren aufgrund von konkreten Vorgaben von Seiten der SED mitunter faktisch gezwungen, entgegen der Rechtslage zu handeln.

Rechtliche Verpflichtungen der DDR gegenĂŒber dem Ausland, wie etwa die im Rahmen der KSZE anerkannte Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten wie auch die 1968 nachtrĂ€glich in die DDR-Verfassung eingefĂŒgte Freiheit des religiösen Bekenntnisses verschafften Oppositionellen und Dissidenten einen gewissen Freiraum.

Wie in allen sozialistischen Staaten bildete sich in der DDR ein gesellschafts- und fachĂŒbergreifendes Arbeitsrecht heraus. Dies war grundsĂ€tzlich vonnöten, da ja gerade aus der Arbeiterbewegung heraus die Vermarktung der Arbeitskraft auf einem freien Arbeitsmarkt als Ausbeutung abgelehnt wurde.

Parteien

Palast der Republik, Sitz der Volkskammer

Von 1949–1989 gab es folgende in der Nationalen Front vereinte Parteien und Massenorganisationen.

Parteien:

Briefmarke zum 20-jÀhrigen Bestehen der SED

Massenorganisationen:

Die staatlichen und politischen Strukturen der DDR enthielten formal Elemente einer bĂŒrgerlichen Demokratie. In der Volkskammer waren, neben der SED und von ihr dominierten Massenorganisationen auch die Blockparteien vertreten. Deren Mitglieder waren auf das Programm der SED verpflichtet und in die Exekutive eingebunden.

Neben der Volkskammer existierten Volksvertretungen auf Bezirkstagsebenen, Kreisebenen und kommunalen Ebenen. Die zu diesen Gremien stattfindenden Wahlen waren aber weder frei noch geheim, da nur eine vorher erstellte einheitliche Kandidatenliste – die „Einheitsliste“ existierte und der Wahlakt unter der Beobachtung von Wahlhelfern erfolgte.

Die Einheitsliste umfasste die in der Nationalen Front organisierten Blockparteien und Massenorganisationen.

Die Verteilung der Mandate und Ämter auf die Parteien und Organisationen war von den Wahlen unabhĂ€ngig und blieb ĂŒber lange Zeiten konstant.

Der Einfluss der SED in der Volkskammer wurde zusĂ€tzlich dadurch gesichert, dass die meisten Abgeordneten der Massenorganisationen auch SED-Mitglieder waren. In ihrer 9. Wahlperiode (1986–1990) hatte die Volkskammer folgende Zusammensetzung ihrer 500 Abgeordneten (S. 401):[8]

  • SED: 127
  • DBD: 52
  • CDU: 52
  • LDPD: 52
  • NDPD: 52
  • FDGB: 61
  • DFD: 32
  • FDJ: 37
  • Kulturbund: 21
  • VdgB: 14

Davon waren 271 Abgeordnete als Arbeiter, 31 Bauern, 69 Angestellte, 126 Angehörige der Intelligenz und 3 als sonstige Abgeordnete ausgewiesen. In der Geschichte der Volkskammer kam es lediglich einmal zu Gegenstimmen, und zwar 1972 aus der CDU bei der Liberalisierung der Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch.

Im Wendejahr 1989 kam es zu zahlreichen NeugrĂŒndungen von Parteien[16], unter anderem Neues Forum, Demokratischer Aufbruch, Sozialdemokratische Partei in der DDR und andere. Die SED versuchte sich im Dezember 1989 durch eine programmatische Umbenennung in Partei des Demokratischen Sozialismus von ihrem stalinistischen Erbe zu befreien. Am 18. MĂ€rz 1990 traten diese Parteien zur ersten und einzigen freien Volkskammerwahl an.

Öffentlichkeit und politische Auseinandersetzungen

Eine von der SED unabhĂ€ngige freie Meinungsbildung, Öffentlichkeit und zivilgesellschaftliche Elemente waren in der DDR nicht vorgesehen (siehe hierzu auch den Hauptartikel Zensur in der DDR). Erhard Eppler schrieb von einem in der DDR auf die Spitze getriebenen Anspruch einer verwissenschaftlichten Politik[17] – mit dem Anspruch einer alles umgreifenden Regelung ĂŒber die Parteilinie. Das DDR-Strafgesetzbuch stellte „staatsfeindliche Hetze“ und den „Missbrauch der Medien fĂŒr die bĂŒrgerliche Ideologie“ unter Strafe, was Autoren und Journalisten disziplinierte und neben den monopolisierten Ressourcen Nachzensur und Repressionen[18] von Printmedien, BĂŒchern, Radio und Fernsehen, Satire, Kunst und Wissenschaft ermöglichte.[19] So waren auch sehr beliebte Medien, etwa das einzige Erotik-Magazin der DDR in ihrer Auflage begrenzt. AuffĂŒhrungen der wenigen politischen Kabaretts der DDR (u. a. Die Distel und die Leipziger PfeffermĂŒhle) waren zwar auf Jahre hin ausverkauft, die Vorstellungen im Radio oder TV aber nur in Ausnahmen und ausschnittsweise ĂŒbertragen. Bei BĂŒchern, insbesondere Belletristik, fĂŒhrte das Druckgenehmigungsverfahren de facto zu einer Vorzensur und einer werkspezifischen Steuerung. So war das Buch Spur der Steine mit realistischen Szenen aus dem DDR-Alltag unerwartet ein Bestseller geworden, der dazugehörige Film jedoch aus demselben Grund kurz nach Erscheinen verboten worden.

Das Nichtvorkommen politischer Skandale[20] wird als Zeichen diktatorischer[21] UnterdrĂŒckung einer eigenstĂ€ndigen Öffentlichkeit gesehen. Einzelne Ausnahmen, skandaltrĂ€chtige öffentliche Auseinandersetzungen in der DDR etwa um TheaterauffĂŒhrungen der 1950er- und 1960er-Jahre[22], 1976 die Selbstverbrennung des Pfarrers BrĂŒsewitz, die AusbĂŒrgerung Wolf Biermanns wie auch die DDR-Kaffeekrise ab 1977 bestĂ€tigen die Regel. Sie stehen auch in engem Zusammenhang mit DDR-BĂŒrgern zugĂ€nglichen Veröffentlichungen in Westmedien. Zum Ende der DDR wurde zudem versucht, den Zugang zu einzelnen Medien aus der Sowjetunion, wie etwa dem russischen Pressespiegel Sputnik, einzuschrĂ€nken.

JĂŒrgen Kocka[19] und Detlef Pollack[23] betonen, der ambitiöse Anspruch der DDR-Obrigkeit auf totale und allumfassende diktatorische politische Steuerung sei faktisch nicht durchzusetzen gewesen. Es habe weiterhin gesellschaftliche Teilbereiche gegeben, allen voran die Kirchen, die informelle Netzwerke und FreirĂ€ume zugelassen hĂ€tten. Auch die UnwĂ€gbarkeiten der Planwirtschaft hĂ€tten die Wahrnehmung individueller Eigeninteressen und informelle Selbsthilfe eher gefördert. Die programmatisch vorgegebene Westabschottung habe die faktische Westorientierung der Bevölkerung nicht beseitigt und alles in allem, so Pollack, wĂ€re die staatliche Repression in funktional bedingten Grenzen verblieben.

So ermöglichten wirtschaftliche Vorgaben und persönliche ZugĂ€nge auch unkonventionellen Wissenschaftlern wie Cuno Hoffmeister, Werner Hartmann oder Manfred von Ardenne zumindest zeitweise grĂ¶ĂŸere FreirĂ€ume.[19] Auch einige Institutionen aus der FrĂŒhzeit der DDR wie die Blockparteien ermöglichten einen gewissen Freiraum. Erhard Eppler beispielsweise hĂ€lt es fĂŒr verwunderlich, wie einfach deren ÜberfĂŒhrung in die westdeutschen Organisationen gelang und wie schnell die DDR-Vertreter die westdeutschen politischen Gepflogenheiten ĂŒbernahmen. Er nennt[17] (etwa in Vergleich zu England) eine am schriftlichen Ausdruck orientierte Rhetorik, Obrigkeitsdenken, Mangel an politischem Gestaltungswillen, wenig Freiheitsliebe und geringe Debattenkultur als gesamtdeutsche Gemeinsamkeiten.

Die wohl wichtigste Rolle spielte die Teilhabe der DDR an der westdeutschen Öffentlichkeit.[19] Mit Ausnahme des sogenannten Tal der Ahnungslosen waren Informationen, von Werbung, Musikprogrammen bis hin zu politischen Skandalen und Debatten ĂŒber westdeutsche Rundfunk- und Fernsehprogramme verfĂŒgbar.[24] Auch gerade nach dem Mauerbau trugen politische Programme wie Kennzeichen D oder Kontraste mit Korrespondentenberichten aus der DDR zur Information ĂŒber VerĂ€nderungen in der DDR bei. Sie ermöglichten der DDR-Bevölkerung Teilhabe und Zugang zu der öffentlichen Diskussion auch sie unmittelbar angehender Fragen. Diese Informationen wurden in der DDR auch offen angesprochen und genutzt.[25] Die DDR-Obrigkeit war gezwungen, darauf intern zu reagieren und auch in den DDR-Medien – propagandistisch etwa in der Sendung Der schwarze Kanal – darauf einzugehen. Eine faktisch gesamtdeutsche Öffentlichkeit nutzte auch der RocksĂ€nger Udo Lindenberg, der seinen ĂŒber Jahre verweigerten Wunsch in der DDR aufzutreten, 1983 in einen Schlager umsetzte und erfolgreich verwirklichen konnte.

Politische Opposition und Widerstand

Der Begriff DDR-Opposition wird heute in verschiedener Weise benutzt. Teilweise werden sehr heterogene Strömungen als Opposition in der DDR zusammengefasst.[26]

Die BĂŒrgerrechtler der DDR traten fĂŒr eine Reform, seltener fĂŒr die Abschaffung der DDR ein und mussten dafĂŒr Überwachung und teilweise Repressionen durch das Ministerium fĂŒr Staatssicherheit der DDR (MfS) in Kauf nehmen, da ein offenes Auftreten als illegal galt oder gar eine parlamentarische Vertretung einer Opposition nicht geduldet wurde. Viele von ihnen grĂŒndeten wĂ€hrend der Wendezeit 1989 politische Parteien und BĂŒrgerbewegungen wie beispielsweise das Neue Forum oder den Demokratischen Aufbruch. Nach der Wende schlossen sich BĂŒrgerrechtler – je nach unterschiedlichen persönlichen Motiven ihrer oppositionellen Haltung – unterschiedlichen Parteien an oder blieben parteilos.

Die damals grĂ¶ĂŸte oppositionelle Samisdat-Zeitschrift Telegraph erscheint bis heute in Berlin.

Politisch Andersdenkende wurden im flĂ€chendeckenden staatlichen Überwachungssystem insbesondere mit Hilfe der offiziellen und inoffiziellen EinsatzkrĂ€fte des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit (MfS, umgangssprachlich „Stasi“) ermittelt und beobachtet, um bereits AnfĂ€nge einer öffentlichen DDR-kritischen AktivitĂ€t sogleich unterbinden zu können (politisch motivierte Verfolgung). Je nach Grad des aus Sicht der Sicherheitsorgane zu erwartenden Widerstands reichte die politisch motivierte Verfolgung in der DDR von bloßer EinschĂŒchterung ĂŒber Drangsalierung und Zersetzung bis hin zu langjĂ€hriger Haft. Bei „ÜberlĂ€ufern“ aus den Reihen des MfS und Fluchthelfern kam es auch zu EntfĂŒhrungen und Morden[27] im geheimen Auftrag des MfS. Folter und Einzelhaft gehörten insbesondere in den sogenannten Untersuchungshaftanstalten des MfS zu den vielfĂ€ltigen Zwangsmitteln des MfS, um politische Gefangene gefĂŒgig und gestĂ€ndig zu machen. Zumindest bis in die 1960er-Jahre wurde eher die physische Folter angewandt. SpĂ€ter wurden mehr und mehr psychologische Foltermethoden praktiziert, um politische HĂ€ftlinge zu zermĂŒrben und ihren Willen zu brechen. Ein Grund fĂŒr diese Entwicklung war, dass sich die Anwendung psychologischer Folter schwieriger beweisen lĂ€sst.

Außen- und Entwicklungspolitik

Grundlegende Motive

Zentrales Moment ihrer Außenpolitik war der Anspruch der DDR, gegenĂŒber der westdeutschen Hallstein-Doktrin international als eigenstĂ€ndiger Staat anerkannt zu werden. Der Grundlagenvertrag mit der Bundesrepublik 1972 erkannte die Existenz zweier deutscher Staaten an und ermöglichte die Aufnahme der DDR 1973 als Vollmitglied in die Vereinten Nationen. Eine wichtige symbolische Komponente des Anspruchs auf staatliche Anerkennung war die Teilnahme an internationalen Sportveranstaltungen. Bei den Olympischen Spielen trat die DDR ab 1968 mit einer eigenen Mannschaft an und konnte im Folgenden nicht nur 1972 bei den Olympischen Spielen in MĂŒnchen und 1974 der Fußballweltmeisterschaft in Westdeutschland signifikante sportliche und indirekt politische Erfolge erzielen.

Einbindung in internationale Organisationen

Die DDR war international im Warschauer Pakt und im Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) eingebunden und hatte ĂŒber den innerdeutschen Handel indirekt einen Zugang zur EuropĂ€ischen Wirtschaftsgemeinschaft. Innerhalb des RGW war die Sowjetunion der dominierende Partner. AnsĂ€tze zu einer stĂ€rkeren wirtschaftlichen Integration der RGW-Staaten scheiterten Mitte der 1960er-Jahre[28] am Widerstand RumĂ€niens, die bilateralen Beziehungen DDR zur Sowjetunion gestalteten sich nach dem Antritt Leonid I. Breschnews deutlich schwieriger. Es gelang der DDR unter erheblichen Anstrengungen 1967 im Rahmen der Ulbricht-Doktrin mit anderen RGW-Staaten wie der Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und Bulgarien beiderseitige UnterstĂŒtzungsvertrĂ€ge abzuschließen und damit einer Intensivierung der Beziehungen der osteuropĂ€ischen Nachbarn mit Westeuropa zuvorzukommen.[28] Die Ostpolitik Willy Brandts war zunĂ€chst mit der Sowjetunion ausgehandelt worden, die DDR wurde zum Verdruss Walter Ulbrichts dabei von beiden Seiten zunĂ€chst ĂŒbergangen.[29] 1983 hingegen fĂŒhrten die innerdeutschen Beziehungen im Zusammenhang mit einem westdeutschen Milliardenkredit fĂŒr die DDR zu Irritationen bei der sowjetischen FĂŒhrung.

Am 18. September 1973 wurde die DDR zusammen mit der Bundesrepublik in die UNO aufgenommen.

Offensive in Afrika

Ab Mitte der 1960er-Jahre wurde die DDR außenpolitisch auch in der Ausbildung von SicherheitskrĂ€ften und im Aufbau militĂ€rischer Infrastruktur, die RĂŒstungsexporte begleiteten, fĂŒr eine Reihe von Regierungen und Revolutionsbewegungen tĂ€tig.[30] Dabei waren Anfang der 1980er-Jahre mehrere Tausend Soldaten der NVA[31] vor allem als MilitĂ€rberater in Afrika und dem Mittleren Osten stationiert. Die AuslandsprĂ€senz der NVA wurde im Warschauer Pakt nur von den sowjetischen und kubanischen AuslandseinsĂ€tzen ĂŒbertroffen. Echte KampfeinsĂ€tze regulĂ€rer Truppeneinheiten wurden von der DDR vermieden, die DDR-typische Kombination von Wirtschaftspolitik mit MilitĂ€r- und Infrastrukturprojekten erregte aber frĂŒh internationales Aufsehen.[32]

Die EinsĂ€tze und RĂŒstungsprojekte im Ausland wurden auf höchster Ebene unterstĂŒtzt, um den Devisenmangel zu beheben, der ab Mitte der 1970er-Jahre immer schmerzhafter wurde und zu erheblichen Versorgungskrisen fĂŒhrte. Die Sowjetunion war auch zunehmend nicht mehr in der Lage oder willens, finanzielle Verpflichtungen der RGW-Partner abzudecken und Rohstoffe gĂŒnstig zur VerfĂŒgung zu stellen. Diese Spannungen[28] bewirkten eine Neuorientierung innerhalb des RGW.

Außenpolitischer Umbruch in den 1970er-Jahren

In den 1970er-Jahren fand deswegen auch eine deutliche Intensivierung und Ökonomisierung[33] der DDR-Außen- und Entwicklungspolitik[34] jenseits des RGW statt. TauschgeschĂ€fte mit Parallelen zum klassischen Kolonialhandel[35], so von Waffen und Lkw aus der DDR gegen Rohkaffee und Energierohstoffe aus ausgewĂ€hlten PartnerlĂ€ndern, insbesondere Vietnam, Mosambik, Äthiopien und Angola angestrebt. Bis heute wirkt die bedeutende Rolle von Vertragsarbeitern und der Ausbildung auslĂ€ndischer ziviler und militĂ€rischer FachkrĂ€fte[36] in den deutschen Beziehungen etwa zu Vietnam, Angola, Namibia, Mosambik und Äthiopien fort.

Die AuslandsaktivitĂ€ten waren einer erheblichen Geheimhaltung unterworfen, die Auswahl der Spezialisten fand weniger nach fachlichen[35], als nach Sicherheits- und in Hinsicht auf eine Republikflucht – VerlĂ€sslichkeitskriterien statt. Handels- und Entwicklungskonzepte wurden so gut wie nicht öffentlich diskutiert, private Entwicklungsinitiativen waren auf kleinere kirchliche AuslandsaktivitĂ€ten reduziert[35]. Die DDR war nicht in der Lage, ĂŒber den Erfahrungsaustausch der RĂŒckkehrer theoretische Überlegungen wie propagandistische Verlautbarungen zu korrigieren und eine breitere eigenstĂ€ndige außenpolitische Kompetenz aufzubauen[35].

Mangel an außenpolitischer Debatte und Scheitern strategischer Projekte

Der Verlust der beiden ZK-Mitglieder Werner Lamberz und Paul Markowski bei einem Hubschrauberabsturz nahe Tripolis war kaum auszugleichen. Eine 1977 geplante intensive Wirtschafts-und RĂŒstungszusammenarbeit mit Libyen kam nicht zum Tragen[37].

Hans-Joachim Döring konstatiert am Beispiel von Mosambik den beispielhaft gescheiterten Versuch einer breiten wirtschaftlichen Zusammenarbeit, gekennzeichnet durch utopische und mangelhaft vorbereitete Großprojekte[35] etwa beim Steinkohlebergbau. Moatize in Mosambik stellte dabei die einzige grĂ¶ĂŸere Kolonie von DDR-BĂŒrgern außerhalb des RGW-Auslands dar, wobei die entsandten deutschen BeschĂ€ftigten rigide abgeschottet wurden. Unter diesen UmstĂ€nden habe sich auch latenter Rassismus[35] manifestiert.

Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland

Die Bundesrepublik Deutschland hatte die DDR völkerrechtlich zu keinem Zeitpunkt anerkannt, da sie als ein Teil Gesamtdeutschlands nicht Ausland sein könne. Die PrĂ€ambel des Grundgesetzes von 1949 enthielt die Aufforderung, die Einheit des deutschen Volkes in Freiheit zu vollenden. Dies war mit einer Betrachtung der DDR als Ausland unvereinbar, die Wiedervereinigung musste das politische Fernziel jeder Bundesregierung bleiben. Bis zur neuen Ostpolitik ab 1969 erhob die Bundesrepublik einen Alleinvertretungsanspruch fĂŒr das gesamte deutsche Volk. Die Bezeichnung „Deutsche Demokratische Republik“ wurde daher in der westdeutschen Öffentlichkeit bis weit in die sechziger Jahre möglichst vermieden. Man sprach stattdessen weiterhin von der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) oder nutzte umgangssprachliche Wendungen wie „Sowjetzone“, „Ostzone“ oder „Zone“.[38] Mit dem Grundlagenvertrag wurde die DDR 1973 staatsrechtlich anerkannt. Das nach wie vor besondere VerhĂ€ltnis der beiden deutschen Staaten kam aber immer noch zum Ausdruck. Es gab keine Botschaften in Ost-Berlin und Bonn, sondern StĂ€ndige Vertretungen. Von Seiten der Bundesregierung waren Angelegenheiten mit DDR-Bezug nicht Sache des AuswĂ€rtigen Amtes, sondern des Bundesministeriums fĂŒr innerdeutsche Beziehungen.

Es gab aus Bonner Sicht bis zuletzt nur eine deutsche StaatsbĂŒrgerschaft; jeder DDR-BĂŒrger war automatisch berechtigt, alle BĂŒrgerrechte der Bundesrepublik wahrzunehmen. Gerade dieses Festhalten versuchte Honecker 1980 in den Geraer Forderungen auszuhebeln und setzte als Druckmittel die Erhöhung des Zwangsumtausches ein. FĂŒr die DDR wirtschaftlich interessant war der Aspekt, dass ihre Grenze zur Bundesrepublik Deutschland fĂŒr den Westen keine Staatsgrenze und daher nicht zollpflichtig war.

Sicherheitspolitik

Schon bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es in den neu gegrĂŒndeten beiden deutschen Staaten vor dem Hintergrund des aufziehenden Kalten Krieges zur sogenannten Wiederbewaffnung, das heißt zur erneuten EinfĂŒhrung militĂ€rischer Strukturen. Dieser Aufbau vollzog sich in der DDR unter Anleitung der Sowjetunion und ab 1955 im Rahmen des Warschauer Paktes:

1948 entstanden mit den kasernierten Bereitschaften die ersten bewaffneten Einheiten nach dem Krieg. Diese wurden 1952 in die Kasernierte Volkspolizei (KVP) ĂŒberfĂŒhrt. Am 1. MĂ€rz 1956 − knapp ein Jahr nach der GrĂŒndung der Bundeswehr − wurde die Nationale Volksarmee (NVA) gegrĂŒndet. Beim Aufbau der StreitkrĂ€fte der DDR spielten auch ehemalige Offiziere der Wehrmacht wie auch Waffen-SS[39] eine Rolle. Sie hatten sich ĂŒberwiegend bereits wĂ€hrend der sowjetischen Kriegsgefangenschaft dem Nationalkomitee Freies Deutschland zur VerfĂŒgung gestellt.

Sowjetische StreitkrÀfte in der DDR

Der Großteil der StreitkrĂ€fte in der DDR wurde mit mehr als 300.000 Soldaten durch die Sowjetunion gestellt, durch die Gruppe der Sowjetischen StreitkrĂ€fte in Deutschland (GSSD), welche aus den Sowjetischen Besatzungstruppen hervorgegangen war. Die Truppen der GSSD waren der NVA und anderen militĂ€rischen Organisationen ĂŒbergeordnet. Ihre Aufgabe bestand zentral in der Sicherung der DDR gegen den Westen. Die GSSD verfĂŒgte ĂŒber offensive Bewaffnung, unter anderem auch mit Atomwaffen. Einer Studie zufolge war seit den 1960er-Jahren im Kriegsfalle der breite und prĂ€emptive Einsatz taktischer Nuklearwaffen in Deutschland vorgesehen.[40] Mit dem Schwenk der sowjetischen Politik unter Michail Gorbatschow erfolgte 1986 eine Abkehr von der offensiven Ausrichtung der GSSD. In der DDR jedoch sei noch in der NVA-Übung „Stabstraining 1989“ der massive Einsatz von großkalibrigen Nuklearwaffen durchgespielt worden. [40]

Nationale Volksarmee

Truppenparade zum 30. Jahrestag der GrĂŒndung der DDR mit einer Formation Flugabwehrraketen vom Typ SA-2 Guideline, 1979
Ehrenwache des Wachregimentes Friedrich Engels der NVA am Mahnmal fĂŒr die Opfer des Faschismus und Militarismus (Neue Wache) in Berlin im Exerzierschritt

Die Nationale Volksarmee (NVA) war von 1956 bis 1990 die Armee der DDR. Sie bestand aus den LandstreitkrĂ€ften, der Volksmarine und den LuftstreitkrĂ€ften. Nach EinfĂŒhrung der Wehrpflicht 1962 lag die PersonalstĂ€rke der NVA bei etwa 170.000 Soldaten.

Ihrem SelbstverstĂ€ndnis nach war die NVA in der DDR das „Machtinstrument der Arbeiterklasse“ zum Schutz und zur Sicherung der „sozialistischen Errungenschaften“ vor Angriffen von außen. Sie sollte der Verteidigung der DDR und der im Warschauer Pakt mit ihr verbĂŒndeten anderen sozialistischen Staaten gegen eine eventuelle „imperialistische Aggression“ dienen. Die NVA entwickelte sich von einer binnenorientierten, sehr stark politisch kontrollierten Parteiarmee zunehmend zu einem Instrument einer zunehmend eigenstĂ€ndigeren Außenpolitik.

Die SED sicherte sich durch die Politische Hauptverwaltung (PHV) und eine spezielle Struktur von Parteiorganisationen die politische FĂŒhrung der StreitkrĂ€fte. Die Offiziere und FĂ€hnriche waren bis auf wenige Ausnahmen Mitglieder der SED. Auch bei den Unteroffizieren wurde ein hoher Anteil an SED-Mitgliedern angestrebt.

WĂ€hrend ihres Bestehens waren NVA-VerbĂ€nde an keinem Krieg beteiligt. Teile der NVA waren aber 1968 fĂŒr militĂ€rische Aktionen zur Niederschlagung des Prager FrĂŒhlings vorgesehen. Es gab PlĂ€ne, sich mit zwei Divisionen am Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR zu beteiligen. Wegen der zu erwartenden verheerenden außenpolitischen Wirkungen – es wĂ€re der erste Kampfeinsatz deutscher Truppen im Ausland nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen − beschrĂ€nkte man sich auf eine logistische UnterstĂŒtzung der Niederschlagung des Prager FrĂŒhlings.

Grenztruppen

Die Grenztruppen der DDR waren fĂŒr die Bewachung der Grenzen der DDR zustĂ€ndig. Sie wurden als Grenzpolizei 1946 aufgebaut und hatten 1948 eine PersonalstĂ€rke von 10.000 Personen. 1956 wurde die Grenzpolizei der NVA als Teilstreitkraft Grenztruppen konzipiert. Im Rahmen des Helsinki-AbrĂŒstungsprozesses wurde nach außen eine SelbstĂ€ndigkeit der Grenztruppen postuliert, um sie nicht zur regulĂ€ren HeeressstĂ€rke zu zĂ€hlen. Sie waren aber weiter wie die Nationale Volksarmee dem Ministerium fĂŒr Nationale Verteidigung (MfNV) unterstellt und wĂ€ren im Ernstfall als motorisierte SchĂŒtzen eingesetzt worden. Der weitaus grĂ¶ĂŸte Teil der Truppen diente der Bewachung der innerdeutschen Grenze zur Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin und hier vor allem der Unterbindung von Fluchtversuchen von DDR-BĂŒrgern in den Westen. Hierbei wurden von Angehörigen der Grenztruppen aufgrund des Schießbefehls mehrere hundert Menschen getötet. Eine Sonderstellung nahm die 6. Grenzbrigade KĂŒste bezĂŒglich der Sicherung der Seegrenze an der Ostsee ein.

Vergleichsweise geringe KrĂ€fte kontrollierten die Oder-Neiße-Grenze nach Polen und die Grenze zur ČSSR.

Ab 1. Januar 1972 wurde zwischen der DDR und Polen sowie der ČSSR ein visafreier Grenzverkehr eingerichtet, der von den BĂŒrgern der DDR rege genutzt wurde. Allein zwischen Frankfurt (Oder) und SƂubice (Polen) ĂŒberschritten vom 1. Januar bis 20. September 1972 exakt 2.773.612 polnische und DDR-BĂŒrger die Grenze.[41] Auch nach Ungarn, RumĂ€nien und Bulgarien waren Reisen relativ unkompliziert möglich. Voraussetzung dafĂŒr war, dass die einbezogenen sozialistischen LĂ€nder ihre Grenzen (einschließlich HĂ€fen und FlughĂ€fen) zum Westen genauso verschlossen hielten wie die DDR. Da das beispielsweise in Jugoslawien nicht der Fall war, konnten DDR-BĂŒrger dorthin nur in den AusnahmefĂ€llen reisen, die fĂŒr westeuropĂ€ische LĂ€nder auch galten. Da die DDR-FĂŒhrung die Streikbewegung und das politische Erstarken der systemkritischen Gewerkschaft Solidarnoƛć mit grĂ¶ĂŸter Sorge sah und ein Überschwappen auf die DDR befĂŒrchtete, wurden im November 1980 Reisen nach Polen wieder stark erschwert, notwendig war nun eine persönliche Einladung, die von den polnischen Behörden auszustellen war. Im visafreien Grenzverkehr beschrĂ€nkten sich die Grenztruppen in den meisten FĂ€llen auf die Kontrolle der Personalausweise, wĂ€hrend die Zollorgane der DDR umso intensiver nach Ein- und Ausfuhren verbotener Waren suchten. Darunter fielen nicht nur die ĂŒblichen Waffen-, Geld- oder Rauschgiftverbote, sondern auch westliche BĂŒcher, Zeitungen, Zeitschriften und sogar Schallplatten.

Weitere SicherheitskrÀfte

Das Wachregiment Feliks Dzierzynski war der militĂ€rische Arm des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit. Da das Regiment offiziell nicht den StreitkrĂ€ften angehörte, konnte es so trotz des Vier-MĂ€chte-Status-bedingten Stationierungsverbots in Berlin stationiert werden. Die Mannschaften bestanden aus Wehrpflichtigen, die sich zu einem dreijĂ€hrigen Wehrdienst verpflichteten und „politisch zuverlĂ€ssigen“ Familien entstammten. Die Aufgaben umfasste unter anderem die Sicherung von Staats- und Parteieinrichtungen auf dem Gebiet Ost-Berlins sowie der Waldsiedlung bei Wandlitz, wo die Partei- und StaatsfĂŒhrung wohnte. Die PersonalstĂ€rke betrug in den 1980ern etwa 10.000 Mann.

Die Kasernierte Einheiten, zu denen die VP-Bereitschaften (Bataillone) gehörten, waren eine militĂ€rische Gruppierung, die nicht zu den Dienstzweigen der Volkspolizei (VP) gehörten, aber ebenfalls dem Innenministerium unterstand (Stellvertreter des Ministers und Leiter der Hauptabteilung Bereitschaften/ Kampfgruppen). Der Schwerpunkt ihrer Ausrichtung Ende der 1960er-Jahre, die BekĂ€mpfung hinter der Front operierender Diversions-AufklĂ€rungsgruppen in Kriegszeiten, verschob sich immer mehr zugunsten einer BefĂ€higung zur AufgabenerfĂŒllung bei der Beseitigung von „Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“. Die Angehörigen waren Wehrpflichtige.

Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse waren eine besondere militĂ€rische Organisation, die hauptsĂ€chlich aus mĂ€nnlichen SED-Mitgliedern bestand und in Betrieben, staatlichen Einrichtungen, LPGs sowie Hoch- und Fachschulen organisiert waren. Die Angehörigen nahmen in ihrer Freizeit mehrmals im Jahr, meist an Freitagen oder Wochenenden, an militĂ€rischen Übungen oder Schulungen in Uniform teil, die durch VP-Offiziere angeleitet wurden. Die Kampfgruppen trugen so zur Militarisierung der DDR-Gesellschaft bei. Im Verteidigungszustand waren die BezirkskampfkrĂ€fte zur Eingliederung in die NVA-VerbĂ€nde vorgesehen.

Der historisch wichtigste Einsatz der Kampfgruppen war die Absicherung des Baus der Berliner Mauer 1961. Des Weiteren wurden sie zum Beispiel zur UnterstĂŒtzung der Volkspolizei mobilisiert, wenn Sowjetsoldaten mit Munition fahnenflĂŒchtig waren. PrĂ€senz zeigten die Kampfgruppen insbesondere bei den jĂ€hrlichen Paraden zum 1. Mai.

Als Polizei und Nachrichtendienste bestanden:

Frauen- und Familienpolitik

→ Hauptartikel: Frauen- und Familienpolitik der DDR

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war fĂŒr Frauen in der DDR selbstverstĂ€ndlich. Bis 1989 waren nahezu 92 Prozent der Frauen in das Erwerbsleben integriert, was eine deutlich höhere Erwerbsquote der Frauen als in der Bundesrepublik Deutschland darstellte. Allerdings waren Frauen in Leitungspositionen deutlich unterreprĂ€sentiert. Als GrĂŒnde sind zu nennen, dass die sozialistische Frauenpolitik die wirtschaftliche TĂ€tigkeit als Basis der weiblicher UnabhĂ€ngigkeit von mĂ€nnlicher Herrschaft sieht und dass die DDR zu wenig ArbeitskrĂ€fte hatte.

Die BerufstĂ€tigkeit von Frauen wurde staatlich gefördert und die notwendigen Rahmenbedingungen beispielsweise durch die Versorgung mit ausreichend Kinderkrippen- und HortplĂ€tzen und spezielle Lehr- und StudienplĂ€ne fĂŒr studentische Familien geschaffen. Im Rahmen der Familienpolitik förderte der Staat Ehepaare in erster Linie, wenn sie Kinder bekamen. Dies geschah durch spezielle Kredite und eine deutliche Bevorzugung bei der Zuteilung einer eigenen Wohnung. Auch wenn die DDR ebenfalls vom so genannten Pillenknick betroffen war und die Abtreibungsregelung deutlich liberaler als im Westen war, blieben die Geburtenraten im Vergleich zur Bundesrepublik etwas höher und stiegen in den 1980er-Jahren sogar wieder leicht an.

Verwaltungsgliederung

→ Hauptartikel: Bezirk (DDR)

Bezirke der DDR und Ost-Berlin ab 1952

Seit ihrer GrĂŒndung war der Verwaltungsaufbau der DDR durch eine starke Zentralgewalt geprĂ€gt. Allerdings konstituierte die erste Verfassung von 1949 eine föderale Struktur mit den LĂ€ndern Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, ThĂŒringen und Sachsen. Mit der Verwaltungsreform von 1952 wurden die LĂ€nder ihrer Funktion enthoben. Als neue mittlere Ebene der staatlichen Verwaltung traten 14 Bezirke an ihre Stelle. Zugleich wurde im Rahmen einer Kreisreform die Anzahl der Stadt- und Landkreise stark erhöht. 1958 wurden die LĂ€nder schließlich auch formal abgeschafft. Der Staatsrat der DDR stellte Ost-Berlin im Jahr 1961 mit den Bezirken gleich.[42] Bis zum Ende der DDR bestanden die folgenden Bezirke (bb lt. Gemeindenummer-SchlĂŒssel bbkkgg; bb: Bezirk (numerisch); kk: Kreis (numerisch); gg: Gemeinde (numerisch)):

Siehe auch: Liste der StÀdte und Gemeinden der DDR

Wirtschaft

BodenschÀtze und Industrie-Standorte der DDR. Stand August 1990
Das VerwaltungsgebĂ€ude des Kombinates Industrieglas Ilmenau, ein typisches Beispiel fĂŒr Industriebauwerke dieser Zeit


Die DDR war trotz der ihr auferlegten Reparationsleistungen an die Sowjetunion das wirtschaftlich am weitesten entwickelte Land des RGW und hatte einen höheren materiellen Standard als viele der entwickelten Staaten der Erde. Sie litt jedoch trotzdem stĂ€ndig unter Devisenknappheit. Es herrschte teilweise eine Notlösungswirtschaft. Das vorherrschende Wirtschaftssystem war eine Planwirtschaft mit FĂŒnfjahrplĂ€nen, betrieblichen Fonds und staatlichen Betrieben und Großbetrieben (Kombinate). In sehr kleinem Umfang wurden auch privatwirtschaftliche Kleinstbetriebe geduldet, die nicht vollstĂ€ndig der Planung unterworfen waren.

Produktion

Der erste FĂŒnfjahrplan von 1951 bis 1955 verfolgte hauptsĂ€chlich das Ziel, die Folgen der Kriegszerstörungen, Demontagen und Reparationen zu beseitigen und die Produktion speziell der Energiewirtschaft, der Schwer- und chemischen Industrie zu steigern. 1955 existierten in der DDR noch ĂŒber 13.000 Privatbetriebe, und in der Landwirtschaft war die Kollektivierung erst 1960 abgeschlossen.

1957 erreichten die Produktionszahlen der DDR die doppelte Höhe der vor dem 2. Weltkrieg auf ihrem spĂ€teren Gebiet erbrachten Leistungen. Im gleichen Jahr wurden in der DDR 213 Mio. Tonnen Rohbraunkohle gefördert (50 Prozent der Weltförderung), 32,7 Mrd. Kilowattstunden Strom produziert, 2,9 Mio. Tonnen Stahl (14 mal so viel wie noch 1947), in der Chemieproduktion hatte die DDR weltweit die zweithöchste Produktionsrate und war der grĂ¶ĂŸte Maschinenexporteur aller Ostblockstaaten, bis 1965 erreichte die Industrieproduktion etwa das fĂŒnffache des Vorkriegsstandes.

Am Anfang der 1970er-Jahre war die DDR fĂŒr kurze Zeit das zehntgrĂ¶ĂŸte Industrieland der Erde, gemessen an ihrer Produktionsleistung; z. B. ĂŒberstieg das Pro-Kopf BIP 1980 das von Großbritannien zu damaliger Zeit. Zur Zeit der Wende nahm sie noch einen Platz unter den fĂŒnfundzwanzig stĂ€rksten Industrienationen ein.
1972 gab es auf Beschluss des Ministerrates eine letzte Verstaatlichungswelle. Der Anteil der Privatbetriebe sank auf unter 2 Prozent. Doch erst 1976 war die Verstaatlichung mit der Enteignung aller PrivatwÀlder abgeschlossen.

Nationaleinkommen der DDR in Milliarden Mark der DDR nach vergleichbaren Preisen (Basis 1985, S. 13):[8]

Jahr gesellschaftliches
Gesamtprodukt
produziertes
Nationaleinkommen
1950 98,186 30,352
1960 240,271 79,379
1970 405,477 121,563
1980 655,212 193,644
1988 810,963 268,410

Einkommen und Konsum

Dennoch waren einige KonsumgĂŒter in der DDR fast immer knapp. FĂŒr einen Autokauf musste man sich beispielsweise anmelden, um dann, je nach Modell, bis zu 15 Jahre warten zu mĂŒssen (zu vergleichsweise hohen Preisen). Ein „Schwarzmarkt“ wurde teilweise geduldet, so dass die Wartezeit durch Zahlung eines höheren Preises umgangen werden konnte.

Preise und Löhne wurden ĂŒberwiegend staatlich festgelegt. Der Staat subventionierte mit einem einheitlichen Verkaufspreis besonders grundlegende Dinge des tĂ€glichen Bedarfs. Technische GerĂ€te und andere Waren, die auch gegen Devisen exportiert werden konnten, waren dagegen (an der Kaufkraft der Bevölkerung gemessen) oft sehr teuer. Die Kaltmiete fĂŒr eine Wohnung betrug je nach Ausstattung etwa 30 bis 120 Mark im Monat, ein Farbfernseher kostete in den 1980er-Jahren zwischen 3.500 und 6.900 Mark, ein Brötchen fĂŒnf Pfennige, ein typisches Auto Trabant 10.000 Mark fĂŒr den Neuwagen mit Wartezeit und 30.000 Mark ohne Wartezeit. 1988 besaßen bereits 55 Prozent aller Haushalte mindestens ein eigenes Auto, wĂ€hrend es 1969 erst 14 Prozent und 1980 38 Prozent gewesen waren. Im Vergleich dazu besaßen im Jahr 1988 61 Prozent der Haushalte in Westdeutschland ein oder mehrere Autos.

Der Bau von EinfamilienhĂ€usern wurde zunĂ€chst wegen Materialknappheit in nur engen Grenzen ermöglicht (es gab zum Beispiel Vorschriften zur verbauten Menge an Steinen und vorgeschriebene Haustypen in AbhĂ€ngigkeit von der FamiliengrĂ¶ĂŸe), erlebte aber durch den nicht ausreichenden staatlichen Wohnungsbau vor allem in den 1980er-Jahren einen gewissen Aufschwung. Beliebt waren SchrebergĂ€rten und Datschen.

Die Wohnviertel waren weniger nach Einkommensgruppen homogenisiert als heute in vielen westlichen LĂ€ndern. Angehörige verschiedener sozialer Schichten wohnten oft dicht zusammen. Allerdings wurden die Parteinomenklatura und die Mitarbeiter vieler „Staatsorgane“ in bestimmten Wohngebieten durch staatliche Wohnungszuteilungen konzentriert. Das Einkommen einer VerkĂ€uferin (mit etwa 600–800 Mark), eines Ingenieurs (etwa 500–1.200 Mark) und eines Bauarbeiters (etwa 900–1.800 Mark) unterschied sich in der Höhe und damit auch im Sparpotenzial (Residualeinkommen), die Einkommensschere klaffte aber nicht so stark auseinander wie in den westlichen IndustrielĂ€ndern. Gefragte Handwerker verdienten nicht selten mindestens so gut wie leitende Ärzte. Man konnte diese Unterschiede im tĂ€glichen Leben an StatusgegenstĂ€nden kaum ausmachen, da diese wegen dauernden Mangels kaum erhĂ€ltlich waren. Sie spielten daher eine weniger beachtete Rolle (Ausnahmen waren beispielsweise Ärzte, die z. B. aufgrund von Bereitschaftsdiensten bevorzugt TelefonanschlĂŒsse erhielten). Trotzdem gelang es vielen, die es sich leisten konnten, sich durch hĂ€ufige Reisen innerhalb des Ostblocks sowie nach Kuba und teilweise durch westliche Konsumwaren aus der breiten Masse hervorzuheben.

Berufsgruppen mit erwartungsgemĂ€ĂŸ geringem Zulauf von Auszubildenden wurden besonders gefördert, die Lehrstellen- und Studienplatzvergabe wurde anhand des errechneten Bedarfs zentral geplant und ĂŒber die Schulen als Lenkorgan realisiert. Die gesetzlich festgeschriebene Bildungsfreiheit war durch diese Voraussetzungen teilweise nur mit grĂ¶ĂŸeren Hindernissen fĂŒr den Auszubildenden zu realisieren.

Die Versorgung mit knappen GĂŒtern wie TelefonanschlĂŒssen oder Baumaterial hing vielfach von Beziehungen oder Zufall ab, nicht selten spielte auch die jeweilige politische Einstellung eine Rolle.

Gescheiterte Wirtschaftsreformen

Honecker leitete zu Beginn seiner Amtszeit vor allem soziale Reformen ein, die so genannte Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, die auf dem VIII. Parteitag der SED 1971 beschlossen wurde. Er ließ etwas mehr politischen und kulturellen Freiraum, womit auch die Verhandlungen um eine internationale Anerkennung der DDR befördert werden sollten, und versuchte den staatlichen Betrieben mehr FreirĂ€ume zu lassen. Honecker galt daher anfangs als HoffnungstrĂ€ger. Zugleich ließ er aber in zwei Wellen in den 1970er-Jahren bis auf Kleinhandwerker alle Betriebe verstaatlichen, indem sie gezwungen wurden, eine staatliche Mehrheitsbeteiligung zu akzeptieren.

Die erste Ölkrise in den 1970er-Jahren traf die DDR-Wirtschaft mit deutlicher Verzögerung. Anfangs profitierte die DDR sogar von der verzögerten Anpassung der Ölpreiserhöhungen im RGW-Handel, da sie ĂŒber die Veredlung sowjetischen Erdöls mehr Devisen im Westen erwirtschaften konnte. In diese Zeit fĂ€llt auch die stĂ€rkste Wirtschaftsleistung der DDR und wichtige außenpolitische Erfolge und Anerkennung. Honeckers Sozialpolitik ließ die Sozialausgaben ab 1972 stĂ€rker steigen als das Nationaleinkommen (vergleichbar dem Bruttosozialprodukt). DemgegenĂŒber kĂŒrzte die Sowjetunion aber wegen eigener wirtschaftlicher Probleme 1981/82 die Liefermengen erheblich und ließ die Ölpreise im RGW wĂ€hrend des Ölpreissturzes 1985 weitgehend unverĂ€ndert (Regelung im RGW: Durchschnittspreis der jeweils letzten fĂŒnf Jahre). Die DDR war wieder zunehmend auf die heimische Braunkohle angewiesen, Energie-, Umwelt- und Devisenproblem machten ihr zunehmend zu schaffen. Neben den bekannten Devisenbeschaffungsmaßnahmen wie den Intershops und dem sog. Zwangsumtausch wurden auch geheim gehaltene DevisengeschĂ€fte durch den Bereich Kommerzielle Koordinierung verstĂ€rkt. Auch wurde versucht durch RĂŒstungsexporte, neben dem Hauptabnehmer Sowjetunion auch in Afrika und dem Mittleren Osten weitere Devisen zu erwirtschaften und (weitgehend vergeblich) außerhalb des RGWs Wirtschaftsvereinbarungen ĂŒber Energierohstoffe zu erzielen. Bereits Anfang der 1980er-Jahre war im Westen von der notwendigen Stabilisierung der DDR die Rede, Bayerns MinisterprĂ€sident Franz Josef Strauß initiierte einen Kredit ĂŒber eine Milliarde DM ĂŒber die Bayerische Landesbank.

Mit dem insbesondere militĂ€risch orientierten Mikroelektronikprogramm ab 1977 zum Aufbau einer eigenen Mikroelektronikindustrie bis 1990 wurden etwa 15 Milliarden DDR-Mark investiert – die Sowjetunion nahm aber die RĂŒstungsprodukte ab Mitte der 1980er-Jahre nicht mehr ab und die zwangsweise Umstellung auf rein zivile Produktion fĂŒhrte wegen der boykottbedingten mangelnden VerfĂŒgbarkeit westlicher Basistechnologien zu absurden Kostenstrukturen. Im Vergleich zur Bundesrepublik war die industrielle Infrastruktur verschlissen, die ArbeitsproduktivitĂ€t gering und die Produktionsmethoden ineffizient. Die WĂ€hrungsunion kurz vor der Wiedervereinigung basierte, entgegen den RatschlĂ€gen von Fachleuten wie Karl Otto Pöhl und Alfred Herrhausen, auf einem Umtauschkurs von 1:1. Sie setzte die geschwĂ€chte DDR-Wirtschaft in direkte Konkurrenz zur Bundesrepublik, brachte die Exporte in den RGW 1990 fast zum Erliegen und trug in der Folgezeit zum Verlust vieler tausender ArbeitsplĂ€tze bei.

Das geheime „SchĂŒrer-Papier, Analyse der ökonomischen Lage der DDR“ vom 27. Oktober 1989, das zur Rettung der DDR-Wirtschaft beitragen sollte, zog die folgende Schlussfolgerung ĂŒber einen funktionierenden Sozialismus:

„Insgesamt geht es um die Entwicklung einer an den Marktbedingungen orientierten sozialistischen Planwirtschaft bei optimaler Ausgestaltung des demokratischen Zentralismus, wo jede Frage dort entschieden wird, wo die dafĂŒr nötige, grĂ¶ĂŸere Kompetenz vorhanden ist.“

In dem Gutachten wurde ausgehend von der aktuellen Staatsverschuldung, sowohl in Mark der DDR wie auch in Devisen (49 Milliarden Deutsche Mark), sowie der voraussichtlichen Entwicklung der Rohstoff- und Weltmarktsituation eine kritische Entwicklung der Staatsfinanzen in absehbarer Zeit prognostiziert. Die in dem Papier zur Vermeidung bzw. AbschwĂ€chung dieser Situation gemachten VorschlĂ€ge kamen aber nicht mehr zur AusfĂŒhrung. Da jedoch die geheimen AußenstĂ€nde und Devisenreserven, die unter anderem vom Bereich Kommerzielle Koordinierung angelegt wurden, unwissentlich nicht mitberĂŒcksichtigt wurden, betrug die Auslandsverschuldung jedoch nur 20 Milliarden D-Mark.[43] Die tatsĂ€chliche Auslandsverschuldung war der WirtschaftsfĂŒhrung aufgrund der DDR-internen Informationsverschleierung nicht bekannt.

Arbeits- und Sozialrecht

Typisch fĂŒr sozialistische Gesellschaften war die Regelung eines einheitlichen Arbeitsrechts. Es basierte – nicht auf der Vertragsfreiheit vergleichbar nach dem BGB – sondern auf Rechten und Pflichten des Individuums gegenĂŒber der Gesellschaft; siehe Arbeitsrecht in der DDR

Die Sozialversicherung, einschließlich der Kranken- und Rentenversicherung, oblag fĂŒr Arbeiter und Angestellte als einheitliche Pflichtversicherung der Sozialversicherung des FDGB sowie fĂŒr selbststĂ€ndige Unternehmer der Staatlichen Versicherung der DDR.

Außenhandel

Die DDR war als hochindustrialisiertes Land auf den Import diverser Waren, NahrungsgĂŒter und Rohstoffe angewiesen. EinkĂ€ufe auf dem Weltmarkt musste sie mangels einer konvertierbaren WĂ€hrung ĂŒber TauschgeschĂ€fte oder selbst erwirtschaftete Devisen erwirtschaften und erzielte dabei zunehmende Außenhandelsvolumina (Angaben in Milliarden Valutamark, effektive Preise; S. 32):[8]

Jahr Außenhandels-
umsatz
gesamt
davon in
sozialistische
LĂ€nder
davon in
Entwicklungs-
lÀnder
davon in
kapitalistische
IndustrielÀnder
1950 3,678 2,660 0,014 1,004
1960 18,487 13,799 0,791 3,897
1970 39,597 28,340 1,601 5,346
1980 120,101 79,810 7,331 32,960
1988 177,337 122,549 5,889 48,898

Allerdings waren Devisenknappheit und Schwierigkeiten in der Rohstoffbeschaffung zum Ende der DDR ein immer drĂ€ngenderes Problem, gegen das auch unkonventionelle Devisenbeschaffungsmaßnahmen nicht aushalfen.

Die wichtigsten Außenhandelspartner waren noch vor den kommunistischen NachbarlĂ€ndern die Sowjetunion und die Bundesrepublik. Die vergleichsweise kleine DDR war mit einem Anteil von 11 Prozent am Außenhandel der Sowjetunion deren grĂ¶ĂŸter Handelspartner. Umgekehrt betrug der sowjetische Anteil am DDR-Außenhandel 40 Prozent. Der Warenaustausch mit der Sowjetunion wuchs von 1,5 Milliarden Valutamark (1950) ĂŒber 7,9 Milliarden Valutamark (1960) und erreichte einen Wert von 71 Milliarden Valutamark im Jahre 1987. Fielen in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg noch Reparationsleistungen darunter, entwickelte sich unabhĂ€ngig davon ein reger Warenaustausch. Der war bedingt durch die industrielle LeistungsfĂ€higkeit wie auch den Rohstoffbedarf der DDR. Diese war z. B. von Steinkohlelieferungen aus dem Ruhrgebiet und dem frĂŒheren Oberschlesien abgeschnitten worden und musste dies technisch substituieren. Sie war im RGW – neben der heimischen Braunkohle – vor allem auf Erdöl aus der UdSSR als Basis ihrer Energiewirtschaft und chemischen Industrie angewiesen. Die Sowjetunion ihrerseits hatte einen bedeutenden Bedarf an Industrie- Konsum- und (auch militĂ€rischen) ElektronikgĂŒtern.

Mit dem Beitritt der DDR in den Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW/COMECON) im Herbst 1950 wurde versucht, die Volkswirtschaften der MitgliedslĂ€nder arbeitsteilig zu koordinieren und mit einer internationale Spezialisierung und Kooperation Mangelerscheinungen zu beseitigen. Die DDR-Wirtschaft hatte unter anderem die Aufgabe, den Industrialisierungsbedarf der Sowjetunion zu decken. Dies betraf die Infrastruktur, landwirtschaftliche Maschinen und TransportausrĂŒstungen, Schiffe, Reisezugwagen, Werkzeugmaschinen und Krane. DarĂŒber hinaus lieferte die DDR ĂŒber die dafĂŒr gegrĂŒndete Wismut AG Uranpechblende in die UdSSR, welche fĂŒr die Atomwaffenproduktion eingesetzt wurde. Der 1983 gefasste Entschluss, im Rahmen der sogenannten Mikroelektronikinitiative, die MilitĂ€rindustrie und RĂŒstungsexporte erheblich zu erweitern, kam aufgrund der Politik Michail Gorbatschows nicht mehr zum Tragen.

15 Prozent des DDR-Außenhandelsvolumens wurden zollfrei im sogenannten Interzonenhandel mit der Bundesrepublik abgewickelt und getauscht. Die DDR ermöglichte damit Technologietransfer aus dem Westen in die Sowjetunion und konnte indirekt auch auf den westeuropĂ€ischen Markt zugreifen. In den 1970er-Jahren profitierte die DDR erheblich vom Zwischenhandel mit sowjetischem Rohöl und davon abgeleitenen Chemierohstoffen und Treibstoff mit dem Westen. Wegen der ĂŒber Jahre gemittelten Verrechnungspreise im RGW und erst nachtrĂ€glich schrittweisen Reduktionen der Liefermengen durch die Sowjetunion wurde die Ölkrise in der DDR erst Anfang der 1980er-Jahre voll wirksam. Ein weiteres wichtiges Importgut, welches auch zu erheblichen innenpolitischen Krisen fĂŒhrte, war Kaffee.

Die Einstellung der sowjetischen Kaffeelieferungen 1954 fĂŒhrte zu einer der ersten DDR-Versorgungskrisen und intensivierte die AußenhandelsbemĂŒhungen. Kaffee wuchs bis in die 1970er-Jahre zu einem der wichtigsten Posten im Haushaltsbudget der DDR-Haushalte heran[44], wobei Westimporte etwa 20 Prozent des Bedarfs deckten. WĂ€hrend eines durch eine Missernte ausgelösten Preisanstieg 1977 empfahl Alexander Schalck-Golodkowski bereits, die DDR-Kaffeeversorgung auszusetzen, was ZK-Mitglied Werner Lamberz mit TauschgeschĂ€ften von RĂŒstungsgĂŒtern gegen Rohkaffee[45], etwa mit Äthiopiens Diktator Mengistu abzuwenden versuchte. Die dennoch notwendigen drastischen Preiserhöhungen und der Versuch, ersatzkaffeehaltige Kaffeemischungen[46] einzufĂŒhren, fĂŒhrten zu breiten und ungewohnt heftigen Protesten der Bevölkerung und einem erheblichen Gesichtsverlust der politischen FĂŒhrung.

Technik und Wissenschaft

→ Hauptartikel: Wissenschaft und Technik in der DDR

Als Industrieland versuchte die DDR sich auf vielen industriellen und technischen Gebieten vom Westen unabhĂ€ngig zu machen und ihre technischen Aufgaben im Rahmen des RGW und der „sozialistischen Integration“ zu erfĂŒllen. Eine wesentliche Rolle sollten dabei Wissenschaftler und Techniker der DDR spielen. Auf einigen Gebieten waren erhebliche Erfolge zu verzeichnen. Die Forschung und Wissenschaft in der DDR war erheblich anwendungsorientiert und praxisbezogen.

Bekannte Wissenschaftler und Techniker der DDR

Weitere Personen bei Liste der Wissenschaftler, Techniker, Erfinder und Forscher der DDR

Kultur, Bildung, Sport

Kultur

→ Hauptartikel: Kultur in der DDR

Der Kultur wurde große Aufmerksamkeit gewidmet. Es war erklĂ€rtes Ziel, als sozialistische Kultur zur ideologischen Erziehung und Gestaltung eines sozialistischen Weltbildes beizutragen. Entsprechend streng war die Zensur.

Gab es 1957 allein 86 Theater, 40 Sinfonieorchester, 11.092 Bibliotheken, 284 Heimat- Kunst- und Naturkundemuseen, 803 KulturhĂ€user, 451 KlubhĂ€user, 6 hauptberufliche Volkskunstensembles und 3078 Kinos, so zĂ€hlte man 1988 18.505 staatliche, Gewerkschafts- und wissenschaftliche Bibliotheken, 1.838 Kultur- und KlubhĂ€user, 962 Jugendklubs, 111 Musikschulen, 213 Theater, 88 Orchester, 808 Kinos, 10 Kabaretts, 741 Museen und 117 zoologische oder HeimattiergĂ€rten (S. 318–328).[8]

Die Auftragskunst der DDR und fast sĂ€mtliche im Staatsbesitz befindlichen Kunstwerke der DDR wurden kurz vor der Wiedervereinigung vom letzten Kulturminister der DDR Herbert Schirmer aus allen StĂ€dten, Volkseigenen Betrieben, Schulen, KulturhĂ€usern, PionierhĂ€usern, Klubs etc. eingezogen und in die Burg Beeskow gebracht. Es waren 23.000 Werke, bestehend aus 1500 GemĂ€lden, 12.000 Graphiken, 2000 Zeichnungen, aus Fotos, Plakaten, Plastiken, und Gastgeschenken an staatliche Stellen und Betriebe. Seitdem wurden diese Werke vom Kunstarchiv Beeskow verwaltet, das damit regelmĂ€ĂŸig Ausstellungen zusammenstellt.

Jugendkulturen

→ Hauptartikel: Jugendkultur in der DDR

Das Bildungssystem und die intensive Begabtenauswahl im Sport stellte hohe Erwartungen an das systemkonforme Verhalten von Jugendlichen. Die an der bĂŒndischen Jugendbewegung und den politischen Jugendorganisationen Anfangs des Jahrhunderts orientierte Freie Deutsche Jugend (FDJ) knĂŒpfte an Jugenderfahrungen der DDR-FĂŒhrungsschicht an. Neben dieser offiziösen Jugendkultur existierten stets auch verschiedene Subkulturen[47] und umfangreiche Wechselwirkungen.

FĂŒr die DDR-Jugendkultur prĂ€gend waren unter anderem Filme wie Die Legende von Paul und Paula und Heißer Sommer Ende der 1960er-Jahre. 1964 wurde das DDR-Jugendradio DT64 gegrĂŒndet, das auch im Westen AnhĂ€nger fand. Nach diesem Aufleben einer DDR-eigenen Beatbewegung mit Gruppen wie den Sputniks, den Butlers und des Diana Show Quartetts sah die DDR-FĂŒhrung diese Bewegung ab 1965 kritischer. Es kam zu strengen Kontrollen, Auflagen und Verboten, die zur Leipziger Beatdemo fĂŒhrten. Bekannt wurde Walter Ulbrichts Aussage Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, nu kopieren mĂŒssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Je-Je-Je, und wie das alles heißt, ja, sollte man doch Schluss machen.

Anfang der 1970er-Jahre wurde Ulrich Plenzdorfs Die neuen Leiden des jungen W. zu einem Dokument einer DDR-spezifischen Außenseiterkultur. Im Rahmen von Veranstaltungen in der Bundesrepublik wie dem Festival der Jugend ergab sich eine intensive Wechselwirkung mit dem Westen, so durch Bands wie die Puhdys, Karat und Pankow, die Singebewegung und die DDR-spezifische Liedermacherkultur. Ein wesentlicher Bruch war die AusbĂŒrgerung Wolf Biermanns 1976.

Nonkonformistische Jugendliche engagierten sich zunehmend innerhalb der kirchlichen Jugendarbeit, einschließlich den Punks in der DDR. Seit etwa 1985 entstand die Grufti-Bewegung.[48] Mitte der 1980er-Jahre gab es in allen ostdeutschen GroßstĂ€dten Skinhead-Gruppen. Rechtsextreme Jugendliche sammelten sich unter anderem im Umfeld einiger Fussballclubs.[49] 1987 fĂŒhrte ein Überfall ostdeutscher Skinheads auf ein Konzert der Westberliner Band Element of Crime in der Zionskirche in Berlin zu internationalem Aufsehen.

Bildungswesen

Struktur des Schulsystems der DDR

→ Hauptartikel: Schulsystem der DDR

1957 gab es in der DDR 10.471 allgemeinbildende Schulen (darunter 1150 Mittelschulen und 373 Oberschulen, d. h. EOS. Durch Zentralisierung und Erhöhung der Klassenzahlen wurde die Anzahl der allgemeinbildenden Schulen (POS, EOS, Sonderschulen) bis 1988 auf 5.907 gesenkt (S. 304).[8]

In der Berufsausbildung vollzog sich eine Ă€hnliche Entwicklung. Waren es 1950 noch 1.583 Berufsschulen, zĂ€hlte man 1988 noch 955 (S. 306).[8] Es war garantiert, dass jeder SchulabgĂ€nger eine Lehre annahm oder zum Studium an eine Hoch- oder Fachschule beziehungsweise an eine UniversitĂ€t ging. 1957 gab es 307 Fachschulen, 46 Hochschulen (darunter sechs UniversitĂ€ten) und fĂŒnf Akademien. Im Jahr 1988 zĂ€hlte man noch 237 Fachschulen und 53 Hochschulen und UniversitĂ€ten (S. 312 f.).[8]

Das Bildungssystem der DDR war im Wesentlichen als ein einheitliches Gemeinschaftsschulsystem konzipiert, mit anschließenden tertiĂ€ren Bildungseinrichtungen. Aufbauend auf der Vorschulerziehung im Kindergarten und der ab den 1950er-Jahren fĂŒr alle Kinder verbindlichen zehnklassigen polytechnischen Oberschule (POS)[50] folgten

  • eine zwei- bis dreijĂ€hrige Berufsausbildung (Abschluss Facharbeiter)
  • eine dreijĂ€hrige Berufsausbildung (Facharbeiterbrief mit Abitur) oder
  • eine Abiturausbildung auf der Erweiterten Oberschule (EOS). Diese begann bereits nach der 8. Klasse der POS und fĂŒhrte in vier Jahren zum Abitur. Erst ab Beginn der 1980er-Jahre schlossen sich zwei Jahre EOS an die Beendigung der zehnjĂ€hrigen POS an.

Wesentliche Merkmale des Schulsystems der DDR waren

  • einheitliche Bildungsinhalte fĂŒr alle Kinder bis Klasse 8 (spĂ€ter 10) und Beginn der Ă€ußeren Differenzierung nach Klasse 10; diese Einheitlichkeit war die Grundlage der AbschlussprĂŒfungen der 10. Klasse und des Abiturs;
  • die gezielte Vorbereitung auf die spĂ€tere Arbeitswelt durch polytechnische Ausbildung und eine Schwerpunktsetzung auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen FĂ€cher, wĂ€hrend die geisteswissenschaftlichen FĂ€cher stark ideologisch ausgerichtet waren;
  • das BemĂŒhen um eine Einheit von Bildung und Erziehung mit dem Ziel der vollstĂ€ndigen Integration der Absolventen in die sozialistische Gesellschaft (und geringer Toleranz fĂŒr Andersdenkende).

Trotz einer Ausbildungs- und Arbeitsplatzgarantie und einem sehr hohen Anpassungsdruck auf nicht der Norm entsprechende Jugendliche gab es eine signifikante Anzahl von Ungelernten[51] und Obdachlosen in der DDR. Der Anteil der SchulabgÀnger mit Hochschulreife war in der DDR deutlich geringer als im Westen[52].

Wehrerziehung

Ab 1978 mussten MĂ€dchen und Jungen der 9. und 10. Klasse am Wehrunterricht teilnehmen, eine Freistellung war nicht möglich, FDJ-Mitglieder mussten in Blauhemden erscheinen. Hier wurde in einem theoretischen Teil militĂ€risches und politisches Grundlagenwissen ĂŒber die NVA und die „sozialistische Landesverteidigung“ vermittelt. Wesentlicher Teil des praktischen Wehrunterrichts war ein Wehrlager fĂŒr die Jungen oder ein Lehrgang fĂŒr Zivilverteidigung fĂŒr MĂ€dchen sowie fĂŒr Jungen, die nicht am Wehrlager teilnahmen.

Die vormilitĂ€rische Ausbildung setzte sich fĂŒr alle Jugendlichen in der Berufsausbildung und an den EOS sowie im Studium fort. Die Gesellschaft fĂŒr Sport und Technik (GST) trainierte nicht nur Jugendliche auf freiwilliger Basis in militĂ€rischen Sportarten, sondern war auch fĂŒr einen Großteil der vormilitĂ€rischen Ausbildung fĂŒr alle Jugendlichen verantwortlich.

Sport

→ Hauptartikel: Sport in der DDR

Der Sport nahm eine besondere Rolle im System der DDR ein. In KindergĂ€rten und Schulen gab es sportliche Ausbildungsprogramme. Das diente einerseits der Volksgesundheit, aber bereits hier wurde auch eine systematische Talenteschau durchgefĂŒhrt mit dem Ziel, Hochleistungssportler zu gewinnen. Die Ausbildung erfolgte in besonderen Sportschulen und spĂ€ter in Leistungszentren. Der Sportmedizinische Dienst der DDR war ein speziell eingerichtetes medizinisches Netzwerk.

Gefördert wurde zum einen der Breitensport. Walter Ulbricht prĂ€gte den Satz: „Jedermann an jedem Ort, einmal in der Woche Sport“, bei dem spĂ€ter das „einmal“ durch „mehrmals“ ersetzt wurde. Im Jahr 1988 gab es z. B. 10.674 Sportgemeinschaften mit fast 3,8 Millionen Aktiven, 159.006 Schieds- und Kampfrichtern und 264.689 Übungsleitern. Es gab 330 Sportstadien und 1.220 SportplĂ€tze. An den Kreis- und Bezirksspartakiaden nahmen 1988 insgesamt 1.064.000 Kinder und Jugendliche teil (S. 330 f.).[8]

Die DDR-FĂŒhrung vermochte zum anderen, mit den Erfolgen im Leistungssport die Anerkennung ihres Staates in den Augen der eigenen Bevölkerung und international zu verbessern. Allein bei Olympischen Spielen errangen die DDR-Sportler 1968 in Mexiko 25 Medaillen, 1972 in MĂŒnchen schon 66 und 1988 in Seoul 102 Medaillen. Von 1986 bis 1988 brachten sie 90 Weltmeister und 77 Europameister hervor (S. 332 f.).[8] Daher setzte die DDR-FĂŒhrung auch gezielt Doping ein, um die Ergebnisse zu steigern.

Feiertage

Siehe: Feiertage in der DDR

Gesellschaftliche Organisationen

Die ĂŒberwiegende Mehrheit der DDR-BĂŒrger im schulpflichtigen oder erwerbstĂ€tigen Alter war in einer oder mehreren dieser Organisationen Mitglied:

Siehe auch

Portal
 Portal: DDR – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema DDR

Literatur

  • Karl-Heinz Rother: Parteiverfahren fĂŒr Marx. Hier irrten Kurt Hager und andere. Dietz, Berlin 1990, ISBN 3-320-01590-7.
  • Gernot Schneider: Wirtschaftswunder DDR, Anspruch und RealitĂ€t, 2. Aufl. 1990, bund-Verlag, ISBN 3-7663-2190-0.
  • Klaus Schroeder/Steffen Alisch: Der SED-Staat. Geschichte und Strukturen der DDR 1949-1990, Hanser, MĂŒnchen 1998, ISBN 3446193111
  • Georg FĂŒlberth: Berlin – Bonn – Berlin. Deutsche Geschichte seit 1945. Papyrossa, Köln 1999, ISBN 3-89438-168-X.
  • Stefan Wolle: Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971–1989. MĂŒnchen 1999, ISBN 3-612-26650-0.
  • Siegfried Wenzel: Was war die DDR wert? Und wo ist dieser Wert geblieben? Das Neue Berlin, Berlin 2000, ISBN 3-360-00940-1
  • Olaf Klenke: Ist die DDR an der Globalisierung gescheitert? Autarke Wirtschaftspolitik versus internationale Weltwirtschaft. Das Beispiel Mikroelektronik. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2001, ISBN 3-631-38204-9
  • Beate Ihme-Tuchel: Die DDR, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002 ISBN 3534147332
  • Hermann Weber: Geschichte der DDR. area Verlag, Erftstadt 2004, ISBN 3-89996-026-2 (2. Aufl. zuerst 2000)
  • Stefan Wolle: DDR. Fischer, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-16122-3.
  • AndrĂ© Steiner: Von Plan zu Plan. Eine Wirtschaftsgeschichte der DDR. DVA, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-421-05590-4
  • Hermann Weber: Die DDR 1949-1990 Oldenbourg, 4. Aufl., MĂŒnchen 2006 ISBN 3486579282
  • Ulrich MĂ€hlert: Kleine Geschichte der DDR. C. H. Beck, 5. Aufl., MĂŒnchen 2007, ISBN 3-406-47550-7.
  • Christian HĂ€rtel, Petra Kabus (Herausgeber): Das Westpaket – Geschenksendung, keine Handelsware. 2. Auflage, Christoph Links Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-86153-221-2.
  • Inga Markovits: Gerechtigkeit in LĂŒritz – Eine ostdeutsche Rechtsgeschichte. Verlag C. H. Beck, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-406-55054-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Siehe dazu Deutsche Demokratische Republik#Geografie.
  2. ↑ Offiziell war der Staatsrat der DDR das kollektive Staatsoberhaupt. Protokollarisch wurde aber der Staatsratsvorsitzende als Staatsoberhaupt angesehen. 1949 bis 1960 war Wilhelm Pieck als PrĂ€sident der DDR Staatsoberhaupt, nach der Auflösung des Staatsrats 1990 war Sabine Bergmann-Pohl als PrĂ€sidentin der Volkskammer das letzte Staatsoberhaupt der DDR.
  3. ↑ Als MinisterprĂ€sidenten der DDR wurden Otto Grotewohl von 1949 bis 1964 sowie Lothar de MaiziĂšre 1990 bezeichnet.
  4. ↑ vgl. dazu Lerche, in: Isensee/Kirchhof, Handbuch des Staatsrechts, Bd. VIII, § 194 Rdnrn. 45, 47; vgl. auch Klein, a.a.O., § 198, S. 560 f.
  5. ↑ Wolfgang SchĂ€uble, Der Einigungsvertrag – Vollendung der Einheit Deutschlands in Freiheit, in: ZG 1990, S. 289 (294).
  6. ↑ Zum revolutionĂ€ren Charakter des Geschehens in der Schlussphase der DDR: Hans Hugo Klein, VerfassungskontinuitĂ€t im revolutionĂ€ren Umbruch? Die Verfassung der DDR zwischen dem 7. Oktober 1989 und dem 3. Oktober 1990, in: Peter Badura und Rupert Scholz (Hrsg.), Wege und Verfahren des Verfassungslebens, Festschrift fĂŒr Peter Lerche zum 65. Geburtstag, C.H. Beck, MĂŒnchen 1993, S. 459–474
  7. ↑ Klaus Stern, Der Staatsvertrag im völkerrechtlichen und verfassungsrechtlichen Kontext, in: ders./Bruno Schmidt-Bleibtreu (Hrsg.), VertrĂ€ge und Rechtsakte zur Deutschen Einheit, Bd. I: Staatsvertrag zur WĂ€hrungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, 1990, S. 3
  8. ↑ a b c d e f g h i j Statistisches Jahrbuch der DDR, Staatsverlag der DDR Juni 1989, 1. Auflage, ISBN 3-329-00457-6
  9. ↑ Alexander Fischer (Hrsg.): Ploetz. Die Deutsche Demokratische Republik. Daten, Fakten, Analysen, KOMET Verlag, Köln 2004, S. 265 (nach Statistischen JahrbĂŒchern der DDR)
  10. ↑ http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/Klass_Phil/Gruber-Dateien/Statistik2005.htm – Abschnitt „14. Neue BundeslĂ€nder“
  11. ↑ Klaus Schroeder: Der SED-Staat. Geschichte und Strukturen der DDR, MĂŒnchen 1998, S. 474. Dass Angela Merkel in der DDR eine Karriere machen konnte, lag an ihrer nicht zu leugnenden Hochbegabung und vermutlich an ihrer FDJ-Mitgliedschaft, die als eine Entscheidung fĂŒr den Staat angesehen wurde. Es gab aber bis zum Ende der DDR FĂ€lle, in denen der Übergang zur EOS wegen einer fehlenden Jugendweihe nicht ermöglicht worden ist.
  12. ↑ Manfred Rexin, Die SPD in Ost-Berlin von 1946 bis 1961, Franz-Neumann-Archiv e. V. Berlin, Heft 5, Berlin 1989, S. 24
  13. ↑ Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 5: Von der GrĂŒndung der beiden deutschen Staaten bis zur Vereinigung 1949–1990, C.H. Beck Verlag, MĂŒnchen 2008, S. 91–95
  14. ↑ Peter Przybilski: Tatort PolitbĂŒro. Die Akte Honecker, Berlin 1991, S. 101–115.
  15. ↑ H.J. Hertle/K. Jarausch: Risse im Bruderbund. Die GesprĂ€che Honecker – Breshnew 1974 bis 1982, Links, Berlin 2006
  16. ↑ Parteien und politische Bewegungen im letzten Jahr der DDR, Oktober 1989 bis April 1990. Hrsg. B. Musiolek/C. Wuttke. Berlin 1991. ISBN 3-86163-004-4
  17. ↑ a b Erhard Eppler Kavalleriepferde beim Hornsignal. Über Sprache und Politik, 1992, ISBN 3-518-11788-2
  18. ↑ Presse in der DDR, in: „Damals in der DDR“, mdr.de
  19. ↑ a b c d Wissenschaft und Politik in der DDR, in: JĂŒrgen Kocka u. Renate Mayntz (Hg.), Wissenschaft und. Wiedervereinigung. Disziplinen im Umbruch, Berlin 1998
  20. ↑ Martin Sabrow (Hrsg.): Skandal und Diktatur. Formen öffentlicher Empörung im NS-Staat und in der DDR, Wallstein Verlag, Göttingen 2004
  21. ↑ Frank Bösch: Politische Skandale in Deutschland und Großbritannien, Juni 2006, Das Parlament
  22. ↑ Adolf Dresen: Der Fall Faust (1968) – Der letzte öffentliche Theater-Skandal in der DDR. In: Freitag, 19. November 1999
  23. ↑ Detlef Pollack, Modernization and Modernization Blockages in GDR Society, in: Jarausch, Konrad, (Hrsg.): Dictatorship as Experience: Towards a Socio-Cultural History of the GDR. New York; Oxford 1999, S. 27–45.
  24. ↑ Siehe hierzu: Peter Hilger, Aufbruch in die Bedeutungslosigkeit? Zur Marginalisierung der Oppositionsgruppen in der DDR im Jahr der »Wende«, Hannover 1995, S. 65, der diesbezĂŒglich von einer „eigenstĂ€ndige[n] Öffentlichkeit fĂŒr die DDR“ spricht.
  25. ↑ Deutschlands Medien und ostdeutsche Öffentlichkeit Christoph Dieckmann Politik und Zeitgeschichte (APuZ 40/2005)
  26. ↑ Übersichtswerk: Ehrhardt Neubert: Geschichte der Opposition in der DDR 1949–1989, BpB, 2. Aufl., Bonn 1998, ISBN 3-893-31294-3
  27. ↑ MfS beim Deutschen Historischen Museum
  28. ↑ a b c "Germany (East)", Library of Congress Country Study, [1] Appendix B: The Council for Mutual Economic Assistance Studie zum RGW der Library of Congress
  29. ↑ William R. Smyser: How Germans Negotiate. Logical Goals, Practical Solutions. United States Institute of Peace Press, Washington D.C. 2003
  30. ↑ Gareth M. Winrow, The Foreign Policy of the GDR in Africa. In: Cambridge Russian, Soviet and Post-Soviet Studies, Cambridge University Press, 1990, ISBN 978-0-52138-038-6
  31. ↑ Joachim Nawrocki: Honeckers Volksarmisten in Afrika und Nahost. In: Die Zeit, 08/1980
  32. ↑ Ernst Hillebrand, Das Afrika-Engagement der DDR. In: MĂŒnchner Studien zur internationalen Entwicklung, Band 5, Frankfurt/M., Bern, New York 1987, ISBN 978-3-8204-0077-9.
  33. ↑ http://opus.kobv.de/tuberlin/volltexte/2008/1747/pdf/doering_hans_1.pdf] Hans-Joachim Döring Diss. Entwicklungspolitik und SolidaritĂ€t in der DDR, dargestellt an Beispielen der staatlichen Zusammenarbeit mit Mosambik und Äthiopien und der entwicklungsbezogenen Bildungsarbeit unabhĂ€ngiger Gruppen, TU Berlin 2007
  34. ↑ Afrika und das andere: AlteritĂ€t und Innovation Von Vereinigung von Afrikanisten in Deutschland Jahrestagung, Heike Schmidt, Albert Wirz Veröffentlicht von LIT Verlag Berlin-Hamburg-MĂŒnster, 1998 ISBN 382583395X, 9783825833954
  35. ↑ a b c d e f Hans-Joachim Döring: „Es geht um unsere Existenz“. Die Politik der DDR gegenĂŒber der Dritten Welt am Beispiel von Mosambik und Äthiopien (Forschungen zur DDR-Gesellschaft), Christoph Links Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-86153-185-2
  36. ↑ [2] IHK-LĂ€nderschwerpunkt Vietnam Stand 10/2003, demnach waren ĂŒber 100.000 Vietnamesen zu Arbeit, Ausbildung und Studium in der DDR, die ĂŒber 10.000 Akademiker machen bis in die Gegenwart einen bedeutenden Anteil der vietnamesischen Elite aus
  37. ↑ „Als die Verhandlungen in eine konkrete Phase traten, ernannte Erich Honecker das Mitglied seines PolitbĂŒros Werner Lamberz zum ‚Sonderbotschafter des ZK der SED‘ fĂŒr die GesprĂ€che mit Gaddafi. Am 12. Dezember 1977 traf sich Lamberz mit dem libyschen RevolutionsfĂŒhrer. ZunĂ€chst bat er Gaddafi um die Herstellung von Kontakten zu den Befreiungsbewegungen in Tschad, Oman und Dhofar und zur Polisario in der Westsahara. Auf Bitte Fidel Castros hatte sich die DDR nĂ€mlich bereit erklĂ€rt, den von Kuba unterstĂŒtzten Guerrillaorganisationen Waffen zu liefern. Außerdem, versicherte Lamberz, sei die SED-FĂŒhrung einverstanden, dem libyschen Volksstaat militĂ€rische Hilfe zu gewĂ€hren. Wir sind bereit, Offiziere und Unteroffiziere, Flugzeug- und Hubschrauberpiloten, Raketen und Artilleriespezialisten und AufklĂ€rer in der DDR oder Libyen auszubilden.‘ Umfangreiche Waffenlieferungen seien kein Problem. Die DDR lieferte bisher Waffen an Äthiopien, sie unterstĂŒtzte mit Waffen die Befreiungsbewegungen Simbabwes, PalĂ€stinas und Namibias.“ Jochen Staadt, Libysche Hilfe fĂŒr die DDR, FAZ vom 21. April 2008, S. 5
  38. ↑ Auch in den folgenden Jahrzehnten tat man sich mit der offiziellen Bezeichnung der DDR schwer, vor allem mit Hinblick auf den Widerspruch zwischen dem Wort demokratisch im Landesnamen und der politischen Wirklichkeit im Osten Deutschlands. Daher nutzten besonders konservative und rechte Kreise den Begriff der sogenannten „DDR“. In Publikationen des Verlags Axel Springer wurde die AbkĂŒrzung DDR bis Ende der achtziger Jahre in AnfĂŒhrungszeichen gesetzt.
  39. ↑ Buchrenzension auf der WSWS.org von Hendrik Paul 21. April 2001 zu Joachim Lapp, Ulbrichts Helfer, Bernard & Graefe Verlag, Bonn 2000, ISBN 3-7637-6209-4
  40. ↑ a b Neue ZĂŒrcher Zeitung vom 13.09.2008, Seite 9, NZZ-Online 13.9.08, Der Warschaupakt plante den nuklearen Überfall auf Westeuropa, von Hans RĂŒhle und Michael RĂŒhle. Bei den Autoren Hans und Michael RĂŒhle handelt es sich um den ehemaligen Chef des Planungsstabes im Bonner Verteidigungsministerium und den Leiter des Planungsstabes der politischen Abteilung der NATO in BrĂŒssel.
  41. ↑ MĂ€rkische Oderzeitung. Frankfurter Stadtbote 9. Januar 2008, S. 14
  42. ↑ Ordnung ĂŒber die Aufgaben und die Arbeitsweise der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin und ihrer Organe, Erlass des Staatsrates der DDR vom 7. September 1961 (GBl. SDr. 341, S. 3).
  43. ↑ AndrĂ© Steiner: Von Plan zu Plan. Eine Wirtschaftsgeschichte der DDR, S. 224 f.
  44. ↑ Stefan Wolle, Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971–1989, Econ&List, MĂŒnchen 1999, S. 328 ff.
  45. ↑ Ariane Mohl: Blaue gegen braune Bohnen. Die Stadt Luckenwalde will den DDR-Chefideologen Werner Lamberz mit einer Erinnerungsstele wĂŒrdigen. In: MĂ€rkische Allgemeine, 22. Mai 2007
  46. ↑ Kosta, Rondo, Kaffeemix – Honeckers Kaffeekrise, mdr.de, Sendung vom 16.01.2007
  47. ↑ boheme und diktatur in der ddr – gruppen, konflikte, quartiere, 1970 bis 1989. Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums in Berlin, 4. September 1997 bis 16. Dezember 1997 (online)
  48. ↑ Roman Rutkowski: Das Charisma des Grabes – Die Szene in der ehemaligen DDR, S. 59, 2004, ISBN 3-8334-1351-4
  49. ↑ Norbert Madloch: Rechtsextremismus in Deutschland nach dem Ende des Hitlerfaschismus, in: Klaus Kinner und Rolf Richter: Rechtsextremismus und Antifaschismus. Historische und aktuelle Dimension. Karl Dietz Verlag, Berlin 2000, S. 57–215, S. 73
  50. ↑ Schulgesetz der DDR von 1959
  51. ↑ Kai Maaz (2002), Ohne Ausbildungsabschluss in der BRD und DDR: Berufszugang und die erste Phase der Erwerbsbiographie von Ungelernten in den 1980er Jahren. SelbststĂ€ndige Nachwuchsgruppe Working Paper 3/2002. Berlin: Max-Planck-Institut fĂŒr Bildungsforschung (PDF)
  52. ↑ Kai Maaz (2002), Ohne Ausbildungsabschluss in der BRD und DDR: Berufszugang und die erste Phase der Erwerbsbiographie von Ungelernten in den 1980er Jahren. Abbildung Seite 9 (aus SOLGA 2002). SelbststĂ€ndige Nachwuchsgruppe Working Paper 3/2002. Berlin: Max-Planck-Institut fĂŒr Bildungsforschung (PDF)


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   Die deutsche Rechtschreibung

  • DDR — â–ș ABBREVIATION historical â–Ș German Democratic Republic. ORIGIN abbreviation of German Deutsche Demokratische Republik 
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