Daimler-Benz


Daimler-Benz
Daimler-Benz AG
Daimler-Benz Logo alt.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1926
Auflösung 1998
Auflösungsgrund Fusion mit Chrysler,
Nachfolgeunternehmen DaimlerChrysler
Sitz Stuttgart-Möhringen
Branche Automobil-, Luftfahrt- und Rüstungsindustrie

Die Daimler-Benz AG war ein Vorgängerunternehmen der heutigen Daimler AG. Daimler-Benz entstand 1926 durch die Fusion der Daimler-Motoren-Gesellschaft mit der Benz & Cie. Im Jahre 1998 fusionierten die Daimler-Benz AG und die amerikanische Chrysler Corporation zur neu gegründeten DaimlerChrysler AG, welche seit 2007, nach dem mehrheitlichen Verkauf von Chrysler, als Daimler AG firmiert.

Die Vorläufer der Daimler-Benz AG, die Daimler-Motoren-Gesellschaft sowie Benz und Cie., gelten als älteste Kraftfahrzeug-Unternehmen der Welt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1883–1944

DMG-Werk Untertürkheim 1911
Werkstatt von Carl Benz in Mannheim, in der er das Benzinauto erfand.
Unternehmenssitz der Daimler-Benz AG in Stuttgart-Untertürkheim bis 1990
Ab 1990 hatte die Konzernzentrale ihren Sitz in Stuttgart-Möhringen.

1883 ließ sich Gottlieb Daimler erstmals Patentrechte für einen „Gasmotor mit Glührohrzündung“ sowie für die „Regulierung der Geschwindigkeit des Motors durch Steuerung des Auslassventils“ sichern. Die beiden Patente waren die Grundlage für den weltweit ersten schnell laufenden Verbrennungsmotor. Am 29. Januar 1886 ließ sich Carl Friedrich Benz das „Automobil“, ein dreirädriges Fahrzeug mit Verbrennungsmotor und elektrischer Zündung, patentieren.

Im Juni 1919 erschien im Stuttgarter Daimler-Werk die erste deutsche Werks-Zeitung. Sie entstand nach dem Vorschlag vom Soziologen Eugen Rosenstock-Huessy. Mit seiner Denkschrift Über die geistige Sanierung des Daimlerwerks hatte er sich als Publizist angeboten. In 14 Monaten erschienen 19 Ausgaben bis sie am 25. August 1920 wegen eines Streiks kommunistischer Arbeitergruppen eingestellt wurde.[1]

In den 1920er Jahren kämpften fast alle Autobauer ums Überleben. Die Deutsche Bank regte einen Zusammenschluss von Benz und Daimler an, auch weil sie so Forderungen in Anteile an dem neuen Konzern tauschen konnte. Die aus den Arbeiten beider Automobilpioniere hervorgegangenen Unternehmen „Benz & Co Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim“ (ab 1899: Benz & Cie.) und „Daimler-Motoren-Gesellschaft“ fusionierten am 28. Juni 1926 zur Daimler-Benz AG mit Sitz in Berlin. Seit dieser Zeit stellt die Deutsche Bank stets den Vorsitzenden des Aufsichtsrats bei Daimler-Benz, ab 1998 dann auch bei DaimlerChrysler.

Wilhelm Friedle, bis 1935 Betriebsdirektor im Werk Sindelfingen, brachte die Fließbandfertigung zu Daimler-Benz.

Zwischen 1934 und 1939 schreibt Daimler-Benz mit den Silberpfeilen Motorsportgeschichte.

Vor und während des zweiten Weltkriegs war Daimler-Benz in die Rüstungsproduktion des NS-Regime eingebunden. Das Unternehmen entwickelte und produzierte Militärfahrzeuge, Panzer, Schiffs- und Flugmotoren. Daimler-Benz besaß damals als Produktionsstätten die drei Werke der früheren Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim, Sindelfingen und Berlin-Marienfelde, das in drei Teilwerke gegliedert war, sowie die ehemaligen Werke von Benz & Cie. in Mannheim und Gaggenau und ab 1938 das Werk Königsberg. 1936 wurden das Flugmotorenwerk Genshagen und 1941 die Flugmotorenwerke Ostmark gegründet. Um die Flugmotorenwerke mit Teilen zu versorgen, wurden 1940 in Colmar, 1941 in Reichshof und 1942 in Neupaka Zulieferwerke übernommen oder gegründet. In Backnang entstand ein Entwicklungswerk für Flugzeugtriebwerke. Die neuen Werke in Genshagen und Backnang gehörten Daimler-Benz. Bei den übrigen Werken außerhalb Deutschlands trat der Konzern als Pächter oder Minderheitsgesellschafter auf.

1932 war das Unternehmen nach der Adam Opel AG und der Auto Union AG drittgrößter Automobilproduzent in Deutschland. Es beschäftigte Ende 1932 nur noch 8.850 Mitarbeiter, 1928 waren es noch 14.281. Bis 1943 wuchs die Belegschaft auf 67.905 Personen, davon waren zirka 6 % Kriegsgefangene und 40 % angeworbene oder zwangsverschleppte Ausländer. Auch KZ-Häftlinge, beispielsweise 1060 Personen im Werk Mannheim oder 500 im Werk Reichshof, arbeiteten während des Zweiten Weltkrieges für Daimler-Benz. In den Betrieben waren verstärkt auch Frauen tätig, da die Männer an der Front standen. Der Konzernumsatz wuchs von 65 Millionen Reichsmark im Jahr 1932 auf 942 Millionen Reichsmark im Jahr 1943. Über ein Drittel des Umsatzes wurde 1943 mit Flugmotoren erwirtschaftet. 1941 machten 76 % des Umsatzes der Aktiengesellschaft, d.h. ohne die Beteiligungsgesellschaften, Wehrmachtsaufträge aus, der Rest der Aufträge war von Behörden, Parteiorganisationen, der Kriegswirtschaft und für den Export.

Am Ende des Krieges gingen im Osten Deutschlands die Niederlassungen sowie die Werke Königsberg und Genshagen verloren. Auch die in den besetzten Ländern im Krieg gegründeten Werke Colmar, Neupaka, Reichshof und das Flugmotorenwerk Ostmark musste der Konzern abschreiben. Im Westen waren die Produktionsstätten teilweise stark beschädigt. Das Werk in Untertürkheim wurde am 5. September 1944 durch alliierte Bomber stark zerstört.[2] In Sindelfingen war außer dem Presswerk kein überdachtes Gebäude mehr vorhanden und das Werk Mannheim war zu einem Drittel zerstört.

Nachkriegszeit

Immer wieder hat sich das Unternehmen in den folgenden Jahren als Innovationsführer auf dem Automobilmarkt gezeigt – so wurden 1951 die Sicherheitsfahrgastzelle, 1981 der Airbag und der Gurtstraffer als Neuentwicklungen eingeführt.

1962 beschäftigte die Daimler-Benz AG 90.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von 4,4 Milliarden DM.

1972 waren 149.800 Mitarbeiter bei Daimler-Benz beschäftigt und erzielten einen Jahresumsatz von 13,3 Milliarden DM.

Ab Mitte der 1980er Jahre expandierte das Unternehmen unter seinem Vorstandsvorsitzenden Edzard Reuter in andere Bereiche: Der Konzern erwarb die Dornier GmbH, die MTU Motoren- und Turbinen-Union, Fokker sowie die AEG. Aus Teilen dieser Tochterunternehmen wurde die „Deutsche Aerospace AG“ (DASA) gebildet. Neu gegründete Tochterunternehmen waren die „Deutsche Airbus GmbH“ und die „Daimler-Benz Inter Services“ (debis), so dass der Konzern inklusive der Autosparte nunmehr aus vier Konzernbereichen bestand.

1986 feierte Daimler-Benz sein 100-jähriges Bestehen. Die Ausstellung „100 Jahre Automobil“ wurde in Stuttgart eröffnet und danach in mehreren europäischen Ländern gezeigt. Das Unternehmen ließ sich diese Präsentation einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Der von Daimler-Benz betriebene Aufwand für das Ereignis stieß auch auf Kritik in der Öffentlichkeit: So geriet der bei der Eröffnungsvorstellung gezeigte zirka 20 Millionen DM teure Fernsehfilm des „Klimbim“ Regisseurs Michael Pfleghar über die Geschichte des Automobils zum Fiasko.[3]

1989 beschäftigte die Daimler-Benz AG (mit AEG) 368.200 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von 76,392 Milliarden DM. 1990 erhöhte sich der Umsatz auf 85,5 Milliarden DM.

In der Ära Reuter wurde eine neue Konzernzentrale in Stuttgart-Möhringen errichtet. Das Hauptquartier auf einem 120.000-Quadratmeter-Grundstück besteht aus 13 Gebäuden mit einem elfgeschossigen Hochhaus und soll etwa 300 Millionen Euro gekostet haben. Rund 3000 Mitarbeiter zogen dort 1990 ein. Reuter liebte die neue Zentrale, seine Nachfolger sollten sie verachten.[4]

Nach der Übernahme des CEO-Postens durch Jürgen Schrempp 1995 erfolgte eine stetige Abkehr von Reuters Traum des „integrierten Technologiekonzerns“. Verlustbringer wie Fokker, AEG, Adtranz und Dornier wurden (teilweise unter enormen Kosten) abgestoßen, obwohl Schrempp z. B. den Kauf von Fokker als DASA-Chef einst selbst in die Wege geleitet hatte.

Die Unternehmensleitung schloss die konzerneigene immer noch unter AEG firmierende Verkehrstechnik-Sparte mit derjenigen von ABB zur ABB Daimler Benz Transportation zusammen, die besser unter ihrem Markennamen Adtranz bekannt war. 1999 übernahm Daimler-Benz den Anteil von ABB und benannt die Firma in DaimlerChrysler Rail Systems um, welche die Marke Adtranz weiter verwendete. Die vollständig Daimler-Benz gehörende Firma wurde 2001 an die kanadische Bombardier verkauft.

Die neue Unternehmenszentrale in Möhringen nannte Schrempp „Bullshit Castle“, sein späterer Nachfolger Dieter Zetsche (2006) ordnete kurz nach seinem Amtsantritt gar den Auszug des Vorstands und den Verkauf der Liegenschaft an (DaimlerChrysler hatte im Rahmen einer Prüfung seines Immobilienbestandes die Gebäude „als nicht betriebsnotwendig“ eingestuft). Die Stuttgarter selbst nennen die Zentrale emotionslos „Daimler City“. Seither sitzt der Vorstand wieder im Stammwerk Untertürkheim.[4]

Übernahmen

Nach dem Krieg entwickelte sich der Konzern durch Erwerb zahlreicher Unternehmen (z. B. 1985 MTU Motoren- und Turbinen-Union München, Dornier, AEG; 1988/89 Messerschmitt-Bölkow-Blohm; 1994 Fokker) zum größten deutschen Industriekonzern, der seit 1990 folgende Unternehmensbereiche umfasste: Mercedes-Benz AG (gegründet 1989; Pkw und Nutzfahrzeuge), Daimler Benz Aerospace (DASA) AG (gegründet 1989; Luft- und Raumfahrt, Antriebe), AEG Daimler-Benz Industrie (elektrotechnische und elektronische Anlagen), Daimler-Benz InterServices (debis) AG (gegründet 1990, Dienstleistungen) und ABB Daimler Benz Transportation (Adtranz) (gegründet 1996, Schienenverkehrstechnik).

Eine Übernahme der BMW AG scheiterte 1959 am Widerstand der Kleinaktionäre und dem Hauptaktionär Herbert Quandt.

Vorsitzende

Als Aktiengesellschaft verfügte die Daimler-Benz AG über einen Vorstand und einen Aufsichtsrat. Im nachfolgenden die jeweiligen Vorsitzenden der beiden Organe.

Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG

Name Amtszeit
Wilhelm Kissel Juni 1926 bis Juli 1942 †
Wilhelm Haspel August 1942 bis Januar 1952 †
Heinrich Wagner April 1952 bis Januar 1953 †
Fritz Koenecke Februar 1953 bis Dezember 1960 †
Walter Hitzinger Februar 1961 bis Februar 1966 †
Joachim Zahn (ab Oktober 1965 Sprecher des Vorstands) bis Dezember 1979 †
Gerhard Prinz Januar 1980 bis Oktober 1983 †
Werner Breitschwerdt Dezember 1983 bis August 1987
Edzard Reuter September 1987 bis Mai 1995
Jürgen Schrempp Mai 1995 bis November 1998
(dann DaimlerChrysler AG)

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