Dakien

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Dakien
Dakien-Karte von Brue Adrien Hubert (1826)
S√ľdosteuropa zu Zeiten der R√∂mer
Römische Provinzen unter Trajan (117 n. Chr.)
Lage der Provinz

Dakien (lateinisch Dacia) war von 106 bis 271 eine Provinz des Römischen Reiches.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der Name der Provinz Dakien beruht auf dem dort wohnhaften Volk der Daker, das zusammen mit den Geten das Gebiet der Provinz besiedelte. Nach der Eroberung im Jahr 106 im Zuge der Dakerkriege durch Trajan wurde dem neu eroberten Gebiet die offizielle Bezeichnung Dacia verliehen. Kaiser Hadrian unterteilte sie um 118 in zwei Teile: Dacia superior und Dacia inferior. F√ľnf Jahre sp√§ter lie√ü Hadrian erneut eine Teilung vornehmen und trennte von Dacia superior ein Gebiet ab, das als Dacia Porolissensis bezeichnet wurde. Von 167 bis 169 strukturierte Mark Aurel die Provinz wieder neu: Es gab nun Dacia Apulensis, Dacia Porolissensis und Dacia Malvensis. Diese Struktur blieb bis zum r√∂mischen R√ľckzug unter Aurelian bestehen. Nominelle Hauptstadt war eine Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacia, tats√§chlich jedoch lagen die meisten Teile der Verwaltung in Sarmizegetusa.

Begrenzt wurde die Provinz an allen Grenzen von den Barbaren. Nur im S√ľden grenzte die Provinz an Moesia. In sp√§terer Zeit gab es auch eine kleine gemeinsame Grenze mit Pannonia. Die Grenzziehungen wurden meist durch Flussverl√§ufe bestimmt: Im S√ľden die Donau, im Westen Tisa, Mure»ô und Cri»ô. Insgesamt bestand Dakien gr√∂√ütenteils aus dem Gebiet des heutigen Rum√§niens (resp. Siebenb√ľrgen) und Moldawien.

Karte von Dakien 82 v. Chr
Die römische Provinz Dacia in der Zeit zwischen Kaiser Trajan (106) bis zur Räumung der Provinz im Jahr 271

König Burebista

Die Daker hatten bereits vor Christi Geburt die Schwelle einer traditionellen Kultur von Ackerbauern und Viehz√ľchtern √ľberschritten. Neben einem hochentwickelten Kunsthandwerk, im speziellen bemalte Keramik, hatten sich die Menschen auch auf Eisen-, Silber- und Goldverarbeitung spezialisiert. Die Menge an M√ľnzfunden und M√ľnzpr√§gungen sowie die Aneignung zun√§chst der griechischen und sp√§ter auch lateinischen Sprache lassen auf teilweise enge Kontakte mit den damals dominanten Kulturen Europas schlie√üen. Bereits fr√ľh hatte sich im Bergland von Siebenb√ľrgen bei Broos ein Machtzentrum gebildet, das starken Einfluss auf das Land besessen haben muss. Inwieweit Strukturen staatlicher Ordnung jedoch wirklich bestanden, ist in der Fachwelt umstritten. Zu Caesars Zeiten hatte der dakische K√∂nig Burebista eine erste wirkliche Machtdemonstration gezeigt, als er seinen Einflussbereich zeitweise √ľber die Nachbarst√§mme der Geten und Thraker ausdehnen konnte. Obwohl diese Expansion nach Burebistas Tod keinen Bestand hatte, erschienen die dakischen M√∂glichkeiten den Verantwortlichen des in unmittelbarer Nachbarschaft, am S√ľdufer der Donau, angrenzenden R√∂mischen Reiches als derart bedrohlich, dass wiederholt eine pr√§ventive milit√§rische Zerschlagung der dakischen Machtstrukturen anvisiert wurde.[1]

Nach Burebista konnte √ľber einen l√§ngeren Zeitraum nicht mehr von einem zentral regierten Dakien gesprochen werden. Verselbst√§ndigte gr√∂√üere dako-getische Gruppen fielen immer wieder zu Pl√ľnderungen und Zerst√∂rungen in die Grenzr√§ume der m√∂sischen Provinzen ein und die r√∂mische Truppen waren gezwungen, in stellenweise massiven Gegenst√∂√üen die Ordnung wieder herzustellen. Eine Reaktion der dakischen Herrschaftsschicht auf die r√∂mische Pr√§senz war der umfangreiche milit√§rstrategische Ausbau der Residenz Sarmizegetusa Regia mit dem dazugeh√∂rigen religi√∂sen Zentrum im Bergland zwischen den Siebenb√ľrger Westkarpaten und den S√ľdkarpaten. Auch die R√∂mer waren um Sicherungsma√ünahmen bem√ľht, so waren um 20 n. Chr. die Ansiedlung der einwandernden saramtischen Reiterkrieger der Jazygen im √∂stliche und n√∂rdlich der Donau liegenden Barbaricum des pannonischen Beckens gef√∂rdert worden, um die Ostflanke der Provinz Pannonien zu entlasten.[1] Die R√∂mer hatten die Hoffnung, dass die Jazygen und sp√§ter auch die im Banater Gro√üraum siedelnden sarmatischen Roxolanen als √∂stliche Nachbarn der Daker deren eventuelle Expansionsw√ľnsche und √úbergriffe vor den Provinzgrenzen abfangen sollten. Doch die Sarmaten waren sehr unzuverl√§ssige B√ľndnispartner, die zeitweilig nicht nur zu den erbitterndste Gegnern Roms z√§hlten, sondern auch teilweise mit den Dakern paktierten. Weitere Umsiedlungen von Transdanuviern im Zuge der r√∂mischen Strategie folgten. Kaiser Vespasian (69‚Äď79) verst√§rkte die Truppen M√∂siens und lie√ü eine Donauflotte aufbauen.[1]

K√∂nig Decebalus und die Donaukriege (85‚Äď89)

Im Winter 85/86 drangen starke dakische Kriegerhorden in M√∂sien ein und trafen die R√∂mer v√∂llig unerwartet. Ihr Statthalter, Gaius Oppius Sabinus, fiel im Kampf und die Angreifer konnten fast z√ľgellos Pl√ľndern und Brandschatzen. Offensichtlich war f√ľr den regierenden Kaiser Domitian (81‚Äď96) nun der Zeitpunkt gekommen, zun√§chst den Gegner aus dem Land zu werfen und anschlie√üend eine Strafexpedition auszusenden. Domitian begab sich selbst mit frischen Kr√§ften nach M√∂sien, doch dauerten die K√§mpfe gegen den hartn√§ckigen Gegner das ganze Jahr 86. Da der alte regierende dakische K√∂nig Diupaneus die Folgen des r√∂mischen Einmarsches f√ľrchtete, trat er zugunsten seines Neffen Decebalus zur√ľck. Mit diesem Mann kam eine politisch und milit√§risch hoch qualifizierte Pers√∂nlichkeit auf den Thron, die gro√ües Verhandlungsgeschick und charismatische Z√ľge trug. In der Zwischenzeit hatte auf r√∂mischer Seite der Pr√§torianerpr√§fekt Cornelius Fuscus die Leitung der Operationen √ľbernommen. Seine Armee wurde von Decebalus jedoch vernichtend geschlagen. Ein Jahr sp√§ter versuchte der Legat Tettius Julianus vom Banat aus nach Sarmizegetusa vorzusto√üen, musste jedoch aufgrund von zu hohen Verlusten die Offensive abbrechen. Auch die Versuche des nachfolgenden Kaisers Nerva (96‚Äď98) Decebalus in die Knie zu zwingen, blieben erfolglos.[2]

Dakien wird römische Provinz

Erst der r√∂mische Kaiser Trajan (98‚Äď117) konnte nach einem blutigen Krieg (101‚Äď102) die dakischen Kr√§fte zerschlagen. Der bereits von Trajan, bedingt durch die dakischen Niederlagen von 98 zum Klientelk√∂nig gemachte Decebalus versuchte, seine Getreuen zu einem Racheschlag zu sammeln. Trajan reagierte mit einem heftigen Angriff (105‚Äď106), an dessen Ende der auf der Flucht befindliche Decebalus Selbstmord beging und die Eroberung der dakischen Gebiete stand (siehe Dakerkriege). In einem auf den 11. August 106 datierten Milit√§rdiplom (in Porolissum gefunden) wird Dacia als r√∂mische Provinz genannt. Die von Trajan nach Rom geschleppte Kriegsbeute soll 331 Tonnen Silber und 165 Tonnen Gold betragen haben, eine h√∂chst willkommene Finanzspritze, die unter anderem f√ľr den Bau des Trajansforums genutzt wurde.

Bis auf die Markomannenkriege des Mark Aurel blieb die Provinz weitestgehend friedlich, bis 235 starke barbarische Kontingente sich wieder zum Angriff auf die Provinz sammelten. Nach ihrem Angriff 238 wurden fast ununterbrochen heftige K√§mpfe gef√ľhrt. Schlussendlich sah Kaiser Aurelian sich gezwungen, im Jahr 271 die r√∂mischen Streitkr√§fte und die Verwaltung s√ľdlich der Donau zur√ľckzuziehen. Da Aurelian und sein Vorg√§nger Claudius II. zuvor einige Siege √ľber die Goten, die haupts√§chliche Bedrohung der r√∂mischen Donauprovinzen w√§hrend der Zeit der Reichskrise, errungen hatten, konnte der Kaiser die R√§umung aus einer Position der relativen St√§rke anordnen. Mit dem R√ľckzug auf die Donaugrenze wurde von den R√∂mern auch die Trajansbr√ľcke zerst√∂rt, die die l√§ngste Br√ľcke der antiken Welt gewesen war. Der r√∂mische Abzug war vermutlich eine bewusste Entscheidung, denn er erfolgte zu einem Zeitpunkt, als Rom die Lage in Dakien nach einigen Siegen wieder unter Kontrolle hatte: Durch den Abzug der Truppen wollte Aurelian offenbar eine Pufferzone schaffen, und in der Tat brauchten die Goten und andere Germanen einige Jahrzehnte, um das Gebiet in Besitz zu nehmen; zugleich bildeten sie danach einen gewissen Schutz des Imperiums gegen nachr√ľckende "Barbaren".

Unter Konstantin I. wurden Teile Dakiens zeitweilig wieder zur√ľckerobert; diese gingen jedoch bald wieder verloren bzw. man kehrte zu Aurelians Taktik zur√ľck, das milit√§risch unhaltbare Gebiet lieber als Puffer zu behandeln. Dennoch gab es auch sp√§ter noch Provinzen mit Namen Dakien (beispielsweise Dacia Mediterranea), die aber nur den Namen mit Dakien gemeinsam hatten und s√ľdlich der Donau lagen.

Ein ungekl√§rtes Ph√§nomen betrifft √ľbrigens die Sprache in der r√∂mischen Provinz Dakien: Da das Gebiet nach Trajan von Menschen aus dem gesamten Imperium Romanum besiedelt wurde, die sich nur auf Latein miteinander verst√§ndigen konnten, wurde diese Sprache dort rasch vorherrschend. Unklar ist hingegen, ob man n√∂rdlich der Donau auch nach dem Abzug der R√∂mer weiter Latein sprach und wie die gesicherte Existenz der sp√§teren rum√§nischen Sprache ab dem 13. Jahrhundert in diesem Gebiet zu erkl√§ren ist. Nach Ansicht vieler Forscher blieben gro√üe Teile der ganz oder teilweise romanisierten Siedler nach 271 im Land und behielten die lateinische Sprache bei, w√§hrend andere Gelehrte dies entschieden bestreiten.

Verwaltung und Militär

Nach der Beendigung des ersten trajanischen Dakerkrieges 102 wurden die eroberten Gebiete zunächst militärisch verwaltet; ab 106 wurde Dakien als kaiserliche Provinz anerkannt. Dies bedeutete, dass der Kaiser selbst die Statthalter aus den Reihen des Senats rekrutierte. Die in Dakien stationierten Truppen unterstanden sowohl dem Befehl des Kaisers als auch dem des Statthalters.

W√§hrend des Barbarenansturms der Jahre 117 und 118 wurde in Rom erwogen, Dakien aufzugeben und sich wieder hinter die besser zu verteidigende Donau zur√ľckzuziehen. Hadrian entschied sich allerdings dagegen, da er die dakischen Bodensch√§tze sowie die strategische Bedeutung der Provinz f√ľr zu wichtig erachtete. Als Reaktion auf die K√§mpfe leitete er jedoch eine Neuorganisierung der Provinzverwaltung ein, da die bisherige Strukturierung den heftigen K√§mpfen nicht gewachsen war: Die s√ľdlich der Donau gelegenen L√§nder wurden in der Provinz Dacia inferior (Niederdakien) zusammengefasst, wohingegen die eigentlich dakischen Gebiete zu Dacia superior (Oberdakien) wurden. Als sp√§ter auch noch Dacia Porolissensis entstand, existierten nun drei voneinander unabh√§ngige Provinzen mit Oberdakien als der h√∂chstrangigen, die jedoch milit√§risch eng kooperierten.

Als Dakien 168 erneut unter einem heftigen Ansturm germanischer Stämme zu leiden hatte, erkannte Kaiser Mark Aurel, dass ein einheitliches Kommando dringend benötigt wurde. Also ließ er die Grenzen neu ziehen (in Dacia Apulensis, Dacia Porolissensis und Dacia Malvensis). Die neuen Gebiete wurden einheitlich wieder in der Provinz Dacia unter einem einzigen Statthalter zusammengefasst; die einzelnen Provinzteile spielten hauptsächlich steuertechnisch eine Rolle.

Militärisch wurde Dakien durch zwei Legionen, der V Macedonica (Sitz: Potaissa, das heutige Turda), sowie der XIII Gemina (Sitz: Apulum, das heutige Alba Iulia) abgesichert. Zusätzlich standen zahlreiche Hilfstruppen an den Grenzen zu den barbarischen Gebieten. Insgesamt wird die Anzahl der in Dakien stationierten Soldaten auf etwa 30.000 geschätzt.

Wirtschaft

W√§hrend seiner Besatzung war Dakien f√ľr die R√∂mer stets ein wichtiger wirtschaftlicher Standort. Dies begr√ľndete sich vor allem auf zahlreiche Bodensch√§tze sowie eine florierende Landwirtschaft. Aus unz√§hligen Bergwerken bezogen die R√∂mer neben gro√üen Mengen an Gold und Silber ‚Äď die sp√§ter √§u√üerst wichtig f√ľr die r√∂mische M√ľnzpr√§gung wurden - Blei, Kupfer, Eisen, Marmor und Salz. Ein weiterer wichtiger Posten war die florierende dakische Land- und Forstwirtschaft; so wurde viel Holz, Wolle, Vieh, H√§ute etc. exportiert. Importe d√ľrften haupts√§chlich Oliven√∂l, Wein, Luxuswaren und √§hnliches gewesen sein. Der florierende Handel, der meist √ľber die Donau abgewickelt wurde, lag vermutlich gr√∂√ütenteils in der Hand von Kaufleuten aus dem Orient. Doch vor allem die Produktion an Edelmetallen machte die Provinz sehr wichtig auch f√ľr die Politik. So ist zu vermuten, dass beim r√∂mischen R√ľckzug 271 der Gro√üteil der Ressourcen bereits ersch√∂pft war, da anderenfalls Aurelian diese niemals aufgegeben h√§tte.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ a b c Karl Christ: Geschichte der r√∂mischen Kaiserzeit. C.H. Beck Verlag, M√ľnchen 1995. ISBN 3-40636316-4. S. 271.
  2. ‚ÜĎ Karl Christ: Geschichte der r√∂mischen Kaiserzeit. C.H. Beck Verlag, M√ľnchen 1995. ISBN 3406363164. S. 272.

Weblinks

 Commons: Dakien ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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