Das FĂ€hnlein der sieben Aufrechten

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Das FĂ€hnlein der sieben Aufrechten

Das FĂ€hnlein der sieben Aufrechten ist eine Novelle des Schweizer Dichters Gottfried Keller.

Geschrieben fĂŒr Berthold Auerbachs Deutschen Volkskalender erschien sie 1860 in Leipzig, wurde sofort von der Berner Tageszeitung Der Bund nachgedruckt[1] und begrĂŒndete Kellers Ruhm als Nationaldichter der Schweiz.

Die ErzĂ€hlung im Ton von VolksstĂŒck und Kalendergeschichte spielt in ZĂŒrich, Schauplatz des Happy End ist jedoch Aarau, wo 1849, im Jahr nach der GrĂŒndung des modernen Schweizer Bundesstaates, das „Eidgenössische Freischießen“ stattfand, auf dem die Liberalen den Sieg ihrer Sache feierten. Die „Aufrechten“, ein Freundesbund von sieben ZĂŒrcher Handwerkern und Gastwirten, alles altgediente FreiheitskĂ€mpfer, beschließen mitzufeiern, und zwar erstmals unter eigenem FĂ€hnlein. Die beiden WortfĂŒhrer des Vereins, der reiche Zimmermeister Frymann und der arme Schneider Hediger, geraten dadurch in schwere BedrĂ€ngnis: keinem fallen die passenden Grußworte fĂŒr die tausendköpfige Versammlung ein. In letzter Minute rettet sie Karl, jĂŒngster Sohn des Schneiders, mit einer schwungvoll-heiteren Rede, die im Nu die Herzen der Menge gewinnt. Was ihn dabei inspiriert, ist seine Liebe zu Hermine, einziger Tochter des Zimmermanns. Die beiden möchten gerne heiraten, aber ihre VĂ€ter sind dagegen, der reiche aus GeschĂ€ftsinteresse, der arme aus Stolz. Als sich Karl, angefeuert von Hermine, im Laufe des Festes weitere Lorbeeren erwirbt, schmilzt der Widerstand der Alten und die Geschichte endet mit einer Verlobung.

Keller hat das FĂ€hnlein 1877 in seine ZĂŒricher Novellen aufgenommen. Es zĂ€hlt zu seinen bekanntesten Werken und gilt als Beispiel fĂŒr die Stilrichtung des poetischen Realismus.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Fast wie ein TheaterstĂŒck gliedert sich die ErzĂ€hlung in Akte und Szenen. Sie enthĂ€lt weitere bemerkenswerte Reden und im Vergleich zu anderen Kellerschen Novellen viel Dialog.

Erster Akt

Schweizerischer Republikaner, Titelseite 1836 von Martin Disteli

In Hedigers Studierzimmer an einem Nachmittag im MĂ€rz: Als einzigen Luxus gönnt sich der Schneider dieses Extra-StĂŒbchen fĂŒr seine Sammlung politischer BĂŒcher. Hier hĂ€ngt unter Bildnissen Washingtons und Robespierres auch sein Gewehr. Mit diesem ist er schon öfters ausgerĂŒckt, als RevolutionĂ€r gegen Aristokraten, Jesuiten und SonderbĂŒndler. Eben will sich der Meister in die neuste Nummer des Schweizerischen Republikaners vertiefen, als sein JĂŒngster eintritt und ihn um das Gewehr bittet. Karls militĂ€rische Ausbildung hat begonnen, und wenn er ohne Waffe zum Exerzierplatz kommt, wird er bestraft. „Ich gebe“, versetzte der Meister, „meine Waffe niemand, der nicht damit umgehen kann.“[2] Um Karl zu prĂŒfen, nimmt er das Flintenschloss auseinander. Karl kann es nicht wieder zusammensetzen. Doch seine Mutter weiß Rat: sie richtet ihrem Mann die Einladung der SiebenmĂ€nnergesellschaft aus, worauf der Alte eilends das Haus verlĂ€sst: „So! nun kommt er vor zehn Uhr nachts nicht mehr!“. Dann setzt sie mit geĂŒbten Griffen das Schloss wieder zusammen. „Wo zum Teufel habt Ihr das gelernt, Mutter?“ Frau Hediger erzĂ€hlt, wie ihr Vater und ihre BrĂŒder als leidenschaftliche SchĂŒtzen Haus und Hof verpulverten. Schon als Kind wurde sie dazu abgerichtet, ihnen die luxuriösen Waffen instandzuhalten.

Am Abend desselben Tages: Karl hat das Gewehr zurĂŒckgehĂ€ngt und das Schloss wieder zerlegt. Nun rudert er bei Vollmond auf dem ZĂŒrichsee, neben ihm in einem anderen Boot Hermine. Weit draußen entspinnt sich ein GesprĂ€ch von Bord zu Bord: „Als ich zehn Jahre alt war und du sieben“, hĂ€lt er ihr vor, „wie oft haben wir uns da gekĂŒĂŸt, und nun ich zwanzig bin, bekomme ich nicht einmal deine Fingerspitzen zu kĂŒssen“. Doch FrĂ€ulein Frymann will von solchen Kindereien nichts mehr wissen, zumal der Vater ihr den weiteren Umgang mit Karl verbietet. Der Zimmermann ist Witwer und hat seiner Tochter zuliebe nicht mehr geheiratet. Hermine möchte sich seinen WĂŒnschen daher nicht offen widersetzen. Höchstens jeden Monat, kĂŒndigt sie an, wird sie in Zukunft zum Rendezvous erscheinen. Karl fĂŒhlt sich herausgefordert und mĂ€novriert sein Boot so geschickt, dass Hermine aus Angst, ins Wasser zu fallen, doch noch ein paar KĂŒsse ĂŒber sich ergehen lassen muss. Zornig rudert sie zurĂŒck ans Ufer: „Wart nur, du Schlingel, bis ich dich unter dem Pantoffel habe!“

GelĂ€nde des Eidgenössischen Freischießen in Aarau (1849)

WĂ€hrenddessen fassen die Aufrechten an ihrem Stammtisch den Beschluss, ihr politisches Lebenswerk durch den gemeinsamen Auftritt beim Aarauer Freischießen zu krönen. Über Fahnentuch und Aufschrift – Freundschaft in der Freiheit – sind sie sich schnell einig, ĂŒber die angemessene Festgabe gibt es eine hitzige Debatte. FĂŒnf der sieben wittern die Gelegenheit, LadenhĂŒter loszuwerden, der Silberschmied einen altmodischen Pokal, der Grobschmied einen Pflug, der Schreiner ein Himmelbett. Der eine Wirt möchte ein FĂ€sschen Wein an den Mann bringen, der andere sogar eine Kuh. Hediger nimmt ihre VorschlĂ€ge unter die Lupe und spart nicht mit sarkastischen Bemerkungen: Der Kuh „ist nichts nachzusagen, als daß sie beim Melken regelmĂ€ĂŸig den KĂŒbel umschlĂ€gt!“ BeschĂ€mt geben die fĂŒnf ihm recht.

Frymann schlĂ€gt vor, den Silberschmied einen modernen Becher anfertigen zu lassen, von edler Form ohne ĂŒberflĂŒssigen Zierrat (wie die neue Bundesverfassung). Als das einstimmig angenommen wird, bringt er noch seine private Sorge zur Sprache: Er besitzt viel Bauland und wĂŒnscht sich einen Schwiegersohn mit Kapital und GeschĂ€ftsideen. Karl, der seiner Tochter den Kopf verdreht hat, verdient als Schreiber gerade sein erstes Brot und ist ihm unwillkommen. Abgesehen davon gelte es, die Freundschaft von Familienbanden frei zu halten. Der Schneider sieht das ebenso. Ihn plagt die Sorge, dass keiner seiner vier Söhne bei dem Handwerk geblieben ist, das er sie – nach ihren WĂŒnschen – hat lernen lassen. Alle wollen höher hinaus. Was, wenn angeheirateter Reichtum sie zu Luxus und Verschwendung verfĂŒhrt? Allen hat er eine gute Schuldbildung ermöglicht. So sind sie nacheinander abgeschwenkt und in den neuen Staatsbetrieben und Behörden untergekommen. Die nötigen AmtsbĂŒrgschaften haben die Aufrechten unterschrieben. Wie steht er vor den Freunden da, wenn sich ein Sohn etwas zuschulden kommen lĂ€sst? „Papperlapapp!“ tönt es in der Runde. Doch die beiden VĂ€ter bleiben fest und geloben sich feierlich: „Nichts von SchwĂ€herschaft, fort mit dem GegenschwĂ€her!“ Dieser Eid erregt bei den Genossen Heiterkeit: „Wer wĂŒrde nun glauben, daß ihr zwei, die in der Vaterlandssache erst so weise Worte geredet und uns die Köpfe gewaschen habt, nun im Umsehen so törichtes Zeug beginnen wĂŒrdet!“ Die Sitzung schließt mit einer Wette: Wenn Karl und Hermine sich kriegen, gibt der Brautvater dem Verein das FĂ€sschen „Schweizerblut“ aus, dann hat auch der Wirt einen Vorteil. Die Alten aber schenken den Jungen das zweischlĂ€fige Himmelbett, das dem Schreiner stehen geblieben ist.

Zweiter Akt

Tags darauf nach Tisch eröffnet Hediger den Seinen, was er mit Frymann beschlossen hat: „Freilich sind wir politische Freunde; aber um es zu bleiben, wollen wir nicht die Familien durcheinanderwerfen und Kommunismus treiben mit dem Reichtum des einen. Ich bin arm und Frymann ist reich und so soll es bleiben; umso mehr gereicht uns die innere Gleichheit zur Freude“. Frau Hediger findet diesen Grundsatz lĂ€cherlich: „Schöne Freundschaft, wenn ein Freund dem Sohne des andern seine Tochter nicht geben mag! Und seit wann heißt es denn Kommunismus, wenn durch Heirat Wohlhabenheit in eine Familie gebracht wird?“ Beredt schildert sie die Chancen, die ihr Mann zu vertun im Begriff ist: vielleicht hat einer der Söhne selber einen begabten Sohn, „der sich in die Höhe schwingen wĂŒrde, wenn das Vermögen da wĂ€re, ihn studieren zu lassen“. „Luftschlösser!“ Ă€rgert sich Hediger und kontert mit einer saftigen Satire auf den neureichen Vetter im Kreise seiner arm gebliebenen Verwandten. Gegen Reichtum hat er nichts, sofern er wie bei seinem Freund durch Fleiß erworben und in rechten HĂ€nden ist – „laß aber einmal Kerle mit vielen Millionen entstehen, die politische Herrschsucht besitzen, und du wirst sehen, was sie fĂŒr Unfug treiben!“ Auf die Frau macht diese Prophezeiung keinen Eindruck. FĂŒr sie ist klar, dass der Grundsatz der Trennung von Freundschaft und Familie ein Vorwand ist, hinter dem Frymann seinen Eigennutz versteckt. Sieht ihr Mann denn nicht, dass er der Narr im Spiel ist? Karl, dem der Disput peinlich wurde, hat sich still entfernt. Abends auf dem See wartet er vergeblich auf Hermine.

Die nĂ€chsten Tage und Wochen bringen VerĂ€nderungen, die den Schneidermeister mit heimlichem Stolz, aber auch mit Besorgnis erfĂŒllen. Karl, offenbar ein Naturtalent, ist zur ScharfschĂŒtzenausbildung zugelassen worden und in die Kaserne umgezogen. Frau Hediger nimmt sich jetzt Hermines an, berĂ€t sie mĂŒtterlich auf MarktgĂ€ngen. Einmal ĂŒberrascht er die beiden in der Wohnstube mit ihrem Strickzeug bei Kaffee und Selbstgebackenem. Er macht ein strenges Gesicht, allein Hermine war so holdselig und dabei resolut, daß er wie aufs Maul geschlagen da saß und damit endigte, daß er selbst ein ‚Glas Wein‛ aus dem Keller holte und sogar aus dem kleinen FĂ€ĂŸchen. Alarmiert rennt er zu Frymann:

„Wir mĂŒssen aufpassen! Deine Tochter sitzt in dickster Freundschaft bei meiner Alten, und es ist ein sehr verdĂ€chtiges Getue. Du weißt, die Weiber sind des Teufels.“
„Warum jagst du den Aff nicht fort?“ sagte Frymann Ă€rgerlich.
„Ich fortjagen? das werd’ ich bleiben lassen, das ist ja eine Staatshexe! Komm du selbst und sieh nach!“

Die Verschworenen treffen nur noch Karl an, der den Rest des GebĂ€cks verzehrt. Hermine hat es liebevoll fĂŒr ihn aufgehoben und ihm dazu eine Einladung zum Rendezvous ausrichten lassen.

Abends auf dem See: Karl stellt Hermine zur Rede: In der Kaserne brĂŒstet sich ein gewisser Ruckstuhl damit, in KĂŒrze eine reiche Frau zu bekommen, nĂ€mlich die Zimmermannstochter. Ruckstuhl ist ein Angeber, durch HĂ€userspekulation und ĂŒberhöhte Mieten reich geworden; man lacht ĂŒber ihn, doch hinter seinem RĂŒcken, denn sein vieles Geld verschafft ihm Einfluss. „Ich weiß,“ antwortete sie, „daß dieser Monsieur mich zur Frau begehrt und daß mein Vater sogar nicht abgeneigt ist; er hat schon davon gesprochen.“ – „Reitet ihn denn der Teufel, dich diesem Strolch und Tagdieb zu geben? Wo bleiben denn seine gravitĂ€tischen GrundsĂ€tze?“ Der Vater ist nun einmal auf einen Jungunternehmer als Schwiegersohn versessen und hat Ruckstuhl bereits fĂŒr morgen, Sonntag, zum Mittagsmahl gebeten. SelbstverstĂ€ndlich wird Hermine ihn abblitzen lassen, aber noch besser wĂ€re es, wenn er ihr gar nicht erst ins Haus kĂ€me. Sie hat auch schon einen Plan. Ob Karl ihn nicht zu einer Dummheit verfĂŒhren könnte, „daß ihr miteinander Arrest erhieltet fĂŒr vierundzwanzig oder achtundvierzig Stunden?“ – „Du bist sehr gĂŒtig, mich zwei Tage ins Loch zu schicken, um dir ein Nein zu ersparen! Tust du’s nicht billiger?“ Der moralischen Symmetrie wegen, meint sie, mĂŒsse es so sein, und als Karl Miene macht, nĂ€her zu rĂŒcken, gibt sie ihm klar zu verstehen, dass sie diesmal ungekĂŒsst von Bord gehen wird.

Karl hat eine Idee, wie er Ruckstuhl außer Gefecht setzt, ohne selbst zu leiden. Auf dem Weg in die Kaserne begegnet ihm das Opfer zusammen mit seinem Trabanten, einem filzigen Bauernsohn, der dem spendablen Großsprecher den Lakaien macht. Beide sind bereits angesĂ€uselt. Karl schlĂ€gt vor, nach dem Zapfenstreich im Schlafsaal verbotenerweise noch ein paar Flaschen zu leeren, quasi als Mutprobe. Ruckstuhl, geschmeichelt, lĂ€sst sich nicht lumpen und spendiert reichlich Wein. Das Gelage endet damit, dass er und sein Kumpan auf dem Flur Posten stehen, in „kleiner Uniform“, d.h. im Nachthemd mit Gewehr und Patronentasche. Karl schiebt den Riegel vor, seine Kameraden rĂ€umen blitzschnell den Schlafsaal auf, alles verschwindet in den Betten, als sei nichts gewesen. Die Wache kommt. Das sturzbetrunkene Gespann krakeelt, verĂ€ppelt den Offizier und wird abgefĂŒhrt. Scheinheilig beklagt sich der Schlafsaal ĂŒber die Nachtruhestörung.

Der Zimmermann wartet umsonst auf den sonntĂ€glichen Mittagsgast. „Gewiß hat er keinen Urlaub bekommen, man muß ihn nicht voreilig verurteilen!“ verteidigt Hermine ihn mit Unschuldsblick. FĂŒr den Nachmittag hat sie Frau Hediger zum Kaffee eingeladen. Frymann kommt dazu, wie sie die Kuchen aufessen, die fĂŒr den Gast gekauft worden sind. Ob Frau Hediger durch Karl etwas ĂŒber den Verbleib Ruckstuhls erfahren hat? Ja, der schlĂ€ft seinen Rausch aus, im Arrest mit noch einem, „es soll eine große Komödie gewesen sein“. Zornig eilt Frymann zur Sonntagsversammlung der Aufrechten und knöpft sich Hediger vor:

„Nun hockt deine Frau bei meiner Tochter im Garten und freut sich mit ihr, daß mir ein Heiratsprojekt gescheitert ist!“
„Warum jagst du sie nicht fort? Warum hast du sie nicht angeschnurrt?“
„Wie kann ich, da wie in alter Freundschaft stehen? Siehst du, so verwirrt uns diese verdammte Geschichte jetzt schon die VerhĂ€ltnisse!“

Erneut geloben sich die beiden Haustyrannen: Nichts von SchwÀherschaft, Freundschaft in der Freiheit!

Dritter Akt

Im Juli: Das SchĂŒtzenfest steht kurz bevor. Den Sieben fehlt nur noch einer, der fĂŒr sie spricht. Keiner will es. Soll man Fahne und Becher lieber zu Hause lassen und sich inkognito nach Aarau begeben? Eine große Niedergeschlagenheit folgte diesen Worten. FĂŒnf gegen zwei wird beschlossen, dass Fryman und Hediger unter sich losen mĂŒssen. Es trifft Frymann. Seine Vorfreude ist jetzt dahin. Tag und Nacht denkt er an die verwĂŒnschte Rede. Anstatt sich normal wie unter Freunden auszudrĂŒcken, entwirft er ein politisches Manifest, gespickt mit „Donnerworten gegen Jesuiten und Aristokraten“. Es ist ihm selbst unheimlich. Hermine, der er es zeigt, meint, „die Rede sei sehr krĂ€ftig, doch scheine ihr dieselbe etwas verspĂ€tet, da die Jesuiten und Aristokraten fĂŒr einmal besiegt seien, und sie glaube, eine heitere und vergnĂŒgte Kundgebung wĂ€re besser angebracht.“ Er weiß es natĂŒrlich besser; immerhin will er den Ausdruck „hie und da etwas mildern.“ – „Das wird gut sein,“ fuhr Hermine fort, „da so viele ‚also‛ vorkommen.“ Frymann gibt auf und zerreißt das Papier, blamieren kann er sich auch ohne Vorbereitung.

In Aarau: Unter strahlend blauem Julihimmel wogt das Volk. SchĂŒtzenvereine aus der ganzen Schweiz marschieren zum Festplatz, mitten im GedrĂ€nge die sieben Aufrechten. Karl, der getrennt angereist ist, erspĂ€ht sie von Weitem. Sie bewegen sich im Takt der Musik und scheinen munter, nur – Frymann trug die Fahne voraus mit einem Gesicht, als ob er zur Hinrichtung gefĂŒhrt wĂŒrde. Plötzlich sind sie verschwunden. Karl sucht, findet sie seitab der Menge auf den BĂ€nken einer kleinen Wirtschaft wie von einem Donnerwetter hingehagelt. Frymann streikt – „Punktum! Ich tu’s nicht!“ - und stellt die Fahne in die Ecke. Hediger, dem Böses schwant, rĂ€t zum RĂŒckzug. Da tritt Karl vor: „Ich trage sie und spreche fĂŒr euch, ich mache mir nichts daraus!“ Der Einspruch seines Vaters geht in freudiger Zustimmung unter.

Auf dem Festplatz: Die sieben alten Köpfe schwammen wie eine von der Sonne beschienene Eisscholle im dunklen Volksmeer. Karl beginnt seine Rede:„Liebe Eidgenossen! Wir sind da unser acht Mannli mit einem Fahnli gekommen, sieben Grauköpfe mit einem jungen FĂ€hndrich!“ Nicht um TrophĂ€en zu erjagen seien sie hier, sondern um ihr FĂ€hnlein einzuweihen, auf dem geschrieben stehe, was den Verein der Alten seit vierzig Jahren ohne Namen, Statuten und Ämter zusammenhalte. Danach wollten sie wieder zurĂŒcktreten ins „Waldesdickicht der Nation“. Karl spricht aus dem Stegreif und ohne ĂŒbertriebene Ehrfurcht: „Schaut sie an, diese alten SĂŒnder!“ In der Kirche sehe man sie selten, aber „so oft das Vaterland in Gefahr ist, fangen sie ganz sachte an, an Gott zu glauben“. Der Hauptsatz ihrer Theologie laute dann: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!“ Auch Freudentage machten sie wieder fromm und duldsam. Besonders heute seien sie zufrieden mit den Anfangsworten der neuen Bundesverfassung „Im Namen Gottes des AllmĂ€chtigen“ und fragten nicht, ob damit der katholische oder der reformierte Herr der Heerscharen gemeint sei. Überhaupt, fĂ€hrt Karl fort, sei die Mannigfaltigkeit von Glauben, Sitten und Sprachen die Schule dieser Freundschaft: so viel verschiedenes Volk vereint im engem Raum der Schweiz: „Welche Schlauköpfe und welche MondkĂ€lber laufen da nicht herum, welches EdelgewĂ€chs und welch’ Unkraut blĂŒht da lustig durcheinander, und alles ist gut und herrlich und ans Herz gewachsen; denn es ist im Vaterlande!“ Das aber hĂ€tte die Freunde zu Philosophen werden lassen, die ĂŒber die Grenzen hinweg achtungsvoll auf andere LĂ€nder blickten; „doch ihr Wahlspruch blieb immer: Achte jedes Mannes Vaterland, aber das deinige liebe.“ Wie manche ins Bad reisten, um sich zu verjĂŒngen, so die sieben Alten zum Feste. „Der eidgenössische Festwein ist der Gesundbrunnen, der ihr Herz erfrischt. Die Rede schließt mit den Worten: Es lebe die Freundschaft im Vaterland! Es lebe die Freundschaft in der Freiheit!“. Bravorufe von allen Seiten, der Empfangsredner ĂŒberreicht den BegrĂŒĂŸungstrunk und erwidert die Ansprache: „Euer, wie ihr ihn nennt, namen- und statutenloser Verein, ehrwĂŒrdige MĂ€nner, lebe hoch!“

Im Festzelt: Die Aufrechten, auch der verblĂŒffte Frymann, schĂŒtteln ihrem Redner die Hand: „Wie aus unserem Herzen gesprochen!“ Und zu Hediger: „ChĂ€ppermann![3] Das ist gutes Holz an deinem Buben, der wird gut, laß ihn nur machen! Grad wie wir, nur gescheiter, wir sind alte Esel.“ Von seinem Vater bekommt Karl nun eine lange Rede zu hören: „Sohn! Eine schöne aber gefĂ€hrliche Gabe hast du verraten, pflege sie“ [
]; anschließend eine noch lĂ€ngere von Frymann: „GleichmĂ€ĂŸig bilde deine Kenntnisse aus und bereichere deine Grundlagen, daß du nicht in leere Worte verfallest!“ Die Ironie der Situation bleibt nicht unbemerkt: „Da seht nun diese zwei, die nicht fĂŒr uns sprechen wollten und nun wieder reden, wie die BĂŒcher!“ Karl wird in den Kreis der Alten aufgenommen. – Nach dem FrĂŒhstĂŒck geht jeder seines Weges, zur mittĂ€glichen Speisung der Volksmenge treffen sie sich wieder im Zelt. Hermine ist jetzt dabei. Ein Redner tritt auf, zitiert Karl und gedenkt der Erscheinung der sieben Greise. Errötend legen die Aufrechten Messer und Gabel weg und blicken auf den Urheber ihres Ruhmes. Da fĂ€llt ihnen die Wette wieder ein. WĂ€re es nicht Zeit, fragt der Silberschmied, dem PĂ€rchen das Himmelbett zuzuerkennen und dem Verein das FĂ€sschen Schweizerblut? Der Zimmermann runzelt aber die Stirn: „Ein gutes Mundwerk wird nicht gleich mit einem Weib bezahlt!“

Auf dem Schießstand: Das PĂ€rchen ist dem TischgesprĂ€ch entflohen. Auch will Karl endlich sein GlĂŒck als SchĂŒtze versuchen. „Du mußt einen Becher gewinnen!“ befiehlt ihm Hermine. Er protestiert, dazu sind 25 Treffer nötig und er kann sich gerade 25 SchĂŒsse leisten. Mehr als mit Worten bewirkt Hermine aber mit den Augen: Tu mir den Willen, ich habe dir mehr zu geben, als du ahnst! sagten diese Augen, und Karl schaute fragend und neugierig hinein, bis sie sich verstanden im GerĂ€usch und Gebrause des Festes. Als sich nach den ersten Treffern Neugierige um sie sammelt, wechseln sie zu einer anderen Scheibe. Karl schießt ĂŒberlegt und ohne Hast. Eine Kugel nach der anderen trifft ins Schwarze. Die letzten behandelt er bedĂ€chtlich wie GoldstĂŒcke; keine verfehlt das Ziel.

Der Tag neigt sich: Die Alten saßen in tiefen und fröhlichen GesprĂ€chen. Hediger verstummt, als Karls WaffenglĂŒck bekannt wird, und nimmt sich vor, ihn nicht lĂ€nger zu bevormunden. Der gewonnene Becher, inwendig vergoldet, steht vor Hermine, seine Glanzlichter spielen auf ihrem Gesicht. Die Umsitzenden werden aufmerksam, MĂ€nner ziehen vor ihr den Hut, Studenten gratulieren Frymann zu seiner schönen Tochter. Doch auch Karl erhĂ€lt noch einmal Gelegenheit zu glĂ€nzen. Ein uriges Paar, Vater und Sohn, Sennen aus dem Entlebuch, setzt sich zu ihnen an den Tisch. Der Vater, achtzigjĂ€hrig, mĂŒht sich vergeblich, sein fĂŒnfzigjĂ€hriges und nicht mehr ganz nĂŒchternes BĂŒebli von einer Kraftprobe abzuhalten. Karl bezwingt den BĂ€ren im Fingerhakeln. „Das kommt lediglich vom Turnen“, entschuldigt er sich, als die Alten schweigen. Hediger findet als erster wieder Worte und preist die neue Zeit, die den Menschen zur Allseitigkeit erzieht und auch das Schneiderskind anleitet, seinen Leib zu ĂŒben. Frymann, ebenfalls aus einem Nachdenken erwacht, stimmt zu. Alle hĂ€tten sie geholfen, die neue Zeit herbeizufĂŒhren, nun solle das Weitere der Jugend ĂŒberlassen sein. Da niemand den Aufrechten Starrsinn nachsagen könne, gebe er seinen Widerstand auf und lade den Schneider ein, Gleiches zu tun. Hediger nimmt an, die Sieben erheben sich, Karls und Hermines HĂ€nde werden ineinandergelegt. „GlĂŒck zu! Da gibt’s eine Verlobung, so muß es kommen!“ rufen die Leute und eilen herbei. Das PĂ€rchen entzieht sich dem Hallo auf den nĂ€chtlich leeren Festplatz. Unter der Fahnenburg tauschen Karl und Hermine KĂŒsse und Versprechungen. Ob Hermine fortan wirklich das Regiment fĂŒhren und ihn unter den Pantoffel bringen wolle? Ja, antwortet sie, „es wird sich indessen schon ein Recht und eine Verfassung zwischen uns ausbilden“.

Über das Werk

Das FĂ€hnlein ist eine politisch-didaktische ErzĂ€hlung. Keller fĂŒhrt vor, wie aus den sozialen GegensĂ€tzen zwischen Reich und Arm, Mann und Frau, Alt und Jung ein Konflikt entsteht, und wie die Personen der Handlung diesen lösen: Die Jungen, indem sie „es den Alten zeigen“, nĂ€mlich Verstand, Talent und Charme einsetzen, anstatt mit dem Kopf durch die Wand zu rennen; die Frauen ebenso, wobei sie sich durch Diplomatie hervortun und die MĂ€nner geschickt zu lenken verstehen; schließlich die Alten selbst, indem sie erkennen, dass die neue Zeit neue Verhaltensweisen verlangt. Anstelle von stolzer Unbeugsamkeit wird nun freundschaftliche Achtung erwartet, in der Familie nicht weniger als im Staat und unter den Völkern. In diesem Bewusstsein treten die VĂ€ter den Anspruch, die Zukunft ihrer Kinder zu bestimmen, freiwillig ab; der Sohn des Armen bekommt die Tochter des Reichen; als Mann und Frau werden sie sich miteinander vertragen.

Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Keller als Trommler beim ersten Freischarenzug 1844

Das FĂ€hnlein war die erste ErzĂ€hlung, die Keller nach seiner RĂŒckkehr aus Berlin vollendete und zugleich die erste historische Novelle aus seiner Feder. Anders als die Seldwyler Novellen spielt sie auf realen SchauplĂ€tzen und rankt sich um geschichtliche Ereignisse. Den SiebenmĂ€nnerverein gab es wirklich, und Kellers Biographen ĂŒberliefern sogar die Namen der Handwerker, nach denen die „Aufrechten“ modelliert sind.[4] Urbild des alten Hediger war der Schneidermeister Konrad Wuhrmann (1791–1858), Freund von Kellers Vater, Teilnehmer an beiden FreischarenzĂŒgen und Leihgeber der Flinte, die der junge Keller beim zweiten mitfĂŒhrte. Auch Wuhrmanns politisches Studierzimmer war Keller vertraut, 1843 unterlag er dort in einem Redegefecht einem AnhĂ€nger des Schneidergesellen und FrĂŒhkommunisten Wilhelm Weitling.[5] Im Übrigen hat der Dichter „die Natur korrigiert“ und seinen erzĂ€hlerischen Rohstoff durch eine Liebesgeschichte poetisiert, die ebenso wie die Festansprache Karls frei erfunden ist. Dass der Verein SchĂŒtzenfeste besuchte, wobei es einmal zu einem handfesten Krach kam, weil niemand die Rede halten wollte, ist jedoch bezeugt, wenn auch nicht fĂŒr das Aarauer Freischießen von 1849.

Die „Fahnenburg“ auf dem ZĂŒrcher SchĂŒtzenfestes von 1859

Keller kannte den Festschauplatz des FĂ€hnleins nicht aus eigener Anschauung. Die AtmosphĂ€re, die er schildert, ist die des ZĂŒrcher Eidgenössischen SchĂŒtzenfestes. Es fand 1859 statt, als der BĂŒrgerkrieg, der zur Einigung der Schweiz gefĂŒhrt hatte,[6] schon 12 Jahre zurĂŒck lag.[7] Gleichwohl bestand immer noch Bedarf an versöhnlichen Worten und Gesten gegenĂŒber der unterlegenen Partei, zumal die Schweiz gerade von außen bedroht war.[8] Der ErzĂ€hler trĂ€gt diesem Umstand humorvoll Rechnung, indem er die einstigen Sieger nunmehr als Besiegte erscheinen lĂ€sst – ĂŒberwunden durch die eigenen Kinder.

Entstehung und Zielsetzung

Aufschluss ĂŒber die politisch-didaktischen Absichten Kellers gibt der Briefwechsel mit seinem deutschen Auftraggeber Berthold Auerbach.[9] Dieser hatte „etwas kurzes Abgerundetes“ zu einem schweizerischen Thema bestellt. Keller versprach eine Geschichte und Ă€ußerte zugleich sein Unbehagen an der modischen Schweizbegeisterung und seinen Ärger ĂŒber Schriftsteller, die sie ausnutzten, um eine Helvetische Nationalliteratur samt Nationaltheater gleichsam aus dem Boden zu stampfen: „Namentlich ein Wiener FlĂŒchtling, Dr. Eckart in Bern, betreibt eine so hyperpatriotische und ĂŒberschweizerische philiströse Ruhmrednerei und Duselei, daß unsereins sich ob solchem wahrhaft helotischen [sklavischen] Gebaren schĂ€men muss.“ Dagegen strebe er, Keller, danach, „die Freude am Lande mit einer heilsamen Kritik zu verbinden“. Als Auerbach sich von der fertigen ErzĂ€hlung hoch erfreut zeigte, erklĂ€rte Keller seine volkspĂ€dagogischen Vorstellungen noch deutlicher:

Wir haben in der Schweiz allerdings manche gute Anlagen, und was den öffentlichen Charakter betrifft, offenbar jetzt ein ehrliches Bestreben, es zu einer anstĂ€ndigen und erfreulichen Lebensform zu bringen, und das Volk zeigt sich plastisch und froh gesinnt und gestimmt; aber noch ist lange nicht alles Gold was glĂ€nzt; dagegen halte ich es fĂŒr Pflicht eines Poeten, nicht nur das Vergangene zu verklĂ€ren, sondern das GegenwĂ€rtige, die Keime der Zukunft soweit zu verstĂ€rken und zu verschönern, daß die Leute noch glauben können, ja, so seien sie und so gehe es zu! Thut man dies mit einiger wohlwollenden Ironie, die dem Zeuge das falsche Pathos nimmt, so glaube ich, daß das Volk das, was es sich gutmĂŒthig einbildet zu sein und der innerlichen Anlage nach auch schon ist, zuletzt in der That und auch Ă€ußerlich wird. Kurz, man muß, wie man schwangeren Frauen etwa schöne Bildwerke vorhĂ€lt, dem allezeit trĂ€chtigen Nationalgrundstock stets etwas besseres zeigen, als er schon ist; dafĂŒr kann man ihn auch um so kecker tadeln, wo er es verdient.

Als Titel hatte Keller „Das FĂ€hnlein der sieben Freunde“ vorgeschlagen. Auerbach fand „Das FĂ€hnlein der sieben Aufrechten“ zĂŒndender, kĂŒrzte aber aus RĂŒcksicht auf die prĂŒde Leserschaft seines Kalenders die Liebesszenen. Keller ließ ihn gewĂ€hren: „Wir verlieren damit etwas novellistische Petersilie, welche zur AusschmĂŒckung des didaktischen Knochens nöthig ist; doch ist’s nun einmal so.“ FĂŒr den Abdruck der ErzĂ€hlung in den ZĂŒricher Novellen stellte er den ursprĂŒnglichen Text wieder her; Auerbachs Titel behielt er bei.

Gesellschaftskritik und AktualitÀt

Als Gesellschaftskritiker nahm Keller unterschiedlich tief gehende Erscheinungen aufs Korn und traf sie mit unterschiedlichen Stilmitteln: Über AuswĂŒchse des SchĂŒtzenwesens, Verschwendungs- und Prahlsucht, machte er sich lustig – die MilitĂ€rklammotte mit Ruckstuhl. Über eingefleischten Geiz und Geldstolz goss er MoliĂšreschen Spott aus – durch den Mund des sarkastisch gelaunten Schneidermeistes. Seine ernsteren Bedenken Ă€ußerte er durchs gleiche Sprachrohr, doch im Tone einer Prophezeiung:

„Es wird eine Zeit kommen, wo in unserem Lande, wie anderwĂ€rts, sich große Massen Geldes zusammenhĂ€ngen, ohne auf tĂŒchtige Weise erarbeitet und erspart worden zu sein; dann wird es gelten, dem Teufel die ZĂ€hne zu weisen; dann wird es sich zeigen, ob der Faden und die Farbe gut sind an unserem Fahnentuch!“

„Ahnungsvoll“ nennt ein heutiger Literaturkritiker diese Worte.[10] Wie der eingestreute „kecke Tadel“ bewirkten sie, dass Kellers „Zufriedenheit mit den vaterlĂ€ndischen ZustĂ€nden“[11] nirgendwo in nationale SelbstbeweihrĂ€ucherung abglitt. SpĂ€ter reute ihn die Ausmalung der Welt als gut und fertig. Er ließ die ErzĂ€hlung nur als schöne Momentaufnahme gelten, die magische Vorbildwirkung, die er sich von ihr erhofft hatte, war ausgeblieben. An Theodor Storm schrieb er: „Das ‚FĂ€hnlein‛, kaum 18 Jahre alt, ist bereits ein antiquiertes GroßvaterstĂŒck; die patriotisch-politische Zufriedenheit, der siegreiche altmodische Freisinn sind wie verschwunden, soziales Mißbehagen, Eisenbahnmisere, eine endlose Hatz sind an die Stelle getreten.“[12]

Feste wirken gemeinschaftsstiftend und gemeinschaftserhaltend. In Kellers FĂ€hnlein besteht der Sinn des nationale Festes darin, gegensĂ€tzliche Interessen auszugleichen. Auf allen Ebenen des Gemeinwesens, Staat, Kanton, Verein, Freundeskreis, Familie, werden BĂŒndnisse erneuert oder neu geschlossen. Die Verlobung der Aufrechten-Kinder erfĂŒllt die allgemeine Erwartung: „so muß es kommen!“ rufen die Leute. Nach Jahren im Staatsdienst begann Keller an dieser leichten Versöhnbarkeit von privatem und öffentlichem Interesse zu zweifeln. Entsprechend Ă€nderte sich seine Einstellung zu nationalen Festen. Das zeigt sich deutlich in seinen spĂ€teren ErzĂ€hlwerken: In der Novelle Das verlorene Lachen (1874) bildet ein solches Fest die Kulisse zu einer problematischen, im Roman Martin Salander (1886) die zu einer unglĂŒcklichen Eheschließung.

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. Briefe von Abraham Roth an Keller, veröffentlicht auf Walter Morgenthalers Gottfried-Keller-Homepage.
  2. ↑ Alle wörtlichen Zitate nach dem Text der FrĂ€nkelschen Ausgabe von Kellers Werken, Bd. 10, S. 3–90; S. 6.
  3. ↑ Hedigers Vorname ist ChĂ€pper, Schweizerdeutsch fĂŒr Kaspar.
  4. ↑ Jakob Baechtold: Gottfried Kellers Leben. Seine Briefe und TagebĂŒcher. 3 BĂ€nde. Wilhelm Hertz, Berlin 1894-97. Bd. I, S. 246–8. Emil Ermatinger: Gottfried Kellers Leben. 8. Auflage. Artemis, ZĂŒrich 1950. S. 147 f.
  5. ↑ Wuhrmann war Weitlings Arbeitgeber wĂ€hrend dessen Aufenthalt in ZĂŒrich. Im Juni 1843 wurde Weitling verhaftet und Wuhrmanns Haus durchsucht. Am 16. Juli 1843 schrieb Keller in sein Tagebuch: Diese Kommunisten sind wie besessen. Ich habe mich zwei Stunden mit einigen herumgezankt. Es waren Schneidergesellen samt ihrem Meister und ein etwas studiert scheinender Bursche mit guter Zunge. Die Schneider waren durchaus nicht dazu zu bringen, aus dem Kommunismus und seinen Ideen herauszutreten und ihn unbefangen von außen anzusehen; und wann sie sich nicht mehr ausdrĂŒcken konnten, oder sich vergaben, so rĂŒckte schnell der Studierte mit Sukkurs [UnterstĂŒtzung] heran und baute mit gelĂ€ufiger Zunge ein GebĂ€ude auf, bei dem man ihm fast jeden Stein so zu sagen anerkennen mußte und welches man am Ende nur mit den Worten wieder umstoßen konnte: „Es wird und kann halt nicht sein!“ Freilich nicht zu seiner Überzeugung. Der Meister aber ist ein heftiger Demokrat und ehrlicher Republikaner, welcher vom Kommunismus endliche Besiegung aller Aristokratie und ihrer Sippschaft hofft und darum an ihn glaubt. (Baechtold, Bd. I, S. 204 f.) Im FĂ€hnlein werden dem Meister keine solchen Sympathien zugeschrieben, sei’s, weil das Original nach dem Sieg ĂŒber die Aristokraten seine Meinung geĂ€ndert hatte, sei’s, weil es Keller so besser ins Konzept passte.
  6. ↑ Siehe Sonderbundskrieg.
  7. ↑ Vgl. Rolf A. Meyer: Das SchĂŒtzenfest von 1859 (PDF) in Neue ZĂŒrcher Zeitung vom 31. Juli 1980.
  8. ↑ Siehe Savoyerhandel.
  9. ↑ Briefwechsel vom 22. Februar bis 15. September 1860, veröffentlicht auf Walter Morgenthalers Gottfried-Keller-Homepage.
  10. ↑ Vgl. Gerhardt Kaiser: Gottfried Keller. Das gedichtete Leben. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1981, S. 481.
  11. ↑ Vgl. Gottfried Keller: „Selbstbiographie“ S. 5.
  12. ↑ Brief vom 25. Juni 1878. Veröffentlicht auf Walter Morgenthalers Gottfried-Keller-Homepage

Literatur

Texte

  • Gottfried Keller: Das FĂ€hnlein der sieben Aufrechten. Philipp Reclam jun. Ditzingen 1986 ISBN 978-3-15-006184-8
  • Urs Widmer: Das FĂ€hnlein der sieben Aufrechten. Neu entrollt und hochgehalten von Urs Widmer. (= Wagenbachs Taschenbuch 141). Wagenbach Verlag. Berlin 1989 ISBN 3-8031-2141-8

SekundÀrliteratur

  • Josef Schmidt: Das FĂ€hnlein der sieben Aufrechten. ErlĂ€uterungen und Dokumente. Philipp Reclam jun. Ditzingen 1994 ISBN 3-15-008121-1

Verfilmungen

Weblinks


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