Denis Papin

Denis Papin um 1706

Denis Papin (* 22. August 1647 in Blois, Frankreich; † vermutlich 1712 in London), war Physiker, Mathematiker und Erfinder und erlangte Bekanntheit für seine Pionierarbeiten zur Entwicklung der Dampfmaschine, des Schnellkochtopfes[1] und des U-Bootes.[1]

Seine meisten Patente entwickelte er in Marburg, wo er 1687–1707 Professor an der Philipps-Universität war.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Papin studierte ab 1661 an der Universität Angers und wurde Doktor der Medizin, befasste sich in der Folge aber vorwiegend mit physikalischen Problemen.

1671 wurde Papin Assistent von Christiaan Huygens in Paris. Sie arbeiteten an der Entwicklung einer Pulverkraftmaschine. In Paris lernte Papin auch Gottfried Wilhelm Leibniz kennen, mit dem er zeitlebens korrespondierte. Bereits vor den Versuchen Papins befasste sich Otto von Guericke 1663 mit Experimenten zur Pneumatik, konnte deren Ergebnisse jedoch erst 1672 veröffentlichen. 1675 ging Papin nach London und wurde Mitarbeiter von Robert Boyle und 1679 Assistent von Robert Hooke. 1679 erfand er das Kochen mit gespanntem Dampf. Hierfür konstruierte er einen Dampfdruck-Kochtopf den Papin’schen Topf, der bei der ersten Vorführung vor der Royal Society zerbarst. Erst nachdem Papin auch das Sicherheitsventil erfunden hatte, funktionierte sein Kochtopf sicher und erhielt 1681 in Paris die Patentschrift.[2]

Papins Druckzylinder
Papin-Denkmal von 1906 vor dem Kasseler Ottoneum

1681 stieg Papin zum Leiter der Experimentalabteilung an der accademia publica di scienze in Venedig auf und wurde 1684 Mitarbeiter der Royal Society, deren Vorsitzender Robert Boyle war. Dem französischen Hugenotten Papin wurde die Rückkehr nach Frankreich verwehrt, nachdem Ludwig XIV. das Edikt von Nantes (Religionsfreiheit für Protestanten) aufgehoben hatte. In dieser Zeit arbeitete Papin in Venedig auch an Dampfkanonen.

Die Universität Marburg berief Papin 1687 als Professor an den Lehrstuhl für Mathematik. 1690 berichtete er von einer Dampfmaschine, die er gebaut hatte. Es handelte sich im Wesentlichen um einen Zylinder, in dem sich ein wenig Wasser und ein Kolben befanden. Wenn der Zylinder von außen abwechselnd erwärmt und abgekühlt wurde, bewegte sich der Kolben und lieferte nutzbare mechanische Arbeit. Es war die erste funktionierende Wärmekraftmaschine.

In der französischen Gemeinde der Hugenotten war Papin einer der Kirchenältesten. Zur Sitzordnung in der Gemeinde geriet er 1691 in einen heftigen Streit mit dem Prediger Thomas Gautier, der auch an der Universität lehrte. Als er Gautier zusätzlich Veruntreuung von Armengeldern vorwarf, wurde er seines Ältestenamtes enthoben und vom Abendmahl ausgeschlossen.[3]

Papin entwickelte 1692 ein Unterwasserfahrzeug und führte die erste Fahrt darin selbst durch. 1696 erhielt er eine Anstellung beim Landgrafen von Hessen-Kassel und arbeitete an den technischen Voraussetzungen für die Wasserkünste im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel. Während dieser Zeit erhielt Thomas Savery in England das erste Patent für eine Dampfdruckpumpe, die sich aber nicht durchsetzte.

Eisenhütte in Veckerhagen

Papin blieb zunächst in Kassel und baute um 1706 in der Kurhessischen Eisenhütte Veckerhagen den ersten Dampfzylinder. Hieraus entwickelte er eine Dampfdruckpumpe, die im Park Wilhelmshöhe das Wasser fördern sollte. Die Pumpe funktionierte nur kurz, da die Verbindungen und Dichtungen im Inneren nicht hielten und die Ventile leckten. Außerdem hielten die aus Blei gefertigten Rohrleitungen dem Druck nicht stand.

Gemälde: „DionySius Papin“ Anno 1689 mit seinem Druckzylinder

Um nach London zurückkehren zu können, baute Papin 1707 ein durch seinen Dampfzylinder und Muskelkraft angetriebenes Schaufelradboot und wollte es auf Fulda und Weser von Kassel nach Münden überführen. Das Schaufelradboot wurde aber im Streit um Passierrechte von der Mündener Schiffergilde zerstört und er kam ohne seine Erfindung noch im selben Jahr wieder nach London, wo er aber nicht mehr Fuß fassen konnte.

Das letzte Lebenszeichen Papins ist ein Auszahlungsvermerk der Royal Society vom 5. April 1712; wahrscheinlich starb er noch im selben Jahr. In einem Brief vom 24. Oktober 1715 berichtete der deutsche Mathematiker Lothar Zumbach von Koesfeld (1661–1727) an Leibniz, Papin sei in England in großer Armut gestorben, wobei sich Zumbach auf einen englischen Gewährsmann berief.

1712, im mutmaßlichen Todesjahr Denis Papins, baute Thomas Newcomen eine atmosphärische Kolbendampfmaschine, die sich als erste Wärmekraftmaschine am Markt durchsetzen konnte. Sie wurde von den 1769 patentierten Dampfmaschinen James Watts abgelöst.

Siehe auch

Werke

Literatur

Weblinks

 Commons: Denis Papin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Walther Kiaulehn: Die eisernen Engel. Eine Geschichte der Maschinen von der Antike bis zur Goethezeit. Deutscher Verlag („arisierter“ Ullstein-Verlag), Berlin 1935; neu aufgelegt 1953 im Rowohlt-Verlag
  2. Papin, Denis in: Encyclopaedia Britannica von 1885 (9. Auflage, Vol. 18, Seite 228–229)
  3. U.Niggemann: Integrationspolitik zwischen Konflikt und Konsens: die Hugenottenansiedlung in Deutschland und England, Köln-Wien 2008, p.475/76

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Denis Papin — Denis Papin, unknown artist, 1689. Born 22 August 1647 Chitenay (presen …   Wikipedia

  • Denis Papin — Saltar a navegación, búsqueda Denis Papin Denis Papin (Blois, 22 de agosto de 1647 c. 1712) fue un físico e inventor francés. Contenido …   Wikipedia Español

  • Denis Papin — (Blois, 22 de agosto de 1647 c. 1712). Físico e inventor francés …   Enciclopedia Universal

  • Denis Papin — Pour les articles homonymes, voir Papin. Denis Papin …   Wikipédia en Français

  • Echirolles Denis Papin (tramway de Grenoble) — Échirolles Denis Papin (tramway de Grenoble) Échirolles Denis Papin Véhicule Tramway Alimentation Aérienne Localité Échirolles Inauguration 1997 Ligne A Station précédente Station suivante …   Wikipédia en Français

  • PAPIN (D.) — PAPIN DENIS (1647 1714) Inventeur et physicien français né à Chitenay, près de Blois, et mort à Londres. Abandonnées depuis Héron d’Alexandrie (IIIe s.), les recherches sur la vapeur sont reprises, au XVIIe siècle, après la découverte, toute… …   Encyclopédie Universelle

  • Papin — is a surname, and may refer to:* Christine Papin (1905 1937), French murderer * Denis Papin (1647 c.1712), French physicist, mathematician and inventor * Jean Pierre Papin (born 1963), French former football player * Joseph Papin (1825 1862),… …   Wikipedia

  • Papin — ist der Familienname folgender Personen: Denis Papin (1647–1712), französischer Physiker Jean Louis Henri Maurice Papin (* 1947), seit 1999 Bischof von Nancy und Toul Jean Pierre Papin (* 1963), französischer Fußballspieler Wassili Wiktorowitsch… …   Deutsch Wikipedia

  • Denis (Prénom) — Cette page d’homonymie répertorie les différents sujets et articles partageant un même nom. Pour les articles homonymes, voir Denis, Saint Denis et Saint Denis. Denis ou Denys est un prénom masculin très usité en France. Les Denis (et ses var …   Wikipédia en Français

  • Papin’scher Topf — Papin’scher Topf, Abbildung von 1680. Ein Papin’scher Topf stellt den Vorläufer des modernen Schnellkochtopfes dar. Es handelt sich dabei um einen Behälter, in dem durch die Erzeugung unterschiedlicher Drücke die Siedetemperatur von Wasser… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.