Der alte Großvater und der Enkel


Der alte Großvater und der Enkel

Der alte Großvater und der Enkel ist eine moralische Parabel (ATU 980 (1)). Sie steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 78 (KHM 78) und stammt aus Johann Heinrich Jung-Stillings Autobiographie Heinrich Stillings Jünglingsjahre (1778), ist aber schon früher bezeugt.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Der alte Großvater kann seine Suppe nicht mehr richtig essen, er verschüttet sie, und sie läuft ihm auch immer wieder aus dem Mund. Da sich sein Sohn und seine Schwiegertochter davor ekeln, muss er beim Essen in der Ecke sitzen. Als er dazu noch seine Schüssel zerbricht, bekommt er nur noch einen Holznapf, aus dem er essen muss. Kurz darauf trägt der vierjährige Enkel kleine Brettlein zusammen und erklärt den Eltern, er wolle ein Tröglein machen, aus dem Vater und Mutter essen sollen, wenn er groß ist und sie dann alt sind. Daraufhin fangen die Eltern an zu weinen und holen den Großvater wieder an den Esstisch.

Herkunft

Der seit der Erstauflage der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen im Jahre 1812 unter Nr. 78 wiedergegebene Text gehört zu der gar nicht so kleinen Zahl von Geschichten, welche die Brüder Grimm gedruckten Vorlagen entnommen haben. Diese Geschichte stammt aus dem autobiographischen Roman Heinrich Stillings Jünglingsjahre des Dichters Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817). Dort erzählt sie ein Junge in der Lateinschule. Lediglich den Namen (der alte Frühling) und zeitgebundene Formulierungen (ehgestern sein irdenes Schüsselchen zerbrochen) ließen die Brüder Grimm weg. In ihrer Fassung ist die Geschichte weltberühmt geworden, was weder durch die Wiedergabe Jung-Stillings noch durch die lange und gut belegte Überlieferungsgeschichte geschehen wäre.

Bemerkungen

Das Märchen ist völlig untypisch für die Sammlung der Brüder Grimm, es handelt sich mehr um eine kurze belehrende Erzählung. Zudem enthält es weder märchenhafte noch unwahrscheinliche Elemente, das Märchen könnte, so wie es geschrieben ist, geschehen sein. Völlig natürlich und kindgerecht ist auch das Verhalten des Kindes, das bei den Eltern Erlebte spielerisch nachahmen zu wollen. Ob das Kind seine Eltern mit Absicht beschämen will, geht aus dem Märchen nicht hervor. Das Märchen ist aufgrund seiner Kürze, seiner Gewaltlosigkeit und seiner eingängigen Moral oft in Lesebüchern für Grundschulen zu finden. Ein ähnliches Thema hat Grimms Märchen Nr. 145 Der undankbare Sohn.

Literatur

  • Jung-Stilling, Johann Heinrich. Henrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft und häusliches Leben. Bibliographisch ergänzte Ausgabe. Stuttgart 1997. S. 93. (Reclam-Verlag; ISBN 3-15-000662-7)
  • Rölleke, Heinz (Hrsg.): Grimms Märchen und ihre Quellen. Die literarischen Vorlagen der Grimmschen Märchen synoptisch vorgestellt und kommentiert. 2., verb. Auflage, Trier 2004. S. 108-109, 558-559. (Wissenschaftlicher Verlag Trier; Schriftenreihe Literaturwissenschaft Bd. 35; ISBN 3-88476-717-8)

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