Dessau

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Dessau
Blick auf Dessau von der Aussichtsplattform „Alter RĂ€ucherturm“ (bearbeitetes HDR-Bild)
Blick auf Dessau von der Mulde

Dessau war eine kreisfreie Stadt im Land Sachsen-Anhalt; seit dem 1. Juli 2007 ist sie Teil der neuen kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau.[1] Das bisherige Dessau war, gemessen an der Zahl der Einwohner, nach Halle (Saale) und Magdeburg die drittgrĂ¶ĂŸte Stadt Sachsen-Anhalts (bezogen auf die FlĂ€che die zweitgrĂ¶ĂŸte), sowie eines von drei Oberzentren des Bundeslandes. Die nĂ€chsten grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte sind Halle (Saale), etwa 40 km sĂŒdwestlich, Leipzig, etwa 52 km sĂŒdlich und Magdeburg, etwa 65 km nordwestlich. Historisch war Dessau Hauptstadt und Residenz des FĂŒrsten-, spĂ€teren Herzogtums Anhalt-Dessau und Anhalt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

JĂ€gerbrĂŒcke an der Mulde bei Dessau

Dessau liegt inmitten einer ausgedehnten Auenlandschaft beiderseits der unteren Mulde, die nördlich der Stadt in die Elbe mĂŒndet. Die Stadt wird regelmĂ€ĂŸig durch Hochwasser bedroht, da das Wasser der Mulde nach starken RegenfĂ€llen nicht mehr in die Elbe abfließen kann und sich zurĂŒckstaut; so wurde im Jahr 2002 der Ortsteil Waldersee vollstĂ€ndig ĂŒberflutet.

Im SĂŒden grenzt die Stadt an die waldreiche Mosigkauer Heide, in der die Taube entspringt. Dessau liegt auf einer Höhe von 61 m ĂŒ. NN. Die höchste Erhebung ist die ca. 110 m hohe ehemalige MĂŒlldeponie (Scherbelberg) im SĂŒdwesten der Stadt. Dessau ist von zahlreichen Schloss- und Parkanlagen umgeben und zĂ€hlt deshalb zu den grĂŒnsten StĂ€dten Deutschlands.

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet Dessaus war fĂŒr statistische Zwecke in 21 Stadtteile und 49 statistische Bezirke eingeteilt.

  • 01 InnerstĂ€dtischer Bereich Nord
  • 02 InnerstĂ€dtischer Bereich Mitte
  • 03 InnerstĂ€dtischer Bereich SĂŒd
  • 04 SĂŒd
  • 05 Haideburg
  • 06 Törten
  • 07 Mildensee
  • 08 Waldersee
  • 09 Ziebigk
  • 10 Siedlung
  • 11 GroßkĂŒhnau
  • 12 KleinkĂŒhnau
  • 13 West
  • 14 Alten

VerwaltungsmĂ€ĂŸig sind fĂŒr Dessau gemĂ€ĂŸ § 14 der Hauptsatzung 10 Ortschaften gebildet worden. Dabei handelte es sich um frĂŒher selbstĂ€ndige Gemeinden. Jede Ortschaft hatte einen Ortschaftsrat, der je nach Einwohnerzahl der Ortschaft zwischen drei und sieben Mitglieder hatte. Vorsitzender des Ortschaftsrat war der OrtsbĂŒrgermeister. Die OrtschaftsrĂ€te waren zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. Die endgĂŒltige Entscheidung oblag jedoch dem Stadtrat der Gesamtstadt Dessau.

Die zehn Ortschaften Dessaus (In Klammern die Einwohnerzahl zum 31. Dezember 2006,[2] keiner dieser Ortschaften zugeordnet sind 60.496 Einwohner.):

  • Dessau-GroßkĂŒhnau (1.025)
  • Dessau-KleinkĂŒhnau (1.761)
  • Dessau-Mosigkau (2.212)
  • Dessau-Kochstedt (4.343)
  • Dessau-Waldersee (2.656)
  • Dessau-Mildensee (2.136)
  • Dessau-Kleutsch (424)
  • Dessau-Sollnitz (270)
  • Dessau-Rodleben (1.561)
  • Dessau-Brambach (396)

Geschichte

Dessau im 17. Jahrhundert

Als Handelsplatz an der Kreuzung von Handelsstraßen an der Mulde nahe ihrer MĂŒndung in die Elbe Ende des 12. Jahrhunderts entstanden, wurde Dessau im Jahr 1213 erstmals urkundlich erwĂ€hnt. Der Handelsplatz entwickelte sich zu einer AckerbĂŒrgerstadt. Bereits lĂ€nger auch Burg der Askanier, wurde Dessau 1470 feste Residenz der FĂŒrsten von Anhalt-Dessau bzw. Anhalt. Der Umbau der Burg zu einem Schloss und der Ausbau der Marienkirche waren die ersten BautĂ€tigkeiten der FĂŒrsten zur Aufwertung der Residenz. Die Stadt hatte nur begrenzte Selbstverwaltung, so dass die Geschichte der Stadt untrennbar mit der Geschichte von Anhalt-Dessau bzw. des FĂŒrstenhauses verknĂŒpft ist.

Die Reformation wurde zunĂ€chst zögerlich angenommen. Noch 1526 schlossen sich in Dessau katholische FĂŒrsten zum Dessauer Bund zusammen. 1534 wurde die Reformation durch Georg III. aber offiziell eingefĂŒhrt. 1552 wurde Dessau von der Pest heimgesucht, und FĂŒrst Joachim evakuierte den Hof nach Schloss Warmsdorf bei GĂŒsten.

Ende des 16. Jahrhunderts erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung, dem der DreißigjĂ€hrige Krieg ein Ende setzte. Die ElbbrĂŒcke bei Roßlau machte Dessau zum Durchmarschgebiet zahlreicher Truppen aller kriegfĂŒhrenden Seiten und Schauplatz einer großen Schlacht 1626, der Schlacht an der ElbbrĂŒcke. Erst Ende des 17. Jahrhunderts konnte Dessau an die Vorkriegsentwicklung anknĂŒpfen, durch aktive Ansiedlungspolitik des FĂŒrsten, es wuchs auch eine große jĂŒdische Gemeinde heran. WĂ€hrend der Regentschaft von Leopold I., des Alten Dessauers, wurde Dessau zu einer barocken Residenz umgebaut und erweitert.

In der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts unter FĂŒrst Leopold III. Friedrich Franz wurde Dessau zu einem Zentrum der AufklĂ€rung in Deutschland, der mit einem tiefgreifenden Reformwerk in Bildung und Landeskultur, und der Anlage des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs und zahlreichen Bauten im Stil des Klassizismus europaweit Aufmerksamkeit erregte.

Die Industrialisierung der Region setzte 1844 mit der GrĂŒndung der Maschinenfabrik der GebrĂŒder Sachsenberg in Roßlau ein. Dessau wurde mit den Industriebetrieben u. a. der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau AG (BAMAG, gegr. 1872) und der Dessauer Waggonfabrik (1895) zu einer Stadt des Maschinen- und Fahrzeugbaus und mit der 1871 gegrĂŒndeten Dessauer Actien Zucker Raffinerie auch der Lebensmittelindustrie. Der ab 1915 in Dessau betriebene Flugzeugbau der spĂ€teren Junkers Flugzeug- und Motorenwerke begann in der dortigen, 1895 gegrĂŒndeten Fabrik fĂŒr Gasbadeöfen von Junkers & Co.. Das 1919 in Weimar gegrĂŒndete Bauhaus wurde 1925/26 in das von Walter Gropius geplante GebĂ€ude des Bauhauses Dessau verlegt. Am 22. August 1932 erfolgte im Dessauer Gemeinderat auf Antrag der NSDAP-Fraktion der Auflösungsbeschluss fĂŒr das Bauhaus, bei Stimmenthaltung der SPD und Gegenstimmen vom OberbĂŒrgermeister und den vier Stimmen der KPD, zum 1. Oktober 1932. Mies van der Rohe fĂŒhrte es dann noch bis Mitte 1933 als private Institution in Berlin weiter.

Seit 1918 Hauptstadt des Freistaates Anhalt, wurde Dessau zunĂ€chst kreisfreie Stadt, zum 1. Januar 1932 Kreisstadt des neugebildeten Landkreises Dessau-Köthen, nach 1933 Gauhauptstadt des Gaus Anhalt-Magdeburg und, durch Eingemeindung von Roßlau, 1935 zur Großstadt. Wie in vielen anderen deutschen StĂ€dten wurde 1938 die Alte Synagoge niedergebrannt und in der Folgezeit die noch verbliebenen Juden deportiert.

Die am Stadtrand von Dessau gelegenen Junkers Flugzeug- und Motorenwerke wurden ab 1940 Ziel von insgesamt 20 alliierten Luftangriffen. Hierbei wurden auch Teile der Wohnbebauung am sĂŒdwestlichen Stadtrand sowie Bahnanlagen beschĂ€digt. Am 7. MĂ€rz 1945 wurde das dichtbesiedelte Stadtzentrum von Dessau zum Kernzielgebiet eines nĂ€chtlichen britischen Bombenangriffs im Rahmen der Area Bombing Directive. Durch den Luftangriff wurden 80 % des bebauten Stadtgebietes zerstört. In der Altstadt wurden nahezu 97 % aller GebĂ€ude vollstĂ€ndig zerstört oder irreversibel beschĂ€digt. Das historische Stadtbild mit seinen Kirchen, Schlossanlagen, vielen öffentlichen GebĂ€uden, Adels- und BĂŒrgerbauten ging dadurch nahezu vollstĂ€ndig verloren. Der sehr hohe Zerstörungsgrad ist hierbei insbesondere auf den Kombinationsseinsatz von Brand- und Sprengbomben zurĂŒckzufĂŒhren.[3]

Im Zuge der Neugliederung und der Verordnung vom 23. Juli 1945 wurde das Land Anhalt zum 1. Februar 1946 in die Provinz Sachsen eingegliedert und bildete zusammen mit dieser das neue Land Sachsen-Anhalt mit den Bezirken Dessau, Magdeburg und Merseburg. Der Ortsteil Roßlau wurde aus der Stadt Dessau wieder ausgegliedert.

Nach 1945 verlor Dessau seine Hauptstadtfunktion, war aber noch bis 1952 Sitz der Bezirksregierung[4] und wurde ab 1952 im Zuge der verwaltungspolitischen Neugliederung dem Bezirk Halle zugeordnet. Die Stadt wurde im Stil der Zeit wieder aufgebaut. Ab 1972 wieder vorĂŒbergehend Großstadt, blieb Dessau Industriestadt mit Schwerpunkten im Maschinen- und Anlagenbau, Waggonbau und wurde grĂ¶ĂŸter Brauereistandort der DDR. Nach der Wende 1989/1990 ging die Industriebasis weitgehend verloren und hohe Arbeitslosigkeit fĂŒhrte zur Abwanderung von Einwohnern, der mit Eingemeindungen begegnet wurde.

Eingemeindungen

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Alten 1. Oktober 1923
Brambach 1. Januar 2005
Dellnau 1. Mai 1930
15. April 1933
Eingemeindung nach Dessau,
Umgliederung nach Mildensee
Dessau 1. Juli 2007 Zusammenschluss mit Roßlau/Elbe zu Dessau-Roßlau
GroßkĂŒhnau 1. Oktober 1923
Haideburg, Gutsbezirk 1. Januar 1949
Jonitz 1. Mai 1930
15. April 1933
1. April 1935
Eingemeindung nach Dessau,
Ausgliederung aus Dessau,
Zusammenschluss mit Naundorf zu Jonitz-Naundorf
Jonitz-Naundorf 24. Juli 1935 Umbenennung in Waldersee
KleinkĂŒhnau 1. Oktober 1923
Kleutsch 1. Juli 1994
Kochstedt 1. Juli 1950
Mildensee 1. November 1945
Mosigkau 25. Juli 1952
Naundorf 1. Mai 1930
15. April 1933
1. April 1935
Eingemeindung nach Dessau,
Ausgliederung aus Dessau,
Zusammenschluss mit Jonitz zu Jonitz-Naundorf
Neeken 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Brambach
Pötnitz 1. Mai 1930
15. April 1933
Eingemeindung nach Dessau,
Umgliederung nach Mildensee
Rietzmeck 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Brambach
Rodleben 1. Januar 2005
Scholitz 1. Mai 1930
15. April 1933
Eingemeindung nach Dessau,
Umgliederung nach Mildensee
Sollnitz 1. Juli 1994
Tornau 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Rodleben
Törten 1. Oktober 1923
Waldersee 1. November 1945
Ziebigk 1. Oktober 1923

Einwohnerentwicklung

Anhaltisches Theater, ehemaliges Landestheater

Die Einwohnerzahl der Stadt Dessau ĂŒberschritt bereits am 1. April 1935 mit der Eingemeindung von Roßlau die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. 1940 erreichte die Bevölkerungszahl mit 131.400 ihren historischen Höchststand. Auf Grund der schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und der Ausgliederung von Roßlau am 1. April 1945 sank die Einwohnerzahl wieder unter die Grenze von 100.000 und lag im Dezember 1945 bei 85.663. Das ist ein RĂŒckgang gegenĂŒber 1940 um 35 Prozent.

Im Jahre 1972 ĂŒberschritt die Bevölkerungszahl erneut die Grenze von 100.000. Seit der Wende in der DDR (1989) war die Einwohnerzahl von zuletzt ca. 103.000 um ein Viertel auf weniger als 80.000 gesunken - bedingt durch Abwanderung und eine negative Geburten-Sterbe-Rate. Um diesem Trend entgegenzuwirken, wurden Eingemeindungen vorbereitet. Dennoch war es damit auch nicht möglich, die Großstadtgrenze zu erreichen. Am 31. Dezember 2006 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ fĂŒr Dessau nach Fortschreibung des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt 77.394 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen LandesĂ€mtern).

Religionen

Die Stadt Dessau gehörte von Anfang an zum Erzbistum Magdeburg. Aus diesem Grunde erreichte die Reformation Dessau spĂ€ter als Köthen (1525) und Bernburg (Saale) (1526). Erst 1534 wurde durch Georg III. die Reformation offiziell in Dessau eingefĂŒhrt. Danach gab es sowohl AnhĂ€nger des lutherischen als auch des reformierten Bekenntnisses. Die Vorherrschaft beider Bekenntnisse wechselte im Laufe der Geschichte mehrmals. 1827 wurde eine Union beider Bekenntnisse durchgefĂŒhrt (Unierte Kirche). Nach der Vereinigung der anhaltischen FĂŒrstentĂŒmer 1863 war Dessau Hauptstadt und damit auch Sitz der Kirchenverwaltung der Evangelischen Landeskirche Anhalts, die zwischen 1875 und 1878 eine synodale Grundlage erhielt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Landeskirche von einem Oberkirchenrat geleitet, der seit 1957 den Titel KirchenprĂ€sident fĂŒhrt. Sein Amtssitz befindet sich in Dessau. Die protestantischen Kirchengemeinden Dessaus gehören – sofern es sich nicht um Freikirchen handelt – zum Kirchenkreis Dessau, der sich in mehrere Regionen aufteilt.

Ab 1750 gab es auch wieder Katholiken in Dessau, deren Zahl sich stets vergrĂ¶ĂŸerte. 1858 erhielten sie wieder eine eigene Kirche. Sie gehörten bereits ab 1821 zum Bistum beziehungsweise ab 1929 Erzbistum Paderborn. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es fĂŒr den Erzbischof immer schwerer, seine AmtsgeschĂ€fte im Ostteil seines Erzbistums wahrzunehmen. Daher wurde in Magdeburg 1946 ein Generalvikar eingesetzt, der 1949 zum Weihbischof ernannt wurde und zu dessen Amtsbezirk auch die Pfarrgemeinden in Dessau gehörten. Am 23. Juli 1973 wurde ein Bischöfliches Amt errichtet, dessen Jurisdiktion dem Bischof und Apostolischen Administrator in Magdeburg, Johannes Braun, ĂŒbertragen wurde. Dieses Bischöfliche Amt gehörte zwar offiziell zum Erzbistum Paderborn, und der Apostolische Administrator war dementsprechend auch nur als Weihbischof dort tĂ€tig, doch entwickelte es sich faktisch zu einem eigenstĂ€ndigen Bistum. Am 8. Juli 1994 wurde das bisherige Bischöfliche Amt Magdeburg zum Bistum erhoben und (wieder) der Erzdiözese Paderborn als Suffraganbistum unterstellt. Die katholischen Pfarrgemeinden Dessaus gehören zum Dekanat Dessau innerhalb des Bistums Magdeburg.

Von den beiden großen Kirchen und den Freikirchen abgesehen gibt es in Dessau, der Stadt, aus der Moses Mendelssohn und Kurt Weill stammen, auch wieder eine jĂŒdische Gemeinde. Sie zĂ€hlt um die 350 Mitglieder und setzt sich heute hauptsĂ€chlich aus Einwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion zusammen.

Der grĂ¶ĂŸte Teil der Einwohner Dessaus ist konfessionslos, wie in den meisten Orten der ehemaligen DDR.

Politik

Seitenansicht des Dessauer Rathauses
OberbĂŒrgermeister Maria Dank (hinten links)
OberbĂŒrgermeister Thea Hauschild mit Familie
Rathaus Dessau bei Nacht

Die Selbstverwaltung der BĂŒrgerschaft in Dessau ist erstmals 1372 erwĂ€hnt. An der Spitze der Stadt stand zunĂ€chst der vom jeweiligen FĂŒrst eingesetzte Schultheiß, der zusammen mit den Schöffen den Rat bildete. Der Rat wurde ab 1372 in zwei „Mittel“, ab 1600 in drei und ab 1785 wieder in zwei Mittel geteilt. 1832 wurde die Ratsverfassung aufgehoben. Bis in jene Zeit wechselten die BĂŒrgermeister in Dessau nahezu jĂ€hrlich. Danach gab es in der Stadt einen Stadtrat und eine Stadtverordnetenversammlung. Bis in jene Zeit unterschied man in eine „Stadt unter dem Rat“ und eine „Stadt unter dem Amt“, wobei letztere unter fĂŒrstlicher Verwaltung und Gericht stand. Beide „StĂ€dte“ wurden 1834 vereinigt. 1852 wurde eine neue StĂ€dteordnung eingefĂŒhrt. Danach trug das Stadtoberhaupt den Titel OberbĂŒrgermeister. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der OberbĂŒrgermeister von der NSDAP eingesetzt und nach dem Zweiten Weltkrieg entsprechend den Vorgaben der Besatzungsmacht in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. nach 1949 in der DDR der „Rat der Stadt“ als Exekutive mit einem OberbĂŒrgermeister gebildet. Die Stadtverordnetenversammlung wurde von der wahlberechtigten Bevölkerung gewĂ€hlt. Nach den politischen VerĂ€nderungen in der DDR 1989/1990 wurde dieses Gremium, ab 1994 als Stadtrat bezeichnet, wieder frei gewĂ€hlt. Der zunĂ€chst vom Stadtrat bestimmte OberbĂŒrgermeister wurde seit 1994 direkt gewĂ€hlt.

StadtoberhÀupter

Folgende Personen waren Ratsherren:

  • 1597: Vollrat Happach

Folgende Personen waren RatskÀmmerer:

  • 1601: Vollrat Happach
  • 1618, 1635: Johann Happach (Sohn von Vollrat Happach)

Ab 1617 waren folgende Personen mehrmals BĂŒrgermeister von Dessau:

  • Vollrat Happach, 1617–?
  • Johann Leopold Stubenrauch, zwischen 1771 und 1828 BĂŒrgermeister in jĂ€hrlichem Wechsel mit anderen
  • Ludwig Gustav Meyer, 1801, 1803, 1805
  • Karl Friedrich Bornkessel, 1807, 1809, 1811, 1813
  • Marius Leopold Friedrich Siebigk, 1815 bis 1834 in jĂ€hrlichem Wechsel mit anderen
  • 1834–1848: Georg Gottfried Richter, Stadtdirektor
  • 1848–1852: Karl Wilhelm Fritsche, BĂŒrgermeister
  • 1852–1884: Franz Medicus, ab 1864 OberbĂŒrgermeister
  • 1884–1897: Friedrich Funk, OberbĂŒrgermeister
  • 1898–1918: Ernst Ebeling, OberbĂŒrgermeister
  • 1918–1933: Fritz Hesse (DDP), BĂŒrgermeister, ab 1927 OberbĂŒrgermeister
  • 1933–1945: Johannes (Hans) Sander (NSDAP), OberbĂŒrgermeister
  • 1945: Walther, OberbĂŒrgermeister
  • 1945–1946: Fritz Hesse (LDPD), OberbĂŒrgermeister
  • 1946–1949: Karl Adolphs (SED), OberbĂŒrgermeister
  • 1949–1951: Lisa Krause, OberbĂŒrgermeisterin
  • 1951–1961: Maria Dank, OberbĂŒrgermeisterin
    • 1955–1956: Paul Zabel, OberbĂŒrgermeister in einer Übergangszeit
  • 1961–1963: Helmuth Klapproth, OberbĂŒrgermeister
  • 1963–1984: Thea Hauschild (SED), OberbĂŒrgermeisterin
  • 1984–1990: Sylvia Retzke (SED), OberbĂŒrgermeisterin
  • 1990: Christoph Döring, OberbĂŒrgermeister (war bereits von 1987 bis 1988 amtierender OberbĂŒrgermeister, wĂ€hrend Frau Retzke auf der Parteihochschule war)
  • 1990–1994: JĂŒrgen Neubert (FDP), OberbĂŒrgermeister
  • 1994–2006 Hans Georg Otto (SPD/spĂ€ter: parteilos), OberbĂŒrgermeister
  • Vom 1. November 2006 wurde, nach dem altersbedingten Ausscheiden von Hans-Georg Otto, die Stadt Dessau bis zur Fusion mit der Stadt Roßlau am 1. Juli 2007 vom Baudezernenten Karl Gröger geleitet.

Stadtrat

Der Stadtrat der Stadt Dessau setzt sich seit dem 30. Juni 2007 wie folgt zusammen[5]:

OberbĂŒrgermeister: 1 Sitz

Wappen

Ehemaliges Dessauer Stadt-Wappen

Blasonierung: „Gespalten mit golden-rot geviertem Schildfuß, vorn in Silber am Spalt ein roter, goldbewehrter Adler mit roter Zunge; hinten neunmal geteilt von Schwarz und Gold, belegt schrĂ€grechts mit einem grĂŒnen Rautenkranz. Das Wappen wird gekrönt von fĂŒnf roten Mauerzinnen. Die Stadtfarben zeigen gold (gelb) und rot.“

Das Wappen hat seinen Ursprung im Herzschild des FĂŒrstentum Anhalt, dessen Residenzstadt Dessau war. Es ist bereits seit 1540 im Gebrauch. Dabei steht der Adler fĂŒr die Markgrafschaft Brandenburg, der Balken und Rautenkranz fĂŒr das Herzogtum Sachsen. Der viergeteilte Schildfuß wurde spĂ€ter als Zeichen fĂŒr die Herrschaft Waldersee gedeutet. Die das Wappen seit 1952 bekrönenden Zinnen sind eine freie Zutat.

Siehe auch

Angaben zu dauerhaften Einrichtungen und SehenswĂŒrdigkeiten sind unter Dessau-Roßlau aufgefĂŒhrt.

Persönlichkeiten

vor 1900 in Dessau geboren

nach 1900 in Dessau geboren

mit Dessau verbunden

Trivia

Ein Marskrater mit einem Durchmesser von 10,2 km wurde nach Dessau benannt.

Einzelnachweise

  1. ↑ StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  2. ↑ Stadtverwaltung Dessau
  3. ↑ Renate Kroll: Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg. Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag Berlin, 1978. Band 2, S. 305 - 323
  4. ↑ Heimat-Kalender 1947 fĂŒr den Kreis Dessau-Köthen, Verlag A. Zeller, Dessau 1947
  5. ↑ http://www.dessau.de/Deutsch/Verwaltung-und-Rat/Stadtrat-und-Ausschuesse/

Literatur

  • Erich Keyser (Hrsg.): "Deutsches StĂ€dtebuch. Handbuch stĂ€dtischer Geschichte" Band II Mitteldeutschland. Im Auftrag der Konferenz der landesgeschichtlichen Kommissionen Deutschlands mit der UnterstĂŒtzung des Deutschen Gemeindetages, Stuttgart, 1941
  • Thomas Brockmeier, Dirk Hackenholz (Hrsg.): Aufstieg, Fall & Neubeginn. Zur wirtschaftlichen Entwicklung der Junkers- und Bauhausstadt Dessau (Anhalt) im 19. und 20. Jahrhundert. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2010, ISBN 978-3-89812-714-1

Weblinks

 Commons: Dessau â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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