Deutsch-Ostafrika

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Deutsch-Ostafrika
Deutsche Kolonien in Afrika, Deutsch-Ostafrika (in Rot)
Lage Deutsche Kolonien in Afrika, Deutsch-Ostafrika (in Rot)
Flaggen_in_den_Kolonien_des_Deutschen_Kaiserreichs#Flaggen_ab_1891
Bundeswappen Deutschlands#Deutsches Kaiserreich
(Details) (Details)
Hauptstadt: Berlin, Deutsches Reich
Verwaltungssitz: 1885‚Äď1890: Bagamoyo
ab 1890: Daressalam
Verwaltungsorganisation: 22 Bezirke
Oberhaupt der Kolonie: 1885‚Äď1888: Kaiser Wilhelm I.
1888: Kaiser Friedrich III.
1888‚Äď1899: Kaiser Wilhelm II.
Gouverneur der Kolonie: Hermann von Wissmann , Julius Freiherr von Soden, Friedrich von Schele, Hermann von Wissmann, Eduard von Liebert, Gustav Adolf von Götzen, Albrecht von Rechenberg, Heinrich Schnee
Einwohner: zirka 7,7 Mio Einwohner (1913),
davon zirka 5.300 Weiße, davon 4.100 Deutsche
W√§hrung: 1885‚Äď1916: Deutsch-Ostafrikanische Rupie
Besitzergreifung: 1885‚Äď1918
Heutige Gebiete: Tansania
Ruanda
Burundi
Kionga-Dreieck in Mosambik

Deutsch-Ostafrika ist die Bezeichnung einer ehemaligen deutschen Kolonie in der Zeit von 1885 bis 1918. Das Gebiet umfasste die heutigen Länder Tansania (ohne Sansibar), Burundi und Ruanda sowie einen kleinen Teil Mosambiks. Es war mit rund 7,75 Millionen Einwohnern die größte und bevölkerungsreichste Kolonie des Deutschen Reiches.

Inhaltsverzeichnis

Gr√ľndung als private Kolonie der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft

In den 1880er Jahren wurden in Deutschland Stimmen laut, die eine verst√§rkte Kolonialpolitik forderten. Reichskanzler Otto von Bismarck lehnte dies am Anfang ab, da er sich au√üenpolitisch auf Europa konzentrieren wollte. Doch die zunehmenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme zwangen das Deutsche Reich zum Handeln. So fehlten der Wirtschaft angeblich neue Absatzm√§rkte, die den anderen europ√§ischen Kolonialm√§chten bereits gro√üen Reichtum einbr√§chten. Herrschende Wirtschaftskreise erhofften sich eine Schw√§chung der erstarkenden Arbeiterbewegung durch eine Auswanderungskampagne mit Ziel der Besiedlung eines ‚Äědeutschen Indiens‚Äú in √úbersee, wo es angeblich gl√§nzende Entwicklungsm√∂glichkeiten g√§be. Diese Idee fiel auf fruchtbaren Boden in nationalistisch gesinnten Kreisen des B√ľrgertums und des Adels.

Carl Peters mit Diener.

Die treibende Kraft bei der Koloniegr√ľndung war der Pastorensohn Carl Peters, welcher sich durch die von ihm selbst gegr√ľndeten Gesellschaft f√ľr deutsche Kolonisation den Auftrag erteilen lie√ü, Gebiete in Afrika in Besitz zu nehmen. Am 10. November 1884 kam Peters mit Begleitern in Sansibar an. Er reiste getarnt, da sein Vorhaben gegen√ľber den Briten und dem Sultan von Sansibar unentdeckt bleiben sollte.

Wenig sp√§ter wurden die ersten ‚ÄěSchutzvertr√§ge‚Äú auf dem Festland abgeschlossen, mit der die Kolonisationsgesellschaft ihre Anspr√ľch auf Gebiete im heutigen Tansania begr√ľndete, deren eigentlicher Sinn von den unterzeichnenden H√§uptlingen jedoch zumeist nicht verstanden wurde. Reichskanzler Bismarck war zun√§chst gegen die Gr√ľndung der Kolonie und hatte die deutsche Vertretung in Sansibar angewiesen, Peters keine Unterst√ľtzung zu gew√§hren. Als Peters mit seinen Vertr√§gen nach Berlin zur√ľckkehrte und mit einer Vereinbarung mit dem belgischen K√∂nig Leopold drohte, lenkte der Kanzler aus innenpolitischen Gr√ľnden ein und erliess am 27. Februar 1885 einen durch Kaiser Wilhelm I. unterzeichneten Schutzbrief, der die Besetzung ostafrikanischer Gebiete legitimierte. Die inzwischen umbenannte Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (DOAG) unter der Leitung von Carl Peters hatte nun den R√ľckhalt des Deutschen Reiches und weitete den Bereich ihrer durch "Schutzvertr√§ge" gewonnenen Anspr√ľche aus. Diese Expansion traf auf den Protest der Regierung von Sansibar, das die K√ľste des ostafrikanischen Festlands zwischen Mosambik und Somalia beherrschte und auch das Hinterland bis hin zum Kongogebiet beanspruchte, in dem es abseits der Karawanenrouten aber nur wenig Einfluss hatte. Sie richtete am 27. April 1885 eine Protestnote an den Kaiser und verst√§rkte ihre Truppen auf dem Festland. Reichskanzler Bismarck entsandte trotz gro√üer Bedenken daraufhin ein Marinegeschwader unter Admiral Knorr nach Sansibar und zwang den Sultan so zur Anerkennung der DOAG-Erwerbungen. Gleichzeitig versuchte die DOAG auch die gesamte Somalik√ľste zwischen Buur Gaabo und Aluula zu erwerben.

Am 29. Oktober 1886 einigten sich dann Deutschland und Gro√übritannien √ľber die Abgrenzung ihrer Einflussph√§ren in Ostafrika; dabei wurde die Souver√§nit√§t Sansibars vereinbart und der Besitz des Sultans auf einem 10 Meilen breiten Festlandsstreifen anerkannt. Zugleich versprach die britische Seite, ihren Einfluss beim Sultan geltend zu machen, damit dieser einer Verpachtung der Hafenverwaltung von Daressalaam und Pangani an die DOAG zustimme - ohne Zugang zum Meer war der Wert der Erwerbungen auf dem Festland sehr beschr√§nkt.

Ausgehend von dieser deutsch-britischen √úbereinkunft, die den Sultan unter Druck setzte, gelang es Peters 1887 mit dem Sultan einen Vertrag √ľber die Verwaltung des gesamten sansibarischen K√ľstenstreifens zwischen den beiden Fl√ľssen Umba und Rovuma abzuschlie√üen. Danach sollte die DOAG die Verwaltung des sansibarischen Festlandsgebietes und die Erhebung der K√ľstenz√∂lle im Namen des Sultans gegen eine j√§hrliche Pachtsumme √ľbernehmen.

Hermann von Wissmann
1 Rupie Silberm√ľnze von 1904

Als der Vertrag 1888 in Kraft trat, kam es sofort zum Aufstand eines Gro√üteils der K√ľstenbev√∂lkerung unter Buschiri bin Salim von Tanga im Norden bis Lindi im S√ľden gegen die Versuche der deutschen Inbesitznahme (der sogenannte Araberaufstand). Die lose Herrschaft der DOAG brach zusammen und nur durch den Einsatz von deutschen Marinesoldaten konnten die Stationen Bagamoyo und Daressalaam gehalten werden. Daraufhin entsandte die Reichsregierung den jungen afrikaerfahrenen Offizier Hermann von Wissmann als Reichskommissar nach Ostafrika. Mit Hilfe einer S√∂ldnertruppe aus deutschen Offizieren sowie Sudanesen und Zulu gelang es, die Revolte niederzuschlagen. Der Aufstandsf√ľhrer Buschiri bin Salim wurde am 15. Dezember 1889 hingerichtet. Der √Ėffentlichkeit gegen√ľber wurde das Eingreifen des Reiches als Ma√ünahme gegen den arabischen Sklavenhandel dargestellt, die in √úbereinstimmung mit den internationalen Rechtsbestimmungen der Kongoakte vorgenommen wurde.

Indes an der K√ľste die DOAG-Herrschaft faktisch schon beendet war, war Peters wieder im Hinterland unterwegs, um im Bereich des Viktoriasees Vertr√§ge abzuschlie√üen. Er erzielte dabei im Februar 1890 auch ein Abkommen mit dem Herrscher von Buganda.

Namensgebung

Im Freundeskreis um Carl Peters kam kurzzeitig die Idee auf, das von ihm beanspruchte Gebiet in Ostafrika Petersland zu nennen.[1] Dieser Name kam allerdings w√§hrend der deutschen Kolonialzeit kaum in Gebrauch. Otto von Bismarck legte dem deutschen Kaiser Wilhelm I. am 26. Februar 1885 ein Protektionsgesuch √ľber ein ‚ÄěSchutzgebiet‚Äú namens Deutsch-Ostafrika vor, dem die Ausstellung des Schutzbriefes folgte.[2]

Nach dem Ersten Weltkrieg forderten kolonial-revisionistische Kreise in Deutschland abermals, das fr√ľhere Deutsch-Ostafrika nach seinem Begr√ľnder in Petersland umzubenennen, was sich zur NS-Zeit in entsprechenden Ver√∂ffentlichungen niederschlug.[3] Als Vorbild diente die britische Kolonie Rhodesien, die nach dem Kolonialpionier Cecil Rhodes benannt war.[4] Das durch Gro√übritannien verwaltete Mandatsgebiet in Ostafrika hie√ü jedoch Tanganjika.

Geplante Symbole f√ľr Deutsch-Ostafrika

‚Üí Hauptartikel: Flaggen in den Kolonien des Deutschen Kaiserreichs

Im Jahr 1914 wurde ein Wappen sowie eine Flagge f√ľr Deutsch-Ostafrika geplant, jedoch aufgrund des Kriegsbeginns nicht mehr eingef√ľhrt.

√úbernahme der Kolonie durch das Reich

Flagge des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika
Tropische Landschaft in Deutsch-Ostafrika von Themistokles von Eckenbrecher, 1896, Darstellung einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen einheimischer Bev√∂lkerung und Kolonialherren, die von Askaris unterst√ľtzt werden

Faktisch war mit dem Eintreffen des Reichskomissars Wissmann die Kontrolle bereits auf den deutschen Staat √ľbergegangen. W√§hrend des Jahres 1890 wurden die Bestimmungen ausgehandelt, unter denen das Reich auch formell die Besitzanspr√ľche der DOAG √ľbernehmen sollte.

Am 1. Juli 1890 wurde der Helgoland-Sansibar-Vertrag zwischen Deutschland und Gro√übritannien abgeschlossen. Der Vertrag regelte die √úbergabe der Nordseeinsel Helgoland und des Caprivi-Zipfels (heute Teil von Namibia) an das Deutsche Reich, w√§hrend Wituland (heute Teil Kenias) und die Anspr√ľche auf Uganda an Gro√übritannien abgetreten wurden. Damit schob die Regierung den Bestrebungen Peters einen endg√ľltigen Riegel vor, der in der Zwischenzeit versuchte hatte, durch Vertragsabschl√ľsse mit dem Kabaka von Buganda eine nochmalige Erweiterung des DOAG-Gebietes zu betreiben.

1891 wurde Deutsch-Ostafrika als ‚ÄěSchutzgebiet‚Äú offiziell der Verwaltung durch das Deutsche Reich unterstellt, und die Soldaten von Wissmann erhielten die offizielle Bezeichnung Schutztruppe. Erster Zivilgouverneur war 1891‚Äď93 Julius Freiherr von Soden. Ihm folgte 1893‚Äď95 Oberst Friedrich von Schele, der nach Auseinandersetzungen mit den Massai 1894 eine Milit√§rexpedition gegen die Hehe durchf√ľhrte und die Festung Kuironga des Chief Mkwawa eroberte. Carl Peters war 1891 zum Reichskommissar f√ľr das Gebiet am Kilimanjaro ernannt, angesichts gegen ihn erhobener Vorw√ľrfe wegen seiner Brutalit√§t aber 1897 wieder entlassen worden. Unter Gouverneur Eduard von Liebert (1897‚Äď1901) f√ľhrte die Schutztruppe weitere Kriegsz√ľge durch und brachte den gr√∂√üten Teil des Landes unter ihre Kontrolle, darunter 1898 auch die Hehe. Hilfreich war dabei auch der gest√ľrzte Sultan Khalid ibn Barghash von Sansibar, der in Daressalam einen beruhigenden Einfluss auf die ostafrikanische Aristokratie aus√ľbte.

Im 20. Jahrhundert wurde durch die Einf√ľhrung von Kautschuk- und Baumwoll-Kulturen die landwirtschaftliche Entwicklung gef√∂rdert. Die daf√ľr notwendigen Arbeitskr√§fte wurden teilweise als Zwangsarbeiter eingesetzt. Im Allgemeinen wurde aber die afrikanische Bev√∂lkerung durch die Einf√ľhrung von Steuern dazu gezwungen, Lohnarbeit aufzunehmen. Die Steuern waren in Bargeld zu entrichten, welches f√ľr die Einheimischen nur durch Lohnarbeit bei Europ√§ern erh√§ltlich war.

Wirtschaft und Verkehr

Eisenbahnen

Fahne der Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft

Wichtige Eisenbahnstrecken Deutsch-Ostafrikas waren die Usambar- und die Tanganjikabahn. Zudem bestanden kurze Anschlussstrecken und Kleinbahnen der Plantagengesellschaften. Eine Bahnstrecke zur Erschlie√üung des Nordwestens, die Ruandabahn, sowie im S√ľden der Kolonie wurde aufgrund des Ersten Weltkrieges nicht mehr realisiert. Ein bedeutender Erbauer und Betreiber war die Ostafrikanische Eisenbahngesellschaft, die am 29. Juni 1904 mit Sitz in Berlin gegr√ľndet wurde.[5] 1914 waren in Deutsch-Ostafrika etwa 1.628 Streckenkilometer in Betrieb.[6]

Schiffsverkehr

Schiffe bei Daressalam zur deutschen Kolonialzeit

Den Schiffsverkehr zwischen Europa und Deutsch-Ostafrika sowie die K√ľstenschifffahrt besorgte vor allem die 1890 gegr√ľndete Deutsche Ost-Afrika-Linie. Zudem liefen Schiffe der British India Steam Navigation Company und anderer Gesellschaften Deutsch-Ostafrika an. Nennenswerte Hafen- und Landungsanlagen hatten nur die K√ľstenst√§dte Daressalam und Tanga, die den √úberseeverkehr abwickelten. Daneben bestand ein reger Verkehr mit einheimischen Segelschiffen (Daus). Zum Schutz vor Riffen und Sandb√§nken wurden an den K√ľstenpl√§tzen Bojen verlegt und Leuchtt√ľrme gebaut.

Auf dem Malawi-, Tanganjika- und Victoriasee verkehrten kleinere Binnenschiffe und Regierungsdampfer.[7]

Kolonialgesellschaften

Brockhaus-√úbersicht 1887, Ostafrika: auch die Somalik√ľste ist beschriftet als Besitz der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft
Historische Karte (um 1888, zu Beginn des K√ľstenaufstands)
Deutsch Ost-Afrika (1892, nach dem Sansibar-Helogoland-Vertrag)

Folgende Kolonialgesellschaften wurden in Deutsch-Ostafrika wirtschaftlich aktiv:

  • die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft
  • die Deutsch-Ostafrikanische Plantagengesellschaft
  • die L. & O. Hansing, Mrima Land- und Plantagengesellschaft in Hamburg
  • die Usambara-Kaffeebaugesellschaft in Berlin, gegr√ľndet 1893
  • die Pangani-Gesellschaft
  • die Rheinische Hande√Į-Plantagen-Gesellschaft in K√∂ln, gegr√ľndet 1895
  • die Westdeutsche Handels- und Plantagengesellschaft D√ľsseldorf, gegr√ľndet 1895 u.a. durch Albert Poensgen
  • Sigi-Pflanzungsgesellschaft m.b.H. in Essen an der Ruhr, gegr√ľndet 1897
  • Montangesellschaft m.b.H. in Berlin, gegr√ľndet 1895
  • die Irangi-Gesellschaft
  • Usindja-Gold-Syndikat, sp√§ter Victoria-Njansa-Gold-Syndikat, Berlin, gegr√ľndet 1896
  • Kilimandjaro-Handels- und Landwirtschaftsgesellschaft, vormals Kilimandjaro-Strau√üenzuchtgesellschaft in Berlin, gegr√ľndet 1895
  • Kaffeeplantage Sakarre AG in Berlin, gegr√ľndet 1898
  • Lindi-Hinterland-Gesellschaft m.b.H. in Koblenz, vormals Karl Perrot & Co., Deutsche Lindi-, Handels- und Plantagengesellschaft in Wiesbaden, gegr√ľndet 1900
  • Deutsche Agaven-Gesellschaft in Berlin, gegr√ľndet 1902 u.a. durch Albert Poensgen
  • Bergbaufeld Luisenfelde G.m.b.H. in Berlin, gegr√ľndet 1902
  • Ulanga Reis- und Handelsgesellschaft mbH in Hamburg, gegr√ľndet 1914

Nachrichtenwesen

In Deutsch-Ostafrika entstand ein Netz aus Post- und Telegraphenanstalten. Entlegenere Post√§mter abseits der Eisenbahnen wurden per Botenpost angebunden. Telegraphenlinien verliefen von Tanga nach Mikindani, von Tanga nach Aruscha, von Kilossa nach Iringa sowie von Daressalam √ľber Kilossa und Tabora nach Muansa. An etwa ein Dutzend Pl√§tzen wurden Ortsfernsprechnetze installiert. Durch das in Bagamojo und Daressalam einlaufende Seekabel der Eastern and South African Telegraph Company wurde die Kolonie √ľber Sansibar an das Welttelegraphennetz angeschlossen. Bis 1914 wurden drei Funkstationen f√ľr drahtlose Telegraphie gebaut, die dem innerafrikanischen bzw. dem k√ľstennahen Funkverkehr dienten. Im Landesinneren wurden Muansa und Bukoba am Victoriasee 1911 mit Funkstellen ausger√ľstet. Daressalam erhielt 1913 ein K√ľstenfunkstelle. Eine transkontinentale Gro√üfunkstation nach dem Vorbild der Funkstation Kamina (die Station in der Kolonie Togo) sollte bei Tabora errichtet werden, kam aber durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht mehr zustande.[8]

Der Maji-Maji-Aufstand

Gustav Adolf Graf von Götzen
‚Üí Hauptartikel: Maji-Maji-Aufstand

Wegen zunehmender repressiver Ma√ünahmen, der Erh√∂hung der Steuern und besonders der Einf√ľhrung der so genannten Dorfschamben (Baumwollfelder, auf denen die Einwohner eines Dorfes zur Arbeit gezwungen wurden) brach 1905 der Maji-Maji-Aufstand aus. Die ersten Unruhen ereigneten sich in der zweiten Julih√§lfte in den Matumbi-Bergen, westlich der K√ľstenstadt Kilwa. Die deutsche Kolonialverwaltung in Daressalam hoffte zu diesem Zeitpunkt noch, dass es sich dabei um ein lokal begrenztes Ereignis handelte. Diese Einsch√§tzung des Gouverneurs Gustav Adolf Graf von G√∂tzen sollte sich jedoch sp√§testens am 15. August als v√∂llig verfehlt erweisen, als Aufst√§ndische den Milit√§rposten von Liwale erst√ľrmten. Der Widerstand gegen die Kolonialherrschaft nahm damit f√ľr die Deutschen endg√ľltig bedrohliche Ausma√üe an.

Die besondere Gefahr f√ľr die Kolonialverwaltung lag in der Struktur des Widerstandes, der sich schnell √ľber ethnische und politische Grenzen hinweg ausbreitete. Binnen weniger Wochen und Monate schlossen sich unterschiedliche Volksgruppen der Aufstandsbewegung an. Dies wurde vor allem durch den Maji-Kult erm√∂glicht, der traditionelle Mythen aufgreifend in verschiedenen Gebieten auf Resonanz stie√ü. Der Prophet Kinjikitile Ngwale predigte den Widerstand gegen die Deutschen und verbreitete seine Botschaft mit Hilfe ‚Äěheiligen Wassers‚Äú (Wasser = Maji) als eine Art Medizin. Das Maji sollte die Aufst√§ndischen im Kampf sch√ľtzen, indem es die feindlichen Gewehrkugeln zu Wassertropfen verwandeln sollte. Die integrative Kraft des Maji-Kultes fand ihren H√∂hepunkt im Sturm auf die Boma von Mahenge am 30. August 1905, als knapp 4000 Afrikaner den deutschen Posten angriffen, der von etwa 80 Mann Schutztruppe und 200 Mann loyalen Einheimischen verteidigt wurde. Im Maschinengewehrfeuer versagte allerdings die Wirkung des Maji, und die Angreifer erlitten verheerende Verluste.

Der R√ľckschlag von Mahenge bedeutete aber noch nicht das Ende der Aufstandsausweitung. Weitere Gruppen schlossen sich der Bewegung an, und so kontrollierten die Aufst√§ndischen im Oktober etwa die H√§lfte der Kolonie. In der Folge der verlustreichen offenen Feldschlachten verlegten sich die Aufst√§ndischen dennoch bald auf die F√ľhrung eines Kleinkrieges gegen die Deutschen, der sich, wenn auch ohne die bisherige √ľbergreifende Kooperation, bis 1907 fortsetzte.

Ab 1906 wehrten sich die Deutschen gegen die Guerilla-Taktik der Aufst√§ndischen mit einer ‚ÄěStrategie der verbrannten Erde‚Äú. D√∂rfer wurden zerst√∂rt, Ernten und Vorr√§te verbrannt, Brunnen zugesch√ľttet und Angeh√∂rige der R√§delsf√ľhrer in ‚ÄěSippenhaft‚Äú genommen, um den Aufst√§ndischen die Grundlage zur Kriegf√ľhrung zu entziehen. Die Folge war aber auch eine verheerende Hungerkatastrophe, die ganze Landstriche entv√∂lkerte und die die sozialen Strukturen der afrikanischen Gesellschaft nachhaltig ver√§nderte. Die Verluste auf Seiten der Aufst√§ndischen werden heute auf 100.000 bis 300.000 Personen gesch√§tzt. Auf der Gegenseite kamen 15 Europ√§er und 389 afrikanische Soldaten ums Leben. Die Anzahl deutscher Soldaten in der Kolonie (ohne afrikanische Askari) lag w√§hrend des gesamten Aufstandes niemals √ľber 1000 Mann (neben der Schutztruppe kamen noch Besatzungsmitglieder deutscher Kriegsschiffe als ‚ÄěLandsoldaten‚Äú zum Einsatz sowie kriegsfreiwillige Zivilisten, darunter eine Anzahl nichtdeutscher Wei√üer, zumeist Briten und S√ľdafrikaner). Der Reichstag in Berlin wollte keine zus√§tzlichen Mittel zur Niederwerfung des Aufstandes bewilligen, da die Kolonie sich im Unterschied zum als ‚ÄěSiedlungskolonie‚Äú vorgesehenen Deutsch-S√ľdwestafrika ‚Äěselbst tragen‚Äú m√ľsse.

Die Vorg√§nge in Ostafrika wurden aus verschiedenen Gr√ľnden im Deutschen Reich kaum wahrgenommen und standen bzw. stehen bis heute im Schatten des Krieges in Deutsch-S√ľdwestafrika. Um die Stabilit√§t der Kolonie zu sichern, wurde das Herrschaftssystem nach dem Ende des Krieges unter dem neuen Gouverneur Rechenberg entsch√§rft. Die Reformma√ünahmen scheiterten jedoch weitgehend am Widerstand der wei√üen Siedler. Dennoch gab es bis zum Ende der deutschen Herrschaft in Ostafrika keinen nennenswerten Widerstand mehr.

Der Erste Weltkrieg

‚Üí Hauptartikel: Erster Weltkrieg in Ostafrika

Die Kolonie war w√§hrend der gesamten Dauer des Ersten Weltkrieges umk√§mpft. Bis 1915 gelang es der Schutztruppe, den gr√∂√üten Teil des Gebietes gegen erste Angriffe aus Kenia zu halten, mehrere Vorst√∂√üe in die britischen und belgischen Nachbargebiete zu unternehmen und einen Landungsversuch britisch-indischer Truppen bei Tanga abzuwehren. Im Jahr 1916 hatten die Alliierten dann st√§rkere Kr√§fte zusammengezogen und marschierten aus Kenia, Belgisch Kongo und Nyassaland in DOA ein. Innerhalb weniger Monate hatten sie die Schutztruppe in den unwegsamen S√ľden des Landes zur√ľckgedr√§ngt. Nach schweren K√§mpfen zog sich der Kommandant Paul von Lettow-Vorbeck im November 1917 mit einem Rest seiner Truppen in das portugiesische Mosambik zur√ľck, wo er sich mehrmonatige R√ľckzugsgefechte mit alliierten Truppen lieferte. Kurz vor dem Ende des Krieges gelang der Schutztruppe noch ein Marsch von Mosambik durch den S√ľden von DOA bis nach Nordrhodesien, wo sie am 25. November 1918 kapitulierte.

Die K√§mpfe hatten ab 1916 schwere Verw√ľstungen im Lande zur Folge. Unter der Zivilbev√∂lkerung gab es Hunderttausende von Opfern vor allem aufgrund der vielen Toten bei den zwangsweise zum Transportdienst f√ľr das Milit√§r gepressten Tr√§gern, einer sich ab 1917 versch√§rfenden Hungersnot und den Auswirkungen der weltweiten Grippeepidemie von 1918-1920 auf die geschw√§chte Bev√∂lkerung.

Der Versailler Vertrag

Der Versailler Vertrag bestimmte, dass Deutschland alle Kolonien abzugeben hatte. Deutsch-Ostafrika wurde am 20. Januar 1920 der Verwaltung des V√∂lkerbundes unterstellt. Das Gebiet von DOA wurde gem√§√ü vorher getroffener Absprachen zwischen Belgien und Gro√übritannien aufgeteilt. Belgien erhielt Mandate √ľber Burundi und Ruanda und Gro√übritannien das Mandat √ľber Tanganjika zugesprochen. Im S√ľden fiel das kleine Kionga-Dreieck an Portugiesisch-Ostafrika (Mosambik), womit hier die Grenze an die Rovumam√ľndung vorgeschoben wurde.

Liste der Gouverneure von Deutsch-Ostafrika

Heinrich Albert Schnee

Siehe auch

Literatur

  • Norbert Aas, Werena Rosenke (Hrsg.): Kolonialgeschichte im Familienalbum. Fr√ľhe Fotos aus der Kolonie Deutsch-Ostafrika. M√ľnster: Unrast, 1992. ISBN 3-928300-13-X
  • Martin Baer, Olaf Schr√∂ter: Eine Kopfjagd. Deutsche in Ostafrika Berlin: Christoph Links Verlag, 2001. ISBN 3-86153-248-4
  • Detlef Bald: Deutsch-Ostafrika 1900‚Äď1914: eine Studie √ľber Verwaltung, Interessengruppen und wirtschaftliche Erschlie√üung. M√ľnchen: Weltforum-Verlag, 1970. ISBN 3-8039-0038-7
  • Felicitas Becker, Jigal Beez: Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika 1905‚Äď1907. Berlin: Christoph Links Verlag, 2005. ISBN 3-86153-358-8
  • Tanja B√ľhrer: Die Kaiserliche Schutztruppe f√ľr Deutsch-Ostafrika. Koloniale Sicherheitspolitik und transkulturelle Kriegf√ľhrung, 1885 bis 1918. Beitr√§ge zur Milit√§rgeschichte, Bd. 70. M√ľnchen: Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2011. ISBN 978-3-486-70442-6
  • Imre Josef Demhardt: Die Kartographie des Kaiserlichen Schutzgebiets Deutsch-Ostafrika. In: Cartographica Helvetica Heft 30 (2004) S. 11‚Äď21 Volltext
  • Deutsche Kolonialgesellschaft: Kleiner Deutscher Kolonialatlas. Berlin: Dietrich Reimer, 1899
  • Fritz Ferdinand M√ľller: Deutschland ‚Äď Zanzibar ‚Äď Ostafrika: Geschichte einer deutschen Kolonialeroberung 1884‚Äď1890; mit 14 Abbildungen und 6 Karten. Berlin: R√ľtten & Loening, 1959
  • Michael Pesek: Das Ende eines Kolonialreiches. Ostafrika im Ersten Weltkrieg. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2010. ISBN 978-3-593-39184-7
  • Rainer Tetzlaff: Koloniale Entwicklung und Ausbeutung: Wirtschafts- und Sozialgeschichte Dt.-Ostafrikas 1885‚Äď1914 Berlin: Duncker [u.] Humblot, 1970

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Johann Froembgen: Wissmann, Peters, Kr√ľger. Stuttgart: Franckh'sche Verlagshandlung, 1941, S.122.
  2. ‚ÜĎ Jutta B√ľckendorf: ‚ÄěSchwarz-wei√ü-rot √ľber Ostafrika!‚Äú ‚Äď Deutsche Kolonialpl√§ne und afrikanische Realit√§t. M√ľnster: LIT Verlag, 1997, S. 210, ISBN 3-8258-2755-0.
  3. ‚ÜĎ Paul Heinrich Kuntze: Das neue Volksbuch der Kolonien. Leipzig: G. Dollheimer Verlag, 1942, S. 108.
  4. ‚ÜĎ Winfried Speitkamp: Deutsche Kolonialgeschichte. Stuttgart: Reclam Verlag, 2005, S. 171. ISBN 3-1501-7047-8.
  5. ‚ÜĎ Ostafrikanische Eisenbahn-Gesellschaft, im Deutschen Koloniallexikon
  6. ‚ÜĎ Franz Baltzer: Die Kolonialbahnen mit besonderer Ber√ľcksichtigung Afrikas. Berlin 1916, Reprint: Leipzig 2008, S. 99, ISBN 978-3-8262-0233-9. (Voransicht bei Google-Books)
  7. ‚ÜĎ Deutsch-Ostafrika: Verkehrswesen, im Deutschen-Koloniallexikon
  8. ‚ÜĎ Reinhard Klein-Arendt: ‚ÄěKamina ruft Nauen!‚Äú Die Funkstellen in den deutschen Kolonien 1904-1918. 3. Aufl., K√∂ln: Wilhelm Herbst Verlag, 1999, ISBN 3-923925-58-1.

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  • Evangelische Missionsgesellschaft f√ľr Deutsch-Ostafrika ‚ÄĒ The Evangelische Missionsgesellschaft f√ľr Deutsch Ostafrica ( de. Evangelical Missionary Society for German East Africa), also known as Berlin III or the Bethel Missioncite book |last=Fiedler |first=Klaus |title=Christianity and African Culture:… ‚Ķ   Wikipedia


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