Deutsche Geschichte

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Deutsche Geschichte

Der Artikel Geschichte Deutschlands fasst die geschichtliche Entwicklung sowohl des gegenwĂ€rtigen Deutschland als auch seiner historischen Territorien und Regionen im Überblick zusammen. In diesem Sinn werden Gebiete mit berĂŒcksichtigt, die ĂŒber das Staatsgebiet der heutigen Bundesrepublik hinausgehen, und es wird auf das Geschehen aktueller oder ehemaliger LĂ€nder eingegangen, die sprachlich, kulturhistorisch oder territorialpolitisch mit dem auch als Deutsche Geschichte bezeichneten Thema in Verbindung stehen.
(Vergleiche Übersicht unter Deutschland.)

Die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) wurden 1949 gegrĂŒndet; 1990 trat die DDR der Bundesrepublik bei. Der deutsche Nationalstaat, dessen staatsrechtlicher Status und völkerrechtliche IdentitĂ€t mit der Bundesrepublik fortgesetzt wird, besteht als solcher seit 1871, wenn auch mit territorialen VerĂ€nderungen und wechselnden politischen Systemen. Er war ursprĂŒnglich ein Zusammenschluss verschiedener souverĂ€ner Einzelstaaten des deutschen Sprachraums, die – nur lose miteinander verbunden – wechselnde BĂŒndnisse untereinander eingegangen waren und sich teilweise auch gegeneinander in militĂ€risch ausgetragenen Konflikten feindlich gegenĂŒber standen.

Der Schwerpunkt in diesem Überblick liegt auf politischer beziehungsweise Ereignisgeschichte der genannten Regionen, zurĂŒckgehend bis zur archĂ€ologisch erfassbaren Vorgeschichte. Dagegen finden sich strukturgeschichtliche Themen (Sozialgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Kulturgeschichte u. a.) eher in den Hauptartikeln der einzelnen Epochen, auf die im Artikel hingewiesen wird.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichtliche Zeit

Der Ă€lteste Nachweis von Vertretern der Gattung Homo auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik ist der 600.000 oder 500.000 Jahre alte Unterkiefer von Mauer, des Typusexemplars von Homo heidelbergensis. Etwas jĂŒngere Funde stammen vom Fundplatz Bilzingsleben sowie von Homo steinheimensis; bekannte Funde sind schließlich auch die Schöninger Speere. Aus Homo heidelbergensis ging vor 130.000 Jahren der Neandertaler (Homo neanderthalensis) hervor, der – sofern die klimatischen Bedingungen es zuließen – nahezu 100.000 Jahre lang auch in Deutschland lebte. Da Deutschland wĂ€hrend der letzten Phase der Eiszeit zur KĂ€ltesteppe (Tundra) wurde und die polare Vereisung bis ins nördliche Niedersachsen vordrang, dĂŒrfte Deutschland wĂ€hrend des mittleren Aurignacien bis weit in das MittelpalĂ€olithikum hinein so gut wie unbewohnt gewesen sein, und Spuren menschlicher Besiedlung fehlen fĂŒr die Zeit nach circa 30.000 v. Chr. fĂŒr sehr lange Zeit. In der Jungsteinzeit entwickelten sich durch den zugewanderten modernen Menschen (Homo sapiens der Cro-Magnon-Epoche) Ackerbau, Viehzucht und feste SiedlungsplĂ€tze. Aus dieser Zeit sind einige Funde erhalten, wie etwa die in Sachsen-Anhalt gefundene Himmelsscheibe von Nebra, eine Metallplatte mit Goldapplikationen aus der Bronzezeit, die darauf hindeutet, dass schon um 2000 v. Chr. in dieser Region Astronomie betrieben wurde, und die damit die Ă€lteste konkrete Himmelsdarstellung ist, die weltweit je gefunden wurde.

Ethnogenese

In der Jungstein- und Bronzezeit wurde das heutige Gebiet Deutschlands nach- und nebeneinander von der bandkeramischen, der schnurkeramischen und der Glockenbecherkultur besiedelt. AllmĂ€hlich bildeten sich in der Bronze- und Eisenzeit auf seinem Gebiet verschiedene indoeuropĂ€isch sprechende Volksgruppen und StĂ€mme heraus. Diese entstanden aus eingewanderten indoeuropĂ€ischen StĂ€mmen bzw. deren Nachfahren, die sich mit den seit Ende der letzten Eiszeit ansĂ€ssigen „Ureinwohnern“ und auch spĂ€ter fortwĂ€hrend mit durchziehenden Völkern bzw. Siedlern (Ethnogenese) vermischten. Die Nachfahren der in Nordeuropa und Norddeutschland auf dem Gebiet der Nordischen Bronzekultur siedelnden Gruppen wurden in der Antike unter dem Begriff Germanen zusammengefasst. Weitere Gruppen waren unter anderem:

  • die indogermanischen Kelten im heutigen SĂŒddeutschland, die Europas Kultur in weiten Landstrichen bis zur SpĂ€tantike prĂ€gten.
  • die von den Germanen als Wenden (lat. Veneti) bezeichnete Ethnie, die in der Antike als eigenstĂ€ndige indogermanische Volksgruppe östlich der Germanen siedelte. Nach der Völkerwanderung ĂŒbertrugen die neu entstandenen Deutschen diesen Namen auf eingewanderte westslawische StĂ€mme im heutigen östlichen Niedersachsen (Wendland), östlichen Holstein (mit Liubice/LĂŒbeck), in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (mit Vineta/Jumme), die sich ihre SelbstĂ€ndigkeit bis zu ihrer Unterwerfung im Gefolge des „Wendenkreuzzugs“ im 13. Jahrhundert erhielten.
  • der so genannte Nordwestblock, Bevölkerungsgruppen im nordwestlichen Mitteleuropa, die in den letzten Jahrhunderten v. Chr. eine vom Keltischen und Germanischen verschiedene indoeuropĂ€ische Sprache sprachen und um Christi Geburt germanisiert wurden.

WĂ€hrend der Ausbreitung des Römischen Reiches und spĂ€ter wĂ€hrend der Völkerwanderung siedelten dazu Römer im heutigen SĂŒd- und Westdeutschland, deren Truppen den SĂŒden und Westen Germaniens entlang der Donau und des Rheins bis etwa ins 5. Jahrhundert besetzten. Diese stammten als LegionĂ€re aus allen Gebieten des römischen Reiches wie z. B. Hispanien, Illyrien, Syrien, Gallien, Afrika. WĂ€hrend der Völkerwanderung blieben dazu Angehörige weiterer Volksgruppen wie etwa der Sarmaten oder Hunnen im heutigen Deutschland zurĂŒck.

Nach der Abwanderung fast aller Germanen östlich der Elbe wurden diese Gebiete von Slawen besiedelt, deren Land erst durch die Ostkolonisation deutscher Zuwanderer vom 11. Jahrhundert bis zum 14. Jahrhundert sowie im Rahmen der Eingliederung ins Heilige Römische Reich wieder Bestandteil der deutschen Geschichte wurden.

Aus all diesen Menschen bildete sich (mit spĂ€teren Einwanderern) das heutige deutsche Volk, das durch die Völkerwanderung und die Reichsbildung der Franken sprachlich ĂŒberwiegend germanisch, jedoch durch das Erbe des Römischen Reiches und das Christentum kulturell stark romanisch geprĂ€gt wurde. Insofern ist es gerechtfertigt, seine Geschichte mit den germanischen StĂ€mmen der Antike beginnen zu lassen.

Antike

Germanische StÀmme um 100 n. Chr. (ohne Skandinavien)

Erste ErwĂ€hnung finden einige keltische und germanische StĂ€mme bei den Griechen und Römern (v. A. Caesar und Tacitus) in der vorchristlichen Zeit. Um 500 v. Chr. war das heutige SĂŒddeutschland keltisch und das heutige Norddeutschland germanisch besiedelt. Die Germanen wanderten im Laufe der Jahrhunderte sĂŒdwĂ€rts, so dass um Christi Geburt die Donau die ungefĂ€hre Siedlungsgrenze zwischen Kelten und Germanen war. Hierdurch gelangten keltische Orts- und GewĂ€ssernamen sowie keltische Lehnwörter in den germanischen Wortschatz.

Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des Rheins und sĂŒdlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch ein Teil Hessens (Wetterau) sowie der grĂ¶ĂŸte Teil des heutigen Baden-WĂŒrttemberg sĂŒdlich des Limes. Die römischen Gebiete im heutigen Deutschland verteilten sich auf die Provinzen Germania Superior, Germania Inferior und Raetia. Auf die Römer gehen StĂ€dte wie Trier, Köln, Bonn, Worms und Augsburg zurĂŒck, die zu den Ă€ltesten StĂ€dten Deutschlands zĂ€hlen. Die Römer fĂŒhrten Neuerungen in Hausbau und Handwerk ein, die zum Teil bis heute fortwirken. Zur Sicherung der Grenzen siedelten die Römer befreundete germanische StĂ€mme in den Provinzen an. Auch Siedler aus allen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, wanderten ein und wurden westlich des Rheins und sĂŒdlich der Donau sesshaft. Eine erste Geschichte Gesamtgermaniens liefert im Jahr 98 der römische Schreiber Tacitus.

Mittelalter

Hauptartikel: Deutschland im Mittelalter

FrĂŒhmittelalter etwa 395 bis 919

Hauptartikel: Deutschland im FrĂŒhmittelalter

Nachdem viele germanische StĂ€mme schon ab dem 1. Jahrhundert nach SĂŒden drĂ€ngten, wird seit dem Einfall der Hunnen 375 von der Völkerwanderung gesprochen, die im 5. Jahrhundert ihren Höhe-, im 6. Jahrhundert ihren Schlusspunkt fand und 476 zum Untergang Westroms fĂŒhrte. Viele germanische StĂ€mme wanderten damals nach West-, Ost- und SĂŒdeuropa bis hin nach Nordafrika. In die nunmehr fast menschenleeren Gebiete des heutigen Ostdeutschland wanderten im 7. Jahrhundert bis zur Elbe-Saale-Linie slawische StĂ€mme ein. Fast im gesamten Raum östlich der Elbe wurde daher bis ins hohe Mittelalter slawisch gesprochen (Germania Slavica). Sprachforscher schĂ€tzen, dass etwa ein Drittel der heutigen deutschen Familiennamen slawischen Ursprungs sind. Der Hauptteil West- und Mitteleuropas wurde ab dem 6. Jahrhundert vom Frankenreich eingenommen, das heutige nordwestliche Deutschland von den Sachsen beherrscht.

Die Gebietsaufteilung im Vertrag von Verdun (843)

Das Frankenreich Karls des Großen, fĂŒr das vor allem die Merowinger die Grundlage gelegt hatten, einte das Gebiet des kontinentalen Zentraleuropa zwischen Atlantik, Ostsee und AlpensĂŒdrand. Nach Karls Tod wurde es 843 im Vertrag von Verdun unter seinen Enkeln dreigeteilt. Das westfrĂ€nkische Reich sollte die Grundlage vor allem fĂŒr die Entwicklung des Königreichs Frankreich bilden. Das OstfrĂ€nkische Reich ist eng mit der Geschichte des spĂ€teren Heiligen Römischen Reiches verknĂŒpft.

Mit seiner Teilung 843 begann der Zerfall des Frankenreichs. Der Sohn Karls des Großen, Ludwig der Fromme, konnte dessen Einheit noch wahren. Als Nachfolger bestimmte er seinen Ă€ltesten Sohn Lothar I. Dieser bekam das Mittelreich und die KaiserwĂŒrde, Karl der Kahle den Westteil und Ludwig der Deutsche den Ostteil. Nach dem Tod der Söhne Lothars I. wird das einstige Mittelreich aufgeteilt unter Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen. Nach Ludwigs Tod 876 wird dann das ostfrĂ€nkische Reich unter seinen drei Söhnen Karlmann, Ludwig dem JĂŒngeren und Karl dem Dicken ebenfalls aufgeteilt. 880 wird die Grenze zum westfrĂ€nkischen Reich festgelegt, die das gesamte Mittelalter beinahe unverĂ€ndert das Deutsche Reich von Frankreich scheiden sollte. Der ostfrĂ€nkische König Karl der Dicke konnte nach dem Tod seiner BrĂŒder und des westfrĂ€nkischen Königs das FrĂ€nkische Reich nochmals kurze Zeit vereinigen, wurde aber nach kraftloser Herrschaft im Osten von seinen Neffen Arnulf von KĂ€rnten, einem Sohn Karlmanns, 887 verdrĂ€ngt. Mit Arnulfs Sohn Ludwig dem Kind starb 911 der letzte ostfrĂ€nkische Karolinger. Um ihre eigene Macht nicht zu gefĂ€hrden, wĂ€hlten die Herzöge den vermeintlich schwachen Frankenherzog Konrad I. zu ihrem König (911–919).

Hochmittelalter

Hauptartikel: Deutschland im Hochmittelalter

Ottonen 919 bis 1024

Das Heilige Römische Reich um 1000

Konrad I. (911–919), der nach seiner Wahl erfolglos die karolingische Tradition bewahren wollte, folgte der Sachsenherzog Heinrich I. aus dem Geschlecht der Liudolfinger oder Ottonen nach. Heinrich I. verteidigte das Reich gegen EinfĂ€lle von Ungarn und Slawen. Neben dem frĂ€nkischen Erbe trat nun immer mehr eine eigene gemeinsame IdentitĂ€t hervor. Zum Nachfolger bestimmte Heinrich I. seinen Sohn Otto I.. Dieser versuchte zuerst die neu entstandenen StammesherzogtĂŒmer seiner Macht zu unterstellen, stĂŒtzte sich jedoch zur Sicherung seiner Macht immer mehr auf die Kirche (Reichskirchensystem). 955 besiegte Otto die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld – dieser Sieg wird spĂ€ter zur Geburtsstunde der Deutschen stilisiert.[1][2] 950 wurde Böhmen und ab 963 Polen zeitweise lehnsabhĂ€ngig vom römisch-deutschen Herrscher. Otto erweiterte sein Herrschaftsgebiet um Teile Italiens. Nach der Heirat mit Adelheid von Burgund nannte er sich eine kurze Zeit König der Langobarden. 962 erreichte Otto endgĂŒltig seine Anerkennung als König von Italien und danach die Kaiserkrönung durch den Papst. In SĂŒditalien geriet er in Konflikt mit dem byzantinischen Kaiser. Sein Sohn Otto II. heiratete schließlich die Kaisernichte Theophanu, SĂŒditalien verblieb jedoch bei Byzanz. Otto II. erlitt 982 gegen die Araber eine vernichtende Niederlage. Die Gebiete östlich der Elbe (Billunger Mark und die Nordmark) gingen im großen Slawenaufstand grĂ¶ĂŸtenteils fĂŒr etwa 200 Jahre wieder verloren. Ottos Sohn, Otto III., starb bevor er seinen Plan, die Machtbasis nach Rom zu verlegen, verwirklichen konnte; im Kongress von Gnesen im Jahre 1000 erkannte er den polnischen Herrscher Boleslaw I. Chrobry als Mitregent im Reich an. Der letzte Ottonenkönig Heinrich II. hatte sich in mehreren Kriegen gegen Polen (König Boleslaw I. Chrobry) und Ungarn (König Stephan I.) zu behaupten. Unter ihm wurde aber das Reichskirchensystem weiter ausgebaut. Unter den Ottonen erscheint vermehrt die Bezeichnung regnum teutonicum.

Salier 1024 bis 1125

1024 wĂ€hlten die deutschen FĂŒrsten den Salier Konrad II. zum König. Er erwarb 1032 das Königreich Burgund. Sein Nachfolger Heinrich III. setzte auf der Synode von Sutri drei rivalisierende PĂ€pste ab, ernannte den Reformer Clemens II. zum Papst und ließ sich von ihm 1046 zum Kaiser krönen. Kurz darauf erließ er ein Verbot der Simonie. WĂ€hrend der Regierungszeit Heinrichs IV. eskalierte der so genannte Investiturstreit, in dem die Kirchenreformer dem Kaiser Simonie vorwarfen. Heinrich erklĂ€rte Papst Gregor VII. fĂŒr abgesetzt. Nun bannte der Papst den König. Um den Kirchenbann zu lösen, unternahm Heinrich IV. den Gang nach Canossa. 1084 setzte er Papst Gregor wiederum ab und ließ sich in Rom von Gegenpapst Clemens III. zum Kaiser krönen. Sein Sohn Heinrich V. verbĂŒndete sich schließlich mit den FĂŒrsten gegen ihn und setzte ihn ab. Ein lĂ€ngerer Krieg wurde durch den Tod des Vaters 1106 verhindert. Unter Heinrich V. kam es 1122 im Wormser Konkordat zum Ausgleich mit der Kirche. Nach Heinrichs Tod wĂ€hlten die FĂŒrsten Lothar III. von Supplinburg zum König. Durch die UnterstĂŒtzung der mĂ€chtigen Welfen fĂŒr Lothar gegen den Staufer Friedrich wurde ein das ganze 12. Jahrhundert andauernder Streit zwischen Welfen und Staufern begrĂŒndet.

Staufer 1138 bis 1254

Nach dem Tod Lothars 1138 wurde der Staufer Konrad III. König. Dieser erkannte Lothars Schwiegersohn, dem Welfen Heinrich dem Stolzen, dessen HerzogtĂŒmer ab. Konrads Nachfolger Friedrich I. versuchte den Ausgleich, indem er den Welfen Heinrich den Löwen 1156 mit den HerzogtĂŒmern seines Vaters, Sachsen und Bayern, belehnte. Heinrich der Löwe unterwarf als neuer Lehnsherr von 1147 bis 1164 die Slawen in Mecklenburg und Pommern.

Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen wusste geschickt Machtkonstellationen fĂŒr die GrĂŒndung von Klöstern einzusetzen und korrespondierte mit der damals bekannten Welt. Im Vertrag von Konstanz 1153 erreichte Friedrich I. („Barbarossa“) die Kaiserkrönung. Er besiegte die nach mehr SelbstĂ€ndigkeit strebenden lombardischen StĂ€dte. Als Alexander III. Papst wurde, begann der Kampf zwischen Kaiser und Papst erneut. Nach der Niederlage bei Legnano musste Friedrich Alexander als Papst anerkennen. 1180 entzog Friedrich Heinrich dem Löwen, der seine Italienpolitik nicht mehr unterstĂŒtzte, dessen HerzogtĂŒmer. 1181 erhob Friedrich die pommerschen Greifen in den Rang deutscher ReichsfĂŒrsten. Ab 1187 ĂŒbernahm Friedrich I. die FĂŒhrung der Kreuzfahrer. 1190 starb er in Syrien. Friedrichs Sohn, Heinrich VI., wurde dank der Heirat mit der normannischen Prinzessin Konstanze 1194 König von Sizilien. Als Heinrich VI. 1197 starb, kam es zu einer Doppelwahl des Staufers Philipp von Schwaben, des Bruders Heinrichs VI und des Welfen Otto IV., einem Sohn Heinrich des Löwen. Nach der Ermordung Philipps 1208 wurde Otto IV. König. Der Papst unterstĂŒtzte aber wegen des Italienzuges Ottos den Staufer Friedrich II., dem Sohn Heinrich VI. 1214 brachte die Schlacht bei Bouvines die Entscheidung fĂŒr Friedrich. Dieser regierte sein Reich von seiner Heimat Sizilien aus. Die Regierung in Deutschland ĂŒberließ er seinem Sohn Heinrich. 1235 setzte er statt Heinrich dessen Bruder Konrad IV. ein. 1220 wurde Friedrich zum Kaiser gekrönt. Es kam zum Machtkampf mit Papst Gregor IX., der den Kaiser 1227 bannte. Dennoch erreichte Friedrich im Heiligen Land die Übergabe Jerusalems. Der Konflikt setzte sich auch fort, als Innozenz IV. Gregors Nachfolge antrat. Innozenz erklĂ€rte den Kaiser 1245 gar fĂŒr abgesetzt. Friedrich II. starb im Dezember 1250. Nach seinem Tod tobte der Kampf des Papstes gegen die Staufer weiter. 1268 wurde der letzte Staufer, der sechzehnjĂ€hrige Sohn Konrads IV., Konradin, im Kampf um sein sizilianisches Erbe gegen Karl von Anjou in Neapel öffentlich hingerichtet.

SpÀtmittelalter

Hauptartikel: Deutschland im SpÀtmittelalter

Im 14. Jahrhundert fĂŒhrten Überbevölkerung, Missernten und Naturkatastrophen zu Hungersnöten. 1349/50 starb ein Drittel der Bevölkerung an der Pest und ein Großteil der Juden flĂŒchtete aufgrund von Pogromen nach Polen.

Interregnum und beginnendes Hausmachtkönigtum 1254 bis 1313

Nach dem Ende der Staufermacht verfiel die Königsmacht im SpĂ€tmittelalter immer mehr. Der König stĂŒtzte sich nur noch auf ein geringes Reichsgut und musste versuchen, seine Hausmacht zu erweitern. Als neuer Machtfaktor erwiesen sich inzwischen die ReichsstĂ€dte. Die LandesfĂŒrsten (die spĂ€teren KurfĂŒrsten) wĂ€hlten in einer verfassungsrechtlich bemerkenswerten Doppelwahl sowohl Richard von Cornwall aus England als auch Alfons von Kastilien zum König. Dies verschaffte den WĂ€hlenden, also regionalen KrĂ€ften, die Möglichkeit, ihre eigene Macht zu Ungunsten der Zentralmacht weiter auszubauen. Beide GewĂ€hlten waren aber zu schwach sich im Reich durchzusetzen, strebten eher nach der Kaiserkrone. Richard war ganz selten im Reich, Alfons hat es nie betreten. Zeitgenossen sprachen schon damals vom „Interregnum“, der königslosen Zeit.

Das Interregnum wurde 1273 durch die Wahl Rudolf von Habsburg beendet. Rudolf ebnete dem Haus Habsburg den Weg zu einer der mĂ€chtigsten Dynastien im Reich, doch gelang es ihm nicht, die Kaiserkrone zu erlangen. Seine beiden Nachfolger, Adolf von Nassau und Albrecht I., standen im Konflikt mit den KurfĂŒrsten. 1308 wurde der Luxemburger Heinrich VII. zum König gewĂ€hlt. Dieser konnte 1310 seine Hausmacht um Böhmen erweitern und erlangte 1312 die Krönung zum Kaiser. Im Vertrag von Namslau 1348 erkannte Kasimir der Große von Polen die Zugehörigkeit Schlesiens zu Böhmen – und damit zum Heiligen Römischen Reich – an, versuchte spĂ€ter jedoch beim Papst, diesen anzufechten.

Ludwig IV. der Bayer und Karl IV. 1314 bis 1378

Goldene Bulle Karls IV.

Nach dem Tod Heinrichs setzte sich nach einer Doppelwahl 1314 der Wittelsbacher Ludwig der Bayer gegen die Habsburger durch. 1327 zog Ludwig nach Italien und wird im darauffolgenden Jahr in Rom zum Kaiser gekrönt. Im Kampf des Kaisers gegen den Papst, dem letzten des Mittelalters, bestĂ€tigten die KurfĂŒrsten im Kurverein von Rhense 1338, dass ein von ihnen gewĂ€hlter König nicht vom Papst bestĂ€tigt werden mĂŒsse. Eine von den Luxemburgern gefĂŒhrte Opposition gegen Ludwigs Hausmachtpolitik formierte sich 1346. Der Luxemburger Karl IV. wird von seinen AnhĂ€ngern mit UnterstĂŒtzung des Papstes zum Gegenkönig gewĂ€hlt. Der Tod Ludwigs 1347 verhinderte einen lĂ€ngeren Krieg. Karl IV. verlegte seinen Herrschaftsschwerpunkt nach Böhmen. Er gewann unter anderem die Mark Brandenburg zu seinem Hausmachtkomplex hinzu.

1348 wurde in Prag die erste deutschsprachige UniversitĂ€t gegrĂŒndet.

1355 wurde Karl zum Kaiser gekrönt. Die Goldene Bulle von 1356 stellte bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs eine Art Grundgesetz dar. Ihr Hauptziel war die Verhinderung von Gegenkönigen und ThronkÀmpfen. Karl glaubte, damit die Machtstellung des Hauses Luxemburg zementiert zu haben.

Beginnender Aufstieg Habsburgs 1378 bis 1493

Das Heilige Römische Reich um 1400

Unter dem Nachfolger Karls verfiel die Königsmacht endgĂŒltig. Der Ă€ltere Sohn Karls IV, Wenzel wird 1400 von den KurfĂŒrsten wegen UntĂ€tigkeit abgesetzt. Nach dem Tod des Nachfolgers Ruprecht I. von der Pfalz aus dem Hause Wittelsbach 1410 wird mit Wenzels Bruder Sigismund wieder ein Luxemburger gewĂ€hlt. Er erreichte zwar 1433 die Kaiserkrönung, war jedoch nicht in der Lage, das Königtum zu stabilisieren. Eine Reichsreform scheiterte an Eigeninteressen der Landesherrscher. Durch die Einberufung des Konzils von Konstanz konnte er allerdings das AbendlĂ€ndische Schisma beenden.

Mit dem Tod Sigismunds erlosch das Haus Luxemburg in mÀnnlicher Linie. Die Habsburger traten 1438 mit Albrecht die Nachfolge an. Von 1438 bis 1740 und von 1745 bis zum Ende des Reiches 1806 sollte das Haus Habsburg nun den römischen König stellen.

Unter der langen Regierung von Friedrich III. (1440-1493) wurde der Grundstein fĂŒr die spĂ€tere habsburgische Weltmachtpolitik gelegt.

FrĂŒhe Neuzeit

Hauptartikel: Deutschland in der Neuzeit, FrĂŒhe Neuzeit

Maximilian I. 1486 bis 1519

Maximilian I. erwarb durch Heirat das Herzogtum Burgund, zu dem die reichen Niederlande gehörten, fĂŒr sein Haus und behauptete es im Krieg gegen Frankreich. Sein Enkel Philipp der Schöne wurde mit der Erbin des spanischen Weltreiches vermĂ€hlt. Maximilian war wegen der TĂŒrkenkriege auf die UnterstĂŒtzung der ReichsstĂ€nde angewiesen. 1495 wurde auf dem Wormser Reichstag eine Reichsreform beschlossen. Maximilian nahm 1508 ohne pĂ€pstliche Krönung den Kaisertitel an. Er beendete damit fĂŒr alle Zeiten die Wallfahrten Deutscher Könige zur Kaiserkrönung nach Rom. Grund waren verschiedene schwelende Konflikte mit Frankreich und Venedig, dessen Truppen viele AlpenpĂ€sse versperrt hatten. Durch seine Heiratspolitik kamen neben der spanischen Krone auch Böhmen und Ungarn von den Jagiellonen zum Herrschaftsbereich der Habsburger.

Reformation und Gegenreformation 1517 bis 1618

Hauptartikel: Reformation, Gegenreformation

Mit der Publikation seiner 95 Thesen gegen den Ablasshandel durch Martin Luther setzte 1517 die Reformation ein.

1519 wurde der Habsburger Karl V. König. Unter ihm stieg Habsburg zur Weltmacht auf. Außenpolitisch war er in stĂ€ndige Kriege zur Abwehr der Osmanen sowie gegen Frankreich und den Papst verwickelt. Dadurch war seine Stellung im Reich selbst schwach und er konnte die Ausbreitung der Reformation nicht verhindern.

In den Jahren 1522 bis 1526 wurde in etlichen LĂ€ndern und StĂ€dten des Reichs die Lehre Luthers eingefĂŒhrt. Die Reformation wurde somit vom Landesherrn durchgefĂŒhrt, der auch zum Landesbischof wurde. Der Bruder des Kaisers, Ferdinand, wollte die Duldung der Lutheraner aufheben. Dagegen protestierten die evangelischen LandesfĂŒrsten. Daher leitet sich seit dem die Bezeichnung Protestanten fĂŒr AnhĂ€nger der evangelischen Glaubensrichtung ab..

Die schlechte Lage der Bauern hatte schon im 15. Jahrhundert zu regionalen AufstĂ€nden der Bauern gefĂŒhrt, wĂ€hrend der Reformationszeit kam es 1524 bis 1526 zu einem Bauernkrieg. 1525 wurde ein Bauernheer unter FĂŒhrung von Thomas MĂŒnzer bei Frankenhausen vernichtet.

Im Schmalkaldischen Krieg von 1546/1547 kam es erstmals zum Kampf der Katholiken unter FĂŒhrung des Kaisers gegen die Protestanten. Der Kaiser gewann den Krieg, konnte aber das Augsburger Interim nicht durchsetzen.

Als sich die FĂŒrsten ĂŒber die Religionsgrenzen hinweg gegen ihn erhoben, verzichtete Karl V. 1556 zugunsten seines Sohnes Philipp II. auf Spanien und machte seinen Bruder Ferdinand zu seinem Nachfolger im Reich. Der neue König hatte bereits 1555 den Augsburger Religionsfrieden ausgehandelt.

Unter dem Eindruck der Reformation begann die katholische Kirche eine innere Reform. Zudem setzte die Gegenreformation ein. Diese bestand zum einen in der Verfolgung von Zweiflern an der offiziellen pĂ€pstlichen Lehre durch die Inquisition, zum anderen entstanden neue Orden, von denen die Jesuiten eine fĂŒhrende Rolle bei der Rekatholisierung erlangten.

Dennoch war die Religionspolitik von Ferdinands Sohn und Nachfolger Maximilian II. vergleichsweise tolerant, wĂ€hrend in Frankreich zur selben Zeit Religionskriege wĂŒteten. Maximilians Sohn Rudolf II. zog sich dagegen in seiner Residenz Prag immer mehr aus der Wirklichkeit zurĂŒck, so dass die religiösen Konflikte weiter anschwollen. Es kam zum Kölner Krieg, als der dortige Erzbischof zum Protestantismus ĂŒbertrat, und in den zum Reich gehörenden Niederlanden verschĂ€rfte sich der Widerstand gegen das streng katholische Regiment der spanischen Habsburger.

Die protestantischen FĂŒrsten schlossen sich 1608 unter FĂŒhrung Friedrichs von der Pfalz zur Union zusammen. Entsprechend schlossen sich die katholischen FĂŒrsten 1609 unter FĂŒhrung des Bayernherzogs Maximilian I. zur Liga zusammen.

DreißigjĂ€hriger Krieg 1618 bis 1648

Hauptartikel: DreißigjĂ€hriger Krieg

Nachdem Kaiser Rudolf II. die RegierungsgeschÀfte an seinen Bruder Matthias abgetreten hatte, schrÀnkte dieser die den Protestanten gewÀhrten Rechte wieder ein. 1618 kam es deshalb zum Prager Fenstersturz, bei dem zwei kaiserliche RÀte von böhmischen Standesvertretern in der Prager Burg zum Fenster hinausgeworfen wurden.

Nach dem Tod des Kaisers wurde der FĂŒhrer der Union, Friedrich von der Pfalz, 1619 zum König von Böhmen erklĂ€rt. Der neue Kaiser Ferdinand II. zog mit dem Heer der katholischen Liga nach Böhmen. In der Schlacht am Weißen Berge 1620 wurde das böhmische Heer besiegt. Nach der Flucht Friedrichs besetzte Tilly die Pfalz und die Oberpfalz. Der Bayernherzog Maximilian I. bekam die PfĂ€lzer KurfĂŒrstenwĂŒrde.

Der DĂ€nenkönig Christian IV. rĂŒckte 1625 mit seinem Heer in Norddeutschland ein. Er wurde aber vom kaiserlichen Heer unter Tilly und dem böhmischen Adligen Wallenstein besiegt. Pommern, JĂŒtland und Mecklenburg wurden vom katholischen Heer besetzt.

Nach dem Ende des dĂ€nischen Krieges erließ der Kaiser 1629 das Restitutionsedikt. Besorgt wegen seiner erheblich gestiegenen MachtfĂŒlle erreichten die ReichsstĂ€nde auf dem Regensburger KurfĂŒrstentag 1630 die Absetzung seines Feldherrn Wallenstein.

Nun griff der Schwedenkönig Gustav II. Adolf ins Kriegsgeschehen ein. Bei Rain fiel 1632 Tilly. Der Kaiser setzte daraufhin Wallenstein wieder ein. Bei der Schlacht von LĂŒtzen 1632 fiel der Schwedenkönig.

Wallenstein wurde 1634 erneut abgesetzt und bald darauf ermordet. Um die Schweden vom deutschen Boden zu vertreiben, schloss der Kaiser mit dem protestantischen sĂ€chsischen KurfĂŒrsten einen Sonderfrieden, den Frieden von Prag, 1635.

Das Heilige Römische Reich 1648

Das katholische Frankreich griff 1635 auf schwedischer Seite ein, jedoch konnte keine der beiden Seiten den Krieg fĂŒr sich entscheiden. Große Teile des Reiches wurden verwĂŒstet. Der Vorkriegsstand der Bevölkerung wurde erst wieder um 1750 erreicht. Der neue Kaiser Ferdinand III. bemĂŒhte sich bereits seit 1637 verstĂ€rkt um Friedensverhandlungen, aber Deutschland war lĂ€ngst zum Spielball fremder MĂ€chte geworden, wodurch sich das Leid der Bevölkerung weiter verlĂ€ngerte. Die seit 1642 laufenden Verhandlungen fĂŒhrten am 24. Oktober 1648 zum WestfĂ€lischen Frieden.

Der Friedensschluss beinhaltete eine Abtretung von Teilen Lothringens und des Elsass' an Frankreich. Die Niederlande und die Schweiz schieden offiziell aus dem Reich aus. Die Stellung der ReichsstÀnde und der Territorien wurde gestÀrkt und der Augsburger Religionsfriede bestÀtigt. Bei einem Konfessionswechsel des Landesherrn wurde nicht mehr von der Bevölkerung dasselbe verlangt. Die Macht des Kaisers wurde noch weiter eingeschrÀnkt, seine Durchsetzungskraft beruhte in der Zukunft nur noch auf der Stellung seiner Dynastie.

Das Heilige Römische Reich zerfiel in 382 souverĂ€ne und halbsouverĂ€ne Territorien. Dieses Reichsgebilde wurde vom zeitgenössischen Staatsrechtler Samuel Pufendorf als „Monstrum“ oder „durch göttliche FĂŒgung bewahrtes Unding“ bezeichnet. Pufendorf verwendete aber auch als einer der ersten den Ausdruck „Deutschland“.

Absolutismus 1648 bis 1789

Hauptartikel: Absolutismus
Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg

Die Zerstörungen und Bevölkerungsverluste des DreißigjĂ€hrigen Kriegs förderten die Entwicklung staatlich gelenkter Wirtschafts- und Sozialpolitik. Verbunden mit der merkantilistischen Wirtschaftsform war das Entstehen der absolutistischen Herrschaftsform nach Vorbild des französischen Königs Ludwig XIV.

Unter KurfĂŒrst Friedrich Wilhelm begann seit 1640 der Aufstieg Preußens. Der nachfolgende KurfĂŒrst Friedrich III. ließ sich 1701 zum König Friedrich I. in Preußen krönen. Die Standeserhebung gelang nur, da er als Herzog von Preußen ĂŒber ein Territorium außerhalb der Grenzen des Heiligen Römischen Reiches verfĂŒgte, das völlig souverĂ€n vom Reich war. Gegen eine Zahlung von Zwei Millionen Talern und der Entsendung eines Truppenkontingentes fĂŒr die Reichsarmee, stimmte der habsburgische Kaiser Leopold I. schließlich zu. Der Aufstieg Brandenburg-Preußens, spĂ€ter einfach nur als Königreich Preußen bezeichnet, fĂŒhrte zum Dualismus mit Österreich, der Deutschlands Innenpolitik bis 1866 bestimmen sollte.

Unter dem Habsburger Kaiser Leopold I. war das Reich der zweifachen Bedrohung durch die Osmanen und den Expansionsdrang Frankreichs unter Ludwig XIV. ausgesetzt. 1683 konnte der Kaiser mit UnterstĂŒtzung einiger deutschen FĂŒrsten und des Polenkönigs Jan III Sobieski, der die Schlacht am Kahlenberg bei Wien gegen Kara Mustafa gewann, die TĂŒrken vor Wien schlagen und aus Ungarn vertreiben.

Dadurch wurde aber ein Krieg gegen Frankreich verhindert, zu dem schon gerufen werden sollte. Frankreich hatte sich – die außenpolitische Gelegenheit nutzend – unter Ausschluss der verfassungsgemĂ€ĂŸen Gegebenheiten die freie Reichsstadt Straßburg und andere elsĂ€ssische Gebiete in sein Territorium einverleibt, obwohl diese Gebiete ReichsstĂ€nde waren.

Durch die Wahl des sĂ€chsischen KurfĂŒrsten Friedrich August I. 1697 zum König von Polen kam es bis 1763 zu einer Personalunion von Sachsen und Polen, die durch den Großen Nordischen Krieg und den Polnischen Thronfolgekrieg unterbrochen wurde. Ebenso gab es von 1714 bis 1837 eine Personalunion von Hannover und England.

Das Aussterben der spanischen Habsburger löste 1701 den Spanischen Erbfolgekrieg aus, der mit dem Tod von Joseph I. eine fĂŒr Habsburg ungĂŒnstige Wende nahm, allerdings auch die KrĂ€fte Frankreichs erschĂŒtterte. Das österreichische Haus Habsburg war unter Leopold I. und Joseph I. dennoch zur europĂ€ischen Großmacht geworden.

Das Aussterben der österreichischen Habsburger im Mannesstamm mit Kaiser Karl VI. fĂŒhrte 1740 zum Österreichischen Erbfolgekrieg. Der Wittelsbacher Karl VII. wurde zum neuen Kaiser gewĂ€hlt, Friedrich II. fiel im habsburgischen Kronland Schlesien ein.

Karls VI. Tochter Maria Theresia konnte die Kaiserkrone fĂŒr ihren Gemahl Franz I. zwar mit britischer Hilfe schließlich gegen preußische HegemonialansprĂŒche verteidigen, sie verlor aber im SiebenjĂ€hrigen Krieg 1763 Schlesien endgĂŒltig an Preußen.

Schweden verlor durch seine Niederlage im Großen Nordischen Krieg (1700-1721) gegen Russland, DĂ€nemark, Sachsen-Polen und Preußen fast alle Besitzungen im Reich. Durch die drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 konnten Österreich und Preußen erhebliche Gebietsgewinne verzeichnen.

Die AufklĂ€rung hielt Einzug in Preußen unter Friedrich dem Großen (der Alte Fritz), der nach den Prinzipien des aufgeklĂ€rten Absolutismus herrschte. Auch in Österreich hielt die AufklĂ€rung unter Kaiser Joseph II. Einzug. Sie fĂŒhrte jedoch nicht zu Reformen, die die feudalen MachtverhĂ€ltnisse erschĂŒtterten. Josephs Bruder und Nachfolger Leopold II. musste einen Teil der Reformen in den österreichischen Erblanden wieder zurĂŒcknehmen.

Das „lange 19. Jahrhundert“ 1789 bis 1918

Französische Revolution und „Befreiungskriege“ 1789 bis 1814

Hauptartikel: Französische Revolution, Koalitionskriege, Befreiungskriege
Das Heilige Römische Reich am Vorabend der Französischen Revolution 1789

In Folge der Französischen Revolution kam es 1791 zum BĂŒndnis von Preußen und Österreich gegen Frankreich. Nach anfĂ€nglichen Erfolgen des halbherzig gefĂŒhrten Feldzuges geriet die Koalition nach der Niederlage von Valmy im September 1792 in die Defensive. Es folgten bis 1809 noch vier weitere Koalitionskriege gegen Frankreich.

1799 ĂŒbernahm Napoleon I. in Frankreich die Macht. Österreich musste die Österreichischen Niederlande abtreten. Die linksrheinischen Gebiete Deutschlands fielen nach dem Frieden von LunĂ©ville 1801 ebenfalls an Frankreich. Als Kompensation fĂŒr ihre linksrheinischen Gebietsverluste erhielten die mittleren deutschen FĂŒrsten 1803 im Reichsdeputationshauptschluss rechtsrheinische Gebiete ehemals reichsunmittelbarer StĂ€nde und aus Kirchenbesitz. Zudem erhielten Hessen-Kassel, Baden und WĂŒrttemberg die Kurstimme, was eine protestantische MajoritĂ€t im Kurverein brachte.

Da er wegen der neuen Mehrheiten unter den KurfĂŒrsten nicht mehr sicher sein konnte, die deutsche KaiserwĂŒrde auch weiterhin fĂŒr das Haus Habsburg zu sichern, erhob sich der habsburgische Kaiser Franz II. 1804, er war gleichzeitig Erzherzog von Österreich, wie Napoleon selbst zum Kaiser von Österreich. Dieser Vorgang stellt einen Verfassungsbruch dar, da Österreich als Teilstaat des Heiligen Römischen Reiches und damit als Reichsstand nicht völlig souverĂ€n war. Das deutsche Staatsoberhaupt nahm damit offenkundig seinen eigenen Staat nicht mehr ernst.

1805 unterlag Österreich in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz. Es musste seine oberitalienischen Gebiete an das Königreich Italien und Vorarlberg und Tirol an Bayern abtreten. Zu Beginn des Jahres 1806 erhob Napoleon Bayern und WĂŒrttemberg zu Königreichen, einige Monate spĂ€ter auch Sachsen. Als sich 16 deutsche FĂŒrstenhĂ€user 1806 zum Rheinbund zusammenschlossen, legte Kaiser Franz II., auch unter dem Druck Napoleons, die deutsche Kaiserkrone nieder, nachdem er schon 1804 das Kaiserreich Österreich gegrĂŒndet hatte, um mit Napoleons Kaiserkrönung gleichzuziehen.

Dies bedeutete das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das 842 Jahre Bestand gehabt hatte. Diese Übergangszeit wurde auch die Franzosenzeit genannt, in der sich das Bewusstsein an die geĂ€nderten UmstĂ€nde anpassen musste.

Am 16. Oktober 1806 kam es infolge des vierten Koalitionskrieges gegen Frankreich zur Niederlage Preußens in der Schlacht bei Jena und Auerstedt. Napoleons Truppen rĂŒckten daraufhin in Berlin ein. Im Frieden von Tilsit 1807 verlor Preußen die HĂ€lfte seines Staatsgebietes, darunter unter anderen die nach der zweiten und dritten Teilung Polens erlangten Gebiete (Großpolen, Masowien und Danzig) an das GroßfĂŒrstentum Warschau. Preußen blieb nur auf russische Intervention hin als gedachter „Pufferstaat“ erhalten. Ebenso musste Österreich die nach der dritten Teilung Polens besetzten Gebiete an das GroßfĂŒrstentum Warschau abtreten. Der Aufstand in Tirol unter dem FreiheitskĂ€mpfer Andreas Hofer wurde von NapolĂ©ons Truppen niedergeschlagen.

In Preußen kam es aufgrund der verheerenden Niederlage zwischen 1807 und 1813 zu einer Reformbewegung (Preußische Reformen) unter Stein und Hardenberg. Die preußische Armee wurde durch Scharnhorst und Gneisenau grundlegend reformiert, ebenso das Bildungswesen von Wilhelm von Humboldt und weitere Gebiete.

Nach der Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812 kam es in Preußen zu AufstĂ€nden. Als der preußische General Yorck von Wartenburg im Dezember 1812 eigenmĂ€chtig in der Konvention von Tauroggen einen Waffenstillstand mit Russland vereinbarte, verbĂŒndeten sich der preußische König auf Druck der Bevölkerung mit dem Zaren gegen Frankreich.

Nach dem Beitritt Großbritanniens, Schwedens und Österreichs zum BĂŒndnis wurde Frankreich in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 entscheidend geschlagen. Die Rheinbundstaaten wechselten daraufhin auf die Seite der Alliierten. Die Befreiungskriege gegen Napoleon fĂŒhrten in Deutschland zu einem neuen Nationalbewusstsein.

Im FrĂŒhjahr 1814 zogen die verbĂŒndeten Truppen in Paris ein. Napoleon wurde zur Abdankung gezwungen. Als er 1815 erneut in Frankreich die Macht an sich riss, besiegte ihn ein deutsch-britisches Heer in der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 endgĂŒltig.

Restauration und VormÀrz 1814 bis 1848

Hauptartikel: Restauration, VormÀrz
Auf dem Wiener Kongress restaurierte FĂŒrst von Metternich alte Regimes von Gottes Gnaden

Auf dem Wiener Kongress kam es unter der Leitung Metternichs zur Neuordnung Europas. Ziel des Wiener Kongresses war die dauerhafte Sicherung des Friedens durch Schaffung eines neuen Gleichgewichts zwischen den GroßmĂ€chten, aber auch die Wiederherstellung (Restauration) des alten politischen Systems. In der Heiligen Allianz vereinbarten Österreich, Preußen und Russland, alle revolutionĂ€ren und nationalstaatlichen Bewegungen zu bekĂ€mpfen.

Preußen erhielt sein Gebiet aus der zweiten Polnischen Teilung samt Danzig zurĂŒck, das Rheinland, Westfalen und den nördlichen Teil Sachsens, Österreich behielt das Gebiet aus der ersten Teilung Polens (Galizien), verzichtete auf die österreichischen Niederlande und bekam dafĂŒr Venetien, die Lombardei und Gebiete auf dem Balkan. Frankreich konnte das Elsass behalten. Weiter wurde der Deutsche Bund ins Leben gerufen, dem 39 souverĂ€ne FĂŒrsten, darunter auch die Könige Großbritanniens, DĂ€nemarks und der Niederlande, angehörten.

Die 39 Bundesstaaten des Deutschen Bundes

Beschlussorgan des Deutschen Bundes war der Bundestag, der unter österreichischem Vorsitz in Frankfurt am Main tagte. Die WĂŒnsche der Bevölkerung nach Schaffung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates wurden von den FĂŒrsten nicht berĂŒcksichtigt.

Nach der Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue 1819 ließ Metternich in den Karlsbader BeschlĂŒssen die Burschenschaften und alle anderen politischen Vereinigungen verbieten und fĂŒhrte eine umfassende Zensur ein. Letztlich konnte er aber nicht das weitere Erstarken der deutschen Nationalbewegung in der Zeit des so genannten VormĂ€rz verhindern. 1817 versammelten sich zahlreiche Studenten auf dem Wartburgfest. BestĂ€rkt durch die Julirevolution in Frankreich fand die Bewegung im Hambacher Fest vom 27. bis 30. Mai 1832 mit 30.000 Teilnehmern einen neuen Höhepunkt.

Wirtschaftlich wurde Deutschland durch den am 1. Januar 1834 gegrĂŒndeten Deutschen Zollverein geeint. Die einsetzende Industrialisierung und der Bau der ersten Eisenbahnlinien brachten einen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich.

Revolution 1848/1849

Hauptartikel: Deutsche Revolution 1848/49
Jubelnde RevolutionÀre nach BarrikadenkÀmpfen in Berlin am 19. MÀrz 1848

Die Februarrevolution 1848 in Frankreich fĂŒhrte in den deutschen Staaten zur MĂ€rzrevolution. In Österreich kam es zu StraßenkĂ€mpfen. Am 13. MĂ€rz trat Metternich zurĂŒck und floh nach Großbritannien.

Kaiser Ferdinand erließ im April 1848 eine Verfassung und gewĂ€hrte dem Volk eine bewaffnete BĂŒrgerwehr. In den von den österreichischen Habsburgern beherrschten FĂŒrstentĂŒmern Ober- und Mittelitaliens, in Ungarn und den slawischen Gebieten kam es zu AufstĂ€nden, die aber von den Truppen des Kaisers niedergeschlagen wurden.

Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. gestattete auf Druck der Bevölkerung die Ausarbeitung einer Verfassung und gestand den BĂŒrgern Versammlungs- und Pressefreiheit zu. Kleinere Staaten wie Baden versuchten, Unruhen durch die Berufung liberaler und nationaler Regierungsmitglieder vorzubeugen. Dennoch wurden im weiteren Verlauf der Revolution gerade Sachsen und Baden zu Zentren radikaldemokratischer AufstĂ€nde.

Anfang Mai fanden in allen Staaten Wahlen zu einer Deutschen Nationalversammlung statt. Diese wurden jedoch nur in sechs Staaten direkt gewĂ€hlt. In allen anderen Staaten wurde ein indirektes Verfahren ĂŒber WahlmĂ€nner angewandt.

Im Parlament waren sowohl konservative Monarchisten als auch Liberale und Republikaner vertreten. WĂ€hrend Akademiker und das BildungsbĂŒrgertum dominierten, hatten Arbeiter und Bauern im Parlament keine Vertreter.

Am 18. Mai kam es zur Bildung einer vorlĂ€ufigen Zentralregierung unter der Leitung eines Reichsverwesers. Die Regierung wurde von den deutschen FĂŒrsten anerkannt, war wegen fehlender eigener Armee, Polizei und Beamtenschaft aber weitgehend machtlos.

Die Nationalversammlung musste nun die Grenzen eines zukĂŒnftigen deutschen Nationalstaates festlegen. Favorisiert wurde zuerst die so genannte großdeutsche Lösung. Da Österreich aber nur unter Einschluss seines gesamten Gebietes dazu bereit war, entschied man sich fĂŒr die kleindeutsche Lösung. Diese sah die Bildung eines deutschen Staates unter Ausschluss Österreichs vor.

Am 28. MĂ€rz 1849 wurde die sogenannte Paulskirchenverfassung verabschiedet, die einen Bundesstaat mit zentraler Regierung unter Leitung eines erblichen Kaisertums und einem Reichstag als Legislative vorsah. Die Verfassung bildete eine Grundlage fĂŒr die Weimarer Verfassung und das Grundgesetz. Weiter wurde ein allgemeines Wahlrecht vereinbart.

Nachdem der preußische König Friedrich Wilhelm IV. am 2. April die Kaiserkrone ablehnte, zogen die meisten deutschen Staaten ihre Abgeordneten aus Frankfurt zurĂŒck. AufstĂ€nde in Dresden, der Pfalz und Baden zur Erzwingung der Verfassung wurden niedergeschlagen.

Eine Minderheit der Abgeordneten widersetzte sich einer Abberufung und tagte in Stuttgart weiter. Die letzten RevolutionÀre ergaben sich am 23. Juli in Rastatt. Die Verfassung konnte somit nie in Kraft treten. Zahlreiche in der Folge politisch Verfolgte wanderten vor allem nach Amerika aus.

ReaktionsÀra und Norddeutscher Bund 1849 bis 1871

Hauptartikel: ReaktionsÀra, Norddeutscher Bund

In der Folge wurden wĂ€hrend der Revolution gemachte ZugestĂ€ndnisse rĂŒckgĂ€ngig gemacht. In Österreich errichtete Schwarzenberg ein neoabsolutistisches Regime. In anderen Bundesstaaten wie in Preußen blieben einige Errungenschaften wie die Verfassungen und die Gewerbefreiheit erhalten.

Equilibrist der Macht innen und außen: Otto von Bismarck

1850 wurde der Deutsche Bund wiedergegrĂŒndet. Gemeinsam wandten sich die Staaten insbesondere mit koordinierten polizeilichen Maßnahmen wĂ€hrend der ReaktionsĂ€ra gegen die Opposition. Nach der Zulassung von politischen ZusammenschlĂŒssen 1860 entstanden in Deutschland neue Parteien und Gewerkschaften. 1863 grĂŒndete Ferdinand Lassalle den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, der schließlich in der bis heute bestehenden Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) aufging.

1859 begann der Preußische Verfassungskonflikt, der 1862 zur Ernennung Otto von Bismarcks zum preußischen MinisterprĂ€sidenten und zu einer StĂ€rkung des Königs gegenĂŒber dem Parlament fĂŒhrte.

1864 kam es zum Krieg Preußens und Österreichs gegen DĂ€nemark. Auslöser war die Annexion Schleswigs durch DĂ€nemark. Mit Zustimmung der europĂ€ischen GroßmĂ€chte eroberten beide deutsche Staaten die HerzogtĂŒmer Holstein, das bereits seit dem frĂŒhen Mittelalter zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und nach 1815 auch zum Deutschen Bund gehört hatte und lediglich vom dĂ€nischen König regiert wurde, und Schleswig.

Aufstieg und Fall eines GrĂŒnders in der GrĂŒnderzeit: Bethel Henry Strousberg spannte in guten Jahren ein Eisenbahnnetz ĂŒber Preußen und halb Europa

Den 1866 folgenden Deutschen Krieg gegen Österreich konnte Preußen durch seinen Sieg bei KöniggrĂ€tz fĂŒr sich entscheiden. Es annektierte das Hannover, Nassau, Kurhessen, Hessen-Homburg, Schleswig-Holstein und Frankfurt. Der Deutsche Bund löste sich auf. DarĂŒber hinaus wurde der Norddeutsche Bund unter FĂŒhrung Preußens gegrĂŒndet. Die UnabhĂ€ngigkeit Bayerns, WĂŒrttembergs und Badens wurde auf DrĂ€ngen Frankreichs anerkannt.

Im Anschluss kam es zu Spannungen zwischen Frankreich und Preußen. Anlass fĂŒr den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 war die Kandidatur Leopolds von Hohenzollern auf den spanischen Königsthron. NapolĂ©on III. provozierte den Krieg, in dem er Gebiete am Rhein forderte und Bismarck reagierte mit der Emser Depesche. Nach der KriegserklĂ€rung durch Frankreich konnte Preußen alle deutschen Staaten und die ĂŒbrigen europĂ€ischen GroßmĂ€chte auf seine Seite ziehen. Das Frankreich NapolĂ©ons III. wurde durch den Sieg bei Sedan zur Kapitulation gezwungen. In Paris bildete sich daraufhin eine republikanische Regierung, die die Forderungen Preußens ablehnte.

Dieses hatte eine Fortsetzung des Krieges zur Folge, der erst 1871 mit der Kapitulation Frankreichs endete. Im Frieden von Frankfurt am Main wurde Frankreich zur Abtretung Elsass-Lothringens und zur Zahlung einer KriegsentschÀdigung verpflichtet.

Kaiserreich 1871 bis 1918

Hauptartikel: Deutsches Kaiserreich
Das Deutsche Reich 1871

Durch das ZugestĂ€ndnis der Reservatrechte konnte Bismarck die sĂŒddeutschen Staaten zum Beitritt zum Norddeutschen Bund bewegen. Die GrĂŒndung des dadurch entstandenen Deutschen Reiches wurde am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Schloss Versailles vollzogen. Der preußische König erhielt den Titel eines Deutschen Kaisers.

Die Reichsverfassung von 1871 betonte das monarchische Element. Damit war aber die Zukunft Deutschlands entscheidend vom Geschick seiner Kaiser abhĂ€ngig. Preußen verfĂŒgte ĂŒber zwei Drittel der LandflĂ€che und Bevölkerung und damit ĂŒber ein Vetorecht bei VerfassungsĂ€nderungen im Bundesrat.

Bismarck verfolgte eine Politik wechselnder BĂŒndnispartner (siehe auch Tendenzpolitik). Im Rahmen des Kulturkampfes von 1871 bis 1886 gegen die katholische Kirche verbĂŒndete Bismarck sich mit den Liberalen. Wenngleich einige Maßnahmen nach Beendigung des Kulturkampfes wieder zurĂŒckgenommen wurden, blieben zum Beispiel die EinfĂŒhrung der Zivilehe und die staatliche Aufsicht ĂŒber das Schulwesen erhalten.

Einen weiteren Gegner Bismarcks stellten die Sozialisten dar. Die Stimmung in der Öffentlichkeit nach einem Attentat auf Kaiser Wilhelm I. nutzte Bismarck 1878 zur Durchsetzung der Sozialistengesetze. Diese konnten die Verbreitung sozialistischer Ideen aber nicht verhindern.

Parallel dazu versuchte Bismarck durch eine Sozialgesetzgebung einer Radikalisierung der Arbeiter entgegenzuwirken. So wurde 1883 eine Krankenversicherung, 1884 eine Unfallversicherung und 1889 eine Rentenversicherung eingefĂŒhrt. Weitergehende Forderungen der Sozialdemokraten lehnte Bismarck aber ab.

Wirtschaftlich wurde infolge des durch die ReichsgrĂŒndung entstandenen einheitlichen Wirtschaftsraums und begĂŒnstigt durch die französischen Zahlungen von KriegsentschĂ€digung ein rasantes Wirtschaftswachstum ausgelöst. Dieses mĂŒndete aber 1873 in die Wirtschaftskrise („GrĂŒnderkrach“).

Außenpolitisch verfolgte Bismarck eine Politik des Gleichgewichts der GroßmĂ€chte. Durch den Aufstieg zur stĂ€rksten Großmacht auf dem Kontinent weckte Deutschland die Ängste seiner Nachbarn. Um BĂŒndnisse der ĂŒbrigen GroßmĂ€chte gegen Deutschland zu verhindern, baute Bismarck mit diplomatischem Geschick ein BĂŒndnissystem auf, das auf eine Isolierung Frankreichs hinauslief.

Um die Ängste der ĂŒbrigen GroßmĂ€chte zu dĂ€mpfen, verzichtete Bismarck nach der Krieg-in-Sicht-Krise 1875 auf territoriale Erweiterungen, stellte als Konzession an den Zeitgeist jedoch 1884 die kolonialen Erwerbungen deutscher Kaufleute unter den Schutz des Reiches. Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Kolonien blieb jedoch gering.


Im Dreikaiserjahr 1888 starb Wilhelm I. und Wilhelm II. folgte seinem Vater Friedrich III., der todkrank nur 99 Tage regiert hatte. Als 1890 Wilhelm II. Bismarck als Reichskanzler entließ, folgte eine Kurswende in der deutschen Außenpolitik. Im Gegensatz zu seinem zurĂŒckhaltenden VorgĂ€nger nahm der neue Kaiser die Außenpolitik selbst in die Hand (persönliches Regiment). Das fĂŒhrte zunehmend zu einer Isolation Deutschlands.

Die Innenpolitik war stark vom Strukturwandel und der sozialen Frage geprĂ€gt. Reichskanzler Caprivi (1890–1894) verfolgte einen Kurs sozialer Reformen. Weitere politische Reformen scheiterten jedoch.

Die Kanzlerschaft von FĂŒrst Chlodwig zu Hohenlohe-SchillingsfĂŒrst (1894-1900) brachte zwar innenpolitisch die Verabschiedung des BĂŒrgerlichen Gesetzbuches, 1896 aber auch eine weitere VerschĂ€rfung des Konfliktes mit der Sozialdemokratie (Zuchthausvorlage), außenpolitisch den Beginn der imperialistischen deutschen Weltpolitik bei einer versuchten WiederannĂ€herung an Russland und einer Verschlechterung der Beziehungen zu Großbritannien (KrĂŒger-Depesche, Samoa-Konflikt, FlottenwettrĂŒsten). Der Selbstherrlichkeit des Kaisers konnte der alte Kanzler kaum etwas entgegensetzen. Unter dem Nachfolger Bernhard von BĂŒlow (1900-1909), der die kaiserlichen Ambitionen offen unterstĂŒtzte, nahm allerdings durch die „Daily-Telegraph-AffĂ€re“ auch das Ansehen Wilhelms II. Schaden. Die Beziehungen zu England und Russland verschlechterten sich weiter. Der nĂ€chste Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg (1909-1917) versuchte einen Ausgleich mit England, konnte jedoch das BĂŒndnissystem nicht durchbrechen. England hatte sich in Kolonialfragen mit Frankreich ausgeglichen, die Balkanfrage brachte Russland an die Seite der beiden WestmĂ€chte. Mit dem Deutschen Reich verbĂŒndet blieben Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich.

Erster Weltkrieg

Hauptartikel: Erster Weltkrieg

Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajewo löste schließlich den Ersten Weltkrieg aus. Nicht nur der Einfluss der Politik, auch die Macht des Kaisers schwand zusehends, faktisch regierte die Oberste Heeresleitung unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff. An der Ostfront siegreich, verschlechterte sich im Laufe des Stellungskrieges an der Westfront die Versorgungslage zusehends. Als im Oktober 1918 noch einmal die Flotte gegen die Royal Navy auslaufen sollte, meuterten die Matrosen.

Der Matrosenaufstand breitete sich innerhalb weniger Tage ĂŒber ganz Deutschland aus und wurde zur Novemberrevolution. Am 9. November verkĂŒndete Reichskanzler Max von Baden die Abdankung des Kaisers. Wilhelm II. beugte sich dieser Entscheidung und ging ins Exil. Max von Baden ĂŒbergab die Regierungsgewalt an Friedrich Ebert. Am Nachmittag rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Republik aus.

Weimarer Republik 1919 bis 1933

Hauptartikel: Weimarer Republik
Das Deutsche Reich 1919–1937

Am 10. November 1918 bildete sich mit dem Rat der Volksbeauftragten eine provisorische Regierung. Am 11. November wurden durch einen Waffenstillstand die Kampfhandlungen eingestellt. Am 16. Dezember 1918 fand in Berlin der sogenannte ReichsrÀtekongress statt.

Zahlreiche Reformen traten in Kraft, das Frauenwahlrecht und der Achtstundentag wurden eingefĂŒhrt. Der Spartakusaufstand im Januar 1919 wurde von Freikorps niedergeschlagen. Die kommunistischen AnfĂŒhrer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden dabei ermordet. Bis Mitte 1919 wurden auch alle weiteren Versuche, sozialistische RĂ€terepubliken in Deutschland zu etablieren, von Reichswehr- und FreikorpsverbĂ€nden gewaltsam niedergeschlagen. Zuletzt am 2. Mai 1919 die MĂŒnchner RĂ€terepublik.

Am 19. Januar wurde die Nationalversammlung gewÀhlt. Sie trat nicht im unruhigen Berlin, sondern in Weimar zusammen. Die Nationalversammlung wÀhlte Friedrich Ebert zum ReichsprÀsidenten und Philipp Scheidemann zum Reichskanzler. Nach der Weimarer Verfassung war das Deutsche Reich eine parlamentarische Demokratie. Sie sah allerdings einen starken ReichsprÀsidenten als Ersatzkaiser vor und konnte durch eine qualifizierte Mehrheit vollstÀndig geÀndert werden.

Am 28. Juni musste Deutschland im Versailler Vertrag zahlreiche Gebiete abtreten sowie seine Kolonien dem Völkerbund unterstellen. Die Vereinigung Deutschlands mit Österreich wurde untersagt. Deutschland und seinen VerbĂŒndeten wurde die alleinige Kriegsschuld gegeben und es wurden Reparationsforderungen gestellt. Das Saarland war dem Völkerbund unterstellt und das Rheinland entmilitarisierte Zone. Außerdem gab es massive BeschrĂ€nkungen fĂŒr die deutsche Armee.

Das Ausbleiben von demokratischen Reformen in MilitĂ€r, Justiz und Verwaltung, der als Schanddiktat empfundene Versailler Vertrag und die Dolchstoßlegende waren ein schweres Erbe fĂŒr den neuen deutschen Staat, der als Republik ohne Republikaner bezeichnet wurde.

Lise Meitner und Otto Hahn schufen mit ihrer Forschung Theorie und Werkzeug fĂŒr die erste Kernspaltung in Berlin

1920 kam es zum Kapp-Putsch und zu mehreren politischen Morden. Bei den Reichstagswahlen gab es große Stimmengewinne fĂŒr extreme Parteien. GemĂ€ĂŸ dem Versailler Vertrag fanden in einigen Grenzgebieten Volksabstimmungen ĂŒber die zukĂŒnftige Gebietszugehörigkeit statt. Schleswig wurde nach zwei Volksabstimmungen zwischen DĂ€nemark und Deutschland geteilt. Nordschleswig kam wieder zu DĂ€nemark, SĂŒdschleswig blieb bei Deutschland. Nach einer Volksabstimmung vom 11. Juli blieben die Bezirke Allenstein und Marienwerder bei Preußen. Am 20. September kamen Eupen und Malmedy (bei Aachen) zu Belgien, nachdem eine Eintragung der Bewohner in öffentliche Listen eine entsprechende Mehrheit ergeben hatte.

1921 wurde die Reichswehr geschaffen. Oberschlesien wurde nach einer zum Teil von gewaltsamen Auseinandersetzungen geprÀgten Volksabstimmung zwischen Deutschland und Polen geteilt. 1922 begannen Deutschland und die Sowjetunion diplomatische Beziehungen im Vertrag von Rapallo.

Im Januar 1923 besetzten französische Truppen das Ruhrgebiet, um ausstehende Reparationsforderungen einzutreiben. Die Reichsregierung unterstĂŒtzte den ausbrechenden Ruhrkampf. In den folgenden Monaten kam es zu einer galoppierenden Inflation, die erst im November durch eine WĂ€hrungsreform beendet wurde.

Bayern wurde zum Sammelbecken rechter, konservativer KrÀfte. In diesen Klima vollzog sich der Hitlerputsch. Adolf Hitler wurde zwar festgenommen und verurteilt, aber bereits nach wenigen Monaten wieder freigelassen.

1924 begannen eine Phase der relativen StabilitÀt. Trotz aller Konflikte schien die Demokratie zu siegen. Die Neuordnung der WÀhrung und die im Gefolge des Dawes-Plans gewÀhrten Kredite leiteten die Goldenen 20er Jahre ein.

Im Februar 1925 starb Friedrich Ebert, als Nachfolger wurde Paul von Hindenburg gewÀhlt.

Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann versuchte gemeinsam mit Aristide Briand eine AnnĂ€herung an Frankreich und eine Revision der Versailler Vertrags, was sich im Locarnovertrag 1925 und der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund 1926 zeigte.

Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 leitete den Anfang vom Ende der Weimarer Republik ein. Im Sommer 1932 erreicht die Arbeitslosenzahl die Höhe von sechs Millionen. Ab 1930 wurde Deutschland von PrĂ€sidialkabinetten ohne RĂŒckhalt im Parlament regiert.

Es kam zu einer Radikalisierung der politischen Lage und zu Straßenschlachten zwischen der NSDAP und der KPD. 1931 schlossen sich rechte KrĂ€fte in der Harzburger Front zusammen, die NSDAP wurde bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 stĂ€rkste Kraft. Am 28. Januar 1933 erklĂ€rte der Reichskanzler Kurt von Schleicher seinen RĂŒcktritt.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg 1933 bis 1945

Hauptartikel: Zeit des Nationalsozialismus, Deutsches Reich 1933 bis 1945, Zweiter Weltkrieg

Am 30. Januar 1933 ernannte ReichsprÀsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler: Dies markierte das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus, der eine Variante des Faschismus war. Hindenburg löste den Reichstag auf und setzte Neuwahlen an. Nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 schrÀnkte eine Notverordnung von ReichsprÀsident Hindenburg die Grundrechte ein. Die KPD wurde verboten und viele ihre Mitglieder verhaftet. Das so genannte ErmÀchtigungsgesetz gab der Regierung dazu uneingeschrÀnkte Gesetzgebungsbefugnisse. Danach wurden innerhalb kurzer Zeit auch die restlichen demokratischen Parteien verboten, wenn sie sich nicht selber auflösten. Die ersten Konzentrationslager zur Inhaftierung politischer NS-Gegner, vor allem von Kommunisten und Sozialdemokraten, entstanden.

In den folgenden Monaten wurden die bisherigen LĂ€nder gleichgeschaltet, ebenso die Presse und die Gewerkschaften. Im April begann der Boykott jĂŒdischer GeschĂ€fte und die Entfernung jĂŒdischer Beamter aus dem Staatsdienst. Im Juni/Juli wurden die evangelischen Landeskirchen in einer Reichskirche unter Leitung eines Reichsbischofs zusammengeschlossen. Die „Deutschen Christen“ propagierten ein „judenreines“ Evangelium und waren „dem FĂŒhrer ergeben“. Als Gegenbewegung bildete sich im September innerhalb der evangelischen Kirche der Pfarrernotbund, aus dem im Juni 1934 die Bekennende Kirche hervorging. In ihr sammelten sich evangelische Christen, die Übergriffe des Staates auf die evangelische Kirche und zum Teil den Nationalsozialismus als solchen ablehnten (unter anderem Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller, Gustav Heinemann). Mit dem Vatikan schloss Deutschland ein Konkordat, das die Stellung der katholischen Bischöfe in Deutschland sicherte und de facto zugleich eine ZurĂŒckhaltung der katholischen Kirche mit Kritik am Nationalsozialismus zusicherte (mit einer Reihe von Ausnahmen, z. B. Kardinal von Galen).

1934 wurde die Justiz gleichgeschaltet. Durch politische Morde nach dem angeblichen Röhm-Putsch – so wird der VorgĂ€nger im Amt als Reichskanzler Kurt von Schleicher mit seiner Frau ermordet – erstickte Hitler auch jede mögliche Opposition auch innerhalb der NSDAP und entmachtete die SA zugunsten der Wehrmacht. Er ließ sich außerdem nach Hindenburgs Tod am 2. August zum „FĂŒhrer“, Reichskanzler und obersten Befehlshaber ernennen. Die Reichswehr wurde nun auf ihn persönlich vereidigt. Auch die Berufsbeamten mussten einen „FĂŒhrereid“ ablegen, so dass regimekritische Akademiker ihre Ämter verloren.

Brain Drain mit Gewalt: fĂŒhrende Vertreter der Wissenschaften wie Emmy Noether werden vertrieben

In der folgenden Zeit wurde das gesamte gesellschaftliche Leben von NS-Organisationen wie Hitler-Jugend, Deutsche Arbeitsfront und KdF durchdrungen. Maßnahmen wie der Autobahnausbau, die teilweise schon von VorgĂ€ngerregierungen vorbereitet oder begonnen worden waren, beseitigten die Arbeitslosigkeit. Die Kriegsvorbereitung, fĂŒr die der Autobahnbau keine Rolle spielte, sicherte danach den wirtschaftlichen Aufschwung; zu einer wesentlichen Steigerung des Lebensstandards kam es aber wegen der PrioritĂ€t der AufrĂŒstung nicht.

1935 wurde das Saarland nach einer Volksabstimmung wieder ins Deutsche Reich integriert. Auf dem Reichsparteitag wurden die NĂŒrnberger Rassengesetze beschlossen, die die Ausgrenzung und Isolierung der Juden begrĂŒndeten.

1936 marschierte die Reichswehr in das entmilitarisierte Rheinland ein und brach damit den Versailler Vertrag. Im August fanden in Berlin die Olympischen Spiele statt, die Hitler als PropagandabĂŒhne fĂŒr die Weltöffentlichkeit nutzte. Ein Vierjahresplan von 1936 sollte Deutschland bis spĂ€testens 1940 kriegsbereit machen. Das Regime unterstĂŒtzte ab 1936 zusammen mit Mussolinis Italien auch militĂ€risch den faschistischen General Franco im Spanischen BĂŒrgerkrieg gegen die dortige Republik. FĂŒr Hitler bot der spanische BĂŒrgerkrieg die Gelegenheit, die EinsatzfĂ€higkeit seines MilitĂ€rs im Kriegsfall zu testen.

1938 erwirkte Hitler den Anschluss Österreichs und im MĂŒnchner Abkommen den Anschluss des Sudetenlandes an Deutschland. Daraufhin schloss Stalin mit Hitler den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt. Am 9. November inszenierten die Nazis die Reichspogromnacht und legten in zahlreichen Synagogen Feuer. Als Zivilpersonen getarnte SA- und SS-Angehörige misshandelten und ermordeten viele Juden unter den Augen der Polizei, die meist stillhielt.

Buchenwald bei Weimar am 24. April 1945.

Im MĂ€rz 1939 marschierten Hitlers Truppen auch in die so genannte Rest-Tschechei und das Memelland ein. Ihr Angriff auf Polen am 1. September 1939 löste dann den Zweiten Weltkrieg aus. Am 3. September erklĂ€rten zunĂ€chst Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Nach dem Sieg der Wehrmacht und der Roten Armee ĂŒber Polen wurde dessen Westteil zum deutschen Generalgouvernement erklĂ€rt, wĂ€hrend die Sowjetunion den Ostteil des Landes besetzte. So teilten Hitler und Stalin Polen infolge ihres Paktes untereinander auf.

Nur wenige Monate nach Beginn des Krieges, am 8. November 1939 verĂŒbte der EinzelkĂ€mpfer Georg Elser ein Bombenattentat auf Hitler wĂ€hrend einer NS-Propagandaveranstaltung im MĂŒnchner BĂŒrgerbrĂ€ukeller, das aber scheiterte, weil Hitler wenige Minuten vor der Explosion sofort nach seiner Rede den Saal verließ. Elser wurde wenig spĂ€ter gefasst, interniert und kurz vor Ende des Krieges im April 1945 im KZ Dachau ermordet.

Im „Blitzkrieg“ folgten schnelle deutsche Besetzungen von DĂ€nemark, Norwegen, den Beneluxstaaten und Frankreich 1940. Hitlers PopularitĂ€t in der deutschen Bevölkerungsmehrheit war auf ihrem Höhepunkt. Die geplante Invasion Großbritanniens (Unternehmen Seelöwe) misslang jedoch, weil die deutsche Luftwaffe in der Luftschlacht um England trotz intensiver Bombardierung strategischer Ziele (FlugplĂ€tze, Radarstationen, LuftrĂŒstungsindustrie) nicht die völlige Lufthoheit ĂŒber Großbritannien erringen konnte und das Erringen dieser als die wesentliche Voraussetzung fĂŒr eine erfolgreiche Invasion der britischen Inseln angesehen wurde.

1940/41 eroberte die Wehrmacht mit den StreitkrĂ€ften Italiens, Ungarns und Bulgariens gemeinsam Jugoslawien und Griechenland. Beide LĂ€nder wurden unter den verbĂŒndeten Diktaturen aufgeteilt. Ihrer Eroberung folgte ab 1943 jedoch ein zermĂŒrbender Partisanenkrieg. Mit zur UnterstĂŒtzung Italiens entsandte Deutschland im Januar 1941 das Afrikakorps in die damalige italienische Kolonie Libyen.

Am 22. Juni ĂŒberfiel Deutschland die Sowjetunion. In dem als Blitzkrieg geplanten „Unternehmen Barbarossa“ drangen Wehrmacht und Waffen-SS bis vor Moskau und Leningrad vor. Im Winter 1941/42 kam sie jedoch vor Moskau ins Stocken.

Am 11. Dezember 1941 erklĂ€rte Deutschland den USA, die Großbritannien und seit Juli 1941 die UdSSR mit GĂŒtern versorgten, den Krieg.

Im Verlauf einer neuen Offensive im Osten im Sommer 1942 drangen Wehrmacht und Waffen-SS bis an den Don und in den Kaukasus vor. Die Schlacht um Stalingrad im Winter 1942/1943 war einer der Wendepunkte des Krieges. Bis Ende 1943 hatte die Sowjetunion weite Gebiete zurĂŒckerobert. Am 13. Mai 1943 mussten die AchsenmĂ€chte (Deutschland und Italien) in Nordafrika kapitulieren.

Großdeutsches Reich 1943

Inzwischen war der Holocaust, der von langer Hand geplante beispiellose Völkermord an den Juden, im Gang. Schon seit September 1941 mussten Juden den Judenstern tragen. Nach ihrer Entrechtung, Enteignung, Ghettoisierung und Massenerschießungen an jĂŒdischen Zivilisten in den eroberten Ostgebieten beschlossen die fĂŒhrenden Nazis im Januar 1942 auf der Wannseekonferenz die „Endlösung der Judenfrage“. In extra dazu errichteten Vernichtungslagern („Aktion Reinhard“) im besetzten Osten Europas wie Auschwitz, Treblinka oder Majdanek wurde die Ermordung der Juden nun industriell betrieben. Bis zum Kriegsende wurden etwa 6 Millionen europĂ€ische Juden ermordet, von denen die Juden in Polen mit ĂŒber 3 Millionen Opfern den grĂ¶ĂŸten Anteil stellten.

Sinti und Roma waren weitere Opfergruppen des gezielten Völkermords. Massenmorde wurden auch an anderen, in der nationalsozialistischen Ideologie als „Untermenschen“ eingestuften Völkern, insbesondere den Polen und Russen begangen.

Schon vor dem Völkermord an den Juden in seiner industrialisierten Form nach der Wannseekonferenz hatten die Nationalsozialisten bei der sogenannten Aktion T4 im Rahmen ihres „Euthanasieprogramms“, der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ die Methode der „Vergasung“ von grĂ¶ĂŸeren Menschengruppen in den Jahren zwischen 1939 und 1941 getestet. Diesem „Programm“ waren etwa 100.000 geistig, psychisch und körperlich behinderte Menschen in mehreren deutschen Behindertenanstalten zum Opfer gefallen. Der mutige öffentliche Einsatz des katholischen Bischofs von MĂŒnster Clemens August Graf von Galen gegen die Ermordung der Behinderten hatte schließlich zur Einstellung des NS-Euthanasieprogramms gefĂŒhrt.

Ab 1939 (Angriff auf Krefeld) begann der Bombenkrieg der Alliierten auf deutsche StĂ€dte, durch den etwa 760.000 Zivilisten ums Leben kamen. Ab Ende 1944 flohen viele Deutsche aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches vor der anrĂŒckenden Roten Armee. 1944 konnte diese weite Teile von SĂŒdosteuropa erobern. Am 6. Juni begann die Invasion der westlichen Alliierten in der Normandie, nachdem sie schon zuvor nach der Landung auf Sizilien von SĂŒden her Italien eroberten und gegen Deutschland im Vormarsch waren. Am 20. Juli scheiterte ein Attentat und ein Putschversuch von Wehrmachtsangehörigen und Mitgliedern der Widerstandsgruppe des Kreisauer Kreises gegen Hitler.

Auch in anderen Kreisen der Bevölkerung regte sich der Widerstand. Waren es in den Jahren 1933/1934 noch Aktivisten der verbotenen SPD und KPD, die mit FlugblĂ€ttern Zeichen setzten, so opponierten jetzt Jugendliche und Studenten gegen die nationalsozialistische FĂŒhrung und gegen den Krieg. Viele Jugendliche waren der Uniformierung ĂŒberdrĂŒssig und hoben sich durch betont englische Kleidung, lĂ€ssiges Gehabe oder sowjetrussische Widerstandslieder von den „angepassten“ und „gleichgeschalteten“ Leuten ab. So entstanden beispielsweise „Die Schlurfs“, die „Proletenmeute“, die „Kittelbachpiraten Gladbeck“ und die bekannte Gruppe der „Edelweißpiraten“, die mit den ĂŒblichen rigorosen Maßnahmen bekĂ€mpft wurden. In mehreren StĂ€dten gab es Jugendkonzentrationslager.

Gebietseinbußen Deutschlands 1919 und 1945

Ende 1944 und Anfang 1945 beschlossen die Alliierten die Aufteilung Deutschland nach dem Krieg. Nach Beginn ihrer Winteroffensive am 12. Januar 1945 eroberte die Rote Armee Ostpreußen, Pommern und Schlesien und holte vielfach die fliehende Zivilbevölkerung ein. Im April erreichten die sowjetischen Truppen die Reichshauptstadt und es kam zur Schlacht um Berlin. Hitler tötete sich am 30. April im Bunker der Reichskanzlei, nachdem er testamentarisch Admiral Karl Dönitz zu seinem Nachfolger als ReichsprĂ€sident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht bestimmt hatte. Neben Hitler töteten sich in der Folge auch andere fĂŒhrende FunktionĂ€re, so Joseph Goebbels, Heinrich Himmler. Am 7. Mai 1945 schließlich unterzeichnete Generaloberst Jodl – von Dönitz hierzu autorisiert – die bedingungslose Gesamtkapitulation der deutschen Wehrmacht, die, durch Unterzeichnung einer weiteren Kapitulationsurkunde ratifiziert, am Tag darauf in Kraft trat.

Der Zweite Weltkrieg, den Deutschland in Europa entfesselt hatte, dauerte in SĂŒdostasien, wo der Krieg schon 1937 vom mit Deutschland im Antikomintern-Pakt verbĂŒndeten Japan ausgelöst worden war, noch bis zum 12. August 1945 an. Er forderte insgesamt etwa 60 Millionen Tote.

In den letzten Kriegsmonaten und im Anschluss an die Besetzung wurden die meisten noch verbliebenen Deutschen v. a. im Rahmen der Westexpansion Polens aus Ost- und Ostmitteleuropa vertrieben, insgesamt mehr als 12 Millionen Menschen. Infolge der Vertreibungen wurden ca. 2,1 Millionen Deutsche in den Tod getrieben und Tausende ermordet.

Besatzungszeit 1945 bis 1949

Hauptartikel: Deutschland 1945–1949
Die Besatzungszonen

Im historischen Bewusstsein Europas und der Welt wird der Sieg ĂŒber das nationalsozialistische Deutschland bis heute am 8./9. Mai als Tag der Befreiung gefeiert. In der deutschen Bevölkerung jener Zeit wurde diese Befreiung je nach politischem Standort allerdings differenzierter aufgefasst. FĂŒr die KZ-HĂ€ftlinge, Emigranten und politisch Verfolgten war es nach zwölf Jahren Tyrannei eine Befreiung im buchstĂ€blichen Sinn des Wortes. FĂŒr die Alliierten, zumal in Deutschland, war die Befreiung Deutschlands zunĂ€chst eher ein Nebeneffekt. In der Direktive JCS 1067 vom April 1945 stellten sie fest: „Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke der Befreiung, sondern als besiegte Feindnation.”

Nach dem Einmarsch der Roten Armee kam es zu einer großen Zahl von Vergewaltigungen deutscher Frauen. Der angebliche Aufruf der sowjetischen Propaganda, deutsche Frauen zu vergewaltigen, ist bereits seit langem widerlegt und soll nachweislich falsch sein (GerĂŒcht des Reichspropagandaministeriums, November 1944). In der DDR war das Thema „Massenvergewaltigungen durch die Rote Armee“ ein Tabu.

Die Drei MĂ€chte USA, Großbritannien und UdSSR trafen sich im Juli/August 1945 zur Potsdamer Konferenz. Dort einigten sie sich auf die GrundsĂ€tze Demokratisierung, Entnazifizierung, Entmilitarisierung, Dezentralisierung. Das Land wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie sowie die Stadt Stettin wurden unter polnische Verwaltung, das nördliche Ostpreußen unter die Verwaltungshoheit der Sowjetunion gestellt; ĂŒber sie sollte erst im Zuge eines Friedensvertrages mit Deutschland endgĂŒltig entschieden werden. Elsass-Lothringen fiel wieder an Frankreich. Österreich wurde wieder von Deutschland abgekoppelt, d. h. der völkerrechtliche Zustand vor dem „Anschluss“ wiederhergestellt, und fĂŒr sich ebenfalls in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

General Dwight D. Eisenhower und Lt. General Lucius D. Clay auf dem Flugplatz Gatow in Berlin

FĂŒr Deutschland wurde ein gemeinsames Verwaltungsorgan, der Alliierte Kontrollrat, gebildet, die Viersektorenstadt Berlin bekam eine gemeinsame Stadtverwaltung aller vier MĂ€chte, die Alliierte Kommandantur. Der Wiederaufbau und die Bildung von BundeslĂ€ndern und demokratischen Parteien begannen. Im Oktober 1945 wurden die NĂŒrnberger Kriegsverbrecherprozesse eingeleitet.

Die BesatzungsmĂ€chte gingen in ihren Zonen jeweils eigene Wege, wobei die westlichen MĂ€chte Großbritannien, Frankreich und USA im Zuge des aufkommenden Ost-West-Konflikts tendenziell zunehmend gegen die UdSSR zusammenarbeiteten.

1947 fanden einige Versuche einer Einigung ĂŒber die Zukunft Gesamtdeutschlands statt, die allerdings an der starren Front ostdeutscher MinisterprĂ€sidenten scheiterten, die zuerst gemeinsame Wahlen gefordert hatten – allerdings wohl im Sinne der SED. Fortan waren die WestmĂ€chte bestrebt, einen eigenen westdeutschen Staat in ihren Zonen aufzubauen.

In der sowjetischen Besatzungszone Ostdeutschlands (SBZ) wurden sehr bald die Weichen fĂŒr den Sozialismus gestellt. SPD und KPD wurden zur SED zwangsvereinigt und SchlĂŒsselstellen mit Kommunisten besetzt. Mit der Deutschen Wirtschaftskommission wurde 1947 ein vorstaatliches Organ geschaffen, das bald Kompetenzen zur Steuerung der Wirtschaft erhielt.

Die britische und die US-amerikanische Zone schlossen sich Anfang 1947 zur Bizone zusammen (die formelle Erweiterung dieser mit der französischen zur Trizone sollte dann erst im April 1949 erfolgen). Im Jahr 1947 begann mit dem Marshallplan der Wiederaufbau, der Osten musste diese Hilfen auf sowjetischen Druck jedoch ablehnen. Mit dem Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes wurde ebenfalls ein vorstaatliches Organ geschaffen.

Am 20. Juni 1948 fand in den Westzonen auf Betreiben der westlichen Alliierten eine WĂ€hrungsreform statt. Sie bildete die Grundlage fĂŒr das spĂ€tere Wirtschaftswunder. In der SBZ wurde im Gegenzug eine eigene WĂ€hrung eingefĂŒhrt. Am 24. Juni fĂŒhrten die WestmĂ€chte die Westmark auch in West-Berlin ein, die Sowjets antworteten darauf mit der Berliner Blockade. Der Westteil der Stadt wurde fast ein Jahr lang von den USA und Großbritannien ĂŒber die Berliner LuftbrĂŒcke mit den notwendigsten GĂŒtern versorgt. Die Sowjets hoben im Mai 1949 die Blockade wieder auf. Berlin blieb aber im Mittelpunkt der Politik der SiegermĂ€chte.

Am 20. MĂ€rz 1948 verließen die Sowjets aus Protest gegen die Londoner SechsmĂ€chtekonferenz den Alliierten Kontrollrat. Am 1. Juli 1948 ĂŒbergaben die WestmĂ€chte den MinisterprĂ€sidenten der Westzonen die Frankfurter Dokumente, eine Aufforderung zur Bildung einer verfassunggebenden Versammlung. Auf der so genannten Rittersturz-Konferenz im Juli 1948 wurde die GrĂŒndung einer Bundesrepublik Deutschland beschlossen.

Auf dem Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee beriet ein SachverstĂ€ndigenausschuss fĂŒr Verfassungsfragen die Grundlage fĂŒr die Arbeit des Parlamentarischen Rates. Dieser trat am 1. September in Bonn zusammen und erarbeitete dort das Grundgesetz. Nachdem dieses von allen LĂ€ndern außer Bayern angenommen und von den WestmĂ€chten genehmigt wurde, wurde es am 23. Mai 1949 verkĂŒndet. Damit war die Bundesrepublik Deutschland gegrĂŒndet.

Ende Mai 1949 fand in der SBZ der dritte Deutsche Volkskongress statt. Die Mitglieder wĂ€hlten den Zweiten Deutschen Volksrat als stĂ€ndiges Organ. Der Volkskongress nahm die Verfassung fĂŒr eine Deutsche Demokratische Republik einstimmig an. Am 7. Oktober wurde die DDR gegrĂŒndet. Die Deutsche Teilung war damit ein Faktum der Geschichte.

Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1990

Hauptartikel: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (bis 1990)
Konrad Adenauer auf der RĂŒckseite einer 2-DM-MĂŒnze

Am 14. August 1949 fanden die Wahlen zum ersten Deutschen Bundestag statt, die CDU/CSU wurde stÀrkste Fraktion. Konrad Adenauer wurde Mitte September zum Bundeskanzler, Theodor Heuss zum BundesprÀsidenten gewÀhlt. Im November wurde das Petersberger Abkommen geschlossen. Am 16. Januar 1950 wurde die Lebensmittelrationierung abgeschafft.

Andere Erblasten aus der Zeit des Nationalsozialismus erwiesen sich als bedeutend langwieriger (siehe VergangenheitsbewÀltigung).

Die Regierung Adenauers forcierte die Westintegration, die Wiederbewaffnung und schuf, begĂŒnstigt durch den Marshall-Plan der USA, die politischen Rahmenbedingungen fĂŒr das Wirtschaftswunder der Bundesrepublik. Sie erhob den Alleinvertretungsanspruch fĂŒr Deutschland, und brach die Beziehungen mit LĂ€ndern ab, die die DDR anerkannten (vgl. Hallstein-Doktrin). Trotzdem unterzeichnete sie 1955 einen Vertrag mit der Sowjetunion, damit die letzten deutschen Kriegsgefangenen heimkehren konnten. Ebenfalls 1955 trat der Deutschlandvertrag in Kraft, der das Besatzungsstatut beendete – die Alliierten behielten sich aber ein Vorbehaltsrecht, was Deutschland als Ganzes sowie den Status um Berlin betraf und erst mit dem „Zwei-plus-Vier-Vertrag“ 1990 aufgehoben wurde.
Die BR Deutschland trat der NATO bei und die Bundeswehr wurde gegen den Widerstand einer aufkeimenden Friedensbewegung, der „Ohne Mich-Bewegung“, gegrĂŒndet.

Die Bundesrepublik war 1952 MitbegrĂŒnderin der Montanunion, der VorlĂ€uferin der EG. 1951 wurden der rechtsextremistischen SRP und 1956 der KPD, die als kleine Fraktion noch bis 1953 im Bundestag vertreten gewesen war, vom Bundesverfassungsgericht Parteiverbote ausgesprochen.

1957 wurde das Saarland wieder Teil der Bundesrepublik. Im MĂ€rz begrĂŒndeten die Römischen VertrĂ€ge die EWG. Im November 1959 wandte sich die SPD mit dem Godesberger Programm endgĂŒltig vom Marxismus ab. 1959 wurde Heinrich LĂŒbke Nachfolger von Theodor Heuss als BundesprĂ€sident.

Bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 kamen Hunderttausende FlĂŒchtlinge aus der DDR in den Westen Deutschlands. Im Zuge des Aufbaus und der VollbeschĂ€ftigung wĂ€hrend des so genannten Wirtschaftswunders wurden zunehmend Gastarbeiter, vor allem aus SĂŒdeuropa, angeworben.

Im Oktober 1962 musste infolge der Spiegel-AffĂ€re Verteidigungsminister Franz Josef Strauß zurĂŒcktreten. Im Januar 1963 wurde der ÉlysĂ©e-Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich unterzeichnet, mit dem eine grundlegende Aussöhnungspolitik mit dem ehemals als historischen „Erzfeind“ Deutschlands bezeichneten Staat wurde. Am 15. Oktober trat Adenauer als Bundeskanzler zurĂŒck.

Nachfolger wurde der so genannte Vater des Wirtschaftswunders Ludwig Erhard. Er trat bereits Ende 1966 zurĂŒck. Nun bildete Kurt Georg Kiesinger eine Große Koalition aus CDU/CSU und SPD Willy Brandt als Bundesminister des AuswĂ€rtigen und Vizekanzler. Diese wurde nur als Übergangslösung verstanden, jedoch erzielten sie Erfolge in der Wirtschafts- und Innenpolitik.

1968 wurden die Notstandsgesetze beschlossen. Die unzureichende Verarbeitung der NS-Vergangenheit, der Bildungsnotstand, der Protest gegen den Vietnamkrieg, die Hippiebewegung und die als veraltet empfundene Gesellschaftsordnung hatten den Widerstand der studentischen Jugend mit sich gebracht. Durch deren Einfluss verÀnderten sich darauf Alltagskultur und politisches Leben im Westen Deutschlands erheblich.

Bundeskanzler Willy Brandt und der amerikanische PrÀsident Richard Nixon

Im MĂ€rz 1969 wurde Gustav Heinemann BundesprĂ€sident. Im September kam es nach der Bundestagswahl zu einem Machtwechsel. SPD und FDP bildeten die Sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt. Diese Regierung betrieb eine neue Ostpolitik der AnnĂ€herung an die Ostblockstaaten, die beim Kniefall von Warschau am 7. Dezember 1970, einen international beachteten symbolischen Ausdruck fand. Das Erfurter Gipfeltreffen im MĂ€rz 1970 markiert den Beginn der AnnĂ€herung an die DDR. Brandts Ostpolitik wurde vor allem innenpolitisch anfangs heftig kritisiert, sodass die CDU 1972 sogar ein konstruktives Misstrauensvotum versuchte, nachdem Abgeordnete aus SPD und FDP zur CDU/CSU ĂŒberwechselten und die Koalition die Mehrheit im Bundestag verlor.

1970 schloss die Bundesrepublik mit Polen den Warschauer Vertrag: Auf die Gebiete östlich der DDR erhob sie nun offiziell keine AnsprĂŒche mehr und sprach sie faktisch Polen zu, auch wenn dies formalrechtlich erst durch die Zustimmung der Alliierten 1990 geschah. Die DDR hatte bereits mit dem Görlitzer Abkommen 1950 die Oder-Neiße-Linie als so genannte „Friedensgrenze“ anerkannt.

Die Innenpolitik prĂ€gten die Liberalisierung des Rechtssystems, der Ausbau des sozialen Netzes und Reformen des Bildungswesens. Im Herbst 1973 wurde auch die Bundesrepublik Deutschland von der Ölkrise getroffen, das Wirtschaftswunder war endgĂŒltig vorbei. Am 6. Mai 1974 trat Brandt im Zuge der Guillaume-AffĂ€re zurĂŒck.

Helmut Schmidt wurde Bundeskanzler, Walter Scheel BundesprĂ€sident. Die Ostpolitik wurde fortgesetzt, schließlich kam es 1975 durch die KSZE zu einem Fortschreiten der Entspannungspolitik.

Innenpolitisch musste sich der Staat mit dem Problem des Linksterrorismus der RAF auseinandersetzen. Dieser erreichte im Deutschen Herbst 1977 mit der EntfĂŒhrung und Ermordung des ArbeitgeberprĂ€sidenten Hanns Martin Schleyer seinen Höhepunkt. Aber auch die wachsende Umwelt- und Friedensbewegung waren Schwerpunkte dieser Zeit (vgl. auch Neue soziale Bewegungen). 1979 wurde Karl Carstens BundesprĂ€sident.

Aufgrund wachsender Spannungen kam es im September 1982 zum Bruch der SPD/FDP-Koalition. Am 1. Oktober 1982 wurde Helmut Kohl durch ein konstruktives Misstrauensvotum Bundeskanzler. Die neue CDU/CSU-FDP-Regierung wurde durch die Bundestagswahlen 1983 bestĂ€tigt. Die GrĂŒnen zogen bei dieser Wahl als Vertreter der „Neuen sozialen Bewegungen“ erstmals in den Deutschen Bundestag ein und erlangten parlamentarisches Gewicht, nachdem deren AnhĂ€nger als außerparlamentarische Opposition viele Jahre lang in unterschiedlichen ZusammenhĂ€ngen aktiv gewesen waren (vgl. Frauenbewegung, Neue Linke, Atomkraftgegner, K-Gruppen, Friedensbewegung u. a.).

1984 wurde Richard von WeizsĂ€cker BundesprĂ€sident. Anfang 1984 startete das Privatfernsehen in Deutschland, ebenfalls 1984 kam es zur Flick-AffĂ€re und der Frage, ob die Republik kĂ€uflich sei. 1986 erschĂŒtterte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl Europa. Im selben Jahr wurde die Einheitliche EuropĂ€ische Akte unterzeichnet, die eine erste grĂ¶ĂŸere Reform der EG mit sich brachte und ein wichtiger Schritt zur EuropĂ€ischen Union war. Im September 1987 besuchte mit Erich Honecker erstmals ein DDR-Staats- und Parteichef die Bundesrepublik.

Nach der friedlichen Revolution in der DDR und der Zustimmung der SiegermÀchte und beider deutscher Parlamente kam es am 3. Oktober 1990 zur Wiedervereinigung Deutschlands.

Deutsche Demokratische Republik 1949 bis 1990

Hauptartikel: Geschichte der DDR
Emblem der SED

In der neu geschaffenen Volkskammer wurde Wilhelm Pieck zum StaatsprĂ€sidenten und Otto Grotewohl zum MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt. Bis 1971 ĂŒbte der GeneralsekretĂ€r der SED, Walter Ulbricht die entscheidende Macht in der Deutschen Demokratischen Republik aus. Die Hauptstadt war Ost-Berlin.

Im Februar 1950 wurde das Ministerium fĂŒr Staatssicherheit (MfS, „Stasi“) gegrĂŒndet. Im Juli wurde die Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze vertraglich vereinbart. Am 15. Oktober fanden die ersten Volkskammerwahlen statt. Es wurde ĂŒber eine Einheitsliste gewĂ€hlt, die nach offiziellen Angaben 99,3 Prozent der Stimmen erhĂ€lt. Die Wahlpraxis der Einheitsliste bestand bis 1989.

Am 1. Januar 1951 begann der erste FĂŒnfjahresplan. Im FrĂŒhjahr 1952 wurde in Deutschland ĂŒber die Stalin-Note debattiert, sie wurde schließlich vom Westen abgelehnt. Ende April wurden die ersten Volkseigenen Betriebe (VEB) gebildet und Anfang Juni die erste LPG.

Im Mai 1953 beschloss die SED eine Erhöhung der Arbeitsnormen. Es regte sich Widerstand. Das PolitbĂŒro der SED ĂŒbte Selbstkritik und verkĂŒndete einen Neuen Kurs. Am 17. Juni kam es zum Volksaufstand, der mit Hilfe sowjetischer Truppen niedergeschlagen wurde.

In den Jahren von 1949 bis 1961 hatten etwa drei Millionen Menschen die DDR verlassen. Um ein weiteres Ausbluten zu verhindern, riegelte die DDR am 13. August 1961 die Grenze zu Berlin (West) durch die Errichtung der Berliner Mauer ab.

Anfang der 1970er kam es zu einer AnnĂ€herung zwischen DDR und Bundesrepublik, maßgeblich durch Bundeskanzler Willy Brandt initiiert. Die mit dem Erfurter Gipfeltreffen 1970 einsetzenden GesprĂ€che zwischen beiden Staaten fĂŒhrten zum Grundlagenvertrag im Jahr 1972. Im Mai 1971 wurde Walter Ulbricht entmachtet, sein Nachfolger als Erster SekretĂ€r der SED wurde Erich Honecker.

Die DDR und die Bundesrepublik wurden 1973 Mitglied der UNO. Im Mai 1974 wurden die StÀndigen Vertretungen der beiden deutschen Staaten in Bonn und Ost-Berlin errichtet. Im Ergebnis der KSZE wurde am 1. August 1975 auch von beiden Staaten die Schlussakte von Helsinki unterzeichnet.

1983 erhielt, durch Vermittlung von Bayerns MinisterprĂ€sident Franz Josef Strauß, die DDR einen Milliardenkredit aus der Bundesrepublik, der ihre StabilitĂ€t sichern sollte. Im September 1987 kam es zum ersten Staatsbesuch Erich Honeckers in der Bundesrepublik.

Im Sommer und Herbst 1989 flohen immer mehr BĂŒrger der DDR ĂŒber Ungarn, das am 2. Mai seine Grenze zu Österreich öffnete. Ab dem 11. September konnten DDR-BĂŒrger auch ĂŒber bundesdeutsche Botschaften in osteuropĂ€ischen Staaten ausreisen.

Die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage und die enttĂ€uschten Hoffnungen auf freiheitliche VerĂ€nderungen fĂŒhrten im Rahmen der Friedensgebete der Evangelischen Kirche zu Protestdemonstrationen, die sich, vor allem in Leipzig, sehr schnell zu friedlichen Großdemonstrationen ausweiteten.

Am 18. Oktober trat Honecker zurĂŒck. Wenige Tage spĂ€ter folgte ihm die gesamte DDR-Regierung. Am 9. November wurde die Berliner Mauer geöffnet. Die friedlichen Proteste in Form der Montagsdemonstrationen durch die DDR-Bevölkerung fĂŒhrten schließlich zum Sturz des SED-Regimes.

Am 3. Oktober 1990 wurde, gemĂ€ĂŸ Einigungsvertrag, der Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 vollzogen.

Siehe auch:

Vereintes Deutschland seit 1990

Hauptartikel: Geschichte Deutschlands (seit 1990)

Nach der Wiedervereinigung fanden im Dezember 1990 erstmals gesamtdeutsche Bundestagswahlen statt. Helmut Kohl blieb Bundeskanzler und wurde erneut 1994 wiedergewÀhlt. Das Zusammenwachsen der beiden Landesteile, das Umsetzen fÀlliger Reformen in zahlreichen Bereichen und das Zusammenwachsen der europÀischen Staaten sind Hauptthemen im heutigen Deutschland.

Die Truppen der Vier MĂ€chte verließen weitgehend das Land, die noch verbliebenen MilitĂ€reinheiten der Westalliierten haben keinerlei Hoheitsbefugnisse mehr und unterliegen dem NATO-Truppenstatut. Seit dem Inkrafttreten des Zwei-Plus-Vier-Vertrages am 15. MĂ€rz 1991 ist Deutschland auch völkerrechtlich ein in seinen „alten Rechten und Pflichten“ bestehender souverĂ€ner Staat. Trotzdem sind heutzutage noch nicht alle Reste der Kriegsfolgen beseitigt, wenngleich mittlerweile obsolet: Artikel 53 und 107 der UNO-Charta (die sogenannte „UN-Feindstaatenklausel“)[3] erlauben ohne BeschlĂŒsse des Sicherheitsrates Zwangsmaßnahmen gegen solche Staaten, die im Zweiten Weltkrieg gegen einen der Unterzeichnerstaaten der Charta Krieg fĂŒhrten und erneut den Frieden bedrohen.

Im Rahmen der Wiedervereinigung verpflichtete sich Deutschland zur AbrĂŒstung auf zukĂŒnftig maximal 370.000 Soldaten. Territorial erkannte die Bundesrepublik im November 1990 endgĂŒltig die Oder-Neiße-Linie als völkerrechtlich verbindliche Grenze zu Polen an (siehe Oder-Neiße-Linie). SpĂ€ter (Januar 1997) folgten Deklarationen zur Aussöhnung mit der Tschechischen Republik.

Der Reichstag als Symbol der „Berliner Republik“

Mit knapper Mehrheit (338 zu 320 Stimmen) beschloss der Bundestag am 20. Juni 1991, Bonn als Regierungssitz aufzugeben und Regierung und Parlament nach Berlin zu verlegen. Neben der Hauptstadt Berlin ist die Bundesstadt Bonn mit der Mehrzahl der MinisteriumsbeschĂ€ftigten und zahlreichen Bundesinstitutionen sowie Dienstsitzen von vier Verfassungsorganen zweites politisches Machtzentrum Deutschlands. Es existieren jedoch auch in anderen StĂ€dten Bundesbehörden. Der neue Sitz des Deutschen Bundestags ist das von Grund auf renovierte ReichstagsgebĂ€ude in Berlin, in dem erstmalig am 19. April 1999 eine Sitzung stattfand. Bereits frĂŒher (bis in die 1970er Jahren) tagte dort das Plenum und einige AusschĂŒsse, auch der BundesprĂ€sident wurde dort gewĂ€hlt. Seit September 1999 ist die Bundesregierung endgĂŒltig in Berlin angesiedelt.

In den neuen BundeslĂ€ndern wurde die Infrastruktur enorm verbessert und einige Regionen haben sich gut entwickelt. Trotzdem waren die 1990er Jahre nach einem kurzen Boom der Wiedervereinigung von wirtschaftlicher Stagnation, Massenarbeitslosigkeit und Reformstau geprĂ€gt. Mehrere Reformvorhaben der Bundesregierung scheiterten an der rot-grĂŒnen Mehrheit im Bundesrat (sogenannte „Blockade“). Vor allem im Osten entwickelte sich die Wirtschaft nicht wie erhofft und angekĂŒndet und die Arbeitslosigkeit ist deutlich höher als im Westen. Dies hat auch zur Folge, dass gerade viele junge Menschen in den Westen ziehen. Es gibt verstĂ€rkt rechtsextreme Tendenzen. Die in „Partei des Demokratischen Sozialismus“ umbenannte SED und heutige Die Linke, ist faktisch gleichstark mit SPD und CDU.

Mit der Unterzeichnung des Vertrages ĂŒber die EuropĂ€ische Union 1992 wurde die EG in die EU ĂŒberfĂŒhrt, die deutlich grĂ¶ĂŸere Kompetenzen hat. Der Vertrag sah auch die EinfĂŒhrung einer gemeinsamen WĂ€hrung (Euro) vor und fĂŒhrte zu einer Änderung des Grundgesetzes, wobei auch das Ziel eines Vereinten Europas festgeschrieben wurde. Bundeskanzler Kohl setzte sich auch fĂŒr die EU-Osterweiterung ein.

Als die Bundesrepublik Jugoslawien 1991 zu zerfallen begann, war Deutschland eines der LĂ€nder, welches die Anerkennung der UnabhĂ€ngigkeit von Kroatien und Slowenien durch die westlichen Staaten massiv unterstĂŒtzte. Eine direkte Teilnahme am Zweiten Golfkrieg zur Befreiung Kuwaits lehnte die Bundesregierung mit Blick auf die historische Last ab. Stattdessen leistete Deutschland finanzielle UnterstĂŒtzung und ersetzte Marineeinheiten der NATO-Partner im Mittelmeer. Nach Beendigung der KĂ€mpfe half ein Verband der Bundesmarine bei der RĂ€umung von Seeminen im Persischen Golf.

1994 wurde Roman Herzog Nachfolger von Richard von WeizsÀcker als BundesprÀsident. Er wurde 1999 von Johannes Rau und dieser 2004 von Horst Köhler abgelöst.

In den letzten Jahren wurde immer wieder der Ruf nach einem stĂ€ndigen deutschen Sitz im UN-Sicherheitsrat laut, was im Ausland zunĂ€chst kritisch betrachtet, und im Zuge der Verschlechterung des diplomatischen VerhĂ€ltnisses zu den USA zunehmend unrealistisch wurde. Nach der Wiedervereinigung beteiligte sich die Bundeswehr auch erstmals an „Out-of-area“-EinsĂ€tzen.

Bei der Bundestagswahl 1998 wurde die CDU/CSU-FDP-Koalition unter Kohl vom niedersÀchsischen MinisterprÀsidenten Gerhard Schröder abgelöst. Ursache war auch der Reformstau. Dies war die erste echte Abwahl einer deutschen Bundesregierung, vorangegangene Machtwechsel waren immer ein Wechsel des Koalitionspartners.

Die neue Bundesregierung aus SPD und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen ging Reformvorhaben an, diese wurden jedoch zumeist so weit entschĂ€rft, dass ihre Wirkung sehr umstritten ist. Nachdem 2000 mit der Versteigerung der UMTS-Lizenzen viel Geld in die Staatskasse gespĂŒlt wurde, stieg die Verschuldung in den folgenden Jahren aufgrund einer Wirtschaftskrise wieder.

Die Regierung setzte auch erste AnsĂ€tze fĂŒr richtungsweisende VerĂ€nderungen in der Sozial-, Renten- und Gesundheitspolitik (siehe Agenda 2010) durch. Mittels der Einnahmen aus der umstrittenen Ökosteuer gelang es, die Lohnnebenkosten (RentenversicherungsbeitrĂ€ge) zu reduzieren. Allgemein wurde das Thema Ökologie stĂ€rker gewichtet, beispielsweise mit dem Beginn des Atomausstiegs oder Gesetzesinitiativen zur Reduzierung von Treibhausgasen. Im Rahmen der schon in den 1990er Jahren zugenommenen Öffnung des Weltmarkts, der sogenannten Globalisierung, verlagerten vor allem grĂ¶ĂŸere Unternehmen ProduktionskapazitĂ€ten in sogenannte BilliglohnlĂ€nder, so dass das PhĂ€nomen Massenarbeitslosigkeit bestehen blieb. Andere Reformen der rot-grĂŒnen Regierung waren etwa das Lebenspartnerschaftsgesetz, das neue StaatsbĂŒrgerschaftsrecht oder und das Gewaltschutzgesetz. WĂ€hrend Schröder fĂŒr einige Bundesratsabstimmungen CDU-regierte LĂ€nder durch ZugestĂ€ndnisse dazu bewegen konnte, im Sinne der Bundesregierung abzustimmen, scheiterten andere Reformvorhaben von Rot-GrĂŒn, wie das Verbraucherinformationsgesetz, an der CDU/CSU-Mehrheit im Bundesrat.

Am 1. Januar 2002 wurde der Euro zum offiziellen Zahlungsmittel in Deutschland. Durch die Bundestagswahl 2002 wurde die Koalition bestĂ€tigt, wenn auch nur denkbar knapp. Im August 2002 verursachte die Jahrhundertflut an Elbe und Donau erhebliche SchĂ€den. Im Herbst 2004 wurde der Vertrag ĂŒber eine Verfassung fĂŒr Europa unterzeichnet und es gab gegen das parteiĂŒbergreifend verabschiedete Hartz-Konzept, das zum 1. Januar 2005 umgesetzt wurde, große Proteste. Durch die damit verbundene Neuordnung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe und die Einbeziehung der SozialhilfeempfĂ€nger in die Arbeitslosenstatistik stieg Anfang des Jahres die Zahl der offiziell Arbeitslosen auf ĂŒber fĂŒnf Millionen.

Seit den TerroranschlĂ€gen in den USA am 11. September 2001 sieht sich die Bundesrepublik Deutschland neuen innen- und außenpolitischen Herausforderungen gegenĂŒber. Nach dem Krieg der USA gegen Afghanistan 2002 sind Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan stationiert.

Außenpolitisches Aufsehen erregte Deutschland im Jahre 2003 wĂ€hrend des Irakkrieges, an dem sich Deutschland nicht mit KriegseinsĂ€tzen beteiligte. Dies fĂŒhrte zu Konflikten vor allem mit den USA, aber zu großen Sympathiebekundungen der deutschen Bevölkerung gegenĂŒber Schröder, der als Friedenskanzler charakterisiert wurde.

Unmittelbar nach der fĂŒr die Sozialdemokraten verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005 – der auch zu einem Regierungswechsel im DĂŒsseldorfer Landtag und einer Machtverschiebung im Bundesrat zugunsten der konservativ-liberalen Opposition fĂŒhrte – kĂŒndigte der damalige SPD-Parteivorsitzende Franz MĂŒntefering und Bundeskanzler Gerhard Schröder ĂŒberraschend Neuwahlen fĂŒr den Herbst 2005 an. Schröder stellte somit am 1. Juli. 2005 im Bundestag die Vertrauensfrage mit dem Ziel, diese absichtlich zu verlieren. BundesprĂ€sident Horst Köhler löste dann am 21. Juli. 2005 den Bundestag auf und so kamen Neuwahlen, die durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vertrauensfrage 2005 nicht als verfassungswidrig befunden wurden. Bei der folgenden Bundestagswahl erreichte die Regierungskoalition aus SPD und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen keine eigene parlamentarische Mehrheit mehr, es kam nach wochenlangen Koalitionsverhandlungen zur Bildung der zweiten Großen Koalition in der bundesdeutschen Geschichte aus CDU/CSU und SPD unter der FĂŒhrung von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Regierungskoalition sah sich angesichts schleppenden Wirtschaftswachstums und hoher Arbeitslosigkeit einem enormen politischen Erwartungsdruck ausgesetzt. Das KalkĂŒl der KoalitionĂ€re lag in der Hoffnung, eine breite parlamentarische Regierungsmehrheit im Deutschen Bundestag und Bundesrat könne bedeutende Reformvorhaben wie die Gesundheitsreform und die Föderalismusreform, die am 17. Dezember 2004 an Meinungsverschiedenheiten ĂŒber bildungspolitische Kompetenzen gescheitert war, leichter realisieren.

Vom 9. Juni bis 9. Juli war die Bundesrepublik Gastgeberland der Fußballweltmeisterschaft 2006. Vertreter aus Sport, Politik und Wirtschaft formulierten im Vorfeld des Turniers große Erwartungen an den Wettbewerb und betonten die auch kritisierte Forderung auf einen MentalitĂ€tswechsel im SelbstverstĂ€ndnis der Deutschen und eine Profilierung als freundlicher Gastgeber.

Siehe auch

Teilaspekte deutscher Geschichte

Kriege

Artikel zu Kriegen, die mit Beteiligung deutscher Staatengebilde gefĂŒhrt wurden:

Revolutionen

Artikel zu Revolutionen und revolutionsĂ€hnlichen Entwicklungen, die in Deutschland beziehungsweise auf dessen heutigem Gebiet stattfanden und zu teilweise grundlegenden UmbrĂŒchen in der deutschen Geschichte fĂŒhrten:

Geschichte frĂŒherer und heutiger deutscher Gliedstaaten

Geschichte deutscher GroßstĂ€dte

Übergeordnete Artikel

Literatur

Quellensammlungen

  • MĂŒller, Rainer A. (Hg.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung. 11 Bde. Stuttgart: Reclam, 1995-2002 (Reclams Universal-Bibliothek, Bd. 17001-17011). Sehr gute Quellensammlung zur deutschen Geschichte, vom FrĂŒhmittelalter bis zur Gegenwart. Jede Quelle ist knapp kommentiert, dazu gesellt sich eine allgemeine Einleitung zum geschichtlichen Kontext der jeweiligen Epoche.

SekundÀrliteratur in Auswahl

Knappe Übersichtsdarstellungen

  • Deutsche Geschichte. 3 Bde. Sonderausgabe Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1985. zus. XXVII, 1915 S. ISBN 3-525-36187-4 Sehr gute knappe Übersichtsdarstellung zur deutschen Geschichte. FĂŒr den Einstieg gut geeignet.
  • Dirlmeier, Ulf/Gestrich, Andreas/Herrmann, Ulrich/Hinrichs, Ernst/Kleßmann, Christoph/Reulecke, JĂŒrgen: Kleine deutsche Geschichte. Durchgesehene und verbesserte Ausgabe Stuttgart: Reclam, 1998 (Reclams Universal-Bibliothek, Bd. 9359). 480 S. ISBN 3-15-009359-7 Knappe Übersichtsdarstellung; nur fĂŒr den ersten Überblick geeignet.
  • MĂŒller, Helmut M.: Schlaglichter der deutschen Geschichte. Bonn: 2003. 528 S. Dieses Werk kann man praktisch kostenlos (Bereitstellungspauschale 4 EUR) bei der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung bekommen.
  • Schulze, Hagen: Kleine deutsche Geschichte. MĂŒnchen: Beck, 1998. 276 S. ISBN 3-406-40999-7 Sehr verkĂŒrzende Darstellung, die sich auf die allgemeinen Grundlinien konzentriert.

Vertiefende Darstellungen beziehungsweise Überblicke

  • EnzyklopĂ€die deutscher Geschichte. Die jeweiligen BĂ€nde nehmen wichtige Epochen oder geschichtliche GegenstĂ€nde auf und sind jeweils in Darstellung, Forschungsmeinung und eine umfassende Bibliographie gegliedert. Ein fĂŒr die wissenschaftliche Arbeit unersetzbares Instrument.
  • Dieter Groh u. a. (Hg.): PropylĂ€en Geschichte Deutschlands. bisher 9 Bde., Berlin 1983 ff. Wohl die beste, fĂŒr ein breiteres und gebildetes Publikum geschriebene Darstellung der deutschen Geschichte, von den AnfĂ€ngen bis 1933; Band 7 wurde in zwei Teilen ausgeliefert, Bd. 9 wurde spĂ€ter aufgrund ernster Bedenken inhaltlicher Art wieder zurĂŒckgezogen
  • Herbert Grundmann (Hg.): Handbuch der deutschen Geschichte. 9. Aufl., 4 Bde. (auch als Taschenbuchausgabe in 22 Bde.), Stuttgart 1970 ff. Die 10. Aufl. dieses Standardwerks ist erst im Entstehen begriffen; trotz des Alters gerade aufgrund der zahlreichen Quellenbelege und der Weite der darin dargestellten Thematik unverzichtbar fĂŒr die wissenschaftliche Arbeit.
  • Neue Deutsche Geschichte. MĂŒnchen: Beck. Im Entstehen begriffene moderne Darstellung der deutschen Geschichte vom FrĂŒhmittelalter bis zur Gegenwart, die weniger Wert auf die Ereignisgeschichte legt als noch der Gebhardt.
  • Die Deutschen und ihre Nation., Berlin: Siedler, 12 Bde. Hervorragende Darstellung, die sich an ein breiteres Publikum wendet, mit zahlreichen Abbildungen.
  • Hans-Ulrich Wehler (Hg.): Moderne Deutsche Geschichte. 12 Bde. u. Reg.-Bd. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996. zus. 4148 S. ISBN 3-518-09240-5 Umfassende Darstellung der deutschen Geschichte seit der FrĂŒhen Neuzeit.
  • Gerd Langguth (Hg.): Die Intellektuellen und die nationale Frage, Campus Verlag, 1997, ISBN 3-593-35725-9, ISBN 978-3-59335-725-6.
  • Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Band 2: Deutsche Geschichte vom „Dritten Reich“ bis zur Wiedervereinigung, C. H. Beck Verlag, MĂŒnchen 2000, 742 S.

Quellen

  1. ↑ vgl. Hans DelbrĂŒck: „Eine einheitliche große Nation gibt es erst, wenn sie eine gemeinsame große Tat vollbracht hat, und die eigentliche Geburtsstunde des deutschen Reiches ist deshalb der 10. August 955, die Schlacht auf dem Lechfeld. [
]“ Aus: RĂŒtten & Loening: Zeitschrift fĂŒr Geschichtswissenschaft, v.43 1995, no. 1–6, S. 416.
  2. ↑ Jan von Flocken: Lechfeld – Geburt der deutschen Nation, Welt Online, 15. Juni 2007.
  3. ↑ vgl. Georg Ress, Artikel 53 und Artikel 107. In: Bruno Simma (Hrsg.), Charta der Vereinten Nationen. Kommentar, MĂŒnchen 1991, S. 679, 1104 f.

Weblinks


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