Deutsche Juden

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Deutsche Juden

Die Geschichte der Juden in Deutschland ist die einer Minderheit und je nach Epoche sehr unterschiedlich dokumentiert. Juden leben seit mehr als 1700 Jahren im heutigen Deutschland. In dieser Zeit erlebten sie sowohl Toleranz als auch antisemitische Gewalt, die im Holocaust am st├Ąrksten eskalierte.

Inhaltsverzeichnis

Antike, V├Âlkerwanderung und Frankenreich

├ťber die ├Ąltere Geschichte der Juden wei├č man sehr wenig. Klar ist lediglich, dass Juden bereits unter r├Âmischer Herrschaft in den heute deutschen Gebieten lebten, die zum r├Âmischen Germanien geh├Ârten. F├╝r einige r├Âmische Siedlungen sind im 4. Jahrhundert auch j├╝dische Gemeinden nachgewiesen. Die erste j├╝dische Gemeinde ist f├╝r 321 n. Chr. in K├Âln erw├Ąhnt. Juden hatten wichtige ├ämter in der Verwaltung der r├Ątischen Provinz inne. M├Âglicherweise bestanden nach dem Abzug der R├Âmer und der germanischen Landnahme einige j├╝dische Siedlungen weiter. Auf der germanischen Seite des Rheins und n├Ârdlich der Donau lebten dagegen keine Juden; zumindest sind sie in der Antike historisch nicht nachweisbar.

Wie die Juden nach der V├Âlkerwanderung in die Gebiete rechts des Rheins und n├Ârdlich der Donau gelangten, ist weitgehend unerforscht. Erst in den letzten Jahren wird das Material anhand des Zentralarchivs zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland durchforscht. F├╝r das Ostfrankenreich sind j├╝dische Gemeinden auf ehemals r├Âmischem Boden sicher nachweisbar. Ob es in den rheinischen St├Ądten eine durchgehende j├╝dische Siedlung gab, ist ungewiss. Der erste namentlich bekannte Jude ist der Gro├čkaufmann ÔÇ×IsaakÔÇť am Hof Karls des Gro├čen, den er 797 bis 802 in einer Gesandtschaft nach Bagdad zum Kalifen Harun al-Raschid schickte und der einen (wei├čen?) Elefanten namens Abul Abbas von dort mitbrachte. Von Ludwig dem Frommen sind Privilegien um 825 erhalten, die f├╝r die Juden Verg├╝nstigungen sichern und unter anderem ihre T├Ątigkeit im Sklavenhandel zwischen B├Âhmen und Spanien regeln.

Der Romanschriftsteller Arthur Koestler popularisierte die These, dass die ├Âstlichen Aschkenasim mehrheitlich nicht von den antiken Israeliten abstammten, sondern Nachfahren der Chasaren seien, eines Turkvolks, das im 8. oder 9. Jahrhundert die j├╝dische Religion annahm (Der dreizehnte Stamm). Aufgrund genetischer Studien gilt diese besonders in rechtsextremen Kreisen popul├Ąre These jedoch als widerlegt. Zwar kann es sein, dass infolge der Zerschlagung des Chasarenreichs durch den Kiewer Gro├čf├╝rsten Swjatoslaw I. auch einige chasarische Fl├╝chtlinge Mitteleuropa erreichten, wo sie auf aschkenasische Gemeinschaften trafen. Doch muss ihr Anteil sehr gering gewesen sein, da er genetisch nicht nachweisbar ist. Gleichzeitig haben diese Untersuchungen eine starke genetische Verwandtschaft zur heutigen Bev├Âlkerung des Nahen Ostens gezeigt, sodass davon ausgegangen werden muss, dass die mittelalterliche j├╝dische Bev├Âlkerung in Europa mehrheitlich von den Juden des historischen Israel abstammte.[1][2]

Mittelalter

Bl├╝tezeit im Fr├╝hmittelalter

Heinrich VII. mit Juden 1312 in Rom
Christliche und j├╝dische Scholasten beim Disput (Holzschnitt 1483)

Zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert stieg die Zahl der Juden stark an. Betrug sie im 10. Jahrhundert noch um 5.000, hatte sie sich bis ins 11. Jahrhundert auf 20.000 vervierfacht. Im 10./11. Jahrhundert wanderten aus Italien und S├╝dfrankreich j├╝dische Kaufleute in rheinische St├Ądte ein. Die dortigen j├╝dischen Gemeinden erlebten ihre Bl├╝tezeit. Juden gingen Ende des 10. Jahrhunderts auch weiter ostw├Ąrts nach Magdeburg und Merseburg. ├ťberall erhielten sie sehr g├╝nstige Privilegien durch die ottonische und salische Politik (z.┬áB. Kaiser Heinrichs IV.), um ihre Wirtschaftskraft zu nutzen. Das rheinisch-s├╝ddeutsche Gebiet hie├č hebr├Ąisch Aschkenas, was bald ganz Deutschland bezeichnete. In den gr├Â├čeren Gemeinden Worms, Mainz, Speyer und Regensburg wurden auf hohem Niveau j├╝dische Studien betrieben. Der Gelehrte Raschi (1040-1105) absolvierte sein Studium in Mainz und Worms vor seiner Lehrzeit in Troyes. Das bisch├Âfliche Privileg f├╝r die in die neue Stadt Speyer aufgenommenen Juden von 1084 ├╝bernahm 1090 Kaiser Heinrich IV. f├╝r Worms und wurde zum weiteren Vorbild: 1157 ├╝bertrug es Kaiser Friedrich I. auf weitere F├Ąlle. Die ersten Synagogen entstanden in K├Âln 1012, Worms 1034 und Trier 1066, daneben standen bald Schul- und Lehrh├Ąuser (Jeschiwa). Auch j├╝dische Friedh├Âfe wurden angelegt. Judenquartiere (Judengasse) wuchsen weniger aus Zwang als aus praktischen Gr├╝nden (Sabbatgebot, Mikwe). Eine Selbstverwaltung (Kehillah) entstand unter Duldung der christlichen Obrigkeit, die sich um Steuern, Kultus und Schule k├╝mmerte und Statuten erlassen durfte. Die j├╝dischen Kaufleute waren in Sippen bis nach Italien und weiter organisiert. Im 12. Jahrhundert betrieben Juden zunehmend das Kreditgesch├Ąft als Folge der christlichen Kritik am Zins. Auch sind j├╝dische Ackerb├╝rger und Handwerker bekannt, die allerdings nicht in die christlichen Z├╝nfte hineinkamen. Das Verh├Ąltnis der Juden zum Umfeld war entspannt, einzelne Juden oder ganze Gemeinden hatten Schutzbriefe des K├Ânigs.

Verfolgungen und Entwicklung eines Sonderrechts

Dies ├Ąnderte sich nach den Pogromen gegen j├╝dische Gemeinden, die w├Ąhrend des ersten Kreuzzugs ab 1095 unter Papst Urban II. stattfanden. Die Juden in den rheinischen St├Ądten fanden nur unzureichenden Schutz vor den Kreuzfahrern bei den bisch├Âflichen Stadtherren wie dem Trierer Bischof Engelbert von Rothenburg. Viele zogen den Selbstmord der Zwangstaufe vor. Im 1. Mainzer Reichslandfrieden 1103 wurde Juden unter anderem das Recht, eine Waffe zu tragen, abgesprochen. Sie bildeten nun eine schutzbed├╝rftige Gruppe im Personenstand minderen Rechts. Am Ende stand (zuerst 1236 nach dem Fuldaer Judenprozess) die Kammerknechtschaft, die die Juden geschlossen als unfreie Kammerknechte des Kaisers Friedrich II. definierte. Dies garantierte ihnen zwar Schutz von Leben und Eigentum sowie eine autonome Gerichtsbarkeit in innerj├╝dischen Angelegenheiten, auf der anderen Seite war damit der Verlust von pers├Ânlicher Freiheit und eine Belastung mit Sondersteuern verbunden. So entstand ein Sonderrecht f├╝r eine begrenzte Minderheit. Die Einnahmen aus der Kammerknechtschaft vergab der Kaiser teilweise an Reichsf├╝rsten oder St├Ądte. Juden lebten in dieser Zeit weniger vom Warenhandel als von kleineren Darlehensgesch├Ąften, auch als ├ärzte und Techniker. Sie durften christliche Bedienstete und sogar Sklaven halten. S├╝├čkind von Trimberg geh├Ârte als Jude zu den mittelhochdeutschen Minnes├Ąngern. Zeitgleich radikalisierte sich die kirchliche Haltung gegen├╝ber den Juden, was zum Beispiel im 4. Laterankonzil 1215 zum Ausdruck kam. Das Konzil schrieb eine Kennzeichnung von Juden vor (Hut/gelber Fleck) und verbot in Folge der kirchlichen Reformbewegungen des 11. Jahrhunderts Christen die Zinsleihe. Der einflussreiche Franziskaner Berthold von Regensburg nahm die Vorstellung von den Juden als Gottesm├Ârder in die Predigt auf. Der Schwabenspiegel um 1275 forderte bereits eine striktere Trennung im Alltag, die aber bis 1350 nicht ├╝blich wurde. Ritualmordvorw├╝rfe betrafen Juden erstmals 1234/1235 in Lauda und Fulda. Kaiser Friedrich II. bek├Ąmpfte die Legenden um Ritualmorde. Parallel kam der Vorwurf des Hostienfrevels auf. Der marodierende verarmte Ritter (?) Rintfleisch zerst├Ârte deshalb 1298 ├╝ber 140 Gemeinden im mittel- und s├╝ddeutschen Raum. 1336-1339 zogen die Armlederbanden durch Franken und das Elsass und t├Âteten 5000 Juden. In Colmar wurden alle umgebracht.

Judenverbrennung im Heiligen R├Âmischen Reich (mittelalterliches Manuskript, heute in der Luzerner B├╝rgerbibliothek)

Die Pogrome, die die Gro├če Pest um 1350 begleiteten, markierten einen tiefen Einschnitt. Sie begannen 1348 in der Schweiz unter dem Vorwurf j├╝discher Brunnenvergiftung. In 85 von 350 St├Ądten mit j├╝dischen Einwohnern wurde gemordet (z. B. in Stra├čburg), fast ├╝berall wurden Juden ausgewiesen. Ihr Untergang brachte vielen materielle Vorteile, allen voran dem Kaiser Karl IV.. Nur zu schlechteren Bedingungen wurden Juden wieder aufgenommen, weil F├╝rsten und St├Ądte letztlich ihrer bedurften. Zus├Ątzliche Abgaben wurden auferlegt, so der ÔÇ×Goldene OpferpfennigÔÇť. Daneben setzte die Auswanderung nach Polen und Litauen ein, wo das Jiddisch als Mischsprache aus hebr├Ąischen, mittelhochdeutschen und slawischen Teilen entstand.

Die Feindschaft gegen├╝ber j├╝dischen Geldverleihern f├╝hrte immer wieder zu Ausschreitungen, deren Opfer haupts├Ąchlich j├╝dische Einwohner wurden. J├╝dische Gesch├Ąftsleute hatten in der sp├Ątmittelalterlichen und fr├╝hneuzeitlichen Gesellschaft eine Sonderrolle, weil das Zinsverbot f├╝r sie nicht galt. F├╝r viele verschuldete Personen waren die Schulden erdr├╝ckend. Zins und Tilgung in Verbindung mit Neid f├╝hrten zu Feindlichkeit, die dann zu Unrecht auf die gesamte j├╝dische Bev├Âlkerung generalisiert wurde und sich in grausamen Judenpogromen entlud. [3] Der Hass auf den ÔÇ×JudenwucherÔÇť ├╝bertraf h├Ąufig den auf Klerus und Adel. [4] K├Ânig Wenzel f├╝hrte 1385/1390 eine ÔÇ×Juden-SchuldentilgungÔÇť durch, die St├Ądte und F├╝rsten entlastete. Kaiser Sigismund legte den Juden die Kosten f├╝r das Konzil von Konstanz und das Konzil von Basel auf. Auch entstanden erste christliche Banken, weil das Zinsverbot nicht mehr eingehalten wurde. Am Ende mussten viele j├╝dische Geldleiher aufgeben und wanderten ab. Als Erwerb blieb nur die kleine Pfandleihe und der Tr├Âdelhandel.

Immer wieder fanden sich Anl├Ąsse zu neuen Morden und Vertreibungen, w├Ąhrend der Hussitenverfolgungen wurden die Juden in ├ľsterreich, B├Âhmen, M├Ąhren und Schlesien verfolgt. Aus dem Stift Trier wurden sie 1419 f├╝r hundert Jahre, aus K├Âln 1424 (bis 1798) vertrieben, aus Konstanz 1431, aus W├╝rzburg 1434, aus Speyer 1435 und aus Mainz 1473 endg├╝ltig vertrieben, 1442 aus M├╝nchen und ganz Oberbayern. Johannes Capistranos Predigten l├Âsten in Breslau 1453 eine Verbrennung mit 41 Opfern aus. Nach der Sternberger Judenverbrennung mit 27 Opfern wurden alle Juden aus Mecklenburg 1492 f├╝r Jahrhunderte ausgewiesen. Am 19. Juli 1510 wurden in Berlin 38 Juden auf einem gro├čen Ger├╝st verbrannt, zwei weitere jedoch getaufte Juden starben unterm Schwert. Ihnen wurde Hostienfrevel und Kindsmord vorgeworfen, den Anlass daf├╝r bot der Einbruch in die Knoblaucher Kirche und der damit verbundene Diebstahl einer vergoldeten Monstranz und zweier geweihter Hostien. Bis 1520 waren Juden weitgehend aus den gro├čen St├Ądten im deutschen Raum verschwunden. Allerdings bot das territorial zersplitterte Reich oft Zuflucht beim n├Ąchsten Kleinf├╝rsten, und bald setzte eine R├╝ckwanderung ein. Juden ├╝berlebten teilweise auch in W├Ąldern als Vagabunden und Bettler. In Frankfurt am Main und Worms wurden Ghettos eingerichtet. Die Predigt der Bettelm├Ânche verbreitete antij├╝dische Vorstellungen, z.┬áB. vom angeblichen Ritualmord am Knaben Simon von Trient. Der Holz- und Buchdruck verbreitete das Bild vom Schwein als Mutter der Juden (ÔÇ×JudensauÔÇť). Nach dem Untergang der Regensburger Gemeinde 1519 blieb vielen nur noch das Wanderjudentum bzw. der befristete Aufenthalt in einer Stadt.

Neue j├╝dische Zentren entstanden in B├Âhmen, Polen und Osteuropa. Unter den Humanisten war allein Johannes Reuchlin ein Verteidiger der Juden, als er im Streit mit Johannes Pfefferkorn die geforderte Verbrennung des Talmud ablehnte. Er bezog das Hebr├Ąisch in die humanistischen Studien ein. Josel von Rosheim erreichte bei Kaiser Karl V. neue Schutzbriefe f├╝r die Juden und verteidigte sie auf dem Augsburger Reichstag 1530 gegen erfundene Angriffe des ├╝bergetretenen Anthonius Margaritha.

Fr├╝he Neuzeit

Um 1600 lebten in Deutschland etwa 8.000 - 10.000 Juden, davon gut 3.000 in Frankfurt am Main. In einer neuen Periode j├╝discher Zuwanderung siedelten sie sich in St├Ądten und Gebieten an, aus denen sie vorher vertrieben worden waren. Seit dieser Zeit bis zu ihrer Emanzipation waren die Juden in Landesjudenschaften organisiert, Gesamtverb├Ąnden aller Juden eines Herrschaftsgebietes, die die j├╝dischen Angelegenheiten wie etwa Steuerverteilung und Gerichtsbarkeit autonom verwalteten. Eine Besonderheit etwa ab 1600 bildete die Ansiedlung portugiesischer Juden im handelsbewussten Hamburg (Sephardim), w├Ąhrend die deutschen Juden nach Altona ausweichen mussten. Trotz des judenfeindlichen Martin Luther, der das deutsche Luthertum antisemitisch pr├Ągte, entspannte sich das Verh├Ąltnis etwas. In den katholischen geistlichen Territorien und einigen Reichsst├Ądten ging es den Juden relativ am besten. Auf dem Lande war die kleine Geldleihe an Bauern eine Verdienstquelle, die aber immer wieder zu Vorw├╝rfen von ÔÇ×JudenwucherÔÇť f├╝hrte. In den St├Ądten waren die Zunftb├╝rger oft antisemitisch eingestellt, in Frankfurt/Main kam es 1614 zu Aufstand und Pl├╝nderung unter Leitung des Lebkuchenb├Ąckers Vincenz Fettmilch gegen das Getto. Teilweise konnten einige Juden wichtige Positionen an f├╝rstlichen H├Âfen erreichen. Doch die damit verbundene Sicherheit als Hofjude blieb vage; insbesondere dann, wenn ein neuer Herrscher den Thron bestieg. So lie├č Kurf├╝rst Johann Georg (Brandenburg) am 28. Januar 1578 den ehemaligen j├╝dischen Hoffinanzier seines Vaters Joachim II., den Hofjuden und M├╝nzmeister Lippold aus Prag, mit der Axt vierteilen. Die Hinrichtung erfolgte aufgrund einer Anklage wegen Hexerei und Zauberei, welche erhoben worden war, weil Johann Georg trotz intensiven Suchens keine Unregelm├Ą├čigkeiten finden konnte. Am unteren Ende der sozialen Skala standen umherziehende R├Ąuberbanden, die teilweise oder g├Ąnzlich aus v├Âllig verelendeten Juden bestanden, eigent├╝mliche soziale Strukturen aufwiesen und zur gesch├╝tzten Verst├Ąndigung das Rotwelsch benutzten.

Erst mit dem Wiederaufbau nach dem Drei├čigj├Ąhrigen Krieg wendete sich die Lage der Juden zum Besseren. Seit 1648 waren sie den Landesherren unterstellt, die mit Judenordnungen das Zusammenleben regelten. Zur R├╝ckwanderung in das aufnahmebereite Brandenburg trugen Pogrome in Polen bei. Ausgangspunkt war das noch halbherzige Edikt des Gro├čen Kurf├╝rsten von 1671 mit dem Titel ÔÇ×Edikt wegen aufgenommenen 50 Familien Schutz-Juden, jedoch da├č sie keine Synagogen haltenÔÇť. Von 1700 bis 1750 folgten vier Judenordnungen, in denen unter anderem die H├Âchstzahl von Kindern geregelt ist, die man ÔÇ×ansetzenÔÇť durfte. Erlaubt waren erst drei, sp├Ąter nur noch eins, die ├╝brigen S├Âhne mussten auswandern. 1714 wurde die Synagoge in Berlin in Anwesenheit der K├Ânigin er├Âffnet. Hoffaktoren wie S├╝├č Oppenheimer in W├╝rttemberg wurden an den absolutistischen H├Âfen ├╝blich. Auch Vertreibungen wie in Wien 1670 und Pogrome kamen noch vor wie in Bamberg 1699. Im zunehmend judenfreundlichen Berlin lebten um 1700 etwa 1000 Juden. Eine herausragende Quelle f├╝r das j├╝dische Leben dieser Epoche ist die erste Autobiografie in jiddischer Sprache der Hamburger Kauffrau Gl├╝ckel von Hameln.

Mit der Aufkl├Ąrung stellte sich die Frage nach der Integration und Gleichberechtigung der Juden neu, die bisher nur unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet wurden. In Preu├čen galt unter Friedrich II. begrenzte Toleranz gegen├╝ber den Schutzjuden. Bedeutende Intellektuelle wie Moses Mendelssohn beteiligten sich am geistigen Leben in Deutschland, j├╝dische Frauen (Rahel Varnhagen) geh├Ârten zum Kern der deutschen Romantik. F├╝r die Juden stellte sich wiederum die Frage der Assimilation an die christliche Umwelt. Der Jurist Christian Wilhelm Dohm verfasste 1781 die Schrift ÔÇ×├ťber die b├╝rgerliche Verbesserung der JudenÔÇť, die allerdings bis zur Krise Preu├čens wenig zur j├╝dischen Emanzipation bewirkte. Dagegen setzte Kaiser Joseph II. mit dem Toleranzpatent 1782 im Habsburgerreich umfangreiche Erleichterungen in Kraft, die jedoch mit einer antij├╝dischen Erziehungsabsicht einhergingen.

Noch im 18., teilweise sogar im 19. Jahrhundert, trugen die Juden im Deutschen Reich j├╝dische Familiennamen, welche sie sofort als Juden erkennbar machten. Gew├Âhnlich trugen sie als Familiennamen den Namen des Vaters; eine Patrynomie wie sie bis in die Neuzeit noch bei manchen slawischen V├Âlkern oder den Isl├Ąndern ├╝blich war. Als Folge war der Jude aufgrund seines meist doppelt j├╝dischen Namens, der Kombination aus j├╝dischem Vornamen und j├╝dischem Familiennamen, sofort als Jude kenntlich.

Im 18. Jahrhundert wurde in den verschiedenen deutschen Territorien nach und nach per Edikt der Landesf├╝rsten eine Umbenennung veranlasst. Allerdings gaben die Beamten, beispielsweise in Preu├čen, den Juden exotisch klingende, h├Ąufig nur scheinbar deutsche Namen wie Goldberg oder Blumenfeld, so dass die Juden erneut an ihren Namen kenntlich waren.

Von der Napoleonischen Zeit bis zur Reichsgr├╝ndung (1789-1871)

Napoleon und Preu├čische Reformen

Die Franz├Âsische Revolution vollzog 1791 die Emanzipation der Juden in Frankreich, und Napoleon I. trug dieses Prinzip mit dem Code civil in die besetzten und abh├Ąngigen Staaten hinein (z.┬áB. in das K├Ânigreich Westfalen). In den Rheinbundstaaten wurden Juden zuerst gleichgestellt, wenn auch unter einigen Einschr├Ąnkungen. Doch 1808 erlie├č Napoleon das so genannte ÔÇ×sch├Ąndliche DekretÔÇť, das ihre Freiz├╝gigkeit aufhob und die Gewerbet├Ątigkeit nur mit einem speziellen Patent zulie├č.

Im K├Ânigreich Preu├čen stellte sich nach der v├Âlligen Niederlage 1806 die Frage nach staatlichen Reformen. Mit dem Preu├čischen Judenedikt von 1812 wurden die in Preu├čen lebenden Juden Inl├Ąnder und preu├čische Staatsb├╝rger. Einige wurden Offiziere in der preu├čischen Armee.[5] Das Edikt enthielt aber empfindliche Einschr├Ąnkungen und war z.┬áB. in der Provinz Posen, wo die meisten Juden wohnten, nicht g├╝ltig, so dass kein gleiches und einheitliches Recht entstand. Viele Sonderregelungen machten die Gleichstellung nach 1815 in der Restauration wieder zunichte. Das galt auch f├╝r das hinzugewonnene Schwedisch-Pommern mit Stralsund, wo sp├Ąter die ersten Kaufh├Ąuser der Familien Wertheim und Tietz standen. K├Ânig Friedrich Wilhelm III. verharrte im Konservativismus. Die romantische Lehre vom ÔÇ×christlichen StaatÔÇť, der Friedrich Wilhelm IV. anhing, stellte den neuen Status wieder infrage und lie├č Juden in F├╝hrungspositionen nicht zu. Auch Universit├Ątsprofessuren waren j├╝dischen Gelehrten wie Eduard Gans nicht zug├Ąnglich. Die als Juden geborenen Schriftsteller Heinrich Heine und Ludwig B├Ârne pr├Ągten die kritische Literatur. Erst 1847 wurde ein einheitlicheres Judengesetz geschaffen.

Wiener Kongress und Restauration

Auf dem Wiener Kongress wurde im Artikel 16 der Bundesakte den Juden eine Verbesserung in Aussicht gestellt und der Status quo f├╝r von den Bundesstaaten erlassene Gesetze best├Ątigt. Dies bezog sich nicht auf die franz├Âsischen Besatzungsregelungen, wof├╝r besonders die Hansest├Ądte sich eingesetzt hatten. Die Rechtslage musste neu geregelt werden und wurde sehr un├╝bersichtlich.

Eine wichtige Schrift ├ťber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland steuerte 1831 der j├╝dische Jurist Gabriel Riesser zur Judenemanzipation bei, in der er auf eine Debatte in Baden einging. Es ging um das volle B├╝rgerrecht ohne christliche Taufe als Zugang zur deutschen Nation, den er als Jude f├╝r sich beanspruchte.

Religi├Âse Reformen

Anfang des 19. Jahrhunderts regten sich die ersten Bestrebungen einer religi├Âsen Reform des Judentums, die der Synagoge das Gepr├Ąge ihrer christlichen und deutschen Umwelt geben sollte. Die neue Stellung der Juden als Staatsb├╝rger brachte manchen zu der ├ťberzeugung, die j├╝dische Religion sollte ihrer Umwelt etwas weniger fremd erscheinen. In dem Ma├če, wie Juden n├Ąhere Bekanntschaft mit der christlich-religi├Âsen Praxis machten, sahen viele in ihr ein Vorbild f├╝r alle Religionen im modernen religi├Âsen Rahmen. Eine Reform wurde aber auch angestrebt, weil religi├Âses Empfinden sich ge├Ąndert hatte und alte religi├Âse Br├Ąuche bedeutungsleer geworden waren. Einer der ersten Reformer war David Friedl├Ąnder, welcher gleich nach dem preu├čischen Emanzipationsedikt von 1812 Reformvorschl├Ąge machte. Ein weiterer war Israel Jacobson.[6]

Anf├Ąnglich umstrittene ├änderungen im Gottesdienst betrafen:

  • eine Synagogenordnung,
  • die Einf├╝hrung einer Predigt in Deutsch,
  • ein der christlichen Konfirmation nachempfundenes Glaubensgel├Âbnis f├╝r Kinder,
  • die Einf├╝hrung deutscher Gebete und Ges├Ąnge in den Gottesdiensten sowie
  • die Verwendung von Musikinstrumenten im Gottesdienst.[7]

Revolution 1848/1849

Juden beteiligten sich bereits an der M├Ąrzrevolution 1848, und einige geh├Ârten zu den ÔÇ×M├ĄrzgefallenenÔÇť. Bei den b├Ąuerlichen Unruhen kam es auch zu antij├╝dischen Exzessen in ungef├Ąhr 80 Orten in S├╝ddeutschland und Posen. Doch die baldige j├╝dische Emanzipation schien gew├Ąhrleistet, da in den neuen Parlamenten viele namhafte Juden mitarbeiteten, z.┬áB. Johann Jacoby, oder die zum Christentum ├╝bergetretenen Johann Gustav Heckscher und Eduard von Simson.

In der Frankfurter Paulskirche kam es am 28. August 1848 zu einer Debatte ├╝ber die Grundrechte und ihre Geltung f├╝r Juden, die Moritz Mohl aus W├╝rttemberg wegen ihrer ÔÇ×Fremdst├ĄmmigkeitÔÇť bezweifelt hatte. Der bekannte Lauenburger Abgeordnete Gabriel Riesser wies dies mit Erfolg zur├╝ck.

In die Unruhen der Revolution mischten sich weitere antij├╝dische Exzesse, so in Prag, Pre├čburg und Budapest. Trotz der Niederschlagung der Revolution blieben danach in einigen Staaten Verbesserungen f├╝r Juden bestehen.

Im ganzen Norddeutschen Bund stellte im Juli 1869 das ÔÇ×Gesetz betreffend die Gleichberechtigung der Konfessionen in b├╝rgerlicher und staatsb├╝rgerlicher BeziehungÔÇť die Juden definitiv gleich. Es bildete die Grundlage der Reichsverfassung von 1871.

Einzelstaaten im Deutschen Bund ab 1815

Baden

Durch Gebietsvergr├Â├čerungen wuchs die Zahl der badischen Juden von 2.265 im Jahr 1802 bis 1808 auf 14.200. Karlsruhe und Mannheim bildeten j├╝dische Zentren. Im liberalen Gro├čherzogtum Baden stellte das ÔÇ×KonstitutionsediktÔÇť vom 13. Januar 1809 die Juden staatsb├╝rgerlich gleich, beseitigte aber auch die bisherige traditionelle j├╝dische Gemeindeverfassung. Die staatliche Schulpflicht betraf auch die j├╝dischen Kinder, ebenso die Wehrpflicht, erbliche Familiennamen wurden vorgeschrieben. 1815 folgte die Aufhebung der Schutzgelder. Die Verfassung von 1818 machte wieder erhebliche Einschr├Ąnkungen im Staatsdienst und passiven Wahlrecht. Zu den antisemitischen Gegnern geh├Ârte der Heidelberger bzw. Jenaer Philosoph Jakob Friedrich Fries, dessen Hetzschrift von 1816 die Regierung konfiszieren lie├č. Die Hep-Hep-Unruhen 1819 erfassten Nordbaden und mussten mit Milit├Ąreinsatz beruhigt werden. Trotz vieler Einzelerfolge blieben vor allem die Landjuden, die sich selbst einer Assimilation widersetzten, angefeindet. Weitere Fortschritte machten die Liberalen, voran der Heidelberger Theologe Heinrich Eberhard Gottlob Paulus in einer Denkschrift 1831, von einer Kultreform abh├Ąngig, die u.a. die Verlegung des Sabbats, die Aufhebung der Speisegesetze und den Verzicht auf die Beschneidung beinhalten sollte. 1848 traten erneut antisemitische ├ťbergriffe besonders im Kraichgau und Odenwald auf. Die staatsb├╝rgerliche Emanzipation gelang nach langer Diskussion erst 1849, die v├Âllige Gleichstellung als Gemeindeb├╝rger landesweit 1862 und damit erstmals in Deutschland. Moritz Ellst├Ątter stieg 1868 auf zum Finanzminister als erster Jude in einer deutschen Landesregierung. [8]

Bayern

1816 trat in Bayern das drei Jahre zuvor erlassene Judenedikt in Kraft. Die Juden wurden damit den Christen rechtlich weitgehend gleichgestellt. Das Edikt, ein Meilenstein in der Geschichte der Assimilation der j├╝dischen Bayern, verf├╝gte die Aufhebung der j├╝dischen Gerichtsbarkeit, erlaubte Juden, Grundbesitz zu erwerben, und ├Âffnete ihnen den Zugang zu allen Universit├Ąten des Landes. In einem ÔÇ×MatrikelparagraphenÔÇť regelte das Edikt jedoch auch die Erfassung wohnberechtigter Juden mit einem Schutzbrief (Matrikel) in Listen. Da f├╝r jeden Ort eine H├Âchstzahl j├╝discher Familien festgelegt wurde, die m├Âglichst noch gesenkt werden sollte, beeintr├Ąchtigte die Regelung nicht nur die Freiz├╝gigkeit der Juden, sondern auch die M├Âglichkeiten der Juden, eine Familie zu gr├╝nden.

Bev├Âlkerungsstatistik: [9]
Jahr Juden in Bayern
1813 ca. 30.000
1840 >4.100
1867 >9.200
1900 >23.700

Ein vehementer Antisemitismus entlud sich 1819 in den Hep-Hep-Unruhen in W├╝rzburg und anderen bayrischen St├Ądten.

Mit dem Heranwachsen der n├Ąchsten Generation wurde das Problem der H├Âchstzahl Mitte der 1830er Jahre so dr├Ąngend, dass die jungen Leute Bayern in gro├čen Zahlen verlie├čen; Tausende wanderten in die Vereinigten Staaten aus. In der zweiten H├Ąlfte des 19. Jahrhunderte wurden die Lebensbedingungen der Juden in Bayern jedoch schrittweise besser: 1848 erhielten sie das aktive und passive Wahlrecht, 1849 wurde mit David Morgenstern erstmals ein j├╝discher Abgeordneter in den bayerischen Landtag gew├Ąhlt. 1850 durften Juden sich erstmals wieder in N├╝rnberg, woraus sie 1499 vertrieben worden waren, ansiedeln. 1861 schlie├člich wurde der Matrikel-Paragraph aufgehoben.

Nachdem der j├╝dische Siedlungskern zu Beginn des 19. Jahrhunderts im F├╝rther Raum gelegen hatte, zogen im Zuge der Emanzipation und der Urbanisierung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Juden in die Gro├čstadt M├╝nchen. Die vollst├Ąndige rechtliche Gleichstellung der Juden in Bayern folgte mit der Verfassung des 1871 gegr├╝ndeten Deutschen Reiches.[10]

Freie Stadt Frankfurt am Main

siehe Juden in Frankfurt am Main

Freie und Hansest├Ądte L├╝beck, Hamburg, Bremen

Nachdem L├╝beck von 1811 bis 1813 zum napoleonischen Frankreich geh├Ârt hatte, galt hier wie in den anderen Hansest├Ądten die Emanzipation der Juden. Nach dem Wiener Kongress wurden die dort ans├Ąssig gewordenen Juden aus der Stadt L├╝beck wieder vertrieben, und es bestand ein Ansiedlungsverbot bis 1848. Gleiches gilt f├╝r Bremen bis zur Verfassung von 1849. ├ťber die Wahlrechtsreform von 1848, eine Verfassungsrevision und Modernisierung des Staates wurden alle Juden aus Moisling und L├╝beck dauerhaft emanzipiert.[11] In Hamburg, wo mit etwa 3000 Juden lange die gr├Â├čte deutsche Gemeinde bestand, f├╝hrten die neuen Verfassungen von 1849 und endg├╝ltig von 1860 die strikte Trennung von Staat und Kirche ein und stellten damit die Juden gleich.[12] Durch die ├ťberseeauswanderung ├╝ber die H├Ąfen Bremen und Hamburg str├Âmten dorthin neue Mitglieder.

Hannover

Hannoveraner Brief f├╝r Schutzjuden 1833

Im K├Ânigreich Hannover, das gro├čenteils zum progressiven K├Ânigreich Westphalen geh├Ârt hatte, wurde zun├Ąchst das alte Recht der Schutzjuden wiederhergestellt. Erst 1842 erhielten Juden das B├╝rgerrecht (ÔÇ×Gesetz ├╝ber die Verh├Ąltnisse der JudenÔÇť).[13] Moritz Stern wurde 1859 zum ersten Ordinarius an einer deutschen Universit├Ąt ernannt, in G├Âttingen zum Mathematikprofessor.

Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz

Bemerkenswert war die Teilnahme von 26 Juden an den Befreiungskriegen, unter ihnen L├Âser Cohn [14] aus G├╝strow, der seine Memoiren ver├Âffentlichte. Von 1813 bis 1817 galt in Mecklenburg-Schwerin die ÔÇ×Landesherrliche ConstitutionÔÇť, die in 19 Paragraphen de facto die Juden rechtlich gleichstellte. Auf Druck der konservativen Landst├Ąnde hob Gro├čherzog Friedrich Franz I. sie wieder auf und stellte so die Zust├Ąnde nach dem Landesgrundgesetzlichen Erbvergleich von 1755 wieder her. Dennoch entwickelten sich j├╝dische Zentren in Schwerin, G├╝strow, Parchim und Neustrelitz/Strelitz. F├╝r Handwerker und Schulen traten sp├Ąter auch Verbesserungen in Kraft, j├╝dische Rechtsanw├Ąlte wurden zugelassen. 1839 regelte ein Statut die Gemeindeverfassung, 1840 wurde ein Landesrabbiner gew├Ąhlt. Nur kurzzeitig f├╝hrte die Revolution 1848 die Gleichstellung ein bis zur Aufhebung der revolution├Ąren Verfassung 1850.

Erst 1868 wurde in beiden Mecklenburg auf Druck des Norddeutschen Bundes die Gleichstellung der Juden ohne Ausnahme durchgef├╝hrt. Die Freiz├╝gigkeit aller B├╝rger erstreckte sich nun auch auf die alten Hansest├Ądte Wismar und Rostock. Der linksliberale Abgeordnete Moritz Wiggers brachte 1869 im Norddeutschen Bund gegen den Widerstand beider Mecklenburger Regierungen das Bundesgesetz ├╝ber die Gleichberechtigung der Konfessionen auf den Weg, das die Rechtsgleichheit definitiv garantierte. Dennoch sank die Zahl der Juden infolge Abwanderung in Industriezentren von 1848 mit 3248 ÔÇ×IsraelitenÔÇť bis 1905 auf 1482. Erst durch j├╝dische Zuwanderung aus dem Osten stieg sie dann wieder an. [15]

Sachsen

Im K├Ânigreich Sachsen blieb die rechtliche Situation der Juden fast ebenso lange ungekl├Ąrt wie in Hannover. Bereits um 1800 war der Anteil j├╝discher Kaufleute hoch unter den Besuchern der Leipziger Messe, vor allem aus Polen. 1814 wurde der israelitische Friedhof in Johannistal bei Leipzig genehmigt, 1834 entstand die ÔÇťIsraelitische Religionsgemeinde zu LeipzigÔÇŁ mit der Wahl eines provisorischen Religionsvorstandes. Erst 1838 erlaubte ein Gesetz, dass Juden sich in den St├Ądten Leipzig und Dresden niederlie├čen. Der Grundst├╝ckserwerb wurde teilweise erlaubt und so ein Synagogenbau m├Âglich. 1843 wurde der als Christ erzogene Felix Mendelssohn Bartholdy Ehrenb├╝rger Leipzigs. Selbst dort blieben ihre B├╝rgerrechte eingeschr├Ąnkt; au├čerhalb dieser beiden St├Ądte wurden Juden nicht geduldet. 1855 wurde die Leipziger Gemeindesynagoge (ÔÇťTempelÔÇŁ) eingeweiht. 1874 zog Moritz Kohner als erster j├╝discher Abgeordneter in den Stadtrat von Leipzig ein. 1871 lebten in Sachsen 3 357 Juden (insgesamt 2,5 Mio. Einwohner).[16]

W├╝rttemberg

Im W├╝rttemberg, wo von 1498 bis 1805 keine Juden dauerhaft wohnen und arbeiten durften, wurde 1828 ein erstes Judengesetz erlassen. In Ludwigsburg und in Stuttgart entstanden daraufhin j├╝dische Gemeinden, die mit den gro├čen j├╝dischen Zentren der Zeit ÔÇô wie Breslau, Hamburg oder Berlin ÔÇô jedoch nicht vergleichbar waren. Die Emanzipation der Revolution 1848 wurde wieder r├╝ckg├Ąngig gemacht, doch 1861 fanden ihre b├╝rgerlichen Rechte endlich Anerkennung. Die b├╝rgerliche Gleichstellung der Juden auf lokaler Ebene wurde in W├╝rttemberg erst 1864 gesetzlich verankert.[17]

Kaiserreich und Weimarer Republik (1871-1933)

Verbreitung der Juden im deutschen Reich, ca. 1895

Die Reichsverfassung von 1871 machte alle deutschen Juden zu gleichberechtigten B├╝rgern. Damit war aber der gesellschaftliche Antisemitismus noch nicht erledigt, der besonders in Wirtschaftskrisen zur├╝ckkehrte.

Juden r├╝ckten nun in hohe Positionen auf. Bekannt ist der j├╝dische Bankier Bismarcks, Gerson von Bleichr├Âder. Der Reeder Albert Ballin geh├Ârte zum engen Kreis um Wilhelm II., dem nach 1918 trotzdem antisemitische Ausf├Ąlle unterliefen. Es gab auch j├╝dische Gelehrte an Universit├Ąten, wenn auch nur in geringer Zahl als ordentliche Professoren. Der Historiker Heinrich von Treitschke warnte 1879 vor dem j├╝dischen Einfluss: ÔÇ×Die Juden sind unser Ungl├╝ck.ÔÇť Die freien Berufe wurden ein T├Ątigkeitsfeld f├╝r akademisch gebildete Juden, w├Ąhrend Armee und Justiz├Ąmter verwehrt blieben. Daneben entwickelte sich ein Mittelstand von kleinen Gesch├Ąftsinhabern und Industriellen. Aus den preu├čischen Ostprovinzen und Osteuropa wanderten viele Juden als Arbeitskr├Ąfte in die dynamischen Industriezentren (Berlin, Stettin) ein. Die Zahl der j├╝dischen Almosenempf├Ąnger nahm stark ab.

Die j├╝dischen Gemeinden bl├╝hten auf, viele Synagogen konnten gebaut werden, auch wo lange zuvor keine Juden leben konnten. Unter den j├╝dischen Verb├Ąnden traten entgegengesetzte Richtungen auf, die einerseits f├╝r Zuwendung zur modernen Gesellschaft und starke Assimilation eintraten, andererseits die Traditionen des Glaubens zu konservieren suchten. Eine Dachorganisation war der Central-Verein deutscher Staatsb├╝rger j├╝dischen Glaubens ab 1893, der die Assimilation an die deutsche Gesellschaft vertrat. Daneben kam der Zionismus nach Theodor Herzl auf, vertreten durch die Zionistische Vereinigung f├╝r Deutschland.

Die deutsche Gesellschaft reagierte zun├Ąchst nur in geringem Ma├č, als erste antisemitische Parteien gegr├╝ndet wurden. Der Berliner Hofprediger Adolf Stoecker betrieb seit 1878 aus christlichem Antijudaismus die Christlich-soziale Partei (Kaiserreich). Daneben kam mit dem Sozialdarwinismus eine neue rassistische Begr├╝ndung des Antisemitismus (zuerst: Gobineau) auf, die von deutschen Vordenkern wie dem Philosophen Eugen D├╝hring 1881 aufgegriffen wurde. Im ÔÇ×Tivoli-ProgrammÔÇť 1892 (Forderung: ÔÇ×christliche Obrigkeit und christliche LehrerÔÇť) der Deutschkonservativen Partei ist erstmals eine der gro├čen Parteien auf diese Linie eingeschwenkt. Dahinter steckten traditionell christliche Vorbehalte, aber auch kleinb├╝rgerliche ├ängste vor Konkurrenz und Fremden. Z. B. waren in manchen Badeorten an Nord- und Ostsee (Zinnowitz) Juden als G├Ąste unerw├╝nscht.

Gedenktafel f├╝r j├╝dische Gefallene aus Karlsruhe

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurde von j├╝dischen Forschern die Notwendigkeit einer eigenen j├╝dischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte betont und teilweise umgesetzt. Bei Simon Dubnow und Salo Baron finden sich erste Ans├Ątze dazu. Der Historiker Jacob Katz pl├Ądierte f├╝r eine vermehrt sozialgeschichtliche Sicht der j├╝dischen Geschichte. [18] Raphael Straus betonte die Wichtigkeit dieses Ansatzes 1929:

"Nach dem Stand der j├╝dischen Geschichtsliteratur m├╝├čte man annehmen, da├č die geistige Haltung und die Lebenshaltung der Juden unabh├Ąngig voneinander miteinander Jahrhunderte lang sozusagen in reiner Personalunion bestanden h├Ątten." [19]

Nach Straus h├Ątten die Juden die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte ihres Volkes bislang (meist antisemitisch eingestellten) christlichen Historikern ├╝berlassen. Der deutschsprachige j├╝dische Historiker Bernhard Weinryb ver├Âffentlichte 1939 seine Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden in Polen. [20]

Im Ersten Weltkrieg fielen rund 12.000 deutsche Juden. Aufgrund der gesellschaftlichen Diskriminierung r├╝ckten nur wenige deutsch-j├╝dische Soldaten zum Reserveoffizier auf. Die Vorbehalte verst├Ąrkten sich zur Mitte des Krieges wieder, was in der Gr├╝ndung der antisemitischen Deutschen Vaterlandspartei zum Ausdruck kam. 1916 stellte man eine ÔÇ×Judenz├ĄhlungÔÇť im Heer an, die, obwohl unvollst├Ąndig und l├╝ckenhaft, den Kriegsbeitrag der deutschen Juden belegte. Ihre Ergebnisse wurden nicht publiziert. Hinter der Aktion hatte unverkennbar die Absicht gestanden, Juden als ÔÇ×Dr├╝ckebergerÔÇť zu entlarven. Nach dem Weltkrieg bildete sich ein ÔÇ×Reichsbund j├╝discher FrontsoldatenÔÇť mit ├╝ber 50.000 Mitgliedern.

Entscheidend wurde die Diffamierung der Juden als Tr├Ąger der Revolution von 1918/1919, die den deutschen Sieg hintertrieben h├Ątten (ÔÇ×Dolchsto├člegendeÔÇť). Ebenso wurde ihnen h├Ąufig die Russische Revolution 1917 zugeschrieben. Die Antisemiten identifizierten die linken Parteien (ÔÇ×NovemberverbrecherÔÇť) mit einer ÔÇ×j├╝dischen Verschw├ÂrungÔÇť gegen die Mittelm├Ąchte. Die erste deutsche Demokratie wurde pauschal als ÔÇ×JudenrepublikÔÇť abgetan, obwohl von ihren etwa 200 Reichsministern ganze f├╝nf j├╝disch waren.

1920 vom Reichsbund j├╝discher Frontsoldaten als Antwort auf die Anschuldigungen fehlenden Patriotismus herausgegebener Handzettel

In rechtsradikalen Kreisen bis zur DNVP wurde Antisemitismus gesellschaftsf├Ąhig. Das vielfach gebilligte Attentat auf Walther Rathenau 1922 erhielt Unterst├╝tzung mehrerer Terrororganisationen aus dem Untergrund, wie der Organisation Consul und dem Deutschv├Âlkischen Schutz- und Trutzbund. Das Verbot dieses Schutz- und Trutzbundes f├╝hrte zur St├Ąrkung der Deutsch-v├Âlkischen Freiheitspartei, die mit der NSDAP zusammen bei der Reichstagswahl Mai 1924 6,6 Prozent der Stimmen errang.

Dennoch brachte die Weimarer Republik eine Reihe von Verbesserungen f├╝r die Juden. Alle Karrieren und Schulen standen nun im Prinzip offen, die mittelst├Ąndische Sozialstruktur blieb gleich. Die Gemeinden wurden K├Ârperschaften ├Âffentlichen Rechtes. Berlin wurde zum Zentrum, wo ein Drittel der Juden wohnte. Insgesamt sank ihre Zahl trotz Zuwanderung von Ostjuden nach Deutschland aber von gut 615.000 (1910) auf 500.000 (1933). Das lag an den deutschen Gebietsabtretungen sowie einem Geburtenr├╝ckgang, den zunehmende ├ťberalterung und Verst├Ądterung j├╝discher Familien ausl├Âsten. In gemischtkonfessionellen Ehen wurden die Kinder oft nicht als Juden erzogen. Es gab bekannte Privatbankiers wie die Familie Warburg. Auch in Wissenschaft, Kunst und Literatur leisteten Juden h├Ąufig Bedeutendes, was sich nach ihrem Verlust ab 1933 schmerzvoll bemerkbar machte. Die politische Orientierung richtete sich auf die DDP und zum Teil auf die SPD, die beide auch j├╝dische Abgeordnete aufstellten. Hugo Preu├č (DDP) entwarf die Weimarer Reichsverfassung 1919. Bekannte j├╝dische Intellektuelle, die ├╝ber das Judentum nachdachten, waren Martin Buber, Franz Rosenzweig, Leo Baeck und Gershom Scholem.

Zeit des Nationalsozialismus (1933ÔÇô1945)

Hauptartikel Holocaust

Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten unter Hitler im Jahre 1933 wurden die Juden in Deutschland immer mehr verfolgt. Der seit langer Zeit bestehende Antisemitismus und Antijudaismus wurde mit Hilfe zahlreicher Verordnungen bis zur weitestm├Âglichen Vernichtung j├╝dischen Lebens systematisch umgesetzt. Begr├╝ndet wurden die judenfeindlichen Ma├čnahmen vor allem mit Verschw├Ârungstheorien ├╝ber das Weltjudentum, wie zum Beispiel in den gef├Ąlschten Protokollen der Weisen von Zion, und der ├ťberlegenheit der arischen Rasse, die durch die Rassenlehre verbreitet wurde.

Ausgrenzung - Schon im April 1933 f├╝hrte das NS-Regime den Judenboykott durch, und durch das Berufsbeamtengesetz verloren viele Juden ihre Stelle, doch bis Ende 1935, als durch das Reichsb├╝rgergesetz s├Ąmtliche deutschen Juden ihrer B├╝rgerrechte beraubt wurden, bot das Frontk├Ąmpferprivileg in einigen F├Ąllen noch einen gewissen Schutz. Die N├╝rnberger Gesetze mit dem Blutschutzgesetz grenzten Juden weiter aus.

Pl├╝nderung und Misshandlung - Im November 1938 wurden in der Reichspogromnacht Synagogen und j├╝dische Gesch├Ąfte zerst├Ârt und zu deren Boykott aufgerufen. Zahlreiche Juden sahen sich deshalb gezwungen aus ihrem Heimatland zu fliehen oder unterzutauchen.

Deportation und Vernichtung - Infolge ihrer aggressiven Au├čenpolitik begannen die Nationalsozialisten 1939 den Zweiten Weltkrieg mit dem ├ťberfall auf Polen, der sofort zu zahlreichen antij├╝dischen Massakern f├╝hrte. Bald wurden nahezu alle Juden zur ÔÇ×Endl├Âsung der JudenfrageÔÇť erst in osteurop├Ąische Ghettos und sp├Ąter in Konzentrationslager deportiert und systematisch und auf industrielle Weise umgebracht. Viele mussten zuvor Zwangsarbeit verrichten. Der Holocaust, die Ermordung der Juden, betraf nicht nur die in Deutschland lebenden Juden, sondern auch Juden aus allen besetzten europ├Ąischen L├Ąndern bzw. in diese L├Ąnder geflohene deutsche Juden. Auch andere Gruppen wie Roma und Sinti wurden ermordet.

Erst durch den Sieg der Alliierten und die bedingungslose Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 konnte der Holocaust gestoppt werden; die ├ťberlebenden in den Arbeits- und Vernichtungslagern wurden befreit. Raul Hilberg beschrieb 1955 als der erste Geschichtswissenschaftler der Zeitgeschichte anhand der Akten, wie der gesamte Vernichtungsprozess in dieser Zeit ablief.[21]

Juden in Deutschland ab 1945

Rechtslage

Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz f├╝r die Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Mit Art. 116 (2) versuchte der Verfassungsgesetzgeber das nationalsozialistische Unrecht r├╝ckg├Ąngig zu machen, das in der Ausb├╝rgerung j├╝discher Deutscher, meist gegen ihren Willen, besteht. Der Absatz lautet:

ÔÇ×Fr├╝here deutsche Staatsangeh├Ârige, denen zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 die Staatsangeh├Ârigkeit aus politischen, rassischen oder religi├Âsen Gr├╝nden entzogen worden ist, und ihre Abk├Âmmlinge sind auf Antrag wieder einzub├╝rgern. Sie gelten als nicht ausgeb├╝rgert, sofern sie nach dem 8. Mai 1945 ihren Wohnsitz in Deutschland genommen haben und nicht einen entgegengesetzten Willen zum Ausdruck gebracht haben.ÔÇť[22]

Angeh├Ârige der ÔÇ×ErlebnisgenerationÔÇť machten ab 1949 ├╝berwiegend keinen Gebrauch von diesem Angebot. Deren Kinder und Enkel jedoch sind zu einem gro├čen Teil bereit, die Option in Anspruch zu nehmen, die deutsche Staatsb├╝rgerschaft zu erwerben und in Deutschland ihren Wohnsitz zu nehmen, wenn sie dies (z.B. im Falle eines neuen Nahostkriegs) wollen.[23] Im Jahr 2005 lebten in Israel 60.000 Juden mit deutschem Pass, also in Anspruch genommener deutscher Staatsangeh├Ârigkeit. Seit 2002 ist ein Anstieg der Antr├Ąge israelischer Staatsb├╝rger auf Wiedereinsetzung in die deutsche Staatsangeh├Ârigkeit zu verzeichnen.[24][25]

├ťberblick

Wegmarken j├╝dischen Lebens in der Bundesrepublik Deutschland waren:

  • die seit 1950 j├Ąhrlich stattfindende ÔÇ×Woche der Br├╝derlichkeitÔÇť Anfang M├Ąrz, die seitdem gegr├╝ndeten Gesellschaften f├╝r Christlich-J├╝dische Zusammenarbeit, der j├╝disch-christliche Dialog seit den Kirchentagen der 1960er Jahre,
  • die Auschwitzprozesse 1963-1966,
  • die Bundestagsdebatte um die Verj├Ąhrung der NS-Verbrechen 1965, (Sogar die Beteiligung am NS-V├Âlkermord w├Ąre nach geltendem deutschen Recht in dem Jahr verj├Ąhrt gewesen. Die Frist wurde um zun├Ąchst f├╝nf Jahre verl├Ąngert, dann ganz aufgehoben.)
  • die von der Studentenbewegung ab 1965 angesto├čene Erforschung der historischen Bedingungen f├╝r den Nationalsozialismus und Holocaust,
  • die vermehrte Einrichtung von deutsch-israelischen St├Ądtepartnerschaften und Freundschaftsgesellschaften seit 1970, die nach Israel emigrierten ehemaligen deutschen Juden einen Besuch ihrer alten Heimat erm├Âglichten,
  • Vertr├Ąge von Bund, L├Ąndern und Kommunen zum polizeilichen Schutz und finanzieller Absicherung der j├╝dischen Gemeinden: zuerst in West-Berlin unter Klaus Sch├╝tz 1971, nachdem der Aussteiger Hans-Joachim Klein einen Mordplan der Rote Armee Fraktion gegen Heinz Galinski bekannt gemacht hatte,
  • die Einrichtung der Hochschule f├╝r J├╝dische Studien in Heidelberg 1978 neben judaistischen Seminaren im Verbund von christlichen und j├╝dischen Historikern und Theologen an mehreren Universit├Ąten,
  • die Bildung neuer Interessen in den ÔÇ×Geschichtswerkst├ĄttenÔÇť seit der Ausstrahlung der Fernsehserie Holocaust ÔÇô Die Geschichte der Familie Wei├č 1979, die nicht mehr nur nach allgemeinen sozialen und ├Âkonomischen Strukturen f├╝r das Entstehen der NS-Diktatur fragten, sondern die Judenverfolgung in Einzelorten und ÔÇôregionen im Detail aufhellten,
  • die Rede Richard von Weizs├Ąckers zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1985, der von der Befreiung vom Nationalsozialismus und nicht von der Niederlage Deutschlands sprach und die j├╝dische Weisheit des Baal Schem Tow (1700-1760), eines Lehrers des Chassidismus, zitierte: (Das Vergessen f├╝hrt in die Verbannung ÔÇô) das Geheimnis der Erl├Âsung liegt in der Erinnerung!
  • der Besuch Richard von Weizs├Ąckers als erstem amtierenden Bundespr├Ąsident in Israel im Oktober 1985,
  • die Einrichtung nationaler Gedenktage f├╝r die Opfer des Holocaust, vor allem das seit 1988 bundesweit verst├Ąrkte Gedenken an die Novemberpogrome 1938. [26]

F├╝r die DDR sind folgende Ereignisse und Charakteristika wichtig:

  • Es blieben nur wenige Juden in der DDR, die Gemeinden starben allm├Ąhlich aus. Diese konnten aber ohne offenen Antisemitismus in Sicherheit leben.
  • Die DDR lehnte jede Entsch├Ądigung f├╝r die Verbrechen an Juden ab, weil sie nichts mit dem Faschismus Hitlerdeutschlands zu tun habe.
  • In der stalinistischen Sp├Ątphase 1952/1953 drohte Juden in der SED eine neue Verfolgung.
  • Wie alle Ostblockstaaten bezog die DDR Stellung gegen den ÔÇ×zionistischen ImperialismusÔÇť des Staates Israel.
  • Die pal├Ąstinensische Politik und der Terror gegen Israel wurden unterst├╝tzt.
  • In den 1980er Jahren k├╝mmerte die SED sich st├Ąrker um das j├╝dische Erbe und lud auch j├╝dische Organisationen ein. Der Pr├Ąsident des J├╝dischen Weltkongresses, Edgar Bronfman, wurde mit dem h├Âchsten Zivilorden der DDR ausgezeichnet. 1988 wurde in Berlin eine Stiftung Centrum Judaicum gegr├╝ndet und die Neue Synagoge nach jahrzehntelanger Verwahrlosung restauriert.

Die Auswanderung der Displaced Persons

Noch w├Ąhrend des Zweiten Weltkriegs haben die Siegerm├Ąchte beschlossen, alle Juden, die den Holocaust ├╝berlebt hatten oder nach Deutschland verschleppt worden waren oder vor Nachkriegspogromen dorthin flohen, wie alle anderen Displaced Persons (ÔÇ×entwurzelte PersonenÔÇť) nach einer ├ťbergangszeit in ihre Heimatl├Ąnder zur├╝ckzubringen. ├ťberlebende deutsche Juden sollten von anderen L├Ąndern aufgenommen werden, da man nach der Shoah nicht mit einer Erneuerung des deutschen Judentums rechnete.

Nur eine kleine Zahl der etwa 400.000 Juden, die Deutschland in der NS-Zeit rechtzeitig verlassen hatten, kehrte nach Deutschland zur├╝ck. Es gab ungef├Ąhr 15.000 deutsche Juden, die im Konzentrationslager, im Untergrund oder als Ehepartner von Nichtjuden ├╝berlebt hatten. Eine gro├če Zahl von Juden, mehr als 200.000, kamen aus Osteuropa nach Deutschland. Sie waren aus Konzentrationslagern oder als Zwangsarbeiter befreit worden oder flohen vor neuen Pogromen nach Deutschland. Die zionistische Fluchtorganisation Brichah f├Ârderte den Massenexodus aus Polen, vorwiegend in die Amerikanische Besatzungszone. Zum einen war der Antisemitismus der Nachkriegszeit in Polen und anderen L├Ąndern Osteuropas unertr├Ąglich, zum anderen gab es keine M├Âglichkeit, aus diesen L├Ąndern auszuwandern. Als Displaced Persons waren sie nun zwar ÔÇ×befreit, aber nicht freiÔÇť. Die amerikanische Armee und die UNRAA richteten vor allem in Bayern gro├če Lager ein, in denen sie hinter Stacheldraht und mit uniformierter Bewachung lebten. Der ├╝berwiegende Teil str├Âmte in die Amerikanische Besatzungszone, in der britischen waren in der H├Âchstphase gerade 15.000 j├╝dische DP's untergebracht, in der franz├Âsischen sogar nur etwa 1.000. Die Auswanderung in das von Gro├čbritannien verwaltete Mandatsgebiet Pal├Ąstina war nur auf illegalem Weg m├Âglich, und die USA blieb ihnen durch eine restriktive Immigrationspolitik zun├Ąchst ebenfalls verschlossen. In den ersten Nachkriegsjahren entstand daher eine Vielzahl sozialer und politischer j├╝discher Organisationen in Deutschland. Es waren aber kaum noch deutsche Juden unter denen, die nun in Lagern und in wiederbegr├╝ndeten Gemeinden lebten.

Mit der Gr├╝ndung des Staates Israel verlie├čen die meisten von ihnen Deutschland. Im September 1948 war ihre Zahl bereits auf 30.000 geschrumpft, es blieben lediglich 10.000 bis 15.000.[27]Ein Teil von ihnen war zu schwach oder zu krank um weiterzuwandern, ein Teil hatte in der langen Wartezeit eine berufliche Existenz gr├╝nden k├Ânnen oder einen deutschen Ehepartner geheiratet. 1950 wurde das B├╝ro der Jewish Agency, die in Deutschland f├╝r die Auswanderung von Juden nach Israel zust├Ąndig war, geschlossen. 1953 schloss auch das israelische Konsulat in M├╝nchen, das ebenfalls vor allem f├╝r die Auswanderung errichtet worden war. Konsul Chaim Yachil ging davon aus, dass die in Deutschland verbliebenen j├╝dischen Gemeinden sich innerhalb weniger Jahre selbst aufl├Âsen w├╝rden; ihre Liquidation sei angesichts ihrer kleinen Mitgliederzahl und ihrer ├ťberalterung nicht aufzuhalten. Die meisten Juden, die in Deutschland blieben, galten als ÔÇ×heimatlose Ausl├ĄnderÔÇť und blieben staatenlos. Israel betrachtete Deutschland damals als Tabuzone, mit der es keinerlei Dialog geben durfte. Wer im Besitz eines israelischen Passes war, durfte damit nicht nach Deutschland einreisen. Im Pass stand der Vermerk ÔÇ×not valid for travel to or in GermanyÔÇť und die deutschen Beh├Ârden waren angewiesen, keine Genehmigungen zur Einreise zu erteilen.

R├╝ckwanderung

Bereits kurz nach Kriegsende kehrten deutsche Juden aus dem Exil zur├╝ck, vorwiegend aus politischen Gr├╝nden. Der Philosoph Ernst Bloch (1949), der Komponist Hanns Eisler (1948), der Karikaturist John Heartfield (1950), die Literaturhistoriker Hans Mayer (1945) und Alfred Kantorowicz (1946), die Schriftstellerin Anna Seghers (1947), Stefan Heym (1945) und Arnold Zweig (1948) sowie die beiden sp├Ąteren Mitglieder des Zentralkomitees der SED Gerhard Eisler und Albert Norden gingen in die Sowjetische Besatzungszone bzw. die DDR. Die meisten der Genannten traten allerdings keiner j├╝dischen Gemeinde bei, weil der religi├Âse und der nationale Aspekt des Judentums mit der Parteilinie schwer vereinbar waren. Viele der R├╝ckkehrer verstanden sich als antifaschistische Kommunisten und spielten eine wichtige Rolle beim Aufbau der DDR.

Auch in den westlichen Teil Deutschlands kamen prominente Juden zur├╝ck, so die Politologen Ernst Fraenkel (1951) und Richard L├Âwenthal (1948), die beide Professoren an der Freien Universit├Ąt Berlin wurden. Die Stadt Frankfurt bewirkte die R├╝ckkehr von Max Horkheimer und Theodor Adorno und erm├Âglichte die Wiederer├Âffnung des Instituts f├╝r Sozialforschung im Jahre 1950. Weitere prominente Namen sind der Soziologe Ren├ę K├Ânig und der Historiker Hans-Joachim Schoeps. Manche wie Arno Hamburger kamen als alliierte Soldaten in Uniform. In den Westen kamen zahlenm├Ą├čig mehr als in den Osten.

Die j├╝dischen Gemeinden in Deutschland

Die Nachkriegszeit

Die ersten j├╝dischen Institutionen, die in Westdeutschland nach dem Krieg entstanden, waren nicht Synagogen und Gemeindezentren, sondern soziale Einrichtungen: Krankenstationen, Pflegeheime, Altersheime, K├╝chen f├╝r die Versorgung bed├╝rftiger Juden. Die j├╝dischen Nachkriegsgemeinden sahen sich als Provisorien auf Zeit und wollten bis zu ihrer Aufl├Âsung karitativ t├Ątig sein. Sie verstanden sich nicht als Erben der fr├╝heren deutsch-j├╝dischen Gemeinden, die von 1933 bis 1941 vernichtet worden waren. Deren Mitglieder waren ausgewandert oder ermordet worden.

Das erbenlose j├╝dische Privatverm├Âgen sowie das Verm├Âgen der aufgel├Âsten j├╝dischen Organisationen und Institutionen wurde an neugegr├╝ndete Treuhandorganisationen wie die JRSO restituiert, die sich in scharfer Konkurrenz zu den neugegr├╝ndeten deutschen j├╝dischen Gemeinden befanden. Als 1949 die Bundesrepublik gegr├╝ndet wurde, sahen die inzwischen schon konsolidierten j├╝dischen Gemeinden die Notwendigkeit, sich eine ├╝berregionale Organisation zu schaffen, um ihre Interessen selbst zu vertreten. Delegierte von Gemeinden und Landesverb├Ąnden gr├╝ndeten 1950 den Zentralrat der Juden in Deutschland als Dachorganisation. Zu dieser Zeit hatten die j├╝dischen Gemeinden der Bundesrepublik eine Gesamtzahl von 15.000 Mitgliedern. Die j├╝dischen Gemeinden in Westdeutschland wurden erst seit dem Besuch Nahum Goldmanns vom J├╝dischen Weltkongress (WJC) 1953 von j├╝dischen Weltorganisationen anerkannt. So durften sie ihre Synagogen und Gemeindeh├Ąuser nach dem Luxemburger Abkommen zur Wiedergutmachung behalten und mussten sie nicht zum Verkauf freigeben. Trotzdem wurden die in Deutschland lebenden Juden von j├╝dischen Institutionen und Gemeinschaften in Israel und Amerika als Juden zweiter Klasse behandelt. Man verstand nicht, warum sie in Deutschland blieben und nahm sie nicht als Teil der j├╝dischen Diaspora wahr.

In der DDR kam es in der Folge des stalinistischen Slansky-Prozesses in Prag 1952/53 zu einer Verfolgung von ÔÇ×KosmopolitenÔÇť, die der Spionage oder des Zionismus bezichtigt wurden. Betroffen waren vor allem diejenigen, die w├Ąhrend der NS-Zeit in westlichen L├Ąndern im Exil gelebt hatten. Sie wurden nun einer Zusammenarbeit mit dem Westen bezichtigt und als Werkzeuge des Imperialismus bezeichnet. Das ZK-Mitglied Paul Merker wurde als zionistischer Agent verhaftet, die B├╝ros der j├╝dischen Gemeinden durchsucht. Im Januar 1953 fl├╝chtete Julius Meyer, Mitglied der SED, Abgeordneter der Volkskammer und Pr├Ąsident des Verbands der j├╝dischen Gemeinden in der DDR, zusammen mit f├╝nf der acht Gemeindevorsitzenden nach Westdeutschland. Julius Meyer hatte die Lager Auschwitz und Ravensbr├╝ck ├╝berlebt und leitete seit 1949 gemeinsam mit Heinz Galinski die J├╝dische Gemeinde Berlins. Bis zum Bau der Mauer 1961 schrumpfte die Zahl der in den Gemeinden registrierten Juden auf etwa 1.500. In der DDR wurden verfolgte Juden zwar als ÔÇ×Opfer des FaschismusÔÇť anerkannt und erhielten eine kleine Staatspension sowie andere Verg├╝nstigungen, standen aber in der ├Âffentlichen Wertsch├Ątzung hinter den aktiven Widerstandsk├Ąmpfern und Antifaschisten besonders aus der KPD zur├╝ck. In der Bundesrepublik konnten sie wegen des Wiedergutmachungsgesetzes auf eine Entsch├Ądigung hoffen. Die DDR weigerte sich, Wiedergutmachung zu leisten, weil sie eine Mitverantwortung der DDR an den Verbrechen des NS-Staates ablehnte. Erst im April 1990 wurde ein offenes Bekenntnis zur Mitverantwortung abgelegt, nach dem Fall der Mauer und von einer demokratisch gew├Ąhlten Volkskammer.

Juden in Deutschland heute

Obwohl es immer eine kleine Zuwanderung vor allem aus dem Ostblock (Polen, Ungarn, Rum├Ąnien) gab, ├╝berschritt die Zahl der in Westdeutschland lebenden Juden bis 1989 30.000 nicht. Darunter waren schon zwei Generationen, die bereits in Deutschland geboren wurden. 1990 begann die Zuwanderung von Juden aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Bis Ende 1998 kamen etwa 45.000 Juden nach Deutschland und mit ihnen nochmals etwa 40.000 nichtj├╝dische Familienmitglieder aus interkonfessionellen Ehen. Es war nur ein kleiner Teil der Auswanderer aus der Sowjetunion. 800.000 Juden gingen in diesem Zeitraum nach Israel, weitere 400.000 in die USA[28]

Chanukka-Leuchter vor dem Karlsruher Schloss

Heute leben etwa 100.000 Juden in Deutschland und es bestehen 99 j├╝dische Gemeinden in Deutschland, die in 12 Landesverb├Ąnden und im Zentralrat der Juden in Deutschland zusammengeschlossen sind. Sie stellen 95 Prozent aller organisierten deutschen Juden. Die ├╝brigen f├╝nf Prozent verteilen sich auf etwa 40 j├╝dische Kulturvereine und liberale Gemeinden, die zum Teil in der Union progressiver Juden in Deutschland organisiert sind. Den Zentralrat lehnen sie entgegen dessen Selbstverst├Ąndnis als orthodox gelenkt ab. Der Zentralrat mischt sich allerdings nicht in das Eigenleben der Gemeinden ein. Die gr├Â├čten Stadtgemeinden ÔÇô Berlin mit etwa 11.000, M├╝nchen mit 8.600 und Frankfurt/Main mit 7.000 Mitgliedern ÔÇô sind Einheitsgemeinden: diese Einheitsgemeinden stellen Verwaltungsorganisationen dar, unter deren Dach unterschiedliche religi├Âse Ausrichtungen existieren. Etwa 40.000 weitere Juden sind nicht religi├Âs gebunden. Die Gemeinden errichten neue Zentren, bilden Jugendgruppen und Kulturorganisationen ÔÇô sind aber auch von scharfen Konflikten zwischen den Zuwanderern und den fr├╝heren Gemeindemitgliedern belastet. Ein religi├Âser Pluralismus (liberale Gemeinden, weibliche Rabbiner) ist entstanden.

Im September 2006 wurden drei Absolventen des Abraham-Geiger-Kollegs Potsdam in Dresden zu Rabbinern ordiniert. Sie sind die ersten Rabbiner, die nach dem Krieg in Deutschland ausgebildet wurden.

Zuwanderung von Juden seit der Wiedervereinigung

Die Zuwanderung j├╝discher Emigranten aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ist seit der deutschen Wiedervereinigung stark angestiegen. Seit dem Jahr 2000 sind die Zahlen der j├╝dischen Zuwanderer wieder r├╝ckl├Ąufig.

Bis zur Perestroika wurde nur einigen wenigen Juden die Ausreise aus der Sowjetunion gestattet. Um eine Genehmigung zur Ausreise als Sp├Ątaussiedler in die Bundesrepublik Deutschland zu erhalten, mussten die Antragsteller einen Bezug zur deutschen Kultur nachweisen. Sie erreichten Deutschland meistens ├╝ber das Durchgangslager Friedland.

Unter der letzten Volkskammer der DDR wurde ab April 1990 ein vereinfachtes Verfahren zur Einreise j├╝discher B├╝rger der Sowjetunion angewandt.[29] Damit wollte die Nachwende-Regierung der DDR dem Unrecht Rechnung tragen, dass sich das SED-Regime gegen├╝ber dem Judentum jeglicher Verantwortung zur Wiedergutmachung entzogen hatte. An diese Praxis der letzten DDR-Regierung lehnt sich der Beschluss der Innenministerkonferenz vom 9. Januar 1991 an, nach dem das Gesetz ├╝ber Ma├čnahmen f├╝r im Rahmen humanit├Ąrer Hilfsaktionen aufgenommene Fl├╝chtlinge (HumHAG) auch auf j├╝dische Emigranten aus den ehemaligen GUS-Staaten angewandt wird.[30] In den folgenden Jahren wurden diese j├╝dischen Kontingentfl├╝chtlinge auf Bundesl├Ąnder und Landkreise in Deutschland verteilt. Bis 2003 stieg, vorwiegend durch diese Zuwanderung, die Zahl der Mitglieder j├╝discher Gemeinden von etwa 30.000 auf 102.000 an. So wuchs der Bedarf an j├╝discher Infrastruktur (Synagogen, Freizeiteinrichtungen usw.) in vielen Landkreisen.

Die Zahl der Mitglieder j├╝discher Gemeinden schwankt jedoch oft durch den Wegzug von Familien, die dies den j├╝dischen Gemeinden nicht bekannt geben (wollen). Ebenso gibt es F├Ąlle, dass Juden, sobald sie die deutsche Staatsangeh├Ârigkeit erhalten haben, aus der j├╝dischen Gemeinschaft austreten. Viele haben auch f├╝r das Judentum kein Verst├Ąndnis, sie sind zwar als Juden anerkannt durch die matriarchalische Linie, haben aber in der Zeit der damaligen Sowjetunion aus verschiedenen Gr├╝nden keinen Zugang zum Judentum gehabt.

Literatur

  • Klaus-Dieter Alicke, Lexikon der j├╝dischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, 3 Bde., G├╝tersloh 2009
  • Frank Bajohr: B├╝rgerliche Lebenswelt und B├Ąder-Antisemitismus an der Ostseek├╝ste Mecklenburgs und Vorpommerns, in: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern 11/1 (2007), S. 7-15.
  • Michael Berger: Eisernes Kreuz und Davidstern. Die Geschichte J├╝discher Soldaten in Deutschen Armeen, trafo verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89626-476-1
  • Amos Elon: Zu einer anderen Zeit. Portr├Ąt der deutsch-j├╝dischen Epoche (engl. 2002, dt. 2003), dtv, M├╝nchen 2005, ISBN 3-423-34228-5
  • Helmut Eschwege: Die Synagoge in der deutschen Geschichte, 3. Aufl., Verlag d. Kunst, Dresden 1988, ISBN 3-364-00111-1
  • Nachum T. Gidal: Die Juden in Deutschland von der R├Âmerzeit bis zur Weimarer Republik, Bertelsmann, G├╝tersloh 1988 u. K├Ânemann, K├Âln 1997, ISBN 3-89508-540-5
  • Andreas Gotzmann u.┬áa. (Hg.): Juden, B├╝rger, Deutsche. Zur Geschichte von Vielfalt und Differenz 1800-1933, J.C.B. Mohr, T├╝bingen 2001, ISBN 3-16-147498-8
  • Peter Guttkuhn: Die Geschichte der Juden in Moisling und L├╝beck. Von den Anf├Ąngen 1656 bis zur Emanzipation 1852. L├╝beck: Schmidt-R├Âmhild, 2. Aufl. 2007, ISBN 978-3-7950-0486-6.
  • Alfred Haverkamp (Hg.): Geschichte der Juden im Mittelalter von der Nordsee bis zu den S├╝dalpen (kommentiertes Kartenwerk), Forschungen zur Geschichte der Juden; Abteilung A: Abhandlungen; Band 14/3 (105 Karten), Hahn, Hannover 2002, ISBN 3-7752-5623-7
  • B. Heidingsfelder, Allgemeines Lexicon s├Ąmmtlicher j├╝dischen Gemeinden Deutschlands nebst statistischen und historischen Angaben, Frankfurt/M. 1884
  • Arno Herzig: J├╝dische Geschichte in Deutschland - Von den Anf├Ąngen bis zur Gegenwart, Beck, M├╝nchen 1997 u. Bonn 2005, ISBN 3-89331-612-4
  • Stefan Lang: Die Ausweisung der Juden aus T├╝bingen und W├╝rttemberg 1477 bis 1498. In: T├╝binger Bausteine zur Landesgeschichte, 10. Thorbecke, Ostfildern 2008, S. 111 - 132, ISBN 978-3-7995-5510-4
  • Michael A. Meyer/Michael Brenner: Deutsch-J├╝dische Geschichte in der Neuzeit, 4 Bde., Beck, M├╝nchen 1996/97, ISBN 3-406-39705-0
  • Ursula Reuter: J├╝dische Gemeinden vom fr├╝hen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8), Habelt, Bonn 2007, ISBN 978-3-7749-3524-2 Karte
  • Stefan Schwarz: Die Juden in Bayern im Wandel der Zeiten, Olzog, M├╝nchen u.┬áa. 1980, ISBN 3-7892-7155-1
  • Michael Zimmermann (Hg.): Geschichte der Juden im Rheinland und in Westfalen, Kohlhammer, K├Âln u.┬áa. 1998, ISBN 3-17-014191-0

Einzelnachweise

  1. ÔćĹ "In DNA, New Clues to Jewish Roots", New York Times, 14. Mai 2002, Volltext unter [1]
  2. ÔćĹ 40% der aschkenasischen Juden sind Nachkommen von vier Urm├╝ttern. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 31. Januar 2006 [2]
  3. ÔćĹ Eberhard B├╝ssem, Michael Neher: Arbeitsbuch Geschichte. Neuzeit I. Repetitorium. 16.-18. Jahrhundert, T├╝bingen 1999, S. 24
  4. ÔćĹ A.a.O., S. 24
  5. ÔćĹ Renatus F. Rieger, Major Meno Burg. Ein preu├čischer Offizier j├╝dischen Glaubens (1789-1853), Diss., Universit├Ąt Duisburg, 1990 [3]; Meno Burg: Geschichte meines Dienstlebens, Erinnerungen eines j├╝dischen Majors der preu├čischen Armee, Verlag Teetz, Hentrich & Hentrich, Berlin 1998
  6. ÔćĹ Michael Brenner, Stefi Jersch-Wenzel, Michael A. Meyer: Deutsch-j├╝dische Geschichte der Neuzeit. Band II, 1780-1871, C.H. Beck, M├╝nchen 2000, S. 126
  7. ÔćĹ Michael Brenner, Stefi Jersch-Wenzel, Michael A. Meyer: Deutsch-j├╝dische Geschichte der Neuzeit. Band II, 1780-1871, C.H. Beck, M├╝nchen 2000, S. 127 ff.
  8. ÔćĹ Reinhard R├╝rup: Die Emanzipation der Juden in Baden, in: Emanzipation und Antisemitismus. Studien zur "Judenfrage" der b├╝rgerlichen Gesellschaft, Frankfurt/M. 1987, S. 46-92
  9. ÔćĹ Franken J├╝disch
  10. ÔćĹ Franken J├╝disch ; J├╝disches Leben in Augsburg; Die Koffer sind jetzt ausgepackt! Juden in Bayern nach der Schoa
  11. ÔćĹ Peter Guttkuhn: Artikel L├╝beck. In: Pinkas Hakehillot: Encyclopaedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany, Vol. IV., North West Germany, Part II. Editors: Daniel Fraenkel and Tamar Avraham; In Collaboration with Herbert Obenaus and David Bankier. Yad Vashem, Jerusalem 2007.
  12. ÔćĹ Saskia Rohde/Arno Herzig: Die Geschichte der Juden in Hamburg 1590-1990, 2 Bde., Hamburg 1991
  13. ÔćĹ 700 Jahre j├╝dische Geschichte und Kultur in Hannover [4]
  14. ÔćĹ Cohen, L├Âser: Memoiren des freiwilligen J├Ągers L├Âser Cohen, Berlin, Ed. Hentrich, 1993
  15. ÔćĹ Heinz Hirsch, Spuren j├╝dischen Lebens in Mecklenburg, Schwerin 1995, u. Irene Diekmann (Hrsg.), Wegweiser durch das j├╝dische Mecklenburg-Vorpommern, Potsdam 1998, S. 45
  16. ÔćĹ Juden in Sachsen; Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon: Isaak Lewin Auerbach [5]
  17. ÔćĹ Lexikon Geschichte Baden und W├╝rttemberg: Juden in Baden und W├╝rttemberg
  18. ÔćĹ Die Emigration der deutschsprachigen "Wissenschaft des Judentums". Die Auswanderung j├╝discher Historiker nach Pal├Ąstina 1933-1945, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 1991, S. 145 ff.
  19. ÔćĹ Straus, 1929, S. 4
  20. ÔćĹ Die Emigration der deutschsprachigen "Wissenschaft des Judentums". Die Auswanderung j├╝discher Historiker nach Pal├Ąstina 1933-1945, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 1991, S. 145 ff.
  21. ÔćĹ Raul Hilberg: Die Vernichtung der europ├Ąischen Juden. Original bei Quadrangle Books, Chicago 1961
  22. ÔćĹ Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Tel Aviv ÔÇô Rechts- und Konsularreferat: Informationen zu Einb├╝rgerung und Mehrstaatigkeit 28. Juli 2007 http://www.noam.org.il/content/view/98/75/
  23. ÔćĹ Anke Schwarzer: ├ärger um die Staatsangeh├Ârigkeit: Juden sind eher Israelis. Jungle World vom 25. Mai 2005. http://www.hagalil.com/archiv/2005/05/staatsangehoerigkeit.htm
  24. ÔćĹ Israel/Deutschland: Doppelte Staatsb├╝rgerschaft nicht mehr sicher. Mai 2005 http://www.migration-info.de/migration_und_bevoelkerung/artikel/050402.htm
  25. ÔćĹ Ofer Aderet: Deutsche Staatsb├╝rgerschaft. Haaretz vom 25. Juli 2007 http://www.hagalil.com/01/de/Israel.php?itemid=1084
  26. ÔćĹ Albrecht Lohrb├Ącher u.┬áa. (Hrsg.): Was Christen vom Judentum lernen k├Ânnen, Kohlhammer 2006, ISBN 3170181335, S. 43-49
  27. ÔćĹ Michael Brenner: Epilog oder Neuanfang? in O.R.Romberg, S. Urban-Fahr( Hrsg.): Juden in Deutschland nach 1945, Frankfurt 1999, ISBN 3-00-005169-4, S.35ff.
  28. ÔćĹ alle Zahlenangaben aus: Ignatz Bubis: Ersch├╝tterungen sind zu ├╝berstehen, in O.R.Romberg, S.Urban-Fahr (Hrsg.): Juden in Deutschland nach 1945, Frankfurt 1999, ISBN 3-00-005169-4, S.14ff.
  29. ÔćĹ Irene Runge: Das gro├če Wunder einer kleinen j├╝dischen Einwanderung [6]
  30. ÔćĹ aufenthaltstitel.de

Siehe auch

Weblinks


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