Die Lage der arbeitenden Klasse in England

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Die Lage der arbeitenden Klasse in England
Die Lage der arbeitenden Klasse in England, Leipzig 1845

Die Lage der arbeitenden Klasse in England mit dem Untertitel Nach eigner Anschauung und authentischen Quellen ist eine wichtige Arbeit und FrĂŒhschrift von Friedrich Engels aus dem Jahr 1845,[1] in der er die sozialen und wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse in England zur Zeit der frĂŒhen Industrialisierung darstellt. Die Schrift gilt als Pionierwerk der empirischen Sozialforschung und erhebt eine vernichtende Anklage gegen die englische Bourgeoisie, deren „zĂŒgellose Profitgier“ Engels fĂŒr die Verelendung der Arbeiter verantwortlich macht[2] â€“ bis hin zum „sozialen Mord“.[3] Die Veröffentlichung ist ein Standardwerk der Industrie- und Stadtsoziologie und wird von der UNESCO als „MeisterstĂŒck ökologischer Analyse“ bezeichnet.[2] Das Werk erreichte nicht zuletzt durch die VerknĂŒpfung von empirischer Beschreibung und theoretischer Verallgemeinerung eine enorme PopularitĂ€t und gilt als Modell fĂŒr gesellschafts-, wirtschafts- und kulturkritische Schriften, etwa fĂŒr Der Weg nach Wigan Pier von George Orwell.[4] Umgekehrt bediente sich Engels an Motiven der zeitgenössischen Pauperismusliteratur, deren bekanntester Vertreter Charles Dickens (1812–1870) etwa mit Oliver Twist (1839) die „sozialen und gesellschaftlichen MissstĂ€nde der Epoche ungeschminkt“ darstellte.[5] Die christlich-humanitĂ€ren Verfasser der Pauperismusliteratur wollten allerdings die MissstĂ€nde beseitigen, nicht aber die Ursachen, wie es Engels nun tat.[6] Trotz seiner sozialen Bedeutung steht Engels Werk in der Kritik, zu wenig ObjektivitĂ€t zu wahren und die heute anerkannten Standards wissenschaftlicher Feldforschung nicht zu erfĂŒllen.

Inhaltsverzeichnis

Zum Werk

Entstehung und inhaltliche Struktur

Das Werk entstand nach einem 21-monatigen Aufenthalt des damals 24-jĂ€hrigen Engels in England, wobei auch Erfahrungen aus frĂŒheren Besuchen in den vorangegangenen zwei Jahren und ĂŒber die Lage der Arbeiter in seiner Heimatstadt Barmen eine Rolle spielten.[5] Engels hatte zahlreiche StĂ€dte besucht, darunter die „FabrikstĂ€dte“ Nottingham, Birmingham, Glasgow, Leeds, Bradford und Huddersfield, grĂ¶ĂŸere StĂ€dte mit eigenen Arbeitervierteln wie London (St. Giles), Manchester und Liverpool sowie die StĂ€dte Salford, Stalybridge, Ashton-under-Lyne, Stockport und Bolton. Nach seiner RĂŒckkehr im Sommer 1844[7] verarbeitete Engels die Thematik gemĂ€ĂŸ dem Untertitel des Werks "nach eigener Anschauung und authentischen Quellen“ auf knapp 400 Seiten,[5][8] die er von November 1844 bis Mitte MĂ€rz 1845 in Barmen niederschrieb. Die Auswertung seiner persönlichen EindrĂŒcke ergĂ€nzte er durch zeitgenössische Quellen wie Zeitungsartikel, Berichte amtlicher Kommissionen wie Inspektionen und wissenschaftliche Publikationen.[2][9] Die Quellen lassen sich unterteilen in statistische Daten aus soziografischen Untersuchungen privater und regierungsamtlicher Natur sowie Zeugnisse, Analysen und Traktate bĂŒrgerlicher Autoren,[10] die nicht im Verdacht stehen, Chartisten oder Sozialisten zu sein, vor allem Thomas Carlyle.[1] Carlyle war in gewisser Weise eine „InitialzĂŒndung“ fĂŒr Engels und seine Darstellung der englischen Arbeitersituation, indem Carlyle in seinen Schriften â€“ etwa Chartism (1839) und Past and Present (1843) â€“ argumentierte, die „fĂŒhrenden Klassen“ wĂŒrden sich im Zuge einer „politischen SelbsttĂ€uschung“ systematisch weigern, „die FĂŒhrung zu ĂŒbernehmen“[1] und wĂ€ren demnach unfĂ€hig, „noch lĂ€nger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben“.[11] Neben den genannten Quellen verwendete Engels auch Passagen aus seinem Werk Die Lage Englands[12] aus dem Jahr 1844[5] sowie Textteile aus der Studie ĂŒber die Manufacturing Population of England (1832) von Peter Gaskell fĂŒr die Entwicklungsgeschichte des Proletariats.[1]

„Ich habe lange genug unter euch gelebt, um einiges von euren LebensumstĂ€nden zu wissen; ich habe ihrer Kenntnis meine ernsteste Aufmerksamkeit gewidmet; ich habe die verschiedenen offiziellen und nichtoffiziellen Dokumente studiert, soweit ich die Möglichkeit hatte, sie mir zu beschaffen â€“ ich habe mich damit nicht begnĂŒgt, mir war es um mehr zu tun als um die nur abstrakte Kenntnis meines Gegenstandes, ich wollte euch in euren Behausungen sehen, euch in eurem tĂ€glichen Leben beobachten, mit euch plaudern ĂŒber eure Lebensbedingungen und Schmerzen, Zeuge sein eurer KĂ€mpfe gegen die soziale und politische Macht eurer UnterdrĂŒcker.“

– Engels, S. 229

UrsprĂŒnglich war die Verarbeitung der EindrĂŒcke der England-Reise „nur als einzelnes Kapitel einer umfassenderen Arbeit ĂŒber die soziale Geschichte Englands“ geplant.[13] Im Vorwort der deutschen Erstausgabe rĂ€umt er jedoch ein, dass er sich durch die „Wichtigkeit“ des Gegenstands gezwungen sah, diesem eine selbststĂ€ndige Bearbeitung zu widmen: „Einerseits, um den sozialistischen Theorien, andrerseits, um den Urteilen ĂŒber ihre Berechtigung einen festen Boden zu geben“[13][14] Engels beabsichtigte mit seinem Werk „die VerhĂ€ltnisse und ZustĂ€nde wahrheitsgmĂ€ĂŸ â€“ und das heißt in der objektivierten Form der Zahlen, Tabellen und Statistiken â€“ offen zu legen“, was die Bourgeoisie bis dahin versĂ€umt hĂ€tte. Demnach erscheine es schlĂŒssig, dass die „Untersuchungsergebnisse der Regierungskommissionen, der jĂ€hrlichen Inspektionsberichte und verschiedenster sozialmedizinischer Abhandlungen“ großzĂŒgig zitiert wurden.[1] DarĂŒber hinaus beschrĂ€nkte sich Engels nicht auf die Darstellung der Ausbeutung in den Fabriken, sondern beschreibt auch die LebensumstĂ€nde. Er zeigt die gesamte Bandbreite proletarischer Existenz: Gesundheit, Wohnen, Alkoholismus, KriminalitĂ€t, Kinder- und Frauenarbeit sowie die Ausbeutung durch das Truck- und Cottagesystem. Diese Kernthemen finden sich in zahlreichen Abschnitten des Werkes.[15]

Strukturell gibt Engels in der Einleitung zunĂ€chst eine EinfĂŒhrung in die Thematik der Industriellen Revolution. Er geht ĂŒber zur Entstehung des industriellen Proletariats und dessen LebensumstĂ€nden in den großen StĂ€dten. Er beschreibt die scharfe Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt und bringt dies in Verbindung mit der irischen Einwandererwelle. Anschließend befasst er sich mit den Arbeitszweigen und TĂ€tigkeiten der Arbeiter und deren gesundheitlichen und sozialen Folgen. Als logische Schlussfolgerung der dargestellten LebensverhĂ€ltnisse analysiert Engels die englischen Arbeiterbewegungen. Nach ErlĂ€uterungen zum Bergwerks- und Ackerbauproletariat beschreibt er abschließend die Stellung der Bourgeoisie zum Proletariat. Nach Engels Schlussfolgerungen wird „der Krieg der Armen gegen die Reichen, der jetzt schon im einzelnen und indirekt gefĂŒhrt wird, [
] auch im allgemeinen, im ganzen und direkt in England gefĂŒhrt werden.“[16]

Veröffentlichungsgeschichte

Erstmals veröffentlicht wurde die deutschsprachige Schrift 1845 in Leipzig von Otto Wigand, 1848 folgte eine zweite Auflage. 1887 erschien in New York eine von Engels autorisierte englische Übersetzung, der auf Bitte der Übersetzerin Florence Kelley Wischnewetzky ein Vorwort und ein Anhang Engels’ beigefĂŒgt wurde. Diese Übersetzung wurde 1892 von „Swan Sonnenschein & Co“ in London neu aufgelegt, wobei das Vorwort der amerikanischen Auflage weggelassen wurde, da es sich vornehmlich mit der „modernen amerikanischen Arbeiterbewegung“ befasste, und nicht nĂ€hergehend mit dem eigentlichen Buchinhalt. Den Anhang der amerikanischen Ausgabe, welcher das ursprĂŒngliche Vorwort darstellte, verwendete Engels fĂŒr das englische Vorwort. Ebenfalls 1892 erschien in Stuttgart eine zweite deutschsprachige, von Johann Heinrich Wilhelm Dietz veröffentlichte Ausgabe, die von Engels durchgesehen und teilweise mit Fußnoten versehen wurde. Diese Veröffentlichung wurde ebenfalls mit einem auf dem englischen Vorwort basierenden deutschsprachigen Vorwort von Engels versehen. 1903 und 1913 wurde die Schrift erneut von Dietz aufgelegt. Neben den beiden Schriften Der deutsche Bauernkrieg und Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie war Die Lage der arbeitenden Klasse in England das einzige Werk von Engels, welches von den BĂŒcherverbrennungen der Nationalsozialisten 1933 ausgenommen war. Das Marxists Internet Archive stellt das Werk in insgesamt neun Sprachen zur VerfĂŒgung. Im Onlinekatalog der Deutschen Nationalbibliothek finden sich etwa 45 Veröffentlichungen der Schrift, beginnend mit dem Jahr 1848 und endend mit 1993. Die Oxford University Press legte die Schrift 1999 erneut auf.

Einordnung in Engels’ Werk

Engels als junger Mann

Bereits im Alter von 22 Jahren reiste Engels, Sohn eines Textilfabrikanten, nach Manchester und lernte unter anderem in einer Baumwollspinnerei das Leben der Arbeiter kennen. Seine politische Haltung wurde auf Lebenszeit geprĂ€gt, und er begann sich mit Arbeiterorganisationen zu verstĂ€ndigen, unter anderem dem Bund der Gerechten und den Chartisten in Leeds. Nachdem er seinem langjĂ€hrigen Wegbegleiter Karl Marx im Jahr 1842 schon frĂŒh begegnet war, entwickelte sich eine andauernde Freundschaft. Ein anhaltender Briefwechsel und ein Treffen im August 1844 zeugten von gleichen gesellschaftlichen Ansichten â€“ die Grundlage fĂŒr zahlreiche gemeinsame Publikationen.

Mit der sozialkritischen Darstellung in Die Lage der arbeitenden Klasse in England fundamentierte Engels seine Gesellschaftskritik erstmals in einer Veröffentlichung, deren wirtschaftliche Dimension er zuvor in seiner Kritik der ökonomischen Kategorien in den Deutsch-Französischen JahrbĂŒchern (seit 1844) und in Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie (1844) ausformuliert hatte. Engels verarbeitet in seinem Werk AnsĂ€tze der Theorie der Arbeiterbewegung und des Klassenkampfs. Es genĂŒgt ihm nicht, moralische Kritik zu Ă€ußern. Er formuliert den unversöhnlichen Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie als notwendiges Resultat kapitalistischer Arbeitsteilung und liberalen Konkurrenzdenkens, das zwangsweise in eine revolutionĂ€re Lösung mĂŒnde. Die Lage der arbeitenden Klasse in England sollte besonders durch seine empirische AusfĂŒhrlichkeit wegbereitend sein fĂŒr die ökonomische und revolutionĂ€re Theorie des Marxismus von Marx.[2] Da in den Augen von Marx und Engels „die englischen Arbeiter die erstgeborenen Söhne der modernen Industrie“ waren, sah man in den dortigen VerhĂ€ltnissen die ersten AusprĂ€gungen einer Entwicklung, die fĂŒr die Arbeits- und Lebensbedingungen in vielen weiteren LĂ€ndern maßgeblich sein wĂŒrde.[17]

FĂŒr Marx war Engels mit Die Lage der arbeitenden Klasse in England auf „anderm Wege [
] zu demselben Resultat gelangt“ wie er selbst, was sie schließlich dazu bewegte, in der unveröffentlichten Schrift Die deutsche Ideologie (1845) ihre „Ansicht gegen die ideologische der deutschen Philosophie gemeinschaftlich auszuarbeiten“ und um mit ihrem „ehemaligen philosophischen Gewissen“ abzurechnen.[18] Die Thesen ĂŒber Feuerbach und Die deutsche Ideologie gelten oftmals als jene Schriften, welche erstmals die GrundzĂŒge der marxschen und engelschen materialistisch-dialektischen, kritischen Theorie beinhalten.

Der Arbeit am gegenseitigen TheorieverstĂ€ndis folgten ab 1847 die Vorbereitungen zum Manifest der Kommunistischen Partei (1848), das als Programmschrift vom Bund der Kommunisten in Auftrag gegeben und in der Programmskizze GrundsĂ€tze des Kommunismus (1847) vorbereitet wurde. Nach der niedergeschlagenen MĂ€rzrevolution 1848/49 in Deutschland flĂŒchtete Engels ĂŒber die Schweiz nach England und verbrachte den Rest seines Lebens dort. Er veröffentlichte weiter Schriften, die sich immer wieder mit sozialen und gesellschaftlichen Themen beschĂ€ftigten, so etwa Revolution und Konterrevolution in Deutschland (1851 bis 1852) oder Zur Wohnungsfrage (1872).

Inhaltliche Darstellungen und Kernaussagen

Die Industrielle Revolution in England

Die wirtschaftlichen UmwĂ€lzungen in England zur Zeit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert fĂŒhrten durch die Teilung der Arbeit, die Nutzung der Wasser- und besonders der Dampfkraft und die Maschinisierung[19] auch zu gesellschaftlichen VerĂ€nderungen. Die Industrialisierung des Wirtschaftssektors im Übergang von der manufakturellen Agrargesellschaft zur fabrizierenden Industriegesellschaft hatte zur Folge, dass die meisten familiĂ€ren Manufakturbetriebe im lĂ€ndlichen Raum vor dem Aus standen. Diese Entwicklung traf zahlreiche Gewerke; Engels beschreibt sie anhand der Weber: Vor der Industrialisierung fĂŒhrten die Weber laut Engels ein selbstbestimmtes Leben in der NĂ€he der StĂ€dte. Die Frauen spannen das Garn, das die MĂ€nner verwebten oder das auf dem Markt verkauft wurde. Der rasche Bevölkerungszuwachs ließ eine entsprechende Nachfrage nach Textilien entstehen, sodass der Lohn dafĂŒr ausreichte, ĂŒber die Existenzsicherung hinaus Geld zu sparen. Durch diese UmstĂ€nde war der Weber dem spĂ€teren Industrie-Proletarier in der gesellschaftlichen Hierarchie ĂŒbergeordnet.[20]

Modell einer Spinning Jenny

„Auf diese Weise vegetierten die Arbeiter in einer ganz behaglichen Existenz [
], ihre materielle Stellung war bei weitem besser als die ihrer Nachfolger; sie brauchten sich nicht zu ĂŒberarbeiten,[
] und verdienten doch, was sie brauchten, [
] Ihre Kinder wuchsen in der freien Landluft auf, und wenn sie ihren Eltern bei der Arbeit helfen konnten, so kam dies doch nur dann und wann vor, und von einer acht- oder zwölfstĂŒndigen tĂ€glichen Arbeitszeit war keine Rede.“

– Engels, S. 238

Mit dem einsetzenden Reigen von Erfindungen und mechanischen Verbesserungen wurde die Lebensweise der Weber zunehmend in Frage gestellt. 1764 entwickelte James Hargreaves in Nord-Lancashire die Spinning Jenny. Ein Arbeiter konnte damit bis zu 8 Spindeln gleichzeitig statt der einen des ursprĂŒnglichen Spinnrads bedienen. Die mechanische Kraft der Dampfmaschine ĂŒbertraf die Arbeitskraft eines Menschen um ein Vielfaches und fĂŒhrte insbesondere auf dem Land zusammen mit steigenden Pachtzinsen zu einer flĂ€chendeckenden Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig konnte durch die neuen Produktionsdimensionen vor allem bei Nahrungsmitteln ein Bevölkerungswachstum ohnegleichen stattfinden.[21]

Die erwerbslos gewordenen Menschen in den Gewerken des Manufakturwesens, insbesondere die Weber und Spinner, sahen in den wachsenden StĂ€dten und den dortigen Fabriken mit zahlreichen ArbeitsplĂ€tzen den Ausweg und wanderten zu Hunderten in die Arbeiterviertel. Diese entstanden uniform mit engem Straßennetz und einfachen ArbeiterhĂ€usern wie den Back-to-Back Houses. Die StĂ€dte verĂ€nderten ihr Stadtbild im Zuge der Zentralisierung der Industrie mit weitreichenden Folgen fĂŒr die Lebensbedingungen der Menschen und deren Zusammenleben sowie fĂŒr die Umwelt.

Das Proletariat

Systematisierung der Arbeiterschaft

Engels unterzieht die Arbeiterschaft einer groben Kategorisierung, wobei er zwischen dem Industriellen Proletariat, dem Bergwerksproletariat und dem Ackerbauproletariat unterscheidet.[22] Die einzelnen Proletariergruppierungen stehen miteinander im Zusammenhang: Die entstehende Industrie erfordert zum einen Arbeiter, welche die Rohstoffe verarbeiten â€“ das Industrielle Proletariat. Zum anderen musste die Versorgung der Maschinen in den Fabriken mit fossilen Brennstoffen gewĂ€hrleistet sein, sodass mit dem Bergwerksproletariat eine eigene Arbeiterschaft entstand. Beide Gruppierungen sind durch entsprechende Arbeitspensen nicht mehr in der Lage, die in der Vergangenheit verbreitete Selbstversorgung zu gewĂ€hrleisten. Die explodierende Nachfrage nach Nahrungsmitteln ließ das Ackerbauproletariat entstehen, das die Produktion von Lebensmitteln organisiert und im großen Maßstab durchfĂŒhren kann. Engels fĂŒhrt in seiner Untersuchung der Folgen der englischen Industrialisierung außerdem die massive irische Einwanderschaft an, die wegen wirtschaftlicher Probleme und einer damit verbundenen Hungersnot im eigenen Land derart zahlreich in die englischen StĂ€dte immigrierte, dass Engels sie als eigene Arbeiterschaft ausweist.

Als klassischer Vertreter des Proletariats wird der Fabrikarbeiter beschrieben, der seine Arbeitskraft durch die steigende Arbeitslosigkeit auf dem Land in den Fabriken der StĂ€dte entlohnt. Diese Klasse sei „die zahlreichste, Ă€lteste, intelligenteste und energischste, daher aber auch die unruhigste und der Bourgeoisie am meisten verhaßte von allen englischen Arbeitern“.[23] Sie fand vor allem in der Textil- und der Metallindustrie BeschĂ€ftigung in zahlreichen Arbeitszweigen. In der Textilproduktion wurden insbesondere Seide, Wolle und Flachs hergestellt; deren Weiterverarbeitung brachte Arbeiter als Bleicher, Strumpfwirker, Spitzenfabrikanten, FĂ€rber, Handweber, Samtscherer, Seidenweber und Drucker zu Lohn. In der Metallverarbeitung wurden die Arbeiter, neben der Verarbeitung von metallenen Rohstoffen meist zur Erzeugung von Stahl, als Maschinenfabrikanten oder in der Produktion von Metallartikeln wie Messern, Schlössern, NĂ€geln, Stecknadeln und Schmuck eingesetzt.[24] Neben diesen verbreiteten TĂ€tigkeiten war auch eine Arbeit als Glasarbeiter, NĂ€her oder Töpfer gĂ€ngig.

Gesellschaftliche Stellung und VerhÀltnis zur Bourgeoisie

Pyramid of Capitalist System: Die Arbeiterschaft ohne Rechte und Grundversorgung als TrĂ€ger einer von Geld dominierten Gesellschaft, wĂ€hrend die oberen Gesellschaftsschichten ĂŒber sie entscheiden und sie demĂŒtigen

Engels sieht die Masse der Arbeiter als fundamentales GegenstĂŒck der besitzenden Bourgeoisie und fundiert mit seinen Beschreibungen den gesellschaftlichen Ansatz des Kommunismus. Die grundsĂ€tzliche Kritik beschreibt den Kapitalismus als zentralisierte Industrie in der Verantwortlichkeit von nur wenigen Vermögenden. Sie erfordere „große Kapitalien, mit denen sie kolossale Etablissements errichtet und dadurch die kleine, handwerksmĂ€ĂŸige Bourgeoisie ruiniert“. Engels beschreibt die Mittelklasse als Produkt der „kleinen Industrie“ und die Arbeiterklasse als Ergebnis der „großen Industrie“, wobei einige „AuserwĂ€hlte der Mittelklasse auf den Thron“ gehoben worden seien.[25] Engels bezieht bei seiner Betrachtung der Bourgeoisie die Aristokratie mit ein, obwohl diese im Gegensatz zu den Besitzenden nur mit ackerbauendem Proletariat und einem Teil der bergbauenden Arbeiter in BerĂŒhrung kommt. Die Bourgeoisie sei direkt fĂŒr das Leid der schwer arbeitenden Bevölkerung verantwortlich. In der bĂŒrgerlichen Gesellschaft sei das Geldmachen bzw. Kapitalakkumulation die Sonne, um die sich alles drehe.

„Mir ist nie eine so tief demoralisierte, eine so unheilbar durch den Eigennutz verderbte, innerlich zerfressene und fĂŒr allen Fortschritt unfĂ€hig gemachte Klasse vorgekommen wie die englische Bourgeoisie. [
] FĂŒr sie existiert nichts in der Welt, was nicht nur um des Geldes willen da wĂ€re, sie selbst nicht ausgenommen, denn sie lebt fĂŒr nichts, als um Geld zu verdienen, sie kennt keine Seligkeit als die des schnellen Erwerbs, keinen Schmerz außer dem Geldverlieren. [
] Und wenn der Arbeiter sich nicht in diese Abstraktion hineinzwĂ€ngen lassen will, [
] wenn er sich einfallen lĂ€ĂŸt zu glauben, er brauche sich nicht [
] als Ware im Markte kaufen und verkaufen zu lassen, so steht dem Bourgeois der Verstand still. Er kann nicht begreifen, daß er mit den Arbeitern noch in einem andern VerhĂ€ltnis steht als in dem des Kaufs und Verkaufs, [
] er erkennt keine andere Verbindung, wie Carlyle sagt, zwischen Mensch und Mensch an, als bare Zahlung.“

– Engels, S. 486f.[26]

Die allseitige Konkurrenz sei der vollkommenste Ausdruck des herrschenden Krieges Aller gegen Alle in der bĂŒrgerlichen Gesellschaft. Nicht nur zwischen den Klassen, sondern auch innerhalb dieser Klassen konkurrierten die Menschen. Das VerhĂ€ltnis zwischen Proletariat und Bourgeoisie sei kein menschliches, sondern ein rein rational ökonomisches. Der Fabrikarbeiter sei nichts als Kapital fĂŒr den Kapitalisten; seine HĂ€nde sein einziges Gut. Nur durch die Anwendung von Arbeitern mehre der Unternehmer sein Kapital, und er kaufe nur Arbeiter, wenn ihm diese einen Gewinn bescherten. Dies bedinge, dass der Lohn des Arbeiters um das Existenzminimum herum schwanke â€“ je nachdem ob gerade periodische AufschwĂŒnge oder Krisen vorherrschten und so mehr oder weniger Nachfrage nach ArbeitskrĂ€ften unter den Kapitalisten bestehe â€“ oder er ĂŒberhaupt keine Arbeit finde. „Schöne Freiheit, wo dem Proletarier keine andere Wahl bleibt, als die Bedingungen, die ihm die Bourgeoisie stellt, zu unterschreiben oder â€“ zu verhungern, zu erfrieren, sich nackt bei den Tieren des Waldes zu betten!“[27] Engels bezeichnet das VerhĂ€ltnis als Sklaverei und Ausbeutung; der Mensch werde auf den Wert seiner Arbeitskraft reduziert, der wie der Wert jeder anderen Ware bestimmt wird, und die nur gekauft wird, wenn sie dem Besitzer wie jede andere Ware von Nutzen ist.[28]

„Der Arbeiter ist rechtlich und faktisch Sklave der besitzenden Klasse, der Bourgeoisie, so sehr ihr Sklave, daß er wie eine Ware verkauft wird, wie eine Ware im Preise steigt und fĂ€llt. Steigt die Nachfrage nach Arbeitern, so steigen die Arbeiter im Preise; fĂ€llt sie, so fallen sie im Preise; fĂ€llt sie so sehr, daß eine Anzahl Arbeiter nicht verkĂ€uflich sind, ‚auf Lager bleiben‘, so bleiben sie eben liegen, und da sie vom bloßen Liegen nicht leben können, so sterben sie Hungers. [
] Der ganze Unterschied gegen die alte, offenherzige Sklaverei ist nur der, daß der heutige Arbeiter frei zu sein scheint, weil er nicht auf einmal verkauft wird, sondern stĂŒckweise, pro Tag, pro Woche, pro Jahr, und weil nicht ein EigentĂŒmer ihn dem andern verkauft, sondern er sich selbst auf diese Weise verkaufen muß, da er ja nicht der Sklave eines einzelnen, sondern der ganzen besitzenden Klasse ist.“

– Engels, S. 310

Karikatur aus der englischen Zeitschrift Punch, 1843: „CAPITAL AND LABOUR“

Engels bezichtigt die Bourgeoisie der „WohltĂ€tigkeitsheuchelei“. Statt sich mit den LebensumstĂ€nden der Arbeiter auseinanderzusetzen, erkaufe sie sich durch WohltĂ€tigkeitsaufwendungen wie Steuern und Almosen das Recht, sich das offensichtliche Leid des Proletariats zu ersparen. Ihre Missachtung der Arbeiterschaft werde auch in der Frage der Korngesetze deutlich. Bei der deutlichen UnterstĂŒtzung der Anti-Corn Law League und der Forderung nach Abschaffung der Korngesetze sehe sie nur ihren eigenen Vorteil, weil mit Wegfall der Getreidezölle und der einhergehenden Liberalisierung des Getreidemarktes die Arbeitslöhne sinken wĂŒrden. Nach außen hin propagierten sie hingegen, die Forderungen nur des Wohls der Arbeiter wegen zu stellen, die mit Wegfall der Kornzölle mit geringeren Lebensmittelpreisen rechnen könnten.[29]

Neben einzelnen Großindustriellen sei auch die „Justiz der Bourgeoisie“ den Armen gegenĂŒber parteilich und herabwĂŒrdigend eingestellt. WĂ€hrend ein Besitzender seine Schuld mit einer Geldbuße ausgleichen könne, mĂŒsse der Arbeiter dafĂŒr, egal ob schuldig oder unschuldig, aus Mangel an Beweisen eine Strafe erleiden.[30] Engels kritisiert weiterhin die Malthussche Theorie der Population,[31] die besagt, dass das menschliche Geschlecht blind dem Gesetz der unbegrenzten Vermehrung gehorche, wĂ€hrend sich die Unterhaltsmittel nicht notwendigerweise mit denselben Proportionen vermehren. Die so entstehenden â€žĂŒberflĂŒssigen“ Menschen seien nicht aufseiten der Arbeiter zu suchen, sondern bei den „reichen Herren Kapitalisten, die nichts tun [
]“. Das resultierende Neue Armengesetz, wonach die UnterstĂŒtzung in Geld oder Lebensmitteln wegfĂ€llt und durch Aufnahme in eines der ArbeitshĂ€user (engl. workhouses) ersetzt wird, sei eine Zumutung an die Menschlichkeit.[32]

Arbeiterviertel

Slum in Glasgow, 1871

Obwohl mit der Expansion der StĂ€dte ganze Arbeiterviertel neu entstanden, herrschte Wohnungsmangel. Bei der Errichtung der UnterkĂŒnfte war den Bauherren lediglich die Funktion des Wohnens erachtenswert, von spĂ€teren stadtsoziologischen Errungenschaften wie etwa der Gartenstadt konnte keine Rede sein. Das Fehlen von Wasserversorgung und Kanalisation und die platzsparende, effiziente Bauweise ließ die Viertel zu dunklen, feuchten und unhygienischen Orten werden. Die Ursache fĂŒr die VerhĂ€ltnisse in den Vierteln sieht Engels vor allem in deren allgemeiner Bauart. Die zunĂ€chst planlosen, spĂ€ter zwar strukturierten, aber immer nicht lebenswerten Bauformen beschreibt Engels als endloses Labyrinth enger Gassen, welche kaum Raum fĂŒr Ventilation lassen und im krassen Kontrast zu bĂŒrgerlichen WohnverhĂ€ltnissen stehen â€“ die fortschreitende Segregation von Bourgeoisie und Arbeiterklasse sieht Engels als wesentliches Charakteristikum.[33]

Allgemeine Bauart

Engels beschreibt drei verschiedene Strukturen der Bebauung. Die erste und primitivste Form der Bebauung war hĂ€ufig unkoordiniert, ohne sich blockĂŒbergreifend um Stadt- und Infrastruktur zu sorgen, und fĂŒgte sich in freie BauflĂ€chen. Engels sieht die von ihm vorgefundenen Stadtbilder nicht als Resultat fortwĂ€hrender Stadtentwicklung, sondern benennt als Ursache den Zustrom der Arbeiter im Zuge der Industriellen Revolution und die damit einhergehende planlose Bauart.[34]

Arbeiterviertel mit geordneter Bauweise in London, 1870

„[
] die Verwirrung ist in neuerer Zeit erst auf die Spitze getrieben worden, indem ĂŒberall, wo die ganze Bauart der frĂŒheren Epoche noch ein Fleckchen Raum ließ, spĂ€ter nachgebaut und angeflickt wurde, bis endlich zwischen den HĂ€usern kein Zoll breit Platz blieb, der sich noch hĂ€tte verbauen lassen.“

– Engels, S. 281

SpĂ€ter etablierten sich auch geordnete Bauweisen, die durch lange gerade Gassen und Sackgassen geprĂ€gt sowie in viereckige Höfe aufgeteilt waren. Jedoch beschreibt Engels, dass anstelle der HĂ€user, die ohne Plan die Struktur bestimmen, nun die kleinen Gassen und Höfe das Bild prĂ€gen. Diese seien ebenso planlos und verwirrend angelegt und enden nicht selten in Sackgassen. Auch diese Bauart erschwert die Ventilation in den Straßen.

Als zweite Art der Strukturierung fĂŒhrt Engels spĂ€tere BemĂŒhungen an, die Arbeiterviertel planmĂ€ĂŸiger zu gestalten. Man versuchte, den Raum zwischen den Straßen regelmĂ€ĂŸiger zu unterteilen, indem man ihn in rechteckige RĂ€ume unterteilte. Die HĂ€user bilden somit zusĂ€tzlich Höfe und beschließen diese, wo sie sich an der RĂŒckseite tangieren. Doch kritisiert Engels auch diese Art der Planung. Die Höfe der HĂ€user weisen keinen direkten Zugang zur Straße auf, was die Arbeiter in ihre Höfe „einsperrt“ und wiederum den Luftfluss behindere.[35]

Als dritten Bautypus beschreibt Engels die dreigliederige Bauweise, wo das Prinzip der Mietdifferenzierung angewandt wird. Dabei bilden Wohnungen mit kleinem Hinterhof pro Mieteinheit die erste Baureihe mit entsprechend höherem Mietertrag fĂŒr den Verwalter. Hinter den Höfen ist eine sogenannte „Hintergasse“ angelegt, welche nur eine Verbindung zur Straße vorweist und somit ausschließlich als Zugang zu den HĂ€usern mit den geringsten Mieten dient (Mittelreihe). An deren rĂŒckwĂ€rtiger Front grenzt die dritte Reihe, welche zur entgegengesetzten Seite der Straße gerichtet ist und deren Mietpreise zwar höher als die der zweiten, jedoch geringer als die der ersten Reihe liegen.[35]

Hofbauart Dreigliedrige Bauweise

Vor allem die LebensumstĂ€nde der Bewohner der Mittelreihe stimmen Engels nachdenklich. Die Gassen weisen die gleiche Verschmutzung und schlechte Ventilation auf, wie die ursprĂŒnglich planlose Bauweise. Es sieht jedoch am Prinzip der Mietdifferenzierung ein gesteigertes Interesse auf Seiten der Verwalter, da sie hohe Mieten fĂŒr die erste Reihe erzielen können. Dieses System sei dementsprechend das am hĂ€ufigsten vertretende in den Arbeiterbezirken der großen IndustriestĂ€dte.[36]

„[
] so mĂŒssen wir sagen, daß dreihundertfĂŒnfzigtausend Arbeiter von Manchester und seinen VorstĂ€dten fast alle in schlechten, feuchten und schmutzigen Cottages wohnen, daß die Straßen, die sie einnehmen, meist in dem schlechtesten und unreinsten Zustande sich befinden [
], bloß mit RĂŒcksicht auf den dem Erbauer zufließenden Gewinn angelegt worden sind [
]“

– Engels, S. 294

Segregation

Durch das dargestellte VerhĂ€ltnis des Proletariats zur Bourgeoisie offenbart sich fĂŒr Engels im Zuge der Industrialisierung eine neue QualitĂ€t der Segregation. Bereits in der vorindustriellen Stadt war die Trennung nach sozialem Stand und Handwerksberufen die Regel. Die Besitzlosen wohnten jeweils im Haus ihrer Herrschaft, wo sie dem sozialen Stand des Familienoberhauptes angehörten; der Haushalt selbst umfasste ein breites soziales Spektrum.[37] Erst mit Einsetzen der Industrialisierung entstanden deutliche Muster rĂ€umlicher Segregation: WĂ€hrend das BĂŒrgertum auf Distanz zur dicht bewohnten, verkehrsreichen und lauten Stadt ging, bildeten sich in FabriknĂ€he die Arbeiterviertel fĂŒr das Proletariat. Die sozialen Folgen zeichnet Engels in dĂŒsteren Beschreibungen und beschreibt das Auftreten von Nachbarschaftseffekten (soziale Segregation): Die Arbeiter könnten unter diesen UmstĂ€nden kein ordentliches Leben fĂŒhren; vielmehr bilde sich ein Lumpenproletariat, das die Bewohner bei fehlender Moral gleichsam nach unten ziehe. Dies wirke sich insbesondere auf die Kinder aus, die keinerlei Chance auf Bildung und sozialen Aufstieg hĂ€tten,[38] sodass ein Teufelskreis ewiger Armut entsteht.

Neben dem Effekt der Verbreitung von Krankheiten sah Engels die Viertel als BrutstĂ€tte der Revolution. In den Arbeitervierteln könne die Propaganda der Arbeiterbewegungen und Parteien direkt kommuniziert werden und treffe gleichzeitig auf den NĂ€hrboden der UnterdrĂŒckung und Verelendung. Das BĂŒrgertum verschließe im Angesicht dessen die Augen. So sei es möglich, durch Manchester zu wandeln, ohne dem Elend der Arbeiterviertel zu begegnen, weil das Proletariat bewusst von der Mittelklasse getrennt werde. Im Zentrum der Stadt befinde sich das spĂ€rlich bewohnte kommerzielle Viertel, welches von Arbeitervierteln umgeben sei. Jenseits der Arbeiterviertel lĂ€gen die Wohngegenden der mittleren und höheren Bourgeoisie, welche durch Hauptstraßen, die sternförmig aus der Stadt herausfĂŒhrten, verbunden seien. Das erlaube der Bourgeoisie, das Zentrum der Stadt zu erreichen, ohne sich mit dem Anblick der Verwahrlosung zu belasten.[39]

„Oft freilich wohnt die Armut in versteckten GĂ€ĂŸchen dicht neben den PalĂ€sten der Reichen; aber im allgemeinen hat man ihr ein apartes Gebiet angewiesen, wo sie, aus den Augen der glĂŒcklicheren Klassen verbannt, sich mit sich selbst durchschlagen mag, so gut es geht.“

– Engels, S. 259

LebensverhÀltnisse

Die unattraktive Wohnsituation in den Arbeitervierteln bedeutete fĂŒr das Proletariat gleichzeitig einen herben Einschnitt in der allgemeinen LebensqualitĂ€t, die nach heutigen MaßstĂ€ben mit den VerhĂ€ltnissen in LĂ€ndern der Dritten Welt zu vergleichen ist. Die Situation in den Arbeitervierteln sei mitverantwortlich fĂŒr katastrophale Gesundheits- und HygienezustĂ€nde. Verbunden mit der mangelhaften Versorgung von Kleidung und Nahrung und der aus Wohnungsmangel resultierenden Überbelegung von Wohnraum avancierten die Viertel zu pauperistischen Elendsvierteln. FĂŒr Engels stellt sich die Arbeiterklasse der großen StĂ€dte in abgestuften Lebenslagen dar. Im gĂŒnstigsten Fall fĂŒhre der Arbeiter eine „temporĂ€r ertrĂ€gliche Existenz“, im schlimmsten drohe bitteres Elend „bis zur Obdachlosigkeit und dem Hungertode [
] der Durchschnitt liegt aber dem schlimmsten Falle weit nĂ€her als dem besten.“[40] Engels sieht die Massenarmut als konsequente Folge der Industrialisierung.[41] TatsĂ€chlich wurden arme Bevölkerungsschichten von der Industrialisierung auch angezogen.

Die sozialen MissstĂ€nde der Arbeiterviertel sollten erst mit Aufwerfen der Sozialen Frage Ende des 18. Jahrhunderts kritisch betrachtet werden. WĂ€hrend die Soziale Frage bereits zu Beginn der Industriellen Revolution durch die wachsende Bevölkerung, den Niedergang der alten Gewerbe und das Aufkommen der Fabrikindustrie gestellt wurde, sind es nun die Existenznot der Arbeiter und der ausufernde Pauperismus, die einer Lösung bedĂŒrfen. Bedingt durch die Arbeitsbedingungen, Frauen- und Kinderarbeit und insbesondere die Wohnsituation stellte sich die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit von Wohlstand wĂ€hrend der Industriellen Revolution immer wieder neu. Kritisiert wurden insbesondere die Auflösung sozialer Netze, die schlechten Arbeitsbedingungen, die ungenĂŒgende Wohnungssituation, die unzureichende gesellschaftliche Integration der Arbeiter, die Missachtung der bĂŒrgerlichen Öffentlichkeit sowie die Verelendung. Zwar gab es neben Engels Impulse der Wissenschaft, welche die Situation der Gesellschaft anhand von Fakten und Tatsachenberichten fundiert darstellten. Ein konkreter Fragesteller ist jedoch nicht auszumachen. Statt der Frage nach dem „Wer?“ muss eher nach dem „Woher?“ und „Warum?“ gefragt werden; die Antworten darauf werden im Folgenden dargestellt. Engels machte die soziale Frage spĂ€ter zur Wohnungsfrage, indem er die Ursache fĂŒr die schlechten Lebensbedingungen der Arbeiter vor allem am schlechten Zustand der Wohnungen und Arbeiterviertel festmacht.[42]

WohnverhÀltnisse

Karl Girardet: Visiting the poor, Paris, 1844

Die VerhĂ€ltnisse in den Wohnungen der Armenviertel beschreibt Engels beispielhaft anhand von Polizeiberichten und amtlichen Mitteilungen, den Ă€ußeren UmstĂ€nden entsprechend. Die hĂ€usliche Einrichtung sei meist auf das SpĂ€rlichste beschrĂ€nkt, zum Teil weil Möbel und GegenstĂ€nde fĂŒr Geld entĂ€ußert werden mĂŒssten;[43] selbst der Besitz eines Bettes oder Tisches sei die Ausnahme. Der Arbeiter selbst besitze so gut wie kein Eigentum.[40] In den meisten FĂ€llen sind die Wohnungen durch den Wohnungsmangel akut ĂŒberbelegt. FĂŒr Dublin zitiert Engels einen Bericht der Inspektoren des Arbeitshauses,[44] wonach im Jahr 1817 in der Barrack Street in 52 HĂ€usern mit 390 Zimmern 1.318 Personen und in der Church Street und Umgebung in 71 HĂ€usern mit 393 Zimmern 1.997 Menschen wohnten.[45] Daraus resultiert eine Belegung von drei bis fĂŒnf Personen pro Zimmer, also etwa eine Familie pro Zimmer.[40] Angesichts der deutlich höheren Belegungen etwa in Glasgow[46] erscheint dies fast human. FĂŒr Liverpool benennt Engels die durch den Wohnungsmangel verbreiteten Kellerwohnungen, von denen es allein in Liverpool 7.862 StĂŒck gab. In den „engen, dunklen, feuchten und schlecht ventilierten Kellern“ wohnen etwa 45.000 Menschen.[45] GĂ€ngig war auch die Vermietung von Hinterzimmern und -kammern. Denjenigen, denen keine feste Unterkunft gegeben war, blieb nur die Unterkunft in einem der LogierhĂ€user (engl. lodging-houses), die ebenfalls ĂŒberbelegt waren.

„[
] In den niedrigeren LogierhĂ€usern schlafen zehn, zwölf, ja zuweilen zwanzig Personen von beiden Geschlechtern und jedem Alter in verschiedenen Abstufungen der Nacktheit auf dem Fußboden durcheinander. Diese WohnstĂ€tten sind gewöhnlich [
] so schmutzig, feucht und verfallen, dass kein Mensch sein Pferd darin unterbringen möchte.“

– J. C. Symons, Regierungskommissar[47]

Die beengte Wohnsituation erschwere gleichzeitig das soziale Zusammenleben. FamilienzerrĂŒttungen, hĂ€usliche Zwiste und die allgemeine Wohn- und Lebenssituation wirkten auf Eheleute und Kinder „im höchsten Grade demoralisierend“. Engels bezichtigt Eltern der VernachlĂ€ssigung der hĂ€uslichen Pflichten und der Kinder, zum einen wegen der Dominanz des Arbeitsalltags, zum anderen durch die genannte Demoralisierung. Kinder, denen in Anbetracht fehlender RĂŒckzugsmöglichkeiten jeglicher Spielraum fĂŒr persönliche Entfaltung fehle und denen keinerlei Moral vermittelt werde, könnten im Erwachsenenalter erst recht nicht moralisch sein, wie es vom Bourgeois vorausgesetzt werde.[48]

Engels schlussfolgert aus den beispielhaften Beobachtungen nicht auf die Gesamtheit der Arbeiter, rĂ€umt jedoch ein, dass „Tausende von fleißigen und braven Familien, viel braver, viel ehrenwerter als sĂ€mtliche Reiche von London, in dieser eines Menschen unwĂŒrdigen Lage sich befinden“.[49]

ErnÀhrung und Kleidung

Bekleidung von Proletariat und Bourgeoisie. Zeichnung aus dem englischen Magazin Punch, 1870

Mitverantwortlich fĂŒr die verheerende Situation ist der Mangel an Kleidung und Nahrung, welche wiederum der proletarischen Geldknappheit geschuldet ist. Engels beschreibt die Kleidung der Arbeiter als „in sehr schlechtem Zustande“. Sie sei von billiger Baumwolle geprĂ€gt, deren Beschaffenheit Engels im feuchten englischen Klima als ungeeignet empfindet. Die lumpenartigen, zerschlissenen Kleider loszuwerden, bedeute fĂŒr die Arbeiter, minderwertige Neuware einkaufen zu mĂŒssen, die „‚nur aufs Verkaufen, nicht aufs Tragen gemacht ist‘ und nach vierzehn Tagen reißt oder fadenscheinig wird“. Oftmals bleibe den Arbeitern nichts weiter ĂŒbrig, als KleidungsstĂŒcke wieder und wieder zu flicken, „die oft gar nicht mehr flickfĂ€hig sind oder bei denen man vor lauter Flicken die ursprĂŒngliche Farbe gar nicht mehr erkennt“. Auf Schuhwerk mĂŒsse weitgehend ganz verzichtet werden.[50]

Wie bei der Kleidung mĂŒsse die arbeitende Bevölkerung auch bei der Nahrung mit dem Vorlieb nehmen, „was der besitzenden Klasse zu schlecht ist“. Obwohl in den großen StĂ€dten das Beste zur GenĂŒge vorhanden sei, bleibe es fĂŒr den Arbeiter unerschwinglich. Die Lohnauszahlung der Arbeiter erfolge zudem meist erst Sonnabendabend, wenn die MĂ€rkte bereits von der Mittelklasse leer gekauft worden seien.[50] Selbst Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, GemĂŒse, KĂ€se und Fleisch schĂ€tzt Engels als „alt [
] und schon halb faul“ ein. Den Arbeitern blieben meist nur die Waren, die bis Samstag um Mitternacht zu Spottpreisen verkauft wĂŒrden, da sie bis zum darauffolgenden Montag schlecht seien. „Was aber um zehn Uhr noch liegengeblieben ist, davon sind neun Zehntel am Sonntagmorgen nicht mehr genießbar und gerade diese Waren bilden den Sonntagstisch der Ă€rmsten Klasse.“ Besonders die Versorgung mit sensiblen Fleischwaren erweise sich als ĂŒberaus problematisch; Engels beschreibt anhand von Zeitungsberichten den profitorientierten Handel mit Gammelfleisch. Er berichtet außerdem von WarenfĂ€lschungen, etwa durch Zitat eines Berichts im Liverpool Mercury, einer Zeitung der Mittelklasse.[50] Demnach mĂŒssten die Arbeiter im Angesicht der Lebensmittelknappheit mit „gesalzener Butter [rechnen, die] fĂŒr frische verkauft“ werde. Zucker werde mit gestoßenem Reis und AbfĂ€llen der Seifensiedereien vermengt. Gemahlener Kaffee und Kakao werde mit feiner brauner Erde vermischt, TeeblĂ€tter mit SchlehenblĂ€ttern und Pfeffer mit Staub von HĂŒlsen. Portwein werde hauptsĂ€chlich aus Farbstoffen und Alkohol „geradezu fabriziert“.[50]

ArbeitsverhÀltnisse

Adolph von Menzel: Eisenwalzwerk (Moderne Cyklopen), 1872–1875.

In den Fabriken, wo die Menschen tagein tagaus ihr Dasein fristen, ergehe es den Arbeitern nicht besser. Sie mĂŒssten auf unterstem Lohnniveau arbeiten, da es durch die massive Landflucht ein Überangebot an Arbeitskraft gebe. Dazu kĂ€men unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig lange Arbeitszeiten von bis zu 16 Stunden[51] in Schicht- und teilweise auch in Nachtarbeit, selbst der Sonntag sei nicht fĂŒr alle ein freier Tag. Engels benennt die Situation wie folgt: „Die Sklaverei, in der die Bourgeoisie das Proletariat gefesselt hĂ€lt, kommt nirgends deutlicher ans Tageslicht als im Fabriksystem. Hier hört alle Freiheit rechtlich und faktisch auf.“[52]

Die Arbeit in den Fabriken wird von den Arbeitern zwar als „leicht“ empfunden, sie sei aber laut Engels „eben wegen ihrer Leichtigkeit erschlaffender als irgendeine andere“. Das andauernde Stehen bedeute eine Erschlaffung „aller KörperkrĂ€fte und [bringt] in deren Gefolge allerlei andere weniger lokale als generelle Übel hervor“.[53] Da die Arbeiter aus ExistenzgrĂŒnden gezwungen seien, jedwede Arbeit anzunehmen, könne es sich der Bourgeois leisten, jedwede Arbeitsbedingungen in Bezug auf die Gesundheit zu stellen mit entsprechenden Folgen. Engels beschreibt den Arbeitsalltag als despotisch: Die Arbeiter mĂŒssten sich genau an die willkĂŒrlich aufgestellten Fabrikregeln halten und bei Nichteinhalten mit schĂ€rfsten Sanktionen rechnen.[52] Da auch die Frauen Vollzeit in den Fabriken tĂ€tig waren, stellt Engels die Frage, „was soll da aus den Kindern werden?“[54] Engels sieht eine Auflösung der Familie und die Kinder „wachsen wild auf wie Unkraut“. Die Bourgeoisie wisse die Antwort und schicke die pubertierenden Kinder ebenfalls in die Fabriken. Mit ihren geschickten HĂ€nden offenbarten sie Fertigkeiten, die der gewöhnliche Arbeiter nicht bieten könne. Teilweise wĂŒrden ganze Kinderscharen aus den ArmenhĂ€usern als „Lehrlinge“ ĂŒber Jahre hinweg vermietet. Die Kinder stĂŒnden besonders unter dem Diktat der Aufseher, Engels spricht von Misshandlungen.[51]

Gesundheitliche Verfassung

Arbeiter mit HaltungsschÀden in einem Stahlwerk

Die schweren körperlichen TĂ€tigkeiten in den Fabriken gingen einher mit gesundheitlichen LangzeitschĂ€den. Der menschliche Körper resignierte unter der physischen und psychischen Belastung im Metallwerk oder der Textilfabrik: Die „dauernde aufrechte Stellung, dieser fortwĂ€hrende mechanische Druck des Oberkörpers auf RĂŒckgrat, HĂŒften und Beine bringt ganz notwendig die erwĂ€hnten Folgen hervor.“ Berichte der Kommission offenbaren eine ganze Reihe von Beschwerden, so etwa „[
] geschwollene Knöchel, varikose Adern oder große, hartnĂ€ckige GeschwĂŒre an den Schenkeln und Waden“.[53] Engels kritisiert außerdem die Luft in den Fabriken: „[
] feucht und warm, meist wĂ€rmer als nötig ist, und bei nicht sehr guter Ventilation sehr unrein, dumpfig und von geringem Sauerstoffgehalt, angefĂŒllt mit Staub und dem Dunst des Maschinenöls.“ Die regelmĂ€ĂŸigen Temperaturwechsel etwa nach Feierabend und mangelnde Möglichkeiten sich umzukleiden tĂ€ten ihr Übriges. FĂŒr Frauen zeichnet Engels ein noch schlimmeres Bild, die „Verbildungen [
] werden beim Weibe noch viel ernsthafter“. Verformte Becken, „teils durch unrichtige Lage und Entwicklung der Beckenknochen selbst, teils durch VerkrĂŒmmung des unteren Teils der WirbelsĂ€ule“ sind gĂ€ngig und fĂŒhren zum Beispiel dazu, dass Fabrikarbeiterinnen schwerer gebĂ€ren als andere Frauen.[55]

Aus den dargestellten LebensverhĂ€ltnissen ergibt sich zwangslĂ€ufig eine hohe gesundheitliche Belastung fĂŒr die arbeitende Bevölkerung, und damit verbunden eine geringe Lebenserwartung. Engels sieht die mangelhafte Luftzirkulation in den Vierteln und die Tatsache, dass „drittehalb Millionen Lungen und drittehalb hunderttausend Feuer, auf drei bis vier geographischen Quadratmeilen zusammengedrĂ€ngt, eine ungeheure Menge Sauerstoff verbrauchen“ als Ursache fĂŒr „körperliche und geistige Erschlaffung und Niederhaltung der Lebenskraft“ durch Sauerstoffmangel.[56] Allerdings ist diese Aussage kritisch zu betrachten: Zwar mag das Atmen der zahlreichen Stadtbevölkerung seinen Teil beigetragen haben. Das Unwohl der Menschen resultierte aber wohl aus der allgemein schlechten Luft. Engels zieht den Vergleich zur Landbevölkerung, die in einer „freien, normalen AtmosphĂ€re“ und somit gesĂŒnder leben als die Stadtbevölkerung.

Das Fehlen von Wasser sei weiterhin mitverantwortlich fĂŒr die gesundheitliche Verfassung der Arbeiter. Röhren wĂŒrden nur gegen Bezahlung verlegt und „die FlĂŒsse so verunreinigt, daß sie zu Reinlichkeitszwecken nicht mehr taugen“. Indem bereits beim Bau der Viertel zum Großteil bewusst auf Toiletten[57] und AbfallbehĂ€lter verzichtet wird, sind die Arbeiter gezwungen, „allen Abfall und Kehricht, alles schmutzige Wasser, ja oft allen ekelhaften Unrat und DĂŒnger auf die Straße zu schĂŒtten“.[56] Der gesundheitliche Zustand der Arbeiter ist fĂŒr Engels Resultat einer Vielzahl von Faktoren, die alle von der UnterdrĂŒckung des Proletariats ausgehen.

„Man gibt ihnen feuchte Wohnungen, Kellerlöcher, die von unten, oder Dachkammern, die von oben nicht wasserdicht sind. Man baut ihre HĂ€user so, daß die dumpfige Luft nicht abziehen kann. Man gibt ihnen schlechte, zerlumpte oder zerlumpende Kleider und schlechte, verfĂ€lschte und schwerverdauliche Nahrungsmittel. Man setzt sie den aufregendsten Stimmungswechseln [
] aus â€“ man hetzt sie ab wie das Wild und lĂ€ĂŸt sie nicht zur Ruhe und zum ruhigen Lebensgenuß kommen. Man entzieht ihnen alle GenĂŒsse außer dem Geschlechtsgenuß und dem Trunk, arbeitet sie dagegen tĂ€glich bis zur gĂ€nzlichen Abspannung aller geistigen und physischen KrĂ€fte ab.“

– Engels, S. 326f.

Es sei ganz folgerichtig, dass die ZustĂ€nde zu weitreichenden Krankheiten und Epidemien fĂŒhren mĂŒssen. Engels berichtet, dass die Arbeiter hĂ€ufig von Lungenkrankheiten betroffen seien, die vor allem aus den widrigen LuftverhĂ€ltnissen in den Vierteln resultierten. Er bemerkt, morgens auffĂ€llig vielen „schwindsĂŒchtig aussehenden Leuten“ zu begegnen.[58] Neben der Tuberkulose, anderen Lungenkrankheiten und dem Scharlachfieber sei Typhus weit verbreitet, was „die fĂŒrchterlichsten VerwĂŒstungen unter den Arbeitern anrichtet“. Die Krankheit schwillt regelmĂ€ĂŸig zu Epidemien heran; 1842 wurde in Schottland ein Sechstel der gesamten Arbeiterschaft befallen. Engels fĂŒhrt die AnfĂ€lligkeit der Arbeiter fĂŒr die Krankheit unter anderem auf die mangelhafte medizinische Versorgung der Ă€rmeren Bevölkerung zurĂŒck.[58] Der Mangel an vollwertigen Lebensmitteln fĂŒhrte bei zahlreichen Menschen zu VerkrĂŒppelungen. Fehlende Vitamine, NĂ€hrstoffe und Mineralien fĂŒhrten laut einem Bericht der Kommission zur VerkrĂŒmmung des RĂŒckgrats und der Beine.[59] Besonders Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren wĂŒrden vermehrt an Rachitis erkranken, obwohl Kinder in diesem Alter „gewöhnlich nicht mehr der Rachitis unterworfen sind“.

Arbeiterbewegungen

Robert Koehler: „Der Streik“. Preußen, 1886

FĂŒr Engels ist die logische Konsequenz der dargelegten VerhĂ€ltnisse ein Aufbegehren der arbeitenden Klasse. Er spricht vom „offenen sozialen Krieg“, welchen er als eine Reaktion der Arbeiter auf die Ausbeutung von Seiten der herrschenden Klasse sieht.[60]

„Die Arbeiter mĂŒssen sich also bestreben, aus dieser verlierenden Lage herauszukommen, [
] und dies können sie nicht tun, ohne gegen das Interesse der Bourgeoisie [
] anzukĂ€mpfen; die Bourgeoisie aber verteidigt ihr Interesse mit allen KrĂ€ften, die sie durch den Besitz und die ihr zu Gebote stehende Staatsmacht aufzuwenden imstande ist. Sowie der Arbeiter sich aus der jetzigen Lage der Dinge herausarbeiten will, wird der Bourgeois sein erklĂ€rter Feind.“

– Engels, S. 430

Die Entstehung von Arbeiterbewegungen datiert Engels kurz nach Beginn der Industriellen Revolution. Diese teilt er wiederum in drei Phasen ein. ZunĂ€chst nennt er das „Verbrechen“, den individuellen Protest mittels Diebstahls. Diesen bezeichnet Engels als „roh“ sowie „unfruchtbar“ und zu keiner Zeit als den „allgemeinen Ausdruck fĂŒr die öffentliche Meinung der Arbeiter“.[60] Die ersten ernst zu nehmenden oppositionellen Angriffe auf die Bourgeoisie bestehen laut Engels in den AnfĂ€ngen der gewaltsamen Proteste und Sabotagen, der MaschinenstĂŒrmerei, welche sich gegen das richten, was die „UnterdrĂŒckung“ erst ermöglichte, die Maschinen und Fabriken. Jedoch beschreibt Engels diese Proteste nur als vereinzelt und zu lokal, aber vor allem als zu beschrĂ€nkt, da sie sich ausschließlich gegen „eine einzige Seite der jetzigen VerhĂ€ltnisse“ richtete.[60]

Als klare Konsequenz fĂŒhrt Engels eine nachhaltigere Form der Opposition ins Feld, welche die dritte Phase der Arbeiterbewegungen prĂ€gte. Dazu half ein Gesetz, welches 1824 verabschiedet wurde und dem Arbeiter das „Recht der freien Assoziation“, also das Versammlungsrecht ermöglichte.[60] Das begĂŒnstigte die Ausweitung und Weiterentwicklung der bereits bestehenden Verbindungen, welche bis dahin nur im Geheimen agieren und sich somit nicht ausreichend entwickeln konnten. In jeglichen Arbeitszweigen entstanden solche Vereinigungen, die sogenannten trade unions. Diese hatten vor allem die Regulierung der Löhne und die Interessen der Arbeiter zum Ziel. Zu deren Einforderung erwies sich die Macht des Streiks als einzige Waffe. So nennt Engels die gemeinsame Opposition gegen willkĂŒrliche LohnkĂŒrzungen des Fabrikanten im Zuge des fordernden Wettbewerbs.[60] Engels beschreibt die Geschichte des Aufbegehrens seitens der trade unions jedoch in erster Linie als „eine lange Reihe von Niederlagen“.

„Diese Strikes sind [
] erst VorpostenscharmĂŒtzel, zuweilen auch bedeutendere Gefechte; sie entscheiden nichts, aber sie sind der sicherste Beweis, daß die entscheidende Schlacht zwischen Proletariat und Bourgeoisie herannaht.“

– Engels, S. 441.

Kundgebung der Chartisten im Jahr 1848 in London

In den gewerkschaftlichen Ideen des Chartismus sieht Engels eine vielversprechende Weiterentwicklung bestehender Proteste und damit die Grundlage einer selbststĂ€ndigen britischen Arbeiterbewegung, die allerdings ebenfalls hinter den Erfordernissen eines modernen Sozialismus’ zurĂŒckbleibe. Der Chartismus trat fĂŒr die Volkscharta (engl. people’s charter) ein, also fĂŒr das Gesetz des Proletariats. Er ist als Opposition zur Bourgeoisie zu verstehen[61] und fordert die sechs zentralen Punkte der Volkscharta:

„1. Das allgemeine Stimmrecht fĂŒr jeden mĂŒndigen Mann, der bei gesundem Verstande und keines Verbrechens ĂŒberfĂŒhrt ist; 2. jĂ€hrlich zu erneuernde Parlamente; 3. DiĂ€ten fĂŒr die Parlamentsmitglieder, damit auch Unbemittelte eine Wahl annehmen können; 4. Wahlen durch Ballotage, um Bestechung und EinschĂŒchterung durch die Bourgeoisie zu vermelden; 5. gleiche Wahldistrikte, um gleich billige ReprĂ€sentation zu sichern, und 6. Abschaffung der â€“ ohnehin illusorischen â€“ ausschließlichen WĂ€hlbarkeit derjenigen, die 300 Pfd. Sterling in Grundbesitz haben, so daß jeder WĂ€hler auch wĂ€hlbar ist.“

– Engels, S. 444f.

Die Wichtigkeit dieser sechs Forderungen stand fĂŒr Engels außer Frage, so wĂŒrden diese ausreichen, die Grundfeste der englischen Klassen zu erschĂŒttern. Die Chartisten wollten sie um jeden Preis durchsetzen. Auch der soziale Aspekt der Bewegung des Chartismus, welcher sich in seinem VerstĂ€ndnis als vorwiegend politisch begreift, wird von Engels thematisiert. So ging es nicht ausschließlich um politische Mitbestimmung. Diese sollte vor allem als Mittel dienen, um den wahren Zweck, eine grundlegende Änderung der bestehenden Ordnung, hervorzurufen.[61]

Die Startschwierigkeiten der Arbeiterbewegungen werden laut Engels durch allgemeine Probleme der neuen Industriegesellschaft ergĂ€nzt. So wĂŒrde das Gesetz von Angebot und Nachfrage grĂ¶ĂŸere VerĂ€nderungen auf dem Arbeitsmarkt, wie beispielsweise Krisen, nicht abfangen können. Doch sind trotz alledem Streiks an der Tagesordnung, was Engels beweist, dass der soziale Krieg England bereits in erstaunlichem Maße erfasst hat. Dies ließe GrĂ¶ĂŸeres erwarten, namentlich die bereits formulierte soziale Frage, welche unweigerlich zum sozialen Krieg fĂŒhre.[62]

Rezeption und Nachwirkung

SpĂ€tere EinschĂ€tzung Engels’

Im Vorwort der englischen Ausgabe von 1892 rĂ€umte Engels selbst ein, das Werk trage „den Stempel der Jugend im guten wie im schlechten“. Er bemerkte zudem, dass sich der „allgemein theoretische Standpunkt des Buches â€“ in philosophischer, ökonomischer und politischer Beziehung â€“ sich keineswegs genau deckt“ mit seinen Ansichten im Jahr 1892, also 47 Jahre nach der Veröffentlichung.[63] Er betonte jedoch, dass der Text in spĂ€teren Ausgaben keinerlei Streichungen oder Änderungen erfahren habe, auch nicht in Bezug auf die laut Engels „nahe bevorstehende soziale Revolution in England“,[63] eine Prognose, die er spĂ€ter revidiert hatte.[2] Statt den Text an aktuelle Ereignisse anzupassen, verwies er fĂŒr die Entwicklung nach 1844 auf den ersten Band des Marxschen Kapital „mit einer ausfĂŒhrlichen Darstellung der Lage der britischen Arbeiterklasse fĂŒr die Zeit von etwa 1865, d.h. die Zeit, wo die britische industrielle ProsperitĂ€t ihren Höhepunkt erreichte“. Er rĂ€umte gleichzeitig ein, „einige nicht ganz klare Stellen schĂ€rfer gefaßt“ zu haben.[64] Engels stellte im selben Vorwort fest, dass einige Vorhersagen eingetroffen sind. Insbesondere jene, dass die Lage der englischen Industrie in naher Zukunft infolge kontinentaler und namentlich amerikanischer Konkurrenz geschwĂ€cht werden wĂŒrde. Obwohl dieser Umstand etwas spĂ€ter zum Tragen kam, so ist er doch wie vorgesagt eingetroffen. Engels fĂŒhlte sich dadurch verpflichtet, das Buch mit dem damaligen Stand der Dinge in Einklang zu bringen: Im Vorwort wird ein Artikel zitiert, der in der Londoner Commonweal vom 1. MĂ€rz 1885 unter dem Titel England 1845 bis 1885 erschienen war.[63]

Inhaltliche und methodische Kritik

SpĂ€tere Kritiken störten sich vor allem an der Voreingenommenheit Engels: Er war nach England gekommen, um ein Land zu finden, das fĂŒr die sozialistische Revolution bereit war – und fand es auch.[65][66] Indem er sich direkt „An die arbeitenden Klassen Großbritanniens“ richtet, wahre er nicht genĂŒgend ObjektivitĂ€t.[6] Weiterhin wurde Engels’ leichtfertiger Umgang mit Prognosen kritisiert: Neben der falschen Prognose einer bevorstehenden Revolution wurden auch die Vorhersagen ĂŒber einen wachsenden Abgrund zwischen arm und reich, sowie die Aussage ĂŒber die Notwendigkeit der Kinderarbeit nicht erfĂŒllt.[65] Auch fachlich wurde Kritik laut, etwa an der romantisierenden Darstellung Engels’ des vorindustriellen Lebens der Heimarbeiter: Der Marburger Staatswissenschaftler Bruno Hildebrand kritisierte 1848, dass nicht das Vorhandensein, sondern gerade das Fehlen moderner Fabrikindustrie grĂ¶ĂŸte materielle Not bewirke.[67]

Zudem wurde Engels vorgehalten, dass er „bis ĂŒber die Ohren in englischen Zeitungen und BĂŒchern vergraben” war und auf diese Weise ĂŒber die Lage der englischen Proletarier berichtete. Dies sei keine Feldforschung im eigentlichen Sinn:[68] Das Wesentliche wĂŒrde „aus einer verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kleinen Dokumentation abgeleitet“ und es wĂŒrde dem Leser nicht klargemacht, inwiefern das Dargestellte auf eigenen Beobachtungen beruhte. Außerdem versah Engels veraltete Angaben nicht mit Daten zur zeitlichen Einordnung, und wo Informationen nur aus zweiter Hand zur VerfĂŒgung standen, wĂŒrde teilweise der Eindruck von PrimĂ€rquellen erweckt.[69] Engels selbst spricht von einer „AbkĂŒrzung oder Verzerrung des Originals“.[70] Diese Ungenauigkeiten â€“ auch in Bezug auf den Umgang mit statistischen Daten â€“ begrĂŒnden sich wohl in der Intention Engels, die eher philosophischer denn empirischer Natur war. TatsĂ€chlich existieren entgegen der Vorgabe des Textes zeitgenössische statistische Erhebungen und journalistische Interviews in Bezug auf die damaligen UmstĂ€nde, welche dem Thema unter wissenschaftlichem Aspekt eher gerecht werden. Jedoch wurde angemerkt, es wĂ€re ein „MissverstĂ€ndnis, sie [die Schrift] als wissenschaftliche Monografie“ zu sehen. Stattdessen sei das Werk „eine Kritik dessen, was er [Engels] beschreibt, eine Anklage“.[1] Hier schreibe „kein Wissenschaftler, der sein Untersuchungsobjekt kĂŒhl sezierte und analysierte, sondern der kommende homme rĂ©voltĂ©, der sein j’accuse! (ich klage an!) mit Überzeugungskraft seinem Publikum entgegenschleuderte“.[5]

„Kritik im Handgemenge“

Der zentrale Kritiktypus von Marx und Engels wurde vor allem von Marx in Das Kapital (1867) entwickelt und angewendet. Dessen Besonderheit besteht darin, aus Analyse, Darstellung und Kritik eine methodische Einheit zu formen.[1] In Das Kapital verwendete Marx noch einen weiteren Kritiktypus, dessen Methodik sich in Die Lage der arbeitenden Klasse in England in GrundzĂŒgen wiederfindet. Engels erarbeitete dort den Grundstein fĂŒr eine sogenannte Kritik im Handgemenge oder eine andere Kritik der politischen Ökonomie. Dieser zweite Typus findet sich im Kapital abseits der „analytischen Hauptlinien [
] in den Nebenabschnitten und Exkursen, [
] wo Marx [
] illustrieren, vor allem aber den Effekt des Erschreckens, des UnverstĂ€ndnisses und des Unglaublichen erzeugen will“.[1] Bei dieser Kritik im Handgemenge gehe es „nicht darum, ob der Gegner ein [
] interessanter ist“, sondern „darum, ihn zu treffen“,[71] indem eine „spezifische Methode der Zuspitzung“ mit „rhetorischem, performativem Charakter“ zum Einsatz komme.[1] Ein zentraler Aspekt des Kritiktypus ist, dass Engels „die liberale Bourgeoisie aus ihrem eignen Munde“ schlagen will, weshalb er besonders auf bĂŒrgerliches Material zurĂŒckgreift, sei es in Form offizieller Berichte oder wissenschaftlicher Studien. Einerseits um GlaubwĂŒrdigkeit vor dem bĂŒrgerlichen Publikum zu erhalten, andererseits um der Bourgeoisie den Spiegel vorzuhalten.

Thematisch verwandte Werke von Marx

  • Karl Marx: Das Kapital, 1867.
    Marx greift Engels’ AusfĂŒhrungen ĂŒber die Lage der arbeitenden Klasse auf und stellt deren Entwicklung bis in die 1860er Jahre dar.
  • Karl Marx: Fragebogen fĂŒr Arbeiter, 1880.
    Ebenfalls ein Pionierwerk der kritischen empirischen Sozialforschung.

Ausgaben

Literatur

  • Matthias Bohlender: „
 um die liberale Bourgeoisie aus ihrem eignen Munde zu schlagen“ â€“ Friedrich Engels und die Kritik im Handgemenge. In: Marx-Engels-Jahrbuch 2007. Akademie Verlag, Berlin 2008.
  • Auguste Cornu: Die Herausbildung des historischen Materialismus in Marx’ Thesen ĂŒber Feuerbach, Engels’ Die Lage der arbeitenden Klasse in England und in Die deutsche Ideologie von Marx und Engels. Akademie Verlag, Berlin 1967.
  • Wolfgang Mönke: Das literarische Echo in Deutschland auf Friedrich Engels’ Werk Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Akademie Verlag, Berlin 1965.

Weblinks

WeiterfĂŒhrende PrimĂ€rtexte

Rezeption

Einzelnachweise

Die Seitenzahlen der Zitate und Einzelnachweise zu Engels verweisen auf Friedrich Engels: Lage der arbeitenden Klasse in England. 1845, MEW. Dietz, Berlin 1972. Band 2. S. 225–506.

  1. ↑ a b c d e f g h i Matthias Bohlender: „
 um die liberale Bourgeoisie aus ihrem eignen Munde zu schlagen“ – Friedrich Engels und die Kritik im Handgemenge. In: Beatrix Bouvier, Galina Golovina, Gerald Hubmann (Hrsg.): Marx-Engels-Jahrbuch 2007. Akademie Verlag, Berlin 2008. S. 9ff.
  2. ↑ a b c d e Lothar Peter: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. In: Georg W. Oesterdiekhoff (Hrsg.): Lexikon der soziologischen Werke. VS Verlag, 2001.
  3. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 325.
  4. ↑ Josef Rattner, Gerhard Danzer: Die Junghegelianer – PortrĂ€t einer progressiven Intellektuellengruppe. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2005. S. 194. – Orwell griff Elemente Engels’ in seinem Werk Der Weg nach Wigan Pier (1937) auf, in dem er die sozialen VerhĂ€ltnisse der Bergwerksstadt Wigan nahe Liverpool beschreibt.
  5. ↑ a b c d e Josef Rattner, Gerhard Danzer: Die Junghegelianer – PortrĂ€t einer progressiven Intellektuellengruppe. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2005. S. 189f.
  6. ↑ a b GĂŒnter Wallraff: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. In: Die Zeit, 22. Juli 1983, Nr. 30.
  7. ↑ Fabian Kessl, Christian Reutlinger (Hrsg.): SchlĂŒsselwerke der Sozialraumforschung – Traditionslinien in Text und Kontexten. VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2008. S. 189f.
  8. ↑ In den Marx-Engels-Werken nimmt die Schrift etwa 270 Seiten ein.
  9. ↑ Matthias Bohlender: „
 um die liberale Bourgeoisie aus ihrem eignen Munde zu schlagen“ â€“ Friedrich Engels und die Kritik im Handgemenge. In: Marx-Engels-Jahrbuch 2007. Akademie Verlag, Berlin 2008. S. 26.
  10. ↑ Zu nennen sind hier vor allem James Phillips Kays The moral and physical condition of the working classes (1832), Peter Gaskells The manufacturing population of England (1832) und Archibald Alisons The principles of population, and their connection with human happiness (1840)
  11. ↑ Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. In: MEW. Bd. 4. S. 473. Herv.: MB.
  12. ↑ Engels, Die Lage Englands, MEW 1: 525-549.
  13. ↑ a b vgl. Engels, 1845, S. 232f.
  14. ↑ Sven Papcke, Georg W. Oesterdiekhoff (Hrsg.): SchlĂŒsselwerke der Soziologie. Westdeutscher Verlag. Wiesbaden 2001. S. 143ff.
  15. ↑ „Ich werde den EnglĂ€ndern ein schönes SĂŒndenregister zusammenstellen; ich klage die englische Bourgeoisie vor aller Welt des Mordes, Raubes und aller ĂŒbrigen Verbrechen in Masse an 
“; Engels, Brief vom 19. November 1944 an Marx, MEW 27:10.
  16. ↑ Engels, S. 506.
  17. ↑ Engels S. 233; „Übrigens versteht es sich, daß ich den Sack schlage und den Esel meine, nĂ€mlich die deutsche Bourgeoisie, der ich deutlich genug sage, sie sei ebenso schlimm 
, nur nicht so couragiert, so konsequent und so geschickt in der Schinderei.“ Engels, Brief vom 19. November 1944 an Marx, MEW 27:10.
  18. ↑ Zitiert nach Karl Marx. In: Marx-Engels-Werke, Band 13. S. 10.
  19. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 254.
  20. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 238.
  21. ↑ JĂ€hrliche Bevölkerungszunahme in England (19. Jh.): 1,23 Prozent. In: JĂŒrgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. MĂŒnchen, 2009. S. 191.
  22. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 253f.; S. 456f.; S. 473f.
  23. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 360.
  24. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 417.
  25. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 254f.
  26. ↑ vgl. Thomas Carlyle: Past and Present. London, 1843.
  27. ↑ Engels, S. 307.
  28. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 486f.
  29. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 489f.
  30. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 491.
  31. ↑ von Thomas Robert Malthus: Essay on the Principle of Population. 1798. In: „Bevölkerung (Malthussche Theorie etc.).“ aus Meyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885–1892.
  32. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 494f.
  33. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 276.
  34. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 281.
  35. ↑ a b vgl. Engels, 1845, S. 287f.
  36. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 288.
  37. ↑ Hildegard Mogge-Grotjahn: Handbuch Armut und soziale Ausgrenzung. Vs, 2008. S. 337.
  38. ↑ vgl. Hartmut HĂ€ußermann, W. Siebel: Soziologie des Wohnens. Eine EinfĂŒhrung in Wandel und Ausdiffe- renzierung des Wohnens. 1996.
  39. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 279.
  40. ↑ a b c vgl. Engels, 1845, S. 304.
  41. ↑ Hildegard Mogge-Grotjahn: Handbuch Armut und soziale Ausgrenzung. Vs, 2008. S. 238.
  42. ↑ Engels: Zur Wohnungsfrage. „Der Volksstaat“, Leipzig 1872.
  43. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 262.
  44. ↑ Zitiert in Dr. W. P. Alison: Observations on the Management of the Poor in Scotland and its Effects on the Health of Great Towns. Edinburgh 1840.
  45. ↑ a b vgl. Engels, 1845, S. 266ff.
  46. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 270.
  47. ↑ J. C. Symons: Arts and Artizans at Home and Abroad. Edinburgh 1839. S. 116f. Zit. in: Engels, 1845: S. 270.
  48. ↑ vgl. Engels, 1845: S. 356.
  49. ↑ vgl. Engels, 1845: S. 263.
  50. ↑ a b c d vgl. Engels, 1845, S. 297ff.
  51. ↑ a b vgl. Engels, 1845, S. 374ff.
  52. ↑ a b vgl. Engels, 1845, S. 398.
  53. ↑ a b vgl. Engels, 1845, S. 378.
  54. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 368.
  55. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 383.
  56. ↑ a b vgl. Engels, 1845, S. 325f.
  57. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 272.
  58. ↑ a b vgl. Engels, 1845, S. 327f.
  59. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 376.
  60. ↑ a b c d e vgl. Engels, 1845, S. 431f.
  61. ↑ a b vgl. Engels, 1845, S. 444f.
  62. ↑ vgl. Engels, 1845, S. 434.
  63. ↑ a b c Vorwort zur englischen Ausgabe. London, 11. Januar 1892.
  64. ↑ Vorwort zur 2. deutschen Ausgabe. Stuttgart, 21. Juli 1892.
  65. ↑ a b Gustav Mayer: Friedrich Engels – Eine Biographie. Den Haag, 1934. In: Ossip K. Flechtheim: Von Marx bis Kolakowski. EVA, 1978. S. 120.
  66. ↑ Helmut Hirsch: Engels. rororo, 1968.
  67. ↑ vgl. Wilhelm Abel: Massenarmut und Hungerkrisen im vorindustriellen Europa. Versuch einer Synopsis. Hamburg, Berlin 1974. S. 305f. In: Hildegard Mogge-Grotjahn: Handbuch Armut und soziale Ausgrenzung. Vs, 2008. S. 238.
  68. ↑ Helmut Hirsch: Engels. rororo, 1968. S. 39.
  69. ↑ Helmut Hirsch: Engels. rororo, 1968. S. 40f.
  70. ↑ Ossip K. Flechtheim: Von Marx bis Kolakowski. EVA, 1978. S. 53.
  71. ↑ Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Paris 1844. S. 74.

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