Die Schlangengrube

Filmdaten
Deutscher Titel Die Schlangengrube
Originaltitel The Snake Pit
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1948
Länge 108 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Anatole Litvak
Drehbuch Frank Partos
Millen Brand
Produktion Robert Bassler
Anatole Litvak
Darryl F. Zanuck für 20th Century Fox
Musik Alfred Newman
Kamera Leo Tover
Schnitt Dorothy Spencer
Besetzung

Die Schlangengrube (OT: The Snake Pit) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1948 mit Olivia de Havilland in der Hauptrolle. Der Film entstand nach dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Mary Jane Ward über ihre Erfahrungen in der Psychiatrie.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Virginia ist eine nach außen völlig normale junge Frau, die glücklich mit dem netten Robert Cunningham verheiratet ist. Doch das Eheglück wird getrübt durch psychische Veränderungen bei Virginia, die schließlich dazu führen, dass sie in ein Krankenhaus für psychisch Kranke eingewiesen wird. Ihr Ehemann Robert erzählt in Rückblenden die Geschichte der gemeinsamen Ehe und der behandelnde Arzt Doktor Kik versucht auf die Spur der seelischen Probleme seiner Patientin zu kommen. Doch erst als sie in die geschlossene Abteilung verbracht wird, die sogenannte „Schlangengrube“, bessert sich ihr Zustand. Diese Schocktherapie in der Umgebung der stärksten Krankheitsfälle des Hauses lässt sie langsam gesunden.

Hintergrund

Olivia de Havilland war im Laufe eines aufsehenerregenden Prozesses gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber Warner Brothers, der von 1943 bis Anfang 1946 dauerte, bis vor das Oberste Bundesgericht gezogen, um eine bis dahin übliche Praxis bei Vertragsschauspielern verwerfen zu lassen: Normalerweise unterschrieben Schauspieler in der damaligen Zeit langfristige Verträge mit 5 bis 7 Jahren Laufzeit bei einem Studio. Kam es während der Zeit zu Konflikten und Auseinandersetzungen, wurde der Schauspieler vom Studio ohne Gehalt suspendiert. Strittig war die Frage, ob die Zeiten der Suspendierung an die reguläre Vertragslaufzeit angehängt werden durften. Olivia de Havilland weigerte sich 1943, der Aufforderung ihres Studios nachzukommen und verklagte Warners. Das Studio ließ die Schauspielerin daraufhin auf eine sog. schwarze Liste setzen, so dass de Havilland bis zu ihrem Sieg Anfang 1946 arbeitslos war. Erst danach konnte sie wieder an ihre vorherige Karriere anknüpfen und etablierte sich rasch als Darstellerin dramatischer Frauenschicksale. Für ihr Come-Back in Mitchell Leisens To Each His Own gewann sie auch sogleich den Oscar als Beste Darstellerin des Jahres 1946.

Der Film Die Schlangegrube basiert auf dem gleichnamigen halb-autobiographischen Roman von Mary Jane Ward, die ihre Erfahrungen bei einem halbjährigen Aufenthalt in der staatlichen Psychiatrie des Bundesstaates New York schilderte. Anatole Litvak, der mit de Havilland privat befreundet war, sah in dem Drehbuch eine gute Gelegenheit für de Havilland und bot ihr die Rolle an, doch das Studio 20th Century Fox wollte lieber Gene Tierney oder Joan Fontaine in der Hauptrolle, da deren Zugkraft an der Kinokasse ungleich höher war. Auch der Name von Ingrid Bergman wurde mit dem Projekt in Verbindung gebracht. Am Ende konnte sich de Havilland jedoch durchsetzen und ab Mitte 1946 begannen die Vorarbeiten an der Produktion.

Die Schlangengrube war der erste Hollywoodfilm, der sich ernsthaft mit den teilweise dramatischen Zuständen in psychiatrischen Anstalten beschäftigte. Das Thema Psychoanalyse an sich erfreute sich im Film großer Beliebtheit gerade in den Jahren nach dem Krieg, doch bislang wurde die Behandlungsmethoden in den geschlossenen Anstalten nicht erörtert.

Die Drehbuchautoren änderten gewisse Aspekte des Romans ab, um einen wissenschaftlich fundierten Einblick in den damals aktuellen Stand der Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen geben zu können. Bei der Heldin wird Schizophrenie und ein ausgeprägter Ödipuskomplex diagnostiziert, was verschiedene Behandlungsmethoden auslöst. Sowohl die Autoren Partos und Brand als auch der Regisseur Anatole Litvak sowie Olivia de Havilland besuchten vorab verschiedene Behandlungszentren, um sich vor Ort über die Problematik zu informieren. Außerdem wurden namhafte Psychiater und Psychologen als Berater hinzugezogen, so Dr. Carl A. Binger, ein Professor für klinische Psychiatrie an der Cornell University; Dr. M. Ralph Kaufman, Chef der Psychiatrie am Mount Sinai Hospital sowie Dr. Sidney Loseef Tamarin

Die ungewöhnlich lange Drehzeit sowie die aufwändigen Recherchen hatten ein Budget von über zwei Millionen Dollars zur Folge. An der Kinokasse erwies sich der Film trotz des eher sperrigen Themas als populär und wurde zum profitabelsten Verleih des Studios für das Jahr 1948.

Probleme mit den englischen Zensurbestimmungen

Die Schlangengrube durfte zunächst nicht in Großbritannien kommerziell aufgeführt werden, da die dortigen Zensurbestimmungen die Darstellung von Wahnsinn und Geisteskrankheiten untersagten. Am Ende einigten sich die Filmgesellschaft und die Zensurbeshörde auf etliche Schnitte, die vor allem die brutalen Darstellungen in der geschlossenen Anstalt gegen Mitte des Films betrafen.

Kritiken

Die zeitgenössischen Kritiker lobten den Film als Meilenstein und zollten ihre Bewunderung für die Darstellung eines gesellschaftskritischen Sujets.

The Hollywood Reporter schrieb:

Ein Film, so mitreißend, so dramatisch und aufregend und so offen in seinem Mut, das es keinen Vergleich dazu gibt. Etwas Vergleichbares wurde noch nie vorher auf die Leinwand gebracht.
A picture so compelling, dramatically exciting and frankly courageous as to defy comparison. Nothing like it has ever been done before in films.

Bosley Crowther befand in der New York Times

Obwohl Die Schlangengrube verstörend wirkt und für schwache Gemüter nicht zu empfehlen ist, ist es ein reifes emtionales Drama über ein seltenes und wichtiges Thema. Er empfahl aufgrund der teilweise brutalen Szene und des komplexen Themas gleichzeitig jedoch ausdrücklich, dass der Film nur in Kinos gezeigt werden sollte, die sich auf ein erwachsenes Publikum beschränken.
The Snake Pit, while frankly quite disturbing and not recommended for the weak, is a mature emotional drama on a rare and pregnant theme. [The film should be shown in] theatres of limited capacities catering to an adult clientele.

Mit dem Abstand von 60 Jahren urteilt das Lexikon des internationalen Films weniger enthusiastisch:

Konventionelle Konflikte, aber gute Menschenschilderung und psychologische Sorgfalt in einem ehrenwerten Drama, das sich - ein wenig zu melodramatisch - um Verständnis für seelisch Kranke bemüht. Die Erkenntnisse und Methoden der Psychotherapie haben sich seit der Entstehungszeit allerdings weiterentwickelt.

Auszeichnungen

Die Schlangengrubewurde für fünf Oscars nominiert:

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bestes Drehbuch
  • Beste Schauspielerin
  • Beste Musik
  • Bester Ton

Olivia de Havilland gewann darüber hinaus zahlreiche Preise, so den New York Critics Award als beste Darstellerin des Jahres 1948. Auf dem Filmfestspiel in Venedig wurde sie ebenfalls als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Das Committee of American Psychologists rühmte den Film in einer offiziellen Würdigung dafür das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die verbesserungswürdigen Zustände in psychiatrischen Einrichtungen geweckt zu haben. Ähnlich äußerte sich das California Citizens Committee for Mental Hygiene, die den Streifen lobten für seine mutige Darstellung von Mißständen. Olivia de Havilland zierte die Ausgabe des Time Magazins vom 20. Dezember 1948, das sich intensiv mit dem Problem von geistigen Erkrankungen beschäftigte.

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