Dnipropetrowsk


Dnipropetrowsk
Dnipropetrowsk
(Дніпропетровськ)
Wappen von Dnipropetrowsk Dnipropetrowsk in der Ukraine
Basisdaten
Oblast: Oblast Dnipropetrowsk
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 155 m
Fläche: 405 km²
Einwohner: 1.056.632 (01.06.2011)
Bevölkerungsdichte: 2.609 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 49000-49070
Vorwahl: +380 562
Geographische Lage: 48° 28′ N, 35° 3′ O48.46444444444435.046111111111155Koordinaten: 48° 27′ 52″ N, 35° 2′ 46″ O
KOATUU: 1210100000
Verwaltungsgliederung: 8 Stadtrajone, 1 Siedlung städtischen Typs
Bürgermeister: Iwan Kulitschenko
Adresse: пр. К. Маркса 75
49070 м. Дніпропетровськ
Website: http://www.gorod.dp.ua/
Statistische Informationen
Dnipropetrowsk

Dnipropetrowsk (ukrainisch Дніпропетровськ - bis 1926 Екатериносла́в/Jekaterinoslaw; russisch Днепропетровск/Dnjepropetrowsk), ist mit 1,05 Millionen Einwohnern die drittgrößte und gleichzeitig die jüngste Stadt der Ukraine. Sie liegt südöstlich der Hauptstadt Kiew in der zentralöstlichen Ukraine an beiden Seiten des hier aufgestauten Dnepr. Dnipropetrowsk ist das administrative Zentrum der Oblast Dnipropetrowsk. Innerhalb der Metropolregion in der Stadt leben 1.056.632 Menschen (2011).

Die Stadt ist ein wichtiger industrieller Standort der Ukraine. Dnipropetrowsk war eines der wichtigsten Zentren der Kernenergie-, Waffen- und Raumfahrtindustrie der Sowjetunion. Insbesondere ist es der Standort von KB Juschnoje, einem großen Designer und Hersteller von Raketen. Aufgrund der Rüstungsindustrie wurde die Stadt eine geschlossene Stadt und blieb es bis in die 1990er-Jahre hinein.

Inhaltsverzeichnis

Klima

Das Klima im Sommer ist sehr warm mit vielen Sonnenstunden (Tageshöchsttemperaturen durchschnittlich um 25 °C) und kalt im Winter (-3 bis -4 °C im Januar). Im Herbst muss mit häufigem Regen gerechnet werden.

Geographie und Infrastruktur

Dnipropetrowsk ist eines der Industriezentren der Ukraine und Universitätsstadt (siehe Universitäten in der Ukraine) bzw. Hochschulstandort. Unter anderem befindet sich hier die Nationale Bergbauuniversität der Ukraine, an der auch das Ukrainisch-Deutsche Kulturzentrum/Sprachlernzentrum beheimatet ist.[1]

Die Stadt liegt in der Osteuropäischen Ebene im Osten der Ukraine.

Blick auf moderne Wohnapartements

Verwaltungstechnisch ist die Stadt in eine Siedlung städtischen Typs (Awiatorske/Авіаторське) und acht Stadtrajone (Rajon Amur-Dnischnjodnipro, Rajon Babuschkin, Rajon Schowtnewe, Rajon Industrial, Rajon Kirow, Rajon Krasnohwardija, Rajon Lenin, Rajon Samara) eingeteilt.

Die Stadt Saporischschja mit der Kosakeninsel Chortyzja sind etwa 90 km entfernt.

Einwohner

Es liegen folgende offizielle Angaben vor, das sind:

Bevölkerungsentwicklung
1897 1959 2006 2010
112.839 662.000 1. 044. 000[2] 1.090.082[3]

Die Bevölkerungszusammensetzung lautet wie folgt (Stand 2008):

Sprache

90% der Einwohner sprechen Russisch als Alltagssprache. Ukrainisch wird von 40% der Bewohner fließend beherrscht. Von den restlichen 60% wird Ukrainisch zu einer Hälfte sehr gut, und von der anderen sehr schlecht gesprochen. Staatliche Dokumente werden auf Ukrainisch herausgegeben. Auch die meisten Schilder und Wegweiser sind auf Ukrainisch. Die Medien sind gemischt auf Russisch und Ukrainisch. Das Phänomen dass sich Gesprächspartner in unterschiedlichen Sprachen (Russisch & Ukrainisch) unterhalten ist ebenso verbreitet wie das Benutzen des Russischen zu Hause und des Ukrainischen beispielsweise bei der Arbeit.[4]

Verkehr

Die Stadt ist ein Verkehrsknotenpunkt der Ukraine. Das Autokennzeichen der Stadt ist AE.

Öffentlicher Verkehr

  • Die Stadt verfügt über ein 1897 eröffnetes und fortwährend ausgebautes, renoviertes und modernisiertes Straßenbahnnetz (siehe Straßenbahn Dnipropetrowsk). Derzeit werden 19 Linien betrieben.
Linienplan der Dnipropetrowsker Metro
  • Seit 1995 hat die Stadt auch eine U-Bahn (siehe Metro Dnipropetrowsk) mit 6 Stationen. 3 zusätzliche Stationen sind in Bau, 2 weitere in Planung. Die Metro soll zur Euro 2012 durch den japanischen Baukonzern Sumitomo Shōji ausgebaut werden.[5]

Fernverkehr

Durch die Stadt verlaufen zwei Europastraßen:

Eisenbahn

Die Stadt ist ein Verkehrsknotenpunkt der Eisenbahn in der Ukraine und über ebendiese täglich umsteigefrei aus Berlin zu erreichen.

Hafen

Die Stadt besitzt einen großen Binnenhafen, der sowohl dem Güterfrachtverkehr als auch dem Personenverkehr dient.

Flughafen

Der Flughafen Dnipropetrowsk hat den IATA-Code DNK und den ICAO-Code UKDD bzw. UKDV.

Geschichte

Name, Entstehung, wechselnde Herrscher

Der Name Dnipropetrowsk leitet sich vom Flussnamen Dnipro ab sowie vom Nachnamen des Drehers Grigori Iwanowitsch Petrowski, damals Vorsitzender des Obersten Sowjet der Ukraine.[6]

Der Kosakenstaat entstand durch die Flucht von Leibeigenen aus der Ukraine im 15. und 16. Jahrhundert (siehe auch Saporoger Kosaken) an den Dnepr.

Historische Ansichtskarte mit der Bezeichnung Jekaterinoslaw

Das Land um Dnipropetrowsk fiel im Zuge des Russisch-Osmanischen Kriegs von 1768-1774 an das Russische Kaiserreich (siehe auch Neurussland). Dnipropetrowsk ist eine von vielen Städtegründungen Katherinas der Großen im Zarenreich, um das Land zu „verwestlichen“ und den Menschen bessere Lebensbedingungen zu bieten. In der Stadt siedelten sich auch viele Russen an. Die Stadt wurde 1776 unter der Leitung des Fürsten Potjomkin als Jekaterinoslaw/Екатериносла́в, übersetzt „zum Ruhme Katharinas“ (der Großen), gegründet. Diesen Namen trug sie bis zum 20. Juli 1926.[6] Bis zum Holocaust war Jekaterinoslaw ein Zentrum jüdischen Lebens in Russland bzw. der Sowjetunion. Bei der ersten russischen Volkszählung von 1897 wurde eine Einwohnerzahl von 112.839 ermittelt. Der jüdische Bevölkerungsanteil war 35,8 %, neben 41,8 % Russen und 15,8 % Ukrainern.[7]

Opfer des Pogroms von 1905 in Dnipropetrowsk – überwiegend jüdische Kinder.

Die Stadt im 20. Jahrhundert

1933, zur Zeit des Holodomor, wurden viele Fälle von Kannibalismus von der Geheimpolizei GPU festgestellt.

Während des Zweiten Weltkriegs ermordeten die deutschen Invasoren jüdische Einwohner. An den Massenerschießungen war der SS-Führer Friedrich Jeckeln maßgeblich beteiligt. In der Stadt bestanden die beiden Kriegsgefangenenlager 417 und 460 (ab 1949) für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[8] Schwer Erkrankte wurden im Kriegsgefangenenhospital 5905 versorgt.

Das 21. Jahrhundert in Dnipropetrowsk

Im Jahre 2007 fand in der Stadt eine Mordserie statt. Dabei wurden 21 Menschen, meist körperlich Schwache und Obdachlose, umgebracht. Bei den Tätern, die 2008 festgenommen werden konnten, handelte es sich um drei Jugendliche im Alter von 20 Jahren. Die Jugendlichen filmten sich bei ihren Verbrechen. Alle drei kamen aus gutem Hause und begründeten ihre Tat damit, dass sie den „Kick“ des Tötens fühlen und im späteren Leben Erinnerungen an ihre Jugend haben wollten.[9]

Am 13. Oktober 2007 gab es in der Stadt eine Gasexplosion in einem Wohnhaus, bei der 22 Menschen starben. Das Wohnhaus wird von den Einwohnern Kитайская cтена, Transl. Kitaiskaja Stena, zu Deutsch etwa Chinesische Mauer, genannt und befindet sich in einem armen Stadtviertel.[10]

Sehenswürdigkeiten

Christi-Verklärungs-Kathedrale

Die Hauptverkehrsstraße der Stadt ist die Karl-Marx-Allee. Sie wurde im 18. Jahrhundert angelegt, in der Sowjetzeit mit dem heutigen Namen versehen und prägt mit ihren Häusern das Stadtbild. Im Zentrum liegt der Oktoberplatz (Ploschtschad Oktjabrskaja) mit der von Zarin Katharina der Großen im Jahr 1787 erbauten Christi-Verklärungs-Kathedrale (Preobrashenskij Sobor). Am selben Platz liegt auch das Historische Museum mit einem Diorama zur Schlacht am Dnepr während des Zweiten Weltkrieges.

Die Stadt wird vor allem durch Industrie (Maschinenbau, Hochtechnologie, Hüttentechnik) und Handel geprägt. Jedoch verleihen ihr große und weitläufige Parkanlagen dieser Stadt einen Hauch von Landleben.

Das Raketenmuseum, auch Nationalzentrum für Raumfahrt genannt, mit dem Orion-Kino zeigt verschiedene Satelliten und Trägerraketen, die hier gebaut wurden. In der Nähe der Stadt liegt die Festung Kodak.

Wirtschaft

Die Stadt ist das finanzielle Zentrum des Landes. Hier haben sich über 40 der größten öffentlichen und privaten Banken wie der PrivatBank angesiedelt. Die Stadt ist der Hauptsitz von Dniproawia und KB Juschnoje, wo unter anderem die Raketen Dnepr, R-16, die erste Interkontinentalrakete der Sowjetunion und viele Ballistische Raketen hergestellt wurden. Hier beheimatet ist auch Juschmasch, ebenfalls Hersteller von Raketen aber auch Bussen, Maschinen für die Landtechnik, Oberleitungsbussen, Straßenbahnen, Windkraftanlagen und Satelliten. Die Stadt ist das Zentrum der Ukrainischen Raumfahrt-Agentur.

In der Elektrolokomotivenfabrik Dnipropetrowsk wurden viele sowjetische Triebfahrzeuge gebaut. (siehe Liste russischer und sowjetischer Triebfahrzeuge)

Sport

Kultur

Die Stadt hat viele Kulturbauten wie Theater, Schauspielhäuser und Tanzbühnen für klassisches Ballett, Volkstänze (Russische und Ukrainische Tänze, zu denen der Hopak und der Kasatschok gehören).

Außerdem gibt es viele Straßenmusikanten, die landestypische Musik spielen und dazu oft auch tanzen.

Religion

Die meisten Einwohner sind orthodoxe Christen. Sehr viele jüdische Einwohner sind inzwischen in den Westen ausgewandert, aber eine erhebliche Zahl prägt bis heute die Kultur und Wirtschaft der Stadt, wie bereits zur Sowjetzeit. Daneben lebt in der Stadt auch eine muslimische Minderheit, die hauptsächlich aus Krim-Tataren besteht.

Persönlichkeiten

Hauptartikel: Liste von Persönlichkeiten der Stadt Dnipropetrowsk

Ergänzendes

Partnerstädte

Dnipropetrowsk ist Partnerstadt von:

Weblinks

 Commons: Dnipropetrowsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Goethe-Institut Ukraine
  2. Website von Dnipropetrowsk
  3. offizielle Statistik über die EW in Dnipropetrowsk; abgerufen am 15. Sept. 2010
  4. Minderheiten und Mehrheit in Dnipropetrowsk
  5. ukrinform.ua
  6. a b Thomas Gerlach, Gert Schmidt: Die Ukraine entdecken. Trescher Verlag, Berlin 2007.
  7. Russische Volkszählung 1897, Jekaterinoslaw
  8. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
  9. unian.net
  10. nrcu.gov.ua
  11. data.unaids.org (PDF)

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