Dorf

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Dorf
Bralitz, ein Dorf in Brandenburg

Als Dorf bezeichnet man eine zumeist kleine von Menschen bewohnte Gruppensiedlung mit geringer Arbeitsteilung, die urspr√ľnglich durch eine landwirtschaftlich gepr√§gte Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur gekennzeichnet ist und auch als Siedlung bezeichnet wird. Charakterisierend ist die Landwirtschaft; doch sind auch Fischerd√∂rfer, Fl√∂√üer- (Gimte, Lechbruck am See, Lenggries) und sogar Wanderh√§ndlerd√∂rfer bezeugt. In Gegenden mit ausgepr√§gter Heimindustrie gab es beispielsweise Weberd√∂rfer. T√∂pferd√∂rfer sind dagegen in ihrer jeweiligen Region einzigartig. Urspr√ľnglich l√§ndliche Siedlungen, in denen aktuell kein Bauer mehr t√§tig ist, sind streng genommen keine D√∂rfer, werden aber hier mit behandelt.

In Bayern gilt gem√§√ü der Entschlie√üung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern vom 18. Oktober 1950 (Nr. I B1 ‚Äď 68a 1) grunds√§tzlich jede Ansiedlung mit 10 oder mehr Wohngeb√§uden, die keine Stadt ist, als Dorf. Gr√∂√üere D√∂rfer mit st√§rkerer Arbeitsteilung und einzelnen st√§dtischen Funktionen hei√üen in S√ľddeutschland, besonders in Bayern, Markt, in Norddeutschland, besonders in Niedersachsen, Flecken, auch Marktflecken. Kleinere Gruppensiedlungen werden herk√∂mmlich auch als Weiler oder Bauernschaft bezeichnet. Streusiedlungen werden in manchen Gegenden nicht als Dorf bezeichnet, sondern in Nordwestdeutschland als Bauer(n)schaft, am Niederrhein als Honnschaft. Noch kleinere Wohnpl√§tze mit nur ein oder zwei Haushalten werden als Einzelsiedlung, Einzelgeh√∂ft, in S√ľddeutschland und den deutschsprachigen Alpenl√§ndern als Ein√∂de oder Ein√∂dshof bezeichnet.

Traditionell stellte das Dorf ‚Äď im Gegensatz zum Weiler ‚Äď eine politische Einheit dar. Vor der Schaffung von Gemeinder√§ten gab es im deutschsprachigen Raum den Ortsvorsteher, den Dorfschulzen. Durch die Gebietsreformen der 1970er bis 1990er Jahre sind die meisten D√∂rfer in Deutschland keine Gebietsk√∂rperschaften mehr, sondern wurden zu L√§ndlichen Gemeinden zusammengefasst oder in benachbarte St√§dte eingemeindet. Einen Kompromiss mit Resten von Eigenst√§ndigkeit der D√∂rfer stellen die Samtgemeinden dar.

In L√§ndern wie Frankreich, der Schweiz, √Ėsterreich und Namibia sind nach wie vor sehr viele D√∂rfer eigene Gebietsk√∂rperschaften.

Inhaltsverzeichnis

Archäologie des Dorfes

Dorfgr√ľndung im Mittelalter (Heidelberger Handschrift des Sachsenspiegels)

Seit dem Fr√ľhneolithikum sind Siedlungen bekannt, die sich durch eine Ansammlung gleichzeitiger H√§user, einer √∂konomischen Grundlage in der Landwirtschaft und gemeinsamen Einrichtungen auszeichnen. Nach einer Definition des Dorfes, die auf eben diese Kriterien abzielt, ist das ‚ÄěDorf‚Äú somit eine grundlegende Siedlungsform der Agrarkultur. Vorl√§ufer des Dorfes ist der von J√§gern und Sammlern ggf. nur saisonal aufgesuchte Wohnplatz. Gleichwohl sind in den Jahrtausenden der Vorgeschichte und des Mittelalters einige Ver√§nderungen des Dorfes zu beobachten. Bedeutend scheint etwa die Entwicklung von der Tell- zur Reihensiedlung und am √úbergang vom Fr√ľh- zum Mittelneolithikum zur Streusiedlung mit lockerer, aber einheitlich orientierter Bebauung. Hier m√∂gen kulturelle, soziale und wirtschaftliche Umw√§lzungen im Hintergrund stehen. Vor allem ist zu fragen, wann jene D√∂rfer entstanden, die die heutige mitteleurop√§ische Siedlungslandschaft pr√§gen (Problem der ‚ÄěDorfgenese‚Äú). Die √§ltere Lehrmeinung ging davon aus, dass das ‚ÄěDorf‚Äú eine typisch germanische Siedlungsform sei und in Westdeutschland auf die germanische Landnahme der V√∂lkerwanderungszeit, im Osten aber auf die deutsche Ostsiedlung zur√ľckginge. Arch√§ologische Zeugnisse zeigen jedoch, dass bis weit ins Mittelalter das l√§ndliche Siedlungsgef√ľge bedeutenden Ver√§nderungen unterworfen war. Die klassischen Dorfformen Mitteleuropas sind oft nur Sekund√§rformen, die sich durch Siedlungskonzentrationen und -verlagerungen, aber auch durch komplette innere Umstrukturierung √§lterer Siedlungen entwickelt haben. Eng verbunden mit der Dorfgenese ist die Gemeindebildung, wie sie sich in schriftlichen Quellen fassen l√§sst und derzeit vorrangig ins 12./13. Jahrhundert datiert wird.

Historisch gewachsene Dorfformen

Nach Grundriss, Lage, sozial√∂konomischer Funktion und Wirtschaftsweise werden D√∂rfer klassifiziert. Reine Dorfformen sind kaum noch anzutreffen. Auf Besonderheiten, und Parallelen wird in den einzelnen Artikelabschnitten eingegangen. Sp√§testens im 20. Jahrhundert traten in deutschen D√∂rfern Zersiedelungsprozesse ein, wurden Flure bereinigt und Felder zu gro√üen Schl√§gen zusammengelegt (‚ÄěVerkoppelung‚Äú).

Im Zusammenhang mit den Dorfformen stehen die Flurformen. Zu den häufigsten Dorfformen gehören die Haufen-, die Reihen- und die Straßendörfer.

In manchen Teilen Amerikas, Australiens und Afrikas √ľberwiegen Einzelsiedlungen. Die Dorfbildung in Mitteleuropa begann in der Jungsteinzeit mit den ersten Ackerbauern. Die D√∂rfer entstanden, wenn selbstst√§ndige, aber gew√∂hnlich untereinander verwandte Familien ohne gemeinsames Oberhaupt beieinander siedelten.

Grob unterscheidet man nach ungeregelten und geregelten Dorfanlagen, wobei letztere nur bei gelenkter und durchdachter Planung (Kolonisation) vorkommen.

Geschlossene Dorfformen

Das Haufendorf Heudorf bei Meßkirch, um 1575

Haufendorf

Ein Haufendorf ist ein geschlossen bebautes Dorf mit unregelm√§√üigen Grundst√ľcksgrundrissen und h√§ufig unterschiedlich gro√üen H√∂fen, meist von einem Ortsetter umgeben. Haufend√∂rfer unterscheiden sich von den meisten anderen Dorfformen dadurch, dass sie unplanm√§√üig angelegt wurden. Ein gro√üer Teil der Haufend√∂rfer entstand im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Gewanneflur, bei der jeder Bauer Streifen verschiedener Felder bewirtschaftete und sich die Lage dieser Feldstreifen auch immer wieder √§nderte. Die Gemarkung solcher D√∂rfer gliederte sich in Dorfkern, Ackerflur und Allmende.

Vereinfachtes Beispiel eines Straßendorfes mit Gabelung

Straßendorf

Ein Straßendorf ist ein lineares, doppelzeiliges Dorf, dessen Häuser bzw. Gehöfte eine Straße (vorzeitlich eine Trasse) in dichter Anordnung säumen. Typischerweise sind die heutigen Einzelhäuser bzw. Gehöfte giebelständig zur Straße angeordnet. Eine von der Hauptstraße abzweigende Straße ist oft eine Sackgasse.

Angerdorf

Ein Angerdorf ist ein Dorf, dessen hervorstechendes Merkmal der Anger, ein im Gemeindebesitz befindlicher zentraler gestreckt runder Platz mit zumeist einem Teich (Löschteich) oder Brunnen ist. Angerdörfer kommen in Mitteleuropa vor allem auf Grundmoränenplatten und in Lößgebieten vor, in Deutschland vor allem in Ost- und Ostmitteldeutschland.

Goldenbow, Angerdorf in Mecklenburg-Vorpommern

Straßenangerdorf

Das Stra√üenangerdorf ist ein Stra√üendorf, dessen Dorfstra√üe sich an einer Stelle oder auch in gr√∂√üer L√§nge zu einem Anger weitet und dann weiterl√§uft. Im deutschen Sprachraum sind Angerd√∂rfer typisch f√ľr Nordost√∂sterreich und Teile der Mark Brandenburg. Auch in Nordengland, sowie in Frankreich im Barrois gibt es Angerd√∂rfer.

Rundling, Rundplatzdorf, Rundweiler

Vereinfachtes Beispiel eines Rundplatzdorfes mit einer Zuwegung

Ein Rundling, Rundplatzdorf oder auch regional Rundweiler genannt, ist eine l√§ndliche Siedlung in Rundform, deren Verbreitung sich im Wesentlichen auf den einstigen deutsch-slawischen Grenzraum: westlich und √∂stlich der Saale und Elbe, z.B. im Hannoverschen Wendland beschr√§nkt. Sie z√§hlen s√§mtlich zu den Platzd√∂rfern. Rundlinge liegen h√§ufig auf Spornen, die in die Niederungen der Urstromt√§ler hineinragen. Der Platz in der Mitte ist urspr√ľnglich nur √ľber einen Weg an das allgemeine Verkehrsnetz angeschlossen. Um den Platz sind wenige Bauernh√∂fe angeordnet. Daran schlie√üt sich eine Streifengemengeflur an. Es ist ungekl√§rt, ob die Rundform aus Sicherheitsgr√ľnden oder in Anpassung an die vorwiegende Viehwirtschaft gew√§hlt wurde.

Ein typisches Beispiel ist Bugk, (slaw. ‚Äěbug‚Äú oder ‚Äěbuk‚Äú, dt. ‚ÄěBuche‚Äú), im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Aus einem Wegestern entstanden, auf einer kaum wahrnehmbaren Anh√∂he in feuchtem, sumpfigen Gel√§nde gelegen, stellt der Ortskern ein slawisches Rundplatzdorf dar.

Eine Besonderheit stellt das Wurtendorf dar. Es geh√∂rt zu den Siedlungen, deren Geh√∂fte auf einen zentralen (Dorf-)Platz ausgerichtet sind. Das Wurtendorf entstand in der Regel auf einem von Menschen aufgesch√ľtteten Erdh√ľgel, der als Siedlungsplatz f√ľr eine Einzel- oder Gruppensiedlung dient. Der H√ľgel sollte das Dorf vor Sturmflut/Hochwasser etc.sch√ľtzen. Dieser Siedlungstyp kommt vor allem an den Marschenk√ľsten vor, mitunter auch an Flussl√§ufen. Wurtend√∂rfer entstanden vor allem im 7. und 8. Jahrhundert. Siehe:Geschichte der Besiedlung der Marschen

Surrein als Reihendorf ist am Vorderrhein in der Surselva (Tal) gebaut

Reihendorf

Reihendörfer entstehen durch den Bau einer Siedlung entlang einem langgestreckten topografischen Objekt wie einem Bach, einem Graben oder Deich. Liegt die Siedlung dagegen entlang einer Straße oder einem Weg, spricht man von einem Straßendorf.

Reihendörfer und Strassendörfer bieten oft die Möglichkeit, die Siedlung an beiden Enden zu erweitern.

Zeilendorf

Ein Zeilendorf besteht aus einer Häuser- bzw. Hofzeile, die regelmäßig und linear aneinander gereiht ist.

Kolonistendörfer in Brandenburg

Die Brandenburger Kolonistend√∂rfer entstanden nach 1157 im Zuge der von Albrecht dem B√§ren und seinem Sohn Otto I. betriebenen Ansiedlungspolitik. Die beiden ersten brandenburgischen Markgrafen versuchten mit dieser Politik erfolgreich, die 1157 eroberte und gegr√ľndete Mark Brandenburg, die noch in weiten Teilen von Slawen bewohnt war, zu christianisieren und zu stabilisieren. Die Kolonisten kamen √ľberwiegend aus der Altmark und aus Flandern. Die D√∂rfer wurden in der Regel als Reihendorf oder Rundling mit Wald-, Wiesen- und Ackerhufen angelegt, vereinzelt gab es dreieckige Sackgassend√∂rfer wie Gr√∂ben bei Ludwigsfelde. Ein typisches Beispiel ist Elsterwerda.

Offene Dorfformen

Bei offenen Dorfformen war die M√∂glichkeit des gegenseitigen Schutzes der D√∂rfler, aber auch die Gefahr einer Brandkatastrophe geringer als bei geschlossenen. Wo jeder Bauer dauerhaft eine m√∂glichst zusammenh√§ngende Nutzfl√§che bewirtschaftet, verk√ľrzt es die mit dem Arbeitsalltag verbundenen Wege, wenn das Geh√∂ft am Rand oder inmitten der Nutzfl√§che steht.

Bei der planm√§√üigen Urbarmachung bisher nicht oder kaum landwirtschaftlich genutzter Gebiete bekam jeder Bauer dauerhaft eine zusammenh√§ngende Fl√§che zugeteilt, die Hufe. So entstanden als planm√§√üiges √Ąquivalent der Streusiedlung die Hufend√∂rfer.

Streusiedlung

Vereinfachtes Beispiel einer Streusiedlung

Eine Streusiedlung ist eine nicht geschlossene Siedlung, die aus weit auseinanderliegenden Bauernh√∂fen und Weilern ohne eigentlichen Ortskern besteht. Ein typisches Streusiedlungsgebiet ist das M√ľnsterland. Ferner kommen Streusiedlungen des √∂fteren im Schwarzwald vor und sind oft durch spontane Besiedlung zustande gekommen. Eine Streusiedlung ist nicht planm√§√üig geordnet. Streusiedlungen sind auch die typische Siedlungsform der Walserkolonien in den Alpen. Zwischen Weser und Ems war Streusiedlung seit jeher verbreitet. In Teilen des Allg√§us dagegen wurde sie erst in der fr√ľhen Neuzeit eingef√ľhrt, um die Ertr√§ge der Landwirtschaft zu verbessern.

Große Teile Kanadas und der USA bestehen aus Streusiedlungen.

Moorhufendorf

Beim Moorhufendorf handelt es sich um eine planm√§√üig angelegte Reihensiedlung des 16. und 17. Jahrhunderts. Das Moorhufendorf hat in der Regel eine Breitstreifenflur (Flurformtyp, bei dem Streifen von ca. 50‚Äď800 m Breite dominieren). Die Grenzen der Breitstreifen bilden Entw√§sserungsgr√§ben. Vielfach in den Niederlanden zu finden.

Marschhufendorf

Ein Marschhufendorf ist ein Reihendorf in Marschgebieten längs eines Entwässerungskanals. Der Landbesitz schließt in gereihten Längsstreifen an die Hofanlagen an. Marschhufendörfer gibt es besonders in den Niederlanden und etwa seit dem 10. Jahrhundert in Norddeutschland in den Gebieten, in denen die Niederländer an der Entwässerung mitwirkten.

Waldhufendorf

Als Waldhufend√∂rfer werden planm√§√üig angelegte Siedlungen des Mittelalters bezeichnet, die durch (und zur) Rodung angelegt wurden und die, ausgehend von den badischen, schw√§bischen und fr√§nkischen Gebieten in S√ľddeutschland, bei der Kolonisierung in Th√ľringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schlesien sowie teilweise auch Brandenburg und im n√∂rdlichen nieder√∂sterreichischen Waldviertel eine wichtige Rolle spielten.

Hagenhufendorf

Hagenhufendorf

Ein Hagenhufendorf oder Bachhufendorf ist eine langgestreckte Siedlung, √§hnlich dem Reihendorf, entlang einer Stra√üe, die parallel zu einem Bach verl√§uft, wobei die Stra√üe nur einseitig bebaut wird, w√§hrend auf der gegen√ľberliegenden Stra√üenseite die zu den H√∂fen geh√∂renden handtuchf√∂rmigen Ackerfl√§chen von 20 bis 40 Morgen, die Hufe, liegen.

Die eingeh√§gten Grundst√ľcke, dienen als Bauerngarten und zur Kleintierhaltung. Der r√ľckw√§rtig angrenzende Bach liefert das n√∂tige Wasser. Idealerweise gibt es noch einen nahegelegenen Wald zur Brennholz- und Nutzholzgewinnung.

Siedlungen an Kristallisationspunkten

Kirchdorf

In Gegenden mit traditioneller Streusiedlung ließen sich neben einer Kirche gerne Menschen nieder, die ihren Lebensunterhalt nicht oder nicht nur mit Landwirtschaft verdienten.

Marktflecken

Wo in verkehrsg√ľnstiger Lage regelm√§√üig M√§rkte stattfanden, was in der Feudalzeit nur mit obrigkeitlicher Erlaubnis m√∂glich war, siedelten sich au√üer H√§ndlern gerne auch Handwerker an. So entstanden Siedlungen, die nicht selten gr√∂√üer waren als reine Bauernd√∂rfer. Etliche Marktflecken erhielten sp√§ter Stadtrechte.

Eisenbahnsiedlung

Die Eisenbahnsiedlungen entstanden vor allem in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Wesentliche Voraussetzung war das Vorhandensein von Eisenbahnhaltepunkten und ihr netzmäßiger Ausbau als Komponente der Infrastruktur.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts

Durch die Rationalisierung der Landwirtschaft und anderer Erwerbszweige, gr√∂√üere Mobilit√§t und als Reaktion auf die Gebietsreform hat das Dorf in den letzten Jahrzehnten viel von seiner fr√ľheren Bedeutung verloren. Trotzdem betonen viele Orte und Ortsteile gerne ihren d√∂rflichen Charakter, sowohl f√ľr ihre Einwohner als auch f√ľr Ausw√§rtige. Dar√ľber hinaus werden manche neuen Siedlungen oder auch Einrichtungen als Dorf bezeichnet, um ihre √úberschaubarkeit oder ihre Abgrenzung von einer umgebenden Gro√üstadt zu betonen.

Überkommene Dörfer, mit (touristischer) Vermarktung einer besonderen Tradition, eines politischen Anspruchs oder anderer Besonderheiten:

‚ÄěD√∂rfer‚Äú f√ľr den vor√ľbergehenden Aufenthalt bestimmter Personengruppen:

Vom Umfeld abgegrenzte Bauweise:

Zumeist nicht (mehr) bewohnt:

Soziale Strukturen, Soziologisches

Hierarchie (historisch)

In der sozialen d√∂rflichen Hierarchie standen die wohlhabenden Bauern (der Pfarrer und der Richter ggf. der Lehrer) an der Spitze. Der Besitz von Pferden stellte den h√∂chsten Reichtum dar (fast Luxus: Das Pferd frisst, was es einbringt), so dass man die Gespannbesitzer von den Kuhbauern unterschied. Pferde konnten sich meist nur die sogenannten Vollbauern (Hufner) leisten. Daneben gab es landwirtschaftliche Kleinbetriebe (H√§usler, K√∂tter, Seldner‚Ķ), die √ľber die Nutzung des eigenen Landes hinaus freie Arbeitskraft f√ľr die Vollbauern bereitstellten, sowie bis in die 1970er Jahre die traditionellen d√∂rflichen Handwerks- und Dienstleistungsberufe (M√ľller, Grobschmied; Stellmacher (bearbeitet die horizontalen Fl√§chen einer Transporteinheit ‚Äď Holz Gestell); Wagner(besch√§ftigt sich in der Regel ausschlie√ülich mit der Herstellung der R√§der eines Wagens); Gastwirt (Kr√ľger) ‚Ķ), aber eben auch B√§cker, Fleischer, Tischler, Zimmermann, Dachdecker u.v.a. 2004 sind einige davon in der Bundesrepublik Deutschland aus dem Dorf praktisch verschwunden, zusammen mit dem Einzelhandelsgesch√§ft (Gemischtwarenladen), der Post(halterei) usw. Das ebenso wie das l√§ndliche Hofgesinde (Knecht und Magd), und zuunterst in der Rangordnung die Dorfarmen und -irren. Der Gro√üteil der Besch√§ftigten ist au√üerhalb der Landwirtschaft t√§tig und meist in den n√§chstgelegenen St√§dten oder zentralen Orten. Im Gegenzug entstanden in den D√∂rfern neue Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe (Elektriker- und Reparaturwerkst√§tten, Fuhrbetriebe, Tankstellen etc.).

Eine ausf√ľhrliche Hofgeschichte der H√ľfner (Vollbauern), Koss√§ten (G√§rtner) und B√ľdner (H√§usler) wie auch die Entwicklung der beiden d√∂rflichen Wasserm√ľhlen, der Schmiede, Ziegeleien und Kleingewerbe stellt das Brandenburgische Dorf G√∂mnigk dar.

Dorfgemeinschaft

Eine Dorfgemeinschaft zeichnet sich aus durch soziale Beziehungen (Nachbarschaftsbeziehungen, soziale Kontrolle), feste Strukturen und Normen (Sitten, Brauchtum, Feste, Vereinswesen, etc.) bis hin zur l√§ndlichen Architektur, Bekleidung, Nahrung usw. Auch die Entwicklung der Bev√∂lkerung blieb an die verf√ľgbare Nutzfl√§che gebunden. Das Gleichgewicht wurde dadurch aufrechterhalten, dass ein Teil der Bev√∂lkerung keine Familien gr√ľndete oder auswanderte. Mit beginnender Industrialisierung fand der nichtb√§uerliche Teil der d√∂rflichen Bev√∂lkerung durch Heimarbeit eine zus√§tzliche Einnahmequelle. In S√ľdwestdeutschland wurde durch eine breitgestreute Ansiedlung kleinerer Industriebetriebe relativ fr√ľh eine gr√∂√üere Zahl au√üerlandwirtschaftlicher Dauerarbeitspl√§tze geschaffen. Heute bildet das landwirtschaftlich bestimmte Bauerndorf die Ausnahme.

Soziologisch wird das Dorf empirisch vor allem in der Gemeinde- und Agrarsoziologie untersucht (tlw. auch in der Entwicklungssoziologie), konzeptionell ist daf√ľr besonders auf den Begriff ‚ÄěGemeinschaft‚Äú zu verweisen.

Dorfentwicklung und -sicherung

D√∂rfer unterliegen momentan einem starken strukturellen Wandel. Aufgrund des Aussterbens der kleinb√§uerlichen Dorfkultur entf√§llt die Landschaftspflege besonders in abgelegeneren Orten. W√§hrend die zumeist √§ltere landwirtschaftlich t√§tige Generation ausstirbt, erwirtschaftet die Mehrheit der Dorfbewohner ihr Einkommen als Pendler in den mehr oder weniger nahe liegenden Ballungsgebieten. Daher werden zur Sicherung des gewachsenen Landschaftsbildes verschiedene Anstrengungen unternommen. Mit dem Europ√§ischen Dorferneuerungspreis und dem Bundeswettbewerb ‚ÄěUnser Dorf hat Zukunft‚Äú sollen die Bewohner der D√∂rfer durch Anregung des B√ľrgerengagements die Lebensqualit√§t erhalten oder verbessern. Unterst√ľtzt werden diese Bem√ľhungen beispielsweise mittels Programmen zur Dorferneuerung. In Bezug auf die Agenda 21 erhofft man sich davon zumindest den Erhalt des Landschaftsbildes.

Siehe auch

Literaturhinweise

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  • Heinz Heineberg: Einf√ľhrung in die Anthropogeographie/Humangeographie. 3. √ľberarbeitete und aktualisierte Auflage, Paderborn u. a. 2007.
  • Herbert Jankuhn/Rudolf Sch√ľtzeichel/Fred Schwind(Hrsg.): Das Dorf der Eisenzeit und des fr√ľhen Mittelalters. Siedlungsform ‚Äď wirtschaftliche Funktion ‚Äď soziale Struktur. G√∂ttingen: Vandenhoeck & Rupprecht (= Abh. Akad. Wiss. G√∂ttingen, Phil.-Hist. Kl. 3; 101)1977.
  • Anneliese Krenzlin: Beitr√§ge zur Kulturlandschaftsgenese in Mitteleuropa. Gesammelte Aufs√§tze aus vier Jahrzehnten (hrsg. von Hans-J√ľrgen Nitz und Heinz Quirin), Wiesbaden 1983.
  • Cay Lienau: Die Siedlungen des l√§ndlichen Raumes. 3. Aufl. Braunschweig 1997.
  • Werner R√∂sener: Bauern im Mittelalter. 4., unver√§nd. Aufl. M√ľnchen: C.H. Beck 1993. ISBN 3-406-30448-6
  • Henning Sch√∂pke-Papst: D√∂rfer in Deutschland. Braunschweig 1989.
  • Rainer Schreg: Dorfgenese in S√ľdwestdeutschland. Das Renninger Becken im Mittelalter. Stuttgart: Theiss (= Materialhefte zur Arch√§ologie in Baden-W√ľrttemberg; 76/2006). ISBN 978-3-8062-2066-7
  • Rainer Schreg: Die Arch√§ologie des mittelalterlichen Dorfes in S√ľddeutschland. Probleme ‚Äď Paradigmen ‚Äď Desiderate. In: Siedlungsforschung. Arch√§ologie ‚Äď Geschichte ‚Äď Geographie 24/2007, S. 141‚Äď162.

Weblinks

 Commons: Dorf ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Dorf ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen
 Wikiquote: Dorf ‚Äď Zitate

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