Druck (Physik)


Druck (Physik)
Physikalische Größe
Name Druck
Größenart mechanische Spannung
Formelzeichen der Größe p
Abgeleitet von Kraft
Größen- und
Einheiten-
system
Einheit Dimension
SI Pascal (Pa), N*m −2 M·L−1·T −2
Anglo-
amerikanisch
psi, in Hg M·L−1·T −2
Anmerkungen
  • Neben Pascal ist laut CGPM auch die Maßeinheit bar erlaubt, dabei gilt: 1 bar = 100 000 Pa
  • spezielle Drücke werden durch Indizes bezeichnet. (z. B. pabs)
  • veraltete Einheiten: at (ata, atü, atu), atm, Torr
Siehe auch: Luftdruck, Überdruck

Der Druck ist eine intensive physikalische Zustandsgröße thermodynamischer Systeme und zudem eine lineare Feldgröße.

Allgemein gilt, dass der Druck p (engl. pressure) den Betrag einer auf eine Fläche A (engl. area) normal stehenden Kraft F (engl. force) je Flächeninhalt von A darstellt:


p = \frac {| \vec {F}_{\perp} |}{| \vec A |} \,

Die abgeleitete SI-Einheit des Drucks ist das Pascal Pa. Das Formelzeichen p darf hierbei nicht mit der Leistung P (von engl. power) beziehungsweise mit dem Impuls p verwechselt werden.

Das Konzept ist eine Vereinfachung des allgemeinen Spannungstensors \mathbb S. Bei ausschließlicher Druckspannung gilt dann:

\mathbb S = p \mathbb I

wobei \mathbb I der Einheitstensor ist. Allgemein ist damit der Zusammenhang zwischen Druckkraft und Fläche:


\vec F = \mathbb S \cdot \vec A

Hier ist \vec A der Normalenvektor der Fläche. Dieser allgemeine Zusammenhang hat als Ergebnis, dass die Druckkraft immer senkrecht zur Fläche zeigt.

Daher ist der Druck wie die Druckspannung keine skalare Zustandsgröße sondern eine Tensorkomponente. Die mechanische Spannung hat dieselbe physikalische Dimension wie der Druck, nämlich Kraft/Fläche. Der Druck stellt einen Spezialfall einer mechanischen Spannung dar.

Inhaltsverzeichnis

Druck in strömenden Medien

statischer und dynamischer Druckanteil in einer verlustfreien Strömung

Der Druck in strömenden Medien setzt sich aus einem statischen und einem dynamischen Anteil zusammen. Während beide Teile von der Dichte abhängen, unterscheiden sie sich dadurch, dass der (hydro)statische Druck, für Fluide mit konstanter Dichte, linear mit der Höhe der Fluidsäule steigt. Zudem ist er von der Erdbeschleunigung, also der Gravitation, abhängig. Der dynamische Anteil hingegen wächst quadratisch mit der Strömungsgeschwindigkeit des Fluids. Das Bild zur Rechten verdeutlicht die Konstanz der Summe aus dynamischem und statischem Anteil in einer reibungsfreien Strömung. Dieses ist die Konsequenz aus der Energieerhaltung in der Strömung und für diesen Spezialfall als Gesetz von Bernoulli bekannt.

Hydrostatischer Druck

Hauptartikel: Hydrostatischer Druck

Der hydrostatische Druck übt auf jede Fläche, die mit dem Fluid in Verbindung steht, eine Kraft aus, die zur Größe der Fläche proportional wirkt – je größer die Fläche, desto größer wird also die darauf wirkende Kraft. Diese Form des Drucks ist somit eine spezielle Form der elastischen Spannungen, die idealen Flüssigkeiten und Gasen eigen ist: In der idealen (reibungsfreien) Flüssigkeit existieren ausschließlich Normalspannungen, eben jener hydrostatische Druck. Anders ist es in einer realen (reibungsbehafteten, viskosen) Flüssigkeit, denn hier können auch Tangential- oder Schubspannungen infolge der Reibungskräfte auftreten. Im Mohrschen Spannungskreis stellt sich der hydrostatische Druck daher als einfacher Punkt dar. Beispiele für einen hydrostatischen Druck sind der Wasserdruck und der Luftdruck.

Der hydrostatische Druck p(h) in einer stehenden Flüssigkeitssäule der Höhe h und der Dichte ρ unter Wirkung der Erdbeschleunigung g ergibt sich als Spezialfall aus der hydrostatischen Grundgleichung zu


p(h) = \rho \, g \, h + p(0) \; .

Dabei ist p(0) der Druck am oberen Ende Flüssigkeitsäule.

Hydrodynamischer Druck

Der hydrodynamische Druck resultiert aus der kinetischen Energie einer strömenden Flüssigkeit an der Oberfläche eines Körpers in dieser Strömung. Er ist nach Daniel Bernoulli die Veränderung des Oberflächendruckes gegenüber dem hydrostatischen Druck (siehe auch Staudruck).

Der hydrodynamische Druck nimmt zusammen mit der Geschwindigkeit des Fluids zu und ab. Die Geschwindigkeit kann von größeren zu kleineren Querschnitten aber nur zunehmen, wenn der hydrostatische Druck in den kleineren Querschnitten niedriger ist und umgekehrt. Durch die Strömung entsteht also beim Übergang von einem größeren in einen kleineren Querschnitt eine hydrodynamische Verringerung des hydrostatischen Druckes bei gleichzeitiger Erhöhung des hydrodynamischen Druckes. Umgekehrt erhöht sich der hydrostatische Druck beim Übergang von einem kleineren zu einem größeren Querschnitt, während der hydrodynamische Druck sinkt. Der hydrodynamische Druck ist dabei zwar nicht direkt messbar, wird aber zur Geschwindigkeitsmessung des Fluids verwendet.

Es gilt:       p = \frac{1}{2} \ \rho \cdot v^2 \,      (p ist der dynamische Druck, ρ ist die Dichte des strömenden Fluids und v ist die Geschwindigkeit)

Der Zusammenhang zwischen hydrostatischem und hydrodynamischen Druck wird durch das Gesetz von Bernoulli erklärt.

Für eine Gasströmung (kompressibles Medium) existiert neben dem hydrostatischen Druck noch der Ruhedruck, welcher näherungsweise der Summe aus hydrostatischem und hydrodynamischem Druck entspricht.

Definition in der statistischen Physik und Thermodynamik

In der statistischen Physik ist der Druck allgemein durch folgenden Erwartungswert gegeben:

p:=-\left\langle \frac{\partial\hat{H}}{\partial V}\right\rangle

dabei ist \hat{H} der Hamiltonoperator des Systems, V das Volumen, \langle\ldots\rangle ein Ensemblemittel über das jeweilige statistische Ensemble.

Diese Definition führt im mikrokanonischen Ensemble zu

p=-\frac{\partial U}{\partial V}

(U ist die innere Energie), im kanonischen Ensemble zu

p=-\frac{\partial F}{\partial V}

(F ist die Freie Energie) und im großkanonischen Ensemble zu

p=-\frac{\partial \Phi}{\partial V}

(Φ ist das Großkanonische Potential).

Gasdruck

Der Gasdruck entsteht als Summe aller durch ein Gas oder Gasgemisch wirkenden Kräfte auf eine Gefäßwand. Stößt ein Gasteilchen an eine Wand, so tauschen beide einen Impuls aus. Je wärmer das Gas ist, desto schneller sind die Teilchen und desto größer ist auch der Druck. Die Impulsübertragung hängt nämlich von der kinetischen Energie des Gasteilchens ab. Ebenfalls abhängig ist sie von der Richtung, mit der das Teilchen auf die Wand trifft. Für viele Teilchen addieren sich diese Impulsüberträge zu einer Gesamtkraft. Diese hängt hauptsächlich von der Anzahl der Teilchen ab, die pro Zeiteinheit auf die Wand treffen. Man erhält den Gasdruck auch durch eine Addition aller Partialdrücke der Komponenten des Gasgemisches. Hierbei stellen auch Dampfdruck und Sättigungsdampfdruck Sonderformen des Gasdrucks dar. Der Luftdruck ist ein Beispiel für einen Gasdruck.

Die kinetische Gastheorie liefert aus den genannten mechanischen und statistischen Überlegungen die Zustandsgleichung:


p = -\frac{\partial U(S,V,n)}{\partial V} \,

die sich für die Thermodynamik auch als Definition des Druckes als intensive Größe anbietet (siehe auch Fundamentalgleichung).

Für den Spezialfall eines ideales Gas führt dieses zur thermischen Zustandsgleichung:


p V = n \, R \, T \,

Auf Grund der kinetischen Gastheorie folgt


p = \frac{n \, M \, \overline{v^2}}{3 V} \,

Hierbei stehen die einzelnen Formelzeichen für folgende Größen:

Der gemittelte Impulsübertrag ist im Produkt aus Gaskonstante und Temperatur der Zustandsgleichung enthalten. Beide Begriffe können durch Kolbenprobeexperimente ineinander überführt werden. Der Gasdruck kann äquivalent zur obigen Definition auch als hydrostatischer Spannungstensor, wie er aus der Mechanik bekannt ist, verstanden werden.

Absoluter- / Relativer Druck

Der absolute Druck pabs (engl. absolute pressure) bezieht sich auf das perfekte Vakuum. Bei diesem absolut molekülfreien Raum ist der Nullpunkt des absoluten Drucks definiert. Ein Beispiel für einen häufig „absolut“ angegebenen Wert ist der Luftdruck.

Als relativen Druck bezeichnet man eine relative Druckbeziehung zwischen zwei Volumina. Häufig wird der Umgebungsdruck als Bezugsgröße verwendet, jedoch bieten sich je nach Zusammenhang auch andere Bezugsgrößen an. Ein Beispiel für einen häufig „relativ“ angegebenen Druck ist der Fülldruck eines Reifens.

Zur Verdeutlichung: Füllt man bei einem Luftdruck von 1 bar einen Reifen mit einem relativen Druck von 2 bar, herrscht im Reifen ein absoluter Druck von 3 bar.

Einheiten

Die SI-Einheit des Druckes ist das Pascal mit dem Einheitenzeichen Pa. Ein Pascal entspricht einem Druck von einem Newton pro Quadratmeter:


\mathrm{1 \ Pa = 1 \ \frac{N}{m^2} = 1 \ \frac{kg}{m \cdot s^2}} \,

Für höhere Drücke wird auch gerne die SI-konforme Einheit Bar verwendet, 1 bar entspricht dabei 100.000 Pa = 1.000 hPa oder 100 kPa.

Im Ingenieurwesen wird für Druck ebenso wie für mechanische Spannung auch die Einheit N/mm² verwendet:


1 \ \frac{\mathrm{N}}{\mathrm{mm}^2} = 1 \ \mathrm{MPa} = 10 \ \mathrm{bar}

Andere teilweise noch zu findende, aber nicht mehr zulässige Druckeinheiten sind:

Druckeinheiten und Umrechnungsfaktoren
  Pascal Bar Technische Atmosphäre Physikalische Atmosphäre Torr Pound-force per square inch
≡ 1 N/m² ≡ 1 Mdyn/cm² ≡ 1 kp/cm² ≡ pSTP ≡ 1 mmHg ≡ 1 lbF/in²
1 Pa 1 1,0000 · 10−5 1,0197 · 10−5 9,8692 · 10−6 7,5006 · 10−3 1,4504 · 10−4
1 bar 1,0000 · 105 1 1,0197 · 100 9,8692 · 10−1 7,5006 · 102 1,4504 · 101
1 at 9,8067 · 104 9,8067 · 10−1 1 9,6784 · 10−1 7,3556 · 102 1,4223 · 101
1 atm 1,0133 · 105 1,0133 · 100 1,0332 · 100 1 7,6000 · 102 1,4696 · 101
1 Torr 1,3332 · 102 1,3332 · 10−3 1,3595 · 10−3 1,3158 · 10−3 1 1,9337 · 10−2
1 psi 6,8948 · 103 6,8948 · 10−2 7,0307 · 10−2 6,8046 · 10−2 5,1715 · 101 1

Exponentialdarstellung auf vier Stellen gerundet.

Druckmessgeräte und -verfahren

Druckmessgeräte (Manometer) beruhen auf verschiedenen Messprinzipien:

  • Zum Messen des Reifendrucks am Auto oder des Hauswasser- und Hausgasdrucks werden einfache Rohrfeder-Manometer oder Bourdonfeder-Manometer („Narrentröte“) verwendet. Diesen liegt das Prinzip eines eingerollten Schlauchs zu Grunde, der sich unter Druck aufrollt.
  • Messgeräte für statische Drücke messen meist die Druckdifferenz anhand der Auslenkung einer mechanischen Trennung, indem der Druck mit einem Referenzdruck, etwa Vakuum verglichen wird. So messen etwa die Barometer und die Ringwaage, indem die Auslenkung direkt in eine Anzeige übersetzt wird, oder Differenzdrucksensoren, indem die Kraft der Auslenkung gemessen wird.
  • Indirekte Druckmessung beruht auf Effekten der Teilchenzahldichte
  • Messgeräte für Drücke in fließenden Medien (Fluiden) nutzen die Eigenheiten der Bernoulli-Gleichungen, etwa das Staurohr (Pitotrohr) oder die Venturidüse
  • Blutdruckmessgeräte messen indirekt, indem akustische Ereignisse beim Entspannen der vorher komprimierten Adern aufgefangen werden
  • Druckmessumformer sind Druckmessgeräte, die in industriellen Umgebungen eingesetzt werden können. Dazu wird das gewonnene Druckmesssignal in ein standardisiertes Signal (4 bis 20 mA, 0 bis 10 V, PROFIBUS oder vergleichbar) umgeformt.

Andere Verfahren, um Drücke zu messen:

  • Drucksensitive Farbe (englisch pressure sensitive paint, PSP) ist ein Messverfahren, um lokale Druckverteilungen an Grenzflächen sichtbar zu machen

Spezielle Drücke

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