Duncan Sandys

Duncan Edwin Sandys, Baron Duncan-Sandys (gespr. „sands“) (* 24. Januar 1908; † 26. November 1987) war ein britischer Politiker und Minister Großbritanniens in aufeinanderfolgenden konservativen Regierungen, der sich stark für die europäische Integration im heutigen Sinn einsetzte und daher als „europäischer“ Politiker gilt und ist einer der Gründerväter. Er war der Schwiegersohn von Sir Winston Churchill.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und 2. Weltkrieg

Sandys war der Sohn eines konservativen Parlamentariers und wurde im Internat Eton erzogen und studierte am Magdalen-College der Universität Oxford. Er trat 1930 in den diplomatischen Dienst ein und diente im Auswärtigen Amt in London sowie an der Botschaft in Berlin. Er wurde Abgeordneter für Lambeth, Norwood in Süd London 1935. Im gleichen Jahr heiratete er Diana Churchill, Tochter des zukünftigen Premierministers.

Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er mit dem britischen Expeditionskorps in Norwegen und wurde 1941 verwundet; jedoch behielt er zeitlebens eine Gehbehinderung. Darauf erhielt er einen Schreibtischjob als Finanzmitglied des Armeerates. Sein Schwiegervater gab ihm seinen ersten Ministerposten in der Koalitionsregierung während des Krieges. Er war als Minister auch Vorsitzender eines Ausschusses für Verteidigung gegen deutsche Flieger, Bomben und Raketen des Kriegskabinetts. Jedoch verlor er in der Wahl 1945 seinen Parlamentssitz und das Amt.

Nachkriegszeit

Alte Flagge der Europäischen Bewegung, entworfen von Duncan Sandys

Sandys war in Großbritannien 1947 verantwortlich für die europäische Bewegung. In diesem Jahr gründete Duncan Sandys mit Hilfe von Winston Churchill die britische nationale United Europe Movement (UEM). Der Flaggenentwurf von Duncan Sandys zeigt ein grünes (ursprünglich rotes) „E“ auf weißem Grund. Die Europaflagge wurde erstmals 1949, bei einer europäischen Wirtschaftskonferenz in London gehisst. Sie wurde abgelehnt, da einem reinen Buchstabensymbol zu wenig emotionale Bindungskraft zugeschrieben wurde. Überdies wurde sie von Spöttern – in Inversbetrachtung (weiß vor grünem Hintergrund)– als „Mister Sandys' Pants“ oder „Churchills Unterhosen“ bezeichnet. Von 1950 bis 1951 war er als Abgeordneter des britischen Parlaments Mitglied der Europäischen Ratgebenden Versammlung.

Sonstige Tätigkeiten

im Kabinett Churchill 1955
stehend vierter von rechts

Nachdem die Konservativen wieder an die Regierung gekommen waren, wurde Sandys 1951 Minister für Versorgung; sein Staatssekretär wurde Jack Charles. In seiner späteren Amtszeit als Minister für Wohnungsbau wurde der Clean Air Act (Gesetz zur Luftreinhaltung) verabschiedet und Sandys setzte sich für die Schaffung von Grüngürteln in den Städten ein. Er wurde von 1957 bis 1959 Minister der Verteidigung. In dem von ihm herausgegebenen Weißbuch der Verteidigung wurde ein radikaler Umbau der Royal Airforce gefordert: An die Stelle von Kampfflugzeugen sollten moderne Lenkwaffen treten. Als Verteidigungsminister verfolgte er auch die Rationalisierung der britischen Militärflugzeug- und Maschinenbauindustrie. Von 1959 bis 1960 war Minister für Luftfahrt. Von 1960 bis 1964 war er Commonwealth-Minister, ab 1962 auch für die Kolonien zuständig. In dieser Zeit war er für die Entlassung mehrerer Kolonien in die Unabhängigkeit verantwortlich.

1960 ließ sich Sandys 1960 von seiner ersten Frau scheiden und heiratete Marie-Claire, mit der er bis zu seinem Tod verheiratet blieb. Es wurde lange darüber spekuliert, ob Sandys der headless man war, der auf einem Skandalfoto abgebildet war, das 1963 in dem viel beachteten Scheidungsprozess einer schottischen Herzogin eine wichtige Rolle spielte. Auf dem Foto war ein Mann gänzlich unbekleidet abgebildet, der Kopf des Mannes war dabei aber nicht zu sehen.

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