Eamon de Valera


Eamon de Valera
Éamon de Valera

Éamon de Valera [ˈeːəmən də vəˈleːra] (* 14. Oktober 1882 in New York City; † 29. August 1975 in Dublin; irisch Éamonn de Bhailéara, auch kurz Dev) war ein irischer Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit und Ausbildung

De Valera wurde als Sohn des Kuba-Spaniers Juan („Vivion“) de Valera und dessen irischer Ehefrau Catherine („Kate“) Coll, in Manhattan/New York unter dem Namen George De Valera (1910 Namensänderung in Edward) geboren.[1] Seit seinem 2. Lebensjahr wuchs er bei seinen Großeltern mütterlicherseits in Knockmore in der irischen Grafschaft Limerick auf. Er besuchte dort die Schule und studierte anschließend am Blackrock College in Dublin Mathematik. Nach Abschluss des Studiums wurde er Professor und Lehrer für Mathematik an verschiedenen Hochschulen und Schulen.

Erste politische Aktivitäten

In dieser Zeit knüpfte er auch erste Kontakte mit der irischen nationalen Bewegung. Er erlernte die irische Sprache und schloss sich 1908 der offiziell unpolitischen, real jedoch als Sammelbecken von Nationalisten fungierenden Gaelic League (irisch: Conradh na Gaeilge) an. 1913 war er Gründungsmitglied der paramilitärischen Irish Volunteers. Er beteiligte sich 1916 am Osteraufstand in Dublin gegen die britische Herrschaft in Irland und wurde nach dessen Scheitern verhaftet und zum Tode verurteilt. Da er jedoch in den USA geboren wurde und daher die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, wurde dieses Urteil in eine lebenslange Gefängnisstrafe umgewandelt, die er in Sussex allerdings nur stark verkürzt verbüßte.

Die Gründung des irischen Staates

1917 wurde er amnestiert und übernahm den Vorsitz von Sinn Féin und wenig später den der Irish Volunteers. Im Mai 1918 wurde er erneut verhaftet und während der Haftzeit für Sinn Féin ins britische Unterhaus gewählt. De Valera floh jedoch und setzte sich in die USA ab, wo er aufwendig für den irischen Unabhängigkeitskampf warb.

Als 1919 das neue, von Großbritannien nicht anerkannte, irische Parlament Dáil Éireann zusammentrat, wurde De Valera zum irischen Regierungschef (President of the Executive Council) gewählt. Kurz darauf, nach politischen Wirren, ließ er sich zudem zum Präsidenten der (offiziell nicht anerkannten) Republik Irland ernennen. Als aufgrund der einseitigen Unabhängigkeitserklärung durch Dáil Éireann der irische Unabhängigkeitskrieg (Anglo-Irish War, Black-and-Tans War) ausbrach, reiste De Valera in die USA, um dort – äußerst erfolgreich – finanzielle und – wenig erfolgreich – politische Unterstützung für die irischen Rebellen zu finden.

Den 1921 unter der Leitung von Michael Collins unterzeichneten anglo-irischen Vertrag, der u. a. die Teilung der Insel in einen unabhängigen Freistaat und ein weiterhin zum Vereinigten Königreich gehörendes Nordirland bedeutete, erkannten viele Iren, auch De Valera nicht an. Dieser trat als Präsident zurück und führte im darauf beginnenden irischen Bürgerkrieg die Rebellen gegen die neue, reguläre irische Armee an. 1923 ordnete er an, dass seine Leute die Waffen niederlegen, wodurch der Bürgerkrieg ein Ende fand. De Valera hatte gemeinsam mit Weggefährten entschieden, dass der Weg zur vollständigen irischen Unabhängigkeit nur auf parlamentarischem, nicht auf militärischen Wege gegangen werden könne.

Der Parlamentarische Weg

1926 gründete er vor allem aus Sinn-Féin-Mitgliedern die Partei Fianna Fáil, deren Vorsitzender er wurde. 1932 wurde seine Partei stärkste Kraft im irischen Parlament und De Valera wurde zum irischen Premierminister (Taoiseach) gewählt. Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Regierung bestand in der Abschaffung des im Anglo-Irischen Vertrag festgeschriebenen Eides der irischen Parlamentsmitglieder (Teachtaí Dála) auf die britische Krone. Das Amt des Taoiseach hatte er durchgehend bis 1948 inne und danach noch zweimal (1951–1954 und 1957–1959). Von 1959 bis 1973 war De Valera irischer Staatspräsident.

Einfluss

De Valera gilt unbestritten als einer der einflussreichsten irischen Politiker des 20. Jahrhunderts. Seine Ausstrahlungskraft und Führungsqualitäten machten ihn wahrscheinlich zur charismatischsten Figur im Irland seiner Zeit. Gleichzeitig ist sein politisches und ideologisches Erbe heute stark umstritten. Unter seiner Führung entwickelte sich Irland zu einem formal demokratischen Staat, der jedoch innenpolitisch repressiv und außenpolitisch recht isoliert war. Seine Neutralität im Zweiten Weltkrieg wohl aufgrund der Abneigung Großbritannien gegenüber war damals wie heute sehr umstritten. De Valera war weltweit der einzige Regierungschef, der nach dem Selbstmord Adolf Hitlers in einer deutschen Botschaft kondolierte. Die bis heute gültige irische Verfassung von 1937, die das Amt des Generalgouverneurs durch das des Präsidenten ersetzte und die symbolische Verwendung der im Alltag ungebräuchlich gewordenen irischen Sprache vorschrieb, geht wesentlich auf de Valera zurück. Die Erklärung der Unabhängigkeit Irlands mit dem Austritt aus dem Commonwealth of Nations 1949 wurde jedoch von seinem Widersacher John A. Costello beschlossen, als de Valeras Fianna Fáil erstmals in der Opposition war.

Wirtschaftlich brachten diese langen Jahre für Irland zudem wenig Fortschritt, die Massenemigration vor allem junger Menschen hielt an.

Große Teile des inneren Leben des Staats wurde auf Selbstgenügsamkeit in politischer und kultureller Hinsicht ausgerichtet. De Valeras Grundantwort auf die bestehenden Identitätsprobleme der irischen Gesellschaft bestand in der Rückbesinnung auf das, was er als die eigene kulturelle Tradition verstand. Dies entsprach weitgehend dem stark idealisierten Irland einer nicht näher bestimmbaren Vorzeit, in der England noch eine unbekannte Größe darstellte. Gleichzeitig vermochte er es häufig, seine Vorstellungen als Idealpolitik für Irland zu verkaufen. Ein überwiegend agrarisches Land, in dem die glückliche Familie das zentrale Element der Gesellschaft bildete und die Kinder abends am Kamin die Weisheit der älteren Generationen erfuhren, war daher das mit Abwandlungen fast allgegenwärtig propagierte Gesellschaftideal. Dieses ließ jedoch einerseits andere Ideen und Konzepte nicht zu, andererseits funktionierte es angesichts der Wirtschaftsmisere selbst nicht. Das kulturelle Leben wurde von der Zensur zumindest mitbeherrscht. Viele der Grundentscheidungen für diese Politik werden De Valera selbst zugeschrieben. Dennoch hat vor allem De Valera dazu beigetragen, dass Irland im Gegensatz zu vielen anderen Exkolonien in diesen politisch und wirtschaftlich schwierigen Jahrzehnten ein weitgehend demokratisches Land blieb.

Fußnoten

  1. The Earl of Longford: Éamon de Valera. Gill and Macmillan, Dublin 1970, S. 1–2, ISBN 0-7171-0485-0.

Literatur

  • Tim P. Coogan: De Valera. Long Fellow, Long Shadow. Arrow Books, London 1995, ISBN 0-09-995860-0.
  • Thomas R. Dwyer: Eamon De Valera. Macmillan, Dublin 1998, ISBN 0-7171-0964-X
  • Thomas R. Dwyer: De Valera. The man and the myths. Podbeg Books, Swords 1992, ISBN 1-85371-121-7
  • Paul Schall: Rätsel Irland. Ein Volk im Zwiespalt. Verlag Arndt, Vaterstetten 1979, ISBN 3-920040-62-7 (Repr. d. Ausg. Eamon de Valera und der Kampf Irlands um seine Freiheit).

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