Edouard Manet

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Edouard Manet
Édouard Manet, Fotograf FĂ©lix Nadar

Édouard Manet (* 23. Januar 1832 in Paris; † 30. April 1883 ebenda) war ein französischer Maler. Er gilt als einer der Wegbereiter der modernen Malerei.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit

Bildnis der Eltern, 1860
MusĂ©e d’Orsay, Paris

Édouard Manet kam 1832 im Haus Nummer 5 in der Rue des Petits-Augustins (heute Rue Bonaparte) im Pariser Stadtviertel Saint-Germain-des-PrĂ©s zur Welt. Das Geburtshaus befindet sich direkt gegenĂŒber der AcadĂ©mie des Beaux-Arts unweit des Louvre. Er entstammte einer bĂŒrgerlichen Familie mit republikanischer Gesinnung. Sein Vater, Auguste Manet, war Richter und arbeitete als Leiter der Personalabteilung im Justizministerium. Die Mutter EugĂ©nie-DĂ©sirĂ©e Manet, geborene Fournier, war die Tochter eines französischen Diplomaten, der als Konsul in Göteborg arbeitete. Der schwedische König Karl XIII. war einer der Paten der Mutter. EugĂ©nie-DĂ©sirĂ©e Manet tat sich bei Hauskonzerten als SĂ€ngerin hervor. Die Eltern verfĂŒgten ĂŒber ererbten Grundbesitz in Gennevilliers, wo Manets Großvater BĂŒrgermeister war. Das dortige Haus diente der Familie als Sommerwohnsitz und die verpachteten LĂ€ndereien ermöglichten einen gehobenen Lebensstil. Édouard Manets jĂŒngere BrĂŒder waren der 1833 geborene EugĂšne und der 1835 geborene Gustave. Der Onkel Edmond-Édouard Fournier begleite Édouard Manet und seinen Bruder EugĂšne wiederholt in den Louvre, um die dortigen Kunstwerke zu besichtigen.

Von 1838 bis 1844 besuchte Manet die von AbbĂ© Poiloup geleitete Institutsschule in Vaugirard. Anschließend wechselte er ans angesehene CollĂšge Rollin, das heutige LycĂ©e Jacques Decour, wo er 1848 seine schulische Ausbildung beendete. Dort lernte er den spĂ€teren Journalisten und Politiker Antonin Proust kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Manet fiel wĂ€hrend der Schulzeit durch schlechtes Betragen und ungenĂŒgende Leistungen auf. Bei seinen MitschĂŒlern war Manet beliebt, da er von ihnen und den Lehrern Karikaturen zeichnete. Manets Onkel Fournier erkannte das Zeichentalent des SchĂŒlers und bezahlte ihm fakultativen Zeichenunterricht am CollĂšge Rollin. Manet fertigte in diesen Jahren im Louvre erste Zeichnungen nach Alten Meistern an und zeichnete bei AusflĂŒgen nach Vincennes auch in der freien Natur.

Die Reise nach Brasilien

Schiffsdeck, um 1868
National Gallery of Victoria, Melbourne

Nach Beendigung des CollĂšge Rollin strebte Manet eine Laufbahn als Marineoffizier an. Seine Eltern stimmten dieser Idee zu, da der Wunsch des Vaters, sein Ă€ltester Sohn möge ebenfalls eine juristische Laufbahn einschlagen, durch die schlechten schulischen Leistungen ausschied. Bei der AufnahmeprĂŒfung zur Marineschule (Ecole Navale) Ende Juli 1848 fiel Manet jedoch durch. Zur Vorbereitung auf eine WiederholungsprĂŒfung im Folgejahr schiffte sich Manet am 9. Dezember 1848 auf das Schulschiff Le Havre et Guadeloupe ein, mit dem er zu einer sechsmonatigen Reise nach Brasilien aufbrach. Von dieser Reise sind zahlreiche Briefe Manets an Verwandte erhalten, in denen er von den Erlebnissen der Seereise, vom Karneval in Rio de Janeiro und der Schönheit sowie dem exotischen Reiz der brasilianischen Frauen berichtete. Andererseits warf der sechzehnjĂ€hrige Manet einen kritischen Blick auf die Sklaverei und Ă€ußerte sich besorgt ĂŒber eine mögliche WiedereinfĂŒhrung der Monarchie in Frankreich. WĂ€hrend seiner Zeit an Bord des Schiffes zeichnete Manet wiederum Karikaturen, die aber, ebenso wie jene aus der Schulzeit, nicht erhalten sind. Die Erfahrungen der Seereise fĂŒhrten Manet zu dem Entschluss, sich nicht erneut der PrĂŒfung der Marineschule zu stellen und stattdessen den Beruf des Malers zu wĂ€hlen. Manets spĂ€teres malerisches Werk besteht zu etwa einem Zehntel aus Meeresansichten, wobei die Reise nach Brasilien sicher eine inspirierende Rolle spielte.

Ausbildung im Atelier von Thomas Couture

Selbstbildnis des Tintoretto, Manets Kopie von 1854
Musée des Beaux-Arts, Dijon

Nach seiner RĂŒckkehr aus Brasilien konnte Manet seinen Vater davon ĂŒberzeugen, einer Ausbildung zum Maler zuzustimmen. Schwieriger gestaltete sich die Wahl des Ausbildungsortes, da Manets Vater die klassische Ausbildung an der AcadĂ©mie des Beaux-Arts, Manet selbst eine Atelierklasse bei einem KĂŒnstler bevorzugte. Die beiden einigten sich schließlich auf das Atelier von Thomas Couture, der mit seinem GemĂ€lde Die Römer der Verfallszeit im Salon von 1847 einen triumphalen Erfolg gefeiert hatte. Couture galt seinerzeit als fortschrittlicher KĂŒnstler, den zahlreiche junge Maler bewunderten. 1850 begann Édouard Manet hier seine Ausbildung, die vor allem in der Arbeit vor lebenden Modellen bestand. In der Malklasse befanden sich meist 25 bis 30 SchĂŒler, die nicht nur aus Frankreich, sondern auch aus Deutschland und den USA stammten. Der deutsche Maler Anselm Feuerbach war zeitgleich mit Manet im Atelier Coutures, und auch Manets Schulfreund Antonin Proust besuchte den Unterricht. Manet bewunderte zunĂ€chst die FĂ€higkeiten Coutures, der zweimal wöchentlich seine SchĂŒler besuchte, um die Fortschritte zu begutachten. Nach etwa einem halben Jahr begann Manet jedoch die unnatĂŒrliche Haltung der Modelle und die Lehrmethoden Coutures zu kritisieren, was zu erheblichen und dauerhaften Konflikten fĂŒhrte. Manet besuchte daher zusĂ€tzlich nachmittags die AcadĂ©mie Suisse, um frei von Konventionen zu arbeiten. DarĂŒber hinaus kopierte er GemĂ€lde im Louvre. Hiervon sind Die Madonna mit dem Kaninchen und Jupiter und Antiope von Tizian und das Selbstbildnis von Jacopo Tintoretto erhalten. In die Zeit der Ausbildung unternahm Manet einige Studienreisen. So reiste er mit Couture und seinen SchĂŒlern 1853 an die KĂŒste der Normandie, um in der freien Natur zu malen. Manets Vater finanzierte zudem einige Auslandsreisen. 1852 besuchte Manet das Rijksmuseum in Amsterdam, und 1853 folgen die Museen von Kassel, Dresden, Prag, Wien und MĂŒnchen. Im Herbst 1853 bereiste Manet zusammen mit seinem Bruder EugĂšne Venedig, Rom und Florenz, wo er Tizians Venus von Urbino und das Bildnis eines jungen Mannes von Filippino Lippi kopierte. 1854 ging er zusammen mit Antonin Proust zu EugĂšne Delacroix, um von ihm die Erlaubnis zu erhalten, dessen Dantebarke kopieren zu dĂŒrfen. Nach diesem Vorbild entstanden zwei Ölbilder Manets. Trotz des schwierigen VerhĂ€ltnisses zwischen Couture und Manet, blieb dieser sechs Jahre in der Atelierklasse, bevor er sich 1856 von ihm trennte und zusammen mit dem befreundeten Tiermaler Albert de Balleroy ein erstes eigenes Atelier bezog.

Erste Jahre in der Rue Lavoisier

Knabe mit Kirschen, 1859
Museu Calouste Gulbenkian, Lissabon

Über Manets Schaffen bis 1859, der Zeit, in der die Ateliergemeinschaft mit Balleroy in der Rue Lavoisier bestand, ist nur wenig bekannt. Ein Grund hierfĂŒr ist, dass es kaum Aufzeichnungen von Manet oder seinen Zeitgenossen zur Entstehung der frĂŒhen Arbeiten gibt. Erschwert wird die zeitliche Zuordnung der frĂŒhen GemĂ€lde zudem durch Manets Arbeitsweise, bei der er seine Werke ĂŒber Jahre hinweg immer wieder ĂŒberarbeitete. DarĂŒber hinaus hat Manet spĂ€ter einen Teil seiner frĂŒhen Bilder vernichtet.

Die erhaltenen Bilder der ersten Jahre lassen noch keinen eigenen Stil des KĂŒnstlers erkennen. So kopierte er, wie zur Lehrzeit bei Couture, GemĂ€lde alter Meister. Hierunter befinden sich Arbeiten nach hollĂ€ndischen Vorbildern wie Die Anatomie des Dr. Tulp von Rembrandt van Rijn oder Der Raucher von Joos van Craesbeeck ebenso wie Motive italienischer KĂŒnstler. Bei einer eneuten Reise nach Florenz 1857, zeichnete Manet Skizzen der Madonna del Sacco nach Fresken von Andrea del Sarto in der Basilica della Santissima Annunziata. Andere religiöse Themen der ersten Jahre sind verschiedene Ölskizzen mit Darstellungen des Christus und ein nicht fertiggestelltes GemĂ€lde Die Auffindung des Moses, von dem heute nur eine Studie existiert. Der ursprĂŒngliche GemĂ€ldeentwurf wurde von Manet spĂ€ter zerschnitten und die Partie mit der weiblichen Figur zum GemĂ€lde Die ĂŒberraschte Nymphe ĂŒberarbeitet.

Zu den Freunden, die Manet in den spÀten 1850ern kennenlernte, gehörten die Maler Edgar Degas und Henri Fantin-Latour, der Manet spÀter mehrere Male portrÀtierte. Auch mit dem Dichter Charles Baudelaire freundete sich Manet in dieser Zeit an. Dessen Lyrikzyklus Les Fleurs du Mal regte Manet zu seinem ersten eigenstÀndigen GemÀlde Der Absinthtrinker an. Baudelaire wiederum verfasste sein Gedicht La Corde, nachdem sich Manets Gehilfe im Atelier erhÀngt hatte. Dieser Junge war zuvor von Manet im Bild Knabe mit Kirschen portrÀtiert worden. Nach diesem Vorfall zog Manet in ein eigenes Atelier in der Rue de la Victoire.

Premiere im Salon

Der Absinthtrinker, 1858–72
Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen

Der 1859 zunĂ€chst noch zweijĂ€hrlich stattfindende Salon de Paris stellte fĂŒr bildende KĂŒnstler die wichtigste Möglichkeit dar, offizielle Anererkennung, Beachtung in der Presse und potentielle KĂ€ufer zu finden. Manet wĂ€hlte fĂŒr seine Premiere im Salon das 1858 begonnenen GemĂ€lde Der Absinthtrinker aus. Diese lebensgroße Darstellung eines Pariser Lumpensammlers hatte eine reale Person als Vorbild. Malerisch orientierte sich Manet am Werk des von ihm bewunderten Spaniers Diego VelĂĄzquez. Die Salonjury lehnte das GemĂ€lde jedoch ab. Lediglich das Jurymitglied EugĂšne Delacroix sprach sich fĂŒr Manets Werk aus. Manet vermutete hinter der Ablehnung der Jury eine Intrige seines ehemaligen Lehres Thomas Couture, mit dem er sich daraufhin endgĂŒltig entzweite.

Der spanische SĂ€nger, 1860
Metropolitan Museum of Art, New York

Zum nachfolgenden Salon 1861 reichte Manet zwei GemĂ€lde ein, die beide von der Jury angenommen wurden. Das Bildnis der Eltern, in der Tradition eines Realismus von Louis Le Nain stehend, hatte vermutlich niederlĂ€ndische PortrĂ€ts des 17. Jahrhundert – etwa von Rembrandt oder Frans Hals – zum Vorbild. Obschon sich die portrĂ€tierten Eltern mit dem GemĂ€lde zufrieden zeigten, erhielt das GemĂ€lde im Salon keine positiven Kritiken.

Beim zweiten GemĂ€lde Manets fĂŒr den Salon von 1861 handelte es sich um das Werk Guitarrero (oder Der spanische SĂ€nger). Nach dem Misserfolg mit dem Pariser Sujet des Absinthtrinkers hoffte Manet mit einem, der damaligen Spanienmode entsprechenden Motiv auf Anerkennung im Salon. Die ebenfalls von Diego VelĂĄzquez beeinflusste Darstellung eines singenden Gitarrenspielers galt zwar einigen Kritikern als ĂŒbertriebener Realismus, wurde aber von anerkannten Malern wie Delacroix und Jean-Auguste-Dominique Ingres bewundert. Der Kunstkritiker ThĂ©ophile Gautier hob sowohl den kĂŒhnen Pinselstrich, als auch die naturgetreuen Farben des Bildes hervor. Zum Ende des Salon erhielt Manet zudem von der Salonjury als Anerkennung eine ehrenvolle ErwĂ€hnung. Durch den Erfolg dieses GemĂ€ldes bedingt, sammelte sich um Manet rasch eine Gruppe junger Maler, zu denen Henri Fantin-Latour, Felix Bracquemond, Emile Auguste Carolus-Duran und Alphonse Legros gehörten und die Manet bald als ihren AnfĂŒhrer betrachteten. Zu diesem Umfeld gehörten zudem die Schriftsteller Charles Baudelaire, Jules Champfleury und Édmond Duranty.

Suzanne und LĂ©on Leenhoff

Suzanne Manet und LĂ©on in
Die LektĂŒre, 1865–73
MusĂ©e d’Orsay, Paris

1860 verließ Manet sein Elternhaus und bezog zusammen mit der zwei Jahre Ă€lteren niederlĂ€ndischen Pianistin Suzanne Leenhoff und ihrem Sohn LĂ©on eine erste eigene Wohnung im Stadtteil Batignolles. Kennegelernt hatte er Suzanne bereits 1849, als diese seinen jĂŒngeren BrĂŒdern Klavierunterricht erteilte. Unklar ist, wer der Vater des 1852 geborenen LĂ©on war, den Suzanne in Paris als ihren jĂŒngeren Bruder ausgab. Manets Reise in die Niederlande 1852 fiel mit der Geburt LĂ©ons zusammen. Viele Autoren haben eine Vaterschaft Édouard Manets angenommen, der allerdings offiziell nur als der Patenonkel des Kindes fungierte. Neuere Forschungen vermuten hingegen eine Vaterschaft von Auguste Manet, wodurch LĂ©on ein Halbbruder Édouard Manets gewesen wĂ€re. Manet, der die Beziehung zu Suzanne vor seinen Freunden vorlĂ€ufig verheimlichte, heiratete die NiederlĂ€nderin erst 1863, nachdem im Vorjahr sein Vater gestorben war. Sowohl LĂ©on, wie auch Manets Mutter, lebten bis zu Manets Tod im gemeinsamen Haushalt von Édouard und Suzanne Manet. Die beiden Frauen des Haushalts fĂŒhrten gemeinsam einen wöchentlichen Literarischen Salon, zu denen GĂ€ste wie Degas, Fantin-Latour, Bracquemond und Duranty erschienen. Auch die Maler Alfred Stevens und FrĂ©dĂ©ric Bazille, der Komponist Emmanuel Chabrier sowie die Schriftsteller Zacharie Astruc gehörten zu den Besuchern im Hause Manet. Besonders in den 1860er Jahren fertigte Manet zahlreiche Bildnisse von Suzanne an und ihr Sohn LĂ©on Leenhoff war von allen Familienmitgliedern der von Manet am hĂ€ufigsten PortrĂ€tierte.

Der Flaneur

Musik im Tuileriengarten, 1862
National Gallery, London und
Dublin City Gallery The Hugh Lane

Anders als die meisten seiner spĂ€teren impressionistischen Malerkollegen, war Manet sein Leben lang ein ĂŒberzeugter Stadtbewohner und verließ Paris, außer zu Studienaufenthalten ins Ausland oder in den Sommerferien, selten und ungern. Manet lebte nicht zurĂŒckgezogen in seinem Maleratelier, sondern flanierte – elegant mit Zylinder und Handschuhen in der Art eines Dandy bekleidet – tĂ€glich durch die Straßen seiner Geburtsstadt und besuchte regelmĂ€ĂŸig Restaurants, CafĂ©s und VarietĂ©s, in denen er mit progressiven Malern, Schriftstellern und Politikern zusammentraf. Zu diesen KĂŒnstlerlokalen gehörten zunĂ€chst das CafĂ© Guerbois, das CafĂ© de Bade und das CafĂ© Tortoni, in den 1870ern folgten das La Nouvelle AthĂšnes, die Brasserie Reichshoffen und die Folies BergĂšre. Im 1862 entstandenen GruppenportrĂ€t Musik im Tuileriengarten stellte sich Manet zusammen mit den Malern Albert de Balleroy und Henri Fantin-Latour, den Schriftstellern Zacharie Astruc, ThĂ©ophile Gautier und Charles Baudelaire, sowie dem Komponisten Jacques Offenbach als Teil der bĂŒrgerlichen Pariser Gesellschaft dar. Musik im Tuileriengarten gehört zu Manets frĂŒhesten Bildern, in denen er la vie moderne - das moderne Leben - thematisierte und folgte damit einem Aufruf, den Baudelaire 1859 an die KĂŒnstler gestellt hatte. Darstellungen des vie moderne wurden in den spĂ€teren Schaffensjahren fĂŒr Manets Werk charakteristisch. Im eine Dekade spĂ€ter entstandene Werk Maskenball in der Oper wiederholte Manet das Sujet eines GruppenportĂ€ts mit Freunden, verlegte das Geschehen jedoch in einen Innenraum.

1862 ist auch das Jahr, in dem Manet – angeregt durch den Herausgeber Alfred Cadart und den Fotografen FĂ©lix Chevalier – zusammen mit Bracquemond, Fantin-Latour, Alphonse Legros, Johan Barthold Jongkind und Augustin ThĂ©odule Ribot die SocietĂ© des Aquafortistes begrĂŒndete. Diese KĂŒnstlervereinigung hatte sich die Förderung der Radierkunst zum Ziel gesetzt. Manet fertigte vor allem in den 1860er Jahren zahlreiche Radierungen nach seinen GemĂ€lden an, von den einige veröffentlicht wurden.

Spanienmode im 19. Jahrhundert

Mademoiselle V... im KostĂŒm einer StierkĂ€mperin, 1862
Metropolitan Museum of Art, New York

Spanische Malerei fand vor dem 19. Jahrhundert nahezu keine Beachtung in Frankreich, dessen KĂŒnstler sich ĂŒberwiegend an der italienischen Kunst orientierten. Dies Ă€nderte sich Anfang des Jahrhunderts, als im Zuge der Napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel spanische Kunstwerke als Beutekunst vorĂŒbergehend in den Louvre gelangten. Dreißig Jahr spĂ€ter zeigte sich der BĂŒrgerkönig Louis-Philippe der Kunst Spaniens im besonderen Maße zugetan, dessen Sammlung spanischer Malerei von 1838 bis 1848 als Galerie Espagnole im Louvre ausgestellt war. Als Heranwachsender muss auch Édouard Manet diese Sammlung bei seinen Besuchen des Louvre gesehen haben. Zu einer regelrechten Spanienmode kam es seit den 1850er Jahren, nachdem Napoleon III. die aus Spanien stammenden EugĂ©nie de Montijo geheiratet hatte. Einen Höhepunkt dieser Spanienmode stellten Anfang der 1860er Jahre die Gastspiele einer TĂ€nzertruppe des Teatro Real de Madrid dar, dessen Vorstellungen das Publikum – wozu auch Édouard Manet gehörte – begeistert aufnahm.

Lola de Valence, 1862
MusĂ©e d’Orsay, Paris

Durch den Erfolg mit dem spanischen SĂ€nger im Salon von 1861 motiviert und durch die allgemeine Begeisterung fĂŒr alles Spanische beeinflusst, widmete sich Manet verstĂ€rkt spanischen Motiven zu. Seine Mademoiselle V... im KostĂŒm einer StierkĂ€mpferin von 1862 zeigt jedoch keine echte Spanierin, sondern Manets bevorzugtes Modell der 1860er Jahre – die Französin Victorine Meurent – in einem Phantasiekostum, dass spanisch wirken sollte. Original spanische Kleidung hingegen trug Manets Bruder Gustave, als er ihn 1863 in Junger Mann im Majo-KostĂŒm portrĂ€tierte. Spanische Modelle fand Manet in der TĂ€nzertruppe des Teatro Real, die er in Das spanische Ballett als Gruppe portrĂ€tierte. DarĂŒber hinaus fertigte er von den Solisten Mariano Camprubi und der als Lola de Valence bekannten Lola Melea EinzelportrĂ€ts an. Manet malte Lola de Valence, die Baudelaire als eine „Schönheit dĂŒsteren und zugleich lebendigen Charakters“ beschrieb, nach dem Vorbild des PortrĂ€t der Herzogin von Alba von Francisco de Goya. Die maskuline Schönheit der Lola de Valence inspirierte Manets Freund Zacharie Astruc zu einer Serenade, deren Text und Musik er verfasste. Manet zeichnete eine Lithographie nach seinem GemĂ€lde Lola de Valence fĂŒr den Umschlag der gedruckten Version dieser Serenade.

Die spanische Malerei blieb fĂŒr Manet bis zu seinem SpĂ€twerk eine dauernde Inspirationsquelle. Hierbei nahm Diego VelĂĄzquez eine zentrale Rolle ein, aber auch Motive von Francisco de Goya finden sich wiederholt als Vorbilder in Manets Werk; gelegentlich ist der Einfluss von El Greco zu spĂŒren. Die Maler Murillo, Ribera und ZurbarĂĄn spielten fĂŒr Manets Werk hingegen keine nennenswerte Rolle.

Weiteres Leben

Berthe Morisot mit Veilchenstrauß (Detail)
1872 (55 x 38 cm)
Musée d'Orsay, Paris

In den kommenden Jahren stieß er im Pariser Salon auf große Ablehnung. Sein Bild Das FrĂŒhstĂŒck im GrĂŒnen galt als eine Sammlung von „hĂ€sslichen nackten Frauenzimmern“, das aus RĂŒcksicht auf das sittliche Empfinden und wegen der rohen Machart vom Salon zurĂŒckgewiesen wurde. Es wurde 1863 im Salon der ZurĂŒckgewiesenen (Salon des RefusĂ©s) ausgestellt. Im Jahr 1865 wurde das Bild Olympia im Salon zu einem großen Skandal.

Bald fand sich eine Reihe gleichgesinnter Naturalisten, von denen sich allmĂ€hlich Impressionisten abspalteten. Auf junge KĂŒnstler hatte Manet einen großen Einfluss, obwohl er offiziell meist nur Ablehnung erfuhr. Den jungen KĂŒnstlern des Impressionismus war Manet freundschaftlich verbunden, betrachtete sich aber selbst dieser Stilrichtung nie zugehörig.

Grafiken, Landschaften, PortrÀts und Stillleben komplettieren sein Werk. Zu den ihn am meisten charakterisierenden Bildern gehören: Der tote Mann, Das Kind mit dem Degen, Olympia, Das spanische Ballett, Die Eisenbahn, Das Café-Concert, Die Canotiers von Argenteuil, Die WÀsche (1876), das PortrÀt seines Gesinnungsfreundes Zola, Der gute Trunk und Die Bar in den Folies-BergÚre (1882).

FĂŒr das Bildnis M. Henri Rochefort wurde Manet 1882 im Salon mit einer Medaille zweiter Klasse ausgezeichnet. Im gleichen Jahr wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.

Das Grab von Manet in Passy

1870 kam die lebenslange Freundschaft mit Édmond Duranty in eine kurzfristige Krise, nachdem Duranty eine ebenso knappe wie kritische Ausstellungskritik im Paris-Journal veröffentlicht hatte. Manet ohrfeigte daraufhin Duranty im Guerbois und traf sich mit ihm am 23. Februar 1870 im Wald von Saint-Germain zum Degenduell. Nachdem Duranty an der Brust leicht verwundet wurde, kamen beide ĂŒberein, dass ihre Ehre nun wieder hergestellt sei. Alle Beteiligten, wozu auch Manets Sekundant Émile Zola gehörte, trugen anschließend zur Legendenbildung dieser Tat in den KĂŒnstlervierteln von Batignolles und Montmartre bei.

Manet lernte Berthe Morisot, die als eine der bekanntesten Malerinnen des Impressionismus gilt, kennen und portrĂ€tierte diese zwischen 1872 - 1874 wiederholt. Ab 1874 war Manet ĂŒber seinen Bruder EugĂšne mit Morisot verschwĂ€gert.

Seit Ende der 1870er Jahre litt Manet an Syphilis. Am 20. April 1883 wurde ihm das linke Bein amputiert. Er starb am 30. April 1883 in Paris und wurde auf dem Friedhof Passy bestattet.

Die öffentliche Meinung ĂŒber seine Kunst wurde erst ein Jahr nach seinem Tode anlĂ€sslich einer Ausstellung seines Lebenswerks positiver, getreu dem Motto: nur tote Erneuerer sind gute Neuerer.

Werk (Auswahl)

Diese Liste enthĂ€lt 39 Werke Manets, die einen reprĂ€sentativen Querschnitt durch sein Werk darstellen. Die Auswahl nahm Manet selbst vor. Es sind alle Werke, die er zum Salon de Paris einreichte (einschließlich der von der Salonjury abgelehnten Werke).

Bild Titel Entstanden GrĂ¶ĂŸe, Material Salon de Paris Sammlung/Besitzer
Der Absinthtrinker 1858-59 178 × 103 cm, Öl auf Leinwand 1859 abgelehnt Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen
PortrĂ€t der Eltern 1860 110 × 90 cm, Öl auf Leinwand 1861 MusĂ©e d’Orsay in Paris
Der spanische SĂ€nger 1860 147,3 × 114,3 cm, Öl auf Leinwand 1861 Metropolitan Museum of Art in New York
Mademoiselle V... im KostĂŒm einer StierkĂ€mperin 1862 165,1 × 127.6 cm, Öl auf Leinwand 1863 abgelehnt Metropolitan Museum of Art in New York
Junger Mann im Majo-KostĂŒm 1862 188 × 125 cm, Öl auf Leinwand 1863 abgelehnt Metropolitan Museum of Art in New York
Das FrĂŒhstĂŒck im GrĂŒnen 1863 208 × 264 cm, Öl auf Leinwand 1863 abgelehnt MusĂ©e d’Orsay in Paris
Olympia 1863 130,5 × 190 cm, Öl auf Leinwand 1865 MusĂ©e d’Orsay in Paris
Der Stierkampf, Fragment aus Episode aus einem Stierkampf 1864 48 × 108 cm, Öl auf Leinwand 1864 Frick Collection in New York
Toter Torero, Fragment aus Episode aus einem Stierkampf 1864 76 × 153,3 cm, Öl auf Leinwand 1864 National Gallery of Art in Washington D. C.
Toter Christus von Engeln gehalten 1864 179 × 150 cm, Öl auf Leinwand 1864 Metropolitan Museum of Art in New York
Seegefecht zwischen der Kearsage und der Alabama 1864 134 × 127 cm, Öl auf Leinwand 1872 Museum of Art in Philadelphia
Verspottung Christi 1864-65 190,8 × 148,3 cm , Öl auf Leinwand 1865 Art Institute in Chicago
Der tragische Schauspieler 1865 187,2 × 108,1 cm, Öl auf Leinwand 1866 abgelehnt National Gallery of Art in Washington D. C.
Pfeifer 1866 161 × 97 cm, Öl auf Leinwand 1866 abgelehnt MusĂ©e d’Orsay in Paris
Junge Dame mit Papagei 1866 185,1 × 128,6 cm, Öl auf Leinwand 1868 Metropolitan Museum of Art in New York
PortrĂ€t Zola MusĂ©e d'Orsay, Paris 1867-68 146 × 114 cm, Öl auf Leinwand 1868 MusĂ©e d’Orsay in Paris
Der Balkon 1868 169 × 125 cm, Öl auf Leinwand 1869 MusĂ©e d’Orsay in Paris
Das FrĂŒhstĂŒck im Atelier 1868 118 × 153,9 cm, Öl auf Leinwand 1869 Neue Pinakothek in MĂŒnchen
Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko 1868-69 252 × 305 cm, Öl auf Leinwand 1869 abgelehnt Kunsthalle in Mannheim
Die Ruhepause 1869 148 × 113 cm, Öl auf Leinwand 1873 Rhode Island School of Design Museum in Providence
PortrĂ€t Eva GonzalĂšs 1869-70 191 × 133 cm, Öl auf Leinwand 1870 National Gallery in London und Dublin City Gallery The Hugh Lane in Dublin
Die Musikstunde 1870 141 × 173,1 cm, Öl auf Leinwand 1870 Museum of Fine Arts in Boston
Das gute Bockbier 1873 94,6 × 83 cm , Öl auf Leinwand 1873 Museum of Art in Philadelphia
Die Eisenbahn 1873 93 × 114 cm, Öl auf Leinwand 1874 National Gallery of Art in Washington D. C.
Die Schwalben 1873 66 × 81 cm, Öl auf Leinwand 1874 abgelehnt Stiftung Sammlung E. G. BĂŒhrle in ZĂŒrich
Maskenball in der Oper 1873 59 × 72,5 cm, Öl auf Leinwand 1874 abgelehnt National Gallery of Art in Washington D. C.
Argenteuil 1874 149 × 115 cm, Öl auf Leinwand 1875 MusĂ©e des Beaux-Arts in Tournai
Im Boot 1874 97,2 × 130,2 cm, Öl auf Leinwand 1879 Metropolitan Museum of Art in New York
Die WĂ€sche 1875 145 x 115 cm, Öl auf Leinwand 1876 Barnes Foundation in Merion bei Philadelphia
Der KĂŒnstler 1875 193 × 130 cm, Öl auf Leinwand 1876 Museu de Arte in SĂŁo Paulo
Faure in der Rolle des Hamlet 1877 196 × 131 cm , Öl auf Leinwand 1877 Museum Folkwang in Essen
Nana 1877 154 × 115 cm, Öl auf Leinwand 1877 abgelehnt Kunsthalle in Hamburg
Im Wintergarten 1879 115 × 150 cm , Öl auf Leinwand 1879 Alte Nationalgalerie in Berlin
Beim Pere Lathuille 1879 92 × 112 cm, Öl auf Leinwand 1880 MusĂ©e des Beaux-Arts in Tournai
PortrĂ€t Antonin Proust 1880 129,9 × 95,9 cm , Öl auf Leinwand 1880 Museum of Art in Toledo (Ohio)
Pertuiset als LöwenjĂ€ger 1880-81 150 × 170 cm , Öl auf Leinwand 1881 Museu de Arte in SĂŁo Paulo
PortrĂ€t Rochefort 1881 82 × 67 cm, Öl auf Leinwand 1881 Kunsthalle in Hamburg
Der FrĂŒhling 1881 73 × 51 cm, Öl auf Leinwand 1882 Privatsammlung
Bar in den Folies Bergùre 1881-82 96 × 130 cm, Öl auf Leinwand 1882 Courtauld Institute of Art in London

Literatur

  • Bazire: Édouard Manet (1884)

Weblinks


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  • Édouard Manet — (23 de enero de 1832 30 de abril de 1883) fue un pintor francĂ©s. Nacido en el seno de una familia de abolengo, Manet pronto dejĂł la carrera naval para dedicarse a la pintura. Su carrera artĂ­stica comenzĂł hacia 1850 en el estudio de Thomas Couture 
   Enciclopedia Universal

  • Edouard Manet — noun French painter whose work influenced the impressionists (1832 1883) ‱ Syn: ↑Manet ‱ Instance Hypernyms: ↑painter 
   Useful english dictionary

  • Edouard Manet — (1832 83) French painter whose style strongly influenced the impressionist painters 
   English contemporary dictionary

  • Liste des tableaux d'Édouard Manet — Article principal : Édouard Manet Tableau Titre Date Dimensions Lieu d’exposition Le Buveur d absinthe 1858 / 1859 180,5 × 105,6 cm Ny Carlsberg Glyptotek (Copenhague) 
   WikipĂ©dia en Français


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