Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg

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Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg

Der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg erfolgte am 8. Dezember 1941 mit der Kriegserkl√§rung an das Kaiserreich Japan nach dem Angriff auf Pearl Harbor am Tag zuvor. Wenige Tage sp√§ter, am 11. Dezember, erfolgte die Kriegserkl√§rung Deutschlands und Italiens an die Vereinigten Staaten, die am gleichen Tag beantwortet wurde. Mit der Deklaration der Vereinten Nationen vom 1. Januar 1942 traten die Vereinigten Staaten in die Anti-Hitler-Koalition mit Gro√übritannien und der Sowjetunion als den Hauptalliierten ein. Dem Kriegseintritt war eine l√§ngere Phase diplomatischer Spannungen zwischen den USA und den Achsenm√§chten vorausgegangen, in der die USA die europ√§ischen Westm√§chte und Nationalchina indirekt unterst√ľtzten und eigene Kriegsvorbereitungen vorantrieb. Das amerikanische Volk war zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs in Europa √ľberwiegend isolationistisch eingestellt und lehnte einen Kriegseintritt ab.

Inhaltsverzeichnis

Haltung der Vereinigten Staaten zum europäischen Krieg

In einer Meinungsumfrage im Sommer 1939 waren 97% der US-Amerikaner daf√ľr, dass sich die USA aus dem Krieg heraushalten sollten. 84% w√ľnschten einen Sieg der Westm√§chte und 82% gaben Deutschland die Schuld am Krieg. Sie sagten jedoch auch aus, dass sich die USA um so mehr vom Krieg betroffen s√§hen, je weiter die deutschen Truppen in Richtung Gro√übritannien vorgedrungen seien. Pr√§sident Franklin D. Roosevelt, dessen Sympathien wie die der meisten Amerikaner eindeutig auf Seiten der Westm√§chte lagen, verfolgte eine vorsichtige, aber doch zielstrebige Politik der Unterst√ľtzung der Alliierten bei gleichzeitiger Wahrung der Neutralit√§t. Dank dieser Neutralit√§t konnten amerikanische Journalisten wie William L. Shirer in Deutschland und sp√§ter im besetzten Europa weiterarbeiten und die amerikanische Bev√∂lkerung √ľber die dramatischen Ereignisse der Neuordnung Europas infolge des am 1. September in Polen ausgebrochenen Krieges umfassend informieren. In seinen ‚ÄěKaminreden‚Äú an die Nation gelang es Roosevelt in den kommenden zwei Jahren, die Amerikaner nach und nach von seinem au√üenpolitischen Kurs zu √ľberzeugen.

In der Vorkriegszeit der 1930er Jahre hatten die USA, beeinflusst von der T√§tigkeit des Nye Committee, eine Reihe von Neutralit√§tsgesetzen verabschiedet. Diese waren aus Anlass des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs durch Roosevelt bereits unterlaufen worden, in dem die Vereinigten Staaten China unterst√ľtzten. Im November 1939 √§nderte der amerikanische Kongress die Neutralit√§tsgesetze und genehmigte den Verkauf von Kriegsmaterial an kriegf√ľhrende Staaten.[1] Bedingung war jedoch sofortige Bezahlung und Transport der Ladung durch nichtamerikanische Schiffe, weshalb das Gesetz auch als Cash and carry-Act bekannt wurde. Dadurch wurde sichergestellt, dass nur die Westm√§chte Lieferungen erhalten konnten, da Handelsschiffe der Achsenm√§chte nicht an der britischen Blockade im Atlantik vorbeikamen. Gleichzeitig begann die US-Marine mit einer eigenen Neutralit√§tspatrouille die √úberwachung der Schifffahrt im westlichen Atlantik.
Aus logistischen Notwendigkeiten begannen bereits 1939 geheim gehaltene Vorbereitungen f√ľr den Aufbau milit√§rischer Infrastruktur im westafrikanischen Liberia. In diesen Pl√§nen bildete Monrovia den Br√ľckenkopf nach Nord- Ost- und S√ľdafrika. Der dort errichtete Flugplatz und der Marinest√ľtzpunkt wurden als Teil einer √ľber die Karibik, Venezuela und Brasilien installierten Luftbr√ľcke aufgefasst.[2]

Am 2. September 1940, nach dem Fall D√§nemarks und Norwegens sowie der Beneluxstaaten und Frankreichs, schlossen die Vereinigten Staaten mit Gro√übritannien das ‚ÄěZerst√∂rer-f√ľr-St√ľtzpunkte-Abkommen‚Äú, durch das 50 noch aus dem Ersten Weltkrieg stammende amerikanische Zerst√∂rer den Briten im Tausch gegen die Gew√§hrung von Landnutzungsrechten in britischen √úberseekolonien in der westlichen Hemisph√§re √ľberlassen wurden. Ebenfalls im September 1940 wurde der Selective Training and Service Act verabschiedet, mit dem erstmals die Wehrpflicht in Friedenszeiten eingef√ľhrt wurde. Am 4. September 1940 gr√ľndete sich das ‚ÄěAmerica First Committee‚Äú als wichtigstes Sprachrohr und Sammelbecken der amerikanischen Isolationisten.

Präsident Roosevelt unterzeichnet das Leih- und Pachtgesetz, März 1941

Dass Roosevelts immer deutlicher werdende Politik der Vorbereitung auf den Krieg dem Willen der Mehrheit der Amerikaner entsprach, wurde nicht nur in seiner praktisch unangefochtenen Wiederaufstellung als Kandidat der Demokraten f√ľr die Pr√§sidentschaftswahl 1940 deutlich, sondern auch in der Position seines republikanischen Gegenkandidaten Wendell Willkie, der eine Vorbereitung der Streitkr√§fte auf alle Eventualit√§ten, auch die eines Krieges, als im nationalen Interesse notwendig ansah.[3] Im Januar 1941, nach seinem deutlichen Sieg √ľber Willkie, hielt Roosevelt seine programmatische Vier-Freiheiten-Rede, in der er einmal mehr klar Position in Bezug auf die Notwendigkeit der Verteidigung von Freiheit und Demokratie gegen die Aggression der Tyrannei, wie sie von den Achsenm√§chten verk√∂rpert wurde, bezog.[4] In seiner Rede vor dem Kongress warb er um dessen Unterst√ľtzung bei der von ihm geplanten Ausweitung der R√ľstungsausgaben und der Lieferung von Kriegsmaterial an die noch verbliebenen Demokratien. Daneben wurden auch die amerikanischen Streitkr√§fte aufger√ľstet. 1941 wuchs so ein Heer von √ľber 1,6 Millionen Mann heran[5] und die R√ľstungsproduktion stieg auf 4,5 Milliarden Dollar pro Jahr. Im M√§rz 1941 setzte Roosevelt das Leih- und Pachtgesetz durch, den sogenannten Lend-lease Act. Das Gesetz erm√∂glichte es der Bundesregierung der Vereinigten Staaten, Kriegsger√§te an die Staaten zu verleihen, welche der Verteidigung der USA nach Ansehen des Pr√§sidenten lebenswichtig erschienen. Bis zum Kriegsende nahm das Vereinigte K√∂nigreich Lieferungen von 30 Milliarden Dollar in Anspruch und die Sowjetunion, die im Juni 1941 von Deutschland und seinen Verb√ľndeten √ľberfallen wurde und auf die das Arrangement dann ausgeweitet wurde, im Wert von 12 Milliarden Dollar. Dies entsprach 427.000 Lastwagen, 15.000 Flugzeugen und 13.000 Panzern.

USS Kearny (DD-432) im Hafen von Reykjavík, zwei Tage nachdem sie von U-568 torpediert wurde.

Am 27. Mai 1941, nach den Ereignissen auf dem Balkan, in Nordafrika und im Atlantik, erkl√§rte Pr√§sident Roosevelt einen unbefristeten nationalen Notstand.[4] Im Juni wurden alle deutschen und italienischen Guthaben in den USA eingefroren und die Schlie√üung der Konsulate dieser L√§nder angeordnet. Nach dem japanischen Einmarsch in den s√ľdlichen Teil Franz√∂sisch-Indochinas im Juli 1941 lie√ü Roosevelt auch die japanischen Guthaben einfrieren[6] und ordnete die Verst√§rkung der amerikanischen Verteidigung auf den Philippinen unter dem neuen Befehlshaber Douglas MacArthur an.

Im Juli dieses Jahres landeten die USA au√üerdem Truppen auf Island, um die Briten von der Aufgabe der Verteidigung der Insel zu entlasten und um von hier aus den Schiffsverkehr nach England besser sch√ľtzen zu k√∂nnen. Dieser litt unter deutschen U-Boot-Angriffen erheblich. Im Atlantik h√§uften sich dadurch die Zusammenst√∂√üe zwischen amerikanischen Schiffen und deutschen U-Booten. Nach einem Zwischenfall zwischen einem amerikanischen Zerst√∂rer und einem deutschen U-Boot im Atlantik gab er eine shoot on sight-Direktive (‚ÄěAngriff bei Sichtung‚Äú) aus. Die ersten 11 amerikanischen Matrosen des bis dato unerkl√§rten Krieges wurden am 17. Oktober bei der Torpedierung des eskortierenden Zerst√∂rers USS Kearny im Konvoi SC-48[7] s√ľdlich von Island get√∂tet[4]. Am 31. Oktober wurde der eskortierende Zerst√∂rer USS Reuben James im Konvoi HX-156[8] vom deutschen U-Boot U 552 versenkt.

Im Oktober bewilligte Präsident Roosevelt Hilfszahlungen in Höhe von einer Milliarde Dollar an die angeschlagene Sowjetunion.

Atlantik-Charta

Im August 1941 verk√ľndeten Winston Churchill, der britische Premierminister, und Franklin D. Roosevelt die Atlantik-Charta. Diese war gepr√§gt vom √úberfall auf die Sowjetunion und orientierte sich an einem √§hnlichen Programm des amerikanischen Pr√§sidenten im Ersten Weltkrieg, Woodrow Wilson, dem 14-Punkte-Programm. Die zentralen Forderungen der Atlantik Charta waren:

  1. Die Atlantik-Charta besagte, dass Gro√übritannien und die USA keine territoriale Expansion suchen w√ľrden.
  2. Sie w√ľnschen durch den Weltkrieg allgemein keine landschaftlichen Ver√§nderungen, es sei denn, die betreffenden V√∂lker w√ľnschen dies.
  3. Sie w√ľnschen, dass s√§mtliche V√∂lker das Recht haben ihre Regierungsform danach zu w√§hlen, unter welcher sie leben wollen.
  4. Sie w√ľnschen, dass jeder Staat nach dem Krieg gleicherma√üen Zugriff auf den Welthandel hat.
  5. Sie erstreben die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Völker um bessere Arbeitsbedingungen und wirtschaftlichen Aufschwung zu erlangen.
  6. Sie w√ľnschen, dass alle V√∂lker innerhalb ihrer Grenzen in Frieden leben k√∂nnen, wenn die Nazi-Herrschaft zerst√∂rt worden ist.
  7. Dieser Friede soll es außerdem jedem Menschen ermöglichen, friedlich die Meere und Ozeane zu bereisen.
  8. Sie hoffen au√üerdem auf eine Abr√ľstung, durch welche die Staaten Sicherheit vor Drohungen und Gewaltanwendung erlangen. Sie denken, dass die Gewaltanwendung unterdr√ľckt werden m√ľsse, um ein dauerhaftes System der allgemeinen Sicherheit zu erlangen.

Entscheidung im Pazifik

Japanischer Machtbereich in Asien 1937‚Äď42

Die Entscheidung √ľber den Kriegseintritt fiel jedoch im Pazifik. Das aufstrebende Japanische Kaiserreich war seit 1936 bzw. 1937 mit dem Deutschen Reich unter Hitler sowie Italien unter Mussolini im Antikominternpakt verb√ľndet, bem√ľhte sich jedoch um die Vermeidung eines Kriegs mit den USA, mit dem es in der Frage des japanischen Kriegs gegen China immer wieder zu diplomatischen Spannungen gekommen war. Ein "moralisches Embargo" der USA zur Ausfuhr von Flugzeugen und Ausr√ľstung an L√§nder, die daf√ľr bekannt waren, damit Zivilisten anzugreifen, war seit Juli 1938 in Kraft.

Im Winter 1938/39, nach der deutschen Annexion des Sudetenlandes, f√ľhrte das amerikanische Joint Planning Committee eine Neubewertung der strategischen Optionen der Achsenm√§chte f√ľr einen Einbruch in die westliche Hemisph√§re durch, aus der es die sogenannten Rainbow-Pl√§ne f√ľr die Abwehr eines solchen Angriffs ableitete. Diese erweiterten die nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen ‚Äěfarbcodierten‚Äú Pl√§ne, wie den War Plan Orange f√ľr einen Krieg gegen Japan, um die M√∂glichkeit eines Mehrfrontenkrieges im Atlantik und Pazifik. Dabei ging man anf√§nglich noch davon aus, dass man, bei gleichzeitiger Unterst√ľtzung der europ√§ischen Demokratien gegen Deutschland, sich milit√§risch haupts√§chlich im Pazifik gegen Japan w√ľrde engagieren m√ľssen.[9]

Als abschreckende Ma√ünahme gegen einen japanischen Kriegseintritt war die US-Pazifikflotte im Mai 1940 nach ihren j√§hrlichen √úbungen um Hawaii nicht zu ihren Basen an der amerikanischen Westk√ľste zur√ľckgekehrt, sondern verblieb auf einer vorgeschobenen Position in Pearl Harbor. Der unerwartet schnelle Zusammenbruch Frankreichs im Juni 1940 und die drohende Gefahr eines deutschen Angriffs auf Gro√übritannien √ľber den Kanal versch√§rften die Bedrohungssituation f√ľr die Vereinigten Staaten erheblich, da damit nicht nur die atlantische Verteidigungsposition ins Wanken geriet, sondern auch Japan sich ermutigt f√ľhlen k√∂nnte, die Besitzungen der europ√§ischen M√§chte in S√ľdostasien anzugreifen, was langfristig zur Errichtung einer japanischen Hegemonie √ľber weite Teile Asiens f√ľhren w√ľrde. Als Japan im Sommer 1940 begann, auf die franz√∂sischen Beh√∂rden in Indochina Druck zur √úberlassung von St√ľtzpunkten auszu√ľben, reagierten die USA mit dem Verbot der Ausfuhr von Maschinenteilen, Flugbenzin und Schrottmetall nach Japan.[10] Japans Unterzeichnung des sich indirekt gegen die USA richtenden Dreim√§chtepakts Ende September 1940 versch√§rfte nur noch die Fronten.

Im November 1940 richtete der amerikanische Chief of Naval Operations Admiral Harold R. Stark ein Memorandum (sog. Plan Dog Memo) an den Pr√§sidenten, in dem er die Bedrohung, die von einer m√∂glichen Niederlage Gro√übritanniens ausging, als f√ľr die Sicherheit der USA folgenschwerste darstellte. Daher m√ľsse vorrangig die F√§higkeit zur F√ľhrung offensiver Operationen in Europa und Afrika hergestellt werden. Um einen gleichzeitigen unbegrenzten Konflikt im Pazifik zu verhindern, m√ľsse Japan von einer weiteren Expansion in S√ľdasien durch verst√§rkte amerikanische Pr√§senz, die im Notfall das Halten dieser Gebiete erlaubte, abgehalten werden. Obwohl Roosevelt sich nicht auf eine solche Strategie festlegen wollte, begannen im Januar 1941 getarnte britisch-amerikanische Stabsgespr√§che auf Basis von Starks Memorandum.[11] Im Mai 1941 tauschten beide L√§nder offizielle Milit√§rmissionen aus.

Im August 1941 verh√§ngten die USA gemeinsam mit Gro√übritannien und Niederl√§ndisch-Indien ein Embargo auf die Ausfuhr von Erd√∂l nach Japan. Dieses war zu 90% seines Bedarfs von diesen Importen abh√§ngig, rund die H√§lfte seiner Einfuhren hatte es zuvor aus den USA bezogen. Damit wurde Japans gesamte geopolitische Strategie in Ostasien zur Errichtung einer Gro√üostasiatischen Wohlstandssph√§re unter Einschluss Chinas in Frage gestellt. Um sich in den Besitz von √Ėlquellen, etwa die Niederl√§ndisch-Indiens, zu setzen, die f√ľr seinen Fortbestand als Wirtschafts- und Milit√§rmacht notwendig waren, musste das Japanische Kaiserreich nun einen Krieg mit Gro√übritannien und japanischen Bef√ľrchtungen zufolge auch mit den USA riskieren, wenn es sein Ziel der Unterwerfung Chinas unter seine Vorherrschaft nicht aufgeben wollte. Eine solche Aufgabe kam f√ľr die japanischen Ultranationalisten und Expansionisten, die in der Kaiserlichen Armee einen starken R√ľckhalt fanden, jedoch nicht in Frage. In der Folge setzte sich immer mehr die bellizistische Fraktion gegen die der vor allem in der Wirtschaft vertretenen Traditionalisten durch. Die von einem Teil der F√ľhrung der Kaiserlichen Marine gehegten Zweifel bez√ľglich der Erfolgsaussichten eines Krieges mit den Vereinigten Staaten, darunter die des Oberkommandierenden der Vereinigten Flotte Yamamoto Isoroku, wurden zunehmend ignoriert. Im Sommer begann die Marine mit der Ausbildung ihrer Angriffsflotte, der KidŇć Butai, und ihrer Marineflieger f√ľr den sp√§teren Angriff auf Pearl Harbor, f√ľr den Pl√§ne bereits seit Anfang des Jahres ausgearbeitet worden waren. Als Vorlage diente den Planern der britische Angriff auf die italienische Flotte im Hafen von Tarent im November 1940.

Amerikanischer Nachbau der PURPLE-Maschine

In den USA war man seit 1941 dank der langj√§hrigen Anstrengungen zahlreicher in Milit√§rdiensten stehender Kryptoanalytiker zum Nachbau der RED- und PURPLE-Maschine sowie anderer von den Japanern verwendeter Codes in der Lage, den abgeh√∂rten diplomatischen und teilweise den milit√§rischen verschl√ľsselt ablaufenden Nachrichtenverkehr mit einiger zeitlicher Verz√∂gerung mitzulesen. Die so gewonnenen Informationen, die man als ‚ÄěMagic‚Äú (dt. Magie) bezeichnete, unterlagen jedoch einer so strengen Geheimhaltung, dass wichtige Informationen √ľber die japanischen Kriegsvorbereitungen teilweise nicht die zust√§ndigen milit√§rischen St√§be erreichten, was sich in Pearl Harbor als verh√§ngnisvoll erweisen sollte.

Au√üerdem arbeitete man gemeinsam mit Gro√übritannien unter dem Codenamen Rainbow 5 einen Plan f√ľr einen gleichzeitigen Krieg in Europa und im Pazifik aus, in dem Gro√übritannien und die Vereinigten Staaten Alliierte w√§ren.[12] Unter der Leitung von Albert Wedemeyer, einem Offizier der War Plans Division des War Department, wurde zus√§tzlich der sogenannte Victory-Plan f√ľr eine den Erfordernissen eines Zweifrontenkrieges angepasste strategische Operationsf√ľhrung sowie die Bereitstellung von Truppen und Kriegsmaterial ausgearbeitet.[13]

Am 16. Oktober 1941 resignierte der japanische Premierminister Konoe, nachdem die von der Kaiserlichen Konferenz gesetzte Frist zur Erreichung einer Einigung mit den USA abgelaufen war. Ab diesem Zeitpunkt war das Land unter der Regierung seines Nachfolgers, des bisherigen Heeresministers TŇćjŇć Hideki, eindeutig auf einen Kriegskurs festgelegt. Am 26. November √ľberreichte die US-Regierung den Vertretern Japans die von Au√üenminister Cordell Hull formulierte Hull-Note, die unmissverst√§ndlich den R√ľckzug der japanischen Truppen aus China und Indochina als Vorbedingung f√ľr weitere Verhandlungen √ľber die Aufhebung des √Ėlembargos forderte. Dies wurde in Japan nur als letzte einer Reihe von Provokationen aufgenommen. Am selben Tag wurde die japanische Angriffsflotte nach Pearl Harbor in Marsch gesetzt. Am 27. November wurden alle US-Milit√§reinheiten im Pazifik in h√∂chste Alarmbereitschaft versetzt. Am 1. Dezember gab Kaiser Hirohito sein endg√ľltiges Einverst√§ndnis f√ľr den Angriff. Der entsprechende Befehl wurde am n√§chsten Tag an die Flotte √ľbermittelt.[14] Am 6. Dezember wandte sich Pr√§sident Roosevelt noch einmal in einer pers√∂nlichen Friedensbotschaft an Kaiser Hirohito.

Brennende amerikanische Schiffe nach dem Angriff auf Pearl Harbor

Am 7. Dezember √ľberfiel Japan ohne Kriegserkl√§rung die amerikanische Pazifikflotte im Hafen von Pearl Harbor auf Hawaii. Dieser Angriff kostete 2.400 Menschen das Leben. Dar√ľber hinaus wurden 8 Schlachtschiffe und 11 weitere Kriegsschiffe versenkt oder schwer besch√§digt. Weitere Angriffe fanden an den n√§chsten Tagen auf Guam, den Philippinen, Wake und Midway statt.

Präsident Roosevelt unterzeichnet die Kriegserklärung an Japan

Mit diesem Angriff war die Diskussion √ľber den Kriegseintritt der USA beendet. Am 8. Dezember hielt Roosevelt vor dem in gemeinsamer Sitzung versammelten Kongress seine Rede, in der er den Tag des Angriffs als ‚Äúa date which will live in infamy‚ÄĚ (deutsch: ‚Äěein Datum, das in Verrufenheit fortleben wird‚Äú) bezeichnete. 81 Prozent der Amerikaner verfolgten die Rede am Radio, was die h√∂chste Einschaltquote der amerikanischen Geschichte darstellt. Unmittelbar im Anschluss erkl√§rte der Kongress mit nur einer Gegenstimme (der der Pazifistin Jeannette Rankin) den Kriegszustand mit Japan. In einer Radioansprache am folgenden Tag erkl√§rte Roosevelt, Deutschland und Japan w√ľrden bei ihrer Kriegsf√ľhrung einem gemeinsamen Plan folgen und folglich seien Deutschland sowie Italien als M√§chte zu betrachten, die sich als im Kriege mit den Vereinigten Staaten ans√§hen. Zwei Tage sp√§ter, am 11. Dezember, erkl√§rten Deutschland und Italien ihrerseits den USA den Krieg. Am gleichen Tag erkl√§rte Roosevelt mit Autorisierung durch den Kongress den Krieg gegen diese beiden Staaten.[6]

Bereits auf ihrer ersten Kriegskonferenz, der Arcadia-Konferenz in Washington vom 22. Dezember 1941 bis 14. Januar 1942, einigten sich die USA und Gro√übritannien dann auf die ‚ÄěGermany first‚Äú-Strategie, nach der zuerst Deutschland besiegt werden sollte, bevor man sich der Niederringung Japans zuwandte. Auf dieser Konferenz unterzeichneten die Vereinigten Staaten am 1. Januar 1942 auch die Deklaration der Vereinten Nationen, die ihren Eintritt in die Anti-Hitler-Koalition an der Seite von 25 weiteren Staaten, darunter Gro√übritannien, die Sowjetunion und China, markiert und die jeden unilateralen Separatfrieden mit den drei Hauptgegnern Deutschland, Japan und Italien ausschloss.

Pearl-Harbor-Kontroverse

Bereits kurz nach dem Angriff auf Pearl Harbor wurden Stimmen laut, die ein vorheriges Wissen der amerikanischen Regierung √ľber einen bevorstehenden japanischen Angriff unterstellten und die mangelnde Vorbereitung der Streitkr√§fte auf einen solchen kritisierten. Insgesamt acht Untersuchungen wurden in dieser Sache w√§hrend des Krieges angestrengt und f√ľhrten zur Aufdeckung von M√§ngeln bei der Auswertung nachrichtendienstlichen Materials und der Zusammenarbeit der Teilstreitkr√§fte.

Zwei sp√§tere Untersuchungen konzentrierten sich auf von den Amerikanern abgefangenes Nachrichtenmaterial, darunter die Erkl√§rung des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen (‚Äě14-Punkte-Telegramm‚Äú) durch Japan, die wegen einer nicht rechtzeitig fertiggewordenen √úbersetzung erst nach den Angriffen durch Botschafter Nomura KichisaburŇć √ľberreicht wurde. In diesem Zusammenhang soll Roosevelt bereits am 6. Dezember ge√§u√üert haben, dies sei gleichbedeutend mit einer Kriegserkl√§rung.

Weitere Kritik, darunter von hochrangigen Milit√§rs und Offiziellen, konzentrierte sich auf die Behauptung, die USA h√§tten Japan in einen Krieg f√∂rmlich hineingedr√§ngt oder zumindest ein solches Ergebnis unter Irref√ľhrung der amerikanischen √Ėffentlichkeit bewusst in Kauf genommen. Dies sei unter anderem geschehen, um den von der Regierung gew√ľnschten Kriegseintritt auch gegen die europ√§ischen Achsenm√§chte gegen den Widerstand der Isolationisten durchzusetzen und die vorbehaltlose Unterst√ľtzung des amerikanischen Volkes f√ľr die Kriegsanstrengungen sicherzustellen. So hatten f√ľhrende Isolationisten wie Charles Lindbergh kurz nach den Angriffen ihre volle Unterst√ľtzung f√ľr den Kriegseinsatz erkl√§rt.

Siehe auch

Literatur

  • Dirk Bavendamm: Roosevelts Krieg: amerikanische Politik und Strategie 1937 ‚Äď 1945. 2., durchges. und erw. Aufl. Herbig, M√ľnchen u. Berlin 1998. ISBN 3-7766-2058-7.
  • Steven Casey: Cautious Crusade: Franklin D. Roosevelt, American Public Opinion and the War against Nazi Germany, 1941-45. Oxford University Press, 2001.
  • Henry Steele Commager (ed.): Documents of American History. Vol. 2: Since 1898. 9th edition. Prentice Hall, Englewood Cliffs 1973. ISBN 0-13-217000-0.
  • Waldo Heinrichs: Threshold of war: Franklin D. Roosevelt and American entry into World War II. Oxford University Press, New York u. Oxford 1989. ISBN 0-19-506168-3.
  • Peter Herde: Italien, Deutschland und der Weg in den Krieg im Pazifik 1941. Steiner, Wiesbaden 1983. ISBN 3-515-04001-3.
  • Richard M. Ketchum: The Borrowed Years 1938 ‚Äď 1941. America on the Way to War. Random House 1989. ISBN 0394560116.
  • Michael Libal: Japans Weg in den Krieg: Die Aussenpolitik der Kabinette Konoye 1940/1941. (Diss.) Droste, D√ľsseldorf 1971. ISBN 3-7700-0254-7.
  • Heinz Magenheimer: Kriegsziele und Strategien der gro√üen M√§chte 1939 ‚Äď 1945. Osning, Bielefeld u. Bonn 2006. ISBN 3-9806268-4-9.
  • Janet M. Manson: Diplomatic ramifications of unrestriced submarine warfare, 1939 ‚Äď 1941. Greenwood Press, New York 1990. ISBN 0-313-26894-0.
  • George Morgenstern: Pearl Harbor 1941. Eine amerikanische Katastrophe. Herbig, M√ľnchen 1998. (Orig.: Pearl Harbor: The Story of the Secret War. 1947) ISBN 3-7766-1996-1.
  • Charles Callan Tansill: Die Hintert√ľr zum Krieg: Das Drama der internationalen Diplomatie von Versailles bis Pearl Harbour. Pour le M√©rite, Selent 2000. ISBN 3-932381-11-4.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Neutrality Act of November 4, 1939 auf mtholyoke.edu, abgerufen am 6. Mai 2010.
  2. ‚ÜĎ Liberia im 2. Weltkrieg (englisch) abgerufen am 2. November 2010.
  3. ‚ÜĎ War Breaks Out auf historycentral.com, abgerufen am 6. Mai 2010.
  4. ‚ÜĎ a b c U.S. Department of State: Chapter XIII: European War 1941, in: Peace and War United States Foreign Policy 1931-1941. U.S. Government Printing Office, Washington, D.C., 1943.
  5. ‚ÜĎ ‚ÄěThe Army numbered 1,643,477 [‚Ķ]‚Äú in: Chapter 19: Between World Wars, in: American Military History. Center of Military History United States Army, Washington, D.C. 1989.
  6. ‚ÜĎ a b U.S. Department of State: Chapter XIV: Discussion With Japan 1941, Pearl Harbor, in: Peace and War United States Foreign Policy 1931-1941. U.S. Government Printing Office, Washington, D.C., 1943.
  7. ‚ÜĎ http://www.uboat.net/ops/convoys/convoys.php?convoy=SC-48
  8. ‚ÜĎ http://www.uboat.net/ops/convoys/convoys.php?convoy=HX-156
  9. ‚ÜĎ Chapter I: The War Plans, in: Maurice Matloff, Edwin M. Snell: Strategic Planning for Coalition Warfare, 1941-1942. The War Department, Washington D.C. 1990.
  10. ‚ÜĎ U.S. Department of State: Chapter XII: Relations With Japan 1938-1940, in: Peace and War United States Foreign Policy 1931-1941. U.S. Government Printing Office, Washington, D.C., 1943.
  11. ‚ÜĎ Chapter II: German Victories and American Plans, in: Maurice Matloff, Edwin M. Snell: Strategic Planning for Coalition Warfare, 1941-1942. The War Department, Washington D.C. 1990.
  12. ‚ÜĎ Chapter III: British-American Plans January-November 1941, in: Maurice Matloff, Edwin M. Snell: Strategic Planning for Coalition Warfare, 1941-1942. The War Department, Washington D.C. 1990.
  13. ‚ÜĎ Introduction, in: Charles E. Kirkpatrick: An Unknown Future and A Doubtful Present: Writing the Victory Plan of 1941. Center of Military History United States Army, Washington, D.C. 1992.
  14. ‚ÜĎ The Alpha: Pearl Harbor, December 1941 auf microworks.net, abgerufen am 6. Mai 2010.

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