Agrarsubvention

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Agrarsubvention

Als Agrarsubvention wird eine Subvention zugunsten der Landwirtschaft bezeichnet. Agrarsubventionen umfassen eine gro√üe Bandbreite von Politikinstrumenten im Agrar- und Ern√§hrungssektor. Agrarsubventionen werden teilweise mit Marktversagen gerechtfertigt, zum anderen sollen sie gezielt den Interessen von bestimmten Landwirten, Unternehmen oder Verbrauchern dienen. Agrarsubventionen k√∂nnen verstanden werden als staatliche Eingriffe, welche landwirtschaftliche Preise, Unternehmensgewinne oder Haushaltseinkommen zugunsten bestimmter Gruppen ver√§ndern. Beispiele sind Handelsbarrieren, die Subventionierung landwirtschaftlicher Inputs, Einkommenstransfers an landwirtschaftliche Haushalte, monet√§re Kompensation in Katastrophenf√§llen, oder die Verbilligung von Nahrungsmitteln f√ľr arme Verbraucher.[1]

Landwirte werden in Industriel√§ndern deutlich st√§rker unterst√ľtzt als in Entwicklungsl√§ndern. Die Agrarsubventionen der OECD-Staaten haben dabei vielf√§ltige Auswirkungen auf M√§rkte im In- und Ausland. Zu den wichtigsten geh√∂rt die Bevorzugung inl√§ndischer Produzenten auf Kosten inl√§ndischer Verbraucher und Steuerzahler sowie ausl√§ndischer Produzenten. In den letzten Jahrzehnten wurden die Agrarsubventionen unter dem Eindruck dieser Marktverzerrungen und im Rahmen der Welthandelsrunden deutlich reduziert. Sie bleiben dennoch auf hohem Niveau; Reformen gelten als politisch schwer durchsetzbar.

Inhaltsverzeichnis

Agrarsubventionen in Industrieländern

Allgemeines und √úberblick

Producer Support Estimate in der OECD (absolut und in Relation zum landwirtschaftlichen Einkommen), 1986-2009
Land PSE (Mio. ‚ā¨), 1986 PSE (%), 1986 PSE (Mio. ‚ā¨), 2009 PSE (%), 2009
Australien 1.548 13,0 667 2,7
Kanada 6.241 38,1 5.610 20,2
Island 162 75,6 83 47,8
Japan 46.946 65,1 33.465 47,8
Korea 9.237 62,9 12.609 51,7
Mexiko 560 3,6 4.190 12,5
Neuseeland 803 19,6 25 0,4
Norwegen 2.443 69,1 2.671 66,3
Schweiz 4.485 74,5 4.469 62,9
T√ľrkei 3.245 17,4 16.269 36,9
Vereinigte Staaten 38.743 24,0 22.025 9,8
EU-27 86.613 38,6 86.980 23,5
OECD-Gesamt 226.286 37,5 181.765 22,4

2009 wurden Landwirte in den OECD-Staaten mit √ľber 180 Mrd. ‚ā¨ oder 0,93% des OECD-BIP unterst√ľtzt (PSE). Im Durchschnitt erhielten Landwirte 22% ihres Einkommens √ľber die Subventionspolitik. Dieser Anteil ist in den letzten Jahrzehnten deutlich reduziert worden; 1986 betrug er 37%.

Ziele und Instrumente

Exportsubventionen und Importbeschr√§nkungen f√ľhren zu h√∂heren Binnenmarktpreisen, was Landwirten n√ľtzt und Konsumenten schadet (Getreideverladung in Seattle, 2004).

Die Ziele von Agrarsubventionen lassen sich einteilen in √Ėkonomische Effizienz und Umverteilung.[2]

Landwirtschaftliche Produktion ist aufgrund des Wetters gekennzeichnet durch Unvorhersehbarkeit und Instabilit√§t. Beispielsweise kann g√ľnstiges Wetter die Agrarpreise durch gute Ernten senken und damit Produzenten Einkommensverluste bringen. Landwirte k√∂nnten sich gegen derartige Risiken versichern, doch in Versicherungsm√§rkten kann es zu Marktversagen kommen (Adverse Selektion und Moral Hazard). Staatliche Subventionierung von Ernteversicherungen k√∂nnen daher die Effizienz steigern.[3]

Neben Effizienz sollen Agrarsubventionen auch Umverteilung bewirken, um bed√ľrftigen Menschen ein Auskommen zu sichern. Viele OECD-Staaten begannen mit der Agrarsubventionierung, als die landwirtschaftlichen Einkommen unter den nichtlandwirtschaftlichen lagen. Ein weiterer Beweggrund f√ľr die Umverteilungspolitik ist ein starker politischer Einfluss von Landwirten.[4]

Die Steigerung landwirtschaftlicher Einkommen war stets ein wichtiges Ziel der Agrarpolitik und ist laut Anderson et al. (2006) mit der Zeit weiter in den Vordergrund ger√ľckt. Dieses Ziel kann √ľber verschiedene Wege erreicht werden: Regierungen k√∂nnen die Preise von Agrarprodukten erh√∂hen und die von Inputs senken, auch k√∂nnen sie direkte Transfers veranlassen und Dienstleistungen bereitstellen.[5]

Eine wichtige Funktion bei der Beeinflussung von Agrarpreisen √ľben Handelsbarrieren aus. Ohne Handelsbarrieren entspricht der Inlandspreis dem Weltmarktpreis (mit Transportkosten). Wenn ein Land ein Nettoimporteur eines Agrarerzeugnisses ist, kann ein Einfuhrzoll den Inlandspreis √ľber den Weltmarktpreis heben. Dieser Zoll hebt den Preis von importierten G√ľtermengen, was den inl√§ndischen Produzenten der G√ľter zus√§tzliches Einkommen verschafft. Wenn ein Land ein Nettoexporteur eines Agrarerzeugnisses ist, kann eine Exportsubvention den inl√§ndischen Produzenten zus√§tzliches Einkommen verschaffen. Die Kosten derartiger Ma√ünahmen tragen teilweise oder ganz inl√§ndische Verbraucher √ľber h√∂here Preise.[6]

Ein weitere Form von Agrarsubventionen zur Anhebung der landwirtschaftlichen Einkommen sind Einkommenstransfers aus der Staatskasse. Eine wichtige Unterscheidung hierbei ist zwischen Transfers, die an Produktionsmengen gekoppelt sind, und solchen, die davon entkoppelt sind. Das in den Vereinigten Staaten eingesetzte Instrument der Loan deficiency payments etwa vergibt einen an die vermarktete Menge gekoppelten Einkommenstransfer, wenn der Vermarktungspreis unter einem bestimmten Niveau liegt. In der EU sind seit 2005 Direktzahlungen von den Produktionsmengen entkoppelt, was im Rahmen des Agreement on Agriculture eine Reduktion von Handelsverzerrungen repräsentiert.[7]

Regierungen k√∂nnen Landwirte mit weiteren Ma√ünahmen unterst√ľtzen, die aus Steuermitteln finanziert werden. In den USA werden beispielsweise die Wohnr√§ume von Landarbeitern oder die Vermarktung von Agrarprodukten im Ausland subventioniert. Die √∂ffentliche Agrarforschung kann die Entwicklung neuer Agrartechnologien bef√∂rdern, welche die Produktionskosten senken. Da die landwirtschaftliche Produktion in der Regel durch einen funktionierenden Wettbewerb gekennzeichnet ist, werden solche Kostensenkungen schlie√ülich √ľber niedrigere Verbraucherpreise an die Konsumenten weitergereicht. Die √∂ffentliche Agrarforschung wird zudem auch mit Marktversagen begr√ľndet: Da Agrarforschung h√§ufig ein √∂ffentliches Gut darstellt (eine Innovation kann von denen kopiert oder √ľbernommen werden, die nicht zu ihrer Entstehung beigetragen haben), liegen die privaten Forschungsinvestitionen unter dem sozialen Optimum. Die meisten Untersuchungen deuten auf soziale Renditen der Agrarforschung in H√∂he von 25 bis √ľber 100% hin.[8]

Umfang

OECD-Agrarsubventionen in den subventionsstärksten Regionen (2007)
OECD USA EU Japan Restliche OECD
TSE, Mrd. US$ 365,1 100,8 153,4 45,3 69,7
 % von TSE der OECD 100,0 27,6 42,0 12,4 18,8
PSE, Mrd. US$ 258,2 32,7 134,3 35,2 59,8
 % von TSE des Landes 70,7 32,4 87,5 77,7 85,8
GSSE, Mrd. US$ 77,6 41,9 16,2 10,1 10,0
 % von TSE des Landes 21,3 41,6 10,6 22,3 14,2
CSE, Mrd. US$ 29,2 26,2 2,9 0,0 0,1
 % von TSE des Landes 8,0 26,0 1,9 - 0,2
 % TSE von Steuerzahlern 61,9 87,1 68,6 28,0 -
 % TSE von Konsumenten 38,1 12,9 31,4 72,0 -
Zahl der lw. Betriebe (Mio., 2005) - 2,1 10,0 2,6 -
TSE je Betrieb - 20.333 13.386 18.231 -

Die j√§hrliche Publikation Producer and Consumer Support Estimates der OECD bietet die umfassenste Datenbasis f√ľr Agrarsubventionen. Neben Agrarsubventionen in den OECD-Staaten tauchen darin auch Agrarsubventionen in Brasilien, China, Russland, S√ľdafrika und der Ukraine auf.

Neben Einkommensunterst√ľtzung f√ľr Landwirte (Producer support estimate, PSE) werden darin Transfers an Verbraucher aufgef√ľhrt (Consumer support estimate, CSE). Zudem weist die OECD Zahlen zu sonstiger Unterst√ľtzung des Agrarsektors aus, wie Agrarforschung oder Agrarmarketing (General services support estimate, GSSE). Der Total support estimate (TSE) gibt die gesamte Unterst√ľtzung f√ľr Landwirte an und wird unterteilt in Transfers von Steuerzahlern und Transfers von Verbrauchern, abz√ľglich der sich aus den Politikma√ünahmen ergebenden Staatseinnahmen.[9]

Der PSE bildet den wichtigsten Anteil am TSE; 2007 betrug er im OECD-Durchschnitt 71%. Die Marktpreisst√ľtzung durch Handelsbarrieren machte selben Jahr etwa die H√§lfte des PSE und 35% des TSE aus. Sie wird auf Basis des Unterschieds zwischen den Inlands- und Weltmarktpreis einzelner G√ľter berechnet. Importz√∂lle verschaffen inl√§ndischen Produzenten eine Subvention in H√∂he der im Inland produzierten und vermarkteten G√ľtermenge multipliziert mit diesem Preisunterschied. Diese Subvention wird von den Verbrauchern bezahlt und taucht daher als negativer Betrag im CSE auf. Die Konsumenten zahlen den h√∂heren Preis auch f√ľr importierte G√ľter, dieser Betrag geht in die Staatskasse. Exportsubventionen sorgen ebenfalls f√ľr einen h√∂heren inl√§ndischen Preis. Die im Inland produzierte und vermarkete G√ľtermenge multipliziert mit dem Preisunterschied ist ebenso eine Subvention von Verbrauchern an Produzenten. Die exportierte G√ľtermenge multipliziert mit dem Preisunterschied ist eine Subvention von Steuerzahlern an Produzenten.[10]

Die andere Hälfte (im OECD-Durchschnitt) des PSE machen verschiedene staatliche Direktzahlungen an Produzenten aus. Dieser Anteil ist in der Vergangenheit stark gestiegen, was in erster Linie an der Reduktion von Handelsbarrieren in der EU liegt.[11]

Der CSE betrug 2007 -116 Mrd. US$. Die Zahl ist negativ, da die Konsumenten durch Handelsbarrieren höhere Preise bezahlen. Die Subventionslast ist deutlich niedriger als 1986 (-151 Mrd.). In dem CSE positiv verbucht sind Subventionen von Steuerzahlern an Konsumenten, die 2007 knapp 30 Mrd. US$ betrugen.[12]

Der TSE ist nicht die Summe aus PSE, CSE und GSSE, sondern die Summe aus PSE, GSSE und den im CSE enthaltenen Subventionen von Steuerzahlern an Konsumenten. Diese Subventionen treten vor allem in Form von Nahrungsmittelunterst√ľtzung f√ľr geringverdienende Konsumenten auf, wie das Supplemental Nutrition Assistance Program (Food Stamps), der National School Lunch Act (Schulmahlzeiten) oder die Child nutrition programs (Kinderern√§hrungsprogramme) in den USA. Der Grund, warum diese Subventionen zum Teil in das TSE (die Summe der Subventionen an Produzenten) einflie√üen, ist, dass sie Nachfrage und Preise anheben, was Produzenten zugute kommt.[13]

In einigen Industrieländern wie der Schweiz bezieht ein Landwirt im Durchschnitt mehr als die Hälfte seines Einkommens aus Subventionen (Betrieb bei Wettingen, 2010).

Die USA, die EU und Japan stellten 2007 81% der Agrarsubventionen in der OECD. Die Herkunft dieser Subventionen unterscheidet sich deutlich zwischen diesen Regionen. In Japan werden die Agrarsubventionen √ľberwiegend von Konsumenten getragen, in der EU und den USA von Steuerzahlern. Der Anteil des PSE am TSE ist in den USA mit knapp einem Drittel deutlich unter dem in der EU und Japan. Daf√ľr nimmt in den USA der GSE einen deutlich gr√∂√üeren Anteil am TSE ein. Handelsbarrieren sind in Japan f√ľr fast den gesamten PSE verantwortlich, in den USA und der EU machen sie einen bedeutend geringeren Anteil aus.[14]

Der TSE in der EU betr√§gt - als absolute Gr√∂√üe - etwa 50% mehr als in den USA und mehr als dreimal soviel wie in Japan. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU ist mit 10 Mio. deutlich h√∂her als in den USA und Japan mit je 2-3 Mio. In den USA und Japan erh√§lt ein landwirtschaftlicher Betrieb im Durchschnitt deutlich mehr Subventionen als ein Betrieb in der EU. Die Verteilung der auf die einzelnen Betriebe entfallenen Subventionen kann sich auch erheblich zwischen den Regionen unterscheiden. Die Environmental Working Group (EWG) sch√§tzte f√ľr 2006, dass auf die obersten 10% der Empf√§nger in den USA 62% der Subventionen entfielen.[15]

Der Anteil des PSE am gesamten landwirtschaftlichen Einkommen betrug in der OECD 2007 23%. Dieser Anteil lag bei 10% in den USA, 26% in der EU und 45% in Japan. Die Industrieländer mit dem geringsten Anteil des PSE am Einkommen waren im selben Jahr Australien (6%) und Neuseeland (1%). In Korea, Island, Norwegen und der Schweiz bestand 2007 mehr als die Hälfte des landwirtschaftlichen Einkommens aus Subventionen.[16]

Zu den im GSSE gef√ľhrten Politikinstrumenten geh√∂rt unter anderem Nahrungsmittelhilfe an Entwicklungsl√§nder. Etwa 60% der weltweit geleisteten Nahrungsmittelhilfe kommt aus den USA, 25% aus der EU, und kleinere Anteile aus Japan, Kanada und Australien. Nahrungsmittelhilfe hat √§hnliche Effekte wie eine Exportsubvention. Das GSSE enth√§lt zudem neben Agrarmarketing- und Agrarforschungsausgaben viele allgemeine Leistungen f√ľr die Landwirte, wie Subventionen f√ľr l√§ndliche Elektrifizierung, Wohnungen, Stra√üen und Bew√§sserungsanlagen. Solche Beihilfen stellen in den USA einen erheblich h√∂heren Anteil am TSE als in der EU.[17]

Auswirkungen

Agrarsubventionen haben vielf√§ltige Auswirkungen, die teilweise auch einander widersprechen k√∂nnen. Subventionen f√ľr die Agrarforschung f√ľhren beispielsweise langfristig zu niedrigeren Agrarpreisen, w√§hrend Handelsbarrieren die inl√§ndischen Preise erh√∂hen. Einige Agrarsubventionen korrigieren Marktversagen, wie die √∂ffentliche Agrarforschung. Andere dienen der Umverteilung von Einkommen an bed√ľrftige Haushalte. Ein wichtiges Argument f√ľr die urspr√ľngliche Einf√ľhrung von Agrarsubventionen war der niedrigere Lebensstandard von Landwirten im Vergleich zum Rest der Gesellschaft. Dieser Einkommensunterschied ist in den Industriel√§ndern heute aber nur noch selten vorhanden. In den USA stieg das Medianeinkommen von landwirtschaftlichen Haushalten in den USA in den letzten Jahren √ľber das von nichtlandwirtschaftlichen Haushalten. Die Aufrechterhaltung derartiger Subventionen wird von vielen Agrar√∂konomen als Reaktion auf einflussreiche Interessengruppen gesehen.[18]

Einkommensunterst√ľtzung f√ľr Landwirte wird insbesondere in der EU und Japan h√§ufig mit dem Konzept der Multifunktionalit√§t der Landwirtschaft begr√ľndet. Diesem Argument zufolge erhalten Landwirte die Kulturlandschaft, werden aber daf√ľr nicht √ľber den Markt entlohnt. In √Ėsterreich werden hohe Milchpreise manchmal mit dem Anblick von grasenden K√ľhen auf Almen gerechtfertigt. Ein Problem dieser Argumentation ist laut Peterson (2009), dass Landwirte auch negative Externalit√§ten verursachen (z.B. Eutrophierung) und dass diese die positiven mehr als aufwiegen k√∂nnen. Zudem w√ľrde es Konsumenten und Steuerzahler deutlich weniger kosten, wenn etwa √∂sterreichische Almbauern direkt f√ľr derartige Dienste bezahlt werden, anstatt √ľber Handelsbarrieren und unspezifische Direktzahlungen auch viele andere Landwirte zu unterst√ľtzen, die diese Leistungen nicht erbringen.[19]

Preiseffekte auf dem Weltmarkt infolge von Reformen (%)
Produkt OECD (2007)[20] Weltbank (2006)[21] FAPRI (2002)[22]
Weizen -0,014 bis -0,27 5,0 4,77 bis 7,60|-
Reis 1,61 bis 1,92 4,2 10,32 bis 10,65
Sonstige Getreide 1,73 bis 1,83 7,0 5,67 bis 6,23
√Ėlsaaten -0,14 bis -0,25 15,1 2,83 bis 3,14
√Ėlsaatenmehl -2,49 bis -2,70 - 3,83 bis 4,16
Pflanzenöle 2,64 bis 2,78 1,9 6,17 bis 6,98
Baumwolle - 20,8 2,93 bis 11,44
Zucker - 2,5 -
Rindfleisch 0,86 bis 2,86 - 3,28 bis 3,77
Schweinefleisch 0,72 bis 1,26 - 10,30 bis 10,92
Milchprodukte 4,87 bis 13,55 11,9 22,34 bis 39,56

Agrarsubventionen k√∂nnen auch Auswirkungen auf den Weltmarkt haben. Agrar√∂konomen (insbesondere der OECD, der Weltbank und des FAPRI) haben in den letzten Jahren viele Studien durchgef√ľhrt, die solche Effekte messen. √úblicherweise werden hierzu Allgemeine Gleichgewichtsmodelle verwendet, in denen die Effekte von Politikinstrumenten simuliert werden. Eine Studie der OECD (2007) simulierte √ľber den Zeitraum 2004-2013 eine Reihe von Szenarien, in denen die OECD-Agrarsubventionen und/oder die Handelsbarrieren um jeweils 50% reduziert werden. Eine Studie der Weltbank (2006) simulierte die komplette Abschaffung aller Agrarsubventionen und Handelsbarrieren √ľber den Zeitraum 2001-2015. Eine Studie des FAPRI untersuchte eine Reduktion √ľber den Zeitraum 2001-2011. Die Ergebnisse zeigen, dass Liberalisierungen nur in wenigen F√§llen (Baumwolle, Milchprodukte) starke Preis√§nderungen zur Folge haben w√ľrden. Die Sch√§tzungen der Weltbank f√ľr den Zuckermarkt sind deutlich geringer als die aus anderen Studien. Elobei und Beghin (2006)[23] kommen auf Preiserh√∂hungen von 27-48%; van der Mensbrugghe et al. (2003)[24] auf 21%. Baumwolle und Zucker sind wichtige Exportg√ľter vieler Entwicklungsl√§nder, w√§hrend Getreide und √Ėlsaaten von Signifikanz f√ľr sowohl Produzenten und als auch Konsumenten in diesen L√§ndern sind.[25]

Alle drei Gruppen sind sich einig, dass Importz√∂lle und Exportsubventionen gr√∂√üere Auswirkungen auf die Weltmarktpreise haben als die nicht unmittelbar den Handel betreffenden Subventionen. Van der Menbrugghe und Beghin (2004)[26] sch√§tzen, dass eine komplette Liberalisierung des Weltg√ľtermarkts (inklusive landwirtschaftlicher Produkte) globale Einkommenszuw√§chse von 385 Mrd. US$ generieren w√ľrde, wovon 196 Mrd. auf Entwicklungsl√§nder entfielen. 265 der 385 Mrd. w√ľrden aus der Liberalisierung des Agrarhandels kommen, da der Rest des G√ľtermarkts bereits st√§rker liberalisiert ist. Martin und Anderson (2006)[27] kommen zu dem Schluss, dass 63% der durch eine komplette Liberalisierung des Weltg√ľterhandels zu schaffenden Einkommenszuw√§chse (287 Mrd. US$) durch die Liberalisierung des Agrarhandels zustande kommen w√ľrden.

Van der Menbrugghe und Beghin (2004) sch√§tzen, dass die globalen Einkommenszuw√§chse lediglich 102 Mrd. betragen w√ľrden, wenn nur die Industriel√§nder ihre Agrarpolitik reformierten. Entwicklungsl√§nder w√ľrden dann lediglich 10 Mrd. gewinnen. Laut Martin und Anderson (2006) ist der Nutzen einer G√ľterhandelsliberalisierung in Industriel√§ndern genauso gro√ü wie der einer Liberalisierung in Entwicklungsl√§ndern. Hertel und Ivanic (2006) sch√§tzen, dass die Abschaffung von Handelsbarrieren in Entwicklungsl√§ndern eine gr√∂√üere Reduktion der weltweiten Armut zur Folge haben w√ľrde als die Abschaffung in Industriel√§ndern. Diese Ergebnisse implizieren, dass eine Abschaffung von Agrarhandelsbarrieren in den Industriel√§ndern vor allem den Industriel√§ndern Gewinne verschaffen w√ľrde.[28] Laut Peterson (2009) zeigen diese Untersuchungen zudem, dass eine bevorzugte Behandlung von Entwicklungsl√§ndern (Special and differential treatment) im Rahmen der WTO-Verhandlungen zur Reduktion von Handelsbarrieren keine gute Idee sei.

Peterson (2009) meint au√üerdem, dass der Nutzen niedriger Agrarpreise f√ľr arme Konsumenten in Entwicklungsl√§ndern h√§ufig √ľbersehen werden.[29] Swinnen et al. (2011)[30] verglichen Statements von Nichtregierungsorganisationen wie FAO, Oxfam oder IFPRI bez√ľglich der Bedeutung der H√∂he von Nahrungsmittelpreisen f√ľr Entwicklungsl√§nder vor der Nahrungsmittelpreiskrise 2007-2008 mit entsprechenden Statements nach der Krise. Es zeigte sich, dass vor der Krise vor allem die negativen Folgen niedriger Preise f√ľr Produzenten in Entwicklungsl√§ndern und nach der Krise vor allem die negativen Folgen hoher Preise f√ľr Konsumenten in Entwicklungsl√§ndern betont wurden.

Vereinigte Staaten von Amerika

Agrarsubventionen in den USA (Mrd. US$)
1986 1995 2007
Agrarproduktion 132,6 191,1 310,6
PSE 38,4 20,8 32,7
PSE/landwirtschaftliche Einkommen (%) 24,0 10,0 10,0
Marktpreisunterst√ľtzung im PSE 12,4 9,3 11,8
GSSE 18,3 29,8 41,9
Marketingunterst√ľtzung im GSSE 10,5 23,1 32,1
CSE -4,6 6,9 13,0
TSE 66,4 67,9 100,8
TSE von Konsumenten 14,7 10,5 13,2
TSE von Steuerzahlern 53,4 58,6 88,9
Staatseinnahmen -1,6 -1,1 -1,4

2007 betrug der TSE in den USA gut 100 Mrd. US$. Davon entfiel knapp ein Drittel auf den PSE. Der Anteil der Marktpreisunterst√ľtzung am PSE schwankt abh√§ngig von den Weltmarktpreisen und betrug 2007 36%. Der Anteil des PSE an den landwirtschaftlichen Einkommen variiert ebenfalls mit den wirtschaftlichen Bedingungen des Agrarsektors, seit 1986 lag er dabei immer zwischen 10% und 26%, 2007 bei 10%.[31]

Geschichte

Die allgemeine Wirtschaftspolitik der US-Regierung hatte zwar stets Auswirkungen auf den Agrarsektor, aber erst im 20. Jahrhundert bildete sich eine gezielte Agrarpolitik heraus, die zu einem komplexen System von Preisst√ľtzungen, Handelsbarrieren, Produktionsbeschr√§nkungen und anderen Ma√ünahmen aufwuchs. Agrarsubventionen wurden mit dem sogenannten Farm problem begr√ľndet. Demzufolge sind die Einkommen in der Landwirtschaft niedriger und weniger stabil als in anderen Sektoren aufgrund von Wetterschwankungen, einem langsamen Nachfragewachstum (Engelsches Gesetz), sowie landwirtschaftlichen Produktivit√§tszuw√§chsen.[32]

Laut Effland (2000) l√§sst sich die Agrarpolitik der USA in vier √ľberlappende Phasen einteilen:[33]

  • Landverteilung (1785-1890)
  • Bildung und Forschung (1830-1914)
  • Informations- und Marketingunterst√ľtzung (1870-1933)
  • Einkommensst√ľtzung (1924-)
Seit Thomas Jefferson (1743-1826) wird Familienbetrieben in den USA eine besondere Bedeutung zuteil.

In der ersten Phase bestand die Agrarpolitik vor allem aus Landverteilungsma√ünahmen, etwa durch den Homestead Act (1862), der es Personen erlaubte, unbesiedeltes Land in Besitz zu nehmen. Politische Debatten drehten sich vor allem um die Frage, ob die Regierung Land zu hohen Preisen verkaufen sollte, um ihr Budget aufzubessern, oder ob das Land √ľber niedrigere Preise an eine breite Masse von Familienbetrieben aufgeteilt werden sollte. Die zweite Idee geht zur√ľck auf Thomas Jefferson (1743-1826), der glaubte, dass die Demokratie sicherer sei, wenn sie auf einer gro√üen Klasse von unabh√§ngigen Landbesitzern basiert. Dieses Thema einer besonderen Bedeutung von Familienbetrieben zieht sich durch die Geschichte der US-Agrarpolitik und wurde immer wieder als Rechtfertigung f√ľr Agrarsubventionen verwendet.[34]

Die zweite Phase war durch die √∂ffentliche F√∂rderung von Agrarforschung und -bildung gekennzeichnet. Effland (2000) geht davon aus, dass die etablierten Landwirte Neuenglands ihre durch die neuen Betriebe im Westen gef√§hrdete Wettbewerbsf√§higkeit durch Produktivit√§tszuw√§chse erhalten wollten. Der Morrill Land-Grant Colleges Act (1862) schuf die Basis f√ľr die Land-grant Universities, in denen insbesondere die Agrarwissenschaft in den Bundesstaaten gef√∂rdert wurde. Zahlreiche landwirtschaftliche Forschungsstationen und Informationsdienstleistungen wurden auf Grundlage des Hatch Act von 1887 und des Smith‚ÄďLever Act von 1914 etabliert. Dieses System war sehr effektiv in der Entwicklung und Verbreitung neuer Agrartechnologien.[35]

Die dritte Phase wurde gepr√§gt durch zunehmende Bedenken um Einkommensungleichheit zwischen Agrarsektor und dem Rest der Volkswirtschaft. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sanken aufgrund starker Produktionssteigerungen landwirtschaftliche Preise und Einkommen. Zudem kam es zu einer Konsolidierungswelle in anderen Sektoren, infolge dessen sich monopolistisches Preisverhalten ergab. Der Sherman Antitrust Act (1890) wurde verabschiedet, um diesen Tendenzen entgegenzuwirken. Dennoch konnten Unternehmen der vor- und nachgelagerten Industrie Landwirten Preise aufzwingen. 1922 reagierte die Politik mit dem Capper‚ÄďVolstead Act auf Forderungen der Landwirte, Kooperativen von der Antitrust-Gesetzgebung auszunehmen, um ihnen mehr Marktmacht zu verschaffen. In der Folge stieg die Zahl der Beschaffungs- und Marketingkooperativen zwischen 1921 und 1926 von knapp 7.400 auf 10.800.[36]

Efflands vierte Phase wurde mit dem Einbrechen der Agrarpreise nach dem Ersten Weltkrieg angek√ľndigt. Der McNary‚ÄďHaugen Farm Relief Bill von 1924 sollte die inl√§ndischen Agrarpreise durch Importz√∂lle und Exportsubventionen st√ľtzen. Der Entwurf scheiterte trotz mehrfacher Anl√§ufe, aber Elemente aus ihm wurden im Agricultural Adjustment Act (AAA) (1933) umgesetzt. Das Konzept des ‚Äěfairen Preises‚Äú wurde zentral (Doktrin der Parit√§t). Nach dieser Auffassung soll der Parit√§tsindex (Verh√§ltnis von Preisen, die Landwirte f√ľr ihre Produkte erhalten zu Preisen von Produktionsmitteln und sonstigen G√ľtern) √ľber die Zeit nicht abnehmen, vereinfacht: Ein Kilogramm Weizen soll stets eine bestimmte Menge nichtlandwirtschaftlicher G√ľter erkaufen k√∂nnen. Die Doktrin der Parit√§t blieb bis in die 1970er Jahre popul√§r.[37]

Agrarsubventionen seit 1930

Brachlegungen zur Beschränkung der Produktion und Erhöhung der Preise waren jahrzehntelang Bestandteil der US-Subventionspolitik (Feld im Hardin County, Ohio).

Der AAA f√ľhrte das Instrument des Nonrecoursive loan ein, der ein effektiver Mindestpreis ist. Landwirte k√∂nnen im Rahmen dieses Programms bei niedrigen Marktpreisen ein Darlehen in Anspruch nehmen. Wenn die Marktpreise wieder steigen und die Landwirte dann ihre Erzeugnisse verkaufen, w√ľrden sie das Darlehen zur√ľckzahlen, so die Erwartung. Sollten die Makrtpreise nicht ansteigen, k√∂nnten die Landwirte ohne Einbu√üen ihres Kreditrating auf eine R√ľckzahlung verzichten; die Regierung w√ľrde dann die Ernte erhalten.[38]

Der AAA f√ľhrte zudem Begrenzungen der bewirtschafteten Ackerfl√§che und der Tierzahlen ein, um die die Preise von Getreide, Baumwolle und Tierprodukten zu erh√∂hen. Urspr√ľnglich sollte das Management f√ľr derartige Ma√ünahmen √ľber eine gesonderte Besteuerung der Lebensmittelindustrie finanziert werden, was jedoch vom Obersten Gerichtshof 1936 als verfassungswidrig erkl√§rt wurde. Stattdessen kamen Zahlungen an Landwirte zum Einsatz, die an das Anpflanzen von Leguminosen und Gr√ľnd√ľngung gebunden waren, um so die Produktionsmenge von Getreide und Reihenkulturen zu verringern und ihre Preise zu erh√∂hen. In den 1960er Jahren waren diese Stilllegungs- und Bodenschutzprogramme bereits ein etablierter Bestandteil der US-Agrarpolitik. Landwirte mussten Teile ihrer Fl√§chen aus der Produktion nehmen, um die Preis- und Einkommensst√ľtzungsprogramme der Regierung in Anspruch zu nehmen. Der Versuch, Produktionsmengen und Preise √ľber derartige Stilllegungen zu steuern, erwies sich jedoch nicht als sehr effektiv, da Landwirte vor allem marginale Fl√§chen brachlegten und die restlichen Fl√§chen intensiver bewirtschafteten. Eine Reduktion von 10% der Ackerfl√§che f√ľhrte so nur zu einem R√ľckgang der Produktionsmenge von 2-3%.[39]

1954 wurde mit dem Public Law 480 (Food for Peace) auch erstmals die Nachfrage nach Agrarprodukten systematisch stimuliert. Public Law 480 exportiert Nahrungsmittel√ľbersch√ľsse (die sich oft √ľber die Darlehensprogramme angesammelt haben) in Entwicklungsl√§nder zu subventionierten Preisen oder als Nahrungsmittelhilfe in Krisenf√§llen. Das Food Stamp Program zur Unterst√ľtzung armer inl√§ndischer Konsumenten wurde nach einer fr√ľheren Instanz (1939-1943) im Jahr 1964 permanent.[40]

Nahrungsmittelhilfe im In- und Ausland unterst√ľtzt nicht nur arme Konsumenten, sondern auch US-Landwirte, da sie die Nachfrage stimuliert (Food Stamps von 1939).

Exportm√§rkte nahmen eine zunehmende Bedeutung bei der Beseitigung von √úbersch√ľssen bei konstantzuhaltenen Preisen ein. Um diese Exporte aufrechtzuerhalten, konnten die Darlehen nicht l√§nger parit√§r bleiben, da die Weltmarktpreise deutlich unter den inl√§ndischen lagen. Die Darlehen konnten zwar saisonale Schwankungen ausgleichen, aber nicht mehr die Einkommen st√ľtzen. 1973 wurden daher die Loan Deficiency Payments eingef√ľhrt. Diese waren mit niedrigeren Darlehen verbunden. Die H√∂he der Deficiency Payments richtete sich nach dem Vergleich eines festgesetzten Mindestpreises mit dem Marktpreis. Dieser Preisunterschied wurde mit einer kompliziert ermittelten Produktionsmenge multipliziert, dessen Produkt die Landwirte als Zahlung erhielten (zus√§tzlich zu den Darlehen, falls die Marktpreise unter den darin festgelegten Preisen lagen). Somit konnten niedrige Marktpreise vorherrschen, die landwirtschaftlichen Einkommen aber gleichzeitig hochgehalten werden. In dem Ausma√ü, in dem die Mindestpreise eine h√∂here Produktionsmenge bewirkten, stellte dieses Instrument eine Subvention von Steuerzahlern an Produzenten und Konsumenten dar.[41]

Darlehen, deficiency payments, Flächenbeschränkungen und Nachfragestimulierungen blieben bis zum Farm bill 1996 in Kraft, wenngleich sie in der Zwischenzeit mehrfach variiert wurden. In den 1990er Jahren kam es zu Reformversuchen aufgrund von Bedenken, dass die Agrarpolitik die Produktionsentscheidungen von Landwirten deutlich verzerrte. 1996 wurden daher die Produktionsbeschränkungprogramme ausgesetzt und die deficiency payments mit entkoppelten Direktzahlungen ersetzt, die später auslaufen sollten.[42]

Die Agrarpreise waren zur Zeit der Beschlie√üung des Farm Bill 1996 relativ hoch, nahmen jedoch aufgrund von darauf folgenden Produktionssteigerungen wieder ab. Im Farm Bill 2002 wurden daher einige Beschl√ľsse von 1996 revidiert. Die entkoppelten Direktzahlungen wurden nicht reduziert und stattdessen permanent gemacht. Darlehen mit h√∂heren Mindestpreisen sowie Counter-cyclical payments (CCP) wurden eingef√ľhrt, die den 1996 abgeschafften loan deficiency payments √§hnelten. Der Farm Bill 2002 erntete viel Kritik. So wurde argumentiert, dass die Subventionen vor allem gro√üen Betriebe, nicht aber kleineren Familienbetrieben zugute kommen w√ľrden. Andere meinten, dass die darin beschlossenen Subventionen zu √úbersch√ľssen und niedrigen Preisen f√ľhren w√ľrden, die Produzenten in Entwicklungsl√§ndern schaden w√ľrden, und dass der Fokus auf Agrarprodukte breitere l√§ndliche Entwicklung und Naturschutz vernachl√§ssigen w√ľrde.[43]

Der Farm Bill 2008 enthielt nur geringf√ľgige √Ąnderungen gegen√ľber dem von 2002. Aus Reihen von Kritikern kam der Vorschlag einer Begrenzung der von einem Betrieb maximal beanspruchbaren Subventionen (nach Angaben der Environmental Working Group erhielten die 20 gr√∂√üten Betriebe 2005 jeweils mehr als 1,5 Mio. US$ an Zahlungen). W√§hrend Pr√§sident Bush niedrigere Maximalbetr√§ge forderte, traten Kongressabgeordnete f√ľr deutlich h√∂here ein. Die Darlehensprogramme, Direktzahlungen und CCP wurden alle mit minimalen √Ąnderungen fortgesetzt. Landwirte konnten w√§hlen zwischen CCP und einem neuen, auf Einkommen basierenden Programm. Dieses neue Programm gew√§hrt Landwirten Zahlungen, wenn ihr Einkommen unter einen historischen Durchschnitt sinkt. Erstmals wurde auch der Gartenbau subventioniert. Eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung und eine verbesserte √úberwachung von Produktionsvertr√§gen wurde im Viehsektor eingef√ľhrt. Direktzahlungen werden auch gew√§hrt, wenn die Marktpreise √ľber einem Niveau liegen, das loan deficiency payments oder CCP ausl√∂sen w√ľrde. Die √∂ffentliche Debatte um den Farm Bill 2008 enthielt neben Vorschl√§gen zur Begrenzung von Zahlungen auch Vorschl√§ge zur Ausweitung des Food Stamp Program und anderer Ern√§hrungsprogramme, zur Erh√∂hung der F√∂rderung der l√§ndlichen Entwicklung und zum Ersetzen der traditionellen G√ľtersubventionen durch Einkommensversicherung. Laut World Public Opinion (2007) bevorzugen die meisten US-B√ľrger in landwirtschaftlich und nicht landwirtschaftlich gepr√§gen Bundesstaaten eine Unterst√ľtzung f√ľr kleine Landwirte in Krisensituationen, aber keine Unterst√ľtzung f√ľr gro√üe Betriebe oder eine Unterst√ľtzung auf permanenter Basis.[44]

Auswirkungen

Die US-Baumwollsubventionen schaden Baumwollproduzenten in Entwicklungsländern wie Mali (2002).

Die Auswirkungen der US-Agrarsubventionen im Gesamten wurden bisher nicht mithilfe Allgemeiner Gleichgewichtsmodelle gesch√§tzt. Dennoch gibt es Studien √ľber die Effekte einzelner Programme. Beghin et al. (2003)[45] zu dem Ergebnis, dass der Weltmarktpreis von Zucker 13% h√∂her liegen w√ľrde, wenn die Zuckersubventionen in den USA abgeschafft werden.[46] Mehrere Studien fanden √§hnliche Preiseffekte durch die US-Baumwollsubventionen, wenngleich eine Studie auch einen geringeren Effekt ergab.[47][48][49][50] Es gibt auch Hinweise, dass niedrigere Baumwollpreise in westafrikanischen Baumwollexportl√§ndern wie Benin und Mali die Einkommen von Produzenten senken und die l√§ndliche Armut erh√∂hen.[51][52] Abgesehen von Zucker und Baumwolle haben die Agrarsubventionen der USA mehreren Untersuchungen zufolge geringere Auswirkungen auf die Weltmarktpreise als die Agrarsubventionen der EU und Japans. Dies liegt daran, dass die USA im Rahmen ihrer Subventionen weniger auf Handelsbarrieren zur√ľckgreifen als etwa die EU und Japan.[53][54]

Neben diesen Auswirkungen auf den Weltmarkt haben die US-Agrarsubventionen auch Auswirkungen in den USA. Die urspr√ľngliche Rechtfertigung der Subventionen, die relativ niedrigen landwirtschaftlichen Einkommen, sind dabei nicht mehr gegeben. Mittlerweile liegt das Medianeinkommen eines landwirtschaftlichen Haushalts √ľber dem eines nichtlandwirtschaftlichen. 72% der landwirtschaftlichen Haushalte (definiert als mit einem landwirtschaftlichen Umsatz von mehr als 1.000 US$) hatten 2004 ein Einkommen √ľber dem nichtwirtschaftlichen Median. 16% aller landwirtschaftlichen Haushalte erhielten im selben Jahr 73% der staatlichen Einkommenstransfers.[55] Key und Roberts (2007)[56] fanden heraus, dass die Agrarg√ľtersubventionen -neben anderen Faktoren wie technologischem Fortschritt- einen Beitrag zum Wachstum der durchschnittlichen Betriebsgr√∂√üe geleistet haben. Zu den Auswirkungen der Subventionen auf Einkommen gibt es widerspr√ľchliche Ergebnisse.[57] Dazu geh√∂rt auch, dass Subventionen den Wert von Boden steigern, was Landbesitzern eher n√ľtzt als pachtenden Bewirtschaftern. Einige Instrumente (z.B. loan deficiency payments) senken die Agrarpreise, andere (z.B. Zucker- und Milchprogramme) erh√∂hen sie, so dass laut Pasour und Rucker (2005) auch der Effekt auf die Konsumentenpreise nicht eindeutig ist. Steuerzahlern bereiteten die staatlichen Zahlungen an Produzenten 2006 hingegen Kosten von 24 Mrd. US$ (weniger als 1% der gesamten Staatsausgaben). Zudem ergeben sich Effizienzverluste aus den marktverzerrenden Effekten der Subventionen.[58] Das Government Accountability Office sch√§tzte den Effekt der Zuckersubventionen auf Einkommenszuw√§chse von 1,05 Mrd. US$ f√ľr Produzenten und Kosten von 1,94 Mrd. f√ľr Konsumenten im Jahr 1998. Durch direkte Einkommenstransfers anstelle der Zuckermarktpolitik lie√üen sich bei gleichen Einkommenseffekten f√ľr Produzenten demzufolge 890 Mio. US$ sparen.[59] Babcock und Hart (2005) empfehlen, die unterschiedlichen Subventionsinstrumente durch eine Einkommensversicherung zu ersetzen, da dies bei gleichem Effekt auf die Produzenteneinkommen erhebliche Kosten einsparen w√ľrde.[60]

Einige Kommentatoren haben die Agrarsubventionen in einem Zusammenhang gebracht mit Fettleibigkeit. Nach dieser Theorie f√ľhren Subventionen an Landwirte zu h√∂herem Konsum von dickmachenden Lebensmitteln, indem sie die Produktion dieser Lebensmittel bef√∂rdern und ihre Preise senken. Laut einer zusammenfassenden Analyse von Alston et al. (2008) haben die Subventionen jedoch nur sehr beschr√§nkte Effekte auf die Preise von Zucker, St√§rke und Fett im Vergleich zu etwa Obst und Gem√ľse. Kleine relative Preis√§nderungen bei Agrarg√ľtern w√ľrden zweitens noch geringere √Ąnderungen bei Verbraucherpreisen bedeuten. Drittens ist der Lebensmittelkonsum relativ preisunelastisch. Die Preise von Lebensmitteln wie Zucker, Milchprodukten, Orangensaft, und Rindfleisch werden in den USA zudem durch Handelsbarrieren gest√ľtzt, und nicht gesenkt. Internationale Vergleiche zeigen, dass die L√§nder mit den h√∂chsten Agrarsubventionen relativ niedrige Fettleibigkeitsraten haben. Subventionen f√ľr die Agrarforschung k√∂nnen hingegen signifikante Effekte auf relative Preise haben. Sie verf√ľgen damit √ľber das Potential, die Fettleibigkeitsraten zu beeinflussen, sind aber ein sehr stumpfes Instrument zur Bek√§npfung der Fettleibigkeit.[61]

Neue Politische √Ėkonomie

Im Senat sind Landwirte √ľberrepr√§sentiert. Als kleine Gruppen mit starken Interessen k√∂nnen sie zudem effektiven Lobbyismus betreiben.

Wissenschaftler haben angesichts kostspieliger und verzerrender Subventionen, die tendenziell eher gr√∂√üeren Betrieben zugutekommen und deren urspr√ľngliche Rechtfertigung (landwirtschaftlicher Einkommensnachteil) nicht mehr gegeben ist, m√∂gliche Gr√ľnde f√ľr die Fortsetzung dieser Politik untersucht. F√ľr Pasour und Rucker (2005) sind einige Elemente des politischen System der USA mitverantwortlich. Im Senat sind die Bundesstaaten gleich repr√§sentiert, was eine √úberrepr√§sentierung von Staaten mit kleiner Bev√∂lkerungszahl und gro√üem Agrarsektor bedeutet. Laut Olson (1971) f√§llt es relativ kleinen Gruppen mit starken Interessen leichter, das Trittbrettfahrerproblem des kollektiven Handelns zu l√∂sen. Mit der Abnahme der Zahl der Betriebe habe sich die politische Organisiertheit der Gruppe weiter verbessert. Die Gruppen der Steuerzahler und Konsumenten sind hingegen deutlich gr√∂√üer und schlechter organisiert. Zudem entfallen auf den einzelnen Konsumenten bzw. Steuerzahler erheblich geringere Kosten durch Subventionen, als dem einzelnen Landwirt aus denselben zugute kommt. Dieser Sicht zufolge sind die fortgesetzten Agrarsubventionen Ergebnis eines erfolgreichen Lobbyismus.[62][63]

Lobbyismus allein kann jedoch nicht erkl√§ren, warum die ineffizienten Handelsbarrieren und Markteingriffe bisher nicht durch direkte Einkommenstransfers ersetzt wurden. Als Vorsitzender des Council of Economic Advisers schlug Stiglitz in den 1990er Jahren vor, das Milchprogramm (welches auf Mengenbeschr√§nkungen basiert) durch ein System von Direktzahlungen zu ersetzen, das die Einkommensgewinne von Milchproduzenten nicht reduzieren aber daf√ľr die Verbraucherpreise senken w√ľrde. Der Vorschlag wurde von den Milchproduzenten nicht akzeptiert. Ein m√∂glicher Grund ist, dass Direktzahlungen sichtbarer und somit politisch schwerer zu rechtfertigen sind.[64]

Grossman und Helpman ver√∂ffentlichten 1994 ein theoretisches Modell, das die politische Bevorzugung von Handelsbarrieren zur Unterst√ľtzung einer kleinen Gruppe auf Kosten der breiten Mehrheit erkl√§ren kann. In diesem Modell versuchen Politiker, die erhaltenen Spendengelder zu maximieren sowie wiedergew√§hlt zu werden. Produzenten versuchen, durch Spenden politische Ma√ünahmen zum Schutz vor ausl√§ndischer Konkurrenz zu bewirken.[65] Das Modell wurde in mehreren empirischen Studien erfolgreich getestet. W√§hrend Goldberg und Maggi (1999)[66] einen relativ gro√üen Einfluss von W√§hlern fanden, kamen Lopez (2001)[67] sowie Gawande und Hoekman (2006)[68] zu dem Ergebnis, dass der Einfluss von Spenden deutlich gr√∂√üer ist. Lopez sch√§tzte, dass ein US$ an Spendengeldern 2.000 US$ an Subventionen bewirkt. Gawande und Hoekman schlie√üen, dass sich die etablierte US-Agrarpolitik nur schwer √§ndern l√§sst.[69]

Europäische Union

Agrarsubventionen in der EU (Mrd. ‚ā¨)
1986 1995 2007
Agrarproduktion 212,8 232,2 318,8
PSE 95,0 96,9 98,1
PSE/landwirtschaftliche Einkommen (%) 42,0 36,0 26,0
Marktpreisunterst√ľtzung im PSE 83,5 56,6 35,4
GSSE 9,0 5,8 11,9
Marketingunterst√ľtzung im GSSE 1,6 1,8 3,1
CSE -72,8 -50,5 -33,5
TSE 108,1 106,8 112,0
TSE von Konsumenten 85,8 57,8 37,0
TSE von Steuerzahlern 24,5 50,6 76,7
Staatseinnahmen -2,2 -1,6 -1,8

2007 betrug der TSE in der EU 112 Mrd. ‚ā¨ und hat sich damit gegen√ľber 1986 kaum ge√§ndert, wenngleich in diesem Zeitraum weitere Staaten der EU beigetreten sind. Vom TSE entfielen knapp 100 Mrd. auf den PSE. Der Anteil des PSE an den landwirtschaftlichen Einkommen lag 2007 bei 26%. Aufgrund von Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ist der Anteil der Marktpreisunterst√ľtzung am PSE in den letzten Jahrzehnten deutlich zur√ľckgegangen; 1986 betrug er 88%, 2007 36%. Aus denselben Gr√ľnden hat der Beitrag von Steuerzahlern zu den Subventionen gegen√ľber den 1980er Jahren deutlich zugenommen und der von Konsumenten deutlich abgenommen. Der CSE ist im Vergleich zu den USA auch deswegen stark negativ, weil die EU keine Programme zur Unterst√ľtzung von Konsumenten √§hnlich dem Food Stamp Program hat.[70]

Agrarsubventionen der Gemeinsamen Agrarpolitik

‚Üí Hauptartikel: Gemeinsame Agrarpolitik

Als Ende des 19. Jahrhunderts Agrarexporte aus Nord- und S√ľdamerika sowie Australien und Neuseeland den Weltmarkt betraten, sah sich die europ√§ische Landwirtschaft einer starken Konkurrenz aus diesen L√§ndern ausgesetzt. Da Land in diesen Exportl√§ndern weniger knapp als in Europa war, konnte dort billiger Getreide produziert werden. Teilweise kam es zu Anpassungsreaktionen europ√§ischer Produzenten, wie dem Umschwenken auf arbeitsintensivere G√ľter (Obst und Gem√ľse, tierische Produkte) in England, D√§nemark und den Niederlanden, haupts√§chlich reagierten die Europ√§er jedoch mit der Errichtung von Handelsbarrieren. Diese protektionistische Politik etablierte sich durch die Weltwirtschaftskrise und den zweiten Weltkrieg.[71]

Die erste Phase der GAP von 1962 bis 1992 war gekenzeichnet durch Preisst√ľtzungen, die mithilfe von Interventionspreisen, Importabsch√∂pfungen und Exporterstattungen durchgesetzt wurden. Diese Politikma√ünahmen verursachten √úberschussproduktion und hohe Kosten. Die MacSharry-Reform (1992) √§nderte die GAP erheblich und ersetzte viele Preisst√ľtzungen mit Direktzahlungen. Diese Schritte wurden daneben mit der Uruguay-Runde motiviert, wenngleich der Protektionismus weiterhin hoch blieb. Die Agenda 2000 (1999) und die Halbzeitbewertung (2003) wandelten weiter Marktpreisst√ľtzungen in entkoppelte Direktzahlungen um. Die Halbzeitbewertung erlaubte den Mitgliedsstaaten zudem mehr Spielraum bei der Umsetzung als vorherige Reformen.

Auswirkungen

Die Zuckerproduktion in der EU w√§re von Reformen negativ betroffen, da sich Zucker effizienter aus Zuckerrohr gewinnen l√§sst (Zuckerr√ľben in Westflandern, 2010).

Die GAP schadet vor allem Produzenten in einigen Exportl√§ndern. Zu Beginn der GAP kamen 72% der in EU-Staaten importierten Nahrungsmittel von au√üerhalb der EU (vor allem Kanada, USA, Australien und Neuseeland); 2006 waren es aufgrund der GAP 18,2%. Anfang der 1960er Jahre importierten die EU-15 mehr Getreide, √Ėlsaaten, Zucker und tierische Produkte als sie exportierten. In den 1980er Jahren war die EU Nettoexporteur dieser G√ľter mit Ausnahme von √Ėlsaaten, die die GAP vom Protektionismus ausnahm. Damit haben vor allem kanadische, US-amerikanische, australische und neuseel√§ndische Produzenten durch die EU-Agrarsubventionen Einbu√üen verzeichnet.[72]

Produzenten in Entwicklungsl√§ndern waren weniger von der GAP betroffen als Produzenten in Kanada, den USA, Australien und Neuseeland und haben teilweise von ihr profitiert. Produzenten in AKP-Staaten haben durch bevorzugte Handelsabkommen meist nur wenig profitiert, aber der Nutzen f√ľr einige Zuckerexporteure war deutlich. Die GAP brachte auch indirekten Nutzen f√ľr einige Entwicklungsl√§nder, da sie zwar Handelsbarrieren f√ľr die Einfuhr von Getreide errichtete, nicht aber f√ľr √Ėlsaaten und Erzeugnisse wie Maisgluten und anderer Nebenprodukte oder Maniokmehl. Diese Produkte ersetzten einen Teil der durch die Handelsbarrieren in der EU teureren Getreide in der Tierf√ľtterung. Davon profitierten Produzenten dieser G√ľter in Entwicklungsl√§ndern wie Indonesien und Thailand.[73]

Winters (2005)[74] sch√§tzt, dass die komplette Eliminierung der EU-Agrarsubventionen relativ geringe Preiseffekte h√§tte. Produzenten in einigen Entwicklungsl√§ndern w√ľrden von einer Eliminierung der GAP profitieren, steigende Nahrungsmittelpreise w√ľrden in anderen Entwicklungsl√§ndern hingegen Konsumenten schaden. Anderen Analysen[75][76] [77] zufolge w√ľrden die Effekte auf globale Produktion und Preise ebenfalls gering sein.[78]

Innerhalb der EU sind die Auswirkungen der GAP am signifikantesten. Anderson et al. (2006) sch√§tzten, dass eine komplette Eliminierung der globalen Agrarsubventionen zu einem R√ľckgang der landwirtschaftlichen Produktion in der EU um 12,3% bis 2015 f√ľhren w√ľrde. Auch w√ľrden Besch√§ftigung in der Landwirtschaft und Landpreise zur√ľckgehen. Laut Berghin und Aksoy (2003)[79] w√ľrde der Abbau der Handelsbarrieren vor allem Produzenten von Baumwolle, Milchprodukten und Zucker schaden, w√§hrend die Konsumenten von Zucker und Milchprodukten profitieren w√ľrden. √Ąhnliche Nutzenverschiebungen w√ľrde sich bei Getreide, √Ėlsaaten und Rindfleisch ergeben, wenngleich die St√§rke der Effekte geringer w√§re. Laut der meisten Analysen w√ľrden die Gewinne von Konsumenten gr√∂√üer sein als die Verluste von Produzenten.[80]

Neue Politische √Ėkonomie

Dass die EU-Agrarsubventionen trotz sozialer Kosten bestehen, wird zum Teil durch Lobbyismus seitens der Produzenten erkl√§rt. Mehrere Analysen haben den politischen Prozess auf zwei aufeinanderfolgenden Ebenen charakterisiert. Zun√§chst wird eine Politikrichtung auf nationaler Ebene bestimmt, die dann auf der europ√§ischen Ebene vertreten wird. Auf europ√§ischer Ebene erfolgen Einigungen meist auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner (also den kleinsten Reformschritten). Dies zeigte sich bereits zu Beginn der GAP. Henning (2004)[81] argumentiert, dass der Rat f√ľr Landwirtschaft und Fischerei stets eher protektionistisch entscheidet, da jeder Minister ein Vetorecht hat. Weniger protektionistisch eingestellte Minister w√ľrden protektionistischere Vorschl√§gen nicht ablehnen, da Protektionismus den politischen R√ľckhalt der Produzenten im eigenen Land sichert.[82]

Japan und Korea

Mit dem Argument der Ernährungssouveränität protestieren japanische Bauern gegen einen Abbau von Einfuhrschranken während der WTO-Ministerkonferenz 2005 in Hongkong. Japans Agrarhandelsbarrieren gehören zu den größten der OECD.
Agrarsubventionen in Japan (Mrd. Yen)
1986 1995 2007
Agrarproduktion 11.171 10.388 8.504
PSE 7.726 6.841 4.149
PSE/landwirtschaftliche Einkommen (%) 65 62 45
Marktpreisunterst√ľtzung im PSE 6.973 6.228 3.533
GSSE 1.164 2.314 1.187
Infratruktur im GSSE 1.004 2.085 981
CSE -9.013 -8.778 -4.642
TSE 8.877 9.182 5.338
TSE von Konsumenten 9.028 8.801 4.646
TSE von Steuerzahlern 2.171 3.045 1.806
Staatseinnahmen -2.322 -2.664 -1.114

Japans und Koreas Agrarsubventionen bestehen in erster Linie aus Handelsbarrieren, vor allem bei Reis. Der Reispreis in Japan und Korea betrug 2007 das mehr als dreifache des Weltmarktpreises, 2000 das √ľber sechsfache. Zugleich war Japan 2007 der gr√∂√üte Nettoimporteur von Agrarerzeugissen.[83]

Reis hat eine wichtige kulturelle Bedeutung. Laut Ohnuki-Tierney (2004)[84] halten Japaner Reis f√ľr eine zentrale Grundlage der japanischen Zivilisation und f√ľr ein Symbol von Sch√∂nheit, Frieden, die menschliche Seele und das G√∂ttliche. Zudem wird Selbstversorgung als wichtiges Element der Ern√§hrungssicherheit gesehen. Viele japanische und koreanische Analysten sehen in einem niedrigen oder sinkenden Selbstversorgungsgrad ein Risiko. Kako (2000)[85] f√ľrchtet, dass Japan und Korea bei milit√§rischen, politischen und wirtschaftlichen Konflikten Nahrungsmittelkrisen erfahren k√∂nnten. Eine feindliche Macht k√∂nnte aufgrund der geographischen Lage relativ leicht den Import von Nahrungsmitteln blockieren.[86]

Reis machte 2007 36% der Marktpreisst√ľtzung und 30% des PSE in Japan aus. In Korea lagen die Anteil bei 26% bzw. 24%. Neben Reis werden tierische Produkte, andere Getreide, √Ėlsaaten sowie Obst und Gem√ľse subventioniert. In den 1970er Jahren kam es zu einem Handelsstreit zwischen den USA und Japan √ľber japanische Einfuhrbeschr√§nkungen. Die USA reichten schlie√ülich Beschwerde ein. Ende der 1980er Jahre wurden diese als Verst√∂√üe gegen das GATT anerkannt und Japan reduzierte seine Barrieren bei einigen Agrarprodukten deutlich. Als Resultat nahmen die japanischen Rindfleischimporte zwischen 1988 und 1996 um 130% zu, bei Milch, Tomaten- und Apfelsaft kam es zu noch h√∂heren Zunahmen. Auch Korea senkte seine erheblichen Importbarrieren in den 1980er deutlich. Bei Reis erhielten beide L√§nder de facto Importverbote aufrecht, bis sie mit dem Agreement on Agriculture einen gewissen Marktzugang (jeweils unter 10%) zugestanden.[87]

Marktpreisst√ľtzung nimmt einen Anteil am PSE zwischen 85% und 100% in beiden L√§ndern ein. Die Kosten werden in erster Linie von Konsumenten und nicht von Steuerzahlern getragen. Der Anteil des GSSE am TSE war 2007 mit 22% (Japan) und 15% (Korea) relativ gering aus. Japans PSE ist seit den 1980er Jahren gesunken, Koreas nahm in den 1980er und 1990er Jahren hingegen stark zu.[88]

Australien und Neuseeland

Agrarsubventionen in Neuseeland (Mio. NZ$)
1986 1995 2007
Agrarproduktion 6.322 9.215 15.683
PSE 1.511 142 112
PSE/landwirtschaftliche Einkommen (%) 20 2 1
Marktpreisunterst√ľtzung im PSE 130 84 51
GSSE 230 150 267
Forschung und Entwicklung im GSSE 108 108 92
CSE -139 -75 -55
TSE 1.741 292 379
TSE von Konsumenten 139 75 55
TSE von Steuerzahlern 1,611 217 329
Staatseinnahmen -10 0 -4

Australien und Neuseeland haben ihre Agrarsubventionen seit den 1980er Jahren nahezu komplett eliminiert und haben heute die geringsten Subventionen aller OECD-Staaten. Die Reformen haben zu Einkommenzuw√§chsen, erh√∂hter Produktivit√§t und geringeren Risiken von Landwirten gef√ľhrt.[89] Beide L√§nder verf√ľgen √ľber komparative Kostenvorteile bei Milchprodukten, Rind- und Lammfleisch, Wolle und Weizen.[90]

Historisch gesehen hatten beide L√§nder eine enge Bindung zum Vereinigten K√∂nigreich, welches fr√ľher den √ľberwiegenden Anteil der Agrarexporte auffing. 1940 kaufte Gro√übritannien 90% der neuseel√§ndischen G√ľterexporte. Mit dem Eintritt Gro√übritanniens in die Europ√§ische Gemeinschaft begannen sich die engen Handelsbindungen abzuschw√§chen. 2006 betrug Gro√übritanniens Anteil an den neuseel√§ndischen Agrarexporten 6%. In der zweiten H√§lfte des 20. Jahrhunderts begannen Australien und Neuseeland neue M√§rkte in Asien und Nordamerika zu erschlie√üen. 2006 gingen 33% der australischen G√ľterexporte nach China und Japan.[91]

Ein australischer Landwirt erh√§lt im Durchschnitt weniger als 5% seines Einkommens aus Subventionen (Bodenbearbeitung im Westaustralischen Weizeng√ľrtel).

Aufgrund der gro√üen Bedeutung von Agrarexporten in beiden L√§ndern zielte ihre Agrarpolitik traditionellerweise auf Effizienz und Wettbewerbsf√§higkeit sowie auf Einkommensstabilit√§t bei schwankenden Weltmarktpreisen ab. Vor den Reformen in den 1970er und 1980er Jahren war die Landwirtschaft in beiden L√§ndern stark reguliert. Einer Analyse von Anderson et al. (2007)[92] zufolge war das geringe Wirtschaftswachstum Australiens in der Nachkriegszeit teilweise ein Resultat der Benachteiligung des exportorientierten Agrarsektors gegen√ľber dem Industriesektor. Neuseeland begann mit einer protektionistischen Agrarpolitik in den 1930er Jahren, die zu stark verzerrten Input- und Produktm√§rkten f√ľhrten.[93] Beide L√§nder machten erheblichen Gebrauch von Vermarktungsverb√§nden (Marketing Boards). Diese in staatlicher Hand befindlichen Organisationen sind legale Monopole zur Stabilisierung von Einnahmen bei schwankenden Preisen. Sie wurden in den 1920er und 1930er Jahren in Australien und Neuseeland gegr√ľndet und kontrollierten lange Zeit den Handel mit Milchprodukten, Wolle, Lamm- und Rindfleisch sowie Weizen. Beispielsweise erhielt das Australian Wheat Board (AWB) 1939 das Recht, die gesamte australische Weizenernte aufzukaufen und zu vermarkten. Das AWB legte die Ankaufpreise auf Basis von Produktionskostensch√§tzungen fest und sparte eventuelle Gewinne zur St√ľtzung der Preise in Jahren mit niedrigen Weltmarktpreisen.[94]

Die australischen Reformen begann in den 1970er Jahren und gingen schrittweise voran. 1989 wurde die Binnenvermarktung von Weizen privatisiert (nicht jedoch Exporte) und 1999 wurde das AWB privatisiert. Die Reform des Milchsektors begann 1986. 2000 endete die Milchpreisst√ľtzung. Um die Restrukurierung abzufedern, erhielten Milchproduzenten finanzielle Unterst√ľtzung. 2007 machten entkoppelte Direktzahlungen etwa die H√§lfte der Direktzahlungen aus, Marktpreisunterst√ľtzung gab es keine.[95]

In Neuseeland geschahen die Reformen sehr abrupt nach der Wirtschaftskrise von 1984. Inputsubventionen und Preisst√ľtzungen wurden eliminiert, wenngleich einige der staatlichen Exportorganisationen zun√§chst bestehen blieben. Heute sind nur noch die Exporte von Milchprodukten und Kiwifr√ľchten reguliert. Der Hauptteil des TSE in Neuseeland besteht aus GSSE, hier vor allem Agrarforschung, Inspektion und Infrastruktur.[96]

Auswirkungen der Reformen

Neuseelands Reformen f√ľhrten zu einer Zunahme der Rinderhaltung und einem R√ľckgang der Schafhaltung (Rinder in Taranaki, 2009).

Die erheblichen Senkungen der Agrarsubventionen hatten einen Strukturwandel der Landwirtschaft in Australien und Neuseeland zur Folge. Ressourcen wanderten von weniger wettbewerbsf√§higen Produktionszweigen in solche mit komparativen Kostenvorteilen. Die Zahl der australischen Milchbetriebe ging zur√ľck, die durchschnittliche Betriebsgr√∂√üe wuchs, die Betreiber diversifizierten ihre Einkommensquellen, und Produktivit√§tssteigerungen f√ľhrten zu einem Anstieg der Milchleistung pro Kuh von fast 50%. In Neuseeland nahm die Schafproduktion zugunsten der Rinder- und Milchproduktion ab. Die Exporte von Wolle und Schaffleisch sanken und nahmen bei allen anderen Exportg√ľtern -teilweise stark- zu.[97]

McCorriston und MacLaren (2007)[98] argumentieren, dass die Reformen des australischen Weizenmarkts unvollst√§ndig waren und deswegen nicht die Wettbewerbsf√§higkeit der australischen Weizenproduktion erh√∂ht oder sozialen Nutzen gebracht haben. Insgesamt sehen die meisten Wissenschaftler einen positiven Gesamtnutzen der Reformen in beiden L√§ndern. Einige Landwirte mussten die Landwirtschaft aufgeben, aber die √úberbliebenen haben deutliche Produktivit√§tssteigerungen erreicht und gleichzeitig negative Umweltfolgen reduziert, da weniger chemische Produktionsmittel eingesetzt wurden und die Bewirtschaftung marginaler Fl√§chen zur√ľckging.[89][99][93] In Neuseeland nahm die Zahl der Betriebe zu, und es kamen neue Produktionszweige auf, die Marktnischen nutzen, wie die landwirtschaftliche Wildhaltung von Hirschen, Strau√üen und Emus, die Produktion von Zierpflanzen, frischem Obst, Wein und Oliven. So hat sich die Weinproduktion der beiden L√§nder seit den 1970er Jahren mehr als verdreifacht.[100]

Agrarsubventionen in Entwicklungsländern

Viele Entwicklungsländer subventionieren Importe und besteuern Exporte, um die Lebensmittelpreise niedrig zu halten. Hier protestieren argentinische Landwirte gegen eine Erhöhung von Exportsteuern (2008).

In Entwicklungsl√§ndern liegt der Fokus der Agrarpolitik traditionell auf einer Subventionierung der Lebensmittelpreise. Bei hohen Preisen drohen insbesondere in den St√§dten Unruhen. Nahrungsmittelexportierende Entwicklungsl√§nder (z.B. Argentinien, Brasilien, Thailand und Indonesien) haben im Hinblick auf das Ziel niedriger Preise Exportbeschr√§nkungen eingesetzt. Nahrungsmittelimportierende Entwicklungsl√§nder (z.B. Algerien, √Ągypten, Namibia, Mosambik, Bolivien und Haiti) greifen zu Importsubventionen, √úberbewertung und Nahrungsmittelhilfe. Viele dieser Politikma√ünahmen f√ľhren zu Ineffizienzen und senken die Einkommen von einheimischen Landwirten. Der Weltentwicklungsbericht 1986 stellte bereits fest, dass arme L√§nder tendenziell das Gegenteil von reichen L√§ndern tun: Sie besteuern die Landwirtschaft, f√∂rdern Importe und bremsen Exporte. Mit fortschreitender wirtschaftlicher Entwicklung bauen Entwicklungsl√§nder diese Besteuerung ab und beginnen die Landwirtschaft zu subventionieren. In Brasilien erreichte dieser Prozess seinen Wendepunkt im Jahr 2000, als das PSE erstmals positiv wurde.[101]

Einige Schwellenl√§nder wie China[102] sind von einer Besteuerung zu einer Subventionierung der Landwirtschaft √ľbergegangen (Felder bei Peking).

√úberbewertungen machen Importe g√ľnstiger und Exporte f√ľr andere L√§nder teurer. √úberbewertungen f√ľhren zu einem nicht nachhaltigen Ungleichgewicht und haben in den 1980er und 1990er Jahren in vielen Entwicklungsl√§ndern zu Finanzkrisen gef√ľhrt. Neben √úberbewertungen trug die Nahrungsmittelhilfe aus Industriel√§ndern zu niedrigen Agrarpreisen in Entwicklungsl√§ndern bei. Einige L√§nder (z.B. Tunesien) setzten au√üerdem Importsubventionen ein. Die Importsubstituierende Industrialisierung verst√§rkte die Benachteiligung der heimischen Landwirtschaft. Nicht zuletzt wurden Landwirte in vielen Entwicklungsl√§ndern stark besteuert, vor allem durch Exportsteuern auf Nahrungsmittel (z.B. in Thailand oder Argentinien). Diesem Zweck dienen auch staatliche Vermarktungsorganisationen f√ľr Exportg√ľter wie Bananen, Kaffee, Tee, Kakao oder Palm√∂l. Auf der anderen Seite versuchten die Regierungen vieler Entwicklungsl√§nder, die heimische Agrarproduktion anzukurbeln. Da die G√ľterpreise stark nach unten verzerrt waren, bedienten sich Staaten der Subventionierung von Inputs wie Bew√§sserung, D√ľnger und Krediten. In den 1980er Jahren waren D√ľngersubventionen von 30-90% des Preises in Entwicklungsl√§ndern √ľblich. Diese Subventionen haben nicht nur die Staatsbudgets belastet, sondern auch zur √úbernutzung chemischer Inputs und ungeeigneter Technologien sowie der ineffizienten Nutzung knapper Ressourcen gef√ľhrt.[103][104]

In den 1980er Jahren begann im Rahmen der Strukturanpassungsprogramme eine Reform der Besteuerung der Landwirtschaft vieler Entwicklungsl√§nder. Der Weltentwicklungsbericht 2008[105] sch√§tzt, dass die Nettobesteuerung in einer repr√§sentativen Gruppe nahrungsmittelimportierender Entwicklungsl√§nder zwischen Anfang der 1980er und Anfang der 2000er um die H√§lfte gek√ľrzt wurde. Exportsteuern sanken von 46% auf 19%. Makro√∂konomische Reformen haben die Erzeugerpreise f√ľr Exporteure erh√∂ht. √Ąhnliche Tendenzen sind in weniger landwirtschaftlich basierten Volkswirtschaften zu beobachten. In vielen urbanisierten L√§ndern (z.B. Brasilien, Mexiko, Malaysia, Ukraine) wurde Agrarbesteuerung ersetzt durch Agrarprotektionismus. Brasilien und China besteuerten die Landwirtschaft bis in die fr√ľhen 1990er, begannen aber danach, Landwirte zu subventionieren und Konsumenten zu besteuern. In S√ľdafrika, der T√ľrkei, der Ukraine und Russland werden Landwirte seit den 1980er Jahren subventioniert. In all diesen L√§ndern ist der Anteil der Subventionen am landwirtschaftlichen Einkommen mit 6-21% relativ gering. Die T√ľrkei, Russland und S√ľdafrika verwenden im PSE vorrangig Handelsbarrieren, w√§hrend diese in Brasilien und China weniger wichtig sind.[106]

Wie die Regierungen von Industriel√§ndern Anfang des 20. Jahrhunderts sieht die chinesische F√ľhrung Anfang des 21. Jahrhunderts in einem langsameren Wachstum der landwirtschaftlichen Einkommen im Vergleich zu nichtlandwirtschaftlichen ein zentrales Problem (San Nong). Zudem soll die Getreideproduktion angekurbelt werden. Laut einer Analyse von Yu und Jensen (2010) haben die j√ľngsten Politik√§nderungen bereits einen Beitrag zur Erreichung der beiden Ziele landwirtschaftliches Einkommenswachstum und Steigern der Getreideproduktion geleistet. In Zukunft k√∂nnte China unter Aussch√∂pfung aller der laut WTO-Regeln erlaubten St√ľtzungsma√ünahmen beide Ziele weiterverfolgen; die Alternative einer Subventionspolitik auf Basis entkoppelter Direktzahlungen w√ľrde lediglich die Einkommen, nicht aber Produktion und Handel beeinflussen.[102]

Agrarsubventionen in Schwellenländern, 2005 (Mio.)
Brasilien (Real) China (Yu√°n ) S√ľdafrika (Rand) T√ľrkei (Lira) Russland (Rubel) Ukraine (Hrywnja)
Agrarproduktion 170.966 3.292.420 71.816 75.150 1.210.507 91.429
PSE 10.607 291.777 6.560 17.468 197.051 11.256
PSE/landwirtschaftliche Einkommen (%) 6 8 9 21 15 12
Marktpreisunterst√ľtzung im PSE 2.941 103.407 5.501 11.278 133.568 4.949
GSSE 4.878 137.021 3.857 804 28.112 3.259
Forschung und Entwicklung im GSSE 787 4.679 1.997 44 2.792 191
CSE -3.507 -128.654 -5.503 -8.340 -128.556 -6.298
TSE 15.979 428.892 10.417 18.272 225.163 14.514
TSE von Konsumenten 6.361 146.220 5.503 8.723 115.747 6.094
TSE von Steuerzahlern 10.180 302.011 5.667 9.031 107.350 9.739
Staatseinnahmen -562 -19.339 -753 517 2.066 -1.319

Indien hat die Agrarbesteuerung in den 1990er Jahren reduziert und war 2002 bereits leicht protektionistisch. Ein √§hnlicher Trend von Besteuerung zu Subventionierung zeigte sich in Vietnam. In Indonesien wird die Landwirtschaft bereits seit 1990 subventioniert, √§hnliche Entwicklungen waren in Malaysia zu verzeichnen. Chile liberalisierte seine Handels- und Agrarpolitik in den 1970er Jahren.[107][108] Dar√ľber hinaus besteht eine erhebliche Variation in den Gruppe der Entwicklungsl√§nder hinsichtlich der Agrarsubventionen. Insgesamt ist die Nettobesteuerung in letzten 30 Jahren jedoch zur√ľckgegangen, und zwar von 28% auf 10% in landwirtschaftlich gepr√§gten Volkswirtschaften und von 15% auf 4% in L√§ndern im Prozess der Urbanisierung. Urbanisierte Entwicklungsl√§nder subventionieren im Durchschnitt mit 9%.[105]

Reformszenarien und Wohlfahrtsgewinne

Von einer weiteren Reduzierung der Handelsbarrieren w√ľrden die Entwicklungsl√§nder insgesamt profitieren, da Landwirte h√∂here Preise erzielen k√∂nnten (Reisbauern in der Halong-Bucht).

Handelsbarrieren f√ľhren zu st√§rkeren Verzerrungen als Direktzahlungen. Diese Erkenntnis zusammen mit den Welthandelsrunden haben dazu gef√ľhrt, dass umfassende Analysen der Folgen m√∂glicher Liberalisierungsszenarien des Agrarhandels vorliegen.[109] Eine vollst√§ndige Handelsliberalisierung w√ľrde die gr√∂√üten globalen Wohlfahrtsgewinne bringen. Rosegrant und Meijer (2007)[110] sowie Dimaran et al. (2007)[111] stimmen √ľberein, dass Industriel√§nder auch dann gro√üe Wohlfahrtsgewinne einfahren w√ľrden, wenn lediglich die Entwicklungsl√§nder ihre Handelspolitik liberalisieren w√ľrden, wenngleich auch die Entwicklungsl√§nder von einem solchen Szenario profitieren w√ľrde. Umgekehrt gilt dasselbe: Wenn nur die Industriel√§nder ihre Handelspolitik liberalisieren w√ľrden, w√ľrden sich gr√∂√üere Gewinne f√ľr die Gruppe der Entwicklungsl√§nder ergeben aber gleichzeitig -wenn auch geringere- Gewinne f√ľr die Industriel√§nder. Hingegen w√ľrden laut Vanzetti und Sharma (2007)[112] die Entwicklungsl√§nder in der Summe verlieren, wenn lediglich die Industriel√§nder liberalisieren, da in diesem Szenario auch die bevorzugten Handelsabkommen wegfallen. Laut dieser Studie w√ľrden die Entwicklungsl√§nder am meisten gewinnen in einem Szenario, in dem lediglich sie ihre Handelsbarrieren abschaffen. Laut der Analyse von van der Menbrugghe und Beghin (2004)[26] w√ľrde eine Handelsliberalisierung in einem bestimmten Land am meisten diesem Land zugute kommen. Der Nutzengewinn f√ľr die Entwicklungsl√§nder l√§ge w√§re demnach bei 129 Mrd. US$, wenn alle L√§nder liberalisieren w√ľrden, aber nur bei 10 Mrd. US$, wenn lediglich die Industriel√§nder liberalisieren w√ľrden. Huff et al. (2007)[113] zitieren mehrere Studien, die zu einander √§hnlichen Ergebnissen von globalen Wohlfahrsgewinnen durch einen Abbau der Agrarhandelsbarrieren von √ľber 100 Mrd. kommen, die zwischen Entwicklungs- und Industriel√§ndern √§hnlich aufgeteilt sind. Untersuchungen von Anderson, Martin und van der Mensbrugghe[105][114][21] kommen auf Wohlfahrtsgewinne von 287 Mrd. US$ in 2015 als Resultat der kompletten Abschaffung aller weltweiten G√ľterhandelsbarrieren, wovon 60% auf die Agrarhandelsliberalisierung fallen. Der gr√∂√üte Nutzen w√ľrde sich f√ľr die Industriel√§nder ergeben. In Entwicklungsl√§ndern w√ľrden demnach Nettogewinne von 85 Mrd. US$ entstehen: Konsumenten w√ľrden durch h√∂here Preise 30 Mrd. einb√ľ√üen, Landwirte und Exporteure 115 Mrd. gewinnen.[115]

Steuerzahler und Konsumenten in Industriel√§ndern w√ľrden von einer Abschaffung der Agrarsubventionen profitieren (Milch in einem japanischen Supermarkt).

Wenngleich die Gruppe der Entwicklungsl√§nder insgesamt von einer Liberalisierung des globalen Agrarhandels profitieren w√ľrden, w√§ren die Gewinne nicht gleich verteilt. Mit einer Handelsliberalisierung w√ľrden die Preise insbesondere bei Baumwolle, Zucker und Milchprodukten steigen. Das Argument, dass Agrarsubventionen in reichen L√§ndern armen Konsumenten in ern√§hrungsunsicheren Entwicklungsl√§ndern helfen, wird manchmal zur Verteidigung dieser Subventionen verwendet. Thompson, Smith und Elasri (2003)[116] sch√§tzen, dass eine weitere Senkung der Agrarexportsubventionen der OECD zu einem R√ľckgang der Kalorienverf√ľgbarkeit von 0,1-0,3% in ern√§hrungsunsicheren Entwicklungsl√§ndern f√ľhren w√ľrde. Laut einer von den Autoren ebenfalls durchgef√ľhrten Simulation mithilfe eines allgemeinen Gleichgewichtsmodells w√ľrde die Ern√§hrungssicherheit in ern√§hrungsunsicheren Entwicklungsl√§ndern hingegen leicht ansteigen. Hertel et al. (2006)[117] sch√§tzen, dass eine Agrarhandelsliberalisierung in reichen L√§ndern die Armut in 13 von 15 untersuchten Entwicklungsl√§ndern trotz steigender Nahrungsmittelpreise deutlich reduzieren w√ľrde. Laut den Autoren w√§ren die einzigen Verlierer einer Liberalisierung Landwirte in reichen L√§ndern.[118]

Dennoch k√∂nnen bei Nahrungsmittelpreissteigerungen infolge von Agrarhandelsliberalisierungen in reichen L√§ndern zumindest kurzfristig zu Problemen f√ľr arme Konsumenten in Entwicklungsl√§ndern f√ľhren. Auf der anderen Seite sind viele Arme in Entwicklungsl√§ndern selbst landwirtschaftliche Produzenten, die von steigenden Agrarpreisen infolge von Liberalisierungen profitieren k√∂nnen. Peterson (2009) weist au√üerdem darauf hin, dass effektivere Ma√ünahmen zur Armuts- und Hungerbek√§mpfung existieren als Agrarsubventionen in Industriel√§ndern. W√ľrden die OECD-Staaten ihre Ausgaben f√ľr Agrarsubventionen auf die direkte Unterst√ľtzung von nahrungsmittelunsicheren Bev√∂lkerungsgruppen in Entwicklungsl√§ndern verwenden, h√§tte dies m√∂glicherweise einen gr√∂√üeren armuts- und hungerreduzierenden Effekt als √ľber die Unterst√ľtzung von Landwirten in Industriel√§ndern.[119]

Anders als die handels- und anreizverzerrende Unterst√ľtzung landwirtschaftlicher Einkommen in Industriel√§ndern ist die staatliche Bereitstellung √∂ffentlicher G√ľter und Bek√§mpfung von Marktversagen insbesondere in Entwicklungsl√§ndern h√§ufig unzureichend. Die Autoren des Weltentwicklungsbericht 2008[105] forderten h√∂here Ausgaben f√ľr Agrarforschung, Infrastruktur, Information, Bildung und Gesundheit. Unzureichende Eigentumsrechte, Korruption, und schwache Rechtssysteme behinderten zudem die landwirtschaftliche Entwicklung.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Peterson, S. 98
  2. ‚ÜĎ Peterson, S. 98
  3. ‚ÜĎ Peterson, S. 100
  4. ‚ÜĎ Peterson, S. 101-2
  5. ‚ÜĎ Peterson, S. 102
  6. ‚ÜĎ Peterson, S. 102-3
  7. ‚ÜĎ Peterson, S. 103-4
  8. ‚ÜĎ Peterson, S. 104-5
  9. ‚ÜĎ Peterson, S. 99-101
  10. ‚ÜĎ Peterson, S. 105-6
  11. ‚ÜĎ Peterson, S. 110
  12. ‚ÜĎ Peterson, S. 110
  13. ‚ÜĎ Peterson, S. 110-111
  14. ‚ÜĎ Peterson, S. 111-3
  15. ‚ÜĎ Peterson, S. 113
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  119. ‚ÜĎ Peterson, S. 228-9
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