Eisernes Kreuz

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Eisernes Kreuz
Ein Eisernes Kreuz aus dem Jahr 1813

Das Eiserne Kreuz (EK) war eine preußische Kriegsauszeichnung, die vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. am 10. MĂ€rz 1813 fĂŒr den Verlauf der Befreiungskriege in drei Klassen gestiftet wurde.[1] Diese Stiftung wurde von König Wilhelm I. von Preußen mit Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges am 19. Juli 1870 fĂŒr diesen Krieg erneuert. Kaiser Wilhelm II. erneuerte am 8. August 1914 wiederum die Stiftung und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Eiserne Kreuz am 1. September 1939 endgĂŒltig zu einer deutschen Auszeichnung, die zunĂ€chst in vier Klassen verliehen werden sollte.

Inhaltsverzeichnis

Form, geschichtliche Herkunft und Trageweise

Form und geschichtliche Herkunft

Ernst Gebauer: König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. GemĂ€lde aus dem Jahr 1829

Hintergrund waren die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des Napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu dem Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. MĂ€rz 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation An mein Volk aufgerufen hatte.[2] Der Entwurf des Eisernen Kreuzes stammte vom König selbst. Er schuf damit die erste Auszeichnung in Deutschland ĂŒberhaupt, fĂŒr deren Verleihung hervorragende Handlungen im Befreiungskrieg ohne RĂŒcksicht auf Stand, Herkunft, Dienstgrad und militĂ€rischen Rang maßgebend war. UnterstĂŒtzend zu der beginnenden Verleihungspraxis kam hinzu, dass mit der EinfĂŒhrung der allgemeinen Wehrpflicht alle Standesunterschiede gefallen waren. Mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes sollte auch ausdrĂŒcklich die Verleihung mehrerer Kriegsorden ausgeschlossen werden und nur noch in besonderen AusnahmefĂ€llen zulĂ€ssig sein. Das Eiserne Kreuz war auch derjenige Orden, bei der die Verleihung der nĂ€chsthöheren Stufe die Erreichung der vorherigen Verleihungsklasse zwingend voraussetzte.

Die von Wilhelm III. eingefĂŒhrte Klasseneinteilung sah vor, dass das Großkreuz als oberste Klasse als Halsorden zu tragen und das EK I. Klasse aus Stoff auf dem Rock des Beliehenen aufzunĂ€hen sei. Sein Gedanke erwies sich aber als nicht geeignet. Daher wurde am 16. Juni 1813 bestimmt, dass das Eiserne Kreuz I. Klasse aus Gusseisen mit silberner Einfassung herzustellen und ohne Band zu tragen sei. Das Eiserne Kreuz II. Klasse sollte dabei an einem Band an der linken Brustseite getragen werden. Hierzu wurde jedoch nicht ein neues Band geschaffen, sondern auf das bereits vorhandene schwarz-weiße Band des Pour le MĂ©rite zurĂŒckgegriffen. Die so entstandene endgĂŒltige AusfĂŒhrung ĂŒbernahm Karl Friedrich Schinkel. Das Material dieses Ordens, das Eisen, war symboltrĂ€chtig. Im Gegensatz zu vielen anderen ĂŒblichen MilitĂ€rorden der Ära wurde beim Eisernen Kreuz bewusst auf wertvolle Materialien verzichtet. Die Auszeichnung aus einfachem schwarzen, mit Silber eingefassten Gusseisen stand fĂŒr die ritterliche PflichterfĂŒllung und ZurĂŒckhaltung eines preußischen Soldaten und sollte außerdem auf das Eiserne Zeitalter der antiken Mythologie anspielen, das mit dem neuen Krieg beginnen sollte. Der preußische Staat sammelte seit dem 31. MĂ€rz 1813 von wohlhabenden BĂŒrgerinnen und Adeligen Goldgeschmeide im Tausch gegen einfachen Eisenschmuck („Gold gab ich fĂŒr Eisen“; „Gold zur Wehr, Eisen zur Ehr“). Der Politikwissenschaftler Herfried MĂŒnkler sieht außerdem einen Bezug zum 1812 entstandenen Vaterlandslied des nationalistischen Dichters Ernst Moritz Arndt, das mit den Worten beginnt: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte
“

Auch die Form des neuen Ehrenzeichens war symbolisch aufgeladen. Bewusst wurde die Anlehnung an das Balkenkreuz des Deutschen Ordens gesucht: ein schwarzes Tatzenkreuz mit sich verbreiternden Balkenenden auf einem weißen Mantel, wie ihn die Deutschritter schon seit dem 14. Jahrhundert tragen. Damit sollte der nun beginnende Krieg in die Tradition der KreuzzĂŒge gerĂŒckt und so sakralisiert werden. Im Mittelpunkt der Symbolwelt um das Eiserne Kreuz stand die Ehefrau Friedrich Wilhelms III., Königin Luise. Seit ihrem Tod 1810 hatte sich um sie ein Mythos als vorbildliche Gattin, liebende Mutter, preußische Madonna und MĂ€rtyrerin gesponnen, an den der König mit dem Eisernen Kreuz anknĂŒpfte. So datierte er die Stiftungsurkunde, die am 20. MĂ€rz 1813 in der Schlesische privilegierten Zeitung abgedruckt wurde, auf den 10. MĂ€rz, Luises Geburtstag, vor. Ihr wurde der neue Orden auch als erster verliehen, wenngleich nur posthum. Friedrich Wilhelm legte großen Wert auf die Verbindung seiner verstorbenen Frau und dem neuen Orden und kritisierte seinen Hofprediger Rulemann Friedrich Eylert, weil der in seiner Predigt in der Potsdamer Garnisonskirche darauf zu wenig eingegangen war.[3] Hergestellt wurden die Orden von der Königlich Preußischen Eisengießerei.

Obwohl König Friedrich Wilhelm III. bei der Stiftung des Ordens explizit festgelegt hatte, dass er einmalig und ausschließlich wĂ€hrend der Befreiungskriege verliehen werden sollte, wurde er in spĂ€teren existentiellen Kriegen – dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg von den Hohenzollern-Herrschern beziehungsweise den nationalsozialistischen Machthabern jeweils neu gestiftet. Allerdings wurde die Verleihung des Eisernen Kreuzes zunĂ€chst tatsĂ€chlich nach dem Befreiungskrieg eingestellt. So wurde das EK nicht verliehen im Deutsch-DĂ€nischen Krieg (1848) und 1864 sowie im Deutschen Krieg 1866. Erst mit Beginn des Deutsch-Französischen Krieges 1870 wurde das Eiserne Kreuz am 19. Juli, dem Todestag seiner Mutter Luise durch Wilhelm I per Urkunde erneuert. Er konnte nun nicht nur an Preußen, sondern an BĂŒrger aller deutschen Bundesstaaten verliehen werden. AnlĂ€sslich des 25. Jahrestags des Sieges ĂŒber Frankreich (1. September 1870), stiftete König Wilhelm II. am 18. August 1895 ein aus drei EichenblĂ€ttern bestehendes silbernes Laub (offiziell Weißmetall) mit der JubilĂ€umszahl 25 drauf, welches auf dem Ordensband des EK II zu tragen war. Dieses so erstmals entstandene Eichenlaub diente den Nationalsozialisten spĂ€ter als Leitgedanke bei der Schaffung höherer Stufen des Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. In der Folge, wurde das Eiserne Kreuz fĂŒr die kriegerischen Auseinandersetzungen in Ostasien 1900/1901 sowie die AufstĂ€nde in Deutsch-SĂŒdwestafrika allerdings wieder nicht verliehen. Die dritte Neuauflage des EK erfolgten anlĂ€sslich des Ersten Weltkrieges am 8. August 1914. Inhaber des EK von 1870 erhielten laut der Order vom 4. Juni 1915 als (erneute) Auszeichnung eine auf dem Bande ĂŒber dem silbernen Eichenlaub (zum 25. Siegestag) eine silberne Spange mit einem verkleinerten EK mit der Jahreszahl 1914. Die vierte und letzte Auflage des Eisernen Kreuzes erfolgte mit Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939.

Das Großkreuz war ungefĂ€hr doppelt so groß wie das der II. und I. Klasse. Die Form des Großkreuzes wurde 1939 fĂŒr das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ĂŒbernommen, dieses war allerdings kleiner als das Großkreuz, jedoch grĂ¶ĂŸer als das II. und I. Klasse. Das Eiserne Kreuz trug stets reliefartig das Stiftungsdatum (1813, 1870, 1914 und 1939) im unteren Kreuzarm. 1813 zierten den oberen Kreuzarm die Initialen des Königs Friedrich Wilhelm III. (FW), die Mitte ein Eichenlaub. 1870 und 1914 rĂŒckten das Initial der Monarchen Wilhelm I. bzw. Wilhelm II. in die Mitte und eine stilisierte preußische Königskrone in den oberen Strahl. Die ursprĂŒngliche Gestaltung (FW – 1813) rĂŒckte auf die RĂŒckseite. Adolf Hitler verzichtete bei der erneuten Stiftung 1939 auf seine Initialen als FĂŒhrer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefĂŒgt.

Trageweise

Das EK II wurde seit seiner Erststiftung vollstĂ€ndig am Bande im zweiten Knopfloch der Uniformjacke getragen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Orden nur noch am Verleihungstage in voller GrĂ¶ĂŸe, spĂ€ter nur zu besonderen AnlĂ€ssen angelegt. Das Ordensband wurde als Zeichen der TrĂ€gerschaft an gleicher Stelle mit dem Stoff der Jacke vernĂ€ht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam das Tragen von großen und kleinen Ordensspangen auf, bei denen im Normalfall ebenfalls nur das Band auf einem Messing- oder BlechtrĂ€ger auch am Zivilanzug getragen wurde.

Die I. Klasse, das Ritterkreuz und das Großkreuz wurden stets in der Originalform an der linken Brust bzw. am Halsband getragen.

Bedeutung

Die obere Klasse des Eisernen Kreuzes gehörte von 1813 bis 1918 zu den höchsten preußischen Kriegsauszeichnungen. DarĂŒber rangierte lediglich der Königliche Hausorden von Hohenzollern mit Schwertern sowie der Orden Pour le mĂ©rite (franz: FĂŒr das Verdienst; Spitzname „Blauer Max“), die aber ausschließlich Offizieren vorbehalten blieben. Mannschaften und Unteroffiziere konnten lediglich mit dem Goldenen MilitĂ€rverdienstkreuz ausgezeichnet werden. Im Dritten Reich symbolisierte ab 1939 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit seinen einzelnen Stufen die höchste Kriegsauszeichnung.

Auch wenn es viele andere Kriegsauszeichnungen auch anderer Teilstaaten des Deutschen Reiches fĂŒr die TeilstreitkrĂ€fte oder Waffengattungen gab, so reichten diese von der persönlichen Bedeutung und der gesellschaftlichen Anerkennung zu keiner Zeit an die Verleihung eines Eisernen Kreuzes.

Das Eiserne Kreuz war nach der französischen Ehrenlegion der zweite europÀische Kriegsverdienstorden, der ohne Ansehen von Stand und Dienstgrad vergeben wurde, was zu seiner PopularitÀt enorm beitrug. Vielleicht lÀsst sich der einzigartige Ruf des Ordens in seiner Zeit auch mit seiner betonten Schlichtheit und auffÀlligen Einmaligkeit unter den Kriegsorden erklÀren.

Überblick ĂŒber die Stiftungsdaten

Stiftungsdatum (1813)
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Eisernes Kreuz 2. Klasse 1813 Eisernes Kreuz 1. Klasse 1813 Großkreuz des Eisernen Kreuzes 1813 (Replik) Stern zum Großkreuz 1813 (BlĂŒcherstern) (Replik)

Stiftungsdatum (1870)
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Eisernes Kreuz 2. Klasse 1870 Eisernes Kreuz 1. Klasse 1870 Großkreuz des Eisernen Kreuzes 1870 (Replik) Stern zum Großkreuz 1870 (Replik)

Stiftungsdatum (1914)
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Eisernes Kreuz 2. Klasse 1914 Eisernes Kreuz 1. Klasse 1914 Großkreuz des Eisernen Kreuzes 1914 (Replik) Stern zum Großkreuz 1914 (Hindenburgstern) (Replik)

Stiftungsdatum (1939)
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Wiederholungsspange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse 1914 Wiederholungsspange zum Eisernen Kreuz 1. Klasse 1914 Eisernes Kreuz 2. Klasse 1939 Eisernes Kreuz 1. Klasse 1939 Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 (Replik) Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 mit Eichenlaub (Replik) Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 mit Eichenlaub und Schwertern (Replik) Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten (Replik) Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 mit Goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten (Replik) Großkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 (Replik) Stern zum Großkreuz 1939 (Replik)

Als höchste Auszeichnung im Krieg gegen das französische Kaiserreich unter Napoleon (Befreiungskriege) wurde das Eiserne Kreuz am schwarzen Band mit weißer Einfassung verliehen. Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges wurde die Stiftung durch den preußischen König Wilhelm I. (den spĂ€teren Kaiser Wilhelm I.) am 19. Juli 1870 erneuert. Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 wurde auf die Neustiftung verzichtet, da dieser Krieg als „Bruderkrieg“ angesehen wurde. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges erneuerte der deutsche Kaiser Wilhelm II. am 5. August 1914 die Stiftung des Eisernen Kreuzes. In den folgenden Kriegsjahren wurde das EK – insbesondere das EK II – so oft verliehen, dass es sein hohes RenommĂ©e einbĂŒĂŸte.

Von 1813 bis 1918 unterschied man aufsteigend drei Stufen:

  • Eisernes Kreuz 2. Klasse (EK II) (mit schwarz-weißem Band)
  • Eisernes Kreuz 1. Klasse (EK I) (Steckkreuz)
  • Großkreuz des Eisernen Kreuzes (Halsband)

FĂŒr Nichtkombattanten gab es 1813, 1870, 1914 das EK am weißen Bande mit schwarzer Einfassung. Es wurde fĂŒr Leistungen verliehen, die mit dem Krieg in Beziehung standen, aber nicht unbedingt mit Kampfhandlungen zu tun hatten. Es konnte auch an Zivilisten verliehen werden, die sich um die KriegsfĂŒhrung verdient gemacht hatten. Da es sich hierbei oft um Personen aus der RĂŒstungsindustrie oder der Logistik handelte, kam der pejorative Name „Schieberkreuz“ auf.

Die preußischen GeneralfeldmarschĂ€lle BlĂŒcher und Hindenburg erhielten fĂŒr ihre außergewöhnlichen Verdienste jeweils eine eigentlich nicht vorgesehene Stufe, die eigens fĂŒr sie geschaffen wurde. Dieses Eiserne Kreuz wurde auf einem goldenen achtstrahligen Stern dargestellt. Da diese Kreuze nur zweimal verliehen wurden, wurden sie nach ihren TrĂ€gern benannt, nĂ€mlich „BlĂŒcherstern“ bzw. „Hindenburgstern“. Der BlĂŒcherstern selber wurde bei einem Großbrand im Jahre 1820 auf Schloss Krieblowitz unwiederbringlich vernichtet, der Hindenburgstern verschwand kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem Preußischen Armeemuseum und gilt seither als verschollen.

EK I mit Verleihungsurkunde
Verleihungsurkunde fĂŒr das EK II, 1944

Im Zweiten Weltkrieg fĂŒhrte Hitler das Eiserne Kreuz als Kriegsauszeichnung wieder ein. Etwas dicker gefertigt, erhielt es die Jahreszahl 1939 auf die Vorderseite (1813 kam auf die RĂŒckseite) und in die Mitte das Hakenkreuz. Es wurde nun nicht mehr wie nach preußischer Tradition am schwarz-weißen Band, sondern an einem (von außen nach innen gesehen) schwarz-weiß-roten Band getragen. Die Stiftungen von 1813, 1870 und 1914 schlossen sowohl „Tapferkeit vor dem Feind“ als auch Verdienste ohne Kampfeinsatz in die Verleihungsbestimmungen ein. Die Stiftung von 1939 schloss Nicht-Kombattanten erstmals von der Verleihung aus; fĂŒr sie und fĂŒr Kombattanten im rĂŒckwĂ€rtigen Frontgebiet bzw. an der „Heimatfront“ wurde das Kriegsverdienstkreuz (1939) gestiftet.

FĂŒr Soldaten, die bereits im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurden, wurde die Wiederholungsspange geschaffen. Diese wurde fĂŒr das EK II 1914 auf dem Band und fĂŒr das EK I 1914 ĂŒber dem EK I (d.h. auf die Brusttasche gesteckt) getragen. Die GrĂ¶ĂŸe der Spange ist so angepasst, dass das Feld mit der Jahreszahl wie eine unmittelbare Fortsetzung des oberen Kreuzarmes aussieht. Die Spange selbst ist silberfarben und besteht aus dem damaligen Hoheitszeichen, einem stilisierten Adler mit ausgebreiteten Schwingen, darunter die Jahreszahl 1939. Die sogenannte 1957er Version der Spange zum EK besteht aus der durch eine EK-Miniatur geteilten Jahreszahl 1939. Die Spangen zum EK I bzw. EK II unterscheiden sich grundsĂ€tzlich dahingehend, dass die Schwingen der Spange des EK I ĂŒber den Jahreszahlschild hinausragen.

In der Zeit von 1939 bis 1945 unterschied man aufsteigend vier Stufen:

  • Eisernes Kreuz 2. Klasse (EK II) (mit schwarz-weiß-rotem Band)
  • Eisernes Kreuz 1. Klasse (EK I) (Steckkreuz)
  • Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und dessen höhere Stufen
  • Großkreuz des Eisernen Kreuzes

Das Ritterkreuz, 1939 gestiftet, wurde an einem breiten Band um den Hals getragen (das Ordensstatut sah vor, dass der Orden auf dem flachgebundenen Krawattenknoten liegen muss) und ĂŒbernahm faktisch die Rolle des bis 1918 verliehenen preußischen Pour le MĂ©rite, der nur an Offiziere vergeben wurde (fĂŒr Mannschaften und Unteroffiziere wurde bis 1918 das Goldene MilitĂ€r-Verdienst-Kreuz vergeben). Im Verlauf des Krieges traten als Steigerung der Auszeichnung bei weiteren Verdiensten nacheinander Eichenlaub (816 Verleihungen), Schwerter (157 Verleihungen) und Brillanten (27 Verleihungen) zum RK hinzu, die auf dem Tragering des Ordensbandes angebracht wurden. Es gab noch eine weitere Steigerung, nĂ€mlich das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten. Dieses Kreuz wurde jedoch nur ein einziges Mal verliehen und zwar am 1. Januar 1945 an den Stuka-Piloten Hans-Ulrich Rudel, da dieser ĂŒber 500 sowjetische Panzer vernichtete, sowie andere herausragende Leistungen vorzuweisen hatte (unter anderem die Versenkung des sowjetischen Schlachtschiffs Marat). 1942 ordnete Hitler an, dass TrĂ€ger des Ritterkreuzes als Auszeichnung von allen militĂ€rischen Dienstgraden (auch GenerĂ€len) unabhĂ€ngig vom Dienstgrad des TrĂ€gers zuerst zu grĂŒĂŸen seien.

Die letzte Steigerung war das Großkreuz. Dieser Orden wurde in der Zeit von 1939–45 ebenfalls nur einmal verliehen, an Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe und Reichsmarschall. Die Auszeichnung wurde ihm aber von Hitler am 23. April 1945 per testamentarische VerfĂŒgung, nach der Göring mit sofortiger Wirkung seiner politischen, parteiinternen und militĂ€rischen Ämter fĂŒr verlustig erklĂ€rt wurde, wieder aberkannt (siehe hierzu den Abdruck des „Testamentes“ im Buch von Werner Maser Adolf Hitler oder auch Politisches Testament Adolf Hitlers).

Die US Army beschlagnahmte am Ende des Krieges in Österreich eine Sonderstufe des Großkreuzes mit Stern, Ă€hnlich dem BlĂŒcherstern. Diese Auszeichnung ist nicht zur Verleihung gekommen; fĂŒr wen sie vorgesehen war, ist ebenfalls unbekannt. Das Großkreuz Görings sowie der nie verliehene Stern befinden sich in den Archiven der US-MilitĂ€rakademie in West Point.

Verleihungszahlen

Großkreuz des Eisernen Kreuzes 1813–1815 6 Verleihungen BlĂŒcher, Scharnhorst, BĂŒlow, Kronprinz Karl Johann, Tauentzien, Wartenburg
1870/1871 9 Verleihungen[4]
1914–1918 5 Verleihungen von Hindenburg, Wilhelm II., von Mackensen, Leopold von Bayern, Ludendorff
1939–1945 1 Verleihung Göring (1945 wieder aberkannt)
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939–1945 8.397 Verleihungen (alle Stufen)
Eisernes Kreuz 1. Klasse 1813–1815 668 Verleihungen
1870/1871 1.302 Verleihungen[5]
1914–1918 ca. 218.000 Verleihungen
1939–1945 ca. 300.000 Verleihungen
Eisernes Kreuz 2. Klasse 1813–1815 8.542 (+ 7.000 AnwĂ€rter) + 374 am weiß/schwarzem Band
1870/1871 47.812 Verleihungen[6] am schwarz/weißen Band inklusive 3050 Verleihungen am weiß/schwarzem Band
1914–1918 ca. 5.000.000 Verleihungen
1939–1945 ca. 3.000.000 Verleihungen

Das Eiserne Kreuz ab 1945

Hoheitszeichen der Bundeswehr und Verwendung

→ Hauptartikel: Schwarzes Kreuz (Symbol)

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitĂ€tsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 BundesprĂ€sident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen fĂŒr die Luft- und Kampffahrzeuge der Bundeswehr.[7] So stellt es in allen drei TeilstreitkrĂ€ften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trĂ€gt das Eiserne Kreuz als Symbol fĂŒr Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als „Logo“ der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Petition zur WiedereinfĂŒhrung 2007

Im FrĂŒhjahr 2007 wurde im Deutschen Bundestag eine Petition zur WiedereinfĂŒhrung des Eisernen Kreuzes als Tapferkeitsauszeichnung der Bundeswehr fĂŒr die AuslandseinsĂ€tze initiiert. Diese Petition wurde innerhalb der vorgeschriebenen Zweimonatsfrist von mehr als 5.000 Personen unterzeichnet. Der Deutsche Bundestag hat die Petition beraten und am 13. Dezember 2007 beschlossen, die Petition an die Bundesregierung – hier: dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) – zu ĂŒberweisen. Er folgt damit der Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses (BT-Drucksache 16/7494).[8]

Der PrĂ€sident des Reservistenverbandes, Ernst-Reinhard Beck (CDU), schlug vor, fĂŒr den Orden die Form des Eisernen Kreuzes zu verwenden. Er begrĂŒndete dies mit der Aussage, dass das Symbol von allen Fahr- und Flugzeugen sowie Schiffen der Bundeswehr getragen werde und in Krisenregionen mittlerweile zu einem Zeichen der Hoffnung, der Hilfe und der SolidaritĂ€t avanciert sei, fĂŒr das man sich nicht schĂ€men mĂŒsse.[9][10] Dies stieß aufgrund seiner WiedereinfĂŒhrung durch das nationalsozialistische Regime weitgehend auf Ablehnung. Am 6. MĂ€rz 2008 billigte der damalige BundesprĂ€sident Horst Köhler den Vorschlag des Verteidigungsministers Franz Josef Jung (CDU) zu einem Orden fĂŒr „außergewöhnlich tapfere Taten“. An eine Wiederbelebung des Eisernen Kreuzes sei aber nicht gedacht, vielmehr an eine Erweiterung des vorhandenen Ehrenzeichens der Bundeswehr.[11] Als Resultat wurde am 10. Oktober 2008 das Ehrenkreuz der Bundeswehr fĂŒr Tapferkeit gestiftet.

Sonstiges

Eisernes Kreuz in all seinen Klassen in der 57er Version

Verwendung in der Kriegsmarine

Das Unterseeboot U 9 war aufgrund einer Anordnung des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine Erich Raeder, die er im FrĂŒhjahr 1936 erteilt hatte, berechtigt, an beiden Seiten des Turmes das Eiserne Kreuz zur Erinnerung an seinen VorgĂ€nger im Ersten Weltkrieg U 9 in Form eines Anstriches anzubringen. Weitere Schiffe der Kriegsmarine, die berechtigt waren, das EK zu fĂŒhren, waren der Leichte Kreuzer Emden, als Nachfolger der ersten Emden, und das Vermessungsschiff Meteor.[12]

Trageweise des Eisernen Kreuzes nach 1945

Laut dem deutschen Ordensgesetz vom 26. Juli 1957 ist das Tragen des EK aus dem Zweiten Weltkrieg ausschließlich ohne Hakenkreuz und mit Nachweis seines berechtigten Erwerbes erlaubt. Veteranen können sich hierzu Eiserne Kreuze – auch als Miniatur – auf eigene Kosten beschaffen, auf denen das Hakenkreuz durch einen Eichenlaubzweig ersetzt ist, wie es auch schon das erste Eiserne Kreuz von 1813 zierte. Einziger bekannter deutscher Hersteller und Vertreiber ist die Firma Steinhauer & LĂŒck aus LĂŒdenscheid. Abzeichen mit nationalsozialistischen Emblemen dĂŒrfen in der Öffentlichkeit nicht getragen werden. Der Besitz von Originalen ist erlaubt. Bei Verwendung und Handel sind immer §86 und §86a StGB zu beachten. Dort wird klar zwischen verbotenen (z. B. zur nationalsozialistischen Propaganda) und erlaubten (z. B. fĂŒr kulturhistorische Sammlungen oder wissenschaftliche Zwecke) TatbestĂ€nden unterschieden.

Wissenswertes

Der Name des Berliner Bezirks Kreuzberg geht auf das 1821 von Schinkel entworfene und in Kreuzesform gehaltene Denkmal zurĂŒck, nach dessen Errichtung wiederum der Tempelhofer Berg in Kreuzberg umbenannt worden war.

Ring mit Eisernem-Kreuz-Motiv fĂŒr Frauen, die ihren Schmuck fĂŒr Kriegszwecke spendeten (auf der RĂŒckseite des Kreuzes die Inschrift "Gold gab ich fĂŒr Eisen").

Die Symbolik des Eisernen Kreuzes wurde ab 1813, nach dem Aufruf von Prinzessin Marianne von Preußen an alle Frauen Preußens, ihren Goldschmuck abzugeben, auch fĂŒr ehrende SchmuckstĂŒcke, meist mit der Aufschrift „Gold gab ich fĂŒr Eisen“, verwendet. Der Aufruf wurde im Ersten Weltkrieg wiederholt. Trauringe, Broschen und Schmuckringe (zum Teil die Symbolik des Eisernen Kreuzes unmittelbar aufgreifend) wurden an die spendenwilligen BĂŒrger als Gegengabe fĂŒr ihren Goldschmuck ausgegeben. Das Deutsche Rote Kreuz sammelte an zahlreichen Orten wĂ€hrend des Krieges jeweils Spenden mit einer ĂŒbergroßen hölzernen Replik (190 x 190 cm und 14 cm dick), in die eiserne oder silberne NĂ€gel entsprechend der Spendenhöhe eingeschlagen werden konnten (Darmstadt, Heidelberg, SaarbrĂŒcken). Dieses „Kreuz in Eisen“ diente als „vaterlĂ€ndische Attraktion“, um Spender gleichzeitig fĂŒr diese Spenden zu gewinnen und durch die öffentliche Form wiederum als Spender auszuzeichnen.[13]

Das Eiserne Kreuz findet sich auch heute noch in einigen Stadtwappen oder als Symbol fĂŒr Vereine. In der Schmuckindustrie ist das Eiserne Kreuz zudem oft als Kette oder Ring, aber auch als Piercingschmuck zu finden. Weitere Verbreitungsbeispiel sind:

Verwendung in der Rockkultur

Lemmy Kilmister, SÀnger der Band Motörhead, mit Eisernem Kreuz

In den spÀten 1960er Jahren wurde das Eiserne Kreuz zunehmend als Symbol in der Pop- und Subkultur verwendet. Den Anfang machten dabei offenbar amerikanische Subkulturen wie die Biker-Szene und Rock-Musiker. Wie viele Trends setzte sich dieser Gebrauch spÀter auch in Europa durch.

Die englische Heavy-Metal-Band Motörhead verwendet das Symbol v.a. in Verbindung mit ihrem Maskottchen. Der SÀnger und Bassist der Band, Lemmy Kilmister, trÀgt nicht selten ein EK als Halsschmuck.

Literatur

  • Werner Otto HĂŒtte: Die Geschichte des Eisernen Kreuzes und seine Bedeutung fĂŒr das preußische und deutsche Auszeichnungswesen von 1813 bis zur Gegenwart. Rheinische Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t Bonn, 1967 (Bonn, Phil. Fak., Diss. v. 20. Dez. 1967).
  • Jörg Nimmergut: Das Eiserne Kreuz 1813–1957. Geschichte des Auszeichnungswesens. Sonderausgabe. VDM Heinz Nickel, ZweibrĂŒcken 1997, ISBN 3-925480-07-2.
  • Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. Zentralstelle fĂŒr Wissenschaftliche Ordenskunde, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-00-001396-2,
    • Band 2. Limburg – Reuss. S. 1007–1073,
    • Band 4. WĂŒrttemberg II – Deutsches Reich. S. 2108–2131.
  • Stephen Thomas Previtera: The Iron Time. A History of the Iron Cross. Second edition. Winidore Press, Richmond VA 2007, ISBN 978-0-9673070-3-9.
  • Ralph Winkle: Der Dank des Vaterlandes. Eine Symbolgeschichte des Eisernen Kreuzes 1914 bis 1936.[14] Klartext, Essen 2007, ISBN 978-3-89861-610-2 (Zugleich: TĂŒbingen, Univ., Diss., 2002/03).
  • Dietlinde Munzel-Everling: Kriegsnagelungen. Wehrmann in Eisen, Nagel-Roland, Eisernes Kreuz. Wiesbaden 2008. Als PDF downloadbar.

Weblinks

 Commons: Eisernes Kreuz â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ EugĂ©ne Godet: Was man vom Eisernen Kreuz wissen muß, abgedruckt in der Zeitschrift Uniform Markt, Jahrgang 1935, Heft 2, Seite 9
  2. ↑ Auch zum Folgenden Herfried MĂŒnkler, Die Deutschen und ihre Mythen, Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2008, S. 265-269
  3. ↑ Philipp Demandt, Luisenkult. Die Unsterblichkeit der Königin von Preußen, Böhlau Verlag, Köln 2003, S. 212
  4. ↑ Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945, Band 4, S. 1042
  5. ↑ Nach Angabe des Vereins fĂŒr Deutsche Geschichte, vgl. Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945, S. 1043
  6. ↑ Nach Angabe des Vereins fĂŒr Deutsche Geschichte, vgl. Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945, S.1046
  7. ↑ Anordnung des BundesprĂ€sidenten ĂŒber die Kennzeichnung der Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der BundeswehrVorlage:§§/Wartung/alt-URL
  8. ↑ http://www.bundestag.de/ausschuesse/a02/uebersicht_abgeschlossen/BGR_16-00101.pdf
  9. ↑ http://www.arcor.de/content/aktuell/news_politik_inland/14904683.html
  10. ↑ http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,539785,00.html
  11. ↑ http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E4A28C75C03A14D05B47B13BF98D6B086~ATpl~Ecommon~Scontent.html
  12. ↑ Zeitschrift Uniformen Markt, Jahrgang 1936, Artikel Wehrmachtsrundschau S.46
  13. ↑ Dietlinde Munzel-Everling: Kriegsnagelungen. Wehrmann in Eisen, Nagel-Roland, Eisernes Kreuz. Wiesbaden 2008, S. 3.
  14. ↑ Rezension des Buches: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-1-055

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