Englisch-Niederl√§ndischer Krieg (1652‚Äď1654)

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Englisch-Niederl√§ndischer Krieg (1652‚Äď1654)
Hauptschlachten des Englisch-Niederländischen Krieges

Der Englisch-Niederl√§ndische Krieg von 1652 bis 1654 war der erste von vier Englisch-Niederl√§ndischen Kriegen. Er wurde g√§nzlich von den Marinestreitkr√§ften des Commonwealth of England und denen der Vereinigten Provinzen der Niederlande auf See ausgetragen. Die Ursachen des Krieges lagen in Streitigkeiten √ľber den Handel, und der Krieg begann mit Angriffen auf die Handelsschifffahrt. Schnell kam es jedoch auch zu gr√∂√üeren Zusammenst√∂√üen der Kriegsflotten von England und den Niederlanden. Die englische Marine konnte die Kontrolle √ľber die Seegebiete um England gewinnen, und die Niederl√§nder wurden gezwungen, das englische Monopol √ľber den Handel mit den englischen Kolonien anzuerkennen.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Oliver Cromwell; Portrait von Sir Peter Lely

(Hinweis: Kalenderdaten in diesem Artikel beziehen sich auf den gregorianischen Kalender, der dem damals in England verwendeten julianischen Kalender zehn Tage voraus war.)

Im 16. Jahrhundert waren England und die Niederlande enge Verb√ľndete gegen die Machtbestrebungen der Habsburger gewesen. Sie bezwangen gemeinsam die Spanische Armada, und England unterst√ľtzte die Niederl√§nder im Achtzigj√§hrigen Krieg, indem es Geld und Soldaten entsandte. Es gab einen st√§ndigen englischen Vertreter in der niederl√§ndischen Regierung, um die Zusammenarbeit bei den gemeinsamen Kriegsanstrengungen zu koordinieren. Der Zusammenbruch der spanischen Macht am Ende des Drei√üigj√§hrigen Kriegs 1648 f√ľhrte jedoch dazu, dass die kolonialen Besitzungen der Portugiesen und Spanier neu verteilt wurden. Der anschlie√üende Wettlauf im Aufbau von Imperien verwandelte die einstigen Verb√ľndeten in Konkurrenten. Auch verdr√§ngten die Niederl√§nder nach ihrem Friedensschluss mit den Spaniern rasch die englischen H√§ndler aus ihrer starken Position beim Handel mit der iberischen Halbinsel.

Zur Mitte des 17. Jahrhunderts hatten die Niederl√§nder die bei weitem gr√∂√üte Handelsflotte Europas aufgestellt, mit mehr Schiffen als alle anderen Nationen zusammengenommen. Ihre Wirtschaft baute beinahe vollkommen auf dem Seehandel auf. Im europ√§ischen Handel, besonders mit dem Baltikum, hatten sie eine Vormachtstellung errungen. Weiter hatten sie fast alle portugiesischen Besitzungen in S√ľdostasien √ľbernommen. Damit erlangten sie die Kontrolle √ľber den enorm profitablen Gew√ľrzhandel. Sie konnten sogar bedeutenden Einfluss auf den englischen Seehandel mit ihren nordamerikanischen Kolonien erlangen, als England durch das Chaos im Gefolge des englischen B√ľrgerkriegs abgelenkt war. Nach dem entscheidenden niederl√§ndischen Sieg √ľber die spanische Invasionsflotte bei der Seeschlacht bei den Downs (Battle of the Downs) 1639 verlagerte sich der weitere Krieg auf das Land. Deshalb war die niederl√§ndische Marine fortan vernachl√§ssigt worden. Die Niederl√§nder verf√ľgten √ľber viele voneinander unabh√§ngige Admiralst√§be, die nach 1648 gro√üe Best√§nde ihrer Flotten verkauften, um Geld zu sparen. Um 1652 waren weniger als 50 Schiffe seetauglich, und diese Defizite mussten mit der Bewaffnung der Handelsschiffe ausgeglichen werden. Diese Handelsschiffe waren jedoch den gr√∂√üten englischen Kriegsschiffen erster und zweiter Klasse in der Feuerkraft weit unterlegen.

Die Marine des Commonwealth von England befand sich in besserem Zustand. Sie war siegreich aus dem englischen B√ľrgerkrieg hervorgegangen, unterst√ľtzte die Invasionen Oliver Cromwells in den Kriegen in Schottland und Irland und blockierte die Flotte von Prinz Ruprecht in Lissabon. Sie organisierte ein Geleitzugsystem, um ihre Handelsschiffe vor den Schw√§rmen von Freibeutern zu sch√ľtzen, die es vor allen europ√§ischen H√§fen auf die Schiffe abgesehen hatten. Am 24. September 1650 hatte General zur See Robert Blake die portugiesische Flotte in einem heftigen Sturm bezwungen. Dabei versenkte er das Schiff eines portugiesischen Vizeadmirals und erbeutete sieben gegnerische Schiffe. Dadurch bewog er Portugal, Prinz Ruprecht nicht weiter zu sch√ľtzen. Im Jahr 1651 hatte die englische Marine die Bastionen der Royalisten auf den Isles of Scilly, der Isle of Man und den Kanalinseln eingenommen. 1652 hatte General George Ayscue die englischen Kolonien in der Karibik und Nordamerika zur√ľckgewonnen. Die englische Marine wurde durch ein Gesetz vom 10. November 1650 auf ein solides finanzielles Fundament gestellt, indem der Handelsschifffahrt eine Steuer von 15% auferlegt wurde. Die Einnahmen sollten zur Finanzierung der Seestreitkr√§fte verwendet werden, die die Geleitz√ľge sch√ľtzten.

Kriegsverlauf

Admiral Maarten Tromp (1597-1653); Portrait von Jan Lievensz

Die franz√∂sische Unterst√ľtzung f√ľr die englischen Royalisten hatte den Commonwealth dazu gebracht, Kaperbriefe (Letters of Reprisal) gegen franz√∂sische Schiffe und franz√∂sische G√ľter auf neutralen Schiffen auszustellen. Diese Briefe berechtigten dazu, neutrale Schiffe zu durchsuchen. Solche Schiffe stammten zumeist aus den Niederlanden. Das englische Parlament verabschiedete den ersten der Navigationsakte (Navigation Acts) im Oktober 1651. Es ordnete an, dass nur Schiffe aus England und dem jeweiligen Herkunftsland der G√ľter dieselben nach England einf√ľhren durften. Die Niederl√§nder wurden weiter ver√§rgert, als George Ayscue im Fr√ľhjahr 1652 27 niederl√§ndische Schiffe aufbrachte, die mit der royalistischen Kolonie Barbados handelten. Zuvor hatte der Commonwealth ein Embargo gegen die Royalisten verh√§ngt. Zudem war durch den Tod des niederl√§ndischen Statthalters Wilhelm II. die Au√üenpolitik der Vereinigten Niederlande in die H√§nde der gro√üen Handelsgesellschaften und der f√ľhrenden Stadtregenten von Amsterdam und Rotterdam aus den Familien De Witt, Huydecoper van Maarsseveen, Lampsins, Trip, Bicker oder den De Graeff geraten. Entsprechend beschlossen die Generalstaaten am 3. M√§rz 1652, die Flotte zu vergr√∂√üern, indem 150 Handelsschiffe angeheuert und als Kriegsschiffe ausger√ľstet werden sollten.

Die Nachricht dieses Beschlusses erreichte London am 12. M√§rz 1652, und der Commonwealth begann ebenfalls, sich f√ľr einen Krieg vorzubereiten. Da beide Nationen f√ľr einen Krieg noch unzureichend vorbereitet waren, h√§tte sich der Ausbruch des Krieges normalerweise noch hingezogen. Es kam jedoch am 29. Mai 1652 zu einem ungl√ľcklichen Aufeinandertreffen der Flotten des niederl√§ndischen Admiralleutnants Maarten Tromp und des Generals zur See Robert Blake im englischen Kanal bei Dover. Eine Anweisung Cromwells forderte von allen ausl√§ndischen Flotten in der Nordsee oder im Kanal, ihre Flaggen zum Gru√ü zu senken. Als sich Tromp jedoch weigerte, er√∂ffnete Blake das Feuer. Hierdurch kam es zur kurzen Seeschlacht bei Dover. Tromp verlor zwei Schiffe, konnte jedoch seinen Konvoi in Sicherheit bringen.

Schlacht bei Leghorn (14. März 1653); Gemälde von Willem Hermansz van Diest

Der Krieg wurde am 10. Juli 1652 erklärt. Die Niederländer erkannten, was auf dem Spiel stand, als einer der sich verabschiedenden Gesandten sagte: “Die Engländer sind dabei, einen Berg Gold anzugreifen; wir sind dabei, einen Berg Eisen anzugreifen.“

Die ersten Monate des Krieges bestand aus englischen Angriffen auf niederl√§ndische Geleitz√ľge. Blake wurde mit 60 Schiffen ausgesandt, um niederl√§ndische Fischerei in der Nordsee und den Handel mit dem Baltikum zu unterbrechen. Ayscue blieb mit einer kleinen Seestreitkraft zur√ľck, um den englischen Kanal zu sch√ľtzen. Am 12. Juli 1652 fing Ayscue einen niederl√§ndischen Geleitzug ab, der aus Portugal zur√ľckkehrte. Er konnte sieben Handelsschiffe erbeuten, drei weitere wurden versenkt. Tromp versammelte eine Flotte von 96 Schiffen, um Ayscue anzugreifen, doch ung√ľnstige Winde von S√ľden verhinderten, das er von der Nordsee in den Kanal einfahren konnte. Also wandte er sich gen Norden, um Blake zu verfolgen. Vor den Shetland-Inseln holte Tromp die englische Flotte ein, doch ein Sturm verstreute seine Schiffe, und es kam zu keinem Kampf. Am 26. August 1652 attackierte Ayscue einen auslaufenden niederl√§ndischen Geleitzug unter dem Befehl von Kommodore Michiel de Ruyter. In dieser Seeschlacht bei Plymouth wurde er jedoch zur√ľckgeschlagen und anschlie√üend als Kommandeur abgel√∂st. Im Mittelmeer gelang den Niederl√§ndern am 8. September 1652 in der Seeschlacht bei Elba ein weiterer Sieg.

Tromp war nach dem Fehlschlag bei den Shetland-Inseln ebenfalls abgel√∂st worden. Sein Kommando wurde an Vizeadmiral Witte de With √ľbergeben. Die niederl√§ndischen Geleitz√ľge waren zeitweilig in Sicherheit, und so sah de With eine Gelegenheit, seine Kr√§fte zu b√ľndeln und zu versuchen, die Kontrolle auf See zu erlangen. Bei der Seeschlacht bei Kentish Knock am 8. Oktober 1652 griffen die Niederl√§nder die englische Flotte in der N√§he der Themsem√ľndung an. Sie wurden jedoch mit schweren Verlusten zur√ľckgeschlagen. Das englische Parlament glaubte schon, dass die Niederl√§nder beinahe besiegt waren, und sandte zwanzig Schiffe ins Mittelmeer, um die Position dort zu st√§rken. Nach dieser Aufteilung der Flotte blieben Blake ab November nur noch 42 Kriegsschiffe, w√§hrend die Niederl√§nder alle Anstrengungen unternahmen, um ihre Flotte zu verst√§rken. Dies f√ľhrte zu den englischen Niederlagen in der Seeschlacht bei Dungeness im Dezember gegen die Niederl√§nder unter Tromp und der Seeschlacht bei Livorno im M√§rz 1653. Danach hatten die Niederl√§nder die Kontrolle im Kanal, in der Nordsee und im Mittelmeer erlangt. Die englischen Schiffe lagen blockiert in den H√§fen.

Schlacht bei Scheveningen (10. August 1653); Gemälde von Jan Abrahamsz Beerstraaten

Trotz dieser Erfolge war die niederl√§ndische Republik schlecht auf einen Seekrieg vorbereitet. Weil es verboten war, Seeleute unter Zwang zum Kriegsdienst einzuziehen, mussten enorme Summen aufgewendet werden, um ausreichend Seeleute anzuwerben. Die Situation verschlechterte sich, als auch noch politischer Streit √ľber die richtige Vorgehensweise ausbrach: sollte die niederl√§ndische Marine erweitert werden, oder sollten defensive Ma√ünahmen gegen eine Invasion an Land den Vorrang erhalten? Da sie nicht in der Lage waren, alle ihre Kolonien zu unterst√ľtzen, konnten die Portugiesen die niederl√§ndische Kolonie Niederl√§ndisch-Brasilien in Brasilien zur√ľckerobern.

√úber den Winter 1652‚Äď1653 reparierten die Engl√§nder ihre Schiffe und analysierten die Lage. Robert Blake schrieb das Handbuch ‚ÄěAnweisungen zum Segeln und zum Kampf‚Äú (‚ÄěSailing and Fighting Instructions‚Äú), eine grundlegende Erneuerung der Seekriegstaktiken. Es enthielt die erste Beschreibung der Linienschifftaktik. Im Februar 1653 waren die Engl√§nder bereit, die Niederl√§nder zum Kampf herauszufordern. In der dreit√§gigen Seeschlacht bei Portland im M√§rz und der zweit√§gigen Seeschlacht bei Gabbard im Juni wurden die Niederl√§nder zur√ľck in ihre Heimath√§fen getrieben.

Die letzte Seeschlacht des Krieges war die verlustreiche Seeschlacht bei Scheveningen im August. Die Niederl√§nder versuchten, die englische Blockade zu durchbrechen, doch nach schweren K√§mpfen mit gro√üen Sch√§den auf beiden Seiten zogen sich die Niederl√§nder nach Texel zur√ľck. Die Engl√§nder waren aber gezwungen die Blockade abzubrechen. Tromp wurde kurz nach Beginn der Seeschlacht get√∂tet. Dadurch wurde die Kampfmoral der Niederl√§nder geschw√§cht, und Forderungen, den Krieg zu beenden, begannen sich durchzusetzen. √Ąhnliches geschah in England, als Oliver Cromwell das Rumpfparlament aufl√∂ste, das zuvor vehement f√ľr den Krieg eingetreten war.

Folgen

Die Friedensverhandlungen endeten am 8. Mai 1654 mit der Unterzeichnung des Vertrags von Westminster, in dem die Niederl√§nder den Commonwealth anerkannten und zustimmten, die Navigation Acts k√ľnftig zu respektieren. Der Vertrag hatte einen geheimen Anhang, den Act of Exclusion, in dem den Niederl√§ndern auf immer verboten wurde, den Sohn des verstorbenen Statthalters, den sp√§teren Wilhelm III. von England, jemals die Nachfolge seines Vaters antreten zu lassen. Tats√§chlich wurde diese Klausel auf Wunsch der f√ľhrenden niederl√§ndischen Clique um Johan de Witt und Cornelis de Graeff eingef√ľhrt, welche beide √ľberzeugte Republikaner waren. Die Handelsstreitigkeiten der beiden Nationen waren mit diesem Friedensschluss jedoch nicht beigelegt. Besonders in den ausgedehnten √úberseekolonien setzten sich die Feindseligkeiten zwischen den englischen und niederl√§ndischen Handelsgesellschaften fort, die selbst √ľber Truppen und Kriegsschiffe verf√ľgten. Die Niederl√§nder legten ein gr√∂√üeres Schiffbauprogramm auf, um ihren Nachteil bei den Linienschiffen auszugleichen, den sie bei den Seeschlachten von Kentish Knock, Gabbard und Scheveningen zu sp√ľren bekommen hatten. Den Admiralst√§ben wurde nun durch Gesetz verboten, die 60 neuen Schiffe zu verkaufen. Der zweite englisch-niederl√§ndische Seekrieg zog herauf.

Einzelnachweise

Literatur

  • R.C. Anderson: The First Dutch War in the Mediterranean, in: The Mariner's Mirror, November 1963, Bd.49 (Nr.4), S.241‚Äď265.
  • Carl Ballhausen: Der erste Englisch-Hollandische Seekrieg 1652‚Äď1654 sowie der Schwedisch-Hollandische Seekrieg 1658‚Äď1659, Martinus Nijhoff, Den Haag 1923.
  • Charles Ralph Boxer: The Anglo-Dutch Wars of the 17th Century, Her Majesty's Stationery Office, London 1974.
  • Conn: Betrachtungen √ľber den ersten englisch-niederl√§ndischen Krieg, in: Marine-Rundschau, Bd.IV/ V, 1911.
  • Samuel Rawson Gardiner: Letters and Papers relating to the First Dutch War, Navy Records Society, London 1899.
  • Roger Hainsworth/ Christine Churchers: The Anglo-Dutch Naval Wars 1652‚Äď1674, Sutton Publishing Limited, Thrupp/ Stroud/ Gloucestershire 1998. ISBN 0-7509-1787-3
  • Jonathan Israel: The Dutch Republic - Its rise, greatness and fall 1477-1806, Clarendon Press, Oxford 1995. ISBN 0-19-873072-1
  • Von Janson: Der Niedergang hollindischer Seemacht, in: Marine-Rundschau, Bd.III/ IV/ V, 1912.
  • James R. Jones: The Anglo-Dutch Wars of the Seventeenth Century, Longman House, London/ New York 1996. ISBN 0-582-05631-4
  • Kurt Kluxen: Geschichte Englands, Stuttgart 1991. ISBN 3-520-37404-8
  • Alexander Meurer: Seekriegsgeschichte in Umrissen, Leipzig 1942.
  • Helmut Pemsel: Seeherrschaft. Bd. 2. Wien/Garz 2005. (= Helmut Pemsel: Weltgeschichte der Seefahrt. Bd. 5.)

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