Ernst-Lothar von Knorr

Ernst-Lothar von Knorr (* 2. Januar 1896 in Eitorf/Sieg; † 30. Oktober 1973 in Heidelberg) war ein deutscher Komponist, Musikpädagoge und Musikfunktionär im 3. Reich.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ernst-Lothar (Carl) von Knorr wuchs in Bonn auf. Seine Eltern waren Dr. chem. Karl Ferdinand von Knorr, Apotheker, und Eugenie Sophie Merten.[1] 1902 nahm er ersten Violinenunterricht. 1907 wurde er in das Kölner Konservatorium aufgenommen. Am 6. Oktober 1923 heiratete er in Gummerbach Elise Siebel, eine Enkelin von Lebrecht Steinmüller, dem Mitbegründer der Papierfabrik L&C Steinmüller. In den Jahren 1925 und 1928 wurden sein Sohn Friedrich-Carl und seine Tochter Ellen geboren.

Schaffen

Nach Abitur, Konservatoriumsexamen und Militärdienst wurde er 1919 Violinlehrer an der Musikakademie Heidelberg, 1920 gründete er mit P. Gies die Heidelberger Kammerorchester-Vereinigung. 1923 wurde er Konzertmeister beim Orchester des Djaghilewballetts in München, 1924 folgten Aufbau und Leitung der Volks- und Jugendmusikschule-Süd in Berlin. 1937 wurde von Knorr Lehrer an der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin, wo er 1939 eine Professur erhielt.[2]

Von 1937 bis zum 31. August 1941 war er zusätzlich Musikreferent des Oberkommandos des Heeres (OKH) und wurde zum Hauptmann und zum Major der Wehrmacht befördert.[2] Gegen Ende seiner Amtszeit als Musikreferent des OKH erstellte er 1941 zusammen mit dem General und späteren Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 Eduard Wagner eine Liste verschiedener Musikschaffender,[3] die von Adolf Hitler unterschrieben wurde und eine uk-Stellung von 360 Musikern bedeutete.[4] Ebenso setzte Knorr einige Musikschaffende als Lehrkräfte an den Heeresmusikschulen ein, wodurch sie vom aktivem Kriegsdienst freigestellt waren.[5]

Nach seiner Amtszeit als Musikreferent des OKH wurde er am 31. August 1941 gegen den Widerstand Herbert Gerigks und des Amts Reichsleiter Rosenberg stellvertretender Direktor der Hochschule für Musik und der Militärmusikschule in Frankfurt am Main.[2] [6] 1942 trat er der NSDAP bei (Mitglieds-Nummer: 8.995.057).[2]

Bei einem Bombenangriff 1944 wurden die Manuskripte seiner Kompositionen vernichtet. In den letzten Kriegsmonaten folgten Aufbau und Leitung des Staatlichen Hochschulinstituts für Musikerziehung in Trossingen, an dem er ab 1946 Direktor war. 1952 wurde von Knorr trotz seiner aktiven Nazivergangenheit Direktor der Akademie für Musik und Theater in Hannover. Ab 1955 war er auch militärmusikalischer Berater von Theodor Blank, dem ersten Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland,[2] 1961 übernahm von Knorr die Leitung der Hochschule für Musik und Theater in Heidelberg, bis er 1969 in den Ruhestand ging.

1961 erhielt Ernst-Lothar von Knorr das Große Bundesverdienstkreuz.

Literatur

  • Ernst-Lothar von Knorr: Lebenserinnerungen. Erlebtes musikalisches Geschehen in Deutschland, aus dem Nachlass herausgegeben von der Ernst-Lothar von Knorr-Stiftung, mit einer Einleitung versehen von Thomas Schipperges, P. J. Tonger Musikverlag Köln-Rodenkirchen 1996, ISBN 3-920950-25-9.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Chronikblätter der Familie Luyken, 1929, Seite 434
  2. a b c d e Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, CD-Rom-Lexikon, Kiel 2004, S. 3.784.
  3. Datum laut Ernst-Lothar von Knorr: Lebenserinnerungen, Tonger Musikverlag 1996, S. 82–83.
  4. Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, CD-Rom-Lexikon, Kiel 2004, S. 3.784.
  5. Fred K. Prieberg: Musik im NS-Staat, Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main, 1982, S. 308–309.
  6. Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, CD-Rom-Lexikon, Kiel 2004, S. 3.805.

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