Erste Portugiesische Republik

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Erste Portugiesische Republik

Unter der ersten Republik versteht man in der Geschichte Portugals den Zeitraum von 1910 (Abschaffung der portugiesischen Monarchie) bis 1926 (Militärputsch des Generals Gomes da Costa) und der Errichtung Estado Novo.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte: Die Agonie der Monarchie

König Karl I. von Portugal, stirbt 1908 bei einem Attentat

1861 war mit K√∂nig Peter V. der letzte im Volk wirklich beliebte K√∂nig jung und unerwartet an einer Fieberepidemie gestorben. Seinen beiden Nachfolgern Ludwig I. und Karl I. gelang es nicht, die Sympathien ihrer Untertanen f√ľr sich zu gewinnen.

1873 wird im benachbarten Spanien nach der Abdankung von Amadeus von Savoyen die Republik ausgerufen. Diese Entwicklungen hatten auch ihre Auswirkungen auf Portugal, die Anh√§nger der Republik f√ľhlten sich gest√§rkt und gr√ľndeten 1876 die erste Republikanische Partei. Die konservative Regierung von Ant√≥nio Maria de Fontes Pereira de Melo von der Regenerationspartei nahm das neue politische Ph√§nomen zu Anfang nicht richtig ernst, ja unterst√ľtzte z. T. sogar die Kandidaturen republikanischer Kandidaten, da sie hoffte, so ihre Hauptgegner von der Progressiven Partei zu schw√§chen.

Eine Reihe von Krisen (so z. B. eine au√üenpolitische Krise mit England wegen sich widersprechender Kolonialanspr√ľche im s√ľdlichen Afrika, die deutlich die Schw√§che des portugiesischen Staates demonstrierte) und wirtschaftliche Probleme (Staatsbankrott 1891) f√ľhren zu einem Anwachsen republikanischer Str√∂mungen, die innerhalb kurzer Zeit zum Massenph√§nomen wurden. 1881 erschien die Zeitung O S√©culo (‚Äědas Jahrhundert‚Äú) zum ersten Mal, die Republikaner verf√ľgten damit auch √ľber ein publizistisches Sprachrohr.

Die Reaktion der Regierung und der Monarchen schwankte zwischen hilflosen Entgegenkommen und autorit√§rer H√§rte. 1888 wird mit Te√≥filo Braga, dem sp√§teren ersten Pr√§sidenten, zum ersten Mal ein republikanischer Abgeordneter in die Cortes, das portugiesische Parlament gew√§hlt. Auch wenn das Wahlsystem die Republikaner stark benachteiligte, u. a. da das Wahlrecht an einen gewissen Mindestbesitz gebunden war, und deshalb √ľberhaupt nur ein sehr kleiner Teil der Bev√∂lkerung wahlberechtigt war (√§hnlich dem Dreiklassenwahlrecht in Preu√üen), gelang es den Republikanern seitdem st√§ndig durch einige Abgeordnete im Parlament vertreten zu sein.

Emanuel II., der letzte König Portugals

Die innenpolitische Krise spitzt sich zu, als die Regierung von Jo√£o Franco (1906‚Äď1908) nach einer anf√§nglich konzilianten Haltung gegen√ľber den Republikanern zunehmend autorit√§rer wurde und sie durch Pressezensur und Verhaftungen zu verfolgen begann. Die Krise erreichte ihren H√∂hepunkt, als am 1. Februar 1908 K√∂nig Karl und sein Thronfolger Ludwig Philipp in Lissabon einem Attentat zum Opfer fallen. Der neue K√∂nig Emanuel II. versucht es wieder mit einer liberaleren Politik, viele der antirepublikanischen Ma√ünahmen des Jo√£o Franco werden zur√ľckgenommen. Es war jedoch zu wenig, zu sp√§t.

Neben ihrer eigenen St√§rke half den Republikanern auch die Schw√§che der Monarchisten. Diese waren untereinander heillos zerstritten, was den Republikanern nat√ľrlich in die H√§nde spielte. Neben den traditionellen Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden gro√üen Parteien der Monarchie, der Regenerationspartei und der Progressiven Partei, kamen noch Streitigkeiten innerhalb der politischen Lager. Beide Parteien teilten sich in der Endphase der Monarchie in verschiedene sich feindlich gegen√ľber stehende Str√∂mungen, ein Teil der Mitglieder der Progressiven Partei wanderte sogar in das Lager der Republikaner ab.

√úbergang von der Monarchie zur Republik

1909 setzten sich auf dem Parteikongress der Republikanischen Partei die radikalen Kr√§fte durch, die bewaffnete Revolution war nun das offizielle Ziel der Partei. Am 3. Oktober 1910 wird Miguel Bombarda, ein Psychiater und Vordenker der republikanischen Bewegung, von einem psychisch kranken ehemaligen Patienten ermordet. Auch wenn die Tat anscheinend keinen politischen Hintergrund hatte, f√ľhrt sie zu Aufst√§nden in Lissabon und anderen gro√üen St√§dten des Landes.

Am 5. Oktober 1910 wird in Porto die Republik ausgerufen; sp√§ter am selben Tag wird eine provisorische Regierung unter F√ľhrung des Republikaners Te√≥filo Braga gebildet.

Braga war √ľberzeugter Republikaner und bereits ein bedeutender Schriftsteller, Intellektueller und Literaturwissenschaftler. Mit seiner Berufung an die Spitze der Provisorischen Regierung hatte man gehofft, eine √ľberparteiliche Regierung bilden zu k√∂nnen.

Die neue Regierung ist strikt antiklerikal, s√§mtliche Jesuitenkloster werden aufgel√∂st, die Gef√§ngnisse in Lissabon f√ľllen sich mit katholischen Priestern und Ordensbr√ľdern. K√∂nig Emanuel II. verl√§sst das Land und erreicht am 17. Oktober 1910 sein Exil in England. Der Religionsunterricht wird verboten, ebenso alle religi√∂sen Bez√ľge bei Staatsakten, die Adelstitel werden aufgehoben. Der apostolische Nuntius verl√§sst unter Protest Lissabon. Das Tragen religi√∂ser Habits in der √Ėffentlichkeit wird verboten, die Zivilehe und die Ehescheidung eingef√ľhrt.

Nach Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung 1911, bei denen das Wahlrecht zum ersten Mal auf alle erwachsenen m√§nnlichen Portugiesen ausgedehnt wurde und die von der Republikanischen Partei mit gro√üer Mehrheit gewonnen werden, wird eine neue Verfassung verabschiedet. Die Monarchie wird nun auch offiziell beendet, ein Zweikammerparlament wird gegr√ľndet. Die Verfassung sieht keine direkte Wahl des Pr√§sidenten durch das Volk vor, der Pr√§sident soll vielmehr vom Parlament gew√§hlt werden. Er hat auch nicht die Befugnis, das Parlament aufzul√∂sen. Mit der Verabschiedung der Verfassung endet die provisorische Regierung Te√≥filo Bragas, Manuel de Arriaga wird erster verfassungsm√§√üiger Pr√§sident der Republik.

Manuel de Arriaga; Putsch und Diktatur der Schwerter

Unter Manuel de Arriagas Pr√§sidentschaft wird Jo√£o Chagas erster Ministerpr√§sident. Seine Regierung h√§lt allerdings nur drei Monate, bereits im Dezember 1911 √ľbernimmt die zweite republikanische Regierung unter Augusto de Vasconcelos die Macht. Ebenfalls bereits 1911 erlebt das Land den ersten monarchistischen Aufstand, der allerdings niedergeschlagen werden kann. In Porto und Lissabon werden Universit√§ten gegr√ľndet, das jahrhundertealte Monopol der Universit√§t von Coimbra ist damit gebrochen.

Mit dem ‚ÄúGesetz der Trennung‚ÄĚ (lei da separa√ß√£o) wird die Trennung von Staat und Kirche festgeschrieben. Das Gesetz versuchte allerdings auch, die katholische Kirche der Aufsicht des Staates zu unterstellen und f√ľhrte so automatisch in den Gegensatz mit dem Vatikan. In einer eigenen Enzyklika ‚Äělamdudum in Portugal‚Äú (24. Mai 1911) verdammt der Vatikan das neue Gesetz. Sp√§ter werden auch die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen. Die Kirchenfrage sollte die ganze Politik der fr√ľhen Republik bestimmen.

Streiks wurden legalisiert, eine Streikwelle ersch√ľtterte das Land und entfremdete so das B√ľrgertum der neuen Republik. Afonso Costa, der den radikalen Fl√ľgel der Republikanischen Partei anf√ľhrt, gelingt es, sich auf dem Parteitag vom Oktober 1911 durchzusetzen. Die Republikanische Partei nennt sich in Demokratische Partei (PD) um und wird fortan von Afonso Costa gef√ľhrt. Besonders der harte Antiklerikalismus Costas ruft auch innerhalb der Partei viel Kritik hervor. Im Februar 1912 verl√§sst Ant√≥nio Jos√© de Almeida, der mit der neuen Richtung der Partei nicht einverstanden ist, zusammen mit einigen gem√§√üigten Anh√§ngern die Demokratische Partei und gr√ľndet die Evolutionisten (PRE). Zwei Tage sp√§ter verl√§sst auch Brito Camacho die Demokraten und gr√ľndet die Unionistische Partei. Damit hatte sich die alte Republikanische Partei in drei Str√∂mungen gespalten. Die Demokraten standen f√ľr den linken, radikalen Teil des Parteienspektrums, die Unionisten markierten das Zentrum, die Evolutionisten die gem√§√üigten Konservativen.

Wahlbetrug war an der Tagesordnung. Da das Parlament nicht aufgelöst werden konnte, wechselten sich instabile Regierungen in rascher Folge ab. Zwischen 1910 und 1926 hatte die Republik 45 Regierungen.

Im Oktober 1912 kommt es zum zweiten monarchistischen Aufstand, angef√ľhrt von Hauptmann de Paiva Couceiro. Die beiden verfeindeten Linien des K√∂nigshauses, die Anh√§nger des Hauses Braganza (Legitimisten), die einem Abk√∂mmling des nach dem Miguelistenkrieg ins Exil gezwungenen K√∂nig Michael die Treue halten, und die Anh√§nger des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha (Konstitutionalisten), die den abgesetzten K√∂nig Emanuel II. unterst√ľtzten, verb√ľnden sich im englischen Exil gegen die Republik (Vertrag von Dover). 1913 kommt die Demokratische Partei unter Afonso Costa an die Macht, die auch die Wahlen gegen Ende des Jahres gewinnt. In Lissabon ver√ľben Monarchisten eine Reihe von Bombenattentaten. Im Juni 1913 ersch√ľttert eine Streikwelle das Land, die Zentralen einer Reihe von Gewerkschaften werden durch die Regierung geschlossen. Im Dezember 1914 √ľbernimmt Azevedo Coutinho, ebenfalls von der Demokratischen Partei, nach seinem Wahlsieg den Posten des Ministerpr√§sidenten.

Das Klima zwischen den politischen Parteien war zu diesem Zeitpunkt bereits vergiftet. Zus√§tzlich geschw√§cht wurde die Regierung noch durch die sehr kontrovers gef√ľhrte Diskussion, ob Portugal auf Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg eintreten sollte.

Am 25. Januar 1915 kommt es zu einem Milit√§rputsch konservativer Armeekreise gegen die Regierung Azevedo Coutinho und die hinter ihr stehende Demokratische Partei des Afonso Costa. Ausl√∂ser waren die antiklerikale Politik der Regierung und die Verhandlungen, die diese mit den Entente-M√§chten √ľber einen Eintritt Portugals in den Ersten Weltkrieg f√ľhrte. Die Putschisten l√∂sten das Parlament auf.

Am 28. Januar ernannte Pr√§sident de Arriaga den F√ľhrer der Putschisten, General Joaquim Pimenta de Castro zum neuen Ministerpr√§sidenten. Die von ihm gebildete, vornehmlich aus Milit√§rs bestehende Regierung (Diktatur der Schwerter ‚Äď Ditadura das Espadas) regierte ohne Parlament durch vom Pr√§sidenten gegengezeichnete Dekrete. Sie beendete die Verhandlungen mit der Entente und die kirchenfeindliche Politik der Vorg√§ngerregierung.

Pimenta de Castro wird am 14. Mai 1915 durch einen erneute Putsch gest√ľrzt. Tr√§ger dieses Putsches waren Offiziere, die den Demokraten und Afonso da Costa nahestanden. Eine Milit√§rjunta √ľbernimmt kurzzeitig die Macht, dann wird Jos√© Ribeira de Castro, ein weiterer Milit√§r, der den Demokraten nahesteht, neuer Ministerpr√§sident. Durch den Sturz der Milit√§rregierung wird auch Pr√§sident de Arriaga mitgerissen, er muss am 26. Mai zur√ľcktreten, Te√≥filo Braga wird erneut √úbergangspr√§sident, bis eine neue Pr√§sidentenwahl abgehalten werden kann. Diese findet am 5. Oktober 1915 statt, zum neuen Pr√§sidenten wird Bernardino Machado gew√§hlt. http://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Zusammenfassung_und_Quellen

1. Präsidentschaft Machados, Erster Weltkrieg

Bernardino Machado

Nach dem Sieg der Demokratischen Partei bei den Wahlen des Juni 1915 wird Afonso Costa Ende November erneut Ministerpr√§sident. Er befiehlt im Februar 1916 alle deutschen Handelsschiffe in portugiesischen Gew√§ssern zu beschlagnahmen, daraufhin erkl√§rte das Deutsche Reich dem Land am 9. M√§rz 1916 den Krieg, am 15. M√§rz folgte √Ėsterreich-Ungarn. Portugal trat damit offiziell in den Ersten Weltkrieg ein. Durch den Krieg gezwungen, bildet sich eine Koalitionsregierung, die sog. ‚ÄěRegierung der geheiligten Einheit‚Äú (governo da sagrada uni√£o, nach dem franz√∂sischen Vorbild der Union sacr√©e), in der alle Fl√ľgel der ehemaligen Republikanischen Partei vertreten sind. Ministerpr√§sident wird der Evolutionist Jos√© de Almeida, Afonso Costa wird Finanzminister. Zwar weigert sich Brito Camacho in die Regierung einzutreten, seine Unionisten spalten sich aber und ein Teil, gef√ľhrt von Egas Moniz, unterst√ľtzt die neue Regierung. Anfang 1917 werden die ersten portugiesischen Soldaten an die Westfront geschickt.

Demonstrationen der Bauern gegen die Regierung f√ľhrten im Mai 1917 zu zwei Toten in Porto, am 12. Juni 1917 wird der Ausnahmezustand ausgerufen. In diese Zeit fallen auch die Marienerscheinungen von F√°tima und die republikanisch zentristische Partei wird gegr√ľndet.

Die Soldaten an der Westfront machen mit einem Pamphlet, ‚Äěder Rolle der Unehre‚Äú (Rol de deshonra) auf sich aufmerksam, in dem den demokratischen Politikern Versagen vorgeworfen wird. Am 5. Dezember 1917 kommt es schlie√ülich zu einer Milit√§rrevolte in Lissabon. Hauptmann Sid√≥nio Pais st√ľrzt die Regierung und √ľbernimmt mit einer Milit√§rjunta die Macht. Afonso Costa wird auf der Flucht verhaftet, das Parlament aufgel√∂st, Pr√§sident Machado muss ins franz√∂sische Exil gehen.

Diktatur des Sid√≥nio Pais, ‚ÄěNeue Republik‚Äú

Der Diktator Sidónio Pais fiel 1918 einem Attentat zum Opfer

Pais ruft die ‚ÄěNeue Republik‚Äú aus, einen autorit√§ren Staat mit starkem, vom Volk direkt gew√§hltem Pr√§sidenten. Pais war ein charismatischer und populistischer Politiker, seine Neue Republik hatte stark Z√ľge eines St√§ndestaates und nahm somit gewisserma√üen bereits den Estado Novo und die Salazar-Jahre vorweg.

Im April 1918 l√§sst Pais ein Referendum durchf√ľhren, durch das er zum Pr√§sidenten gew√§hlt wird. Damit ist er der erste Pr√§sident des Landes, der direkt vom Volk gew√§hlt wurde. Im Mai 1918 werden dann Parlamentswahlen durchgef√ľhrt. Die von Pais gegr√ľndete Partei, die Nationalrepublikanische Partei, gewinnt eine √ľberw√§ltigende Mehrheit. Die Monarchisten werden zur zweitst√§rksten Kraft. Die drei republikanischen Parteien (Demokraten, Evolutionalisten und Unionisten) boykottieren allerdings die Wahl. Pais versucht vorsichtig, die antiklerikale Politik der bisherigen Regierungen zu korrigieren, diplomatische Beziehungen zum Vatikan werden wieder hergestellt. Auch Pais kann seine Politik allerdings nicht gegen die Widerst√§nde der Evolutionisten und Monarchisten durchsetzen. Im Oktober kommt es in mehreren St√§dten zu Generalstreiks und Unruhen. Im Norden des Landes √ľbernimmt eine monarchistisch eingestellte Milit√§rjunta unter Hauptmann Paiva Couceiro die Macht. Pais eilt nach Braga, um dort Verhandlungen mit den Monarchisten zu f√ľhren und so einen B√ľrgerkrieg zu verhindern. Als er nach Lissabon zur√ľckkehrt, wird er am 14. Dezember 1918 auf dem Bahnhof Rossio von einem Gewerkschaftsfunktion√§r und ehemaligen Frontk√§mpfer erschossen. Mit dem gewaltsamen Tode Pais‚Äô brach die ‚ÄěNeue Republik‚Äú schnell zusammen.

R√ľckkehr zur Demokratie, Pr√§sidentschaft de Almeida (O Glorioso Satan√°s)

Nach der Ermordung von Sid√≥nio Pais tritt das Parlament zusammen und w√§hlt einen neuen Pr√§sidenten. Da Pais keine Zeit gehabt hat, seinem Land eine neue Verfassung zu geben, findet die Pr√§sidentenwahl wieder nach der alten Verfassung des Jahres 1911 durch das Parlament statt. Nachfolger von Pais wird Admiral Jo√£o do Canto e Castro, ein Milit√§r, der bereits w√§hrend der Monarchie den Posten eines Gouverneurs von Mosambik bekleidet hatte. Do Canto e Castro ist offener Anh√§nger der Monarchisten, trotzdem wird er von der n√∂rdlichen Milit√§rjunta nicht als Staatsoberhaupt anerkannt. Deren F√ľhrer, Paiva Couceiro, proklamiert am 19. Januar 1919 in Porto die Monarchie. Zeitgleich wird die Monarchie auch in Lissabon ausgerufen, im Gegensatz zu der Bewegung in Porto kann der Aufstand der Monarchisten dort aber von der Regierung schnell unterdr√ľckt werden. In Porto k√∂nnen sich die Monarchisten dagegen bis Ende Februar 1919 halten. Es kommt zu von den Gewerkschaften gesteuerten Aufst√§nden und Generalstreiks. Pr√§sident do Canto e Castro erkl√§rt wegen dieser Unruhen seinen R√ľcktritt (Juni 1919), kann aber vom Parlament zun√§chst √ľberzeugt werden, im Amt zu bleiben.

Die Unterzeichnung des Versailler Vertrages (28. Juni 1919) wird f√ľr Portugal zu einer gro√üen Entt√§uschung. Obwohl das Land auf Seiten der Siegerm√§chte mitgek√§mpft hatte, kann es aus dem Frieden keine Vorteile ziehen, insbesondere nicht seine afrikanischen Besitzungen auf Kosten der ehemaligen deutschen Kolonien vergr√∂√üern. Das benachbarte Spanien, das im Krieg neutral geblieben war, konnte dagegen aus dem Friedensvertrag einige Vorteile verbuchen. Dies f√ľhrte zu Verbitterung und weiteren Protesten, auch gegen die Demokratische Partei, da deren F√ľhrer Afonso Costa der Leiter der portugiesischen Delegation bei den Versailler Verhandlungen ist.

Im September wird ein neuer Gewerkschaftsverband, die Allgemeine Gewerkschaftsf√∂deration (CGT ‚Äď Confedera√ß√£o Geral do Trabalho) gegr√ľndet, mit zum Teil anarchischen Tendenzen, die bald gro√üe Macht im Staat erobern kann. Die Kommunistische Partei gr√ľndet sich (PCP ‚Äď Partido Comunista Portugu√™s) und gibt ihre eigene Zeitung, die ‚ÄěRote Fahne‚Äú (A Bandeira Vermelha) heraus. Evolutionisten und Unionisten vereinigen sich zur Republikanischen Liberalen Partei.

Im Oktober 1919 tritt do Canto e Castro dann schlie√ülich doch zur√ľck, Ant√≥nio Jos√© de Almeida, der w√§hrend des Ersten Weltkrieges die ‚ÄěRegierung der geheiligten Einheit‚Äú gef√ľhrt hatte, wird zu seinem Nachfolger gew√§hlt. Er sollte der einzige Pr√§sident der ersten Republik sein, dem es gelingt, eine volle Amtsperiode zu beenden.

Die sogenannten Integristen, also die Anh√§nger der Monarchie, versuchen vergeblich, sich als Partei zu konstitutionalisieren. Ein Teil der Integristen wendet sich entt√§uscht von dem im Exil weilenden K√∂nig Emanuel II. ab, da dieser ihrer Meinung nach die monarchistische Junta in Porto nicht gen√ľgend unterst√ľtzt hatte. So kommt es zu einer Spaltung innerhalb der integristischen Bewegung und dadurch zu einer Schw√§chung der Monarchisten.

Die Republik versinkt derweilen im politischen Chaos. W√§hrend der vier Jahre der Pr√§sidentschaft de Almeida sieht das Land 17 verschiedene Regierungen mit 14 verschiedenen Ministerpr√§sidenten, darunter 1921 auch kurzzeitig Expr√§sident Machado, der nach der Ermordung des Sid√≥nio Pais aus dem Exil zur√ľckgekehrt war (2. bis 21. M√§rz). Ein Aufstand der Republikanischen Nationalgarde beendet die kurze Regierung Machado.

Am 19. Oktober 1921 erreicht die Anarchie neue Ausma√üe, als Truppen der Republikanischen Nationalgarde und Marineeinheiten sich in Lissabon zusammenrotten, um die Regierung des Ministerpr√§sidenten Ant√≥nio Granjo zu st√ľrzen. Anlass waren Pl√§ne Granjos, einen seiner Vorg√§nger, den Hauptmann Liberato Pinto, der die Unterst√ľtzung der Nationalgarde genoss, wegen Korruption gerichtlich zu verfolgen. Der Aufstand f√ľhrte zu einer Welle von Anarchie und Gewalt in der Hauptstadt, bewaffnete Banden brachen in die H√§user vieler f√ľhrender Politiker ein. Ministerpr√§sident Granjo wurde ermordet. Diese Ereignisse gingen als ‚ÄěLissabonner Blutnacht‚Äú (A Noite Sangrenta) in die portugiesische Geschichte ein.

1923 endet die Amtszeit des Präsidenten de Almeida, Manuel Teixeira Gomes wird zu seinem Nachfolger gewählt.

Teixeira Gomes

Die Präsidentschaftswahlen von 1923 zeigten ein uneiniges Parlament, Teixeira Gomes wurde erst im dritten Wahlgang gewählt, sein wichtigster Gegenkandidat war Expräsident Machado.

Auch die zwei Jahre der Präsidentschaft Teixeira Gomes waren von Instabilität gekennzeichnet. Sieben Regierungen wechselten sich während seiner Präsidentschaft ab. Besonders seit dem Fall der Regierung Alfredo Rodrigues Gaspar am 22. November 1924 befand sich die erste Republik in einer Dauerkrise, aus der sie sich bis zu ihrem Ende nicht mehr befreien sollte. Im April 1925 versuchten Teile der Armee unter Sinel de Cordes zu putschen, der Putschversuch konnte aber noch einmal von Seiten der Regierung bekämpft werden.

Pr√§sident Teixeira f√ľhlt, dass die Republikaner von Tag zu Tag schw√§cher wurden, gleichzeitig wurden die Meinungsverschiedenheiten im republikanischen Lager jeden Tag gr√∂√üer. Da die Verfassung dem Pr√§sidenten nicht die Machtmittel gab, sich gegen diese Entwicklung zu stellen, resigniert er schlie√ülich und tritt am 11. Dezember 1925 zur√ľck. Einige Tage nach seinem R√ľcktritt verl√§sst er Portugal, er sollte das Land bis zu seinem Tode 1941 nicht mehr betreten.

Zweite Präsidentschaft Machados, Ende der Republik

Nach dem R√ľcktritt Teixeiras wird Bernardino Machado zum zweiten Mal zum Pr√§sidenten der Republik gew√§hlt. Er kann die Republik jedoch nicht mehr retten. Die Parteienlandschaft zersplittert immer weiter: Jos√© Domingos dos Santos verl√§sst mit seinen Anh√§ngern die Demokratische Partei und gr√ľndet die Republikanische Partei der Demokratischen Linken. Auch auf der rechten Seite des Parteinspektrums kommt es zu weiteren Br√ľchen. Die Nationalistische Partei schlie√üt Cunha Leal aus, der die Liberalrepublikanische Union gr√ľndet.

Der letzte Akt der Republik beginnt am 28. Mai 1926. An diesem Tag spricht sich General Gomes da Costa bei einem Truppenbesuch in Braga gegen die Republik aus, das Fanal zum Aufstand. Milit√§reinheiten im ganzen Land unterst√ľtzen den General. General Gama Och√īa und General Fragoso Carmona schlie√üen sich dem Aufstand an, die St√§dte Mafra und √Čvora, in denen die beiden Gener√§le stationiert sind, sagen sich so von der Regierung los. Nur in Lissabon und Porto gab es noch Truppen, die die Regierung unterst√ľtzten. In Porto wurden die Truppen von General Sousa Dias befehligt, der auf Seiten der Republikanischen Regierung stand, seine Unteroffiziere machten dem General aber schnell deutlich, dass auch sie den Putsch von Gomes da Costa unterst√ľtzten, so dass er auf seine Truppen beim Versuch, den Putsch niederzuschlagen, nicht z√§hlen konnte. Die Regierung versucht, loyale Truppen in den Norden des Landes zu verlegen und scheitert damit, da streikende Bahnarbeiter den Truppentransport verhindern. Zwei Tage sp√§ter ist die Republik am Ende. Pr√§sident Machado l√∂st das Parlament auf und √ľbergibt die Regierungsgewalt an Hauptmann Mendes Cabe√ßadas, in der Hoffnung, dieser w√ľrde es noch einmal schaffen, die Republik zu retten. Am 31. Mai 1926 tritt Machado schlie√ülich zur√ľck, ernennt Mendes Cabe√ßadas zu seinem Nachfolger und verl√§sst fluchtartig das Land.

Mendes Cabe√ßadas trifft sich in Coimbra mit Gomes da Costa. Als Ergebnis dieses Treffens wird eine Milit√§rjunta gegr√ľndet, der Mendes Cabe√ßadas, Gomes da Costa und General Och√īa angeh√∂ren. Mendes Cabe√ßada wird Staatsoberhaupt und Regierungschef, die wirkliche Macht liegt aber bei Gomes da Costa, der als Kriegsminister de facto Oberbefehlshaber der Armee wird. In die neue Regierung Mendes Cabe√ßadas wird auch zum ersten Mal der katholische Wirtschaftswissenschaftler Ant√≥nio de Oliveira Salazar zum Finanzminister berufen, der sp√§ter eine herausragende Rolle spielen sollte.

Die neue Milit√§rjunta, in der mit Mendes Cabe√ßada ein Anh√§nger der Republik und mit Gomes da Costa ein Gegner derselben vereinigt ist, h√§lt nur eine Woche. Am 6. Juni 1926 marschiert General Gomes da Costa mit seinen Truppen in Lissabon ein. Mendes Cabe√ßada weigert sich, die Lissabonner Bev√∂lkerung zu bewaffnen, da er ein Blutbad und die Zerst√∂rung gro√üer Teile der Stadt bef√ľrchtet. So hat das republikanische Lager den Truppen von Gomes da Costa nichts entgegenzusetzen. Am 17. Juni 1926 l√∂st Gomes da Costa die Milit√§rjunta auf, setzt Mendes Cabe√ßada als Pr√§sidenten und Premierminister ab und √ľbernimmt selbst beide Posten. Zwei Tage sp√§ter geht Mendes Cabe√ßada ins Exil. Salazar geh√∂rt der neuen Regierung nicht mehr an und zieht sich nach Coimbra zur√ľck. Die Verfassung wird jetzt auch offiziell suspendiert, die Kommunistische Partei verboten.

Damit war die erste portugiesische Republik beendet. Es folgte eine Milit√§rdiktatur, die graduell in einen autorit√§ren, von einigen Historikern auch faschistisch genannten St√§ndestaat, den Estado Novo, m√ľndete. Erst 1974 (vgl. Nelkenrevolution) sollte Portugal zur Demokratie zur√ľckkehren.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Erste Portugiesische Republik ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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