Erster Weltkrieg

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Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg wurde von 1914 bis 1918 in Europa, dem Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Weltmeeren gefĂŒhrt und forderte rund 17 Millionen Menschenleben.[1] AnnĂ€hernd 70 Millionen Menschen standen unter Waffen, etwa 40 Staaten waren am Krieg direkt oder indirekt beteiligt.[2]

Erster Weltkrieg – beteiligte Staaten
  • ï»żEntente und Alliierte
  • ï»żMittelmĂ€chte
  • ï»żNeutrale

Nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 richtete Österreich-Ungarn in der sogenannten Julikrise am 23. Juli ein Ultimatum an Serbien, was letztendlich den Weltkrieg auslöste.

Vorausgegangen war eine Zuspitzung der Spannungen auf der Balkanhalbinsel seit der Annexion Bosniens durch Österreich-Ungarn (1908) und den Balkankriegen (1912/13). Der Anschlag auf den Thronfolger war geplant und durchgefĂŒhrt von der Studentenorganisation Mlada Bosna, die gegen die österreichische Besatzung und fĂŒr einen unabhĂ€ngigen sĂŒdslawischen Staat eintrat. Als UnterstĂŒtzer im Hintergrund wurden Mitglieder der verschworenen serbischen Geheimloge „Schwarze Hand“ vermutet. Die österreich-ungarischen Spitzenpolitiker und -militĂ€rs erwogen, wie man Serbien „bestrafen“ könne. Die so genannte „Kriegspartei“, eine Militaristenlobby mit k.u.k. Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf, war in den vorangegangenen Jahren schon mehrfach fĂŒr einen Krieg gegen Serbien eingetreten. Mehr als drei Wochen nach dem Attentat wurde Kaiser Franz-Josef davon ĂŒberzeugt, dass man Serbien unterwerfen mĂŒsse. Kaiser Wilhelm II. hatte Österreich-Ungarn UnterstĂŒtzung versprochen und auf ein rasches Losschlagen gedrĂ€ngt.[3]

In dem fĂŒr Serbien unannehmbaren Ultimatum verlangte die österreichisch-ungarische daher von der serbischen Regierung, eine gerichtliche Untersuchung gegen die Teilnehmer des Komplotts vom 28. Juni einzuleiten. Als unannehmbar wurde vor allem die Forderung angesehen, von der k.u.k. Regierung delegierte Organe an den Ermittlungen teilnehmen zu lassen. Die serbische Regierung lehnte dies als BeeintrĂ€chtigung ihrer SouverĂ€nitĂ€t ab, akzeptierte aber alle anderen harten Forderungen des Ultimatums. Dennoch erklĂ€rte nun Außenminister Leopold Berchtold Serbien den Krieg.

Daraus entwickelte sich zunĂ€chst ein Lokalkrieg zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Serbien. Durch die gegenseitigen BĂŒndnisverpflichtungen und die deutschen militĂ€rischen Planungen (Schlieffen-Plan) eskalierte der Lokalkrieg innerhalb weniger Tage zum Kontinentalkrieg unter Beteiligung von Frankreich und Russland. Die politischen Konsequenzen des Schlieffen-Plans fĂŒhrten zudem zum Kriegseintritt von Großbritannien und seiner Dominions, somit zum Weltkrieg zwischen den MittelmĂ€chten und der Entente.

Die deutschen StreitkrĂ€fte sollten gemĂ€ĂŸ dem Konzept des Schlieffenplans die französischen Armeen möglichst schnell schlagen, um sich dann gegen Russland wenden zu können. Unter Umgehung des französischen FestungsgĂŒrtels zwischen Verdun und Belfort griffen deutsche Truppen Frankreich von Nordosten an und verletzten dabei die NeutralitĂ€t von Belgien und Luxemburg, was zum Kriegseintritt Englands fĂŒhrte. Der deutsche Vormarsch kam im September an der Marne zum Erliegen, zwischen November 1914 und MĂ€rz 1918 erstarrten die Fronten im Westen und am Isonzo. Im Osten konnte Russland bis 1917 nicht vollstĂ€ndig geschlagen werden. Dadurch war Deutschland im Zweifrontenkrieg, der durch den Schlieffen-Plan verhindert werden sollte.

Kennzeichnend wurden der Stellungs- und Grabenkrieg sowie Materialschlachten mit hohen Verlusten bei zumeist nur geringfĂŒgigen GelĂ€ndegewinnen, so etwa die Schlacht um Verdun, die Schlacht an der Somme, die 12 Isonzoschlachten und die vier Flandernschlachten.

Im weiteren Verlauf traten zahlreiche weitere Staaten in den Krieg ein, so auf Seiten der MittelmÀchte das Osmanische Reich sowie Bulgarien, auf Seiten der Entente u.a. Japan, Italien, Portugal, RumÀnien, Griechenland und die USA.

Die Oktoberrevolution fĂŒhrte zum Ausscheiden Russlands im Friedensvertrag von Brest-Litowsk, der die letztendlich erfolglose Deutsche FrĂŒhjahrsoffensive 1918 ermöglichte. Die VersorgungsmĂ€ngel durch die britische Seeblockade, der Zusammenbruch der VerbĂŒndeten und die Entwicklung an der Westfront wĂ€hrend der alliierten Hunderttageoffensive fĂŒhrten zur EinschĂ€tzung der deutschen MilitĂ€rfĂŒhrung, dass die deutsche Front kurz vor dem Zusammenbruch stehe. Am 29. September 1918 informierte die Oberste Heeresleitung den Kaiser und die Regierung ĂŒber die aussichtslose militĂ€rische Lage des Heeres, Erich Ludendorff forderte ultimativ die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen. Am 4./5. Oktober 1918 ersuchte Reichskanzler Max von Baden die Alliierten um einen Waffenstillstand. Im Gegensatz zu den Truppen an der Westfront war die Hochseeflotte materiell praktisch intakt, zudem lag trotz der Oktoberreformen die Befehlsgewalt noch beim Kaiser. So kam es zum Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918: Die Hochseeflotte sollte die bisher vermiedene Entscheidungsschlacht mit der Grand Fleet suchen. Die Reichsregierung wurde von dem Plan bewusst nicht unterrichtet, der „Rebellion der AdmirĂ€le“ folgte jedoch, „binnenlogisch konsequent“, die „Revolution der Matrosen“.[4] In der Nacht vom 29. zum 30. Oktober kam es zu ersten Befehlsverweigerungen einiger Schiffsbesatzungen, woraufhin die Marineleitung ihren Plan der Entscheidungsschlacht fallen ließ. Dennoch entwickelte sich aus der Meuterei der Kieler Matrosenaufstand, der die Novemberrevolution initiierte und den Waffenstillstand vom 11. November zur Folge hatte.

Österreichische Kundmachung vom 1. August 1914 ĂŒber die Mobilisierung
Französische Generalmobilmachung ab Sonntag 2. August 1914
Bayerische Truppen verlassen am 7. und 8. August 1914 „unter nicht endend wollenden Hurra- und AbschiedsgrĂŒĂŸen“[5] den Bahnhof von FĂŒrth (deutsche Postkarte).
Eine britische 60-Pfund-Kanone am Kap Helles, Gallipoli (1915)
Britische Soldaten der Royal Irish Rifles in einem SchĂŒtzengraben, Herbst 1916
Der Chateauwald bei Ypern besteht nach den intensiven Artilleriebombardements nur noch aus BaumstĂŒmpfen (1917)
Novemberrevolution: Ausgabe des VorwÀrts vom 9. November 1918

Inhaltsverzeichnis


Manche Nachbetrachter sehen die Kriegsbegeisterung, die anfangs auch bei den Intellektuellen vieler LĂ€ndern vorherrschte, letztlich als Resultat der im Europa des frĂŒhen 20. Jahrhunderts weit verbreiteten Ansicht, der Krieg könne die aufkeimenden nationalen und sozialen Konflikte sowie die gegensĂ€tzlichen Machtinteressen der verschiedenen HerrscherhĂ€user und ihrer Reiche lösen. Der Verlauf des Ersten Weltkrieges dokumentiert zudem die UnfĂ€higkeit der europĂ€ischen FĂŒhrungsschichten, militĂ€rische Neuerungen und soziale Spannungen entsprechend zu erkennen oder zu akzeptieren (vergleiche auch Kriegsschulddebatte).

Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, der mit massivem Materialeinsatz (Artillerie, Flugzeuge, Luftschiffe) und mit Massenvernichtungswaffen (Giftgas) gefĂŒhrt wurde. Da es weder die Waffentechnik noch die taktischen und strategischen Voraussetzungen fĂŒr einen Bewegungskrieg gab, entwickelte sich bald an fast allen Fronten ein zermĂŒrbender Stellungskrieg. Auf den Schlachtfeldern vor Verdun, an der Somme, in Flandern, den Karpaten und am Isonzo fielen auf beiden Seiten Millionen Soldaten, ohne dass sich die militĂ€rische Lage kriegsentscheidend Ă€nderte.

Im Ersten Weltkrieg, der insbesondere in Großbritannien und Frankreich als der Große Krieg bezeichnet wurde und wird, entluden sich die machtpolitischen GegensĂ€tze der europĂ€ischen GroßmĂ€chte, die zu einer enormen AufrĂŒstung gefĂŒhrt hatten. Zum Ende des Krieges befanden sich 34 Staaten und deren Kolonien, in denen insgesamt 1,35 Milliarden Menschen lebten, also etwa drei Viertel der damaligen Erdbevölkerung, im Kriegszustand. Aufgrund der Verwerfungen, die der Erste Weltkrieg weltweit auslöste, und der Folgen, die noch heute spĂŒrbar sind, gilt er bei vielen Historikern als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“.[6]

Die politischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen fĂŒr den Aufstieg des Nationalsozialismus, die MachtĂŒbernahme Hitlers im Deutschen Reich und damit letztendlich fĂŒr den Zweiten Weltkrieg wurden im und durch den Ersten Weltkrieg geschaffen und werden nicht zuletzt auf die Folgen des Vertrages von Versailles zurĂŒckgefĂŒhrt.

Ausgangssituation

Mittel- und Osteuropa

An der Schwelle des 20. Jahrhunderts gab es in Mittel- und Osteuropa wesentlich weniger Staaten als heute. Das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und Russland teilten das Gebiet im Wesentlichen untereinander auf.

Im SĂŒdosten Europas lag das ebenfalls Großmachtpolitik treibende Osmanische Reich. Kleinere Staaten gab es nur auf dem Balkan, der in den Jahrzehnten zuvor wegen der UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen der dortigen Völker und dem Aneinandergrenzen der expansiven europĂ€ischen MĂ€chte mit dem Osmanischen Reich ein stĂ€ndiger Unruheherd mit zwei Balkankriegen gewesen war. Im Deutschen Reich, in Russland und in Österreich-Ungarn, die monarchisch regiert wurden und nur mehr oder weniger machtlose Parlamente hatten, gab es ethnische Gruppen, die nach nationaler UnabhĂ€ngigkeit strebten, da ihren AutonomiewĂŒnschen in den drei Kaiserreichen kaum Rechnung getragen wurde.

Im 19. Jahrhundert waren unter anderem in Ungarn und Polen entsprechende nationalistische AufstĂ€nde unterdrĂŒckt worden. Besonders im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn „brodelte“ es erheblich zwischen den verschiedenen Volksgruppen. Zudem stand die österreichisch-ungarische Monarchie in krassem Gegensatz zum russischen Zarenreich, das sich als Sprecher der slawischen Völker unter „Wiener Herrschaft“ sah, den Panslawismus förderte und als Schutzmacht des (unabhĂ€ngigen) Königreichs Serbien auftrat. Das VerhĂ€ltnis Österreich-Ungarns zu beiden Staaten war erst wenige Jahre zuvor, 1908, im Zuge der Bosnischen Annexionskrise erheblichen Belastungen ausgesetzt gewesen, die bereits damals leicht in einen Krieg hĂ€tten mĂŒnden können.

Aber auch die deutsche Bevölkerung im Deutschen Reich und in Cisleithanien versuchte, ihre Dominanz ĂŒber die anderen NationalitĂ€ten ihres Staates zu behaupten.

Westeuropa

Die westeuropĂ€ischen Staaten hatten weite Teile der Welt unter sich in Kolonien aufgeteilt (siehe Kolonialismus). Großbritannien, das ĂŒber besonders viele Kolonien in Afrika und Asien verfĂŒgte, war die fĂŒhrende Seemacht, die sich seit Beginn des Jahrhunderts durch das reichsdeutsche Flottenbauprogramm herausgefordert fĂŒhlte. Letzteres fĂŒhrte aus Sicht einiger Historiker zum Anwachsen der Spannungen im letzten Vorkriegsjahrzehnt. Generell verfolgte Großbritannien auf dem Kontinent eine Gleichgewichtspolitik: Man ging davon aus, dass das British Empire am mĂ€chtigsten sein wĂŒrde, wenn auf dem Kontinent nicht eine Machtgruppe die andere beherrschte.

Blockstrukturen

Das europĂ€ische BĂŒndnissystem um 1900 und 1910

In Europa hatten sich zwei Blöcke herausgebildet. Auf der einen Seite die MittelmĂ€chte: Deutsches Reich und Österreich-Ungarn, verbĂŒndet mit dem Königreich Italien, das sich zunĂ€chst aus dem Krieg heraushalten wollte, weil es nur ein DefensivbĂŒndnis geschlossen habe, und dem Osmanischen Reich. Letzteres war mit Deutschland durch Deutsche MilitĂ€rmissionen im Osmanischen Reich strategisch verbunden. Auf der anderen Seite stand der russisch-französische Zweiverband, der mit Großbritannien zur Triple-Entente verbunden war.

Alle drei Staaten der Entente waren mit dem Deutschen Reich in Konflikt geraten. Die Seemacht Großbritannien fĂŒhlte sich vom Aufbau einer deutschen Kriegsflotte herausgefordert (deutsche „Platz an der Sonne“-Politik). In Frankreich verspĂŒrten die französischen Nationalisten noch immer RachegelĂŒste wegen ihrer Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Die Beziehungen Russlands zum Deutschen Reich hatten sich seit dem Berliner Kongress verschlechtert, bei dem sich das Zarenreich um seine GebietsansprĂŒche aus dem zuvor gewonnenen Krieg am Balkan 1877/78 gegen das Osmanische Reich durch Bismarck geprellt fĂŒhlte. Der 1887 zwischen dem Deutschen Reich und Russland abgeschlossene RĂŒckversicherungsvertrag wurde 1890 vom neuen Deutschen Kaiser Wilhelm II. nicht erneuert.

Damit fĂŒhrte das Deutsche Reich zwei „kalte Kriege“, „einen Weltkonflikt mit England [
] und einen europĂ€ischen Konflikt mit Frankreich und Russland um die kontinentale Vorherrschaft.“[7]

MilitÀrische Ausgangslage

Die offizielle BĂŒndnissituation vor Ausbruch des Krieges
Die tatsÀchliche Kriegskonstellation in den Vorkriegsgrenzen

Die Entente war bei Beginn des Krieges in einer besseren Ausgangslage als die MittelmĂ€chte. Sie verfĂŒgte ĂŒber mehr Soldaten (auch aus ihren Kolonien), grĂ¶ĂŸere Rohstoffreserven und hatte grĂ¶ĂŸere Reserven an Kriegsmaterial. Auch an Waffentypen, insbesondere schwerer Artillerie, mangelte es den westlichen Alliierten nicht. Aufgrund von mangelnder Organisation konnte die Entente ihre personelle und materielle Überlegenheit zu Beginn des Krieges jedoch nicht entfalten.

In den Jahren vor 1914 lagen die MilitĂ€rbudgets von Deutschland, Frankreich, Russland und Großbritannien nicht weit auseinander. Das Deutsche Reich hatte Frankreich nach 1900, als Resultat des Flottenwettlaufs mit Großbritannien, ĂŒberholt. 1913 wandte Deutschland 3,9 % seines Nettosozialprodukts fĂŒr die Verteidigung auf, Frankreich 4,8 %, Russland und Italien 5,1 %, Großbritannien 3,2 % und Österreich-Ungarn 2,0 %.[8]

Matthias Erzberger veröffentlichte[9] noch 1914 einen Vergleich der RĂŒstungsausgaben von acht GroßmĂ€chten in den Jahren 1904 bis 1914. Im Jahre 1913 betrugen demnach die Ausgaben, umgerechnet in Mark:

Staat bzw. BĂŒndnis Bevölkerung
(Mio).
fĂŒr Armee
(Mio. M)
pro Kopf
(M)
fĂŒr Marine
(Mio. M)
pro Kopf
(M)
Gesamt
(Mio. M)
pro Kopf
(M)
Gesamt
(Mio. ÂŁ)[10]
Deutsches Reich 67,5 1009 14,9 467 6,9 1476 21,9 93,4
Österreich-Ungarn 52,7 496 9,4 155 3 651 12,4 25,0[11]
MittelmĂ€chte (D+Ö) 120,2 1505 12,5 622 5,2 2127 17,7 118,4
Italien 35,1 332 9,5 205 5,9 537 15,3 39,6
Russland 157,8 1254 8 498 3,2 1752 11,1 101,7
Frankreich 39,7 766 19,3 412 10,4 1178 29,7 72,0
Vereinigtes Königreich 46 576 12,5 945 20,5 1521 33,1 72,5
Entente (R+F+UK) 243,5 2596 10,7 1855 7,6 4451 18,3 246,2
Vereinigte Staaten von Amerika 96,8 422 4,4 595 6,1 1017 10,5
Japan 54,3 207 3,8 203 3,7 410 7,6
Eisenbahn als militĂ€rische SchlĂŒsseltechnik: Deutscher Truppentransport 1914

Wie die Tabelle zeigt, hatten die verbĂŒndeten MittelmĂ€chte, insbesondere Österreich-Ungarn, vergleichsweise kaum finanzielle Belastungen fĂŒr ihre Armeen in den vorhergehenden Jahren in Kauf genommen und waren auf einen europĂ€ischen Krieg entsprechend schlecht vorbereitet. Der Organisationsgrad der deutschen Armee sowie Bewaffnung und Kampfmoral waren teilweise allerdings besser und ausgeprĂ€gter als bei der Entente. Die fĂŒr den Transport der Truppen und den Nachschub erforderliche Logistik war vorhanden und wurde zudem durch ein gut funktionierendes Eisenbahnnetz unterstĂŒtzt.

Eine weitere militĂ€rische Ausgangsposition von ganz anderer QualitĂ€t, die von den fĂŒhrenden MilitĂ€rs beider Seiten lange nicht verstanden wurde, basierte auf der Entwicklung des Maschinengewehrs, das um 1861 erfunden worden war und mittlerweile in alle Heere Einzug gehalten hatte. Maschinengewehre erhöhen auf einem Schlachtfeld die Möglichkeiten der verteidigenden Seite und erschweren somit Angriffsschlachten und -kriege. Ihr Einsatz kann daher die Überlegenheit einer Seite kompensieren, indem ein vernichtender Angriffsfeldzug unmöglich wird. Die lang andauernde mangelnde Einsicht in diese grundlegende Änderung der strategischen Situation war eine bedeutsame Ursache fĂŒr die enormen Verluste, die auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges zu verzeichnen waren. Andere Neuerungen waren der Stacheldraht, elektrische Scheinwerfer zur Gefechtsfeldbeleuchtung und das eher unbewegliche Telefon zur GefechtsfĂŒhrung. Alle diese Entwicklungen waren wie der Grabenkrieg im kurz zurĂŒckliegenden Russisch-Japanischen Krieg 1904/1905 eingesetzt worden, ohne dass sie von den europĂ€ischen GeneralstĂ€ben ausreichend beachtet wurden.

Insgesamt war keiner der Blöcke auf einen langen Krieg eingestellt, beispielsweise war Winterbekleidung fĂŒr die Soldaten nicht vorgesehen. Die FĂŒhrungen gingen von einem kurzen Krieg aus, der noch 1914 erfolgreich beendet werden sollte.

Im Gegensatz zu den Heeren in Frankreich und Deutschland war die britische Armee bis dahin keine Massenarmee und es existierte auch keine Wehrpflicht. Es gab lediglich neun regulÀre Divisionen. Die britischen Regimenter wurden in einem Rotationssystem in der Heimat oder in den Kolonien eingesetzt. Die Hauptteilstreitkraft war bis dahin die Royal Navy.

Kriegsziele

→ Hauptartikel: Kriegsziele im Ersten Weltkrieg

Deutsches Reich

Deutsche Kriegsziele im Westen
Deutsche Kriegsziele im Osten

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges ĂŒberwog im Kaiserreich noch die Auffassung, der Krieg habe bloßen Verteidigungscharakter. Ausgelöst durch die raschen Erfolge der Armee im Westfeldzug wurden bald zum Teil „fantastische“ Eingliederungsprojekte formuliert.[12] Dabei trat das ĂŒberwiegend kommerziell dominierte Vorkriegsziel der deutschen Außenpolitik, nĂ€mlich die koloniale Expansion des Deutschen Reiches in Übersee und Vorderasien, zugunsten einer allgemeinen Machterweiterung in Europa zurĂŒck, denn durch die „Mittellage“ in Europa fĂŒhlte sich das Deutsche Reich bedroht. Durch Annexionen in Ost und West in zum Teil extremer GrĂ¶ĂŸenordnung wollte man die gefĂ€hrdete Hegemonialstellung des Deutschen Reiches auf dem europĂ€ischen Festland fĂŒr alle Zukunft sichern.[13]

Reichskanzler Bethmann Hollweg hatte am 9. September 1914 in seinem „Septemberprogramm“ die Kriegsziele festgelegt. Deutschland wollte seine seit der Reichseinigung stark gewachsene Machtstellung sichern und seine AnsprĂŒche auf eine Weltpolitik geltend machen. Kriegsziele waren im Einzelnen:

  1. Abtretung des Erzbeckens von Briey sowie die wirtschaftliche AbhÀngigkeit Frankreichs von Deutschland.
  2. MilitĂ€risch-politische und wirtschaftliche Kontrolle Belgiens durch Annexion von LĂŒttich und Antwerpen sowie der flandrischen KĂŒste.
  3. Luxemburg wird deutscher Bundesstaat.
  4. Eine wirtschaftliche Einheit Mitteleuropas unter deutscher FĂŒhrung.
  5. VergrĂ¶ĂŸerung des Kolonialbesitzes in Afrika (→Deutsch-Mittelafrika).
  6. Holland sollte in ein engeres VerhÀltnis zum Deutschen Reich gebracht werden.[14]

Nachdem in der Euphorie der ersten Kriegswochen viele, meist unrealistische Kriegsziele aufgestellt worden waren, verbot Bethmann Hollweg Ende 1914 aus RĂŒcksicht auf das neutrale Ausland und die deutsche Arbeiterschaft die öffentliche Kriegszieldebatte. Diese BeschrĂ€nkung wirkte allerdings nur in sehr geringem Maße und wurde auf Betreiben der 3. Obersten Heeresleitung, auch wegen der psychologischen Mobilisierung der kriegsmĂŒden Bevölkerung, aufgehoben.[15]

Das HerzstĂŒck der deutschen Kriegszielpolitik im Westen war Belgien. Seit dem Septemberprogramm rĂŒckte keiner der politisch Verantwortlichen von der Forderung nach Beherrschung Belgiens als Vasallenstaat neben möglichst großen direkten Annexionen ab.[16] Zweites zentrales Kriegsziel war die mehr oder weniger direkte Beherrschung Polens, neben der Annexion eines je nach Herkunft des Konzeptes unterschiedlich breiten Grenzstreifens.

Im Rahmen der Randstaatenpolitik Deutschlands – der ZurĂŒckdrĂ€ngung Russlands und der Schaffung einer Zone von Pufferstaaten, von Finnland bis zur Ukraine â€“ lag der Schwerpunkt deutschen Expansionsstrebens im Osten vor allem im Baltikum. Gebietserweiterungen in Kurland und Litauen wurden von Vertretern aller weltanschaulichen Richtungen in fast allen FĂ€llen verlangt.[17]

Die annexionistische Propaganda erfasste nicht alle Bevölkerungskreise, sondern hauptsÀchlich industrielle und intellektuelle Schichten. In der zweiten HÀlfte des Krieges war die sozialdemokratische Parole eines Friedens ohne Annexionen, vor allem unter den Soldaten, sehr populÀr.

Die Ostfront zwischen dem Waffenstillstand und beim Friedensschluss von Brest-Litowsk

Der Vorfrieden von Brest-Litowsk am 3. MĂ€rz 1918 mit Sowjetrussland sah vor, dass Polen, Litauen, Estland und Kurland aus Russland ausschieden und auch die Ukraine und Finnland unabhĂ€ngig wurden.[18]

Einen Höhepunkt der deutschen KriegszielplĂ€ne, mit ausgedehnten Annexionsgebieten und EinflusssphĂ€ren im Osten und SĂŒdosten, bildete das Jahr 1918, zwischen dem Frieden mit Sowjetrussland und der Niederlage der MittelmĂ€chte. WĂ€hrend den Verhandlungen zu den ZusĂ€tzen des Brest-Litowsker Friedensvertrags vom Sommer 1918 versuchte insbesondere Ludendorff weite Gebiete im Osten als deutsche EinflusssphĂ€re zu sichern. Dies geschah teilweise gegen den Willen, teilweise mit Duldung der Reichsleitung.[19] Die russischen „Randstaaten“ von Finnland bis Georgien wurden schließlich nicht direkt annektiert, befanden sich aber in enger wirtschaftlicher und militĂ€rischer AbhĂ€ngigkeit vom Deutschen Reich.

Deutschland hatte im Gegensatz zu den anderen kriegfĂŒhrenden Staaten kein natĂŒrliches Kriegsziel, was eine Suche nach Zielen kĂŒnstlichen Charakters nach sich zog. Das Fehlen greifbarer nationaler Ziele fĂŒhrte zu einer Konzentration auf reine Machtexpansion.[20]

Österreich-Ungarn

Österreich-Ungarn nahm fĂŒr sich in Anspruch, um seine Interessen auf dem Balkan und um seine Existenz schlechthin zu kĂ€mpfen, die es insbesondere durch Russland bedroht sah. Österreich-Ungarn strebte nicht nur die Eingliederung Serbiens, sondern auch Montenegros und RumĂ€niens oder statt letzterem Russisch-Polens an. Entgegen den nationalistischen Tendenzen der damaligen Zeit hielt Österreich-Ungarn an der universalen Idee vom Kaisertum und somit am Vielvölkerstaat fest.

In den ersten Kriegswochen erlaubten sich die österreichischen StaatsmĂ€nner in ihren Vorstellungen genaue territoriale Ziele. Einige Wochen spĂ€ter verdrĂ€ngte jedoch das Überlebensmotiv geplante Erwerbungen.[21]

Auch die herrschenden Kreise der Monarchie wollten erobern und mussten nicht von Ă€ußeren KrĂ€ften zur Eroberung animiert werden. Aber die Hauptbestrebungen, das offizielle Kriegsziel der Österreichisch-Ungarischen Monarchie bildeten die Aufrechterhaltung ihres Bestandes, das heißt ihre IntegritĂ€t.[22] Inoffiziell versuchte die Donaumonarchie allerdings ihre Stellung als Großmacht durch Einflussnahme beziehungsweise Annexionen in Serbien, Montenegro, Albanien, RumĂ€nien, Polen und der Ukraine zu stĂ€rken.[23] Dennoch war in der Praxis durch das prekĂ€re Gleichgewicht des Habsburgerreiches der Erwerb slawischer oder rumĂ€nischer Gebiete nicht oder nur in beschrĂ€nktem Umfange möglich, ohne die Vorrangstellung der Deutschen und Ungarn im Staatsverband zu schwĂ€chen.

Frankreich

Vorstellungen der extremistischen Action française von einer Nachkriegsordnung (1915/16)

Frankreich wollte nach Kriegsbeginn Revanche fĂŒr die von den Franzosen als schmerzhaft empfundene Niederlage von 1871 nehmen und Elsass-Lothringen zurĂŒckerobern. Es wollte darĂŒber hinaus die durch den Deutsch-Französischen Krieg eingeleitete Vormachtstellung des Deutschen Reiches auf dem europĂ€ischen Festland beseitigen.

Das wichtigste Kriegsziel der Nation tauchte bereits in den ersten Kriegstagen auf: die RĂŒckgewinnung Elsass-Lothringens. Diese Forderung blieb vom Anfang bis zum Ende des Krieges ein unverrĂŒckbares Kriegsziel.[24] Als nach dem Sieg an der Marne beschlossen wurde, den Krieg bis zum Ende der „Hegemonie des preußischen Militarismus“ fortzufĂŒhren, traten bald auch weitere Ziele an die Öffentlichkeit, vom Saarbecken ĂŒber linksrheinische Gebiete bis hin zur Infragestellung der Reichseinheit (in extremistischen Kreisen) oder zumindest ihrer SchwĂ€chung im föderativen Sinne.

Im Herbst 1915 zeichneten sich schließlich jene französischen Kriegsziele ab, die in den kommenden Jahren immer wieder, mit unterschiedlicher offizieller UnterstĂŒtzung, kaum verĂ€ndert auftauchten. Die RĂŒckkehr von Elsass-Lothringen in den Grenzen von 1814 oder sogar 1790, also mit dem Saargebiet, die ZurĂŒckdrĂ€ngung Deutschlands an den Rhein durch Annexion oder Neutralisation des Rheinlandes sowie eine wirtschaftliche und militĂ€rische Angliederung Belgiens und Luxemburgs an Frankreich.[25]

Die ĂŒberseeischen Kriegsziele Frankreichs manifestierten sich durch die Konzentration auf die Westfront, hauptsĂ€chlich bei den Vereinbarungen mit den Alliierten ĂŒber den Nahen und Mittleren Osten und Westafrika. PrioritĂ€t fĂŒr viele Kolonialisten hatte ein geschlossenes französisches Westafrika, inklusive der deutschen und britischen Enklaven. Auch im Orient war Großbritannien mehr Konkurrent als der eigentliche Kriegsgegner, das Osmanische Reich.

Nach dem Kriegszielprogramm der Regierung Briand vom November 1916 sollte Frankreich zumindest die Grenze von 1790, also Elsass-Lothringen mit dem Saarland, erhalten. Einer mit großen Schwierigkeiten verbundenen Okkupation des Rheinlandes wurde die Errichtung zweier neutraler, unabhĂ€ngiger Pufferstaaten unter französischem Schutz vorgezogen. Belgien wurde, im Gegensatz zum Plan des Generalstabs, in UnabhĂ€ngigkeit belassen. Manchen Regierungsmitgliedern ging das Programm zu weit, andere wollten wiederum keinen Verzicht auf Annexionen im Rheinland. MinisterprĂ€sident Briand stand aber dahinter, weshalb es im Januar 1917, in revidierter Form, zum offiziellen Regierungsprogramm wurde. Die revidierte Form bezog sich jedoch in erster Linie auf die Verwendung subtilerer Formulierungen.[26]

Das spektakulĂ€rste Kapitel in der Geschichte der französischen Kriegsziele wurde ohne Wissen Großbritanniens geschrieben – die Mission des Kolonialministers Doumergue in Petrograd im Februar 1917. Das Angebot Doumergues an Russland zur freien Festsetzung seiner Westgrenze war der Versuch, einen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reich zu verhindern. Russland sicherte seinerseits den Franzosen UnterstĂŒtzung bei ihren Forderungen zu. Frankreich wurde Elsass-Lothringen im Umfang des frĂŒheren Herzogtums Lothringen mit dem Saarbecken zugestanden, die nicht annektierten linksrheinischen Gebiete sollen ein autonomes und neutrales Staatswesen unter französischem Schutz bilden, das besetzt bleibt, bis alle Friedensbedingungen erfĂŒllt sind.[27]

Frankreich ist mit seinen Absichten in Versailles nicht gescheitert, konnte es doch, trotz aller Konzessionen an seine Alliierten, einen guten Teil seiner Ziele durchsetzen. Zwar musste das Land auf offene Annexionen im Saar- und Rheinland verzichten, hatte jedoch durch die Besetzung dieser Gebiete alle Möglichkeiten, den Vertrag, wie 1923 bei der Ruhrbesetzung, nachzubessern.[28]

Russland

Russland konzentrierte seine internationalen Interessen, nach dem verlorenen Krieg gegen Japan, auf den Balkan, als dessen natĂŒrliche Schutzmacht es sich sah. Dabei kam es unweigerlich zu starken Spannungen mit Österreich-Ungarn. Das SelbstverstĂ€ndnis Russlands als Erbe der byzantinisch-orthodoxen Kultur und die traditionelle Feindschaft gegen das Osmanische Reich kamen in den russischen Kriegszielen ebenfalls zum Ausdruck. Nach dem osmanischen Kriegseintritt erhoffte man sich auf russischer Seite den Gewinn Konstantinopels und der Meerengen zwischen der ÄgĂ€is und dem Schwarzen Meer (→Abkommen ĂŒber Konstantinopel und die Meerengen). Die russischen Kriegsziele umfassten neben dem alten Ziel der Meerengen aber auch Galizien und das ins russische Gebiet hineinragende Ostpreußen. Im weiteren Sinne spielte sicher auch die Idee des Panslawismus, einer Zusammenfassung aller Slawen in einem Kontinentalblock, eine Rolle.

In der ersten Siegeszuversicht erstellte der russische Außenminister Sasonow am 14. September 1914 ein 13-Punkte-Programm, das in manchen Aspekten als Gegenpart zum Septemberprogramm Bethmann Hollwegs anzusehen ist.

Sasonow sah in erster Linie territoriale Abtretungen Deutschlands, angeblich auf der Basis des NationalitĂ€tenprinzips, vor. Russland wĂŒrde den Unterlauf des Njemen (Memelland) und den östlichen Teil Galiziens annektieren sowie den Osten der Provinz Posen, (Ober-)Schlesien und Westgalizien Russisch-Polen angliedern. Weitere Bestimmungen waren die oft genannten Fixpunkte alliierter Kriegszielprogramme: Elsass-Lothringen, vielleicht das Rheinland und die Pfalz an Frankreich, ein Gebietszuwachs fĂŒr Belgien bei Aachen, Schleswig-Holstein zurĂŒck an DĂ€nemark und die Wiederherstellung Hannovers. Österreich wĂŒrde eine Dreifache Monarchie bilden, bestehend aus den Königreichen Böhmen, Ungarn und Österreich (AlpenlĂ€nder). Serbien erhielte Bosnien-Herzegowina, Dalmatien und Nordalbanien, Griechenland hingegen SĂŒdalbanien, Bulgarien einen Teil des serbischen Mazedoniens. Die deutschen Kolonien wĂŒrden an Großbritannien, Frankreich und Japan fallen.[29]

Großbritannien

Großbritannien wollte sich der wachsenden Wirtschaftskraft Deutschlands entledigen und die starke deutsche Flotte ausschalten, da es seine Machtstellung durch das seit der Reichseinigung aufstrebende Deutschland bedroht sah. Die deutsche Invasion Belgiens war der offizielle Grund fĂŒr Großbritanniens Kriegseintritt – die Wiederherstellung Belgiens blieb in den ersten Kriegsjahren daher auch das einzige erklĂ€rte wichtige Kriegsziel.[30]

Zum Ziel der Befreiung Belgiens trat aber schon frĂŒh die Formel der Zerschlagung des preußischen Militarismus, zur Wahrung des europĂ€ischen Gleichgewichts, das durch die deutsche Besetzung Belgiens und der KanalkĂŒste bedroht schien. Im Deutschen Reich sollte das Königreich Hannover wiederhergestellt werden, was gleichzeitig Preußens Vetomacht im Bundesrat gebrochen hĂ€tte. Direkte territoriale Ziele auf dem europĂ€ischen Kontinent hatte Großbritannien jedenfalls zu keiner Zeit, auch außerhalb Europas habe Großbritannien, laut Premier Asquith, schon jetzt gerade so viel Land wie we are able to hold.[31] Dennoch mussten etwaige Interessen gegenĂŒber Frankreich, Russland und den anderen VerbĂŒndeten gewahrt bleiben, was britische Erwerbung deutscher und osmanischer Besitzungen in Afrika und Vorderasien bedeutete.

Territoriale Belange wurden offiziell immer, wohl um peinliche Implikationen zu vermeiden, als sekundĂ€r angesehen. Aber Ende 1916 wollte die britische Öffentlichkeit schließlich konkret wissen, wofĂŒr ihre Soldaten kĂ€mpfen und sterben sollten, was die Formulierung der Kriegsziele notwendig machte.[32] Am 20. MĂ€rz 1917 bezeichnete Lloyd George die Beseitigung der reaktionĂ€ren MilitĂ€rregierungen und die Etablierung von populĂ€ren Regierungen, als Basis des internationalen Friedens, als wahre Kriegsziele. Nach dem Ausscheiden des zaristischen VerbĂŒndeten konnte der Krieg propagandistisch hervorragend als Kreuzzug der Demokratie gegen Tyrannei und Despotismus gefĂŒhrt werden. Gegen Ende des Jahres einigte sich das Kabinett auf erste provisorische Kriegsziele. Es unterstĂŒtzte französische Bestrebungen auf Elsass-Lothringen, italienische Forderungen, entgegen dem Vertrag von London, nur auf Basis des NationalitĂ€tenprinzips, sowie die Restauration Belgiens, Serbiens und RumĂ€niens. SpĂ€ter traten, neben der Forderung nach UnabhĂ€ngigkeit Polens und der Völker der Donaumonarchie, auch eigene ExpansionswĂŒnsche in Form von Forderungen nach Selbstbestimmung fĂŒr die deutschen Kolonien und die schon okkupierten arabischen Teile der TĂŒrkei unter British rule zu Tage.[33]

Das Sykes-Picot-Abkommen vom 16. Mai 1916 regelte die Interessenszonen Großbritanniens und Frankreichs im Nahen Osten. Großbritannien erhielt das sĂŒdliche Mesopotamien, wĂ€hrend PalĂ€stina internationalisiert werden sollte. Die deutschen Kolonien in Afrika und Übersee sollten keinesfalls zurĂŒckgegeben werden.[34]

Der Wegfall Russlands aus der Kriegskoalition machte das britische Konzept des MĂ€chtegleichgewichts schwieriger. Der russische Druck auf den deutschen Osten fiel nun weg und ein System von neuen Staaten musste die Bindung deutscher KrĂ€fte im Osten ĂŒbernehmen. Da diese neuen Staaten nie die Macht des alten Russischen Kaiserreiches entwickeln konnten, wurde die zuvor erwogene Angliederung Österreichs an Deutschland von den Briten als nicht mehr zweckdienlich verworfen. Im Westen war die Situation anders, da umfangreiche AnnexionswĂŒnsche Frankreichs im Rheinland, wenn auch in verdeckter Form, eine Hegemonie der Franzosen einzuleiten drohten, die Großbritannien durch Milderung der Friedensbedingungen fĂŒr Deutschland zu verhindern suchte.

Italien

Auch Italien betrieb eine expansionistische Politik, die vor allem auf italienisch besiedelte Gebiete unter österreichisch-ungarischer Herrschaft zielte.

Nach Zustimmung Russlands zum italienischen Wunsch, auch slawisch besiedelte Gebiete zu annektieren, um die Adria als mare nostro (unser Meer) zu etablieren, kam der Geheimvertrag von London am 26. April 1915 zustande und der Angriff auf Österreich begann.

Da der Triple-Entente sehr am Aufbau einer zusĂ€tzlichen Front gegen die MittelmĂ€chte gelegen war, um die Entscheidung im Krieg zu beschleunigen, wurden fast alle territorialen WĂŒnsche Italiens in den Vertrag von London aufgenommen, der infolge dessen die Kriegsziele Italiens genau umreißt. Der neue BĂŒndnispartner sollte demnach erhalten:[35]

Auch sollte bei einer etwaigen Teilung der TĂŒrkei eine noch festzusetzende Region an der SĂŒdkĂŒste Kleinasiens an Italien gehen. Dass der Vertrag von London, insbesondere in Bezug auf Dalmatien, in den Pariser VorortvertrĂ€gen nicht zur GĂ€nze verwirklicht wurde, lag vor allem am Widerstand des mit der Entente verbĂŒndeten Serbien.

Vereinigte Staaten von Amerika

Nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten am 6. April 1917 hatte PrĂ€sident Woodrow Wilson keine genauen Vorstellungen ĂŒber einen gerechten Frieden, jedenfalls kam fĂŒr ihn ein Friede nur bei Wiedergutmachung an Belgien und der RĂ€umung Frankreichs in Frage. Ansonsten scheute Wilson, mehr noch als andere Politiker, vor Festlegungen in territorialen Fragen zurĂŒck.[36]

Das Hauptziel Wilsons nach Kriegseintritt war die Beseitigung des deutschen Militarismus und die Demokratisierung Deutschlands.[37] Wilsons Gesamtstrategie war anfangs Ă€hnlich der britischen Politik zu Kriegsbeginn. Er wollte den VerbĂŒndeten gerade so viel UnterstĂŒtzung zukommen lassen wie nötig. Am Ende des Krieges plante er, ĂŒber die bankrotten EntentelĂ€nder hinweg seinen eigenen Friedensplan durchzusetzen.[38]

Höhepunkt der amerikanischen Kriegszielpolitik waren die 14 Punkte Wilsons vom 8. Januar 1918. Es wird darin die völlige Wiederherstellung der belgischen UnabhĂ€ngigkeit gefordert, weiter die RĂŒckgabe Elsass-Lothringens, die Festsetzung italienischer Grenzen entlang der NationalitĂ€tengrenzen sowie die weitere Existenz Österreich-Ungarns, dessen Nationen aber eine freie Entwicklung ermöglicht werden sollte. Der TĂŒrkei wird SelbstĂ€ndigkeit zugestanden, allerdings ohne Einschluss anderer NationalitĂ€ten, die Meerengen sollten durch internationale Garantien offen gehalten werden. Gefordert wird auch die Errichtung eines unabhĂ€ngigen polnischen Staates, der unbestreitbar polnisch besiedelte Territorien umfassen sollte, mit freiem Zugang zum Meer.[37]

Im Laufe des letzten Kriegsjahres wurde die Haltung Wilsons, vor allem durch den Diktat-Frieden von Brest-Litowsk, gegenĂŒber den MittelmĂ€chten hĂ€rter. Im Oktober 1918 ergĂ€nzten und erweiterten die Amerikaner Wilsons 14 Punkte. Die Punkte Belgien und Elsass-Lothringen wurden bestĂ€tigt, Italien wurde aus strategischen GrĂŒnden SĂŒdtirol zugebilligt, sowie das Protektorat ĂŒber Albanien. Die 14 Punkte und ihre spĂ€teren ErgĂ€nzungen waren nicht nur gegen die MittelmĂ€chte, sondern ebenso gegen den Imperialismus der Alliierten gerichtet.[39]

Die Bestimmungen ĂŒber Österreich-Ungarn konnten nicht mehr aufrechterhalten werden. Daher erklĂ€rte die Regierung, fĂŒr die Befreiung aller slawischen Völker unter der deutschen und österreichisch-ungarischen Herrschaft eintreten zu wollen. Am 18. Oktober teilte Wilson dem Habsburgerstaat mit, die NationalitĂ€ten mĂŒssten ihre Zukunft selbst bestimmen. Deutschösterreich sollte von Rechts wegen erlaubt sein, sich an Deutschland anzuschließen.

Der neue polnische Staat, dessen Zugang zum Meer westlich der Weichsel noch nicht festgelegt wurde, sollte keine Gebiete im Osten bekommen, die von Litauern und Ukrainern besiedelt sind, den deutschen Bewohnern Posens und Oberschlesiens sei ein Schutz zu gewĂ€hren. Schließlich wurde auch noch die Teilung des Nahen Ostens zwischen Großbritannien und Frankreich anerkannt.[40] Im Vergleich zu Großbritannien machten die USA Frankreich bei der Friedenskonferenz weit weniger Schwierigkeiten bei der Verwirklichung seiner Kriegsziele als erwartet.

Verlauf

Kriegsbeginn (Julikrise)

→ Hauptartikel: Julikrise
Verlauf des Ersten Weltkrieges

Aufgrund der europĂ€ischen BĂŒndnissysteme war abzusehen, dass der nĂ€chste Krieg große Teile des Kontinents erfassen wĂŒrde. Der Schrecken des Krieges war verblasst, da seit der letzten militĂ€rischen Auseinandersetzung zwischen zwei europĂ€ischen GroßmĂ€chten 43 Jahre vergangen waren.

In dieser Situation löste das Attentat von Sarajevo auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie in Sarajevo (damals österreich-ungarisches Gebiet) am 28. Juni 1914 durch den bosnisch-serbischen Gavrilo Princip eine Kettenreaktion aus, die nach einem Monat den europĂ€ischen Krieg auslöste. Der Grad der Beteiligung des serbischen Geheimdienstes an dem Komplott zur Ermordung des Thronfolgers war und ist umstritten, es kann jedoch zumindest von einer Mitwisserschaft ausgegangen werden. Die diplomatischen und geheimdienstlichen AktivitĂ€ten, die zwischen den europĂ€ischen MĂ€chten einsetzten, markierten den Beginn einer großen Krise. Die Julikrise war geprĂ€gt von Drohungen, diplomatischen Fehlern und politischen FehleinschĂ€tzungen.

Die Eröffnung bildete das Ultimatum, das durch den k.u.k. Außenminister Graf Berchtold an Serbien am 23. Juli 1914 mit einer Frist von 48 Stunden ausgestellt wurde.[41] Zu diesem Zeitpunkt war die europĂ€ische Stimmungslage eher gegen die Serben gerichtet, da vermutet wurde, dass die serbische FĂŒhrung hinter dem Attentat steckte. Das Ultimatum forderte nicht nur die BekĂ€mpfung von gegen Österreich-Ungarn agierenden Organisationen, sondern umfasste zudem Bedingungen, welche die serbische SouverĂ€nitĂ€t bei ihrer ErfĂŒllung eingeschrĂ€nkt hĂ€tten. Innerhalb der 48 Stunden ging die serbische Regierung auf fast alle Punkte ein, verwahrte sich jedoch gegen eine EinschrĂ€nkung der SouverĂ€nitĂ€t Serbiens und beschloss die Teilmobilmachung der Armee. Trotz dieser ZugestĂ€ndnisse Serbiens erklĂ€rte Österreich-Ungarn die Antwort fĂŒr „unbefriedigend“, brach die diplomatischen Beziehungen zu Serbien nach Ablauf des Ultimatums am 25. Juli ab, und ordnete ebenfalls die Teilmobilmachung an. Die österreichischen Ziele sahen zunĂ€chst einen lokalen Krieg um die Vorherrschaft auf dem Balkan vor. In dieser Situation wurde aus Berlin RĂŒckendeckung in Form der bereits am 6. Juli im Rahmen der Mission Hoyos zugesicherten Blankovollmacht gegeben. Die Blankovollmacht sah ein deutsches Eingreifen im Falle einer russischen Einmischung vor, hatte also offiziell defensiven Charakter.

Die anderen europĂ€ischen Staaten konnten sich nicht vorstellen, dass der schwache Partner Österreich-Ungarn die treibende Kraft hinter den Ereignissen war. Vom 20. bis 23. Juli besuchten Frankreichs StaatsprĂ€sident Raymond PoincarĂ© und MinisterprĂ€sident RenĂ© Viviani Sankt Petersburg und sicherten den Gastgebern ihre volle UnterstĂŒtzung zu. Dadurch bestĂ€rkt, beschloss Russland auf dem Kronrat von Krasnoje Selo am 25. Juli, Serbien militĂ€risch zu unterstĂŒtzen.

Wilhelm II. verordnete am 31. Juli 1914 den Kriegszustand nach Art. 68 der Reichsverfassung.
Berlin, Unter den Linden: Bekanntgabe des Kriegszustandes am Nachmittag des 31. Juli 1914 durch das Alexander Garde-Grenadier-Regiment.

Da das Deutsche Reich an seinem BĂŒndnis mit Österreich festhielt, war dessen unbedingte RĂŒckendeckung in Form der Blankovollmacht entscheidend fĂŒr die KriegserklĂ€rung Österreichs an Serbien am 28. Juli. Bereits beim Kriegsrat vom 8. Dezember 1912 Wilhelms II. mit der militĂ€rischen FĂŒhrungsspitze hatte der Deutsche Kaiser gefordert, dass Österreich gegenĂŒber Serbien „kraftvoll auftreten“ mĂŒsse, und dann der Krieg mit Russland unvermeidlich wĂ€re. Am 27. Juli erfolgte tatsĂ€chlich die Teilmobilmachung der russischen Armee. Der Befehlshaber der Mobilisierungsabteilung der russischen Armee, Sergei Dobrowolski, Ă€ußerte rĂŒckblickend, dass der Krieg bereits seit dem 25. Juli fĂŒr den russischen Generalstab beschlossene Sache gewesen sei. Den russischen MilitĂ€rs war bekannt, dass Deutschland im Falle einer Generalmobilmachung Russlands ebenfalls seine Truppen mobilisieren wĂŒrde, worauf sie auch konsequent abzielten. Als Zar Nikolaus II. am Morgen des 30. Juli die Generalmobilmachung der russischen Armee billigte, war ihm wohl allerdings zunĂ€chst nicht bewusst, welche Folgen dieser Vorgang haben wĂŒrde. Noch am selben Tag wollte der Zar die Generalmobilmachung rĂŒckgĂ€ngig machen, wurde jedoch von dem Generalstab der russischen Armee davon abgehalten. Selbst die beschwörenden Briefe Kaiser Wilhelms II. an seinen „Vetter Nicky“ – Zar Nikolaus II. â€“ hatten keine Wirkung.

Das Deutsche Reich forderte in einem Ultimatum die sofortige RĂŒcknahme der russischen Mobilmachung. Nachdem diese ausblieb, machte das Reich ebenfalls mobil und erklĂ€rte Russland am 1. August den Krieg, woraufhin das mit Russland verbĂŒndete Frankreich in Erwartung eines deutschen Angriffes ebenfalls mobil machte. TatsĂ€chlich aber erfolgten die ersten Kriegshandlungen durch Russland noch am selben Abend mit Überschreiten der ostpreußischen Grenze.

Berliner Bevölkerung mit Extrablatt, August 1914

Daraufhin setzte das deutsche Oberkommando den Aufmarschplan, eine modifizierte Version des Schlieffenplans, der als einzige Siegchance fĂŒr den drohenden Zweifrontenkrieg angesehen wurde, in Kraft. Dieser setzte auf Geschwindigkeit, um die langsame russische Mobilmachung fĂŒr einen schnellen Schlag gegen Frankreich auszunutzen. Nachdem das neutrale Belgien die Durchmarschgenehmigung verweigerte, verletzte das Reich die belgische NeutralitĂ€t fĂŒr den Angriff gegen Frankreich, da ein direkter Angriff ĂŒber die stark befestigte deutsch-französische Grenze fĂŒr aussichtslos gehalten wurde. FĂŒr die liberale Regierung in London war dies der Anlass, in den Krieg einzutreten.

Gerade das Verhalten Deutschlands war Ausgangspunkt fĂŒr die viel diskutierte Kriegsschuldfrage im Vertrag von Versailles. Dieser Punkt wird auch heute noch diskutiert, wobei die Ansichten darĂŒber auseinandergehen, ob Inkompetenz und mangelnde Verhandlungsbereitschaft, nicht nur in der deutschen FĂŒhrungsschicht, Europa in diesen Krieg stĂŒrzten (→Abschnitt Diskussion um Kriegsursachen). Insbesondere in Deutschland und Russland ging die politische FĂŒhrung stark auf die kriegsorientierten Forderungen des MilitĂ€rs ein, was fatale Folgen hatte.

Kriegsjahr 1914

Staat[42] BĂŒndnis Kriegseintritt[43]
Österreich-Ungarn MittelmĂ€chte 28. Juli 1914
Serbien Entente 28. Juli 1914
Deutsches Kaiserreich MittelmĂ€chte 1. August 1914
Russisches Kaiserreich Entente 1. August 1914
Luxemburg Entente 2. August 1914
Frankreich Entente 3. August 1914
Belgien Entente 4. August 1914
Großbritannien Entente 4. August 1914
Australien Entente 4. August 1914
Kanada Entente 4. August 1914
Neufundland Entente 4. August 1914
Neuseeland Entente 4. August 1914
Montenegro Entente 9. August 1914
Japan Entente 23. August 1914
SĂŒdafrikanische Union Entente 8. September 1914
Osmanisches Reich MittelmĂ€chte 29. Oktober 1914
Italien Entente 25. Mai 1915
San Marino Entente 1. Juni 1915
Bulgarien MittelmĂ€chte 11. Oktober 1915
Portugal Entente 9. MĂ€rz 1916
Hedschas Entente 5. Juni 1916
RumĂ€nien Entente 31. August 1916
Griechenland Entente 24. November 1916 /
27. Juni 1917[44]
Vereinigte Staaten Entente 6. April 1917
Kuba Entente 7. April 1917
Guatemala Entente 22. April 1917
Siam Entente 22. Juli 1917
Liberia Entente 4. August 1917
China Entente 14. August 1917
Brasilien Entente 26. Oktober 1917
Panama Entente 10. November 1917
Nicaragua Entente 6. Mai 1918
Costa Rica Entente 24. Mai 1918
Haiti Entente 15. Juli 1918
Honduras Entente 19. Juli 1918
Der Schlieffen-Plan
Einberufene auf dem Weg von den Bekleidungsdepots zu den Kasernen.
Erste Soldauszahlung nach der Mobilmachung, Berlin, 1914

Der deutschen KriegsfĂŒhrung war klar, dass Deutschland einen Zweifrontenkrieg kaum gewinnen konnte. Daher versuchte sie, den schon vor dem Krieg ausgearbeiteten Schlieffen-Plan (benannt nach Generaloberst Alfred von Schlieffen, Generalstabschef zwischen 1891 und 1905) umzusetzen. Dieser Plan sah vor, dass Deutschland mit aller Kraft einen Sieg ĂŒber Frankreich herbeifĂŒhren und im Osten vorerst nur die Stellungen halten solle. Dazu sollte das starke französische Verteidigungssystem im Norden mit einer weit ausgreifenden Bewegung durch das neutrale Belgien umgangen und schnellstmöglich gegen Paris vorgegangen werden.

Am 1. August ordneten sowohl die französische Regierung als auch der Deutsche Kaiser die Mobilmachung ihrer Armeen an. Am selben Tag ĂŒberreichte der deutsche Botschafter in Sankt Petersburg Russland die deutsche KriegserklĂ€rung. Am Vormittag des 2. August besetzten deutsche Truppen die Stadt Luxemburg, woraufhin der französische StaatsprĂ€sident Raymond PoincarĂ© am folgenden Tag per Erlass den Belagerungszustand ĂŒber Frankreich verhĂ€ngte. Am Abend des 2. August wurde Belgien aufgefordert, innerhalb von zwölf Stunden eine ErklĂ€rung des Inhalts abzugeben, dass sich die belgische Armee gegenĂŒber einem Durchmarsch deutscher Truppen passiv verhalten wĂŒrde; diese wurde am nĂ€chsten Morgen abgelehnt. Am selben Tag erklĂ€rte Deutschland Frankreich offiziell wegen diverser Grenzverletzungen in Deutsch-Lothringen den Krieg.

Als Theobald von Bethmann Hollweg am 3. August 1914 sein Rechtfertigungsschreiben an den Gesandten Lichnowsky zum Vortrag beim britischen Außenminister Sir Edward Grey sandte, befanden sich Deutschland, Russland und Frankreich bereits im Krieg. Bethmann Hollweg stellte hierin die „NeutralitĂ€tsverletzung von Belgien“ als Konsequenz einer militĂ€rischen Zwangslage aufgrund der russischen Mobilmachung dar: „Es liege keinerlei absichtliche Verletzung des Völkerrechts vor, sondern die Tat eines Menschen, der um sein Leben kĂ€mpft“.[45] Ziel des Schreibens war, die Briten dazu zu bewegen, sich in dem Krieg neutral zu verhalten. Dieses Unterfangen war von vornherein nicht einfach, weil Großbritannien nicht nur im BĂŒndnissystem der Entente vertraglich zu Sicherheitsgarantien verpflichtet war, sondern auch, weil deutsche Patrouillen am Morgen dieses Tages bereits die belgische Grenze ĂŒberschritten hatten, entsprechende Meldungen lagen in London vor.[46] Das Deutsche Reich hatte damit VertrĂ€ge der europĂ€ischen GroßmĂ€chte (Londoner Konferenz von 1830/31, bestĂ€tigt auf der Londoner Konferenz von 1838/39) verletzt, die die belgische NeutralitĂ€t garantierten.[47] Sir Edward Grey bezeichnete am Nachmittag des 3. August im Unterhaus die Verletzung der belgischen NeutralitĂ€t sowie die Gefahr einer Niederwerfung Frankreichs als unvereinbar mit den britischen Staatsinteressen, das Parlament folgte dieser EinschĂ€tzung.[48]

Am folgenden Tag, 4. August, ĂŒberreichte der britische Botschafter Edward Goschen Bethmann Hollweg ein auf Mitternacht befristetes Ultimatum, in dem die Zusage verlangt wurde, dass Deutschland die belgische NeutralitĂ€t achten werde. England war der deutsche Kriegsplan, durch Belgien gegen Frankreich vorzurĂŒcken, bekannt. Bethmann-Hollweg verstand, dass das britische Ultimatum einer KriegserklĂ€rung gleichkam. Er erklĂ€rte dem britischen Botschafter, dass seine Politik wie ein Kartenhaus zusammengestĂŒrzt sei, und fragte fassungslos, wie England wegen eines „Fetzen Papiers“ mit Deutschland, das doch den Frieden wolle, Krieg anfangen könne.[49]

Am 4. August um 6:00 Uhr morgens teilte der deutsche Botschafter in BrĂŒssel der belgischen Regierung mit, das Deutsche Reich sehe sich nach Ablehnung seiner VorschlĂ€ge gezwungen, die zur „Abwehr der französischen Bedrohung“ nötigen Maßnahmen nötigenfalls mit Gewalt durchzusetzen.[50] Wenige Stunden spĂ€ter marschierten deutsche Truppen völkerrechtswidrig[51] und ohne KriegserklĂ€rung in das neutrale Belgien ein.[52] Großbritannien befahl am selben Tag die Mobilmachung seiner Armee und setzte Deutschland ein Ultimatum bis Mitternacht, was den britischen Außenminister Grey zu seiner berĂŒhmten Äußerung veranlasste: „The lamps are going out all over Europe; we shall not see them lit again in our lifetime.“ („In ganz Europa gehen gerade die Lichter aus; zu unseren Lebzeiten werden wir sie nicht wieder angehen sehen.“) Nach Ablauf dieses Ultimatums erklĂ€rte Großbritannien dem Kaiserreich am 5. August den Krieg. Am gleichen Tag wurde Horatio Herbert Kitchener zum Kriegsminister ernannt. Dieser sagte als einer der Ersten einen mehrjĂ€hrigen Krieg voraus und gab noch am 5. August den Befehl zur VergrĂ¶ĂŸerung der Armee aus. Die unangefochtene britische Seeherrschaft ermöglichte es, sofort 100.000 Mann nach Frankreich zu schicken. Durch Armeebefehl 324 vom 21. August 1914 wurden aus den dadurch angeworbenen Freiwilligen vorerst sechs neue Divisionen aufgestellt. Insgesamt konnten so bis 1915 mehr als 40 Divisionen als Kitcheners Armee oder Neue Armee fĂŒr den Einsatz in Frankreich aufgebaut werden.

Aufruf von Kaiser Wilhelm II. zur Mobilmachung: „An das deutsche Volk“, Plakat vom 6. August 1914

Am 6. August erfolgte der Aufruf Wilhelms II. „An das deutsche Volk!“[53] Bereits am selben Tag kam es im Dorf Battice zu ersten gewaltsamen Übergriffen auf die Zivilbevölkerung.[54] Nachdem die deutschen Soldaten glaubten, von FreischĂ€rlern und bewaffneten Zivilisten angegriffen worden zu sein, wurde in den kommenden Wochen vielfach GrĂ€ueltaten an der Zivilbevölkerung in Belgien und Frankreich verĂŒbt. Den Repressalien fielen zwischen August und Oktober 1914 rund 6500 Zivilisten zum Opfer,[55] im Zuge dessen brannten die Deutschen die Stadt Löwen nieder.

Ein hartes Vorgehen gegen FreischĂ€rler war prinzipiell durch die Haager Landkriegsordnung vom 18. Oktober 1907 gestattet, die den Krieg auf militĂ€rische Einheiten begrenzen wollte und deshalb diese Strafmaßnahmen vorsah. TatsĂ€chlich waren diese FeuerĂŒberfĂ€lle jedoch zumeist auf versprengte militĂ€rische Einheiten zurĂŒckzufĂŒhren. Nicht selten beschossen sich auch deutsche Einheiten in einer Mischung aus Massenhysterie und unĂŒbersichtlicher Lage gegenseitig.[56] Die deutschen TruppenfĂŒhrer wandten dennoch konsequent SĂŒhnemaßnahmen, wozu auch Deportationen und das Niederbrennen von Dörfern gehörten, gegen unschuldige Zivilisten an. Historiker fĂŒhren dies darauf zurĂŒck, dass die Vorstellung eines Volkskrieges, wie er noch im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefĂŒhrt worden war, im deutschen Heer weit verbreitet war.

Ein schienengebundenes 42-cm-BettungsgeschĂŒtz von Krupp („Dicke Bertha“) wird am 7. August 1914 bei LĂŒttich feuerbereit gemacht.

WĂ€hrend die Mobilmachung noch im Gange war, wurde ein handstreichartiger Überfall, an dem auch der spĂ€tere Erste Generalquartiermeister Erich Ludendorff beteiligt war, auf die Zitadelle der belgischen Festung LĂŒttich geplant und ausgefĂŒhrt. Die Stadt fiel schnell in die HĂ€nde der Angreifer (5.–7. August), wĂ€hrend der GĂŒrtel von zwölf Forts zunĂ€chst nicht erobert wurde. Erst nach dem Heranschaffen schwerster Artillerie (der Dicken Bertha von Krupp und der weniger bekannten, mobileren Schlanken Emma von Ć koda) war es möglich, die Festungen zu besetzen (→ Eroberung von LĂŒttich). Der Höhepunkt der KĂ€mpfe war die Beschießung und der Fall von Fort Loncin (vollstĂ€ndige Zerstörung am 15. August durch einen Volltreffer).

Seit dem Tage der französischen Mobilmachung hatte es in Deutsch-Lothringen im Bereich des XXI. Armee-Korps zunĂ€chst kleinere, dann aber schnell umfangreicher werdende französische Truppenbewegungen und erste Feuergefechte mit deutschen VerbĂ€nden gegeben. Am 10. August erlitten bayerische Truppen im Bereich Badonviller erste grĂ¶ĂŸere Verluste, am 11. August kam es bei Lagarde zu einem großen Gefecht zwischen Franzosen und Teilen der 42. Infanterie-Division, in dessen Verlauf ca. 2300 Franzosen in Gefangenschaft gerieten.

Die AufklĂ€rung ergab, dass sich die deutsche 6. Armee (zu der u. a. die 42. ID gehörte) im Bereich zwischen Metz und Saarburg zwei französischen Armeen mit mindestens neun aktiven Armeekorps, nĂ€mlich der 1. unter General Dubail und der 2. unter General Castelnau gegenĂŒber sah – allerdings mit dem Unterschied, dass die 6. Armee „allein“ war und sich der grĂ¶ĂŸte Teil der 7. Armee, die zur VerstĂ€rkung angefordert worden war, noch auf dem Weg nach Nordosten befand.

Französische Bauernfamilie auf der Flucht, 1914

Nachdem es auch am 12. August bei Badonviller zu einem Sieg ĂŒber französische Truppen gekommen war, wurde entschieden, die große Streitmacht des Gegners erst auf deutsches Gebiet zu locken, um Zeit zur HeranfĂŒhrung der 7. Armee zu gewinnen und anschließend in eine Falle im Bereich zwischen Mörchingen – Lauterfingen – Mittersheim – Pfalzburg, wo er geschlagen werden sollte. Die deutschen Truppen zogen sich daraufhin bis auf diese Linie zurĂŒck und bezogen Stellungen.

Am 16. August beschloss der Kommandierende der 6. Armee Kronprinz Rupprecht von Bayern befehlswidrig, die französischen VerbĂ€nde im Widerspruch zum Schlieffen-Plan, der ihm strengste Defensive auferlegte, so bald wie möglich in Lothringen anzugreifen. Im Verlauf des 18. August entwickelten sich dann erste Gefechte u. a. im Gebiet um Lauterfingen.

Am 18. August, nach der NiederkĂ€mpfung der belgischen Festungen von LĂŒttich und Namur vor allem durch den Einsatz schwerster Artillerie, begann die deutsche Großoffensive zur Umfassung der alliierten Armeen, dabei stieß man sehr schnell nach BrĂŒssel vor. Die belgische Armee zog sich daraufhin in die Festung Antwerpen zurĂŒck, worauf die zweimonatige Belagerung von Antwerpen begann.

Britisch-indische Kavallerie an der europÀischen Westfront, 1914

Am 20. August befahl der französische General Joffre die schon lange vor dem Krieg im sogenannten „Plan XVII“ vorgesehene Offensive in Richtung Deutsch-Lothringen und Saar-Ruhr-Gebiet. Daraus, und aus einer Reihe von weiteren Schlachten bei Saarburg, bei Longwy, an der Maas, zwischen Sambre und Maas und bei Mons entwickelten sich fĂŒr beide Seiten verlustreiche KĂ€mpfe zwischen den Vogesen und der Schelde, die sogenannten Grenzschlachten. Trotz der unerwarteten Aktionen der Franzosen und Briten glaubte die Oberste Heeresleitung (OHL) an einen raschen Vorstoß nach Paris.

Nach dem Fehlschlag dieser französischen Offensive begann die französische Armee auf dem linken FlĂŒgel einen allgemeinen RĂŒckzug durch Nordfrankreich, der durch vereinzelte Schlachten wie bei Le Cateau und Guise–St. Quentin unterbrochen wurde und den verfolgenden deutschen rechten FlĂŒgel nahe an Paris heranfĂŒhrte. Die französische Regierung verließ daraufhin am 2. September die Hauptstadt und zog nach Bordeaux um, die Verteidigung von Paris wurde dem reaktivierten General Gallieni anvertraut. Das französische Oberkommando zog wĂ€hrenddessen Truppen vom rechten FlĂŒgel sowie Reserven zusammen, um bei Paris eine neue Armee aufzustellen, die den deutschen Vormarsch in der Flanke bedrohte. Eine weitere Armee unter Ferdinand Foch wurde im Zentrum eingeschoben. Joffre plante, die Marne als Auffangstellung zu benutzen, um von hier aus mit einer Offensive an der gesamten Front den deutschen Vormarsch zu stoppen.

Am 4. September gelang es den Deutschen, die Marne zu ĂŒberschreiten, woraufhin es zwei Tage spĂ€ter zu der fĂŒr beide Seiten Ă€ußerst verlustreichen und sich zwischen Ourcq und Maas erstreckenden Marneschlacht kam. Kurz danach gab die OHL den Schlieffen-Plan auf, da es den Truppen nicht gelungen war, weit genug vorzustoßen, um Paris zu isolieren oder gar zu umfassen. Als sich die deutschen Truppen, fĂŒr die Alliierten ĂŒberraschend, von der Marne zurĂŒckzogen, reichten die französischen MunitionsvorrĂ€te nur noch fĂŒr zwei Tage.

Der darauf folgende RĂŒckzug des deutschen AngriffsflĂŒgels hinter die Aisne mĂŒndete in die Erste Schlacht an der Aisne, die den Übergang zum Stellungskrieg einleitete. Gleichzeitig entwickelte sich jedoch weiter nördlich der sogenannte Wettlauf zum Meer, in dem beide Seiten versuchten, durch Truppenverlegungen den Gegner in der bis dahin unbesetzt gebliebenen Flanke zwischen der Aisne und dem Meer zu umfassen. Dabei gelang es den Alliierten, die fĂŒr den britischen Nachschub wichtigen KanalhĂ€fen Boulogne und Calais und den Eisenbahnknoten Amiens dem deutschen Zugriff zu entziehen.

Ein vor Ypern gefallener Soldat, der zwischen den GrÀben fast ein Jahr im Blickfeld der Soldaten lag.
Deutsche Soldaten in Maubeuge wÀhrend der Besatzung, 1914

Gegen Ende September nahmen die Bewegungen auf beiden Seiten ab, das KrĂ€fteverhĂ€ltnis war ausgeglichen, und ein Stellungskrieg bahnte sich an. Das hing unter anderem auch damit zusammen, dass die MunitionsvorrĂ€te, speziell fĂŒr die Artillerie, nicht rasch genug aufgefĂŒllt werden konnten. Es zeigte sich sehr schnell, dass der Munitionsverbrauch weit ĂŒber die KapazitĂ€ten hinausging. Lediglich in Belgien hatte der Vorstoß noch nicht an Schnelligkeit verloren.

Bis zum November waren Antwerpen, BrĂŒgge und andere bedeutende belgische StĂ€dte in deutscher Hand. Schweren Widerstand boten die Alliierten jedoch bei Ypern, weshalb der am 14. September zum Chef des Generalstabs ernannte General von Falkenhayn die Angriffe einstellen musste. Von Ende Oktober bis zum 10. November kam es bei Ypern wiederholt zu verlustreichen KĂ€mpfen, der Ersten Flandernschlacht, die die OHL mit dem irrefĂŒhrenden Bericht stilisierte, bei Langemarck hĂ€tten junge deutsche Regimenter unter dem Gesang „Deutschland, Deutschland ĂŒber alles“ die vordersten gegnerischen Stellungen eingenommen. Der Bericht der OHL löste den Mythos von Langemarck aus, der bis in die NS-Zeit hinein existierte und den angeblichen Opfertod einer jungen, gebildeten deutschen Generation verherrlichte. Mit den KĂ€mpfen bei Ypern endete der Bewegungskrieg. An der deutschen Westfront entstand nun ein ausgedehntes System aus SchĂŒtzengrĂ€ben (Grabenkrieg).

Da zwei russische Armeen unerwartet frĂŒh, nĂ€mlich zwei Wochen nach Kriegsbeginn, in Ostpreußen eingefallen waren, war die Lage an der Ostfront fĂŒr das Deutsche Reich zunĂ€chst Ă€ußerst gespannt. Die Deutschen waren aufgrund des Schlieffenplans an ihrer Ostfront defensiv eingestellt, was sich als wenig erfolgreich erwies. Nach der Schlacht bei Gumbinnen war die Ostpreußen verteidigende 8. Armee zur Preisgabe weiter Teile des Landes gezwungen. Als Folge dessen wurden die Truppen verstĂ€rkt und die alten Befehlshaber durch Generalmajor Erich Ludendorff und Generaloberst Paul von Hindenburg ersetzt. Ihnen war es zu verdanken, dass sich die Lage an der Ostfront schnell Ă€nderte, besonders der Sieg in der Schlacht bei Tannenberg vom 26. bis 31. August war fĂŒr Deutschland ein großer Erfolg. Dabei gelang deutschen Truppen die Einschließung und weitgehende Vernichtung der russischen Narew-Armee. Vom 6. bis 15. September folgte die Schlacht an den Masurischen Seen, die mit der Niederlage der russischen Njemen-Armee endete. Die russischen Truppen rĂ€umten daraufhin den grĂ¶ĂŸten Teil Ostpreußens.

Russische Truppen hatten kurz nach Kriegsbeginn auch das zu Österreich-Ungarn gehörende Galizien besetzt (→ Schlacht in Galizien). Das österreichisch-ungarische Heer musste sich nach einem Vorstoß auf die galizische Stadt Lemberg aufgrund der erdrĂŒckenden russischen Übermacht im September zu den Karpaten zurĂŒckziehen. Am 1. November wurde Generaloberst von Hindenburg zum Oberbefehlshaber Ost des deutschen Heeres ernannt. Am 11. November begann eine deutsche Gegenoffensive an der Ostfront, welche die russischen VerbĂ€nde bis östlich von ƁódĆș zurĂŒckdrĂ€ngte (→ Schlacht um ƁódĆș).

Im November 1914 erklĂ€rte die britische Kriegsmarine die gesamte Nordsee zur Kriegszone, die sofort vermint wurde. Schiffe, die unter der Flagge neutraler Staaten fuhren, konnten in der Nordsee ohne Vorwarnung das Ziel britischer Angriffe werden. Dieses Vorgehen der britischen Regierung verletzte geltendes Völkerrecht, darunter die Deklaration von Paris von 1856, die Großbritannien unterzeichnet hatte. Vom 5. bis 17. Dezember gelang es österreichisch-ungarischen Truppen, einen russischen Vorstoß auf Krakau aufzuhalten. Danach begann auch im Osten der Übergang zu einem Stellungskrieg. Vom Dezember 1914 bis zum April 1915 tobte die Winterschlacht in den Karpaten, in der sich die MittelmĂ€chte gegen Russland behaupten konnten.

Der Ausgangspunkt des Krieges, der Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien, geriet angesichts der großrĂ€umigen Eskalation ab August einigermaßen an den Rand der Aufmerksamkeit: Die drei Offensiven der österreichisch-ungarischen Armee unter Oskar Potiorek zwischen August und Dezember 1914 scheiterten letztlich allesamt wegen verfehlter Planung und aufgrund des erbitterten serbischen Widerstands, besonders in der Schlacht von Cer und Schlacht an der Kolubara, obwohl im Dezember kurzzeitig Belgrad eingenommen werden konnte. Die k.u.k. Armee musste also auch an diesem Kriegsschauplatz einen verheerenden Misserfolg hinnehmen.

Besonders die ersten k.u.k.-Offensiven waren von schweren Übergriffen gegen die serbische Zivilbevölkerung begleitet. Auch auf eigenem Gebiet (in Bosnien und Slawonien) wurden vermeintliche und tatsĂ€chliche Kollaborateure exekutiert. Mehrere tausend Zivilisten wurden getötet, Dörfer ausgeplĂŒndert und niedergebrannt. Die serbische Armee war nach der Kraftanstrengung – gegen einen an Ressourcen mehrfach ĂŒberlegenen Gegner â€“ im Dezember am Ende ihrer KrĂ€fte. Außerdem waren im Land Seuchen ausgebrochen.

ÜrgĂŒplĂŒ Mustafa Hayri Efendi, ScheichĂŒlislam des Osmanischen Reiches, rief nach einem Edikt Sultan Mehmed V. zum Dschihad gegen die Feinde des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg auf.
Am Morgen des 14. November 1914 vor der Fatih-Moschee, Ä°stanbul

Die Regierung des Osmanischen Reichs versuchte zunĂ€chst, sich in einer „bewaffneten NeutralitĂ€t“ aus den Kampfhandlungen herauszuhalten. Den herrschenden JungtĂŒrken war klar, dass man sich an eine Großmacht anlehnen mĂŒsste, um militĂ€risch ĂŒberhaupt standhalten zu können. Auf Betreiben Enver Paschas kam es schließlich zum KriegsbĂŒndnis mit Deutschland und Österreich-Ungarn, das allerdings im Kabinett umstritten war. Im Oktober 1914 beschossen die Osmanischen TĂŒrken mit den zwei vom Deutschen Reich erworbenen Kriegsschiffen Goeben und Breslau russische KĂŒstenstĂ€dte. Daraufhin erklĂ€rten Anfang November Frankreich, Großbritannien und Russland dem Osmanischen Reich den Krieg, das sich nun auf der Seite der MittelmĂ€chte befand. Bereits am 23. November gelang es britischen Truppen, die osmanische Stadt Basra am Persischen Golf einzunehmen.

Bereits am 5. August hatte das Londoner Committee of Imperial Defence beschlossen, unter Bruch der VertrĂ€ge der Berliner Afrikakonferenz von 1884/85 den Krieg auszudehnen, und alle deutschen Kolonien anzugreifen oder durch französische, indische, sĂŒdafrikanische, australische, neuseelĂ€ndische oder japanische Truppen angreifen zu lassen. Dabei kam es besonders in Afrika zu teils schweren KĂ€mpfen. Die von allen Seiten umzingelte Kolonie Togo wurde sofort eingenommen. Um Kamerun stand es genau so schlecht, bis zum Ende des Jahres 1914 zogen sich die deutschen Truppen in den Dschungel zurĂŒck, wo sich ein zermĂŒrbender Kleinkrieg entwickelte. Deutsch-SĂŒdwestafrika wurde von der sĂŒdafrikanischen Union angegriffen. Bis zum Jahresende bestand keine Möglichkeit mehr, das Gebiet zu halten. Einzig Deutsch-Ostafrika verteidigte sich unter Paul von Lettow-Vorbeck verbissen. Dank der deutschen Strategie von RĂŒckzĂŒgen und Guerilla-Taktiken konnte sich die Kolonie bis zum Kriegsende halten.

Die deutschen Kolonien im Pazifik wurden aufgrund eines japanischen Ultimatums kampflos ĂŒbergeben. Einzig die deutsche Kolonie Kiautschou wurde wĂ€hrend der Belagerung von Tsingtau erbittert verteidigt, bis Material und Munition aufgebraucht waren.

Am 24. Dezember und den beiden folgenden Tagen kam es an einigen Abschnitten der Westfront zum sogenannten Weihnachtsfrieden, einem unautorisierten Waffenstillstand unter den Soldaten. Beteiligt an dieser Weihnachtswaffenruhe, verbunden mit VerbrĂŒderungsgesten, waren ĂŒber 100.000 hauptsĂ€chlich deutsche und britische Soldaten.

Kriegsjahr 1915

Frauen arbeiten in einem englischen RĂŒstungsbetrieb (1915)

Im Januar 1915 kam es an der Kaukasusfront zu ersten grĂ¶ĂŸeren Kampfhandlungen zwischen osmanischen und russischen Truppen. Dabei musste das Osmanische Reich in der Schlacht von SarıkamÄ±ĆŸ eine schwere Niederlage hinnehmen. Es kam zu dem Völkermord an den Armeniern und dem Völkermord an den Assyrern durch osmanische Truppen, die schĂ€tzungsweise eine Million Todesopfer forderten. Zahlreiche Armenier wurden in WĂŒstengebiete deportiert.

Das deutsche Heer siegte vom 2. bis 27. Februar mit Hilfe der neu eingetroffenen 10. Armee in der Winterschlacht in Masuren ĂŒber die Russen. Die russischen Truppen zogen sich daraufhin endgĂŒltig aus Ostpreußen zurĂŒck.

Im November 1914 erhielt Erich von Ludendorff als Chef des Stabes gemeinsam mit Paul von Hindenburg das Oberkommando ĂŒber alle deutschen Truppen der Ostfront. Im Sommer 1915 fielen Polen, fast ganz Kurland und Litauen unter deutsche Okkupation. In Polen entstanden durch die BesatzungsmĂ€chte zwei Gouvernements: ein Österreichisches in Lublin und ein Deutsches mit Sitz in Warschau. Die restlichen Gebiete wurden unter dem Begriff Ober Ost zusammengefasst. Das Gebiet des Oberbefehlshabers der gesamten deutschen StreitkrĂ€fte im Osten, kurz Ober Ost, erstreckte sich ĂŒber Kurland, das ethnografische Litauen, einige rein polnische Distrikte wie Augustow und Suwalki und die westlichen Distrikte Weißrusslands.

An der Westfront kam es im Februar und MÀrz zur sogenannten Winterschlacht in der Champagne, bei der die Franzosen erstmals massives Trommelfeuer einsetzten. Diese Taktik war jedoch nicht sehr erfolgreich, da sich die Deutschen schnell auf einen Angriff der Infanterie einstellten und die Angriffe aus bereits gut ausgebauten UnterstÀnden mit Sperrfeuer und MGs abweisen konnten.

Wenig spĂ€ter begannen die Deutschen mit der Entwicklung des Einsatzes von Giftgas, einer der furchtbarsten Waffen des Ersten Weltkrieges. FĂŒr den sogenannten Blasenangriff wurde Chlorgas verwendet, das sich mit seiner hohen Dichte in die GrĂ€ben senkte. Der erste Giftgas-Angriff war zunĂ€chst als Experiment angesetzt und fand am ersten Tag der Zweiten Flandernschlacht, dem 22. April, in Ypern statt. Die Wirkung war verheerend: 15.000 aus Algerien stammende französische Soldaten, dazu bretonische Territorialsoldaten sowie die erst kĂŒrzlich an der Front eingetroffenen Kanadier, flohen oder wurden getötet, so dass die Deutschen anfĂ€nglich ohne Widerstand vorrĂŒcken konnten. Dennoch nutzte die OHL die Gunst der Stunde nicht, worauf die Alliierten die Front wieder schließen konnten. Es ist historisch nicht endgĂŒltig geklĂ€rt, welche Kriegspartei tatsĂ€chlich zuerst Gas als Kampfmittel eingesetzt hat.

Britische Infanterie bei einer Übung auf der griechischen Insel Lemnos fĂŒr den spĂ€teren Angriff auf Gallipoli

Am 25. April begann die Dardanellen-Operation der Alliierten auf der Halbinsel Gallipoli mit dem Ziel, nach Konstantinopel durchzubrechen. Alliierte Truppen hatten zuvor unter Missachtung der griechischen NeutralitĂ€t die Insel Lemnos erobert, um sie als Ausgangspunkt fĂŒr Angriffe gegen das Osmanische Reich zu nutzen. Die zerklĂŒfteten Felsen von Gallipoli boten zwar einen guten Unterschlupf, aber bei den Angriffen waren sie den Briten, Australiern und NeuseelĂ€ndern wenig hilfreich. Auch war der tĂŒrkische Widerstand unerwartet hart, weshalb die Operation bis zum 9. Januar 1916 mit einer umfassenden amphibischen Evakuierung abgebrochen werden musste.

An der deutschen Ostfront fand vom 2. bis zum 7. Mai östlich von Krakau die Schlacht von Gorlice-TarnĂłw statt, in deren Verlauf den deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen ein tiefer Einbruch in die russischen Stellungen gelang. Przemysl und Lemberg wurden im Juni zurĂŒckerobert; die MittelmĂ€chte konnten Galizien grĂ¶ĂŸtenteils wieder unter ihre Kontrolle bringen.

Am 7. Mai versenkte ein deutsches Unterseeboot das britische Passagierschiff Lusitania vor der sĂŒdirischen KĂŒste, was schwere Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und den USA auslöste (unter den 1198 Opfern waren 127 US-Amerikaner[57]). Deutschland stellte nach Drohungen mit einem amerikanischen Kriegseintritt auf Seiten der Entente den seit Februar praktizierten uneingeschrĂ€nkten U-Boot-Krieg wieder ein. Dessen Wiederaufnahme Anfang 1917 war ein maßgeblicher Grund fĂŒr die amerikanische KriegserklĂ€rung im April 1917.

Am 9. Mai versuchten Briten und Franzosen einen Durchbruch im Artois in der Schlacht bei Lens, die jedoch trotz enormer Verluste ohne Erfolg blieb und Mitte Juni abgebrochen wurde.

Am 23. Mai erklĂ€rte Italien Österreich-Ungarn den Krieg. Die damit eröffnete Italienfront verlief ĂŒber Tirol, entlang des Isonzo zur KĂŒste der Adria. Damit befand sich Österreich-Ungarn ab sofort in einem Dreifrontenkrieg, was die Lage der MittelmĂ€chte verkomplizierte. Bis Sommer 1917 versuchten die italienischen Truppen in elf Isonzoschlachten vergeblich die österreichisch-ungarischen Stellungen zu stĂŒrmen. Diese konnten auch die Gebirgshöhen wirkungsvoll zur Verteidigung nutzten; ein Teil der Frontlinie verlief im Hochgebirge. Die dortigen KĂ€mpfe gingen als Alpenkrieg in die Geschichte ein und forderten hohe Verluste. Vermutlich kamen in den Hochgebirgsstellungen mehr Opfer durch Erfrieren und Lawinen ums Leben, als durch Kampfhandlungen.

Wilhelm II., Ferdinand I. von Bulgarien und Generalfeldmarschall von Mackensen in Nisch (1915)
Bulgarische Soldaten um 1916

Im Juni starteten die MittelmĂ€chte eine Serie von koordinierten Offensiven an ihrer Ostfront, die zur RĂ€umung Polens durch die russischen Truppen im Großen RĂŒckzug fĂŒhrten. Bis zum September gelang ihnen dabei die Einnahme wichtiger StĂ€dte wie Warschau, Brest-Litowsk und Vilnius. Die MittelmĂ€chte drĂŒckten die russische Front teilweise um mehrere hundert Kilometer ein. In der Schlacht bei Tarnopol hielt die russische Armee den Vorstoß auf. Im selben Monat ĂŒbernahm Zar Nikolaus II. persönlich den Oberbefehl ĂŒber das russische Heer. Trotz der großen russischen Gebietsverluste strebte er keinen von den MittelmĂ€chten erhofften Separatfrieden an.

VerstĂ€rkung erhielten die MittelmĂ€chte am 14. Oktober 1915 durch den Kriegseintritt Bulgariens. Bereits am 6. September hatte sich Bulgarien zu einer Zusammenarbeit mit den MittelmĂ€chten bereit erklĂ€rt, die durch einen Angriff auf Serbien eine Landverbindung zum Osmanischen Reich herstellen wollten. Am 6. Oktober begann die Offensive gegen Serbien, in deren Verlauf die MittelmĂ€chte bis November die serbische Armee bis nach Albanien zurĂŒckdrĂ€ngten. Bis zum Dezember 1915 besetzten österreichisch-ungarische, deutsche und bulgarische Truppen ganz Serbien. Die Reste der serbischen Armee konnten sich unter Mitnahme von einigen tausend Gefangenen nach Korfu absetzen.

Zu den letzten grĂ¶ĂŸeren Kampfhandlungen an der Westfront des Kriegsjahres 1915 kam es zwischen 25. September und 13. Oktober im Artois und der Champagne. Diese fĂŒr Briten und Franzosen verlustreiche Herbstschlacht brachte wieder nur geringfĂŒgige EinbrĂŒche in die deutschen Stellungen. Der u. a. auch in den Vogesen, im Bogen von St. Mihiel, in den Argonnen und unterirdisch mit gewaltigen unterirdischen Minen gefĂŒhrte Landkrieg an der Westfront im Jahre 1915 brachte im Ergebnis keine nennenswerten Verschiebungen der Frontlinie, fĂŒhrte aber zu den schwersten französischen Verlusten innerhalb eines Kalenderjahres wĂ€hrend des gesamten Krieges.

Ende November unternahmen britische Truppen vom Persischen Golf aus einen Vorstoß nach Mesopotamien. Bei der Belagerung von Kut wurden sie jedoch von der osmanischen Armee eingeschlossen und mussten im April 1916 kapitulieren.

Kriegsjahr 1916

Karikatur zur Besetzung Albaniens durch die österreichischen Truppen
Deutscher Sturmtruppsoldat an der Westfront, 1916
Fort Douaumont Ende 1916
Offizielles Gefallenen-Gedenkblatt mit faksimilierter Unterschrift Wilhelms II., 1916
Soldatenfriedhof an der Ostfront, um 1916

Der im Oktober 1915 erfolgreich begonnene Balkanfeldzug der MittelmĂ€chte endete im Februar 1916 nach der vollstĂ€ndigen Besetzung Montenegros und Albaniens durch das österreichisch-ungarische Heer. In Montenegro war Viktor Weber Edler von Webenau vom 26. Februar 1916 bis zum 10. Juli 1917 MilitĂ€r-General-Gouverneur. In Albanien, das eigentlich kein Kriegsteilnehmer war, wurde unter dem Vorsitz des Generalkonsuls August Ritter von Kral ein ziviler Verwaltungsrat eingerichtet.

Nachdem sich das deutsche Heer im Vorjahr an der Westfront eher defensiv verhalten hatte, beschloss die Oberste Heeresleitung unter Erich von Falkenhayn zu Beginn des Jahres 1916, Verdun anzugreifen. Falkenhayn wollte die französische Armee dazu bringen, fĂŒr die Verteidigung ihrer stĂ€rksten und somit moralisch wichtigen Festung große TruppenverbĂ€nde aufzubieten, um sie dann im Kampf gegen die deutlich grĂ¶ĂŸere deutsche Armee „ausbluten“ zu lassen. Die deutsche Armee fĂŒhrte nun gewaltige Mengen an GeschĂŒtzen, Munition und Truppen in das Gebiet nördlich der Maas. Mitte Februar herrschte im Angriffsgebiet auf deutscher Seite eine nie zuvor gekannte Konzentration an KriegsgerĂ€t.

Am 21. Februar begann die Schlacht um Verdun mit einem gewaltigen, ĂŒber achtstĂŒndigen Trommelfeuer aus 1500 GeschĂŒtzrohren, welches das Zeitalter der Materialschlachten einleitete. Dabei wurden die meisten französischen Vorposten ausgelöscht. Kurz danach griffen acht deutsche Divisionen auf voller Frontbreite an und zerschlugen die letzten gegnerischen Einheiten, worauf die Moral der Franzosen erheblich sank. Am 25. Februar wurde das wichtige Fort Douaumont von deutschen Truppen erobert. Kurz danach entschlossen sich die Alliierten, dass die Festung Verdun unbedingt gehalten werden sollte. Mit der Verteidigung der Stadt wurde General PĂ©tain beauftragt. Durch den guten Nachschub ĂŒber die Straße von Bar-le-Duc nach Verdun gelang es den Franzosen, bis Anfang April dem Gegner ebenbĂŒrtig zu werden.

Am 20. Mai wurde die Höhe „Toter Mann“ („Dead Mans Hill“ oder „Le-Mort-Homme“) von den Deutschen eingenommen, jedoch nicht sehr lange gehalten. Die Höhe gilt wegen der unglaublich brutal gefĂŒhrten KĂ€mpfe als Symbol fĂŒr die „Hölle von Verdun“. Am 2. Juni erfolgte die ErstĂŒrmung von Fort Vaux durch deutsche Truppen. Im Juli entbrannten heftige KĂ€mpfe um Fort Thiaumont, das innerhalb kurzer Zeit mehrere Male den Besitzer wechselte, bis es endgĂŒltig unter deutsche Kontrolle geriet.

Ein deutscher Student berichtete ĂŒber das Schlachtgeschehen wenige Monate vor seinem Tod bei einem Sturmangriff auf ein Fort vor Verdun:

„7:30 Uhr Gas mit den grĂ¶ĂŸten Kalibern. 7:30 bis 8:00 Uhr 38,5 bis 42-Zentimeter-Granaten. Erde bis zum Himmel. Die Schlucht eine riesige Dampfwolke, turmhoch flogen die TrĂŒmmer. Dorf FI. ist eine Rauchwolke. GegenĂŒber unserer Stellung scheint die Welt unterzugehen. Raus aus den GrĂ€ben! Kein Quadratmeter, der nicht zerwĂŒhlt ist. Die Maschinengewehre rasseln, das Infanteriefeuer rollt. Ein HöllenlĂ€rm. Da stĂŒrzt einer, dort wieder einer. Leutnant U., unser derzeitiger KompaniefĂŒhrer, steht auf – da – spritzen Fetzen seiner Generalstabskarte, er krampft die HĂ€nde vor die Brust und fĂ€llt vorne ĂŒber. Nach wenigen Minuten ist er tot.[58]“

Die Schlacht vor Verdun wurde bei den deutschen Soldaten schnell als „Maas-MĂŒhle“ und „Blutpumpe“ bekannt. Auf einem Gebiet von wenigen Dutzend Quadratkilometern explodierten mehrere Millionen Granaten, die das Schlachtfeld mehrfach durchpflĂŒgten. Das umkĂ€mpfte Gebiet war ĂŒbersĂ€t von Granattrichtern, Leichen und verschossener Munition. Bis heute hat sich die dortige Vegetation nicht vollstĂ€ndig erholt.

Durch die erbitterten KĂ€mpfe vor Verdun wurde die französische Armee stark geschwĂ€cht, so dass ihre britischen VerbĂŒndeten im FrĂŒhsommer eine Großoffensive am Fluss Somme begannen. Der Oberbefehlshaber der britischen StreitkrĂ€fte in Frankreich, Douglas Haig, griff das auch von Falkenhayn betriebene Konzept der Abnutzungsschlacht auf. Die von ihm geplante Offensive an der Somme sollte nicht nur die französische Armee entlasten, sondern auch die völlige materielle und personelle Erschöpfung der Deutschen herbeifĂŒhren. Nach achttĂ€giger, ununterbrochener Artillerievorbereitung durch ĂŒber 1400 GeschĂŒtze, bei der etwa anderthalb Millionen Granaten verschossen wurden, begann am 1. Juli 1916 der Angriff auf die deutschen Stellungen an der Somme. Trotz des schweren GeschĂŒtzfeuers waren zahlreiche deutsche UnterstĂ€nde intakt geblieben, so dass die deutschen Soldaten dem britischen Angriff mit MG-Feuer begegnen konnten. Allein am ersten Tag der Somme-Schlacht starben 21.000 britische Soldaten, davon 8000 alleine in der ersten halben Stunde. Viele britische Einheiten verloren ĂŒber die HĂ€lfte ihrer Soldaten. Trotz dieser enormen Verluste ließ Haig die Offensive weiterfĂŒhren. Aufgrund der Schlacht an der Somme und der „Brussilow-Offensive“ an der Ostfront musste das deutsche Heer Truppen vor Verdun abziehen und den Angriff auf die Stadt am 21. Juli abbrechen.

Noch im Herbst ging die geschwĂ€chte französische Armee in einem militĂ€rischen Kraftakt zur Gegenoffensive ĂŒber. Am 24. Oktober nahmen französische Truppen die Forts Douaumont und Thiaumont ein. Weitere französische Offensiven zwangen die Deutschen dazu, am 2. Dezember Fort Vaux zu rĂ€umen. Das Fort wurde nach seiner RĂ€umung von deutschen Pionieren gesprengt. Bis zum 16. Dezember eroberten die Franzosen fast sĂ€mtliche Gebiete zurĂŒck, welche die Deutschen bei ihrer Offensive im FrĂŒhjahr eingenommen hatten.

WĂ€hrenddessen hatte sich auch der Kampf an der Somme zu einer gewaltigen Materialschlacht entwickelt. In monatelangen, verlustreichen KĂ€mpfen gelang es britischen und französischen Truppen, die deutsche Front um einige Kilometer einzudrĂŒcken. Die Verluste waren jedoch dermaßen hoch, dass die Somme-Schlacht Ende November 1916 abgebrochen wurde.

Die Schlacht vor Verdun forderte insgesamt ĂŒber 600.000 Tote und Verwundete auf beiden Seiten. Allein zwischen Februar und August 1916 wurden 88.000 deutsche Gefallene gezĂ€hlt. Aufgrund des Verlaufs der Schlacht wurde Erich von Falkenhayn als Generalstabschef des deutschen Heeres im August 1916 von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg abgelöst. Die Schlachten ab 1916 hinterließen dramatische LĂŒcken in der Demografie Deutschlands und erzeugten eine noch nicht gekannte soziale Not bei Kriegswaisen und -witwen.

Die Schlacht an der Somme forderte noch mehr Todesopfer als der Kampf um Verdun. Über eine Million britische, deutsche und französische Soldaten wurden in der Schlacht verwundet oder getötet. Von dem Verlust an Altgedienten, schon 1914 ins Feld gezogenen Mannschaften und Unteroffizieren erholte sich das deutsche Heer bis Kriegsende nicht mehr. WĂ€hrend der Somme-Schlacht hatte die britische Armee erstmals in geringer Zahl Panzer eingesetzt, die jedoch mehrfach auf dem Weg zur Front mit technischen Defekten stehengeblieben waren. Da die Somme-Schlacht den Alliierten bei gewaltigen Verlusten nur geringe Gebietsgewinne brachte, wurde der französische Oberbefehlshaber Joffre am 3. Dezember durch General Nivelle ersetzt.

Auch an den anderen KriegsschauplĂ€tzen kam es 1916 zu schweren KĂ€mpfen. Von Mai bis Juni fĂŒhrte die österreichisch-ungarische Armee eine Offensive gegen die italienischen Stellungen, die nach geringen Anfangserfolgen aufgrund der Lage an der Ostfront abgebrochen werden musste. Die italienische Armee unternahm von Juni bis November mehrere Großangriffe am Isonzo. Dabei eroberten die Italiener die Stadt Görz, doch blieben weitere Erfolge der italienischen Armee aus. Im Juni begann die russische Armee die nach dem zustĂ€ndigen General benannte Brussilow-Offensive, bei der Russland aufgrund des Mangels an KriegsgerĂ€t vor allem auf seine große Masse an Soldaten setzte. Das russische Heer eroberte grĂ¶ĂŸere Gebiete in Wolhynien und Galizien, konnte jedoch von den österreichisch-ungarischen Truppen mit deutscher Hilfe im August aufgehalten werden. Aufgrund der hohen Verluste wurde die gesunkene Moral des russischen Heeres immer deutlicher. Die zweite Brussilow-Offensive, die von September bis Oktober gefĂŒhrt wurde, scheiterte ebenso wie die dritte Offensive von Oktober bis Dezember. Am 5. November wurde der bis 1915 russische Teil Polens von den MittelmĂ€chten zum unabhĂ€ngigen Königreich proklamiert. Von den MittelmĂ€chten aufgrund dieser Geste gehegte Erwartungen im Hinblick auf eine wesentliche militĂ€rische UnterstĂŒtzung durch Polen erfĂŒllten sich jedoch nicht; nur ein kleines nationalpolnisches Freiwilligen-Kontingent kĂ€mpfte auf Seiten der MittelmĂ€chte. Allerdings ist hierbei zu berĂŒcksichtigen, dass hunderttausende Soldaten polnischer NationalitĂ€t als jeweilige "Untertanen" bereits seit Kriegsbeginn und weiterhin in den deutschen, österreichisch-ungarischen (sowie russischen) StreitkrĂ€ften dienten.

Erst am 28. August 1916 war die italienische KriegserklĂ€rung an das Deutsche Reich erfolgt. Dennoch war bereits von Mai bis November 1915 eine verstĂ€rkte deutsche Division (Alpenkorps) zur UnterstĂŒtzung des österreichisch-ungarischen VerbĂŒndeten an die Front in SĂŒdtirol verlegt worden.

Am 27. August 1916 war RumĂ€nien auf der Seite der Alliierten in den Krieg eingetreten. RumĂ€nische Truppen fielen ins österreichisch-ungarische SiebenbĂŒrgen ein, doch erfolgte bereits Ende August eine Gegenoffensive der MittelmĂ€chte. Innerhalb kurzer Zeit eroberten österreichisch-ungarische, deutsche und bulgarische Truppen einen Großteil RumĂ€niens. Am 6. Dezember nahmen die MittelmĂ€chte die rumĂ€nische Hauptstadt Bukarest ein. Die RumĂ€nen konnten mit russischer Hilfe lediglich den Nordosten ihres Landes halten. Nach dem Sieg ĂŒber RumĂ€nien richteten die MittelmĂ€chte am 12. Dezember ein Friedensangebot an die Alliierten, das diese am 30. Dezember ablehnten.

Kriegsjahr 1917

Im MĂ€rz 1917 zogen sich die an der Somme stehenden deutschen Truppen in die stark ausgebaute Siegfriedstellung zurĂŒck. Zuvor verwĂŒsteten sie das freigegebene Gebiet weitgehend und verminten es teilweise.

Im selben Monat unternahmen die Briten einen Vorstoß nach Bagdad und nahmen die Stadt ein.

Vor dem Hintergrund der Kriegsbelastungen und aufgrund des starken Nahrungsmangels kam es am 8. MĂ€rz (23. Februar nach russischem Kalender) in Sankt Petersburg zu Massendemonstrationen, die sich zur Februarrevolution ausweiteten. Es bildeten sich in Petersburg Arbeiter- und SoldatenrĂ€te, wĂ€hrend eine provisorische bĂŒrgerliche Regierung unter FĂŒrst Lwow errichtet wurde. Am 15. MĂ€rz dankte Zar Nikolaus II. ab. Neben der parlamentarischen Regierung stand als zweite Gewalt der oberste Arbeiter- und Soldatenrat von Petersburg. Zur EnttĂ€uschung großer Teile der russischen Bevölkerung entschied sich die provisorische Regierung zur WeiterfĂŒhrung des Krieges. Aus diesem Grunde ermöglichte die Oberste Heeresleitung im April einer im Schweizer Exil lebenden Gruppe von Bolschewiki um Lenin, mit dem Zug nach Russland zu kommen. Am 16. April traf Lenin in Sankt Petersburg ein, wo er zur sozialistischen Revolution aufrief.

Am 6. April 1917 erklĂ€rten die USA dem Deutschen Reich den Krieg. Anlass war die ErklĂ€rung des uneingeschrĂ€nkten U-Boot-Kriegs durch das Reich, der auch viele zivile Opfer forderte. Außerdem wurde die Zimmermann-Depesche bekannt, in der das Deutsche Reich Mexiko aufforderte, die USA anzugreifen. Im Dezember 1917 folgte auch die KriegserklĂ€rung der USA an Österreich-Ungarn.

Ungeachtet der gewaltigen Verluste im bisherigen Kriegsverlauf starteten die Alliierten auch im Jahre 1917 mehrere Großangriffe auf die deutsche Westfront. Diesmal wĂ€hlte der britische Oberbefehlshaber Haig die nordfranzösische Stadt Arras als Ziel einer Offensive, wĂ€hrend die französische Armee an der Aisne und in der Champagne die deutschen Stellungen angriff. An der Aisne setzten die Franzosen noch mehr Soldaten und KriegsgerĂ€t ein als bei ihrer Gegenoffensive vor Verdun 1916. Die Offensiven der Alliierten begannen im April und mussten bereits im Mai nach hohen Verlusten abgebrochen werden. Das deutsche Heer war dazu ĂŒbergegangen, die SchĂŒtzengrĂ€ben weitaus tiefer und dichter zu staffeln als zuvor. Zudem hielten die Deutschen Eingreifdivisionen bereit, die mit großer Schnelligkeit an bedrĂ€ngte Frontabschnitte herangefĂŒhrt werden konnten.

Als Folge der gescheiterten Offensiven kam es in der französischen Armee zu Meutereien, von denen zeitweilig bis zu 16 Korps erfasst wurden. Deshalb wurde der französische Oberbefehlshaber Nivelle durch General PĂ©tain abgelöst, der die Verteidigung Verduns organisiert hatte. Durch den Übergang zu einer strikten Defensivhaltung konnte PĂ©tain die Unruhe in der französischen Armee vorerst eindĂ€mmen. Gegen meuternde Soldaten wurde mit Ă€ußerster HĂ€rte vorgegangen. Kriegsgerichte fĂ€llten 629 Todesurteile, davon wurden 43 vollstreckt.[59] Obwohl deutsche VerbĂ€nde gemeldet hatten, dass der französische Widerstand an grĂ¶ĂŸeren Frontabschnitten praktisch nicht mehr existierte, nutzte die deutsche Heeresleitung die Meutereien in der französischen Armee nicht aus. PĂ©tain erkannte die Gefahr und sorgte fĂŒr Verbesserungen in Hinsicht auf Verpflegung und Ruhezeiten der Truppen. Die Soldaten wurden kĂŒnftig durch sorgfĂ€ltiger geplante und vorsichtigere Operationen sowie verstĂ€rkten Materialeinsatz etwas entlastet. In der Folge setzte in der französischen Armee ein langsamer Regenerationsprozess ein, die Moral festigte sich wieder.

Zerbombter Wald bei Ypern
Flandernschlacht: Erfolgloser französischer Sturmangriff auf eine deutsche, durch Trommelfeuer nahezu vollstÀndig eingeebnete Stellung

Nach den verlustreichen KĂ€mpfen im FrĂŒhjahr begann im Juni 1917 eine alliierte Großoffensive unter britischer FĂŒhrung in Flandern. Wie mehrfach zuvor setzte man dabei auf den massiven Einsatz von KriegsgerĂ€t und Infanterie auf großer Breite. Die Flandernschlacht, die durch widrige GelĂ€ndebedingungen geprĂ€gt war, dauerte mehrere Monate und brachte den Alliierten nur geringe Gebietsgewinne bei hohen Verlusten. Sie musste im Herbst 1917 abgebrochen werden.

Am 27. Juni 1917 trat Griechenland auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein. Das neutrale Griechenland stand bereits seit 1916 unter alliiertem Druck, da britische und französische Schiffe die KĂŒste blockierten. Nach einem Ultimatum des französischen Oberkommissars Jonnart dankte im Juni 1917 König Konstantin I. ab. Es folgte die Bildung einer den Alliierten wohlgesinnten Republik unter MinisterprĂ€sident Eleftherios Venizelos. Diese erklĂ€rte den MittelmĂ€chten den Krieg.

Die WestmĂ€chte drĂ€ngten zu ihrer Entlastung Russland zur DurchfĂŒhrung einer Offensive, die von dem russischen Kriegsminister Kerenski geplant wurde und am 30. Juni begann. Nach Anfangserfolgen lief sich die Offensive am 11. Juli fest. Bereits am 19. Juli gingen deutsche und österreichisch-ungarische Truppen bei Tarnopol zum Gegenangriff ĂŒber. Dabei gelang ihnen die RĂŒckeroberung von Ost-Galizien und der Bukowina. In Russland selbst kam es am 17. Juli zu einem Putschversuch der Bolschewiki, der durch das MilitĂ€r niedergeschlagen wurde. Lenin floh daraufhin nach Finnland, wĂ€hrend FĂŒrst Lwow am 21. Juli von dem aus einer gemĂ€ĂŸigten sozialistischen Partei stammenden Kerenski als MinisterprĂ€sident der provisorischen Regierung abgelöst wurde. Trotz der militĂ€rischen Misserfolge und der kritischen Situation im Inneren beharrte Kerenski auf der WeiterfĂŒhrung des Krieges. Im September eroberten deutsche Truppen die Stadt Riga und im Oktober die baltischen Inseln Ösel, Dagö und Moon, woraufhin der militĂ€rische Widerstand der russischen Armee nahezu zusammenbrach.

Am 1. August 1917, am dritten Jahrestag des Kriegsbeginns, verbreitete Papst Benedikt XV. ein „DĂšs le dĂ©but“ genanntes Apostolisches Schreiben, in dem er sich als Vermittler umfassender Friedensverhandlungen anbot. Der Friedensappell blieb jedoch erfolglos.

Ende Oktober 1917 gelang österreichisch-ungarischen Truppen, die durch die deutsche 14. Armee (darunter das Deutsche Alpenkorps) starke UnterstĂŒtzung erhielten, in der Zwölften Isonzoschlacht (auch Schlacht von Karfreit) der Durchbruch bei Flitsch und Tolmein (heute Slowenien). Die Italiener verloren mehr als 200.000 Mann an Kriegsgefangenen und wurden bis an den Piave zurĂŒckgeworfen. Die Front konnte nur mit MĂŒhe stabilisiert werden. Britische und französische Divisionen wurden zur UnterstĂŒtzung Italiens entsandt.

Anfang November eskalierte die Situation in Russland. Durch die von dem inzwischen aus Finnland zurĂŒckgekehrten Lenin gefĂŒhrte Oktoberrevolution vom 6. bis 7. November wurde die provisorische Regierung gestĂŒrzt und die Macht von den Bolschewiki ĂŒbernommen. Bereits am 8. November wird von den neuen russischen Machthabern das Dekret ĂŒber die Beendigung des Krieges erlassen, wodurch sich fĂŒr die MittelmĂ€chte eine starke militĂ€rische Entlastung an ihrer Ostfront anbahnte.

Im Gegensatz zu der sich Ende 1917 entspannenden Situation im Osten kam es in Frankreich nach wie vor zu schweren KĂ€mpfen. Am 20. November unternahm die britische Armee nach kurzer Artillerievorbereitung einen Überraschungsangriff auf die deutschen Stellungen bei Cambrai und setzte dabei mehrere hundert Panzer ein. Dabei gelang den Briten ein tiefer Einbruch in die deutsche Front. Die deutsche Armee musste alle verfĂŒgbaren Reserven heranfĂŒhren. Wenige Tage nach Beginn der Schlacht gingen die Deutschen zum Gegenangriff ĂŒber, wobei sie erstmals in großem Umfang Sturmtruppen an der Westfront einsetzten. Am 3. Dezember endete die Panzerschlacht von Cambrai mit annĂ€hernd unverĂ€nderten Fronten. Insgesamt waren ĂŒber 80.000 britische und deutsche Soldaten verwundet, getötet oder gefangengenommen worden. Aus taktischer Sicht hatte die Schlacht großen Einfluss auf das weitere Kriegsgeschehen. Ein nach kurzem GeschĂŒtzfeuer schnell vorgetragener Angriff mit Panzern und Sturmtruppen schien einen Durchbruch in dem völlig statischen Grabenkrieg möglich zu machen.

Deutsche Soldaten in Jerusalem

Bei dem britischen Angriff auf das von den Osmanen kontrollierte PalĂ€stina handelte es sich um die letzte grĂ¶ĂŸere Offensive des Kriegsjahres 1917. Der Angriff mit UnterstĂŒtzung aufstĂ€ndischer Araber (T. E. Lawrence) endete am 10. Dezember mit der Eroberung Jerusalems durch britische Truppen.

Am 15. Dezember wurde ein Waffenstillstand zwischen den MittelmÀchten und Russland vereinbart und eine Woche spÀter in Brest-Litowsk die zunÀchst ergebnislosen Friedensverhandlungen eröffnet.

Kriegsjahr 1918

Nach dem Friedensschluss von Brest-Litowsk: Russische und deutsche Soldaten feiern VerbrĂŒderung.

Um die Bolschewiki zu ZugestĂ€ndnissen zu zwingen, rĂŒckten die MittelmĂ€chte Anfang 1918 weiter auf russisches Territorium vor und schlossen am 9. Februar 1918 einen Sonderfrieden mit der Ukraine. Lenin ließ trotz der harten Bestimmungen am 3. MĂ€rz den Friedensvertrag von Brest-Litowsk unterzeichnen. Russland schied unter dem Verlust von etwa 25 Prozent seines europĂ€ischen Territoriums aus dem Krieg aus. Die Ukraine war unter deutscher Kontrolle, wovon man sich eine Verbesserung der Rohstoff- und Getreideversorgung erhoffte. Durch das Ausscheiden Russlands wurde es der deutschen Heeresleitung ermöglicht, etwa eine Million Soldaten an die Westfront zu verlegen. Dadurch erlangten die MittelmĂ€chte an der Westfront die zahlenmĂ€ĂŸige Überlegenheit. Diese war aufgrund des Eintreffens von immer mehr US-amerikanischen VerbĂ€nden in Frankreich aber nur von kurzer Dauer, weshalb sich die OHL erstmals seit 1916 zu einer Großoffensive an der Westfront entschloss. Die deutsche Armee plante einen Angriff mit starkem Artillerieeinsatz und Giftgas auf die Nahtstelle der britisch-französischen Front, um die Gegner zu trennen und separat zu schlagen. Dabei ließ die OHL außer Acht, dass die Kampfkraft der französischen Truppen geringer war als die der britischen. So hatte es bereits 1917 Meutereien in der französischen Armee gegeben.

FrĂŒhjahrsoffensive 1918: Paul v. Hindenburg, Wilhelm II. und Erich Ludendorff sowie weitere Mitglieder der OHL auf dem Weg zum Großen Hauptquartier in Avesnes-sur-Helpe.

Am frĂŒhen Morgen des 21. MĂ€rz 1918 begann die deutsche FrĂŒhjahrsoffensive mit dem stĂ€rksten Trommelfeuer, das die Westfront bis dato erlebt hatte. Verschiedene Quellen sprechen von einem Feuer aus rund 6000 GeschĂŒtzen. Im Verlauf der Offensive wurde auch erstmals das sogenannte Paris-GeschĂŒtz eingesetzt. Die deutschen Sturmtruppen erzielten einen tiefen Einbruch in die britische Front, die sich an mehreren Abschnitten nahezu auflöste. Innerhalb weniger Tage rĂŒckte das deutsche Heer fast 70 Kilometer vor. Doch die deutschen Angriffskeile verloren durch ihr strahlenförmiges Auseinanderstreben rasch an Wucht. Nach dem 6. April ging man wieder zum Stellungskrieg ĂŒber. Unter dem Druck der bedrohlichen Lage des FrĂŒhjahres 1918 konnten sich die Alliierten nun endlich auf einen gemeinsamen Oberbefehl ĂŒber die alliierten StreitkrĂ€fte in Frankreich und Belgien verstĂ€ndigen: Oberbefehlshaber wurde der französische Marschall Ferdinand Foch.

Weitere deutsche Offensiven ab 9. April in Flandern und ab 27. Mai an der Aisne (wobei man wiederum, wie 1914, bis auf wenige Dutzend Kilometer an Paris herankam), liefen sich letztendlich ebenso fest. Die Übernahme eines lĂ€ngeren alliierten Frontabschnittes in Lothringen durch US-VerbĂ€nde ermöglichte es den Franzosen, KrĂ€fte zu verlagern und so zur Abwehr der deutschen Offensiven beizutragen. Am 3. Juni endete die deutsche FrĂŒhjahrsoffensive an der Aisne.

Die letzte deutsche Großoffensive vom 15. Juli 1918 bei Reims und in der Champagne verpuffte nahezu wirkungslos, trotz erneut sehr starker Artillerievorbereitung.

BegĂŒnstigt durch die immer stĂ€rkere US-amerikanische UnterstĂŒtzung konnten die Alliierten bereits am 18. Juli zwischen Marne und Aisne zur Gegenoffensive ĂŒbergehen.

Deutsche Soldaten kommen im Sommer 1918 zunehmend in die Defensive: Abwehrversuch eines britischen Mark IV-Tankangriffs mit dem Flammenwerfer.

An der Somme, in der Panzerschlacht bei Amiens (8. August 1918), mussten die Deutschen eine schwere Niederlage hinnehmen. Auf deutscher Seite sprach man vom „schwarzen Tag des deutschen Heeres“. Das deutsche Heer war bereits deutlich geschwĂ€cht. Einerseits wurden schon die ersten Angehörigen des Jahrgangs 1900 an die Front geschickt, andererseits konnte man nicht umhin, weit ĂŒber DreißigjĂ€hrige als Soldaten weiter an der Front zu belassen, selbst wenn sie FamilienvĂ€ter waren. Die mittleren Altersgruppen waren durch die vorausgegangenen Kriegsjahre bereits stark dezimiert.

Ab dem Sommer 1918 gerieten zudem immer mehr deutsche Soldaten in alliierte Gefangenschaft. Bereits am 14. August stufte die OHL die militĂ€rische Lage als aussichtslos ein. Die deutschen Truppen mussten sich nun langsam, aber stetig zurĂŒckziehen. Die Deutschen leisteten trotz hoher Verluste und stark abnehmender TruppenstĂ€rke bis zum Schluss hartnĂ€ckigen Widerstand (beschrieben als das „Spinnennetz“ von Verteidigern). Der Stand der Kriegstaktik (Vorteile der Defensive, auch bei relativ wenigen MGs und AbwehrgeschĂŒtzen), die starken Zerstörungen im Kampfgebiet (Wege, Infrastruktur – Panzer waren als Offensivwaffe noch nicht ausgereift) und nicht zuletzt alliierte Nachschubschwierigkeiten kamen den Deutschen hier zugute. Außerdem waren die Truppen der Entente noch stĂ€rker von der seit Mitte 1918 grassierenden Spanischen Grippe betroffen als die der deutschen Seite.

Im Rahmen der Hunderttageoffensive wurden die deutschen Truppen im Sommeabschnitt auf ihre Ausgangsstellungen vor der FrĂŒhjahrsoffensive zurĂŒckgedrĂ€ngt. Ende September begann der Angriff auf die Siegfriedstellung, die im Oktober an mehreren Stellen durchbrochen wurde. Die deutsche Front brach bis zum Waffenstillstand am 11. November jedoch nicht vollstĂ€ndig zusammen, was der sogenannten Dolchstoßlegende nach dem Krieg zum Auftrieb verhalf.

Im November 1918 hielten die deutschen Truppen nur noch einen kleinen Teil Nordostfrankreichs und gut die HĂ€lfte Belgiens sowie Luxemburg besetzt, nach wie vor war von den Alliierten aber kaum deutsches Gebiet besetzt.

Ab dem 15. September 1918 brach der Widerstand der bulgarischen Armee nach einem Durchbruch der Alliierten in der mazedonischen Front komplett zusammen. In der PalĂ€stinaschlacht am 18./19. September kam es zur endgĂŒltigen Niederlage der osmanischen Armee unter der FĂŒhrung von Otto Liman von Sanders. Vor diesem Hintergrund verlangten Hindenburg und Ludendorff am 29. September ultimativ die Ausarbeitung eines Waffenstillstandsangebots durch politische Vertreter des Reiches. Um Verhandlungen auf der Basis des 14-Punkte-Programms des amerikanischen PrĂ€sidenten zu erlangen, empfahl Ludendorff zugleich, die Reichsregierung vom Vertrauen des Parlaments abhĂ€ngig zu machen. Daraufhin forderte der Kaiser mit Erlass am 30. September die EinfĂŒhrung eines parlamentarischen Regierungssystems, was durch Beschluss des Reichstags zur VerfassungsĂ€nderung vom 28. Oktober auch umgesetzt wurde (siehe: Oktoberreform). Der neue, vom Parlament bestĂ€tigte Reichskanzler Max von Baden hatte Woodrow Wilson bereits am 4. Oktober ein entsprechendes Waffenstillstandsangebot unterbreitet. Die USA forderten daraufhin die RĂ€umung der von den Deutschen besetzten Gebiete, die Einstellung des uneingeschrĂ€nkten U-Boot-Krieges und die Abschaffung der Monarchie. Gerade die Abschaffung der Monarchie wurde jedoch von Regierung und SPD abgelehnt.

Amerikanische Soldaten an der Piave-Front 1918

Im Oktober 1918 begann sich Österreich-Ungarn aufzulösen. Am 28. Oktober wurde die Tschechoslowakei gegrĂŒndet, am 29. Oktober der Staat der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat, ab 1929 Jugoslawien). Galizien schloss sich dem wieder erstehenden polnischen Staat an. Am selben Tag erreichten die italienischen Truppen, vom Piave vordringend, in dem spĂ€ter als Schlacht von Vittorio Veneto bezeichneten Kampf die Oberhand und hatten somit einen entscheidenden Durchbruch erzielt. Am 30. Oktober konstituierte sich als Reaktion auf den Abfall aller nichtdeutschen Gebiete der Staat Deutschösterreich.

Am 1. November bildete sich eine unabhĂ€ngige Regierung in Ungarn, nachdem Ungarn am 31. Oktober die Realunion mit Österreich aufgekĂŒndigt und die ungarischen Truppen nach Hause gerufen hatte; damit war Österreich-Ungarn aufgelöst. Am 3. November unterzeichnete General Weber nach im Auftrag des Kaisers bzw. des Armeeoberkommandos gefĂŒhrten Verhandlungen den Waffenstillstand von Villa Giusti mit den Alliierten. (Die deutschösterreichischen Politiker hatten sich der Entscheidung entzogen und entgingen dadurch der spĂ€ter in Deutschland geĂ€ußerten Kritik an den „NovemberverrĂ€tern“.) Am 11. November verzichtete Karl I./IV. als Kaiser von Österreich auf jeden Anteil an den StaatsgeschĂ€ften, am 13. November in gleicher Weise als König von Ungarn.

Matrosenaufstand in Kiel: Demonstration der RevolutionÀre am 4. November 1918
Novemberrevolution 1918: RevolutionÀre Soldaten am 9. November vor dem Brandenburger Tor in Berlin
Flucht Wilhelms II. (Bildmitte bzw. vierter von links) am 10. November 1918: auf dem Bahnsteig des belgisch-niederlĂ€ndischen GrenzĂŒbergangs Eysden kurz vor der Abreise ins niederlĂ€ndische Exil

Ungeachtet der deutschen WaffenstillstandsbemĂŒhungen befahl die deutsche AdmiralitĂ€t im Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918 fĂŒr den 29. Oktober das Auslaufen der Flotte zu einer letzten, verzweifelten Schlacht („ehrenvoller Untergang“) gegen die ĂŒberlegene Royal Navy. Daraufhin kam es in Wilhelmshaven zu Meutereien. Man verlegte die Flotte deshalb zum Teil nach Kiel und wollte die Meuterer bestrafen. Es brach ein Matrosenaufstand aus, der sich innerhalb weniger Tage zur Revolution, der Novemberrevolution, entwickelte.

In zahlreichen deutschen StĂ€dten wurden Arbeiter- und SoldatenrĂ€te gegrĂŒndet. Kurt Eisner rief in MĂŒnchen den Freistaat Bayern aus. Hier folgte im FrĂŒhjahr 1919 die MĂŒnchner RĂ€terepublik. Die Revolution erfasste am 9. November auch Berlin, wo Reichskanzler Prinz Max von Baden aus Sorge vor einem radikalen politischen Umsturz eigenmĂ€chtig die Abdankung des Kaisers und den Thronverzicht des Kronprinzen bekanntgab und die Reichskanzlerschaft auf den Vorsitzenden der SPD, Friedrich Ebert, ĂŒbertrug. Am Nachmittag desselben Tages rief Philipp Scheidemann die deutsche Republik aus. Karl Liebknecht vom Spartakusbund proklamierte die Freie Sozialistische Republik Deutschland. Sowohl der Kaiser als auch sĂ€mtliche deutschen FĂŒrsten mussten abdanken. Wilhelm II. tat dies schriftlich erst Wochen spĂ€ter, flĂŒchtete aber, seinen Ratgebern folgend, am 10. November ins niederlĂ€ndische Exil. Wenn es etwas gab, was spĂ€ter in der Öffentlichkeit den Eindruck der Waffenstillstandsbedingungen ĂŒbertraf, so war es die Flucht von Kaiser Wilhelm: Er verließ das Land, ohne seinem Volk und seinen Truppen, die in seinem Namen kĂ€mpften und starben, Dankesworte zu sagen, entzog sich damit der Verantwortung und „bringt sich schnöde in Sicherheit“.[60]

Delegation der Entente vor dem Salonwagen in CompiÚgne, in dem am 11. November 1918 der Waffenstillstand zum Ende des Ersten Weltkriegs unterzeichnet wurde. 2.v.r. vorne: der französische Delegationsleiter Marschall Foch (Hitler nahm in diesem Wagen 1940 die Kapitulation Frankreichs entgegen)
ZurĂŒckkehrende deutsche Soldaten in Koblenz

Ab 7. November verhandelten der französische Marschall Foch und vier deutsche Politiker der Regierung Max von Badens unter FĂŒhrung von Matthias Erzberger (Vorsitzender der katholischen Zentrumspartei) in einem Salonwagen im Wald von CompiĂšgne ĂŒber den Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Deutschen Reich. (Dass Hindenburg und Ludendorff gestattet worden war, sich von den von ihnen ultimativ verlangten Waffenstillstandsverhandlungen fernzuhalten, sollte sich als schwerer Geburtsfehler der Weimarer Republik erweisen. Denn binnen kurzem wurden die zivilen deutschen Verhandler von der Reaktion als „Novemberverbrecher“ gebrandmarkt.)

Nach dem Regierungswechsel drĂ€ngte Friedrich Ebert auf eine Unterzeichnung des von Frankreich diktierten Vertrages. Am 11. November um 5 Uhr frĂŒh unterzeichneten die beiden Parteien den Vertrag ĂŒber den Waffenstillstand von CompiĂšgne. Dieser sah unter anderem die Bedingungen fĂŒr die RĂ€umung der von der deutschen Armee besetzten Gebiete und des linken Rheinufers vor, das zusammen mit drei BrĂŒckenköpfen in Mainz, Koblenz und Köln von den Alliierten besetzt wurde. Zudem wurde der Friedensvertrag von Brest-Litowsk aufgehoben. Durch die Verpflichtung zur Abgabe großer Mengen von Transportmitteln und Waffen sowie die Internierung der Hochseeflotte wurde dem Reich die WeiterfĂŒhrung des Krieges praktisch unmöglich gemacht, obwohl der Waffenstillstand immer nur fĂŒr 30 Tage galt und dann verlĂ€ngert werden musste. Ab 11. November 11 Uhr schwiegen die Waffen.

Kriegsfolgen

Verluste

Bettelnder Kriegsinvalide in Berlin, 1923
Denkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten in GrĂ€finau-Angstedt (ThĂŒringen)
Bronze-Gedenkplatte mit dem Zarenwappen auf einem Gedenkstein fĂŒr russische Gefallene 1914 bis 1916. Standort: Luftwaffenkaserne Wahn

Der Erste Weltkrieg forderte fast zehn Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete unter den Soldaten. Die Anzahl der zivilen Opfer wird auf weitere sieben Millionen geschĂ€tzt.[1] Im Deutschen Reich leisteten im Kriegsverlauf 13,25 Millionen Mann MilitĂ€rdienst, davon starben 2,0 Millionen.[61] Das Russische Reich hatte etwa 12 Millionen MĂ€nner zum Kriegsdienst herangezogen, von denen 1,85 Millionen ums Leben kamen. Von den knapp 8,1 Millionen eingezogenen Franzosen ĂŒberlebten 1,3 Millionen den Krieg nicht. Das Britische Weltreich hatte insgesamt etwa 7 Millionen Soldaten eingesetzt, von denen 850.000 nicht aus dem Krieg zurĂŒckkehrten. Österreich-Ungarn musste bei 7,8 Millionen Soldaten etwa 1,5 Millionen Todesopfer hinnehmen, auf italienischer Seite waren es bei 5 Millionen Soldaten fast 700.000. Die anteilsmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸten Verluste erlitten RumĂ€nien, Montenegro und Serbien: Von 700.000 serbischen Soldaten starben etwa 130.000.[1] Insgesamt verlor Serbien kriegsbedingt rund 540.000 Menschen, etwa 11 % und Montenegro sogar 16 % seiner Bevölkerung.[62]

Unter den Verwundeten befanden sich zahlreiche mitunter bis zur Unkenntlichkeit entstellte Invaliden. UnzĂ€hlige ehemalige Weltkriegssoldaten starben nach dem Ende der Feindseligkeiten noch an den Folgen von Kriegsverletzungen und mitgebrachten Krankheiten in relativ niedrigem Lebensalter. Zu den Verwundeten mĂŒssen auch zahlreiche Kriegsverweigerer hinzugezĂ€hlt werden, die psychisch unfĂ€hig zum MilitĂ€rdienst waren oder wurden – und zur „Aufrechterhaltung der Moral der Truppe“ entweder zu GefĂ€ngnisstrafen verurteilt oder in entsprechenden Anstalten psychiatrisiert wurden. Zu den militĂ€rischen kamen die zivilen Opfer: Die Blockade gegen die MittelmĂ€chte fĂŒhrte allein in Deutschland zu mindestens 700.000 Hungertoten.[63] Gegen Kriegsende raffte die Spanische Grippe in Europa Millionen von oft bereits zuvor durch den Krieg geschwĂ€chten Zivilisten und Soldaten hinweg. Auf dem Balkan, vor allem in Serbien, erlitt die Bevölkerung schon seit 1914 riesige Verluste durch Krankheiten und Seuchen, wie es auch in vom Krieg verheerten Zonen außerhalb Europas (insbesondere Zentral/Ostafrika) der Fall war. Im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg steht außerdem auch der Völkermord an den Armeniern.

MilitÀrische Verluste (in Millionen)[1] Soldaten Gefallene Prozent
Deutschland 13,25 2,00 15 %
Österreich-Ungarn 7,80 1,50 19 %
Osmanisches Reich 3,00 0,60 20 %
Bulgarien 1,20 0,10 8 %
Russland 12,00 1,85 15 %
Frankreich 8,10 1,30 16 %
British Empire 7,00 0,85 12 %
Italien 5,00 0,68 14 %
RumĂ€nien 1,20 0,34 28 %
Serbien 0,70 0,13 19 %
USA 4,74 0,21 4 %

Kriegskosten

Die gesamten direkten Kriegsausgaben betrugen 1914 bis 1918 956 Milliarden Goldmark. 208 Milliarden davon entfielen auf das Britische Empire, 194 auf Deutschland, 134 auf Frankreich, 129 auf die USA, 106 auf Russland, 99 auf Österreich-Ungarn und 63 Milliarden auf Italien.[64] Diese gigantischen Kosten ĂŒberstiegen bei weitem die Wirtschaftskraft der europĂ€ischen LĂ€nder. Im Wesentlichen – mit Ausnahme Großbritanniens â€“ wurden sie durch Kriegsanleihen und Inflation aufgebracht.

Allein in Deutschland betrugen die Ausgaben aus Anlass des Krieges bis 1916 pro Tag ungefĂ€hr 60 bis 70 Millionen Mark. Danach kam es zu einer gewaltigen Steigerung infolge verstĂ€rkter RĂŒstungsanstrengungen, insbesondere durch das sogenannte Hindenburg-Programm. Nur ein geringer Teil dieser Kosten konnten durch Steuereinnahmen finanziert werden, rund 87 % blieben ungedeckt. Die Reichsschuld stieg daher um 145,5 Milliarden Mark.[65]

Die besonders schwer umkĂ€mpften Gebiete in Nordfrankreich und Belgien waren im Krieg grĂ¶ĂŸtenteils zerstört worden. Die Kosten fĂŒr den Wiederaufbau wurden auf etwa 100 Milliarden Francs geschĂ€tzt. Die Annahme der Sieger, die Kriegskosten durch Reparationen refinanzieren zu können, erwies sich als Illusion. Großbritannien wurde vom grĂ¶ĂŸten GlĂ€ubiger der Welt zu einem der grĂ¶ĂŸten Schuldner. FĂŒr Deutschland endete der Krieg in einer gigantischen Inflation, die SiegermĂ€chte wurden zu Schuldnern der USA. Europa hatte seine weltbeherrschende Stellung durch den Krieg verloren. Charles de Gaulle formulierte spĂ€ter: Es gab Sieger und Besiegte; wir alle haben verloren.

Politische Folgen: Die VorortvertrÀge

Vertrag mit dem Deutschen Reich

Am 18. Januar 1919 begann die Pariser Friedenskonferenz. Nicht ohne Grund erfolgte die Übergabe des Vertragsentwurfes zum Versailler Vertrag am 7. Mai 1919, dem fĂŒnften Jahrestag der Versenkung der RMS Lusitania.[66] Am 28. Juni unterzeichnete die deutsche Delegation unter starkem Druck der Alliierten den Friedensvertrag von Versailles. Aufgrund der Vertragsbestimmungen musste das Deutsche Reich Elsass-Lothringen an Frankreich sowie die Provinzen Posen und Westpreußen an Polen abtreten; das Memelgebiet wurde unter französische Verwaltung gestellt und 1923 durch Litauen besetzt; das Hultschiner LĂ€ndchen musste an die neu gegrĂŒndete Tschechoslowakei abgetreten werden. Danzig wurde zur Freien Stadt unter Kontrolle des neu gegrĂŒndeten Völkerbundes erklĂ€rt. Die ehemaligen deutschen Kolonien wurden zu Mandatsgebieten des Völkerbundes unter britischer und französischer Kontrolle erklĂ€rt. In Eupen-Malmedy-St. Vith (anschließend belgisch), Nordschleswig (der nördliche Teil anschließend dĂ€nisch), Teilen Ostpreußens (deutsch bleibend) und in Oberschlesien (zwischen Deutschland und Polen geteilt) wurden bis 1921 Volksabstimmungen ĂŒber den Verbleib beim Deutschen Reich angesetzt. Das Saargebiet wurde fĂŒr 15 Jahre der Verwaltung des Völkerbundes unterstellt, wobei Frankreich die Wirtschaftshoheit ĂŒbernahm. Wahlen im Memelland erbrachten hohe Stimmenanteile (etwa 80 %) fĂŒr die deutschen Parteien.

Das Deutsche Reich wurde zur AbrĂŒstung verpflichtet und durfte ein Berufsheer mit einer maximalen StĂ€rke von 100.000 Soldaten unterhalten, dazu die Reichsmarine mit 15.000 Mann. Die AusrĂŒstung dieser Reichswehr unterlag starken EinschrĂ€nkungen. Im Westen des Deutschen Reiches wurde eine entmilitarisierte Zone geschaffen, deren Grenze etwa 50 Kilometer östlich des Rheins verlief. An den Grenzen des Deutschen Reiches wurden Zonen bestimmt, in denen keine Befestigungen errichtet oder verĂ€ndert werden durften. Mehrere FlĂŒsse und der Nord-Ostsee-Kanal (damals: Kaiser-Wilhelm-Kanal) wurden durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags internationalisiert.

Der Artikel 231 des Vertrages wies die alleinige Schuld am Krieg dem Deutschen Reich und seinen VerbĂŒndeten zu. Die Alliierten begrĂŒndeten damit die Reparationsforderungen. Viele Deutsche empfanden dies als ungerecht. Anfangs wurden Reparationen in Höhe von 269 Milliarden Goldmark festgelegt, welche in 42 Jahresraten ausgezahlt werden sollten. Die Forderungen und Regelungen zu den Reparationszahlungen Ă€nderten sich mehrfach (siehe: Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg). Zudem musste das Deutsche Reich zahlreiche Sachlieferungen leisten. Die Bestimmungen des Versailler Vertrags beseitigten nicht die Großmachtstellung Deutschlands. Sie waren jedoch so hart, dass sie das VerhĂ€ltnis Deutschlands zu den Alliierten schwer belasteten. Der in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft als Diktatfrieden eingestufte Versailler Vertrag verhalf nationalistischen Kreisen im Reich zu einem starken Zulauf. Der Vertrag wurde von den USA nicht unterzeichnet. Sie schlossen am 25. August 1921 mit dem Berliner Vertrag einen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reich, der einige der hĂ€rtesten Bestimmungen ausklammerte. Marschall Foch kommentierte den Versailler Vertrag mit den Worten: „Das ist kein Frieden. Das ist ein zwanzigjĂ€hriger Waffenstillstand.“ Lenin bezeichnete ihn als Raubfrieden.

Vertrag mit Österreich

Karte der territorialen Aufteilung Österreich-Ungarns nach den Pariser VorortvertrĂ€gen

Am 10. September 1919 unterzeichneten die Alliierten und Österreich bei Paris den Vertrag von Saint-Germain. Österreich musste SĂŒdtirol und seinen Anteil an Friaul und Triest an Italien abtreten (diese Gebiete waren bereits seit 3. November 1918 italienisch besetzt). Hinzu kamen de facto bereits erfolgte Gebietsabtretungen an das neu gegrĂŒndete Jugoslawien (SHS-Staat). Österreich musste die UnabhĂ€ngigkeit Ungarns, der Tschechoslowakei (mit den von Österreich beanspruchten deutsch besiedelten Gebieten), Jugoslawiens und Polens anerkennen.

Der Anschluss an das Deutsche Reich wurde Österreich untersagt, obwohl die provisorische Nationalversammlung am 12. November 1918 einstimmig dafĂŒr votiert hatte. Der Staatsname Deutschösterreich wurde von den Siegern ignoriert; sie schlossen den Vertrag mit der Republik Österreich, die sich hinfort so nennen musste. Auf Kosten von Ungarn erhielt Österreich das grĂ¶ĂŸtenteils deutschsprachige „Deutsch-Westungarn“ (Burgenland) zugesprochen, jedoch ohne dessen Hauptstadt Ödenburg (ungar. Sopron), da sich dessen Einwohner in einer Volksabstimmung 1921 fĂŒr den Verbleib bei Ungarn aussprachen. Auch in Österreich wurde die Wehrpflicht verboten. Die maximale StĂ€rke des österreichischen Heeres wurde mit 30.000 Soldaten angesetzt. Auch in Österreich wurde der Friedensvertrag als Diktat bezeichnet.

Vertrag mit Bulgarien

Im Pariser Vorortvertrag von Neuilly mit Bulgarien, der am 27. November 1919 unterzeichnet wurde, begrenzte man die StĂ€rke des bulgarischen Heeres auf 20.000 Soldaten. Bulgarien musste mehrere kleine Gebiete im Westen an Jugoslawien abtreten. Außerdem fiel das bulgarisch beherrschte Westthrakien an die Entente (im darauf folgenden Jahr dann mit dem „griechischen Vertrag von SĂšvres“ an Griechenland).

Vertrag mit Ungarn

Am 4. Juni 1920 wurde im Schloss Trianon bei Paris der Friedensvertrag mit Ungarn unterzeichnet. Die Slowakei („Oberungarn“) musste nun auch de jure der Tschechoslowakei ĂŒberlassen werden (die das Gebiet lĂ€ngst besetzt hatte); dass die Donau aus strategischen GrĂŒnden die neue Grenze bildet(e), obwohl auch nördlich der Donau viele Ungarn leb(t)en, fĂŒhrt bis heute zu Problemen zwischen den beiden Staaten. Kroatien, Slawonien und das Banat fielen an Jugoslawien; im nördlichen Teil Serbiens lebt bis heute eine ungarische Minderheit. Außerdem musste Ungarn das Burgenland an Österreich (effektuiert 1921) und SiebenbĂŒrgen (seit 1919 bereits rumĂ€nisch besetzt; bis heute ungarische Minderheit) an RumĂ€nien abtreten. Das ungarische Berufsheer wurde auf 35.000 Soldaten begrenzt.

Vertrag mit der TĂŒrkei

Der letzte Pariser Vorortvertrag wurde am 10. August 1920 in SĂšvres unterzeichnet. Das Osmanische Reich wurde aufgeteilt. Die TĂŒrkei musste Ostthrakien und die Stadt Smyrna mit Umgebung an Griechenland abtreten, ebenso sĂ€mtliche unter tĂŒrkischer Kontrolle befindliche ÄgĂ€is-Inseln bis auf den Dodekanes, der an Italien fiel. Die tĂŒrkischen Meerengen (Bosporus, Dardanellen) mussten ohne tĂŒrkische Kontrolle der internationalen Schifffahrt geöffnet werden. Kilikien und Syrien gerieten unter französische Herrschaft, wĂ€hrend Zypern, Ägypten, PalĂ€stina und der Irak unter britische Verwaltung kamen. Kurdistan wurde der Autonomiestatus zugesprochen, Armenien wurde unabhĂ€ngig.

Die tĂŒrkische HeeresstĂ€rke wurde auf 50.000 Soldaten begrenzt. Der Vertrag von SĂšvres wurde von der tĂŒrkischen Nationalversammlung nicht bestĂ€tigt. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Griechenland, die bis 1922 zur RĂ€umung Ostthrakiens und Smyrnas durch die Griechen fĂŒhrten. 1921 wurde der Abzug der Franzosen aus Kilikien vertraglich herbeigefĂŒhrt, Armenien wurde zwischen der entstehenden Sowjetunion und der TĂŒrkei aufgeteilt. In der Folgezeit wurden Tausende Armenier Opfer von Verfolgungen. Im Frieden von Lausanne wurden am 24. Juli 1923 die tĂŒrkischen Gebietserwerbungen bestĂ€tigt, zudem verzichteten die Alliierten auf Reparationsforderungen.

Folgen der VertrÀge

Die VorortvertrĂ€ge stellen eine Abkehr von der jahrhundertealten Politik der Balance der MĂ€chte auf dem Kontinent dar. WĂ€hrend etwa noch beim Wiener Kongress nach den Napoleonischen Kriegen die territoriale Unversehrtheit Frankreichs garantiert wurde, brachten die VorortvertrĂ€ge nunmehr die völkerrechtliche Feststellung des Endes dreier monarchisch organisierter Reiche, die Anerkennung der aus ihnen entstandenen Nachfolgestaaten und erhebliche TerritorialverĂ€nderungen der restlichen ehemaligen Feindstaaten. Alle ehemaligen Feindstaaten sowie deren Nachfolgestaaten hatten teils enorme Reparationspflichten zu akzeptieren (die de facto nicht erfĂŒllt werden konnten).

DarĂŒber hinaus wurden in diesen VertrĂ€gen neben den fĂŒr FriedensvertrĂ€ge bisher ĂŒblichen Regelungen auch die Grundlagen des Völkerbunds und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) geschaffen.

Die Auflösung des Osmanischen Reichs endete in der Kleinasiatischen Katastrophe. Der bereits 1918 eingetretene Zerfall Österreich-Ungarns in eine Vielzahl von Nachfolgestaaten fĂŒhrte zu vorĂŒbergehenden InstabilitĂ€ten in Mitteleuropa. Letztlich lebten Millionen von Menschen in Mitteleuropa als Minderheiten in den aus den TrĂŒmmern der Donaumonarchie neu entstandenen Nationalstaaten, völkerrechtlich zumeist geschĂŒtzt durch weitgehend gleichlautende Minderheitenregelungen in den VorortvertrĂ€gen, ausgenommen Italien, welches nicht zur Anerkennung der Minderheitenregelungen verpflichtet wurde. Italien sah sich aber selbst als Verlierer, da es nur einen Teil seiner Forderungen erfĂŒllt bekam.

Die Kriegsfolgen fĂŒr Deutschland fĂŒhrten dazu, dass nationalistischer Propaganda in Deutschland der Boden geebnet wurde und auch demokratische und gemĂ€ĂŸigte Kreise den Forderungen der Nationalisten oftmals zustimmten. Große Wirkung entfaltete die Position des US-PrĂ€sidenten Woodrow Wilson, der vom „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ sprach; ein Grundsatz, den die europĂ€ischen SiegermĂ€chte in der Praxis oft missachteten.

Die Idee vom Selbstbestimmungsrecht wurde auch in den Kolonien europĂ€ischer MĂ€chte begeistert aufgenommen, wenn sie dort auch erst 40 Jahre spĂ€ter durchgesetzt werden konnte. Das British Empire begann aber schon nach dem Ersten Weltkrieg zum Teil, sich vom Vormund London zu lösen: Irland wurde nach blutigen AufstĂ€nden zwischen 1917 und 1921 schrittweise unabhĂ€ngig, die Dominions des Empires wie SĂŒdafrika, Australien und Kanada verlangten als Gegenleistung fĂŒr ihre Kriegsbeteiligung weitreichende Autonomie.

Kriegsverbrecherprozesse

→ Hauptartikel: Leipziger Prozesse

Die Kriegsverbrecherprozesse des Ersten Weltkrieges stellten den ersten Versuch dar, Kriegsverbrechen zu ahnden. Sie wurden am damals höchsten deutschen Gericht, dem Reichsgericht in Leipzig, verhandelt. Die insgesamt 17 Gerichtsverfahren fanden zwischen 1921 und 1927 statt.

Besonderheiten des Kriegsgeschehens

Die Form der KriegfĂŒhrung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaften und die einzelnen Menschen boten schon frĂŒhzeitig Anlass, den Ersten Weltkrieg als neue Art von Krieg zu betrachten.

Grabenkrieg

→ Hauptartikel: Grabenkrieg im Ersten Weltkrieg

Der Grabenkrieg gilt geradezu als „Sinnbild“ des Ersten Weltkrieges[67] und kennzeichnete vor allem die Situation an der rund 700 Kilometer langen Westfront zwischen November 1914 und MĂ€rz 1918.

Luftkrieg

→ Hauptartikel: Luftkrieg im Ersten Weltkrieg
Luftkampf (ÖlgemĂ€lde von Michael Zeno Diemer aus dem Jahre 1918): Deutscher Kampfzweisitzer vom Typ Albatros C.III kommt einem Kameraden (rechts unten) zu Hilfe, der nach dem Abschuss eines britischen Flugzeuges von englischen Maschinen (evtl. Martinsyde G.102) bedrĂ€ngt wird.
Stummfilm ĂŒber US amerikanische Piloten

Die wenig robusten Flugzeuge bei Kriegsbeginn wurden hauptsĂ€chlich zur FernaufklĂ€rung eingesetzt. Doch bereits in diesem Zeitraum erfĂŒllten sie eine wichtige, von den GenerĂ€len anfangs unterschĂ€tzte Aufgabe.

Als die Briten in Frankreich ankamen, brachten sie gerade einmal 48 AufklĂ€rungsmaschinen mit. Sie beobachteten stĂ€ndig die Front und meldeten die Feindbewegungen an das Oberkommando. Ihnen war es besonders zu verdanken, dass General Joffre die Offensive an der Marne einleitete. Das deutsche Heer hatte bei seinem Vormarsch beabsichtigt, Paris westlich zu umgehen. Als es plötzlich nach SĂŒdosten abdrehte und dabei eine große LĂŒcke zwischen den einzelnen Armeen hinterließ, wurde dies zuerst von den Fliegern der Royal Flying Corps (RFC) bemerkt. Sie gaben die Nachricht an die französische Kommandokette weiter, die daraufhin den Gegenangriff an der Marne einleiten konnte.

Auf diesem Wege gewann die LuftaufklĂ€rung zunehmend an Bedeutung. Als der Stellungskrieg einsetzte, wurden die Flieger auch zu Artilleriekoordinierung eingesetzt, weswegen erste Methoden zu ihrer BekĂ€mpfung entwickelt wurden. Die EinfĂŒhrung von telegrafischen Löschfunkensendern seit 1915 war gleichbedeutend mit dem eigentlichen Beginn des Flugfunks.

Der französische Luftfahrtpionier Roland Garros war der erste, der ein echtes Jagdflugzeug entwickelte. Er montierte ein Maschinengewehr an die Spitze seines Flugzeugs. Um den Propeller nicht zu beschĂ€digen, verstĂ€rkte er ihn mit Stahlplatten. Im FrĂŒhjahr 1915 machte er mit seiner neuen Waffe 18 Tage lang ĂŒber Flandern Jagd auf die Deutschen, bis er bei einer seiner Missionen abgeschossen wurde.

Wenig spĂ€ter baute der NiederlĂ€nder Anton Herman Gerard Fokker ein Unterbrechergetriebe in seine Fokker E.III ein. Durch die Synchronisation setzte das MG immer dann sein Feuer aus, wenn es den Propeller getroffen hĂ€tte. Die ersten erfolgreichen Piloten dieser Maschinen waren Max Immelmann und Oswald Boelcke, die den Ruf der Fokkergeißel begrĂŒndeten. Bis Anfang 1916 dominierten die Deutschen den Himmel ĂŒber der Westfront.

Angriffe durch BombenabwĂŒrfe kamen zuerst eher selten vor, wurden aber im Laufe des Krieges verstĂ€rkt. Die ersten Bomben wurden von einem deutschen Zeppelin am 24. August 1914 ĂŒber Antwerpen abgeworfen.

Osmanische Piloten mit einer Albatros im Hintergrund im Kriegsjahr 1917

Im Dezember desselben Jahres griff man auch die britische Insel an. Die Briten wiederum konzentrieren sich bei ihren Angriffen auf die Industrie Westdeutschlands und die Zeppelinwerke am Bodensee. Der Erste Weltkrieg war die erste militĂ€rische Auseinandersetzung, in der Bomber eingesetzt wurden. Bei diesen handelte es sich um besonders große und stabile Doppeldecker, die Fliegerbomben mit einem Gewicht von teilweise ĂŒber einer halben Tonne mit sich fĂŒhrten. Bis 1918 starben durch deutsche Bomben, die von Zeppelinen abgeworfen wurden, 1400 britische Zivilisten und fast 5000 wurden verwundet.

Im Zuge der Militarisierung der Luftfahrt wurde auch ĂŒber den Meeren aufgerĂŒstet. Bisher nur zur AufklĂ€rung eingesetzte Wasserflugzeuge bzw. Marineflieger, die auf dem Wasser landeten, wurden bewaffnet und gegen HĂ€fen, KĂŒstenbefestigungen und militĂ€rische Einheiten zu Luft und zu Wasser eingesetzt. Der Erste Weltkrieg war zudem der erste Krieg, in dem frĂŒhe FlugzeugtrĂ€ger zum Einsatz kamen. Dazu bauten US-Amerikaner und Briten mehrere ihrer Kriegsschiffe um. Diese frĂŒhen Modelle waren nur fĂŒr den Einsatz von Wasserflugzeugen geeignet, die vom Deck starteten und in der NĂ€he des FlugzeugtrĂ€gers landeten, um mit einem Kran an Bord befördert zu werden. Die vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges beschleunigte Entwicklung von FlugzeugtrĂ€gern sollte sich wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges bei den KĂ€mpfen im Pazifik als entscheidend herausstellen.

Bis 1917 wurden immer wieder schwere Angriffe auf London geflogen, worauf einige Industrien den Betrieb sogar stilllegen mussten. Danach wurden die Luftschiffe, welche eine zu große AngriffsflĂ€che boten und zu unbeweglich waren, zunehmend durch Großflugzeuge abgelöst.

Ab 1916 verloren die Deutschen ihre Lufthoheit wieder. Die Alliierten hatten sich neu organisiert und flogen nun mit einigen robusten Flugzeugen (zum Beispiel Nieuport 11) sehr erfolgreiche Angriffe. Die Deutschen reagierten. Oswald Boelcke bildete einige der besten Flieger aus und vermittelte ihnen sein Kampfwissen, welches er in der Dicta Boelcke niederschrieb. Die deutschen Jagdstaffeln (kurz Jasta), insbesondere die Jasta 11, brachten den Alliierten schwere Verluste bei.

Nach dem Tod Boelckes wurde Anfang 1917 die Jasta 11 von Manfred von Richthofen geleitet. Er sorgte mit seinen Piloten fĂŒr den blutigen April, in dem die Alliierten 443 Flieger verloren. Richthofen selber schoss in dieser Zeit 20 Flugzeuge ab, sein Bruder Lothar brachte es auf 15 AbschĂŒsse. Ein anderer Pilot, Kurt Wolf, errang in diesem April 22 Luftsiege.

Als 1918 die US-Amerikaner eintrafen, wendete sich das Blatt. Die US-Amerikaner waren zwar unerfahren, ihre zahlenmĂ€ĂŸige Überlegenheit an Flugzeugen konnten die Deutschen jedoch nicht ausgleichen. Ab Sommer 1918 mussten die kaiserlichen Piloten ihr GlĂŒck mit Sturzangriffen versuchen, da sie sonst keine Chance gegen die alliierten Geschwader hatten. Daraufhin ließen die Alliierten mehrere Staffeln ĂŒbereinander fliegen, wodurch die Deutschen weiterhin bedrĂ€ngt wurden.

Am 21. April 1918 wurde Manfred von Richthofen durch einen australischen MG-SchĂŒtzen abgeschossen, wĂ€hrend er von Arthur Roy Brown verfolgt wurde. Er war mit 80 bestĂ€tigten Luftsiegen der erfolgreichste Jagdflieger des Ersten Weltkrieges. Durch den Verlust ihres Idols und durch zunehmende Nachschubschwierigkeiten verstĂ€rkte sich der Druck auf die kaiserlichen Jagdstaffeln. Zum Kriegsausgang konnten die LuftstreitkrĂ€fte wenig beitragen. Der Krieg wurde am Boden entschieden.

Zahlreiche gefallene Flieger, u. a. Richthofen, wurden in Berlin auf dem Invalidenfriedhof beigesetzt.

Seekrieg

→ Hauptartikel: Seekrieg im Ersten Weltkrieg
Untergang des deutschen Großen Kreuzers SMS BlĂŒcher im Gefecht auf der Doggerbank, die Besatzung versucht sich im Bild ĂŒber die SchiffswĂ€nde zu retten (berĂŒhmte Kriegsfotografie).

Dem Krieg zur See wurde vor 1914 eine große, wenn nicht entscheidende Rolle beigemessen. TatsĂ€chlich kam es zwar mit der Skagerrakschlacht zur „grĂ¶ĂŸten Seeschlacht der Weltgeschichte“[68] aber nicht zur allseits erwarteten Entscheidungsschlacht. Der Anteil des Seekrieges am Ausgang des Ersten Weltkrieges insgesamt war so nicht ausschlaggebend, aber in seiner indirekten Wirkung dennoch von Bedeutung.

Auf allen KriegsschauplĂ€tzen gab es eine eindeutige Überlegenheit einer Seite: England gegenĂŒber Deutschland in der Nordsee, Deutschland gegenĂŒber Russland in der Ostsee (faktisch), Frankreich und Italien gegenĂŒber Österreich-Ungarn im Mittelmeer (außer Adria) und Russland (seit Ende 1915) gegenĂŒber der TĂŒrkei im Schwarzen Meer, wobei der TĂŒrkei dennoch eine fortgesetzte Blockade der Schwarzmeerengen gelang. Die Meere waren ganz ĂŒberwiegend Bewegungsraum fĂŒr die Kriegsflotten, Handelsschiffe und Truppentransporter der Entente, nicht jedoch fĂŒr jene der MittelmĂ€chte.[69][70]

GemÀlde der untergehenden Lusitania nach der Torpedierung durch das deutsche U-Boot SM U 20.

Die Blockade der Nordsee durch die Royal Navy trug zur Erschöpfung der MittelmĂ€chte bei, die Blockaden der Ostsee und der Dardanellen hatten wesentlichen Anteil an der Niederlage der Russischen Armee. Aktionen der deutschen Mittelmeer-Division waren Anlass zum Kriegseintritt des Osmanischen Reiches auf der Seite der MittelmĂ€chte. Der Kreuzerkrieg — das Mittel per se zahlenmĂ€ĂŸig unterlegener SeestreitkrĂ€fte — hatte aufgrund der mangelnden Vorbereitung seitens der deutschen AdmiralitĂ€t und der fehlenden StĂŒtzpunkte nur unwesentlichen Anteil am Kriegsgeschehen. Unerwartet zeigte sich der U-Boot-Krieg als bedeutendste Facette des Seekrieges. Da das U-Boot als Waffe von allen Seiten unterschĂ€tzt wurde, war man auch auf den U-Boot-Krieg allgemein wenig vorbereitet. Deutsche U-Boote brachten dennoch die Entente vor allem in der ersten JahreshĂ€lfte 1917 in ernsthafte Schwierigkeiten. Der U-Boot-Krieg fĂŒhrte aber indirekt zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten und damit letztendlich zur Niederlage der MittelmĂ€chte.

Der Einsatzbefehl zur Entscheidungsschlacht auf See wurde erst gegeben, als die Oberste Heeresleitung den Krieg verloren gegeben hatte, und fĂŒhrte zum Kieler Matrosenaufstand, der wiederum Auslöser der Novemberrevolution war.

Giftgas

Kanadischer Soldat mit mittelschweren SenfgasverÀtzungen
Durch Giftgas geblendete britische Soldaten warten auf die Behandlung
US-Soldat und Pferd mit Gasmaske

Der Erste Weltkrieg war der zweite Krieg, in dem Giftgas eingesetzt wurde.[71] Die im Stellungskrieg erstarrten Fronten erforderten den Einsatz einer FlĂ€chenwaffe, mit der man dem Feind von oben zusetzen konnte. Die klassische Waffe dafĂŒr war die Artillerie. Besonders fĂŒr die Deutschen ergab sich jedoch das Problem, dass die Sprengstoffproduktion nicht mit dem Bedarf der MilitĂ€rs Schritt halten konnte. Es mangelte an Rohstoffen, vor allem an Nitrat, welches damals aus Chile ĂŒber den Atlantik, und damit durch vom Feind kontrolliertes Gebiet, importiert werden musste. Erst spĂ€ter konnte mit dem Haber-Bosch-Verfahren Ammoniak synthetisiert und dadurch der Nitratmangel gemindert werden. Der Einsatz von Gift galt zuvor als unmilitĂ€risch und war laut HLKO verboten. Die Entwickler neuer Kriegswaffen stellten ethische Bedenken zurĂŒck und fingen an, nach geeigneten Stoffen zu suchen. Bis Kriegsende hatte man 3000 verschiedene Substanzen auf ihre Brauchbarkeit als Waffe geprĂŒft.

Französische Truppen verwendeten schon 1914 TrĂ€nengas-Munition aus BestĂ€nden der Pariser Polizei. Die Patronen waren mit 19 ml BromessigsĂ€ureethylester (ein recht schwaches TrĂ€nengas) gefĂŒllt, die sich im Kriegseinsatz als wenig wirkungsvoll zeigten. Am 27. Oktober 1914 verschossen die Deutschen bei Neuve-Chapelle zum ersten Mal Granaten mit dem Reizstoff Dianisidinchlorsulfonat. Der Erfolg blieb auch hier aus, da sich die verwendeten Stoffe beim Abschuss durch die entstehende Hitze zersetzten.

Deutsche Gaswerfer

Der deutsche Chemiker und spÀtere NobelpreistrÀger Fritz Haber experimentierte schon kurz nach Kriegsbeginn mit Phosgen und Chlorgas, Letzteres war ein Abfallprodukt der chemischen Industrie. Fritz Haber entwickelte in diesem Zusammenhang das Habersche Blasverfahren, mit dem das Chlorgas (schwerer als Luft und daher in BodennÀhe konzentriert) nicht verschossen, sondern aus BehÀltern bei entsprechender Windrichtung abgeblasen wurde.

Ein erster dementsprechender Gaseinsatz hatte durchschlagenden „Erfolg“: Am 22. April 1915 fielen in Ypern (Belgien) bis zu 5.000 Menschen einem deutschen Chlorgaseinsatz zum Opfer (heutige SchĂ€tzungen: 1.200 Tote und 3.000 Verwundete[72]). Dieses Datum wird heute als eigentlicher Beginn der chemischen KriegsfĂŒhrung angesehen.

Französischer Giftgas- und Flammenwerfereinsatz gegen deutsche Grabenstellungen in Flandern 1916
Englische Stellung nach einem ĂŒberraschenden deutschen Gasangriff (vermutlich Phosgen)

Am 31. Mai 1915 kam bei einem deutschen Angriff bei Ypern erstmalig GrĂŒnkreuz und damit Phosgen zum Einsatz. Auf die Wirkung (und vor allem die SpĂ€tfolgen) dieses Kampfstoffes gehen die meisten Gastoten des Ersten Weltkrieges zurĂŒck. Im Herbst 1915 wurden die ersten Gasmasken eingefĂŒhrt. Die Chemiker reagierten darauf u. a. mit der Entwicklung von Kontaktgiften: Senfgas als bekanntester Vertreter fĂŒhrt zu schweren Verletzungen (Ă€hnlich VerĂ€tzungen) von Haut, Augen und Bronchien sowie bei hoher Exposition zum Tod. Der Ersteinsatz bei Ypern in der Nacht zum 13. Juli 1917 mit 50.000 Granaten wurde von den Briten zunĂ€chst nicht als chemischer Angriff erkannt, erst Stunden spĂ€ter bemerkten sie die Blasenbildung auf der Haut, den Augen und die inneren VerĂ€tzungen (14.200 Verletzte, 489 Tote).[73] Senfgas war auf deutscher Seite aufgrund der Markierung auf den Granaten auch als „Gelbkreuz“ bekannt. Zudem setzten vor allem die deutschen Truppen sogenannte „Maskenbrecher“ („Blaukreuz“) ein, welche die Filter der Gasmasken durchdrangen. Reizstoffe zwangen den so Angegriffenen, die Gasmaske abzunehmen. Oft wurde dabei bzw. kurz danach der lungenschĂ€dliche, meist tödliche Kampfstoff „GrĂŒnkreuz“ eingesetzt. Atemnot und Hustenreiz steigerten sich zum Erstickungsanfall. Der Tod trat bei nahezu vollem Bewusstsein ein. Diese Methode wurde verharmlosend „Buntschießen“ genannt.

Insgesamt wurden im Ersten Weltkrieg ca. 112.000 Tonnen Giftgas eingesetzt, davon von Deutschland 52.000 Tonnen. Die genaue Anzahl der im Ersten Weltkrieg durch Kampfgas Vergifteten und Toten ist nur schwer festzustellen, zumal ein Großteil der Soldaten erst nach dem Krieg an den SpĂ€tfolgen verstarb: SchĂ€tzungen gehen fĂŒr die Westfront von etwa 500.000 Verletzten und 20.000 Toten aus, wobei die Zahl der Toten wahrscheinlich noch höher angesetzt werden muss. FĂŒr die Ostfront sind keine verlĂ€sslichen Zahlen verfĂŒgbar.[74]

Gebirgskrieg

→ Hauptartikel: Gebirgskrieg 1915–1918

Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, welcher auch im Hochgebirge im Winter weitergefĂŒhrt wurde. An der SĂŒdfront entwickelte sich ein Stellungskrieg im Hochgebirge zwischen Österreich-Ungarn und Italien.

Vom Stilfser Joch an der Grenze zur Schweiz wurde eine 600 km lange Linie bis zu den Julischen Alpen gebildet. WĂ€hrend im Osten der SĂŒdgrenze die Isonzoschlachten tobten, welche den Materialschlachten an der Westfront in nichts nachstanden, hatte sich insbesondere in den Dolomiten eine bis dahin unbekannte Art von Stellungskrieg entwickelt: die topografischen Bedingungen des Krieges waren eine Neuheit.

In Tirol wurden nach der KriegserklĂ€rung durch Italien 1915 die StandschĂŒtzen mobilisiert und an die SĂŒdgrenze gebracht; die Gebirgstruppen der ersten Linie (KaiserschĂŒtzen) waren in Galizien und hatten dort bereits schwere Verluste erlitten. Sie kamen in den Karnischen Alpen ebenso zum Einsatz wie in den Dolomiten, rund um den Gardasee und am Ortler und standen den italienischen Alpini gegenĂŒber und hielten die italienischen Soldaten auf, bis die VerstĂ€rkungen durch KaiserschĂŒtzen und KaiserjĂ€ger eingetroffen waren. Auch die bayerische Feld-Fliegerabteilung 9 b und das Deutsche Alpenkorps wurde zur UnterstĂŒtzung Österreichs nach Tirol verlegt, aber schon im August wieder an die Westfront abzogen

Handelte es sich im Sommer schon um unwirtliches Gebiet, so waren im Winter nicht die Gegner, sondern Frost und Schnee die grĂ¶ĂŸten Feinde. Die Stellungen mussten von bis zu zwölf Metern Schnee freigehalten werden; von der Außenwelt abgeschnittene Stellungen waren ĂŒblich. Zehntausende Soldaten starben allein durch LawinenabgĂ€nge, die teils von selbst, teils aber absichtlich vom Feind durch Beschuss der HĂ€nge ausgelöst wurden. Einige Soldaten erfroren beim Einsatz im Freien. Heftigste KĂ€mpfe tobten im Gebiet der Drei Zinnen und um den Paternkofel â€“ in diesen KĂ€mpfen fiel auch der bekannte SĂŒdtiroler Bergsteiger Sepp Innerkofler. Höchstgelegene Stellung war die des Ortlergipfels auf knapp 3900 Meter.

Das GelĂ€nde brachte es mit sich, dass jeweils die eine Kriegspartei einen Gipfel besetzt hielt, wĂ€hrend die andere versuchte, den Gipfel zu erstĂŒrmen. Weil dies zumeist nicht möglich war, begann man damit, kilometerlange Stollen durch das Gestein zu treiben, um ohne Feindeinwirkung bis zum Gipfel vordringen zu können. In der Technik dieser Mineure wurzelt der moderne Tunnelbau (Alte österreichische Methode). Einige der Stollensysteme wurden auch mit Sprengstoff gefĂŒllt und ganze Berggipfel zum Einsturz gebracht (z. B. der Col di Lana 1916). Noch heute zeugen viele erhaltene Stollen und Bergfestungen vom Kampf (siehe Sentiero della Pace und Le vie della pace).

FĂŒr die Versorgung und vor allem dem Waffentransport kamen in großem Ausmaß MilitĂ€rstraßen und spĂ€ter Seilbahnen zum Einsatz, außerdem wurden Klettersteige entwickelt, die die Versorgung ĂŒber Leitern und entlang von Stahlseilen ermöglichten. In den Gletschergebieten wurden Stollen durch das Gletschereis getrieben, um Zugriff auf die gegnerischen Lager ohne Feindeinsicht zu erhalten (Marmolata). FĂŒr den Stellungskrieg im Hochgebirge benötigte man ausgebildete Bergsteiger und BergfĂŒhrer. Dies fĂŒhrte wiederum zu einer rasanten Fortentwicklung der Alpinismustechnik.

Erster Weltkrieg an KolonialschauplÀtzen

Im Ersten Weltkrieg wurden die meisten deutschen Kolonien in Afrika, Asien und dem Pazifik nach kurzen KĂ€mpfen von den Alliierten eingenommen. Die KolonialstreitkrĂ€fte waren nicht fĂŒr den Krieg gegen Ă€ußere Gegner vorgesehen gewesen und die deutschen Territorien waren alle von Gebieten unter Kontrolle der Kriegsgegner umgeben, die dazu auch die Kontrolle ĂŒber die Seewege innehatten. Lediglich in Deutsch-Ostafrika dauerten die Kampfhandlungen ĂŒber das Jahr 1916 hinaus an. Die letzten Einheiten der dortigen Schutztruppe kapitulierten erst nach dem offiziellen Waffenstillstand in Europa.

Kriegsschauplatz Osmanisches Reich

Die zuerst einsetzenden und am lĂ€ngsten andauernden KĂ€mpfe gab es fĂŒr das Osmanische Reich gegen Russland an der Kaukasusfront, wobei bald große Gebiete an den Feind fielen. In diesem Zusammenhang kam es zum Völkermord an den Armeniern. MilitĂ€risch bedeutender waren die KĂ€mpfe um die Dardanellen 1915/16 in der Schlacht von Gallipoli, wo eine Landungsstreitmacht des British Empire mit deutscher UnterstĂŒtzung unter Liman von Sanders abgewehrt werden konnte.

Nach dem Scheitern eines osmanischen Angriffs auf den Sueskanal fiel das Ostufer 1916 an die Briten. Ein Vorstoß britischer Kolonialtruppen in Mesopotamien scheiterte vorerst im April 1916 bei Kut, im MĂ€rz 1917 konnte jedoch Bagdad erobert werden. Nach dem Ausscheiden Russlands aus dem Krieg Anfang 1918 versuchte die osmanische FĂŒhrung weitreichende Kriegsziele im Kaukasus, im Sinne des Turanismus zu verwirklichen. Die mit der UnterstĂŒtzung aufstĂ€ndischer Araber (Lawrence von Arabien) im Rahmen des Sinai- und PalĂ€stinafeldzugs vordringenden Briten unter Allenby brachten den Osmanen in der PalĂ€stinaschlacht im September 1918 die letzte entscheidende Niederlage bei.

Industrialisierter Krieg

Neue Waffe: britischer Tank „Mark I“ im Einsatz in der Schlacht an der Somme
Deutscher Fernmeldesoldat, 1914

Der Erste Weltkrieg war der erste vollstĂ€ndig industrialisierte Krieg, in dem man versuchte, alle verfĂŒgbaren personellen und materiellen Reserven aufzubieten. Die UrsprĂŒnge des von den Nationalsozialisten propagierten „Totalen Krieges“ finden sich vor Verdun und an der Somme. Hatte das Zeitalter der Millionenheere bereits wĂ€hrend der Französischen Revolution mit der EinfĂŒhrung der allgemeinen Wehrpflicht begonnen, erreichte es wĂ€hrend des Ersten Weltkrieges eine neue Dimension. Das Deutsche Reich hatte wĂ€hrend des Krieges durchschnittlich knapp sieben Millionen MĂ€nner unter Waffen, die ausgerĂŒstet werden mussten. Die Kriegswirtschaft erreichte aufgrund der gewaltigen Material- und Blutschlachten im Ersten Weltkrieg zuvor ungekannte Ausmaße. An manchen Tagen des Krieges wurde mehr Munition verschossen als wĂ€hrend des gesamten Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71.

Die völlige Industrialisierung der KriegsfĂŒhrung zeigte sich auch in der tausendfachen Produktion von GeschĂŒtzen, Maschinengewehren, Panzern und Kampfflugzeugen, die es zuvor nicht gegeben hatte. Ohne RĂŒcksicht auf zivile Belange wurden alle Ressourcen an die Front umgeleitet. Die wirtschaftlichen Probleme in Deutschland bis 1923 (Hungersnöte, Inflation, Hyperinflation) waren zum erheblichen Teil SpĂ€tfolgen dieser Kriegspolitik.

Wehrtechnische Entwicklung

Der Erste Weltkrieg revolutionierte die Wehrtechnik in zahlreichen Aspekten. Aus dem ersten mĂ€ĂŸig erfolgreichen Tank Mark I entwickelten die Alliierten die effektive Angriffswaffe Mark IV und das Muster fĂŒr heutige Panzertypen, den Renault FT 17. Das Maschinengewehr wurde von schwer transportablen Modellen (z. B. das deutsche MG 08 mit ca. 30 bis 40 kg Gewicht) zu leichteren Modellen weiterentwickelt (z. B. das spĂ€ter sprichwörtliche MG 08/15 mit 14 kg). Die vor allem zur UnterstĂŒtzung von neuen Infanterietaktiken (Sturmtruppen) konzipierte erste „echte“ Maschinenpistole MP 18 wurde bezeichnenderweise auch „Grabenfeger“ genannt.

Die Grenzen schwerster Artillerie fĂŒhrte im Laufe des Ersten Weltkrieg zum Bedeutungsgewinn von Bombenflugzeugen, so zeigte z. B. die zu Beginn des Krieges gegen feste Ziele mitunter effektive „Dicke Bertha“ systembedingte SchwĂ€chen (ImmobilitĂ€t, hoher Schussverschleiß, mĂ€ĂŸige Treffgenauigkeit) und wurde deswegen nicht nachgefertigt. Das technisch aufwĂ€ndige Paris-GeschĂŒtz hatte einen militĂ€risch zweifelhaften Wert, wĂ€hrend beispielsweise die leichte und bewegliche französische "Canon 75" schon vor dem Krieg die Artillerie revolutionierte und das vermutlich „erfolgreichste“ GeschĂŒtz des Krieges war.

Aus Provisorien entstanden die ersten serienmĂ€ĂŸigen Jagdflugzeuge (z. B. Fokker E.I), die mit starr eingebauten Maschinengewehren und dem gesamten Flugzeug auf den Gegner zielten. Ebenfalls aus Provisorien entwickelten sich frĂŒhe Bombenflugzeuge (z. B. die deutschen Siemens-Schuckert R-Typen oder der britische Handley Page Type O), die zunehmend Kriegszeppeline ablösten. Der Erste Weltkrieg kann zudem mit dem eigentlichen Beginn des Flugfunks gleichgesetzt werden, der die Möglichkeiten der LuftaufklĂ€rung auf ein völlig neues Niveau hob.

Das U-Boot – vor dem Krieg allenfalls als Hilfswaffe eingeschĂ€tzt – wurde zur zentralen Angriffswaffe im Seekrieg. Die ĂŒberlegene FunkaufklĂ€rung („Room 40“) der Briten erschwerte den Einsatz der Hochseeflotte bis zum völligen Erliegen von relevanten EinsĂ€tzen in der Nordsee. Die Briten setzten ihre ĂŒberlegene Grand Fleet vor allem aufgrund der Bedrohung durch U-Boote kaum offensiv ein, so dass mit dem Ersten Weltkrieg der BedeutungsrĂŒckgang von Großkampfschiffen begann.

Bild des Soldaten

Der Erste Weltkrieg mit seinen Materialschlachten fĂŒhrte einen starken MentalitĂ€tswechsel herbei. So war vor dem Ersten Weltkrieg die allgemeine Vorstellung vom Krieg noch von offenen Feldschlachten geprĂ€gt, in denen der Soldat verwegen, ritterlich und heldenmĂŒtig dem Feind die Stirn bieten sollte. Dieses Bild konnte den Erfordernissen und Erfahrungen des Stellungskrieges nicht standhalten. So verschob sich wĂ€hrend und nach dem Krieg das Idealbild des Soldaten hin zur vollstĂ€ndigen AbhĂ€rtung, Emotionslosigkeit und grenzenlosen Belastbarkeit. Auch die Ausbildung der Soldaten wurde von vielen Armeen der Kriegsteilnehmer dahingehend abgewandelt.

Zum Bild gehörten jedoch auch die verkrĂŒppelten Kriegsteilnehmer, die mit vorher unbekannten (Gesichts-)Entstellungen und Amputationen in ein Zivilleben entlassen wurden, das noch keine moderne Prothetik, berufliche und medizinische Rehabilitation kannte.[75]

AusrĂŒstung

Feldspaten aus dem Ersten Weltkrieg. Im Grabenkrieg wurde der Spaten scharf geschliffen oft als Waffe eingesetzt, der Stiel wurde bei diesem Modell nach einem Bruch gekĂŒrzt.

Auf die wichtig gewordene Tarnung und Deckung im Feld nahmen mehrere Armeen zunĂ€chst keine RĂŒcksicht.

Erst seit dem Burenkrieg (1899–1902) hatte sich die Bedeutung von Felduniformen in gedeckten Farben erwiesen. Zwischen 1903 und 1914 hatte eine Kommission der französischen ArmeefĂŒhrung versucht, mit verschiedenen Experimentaluniformen Neuerungen in Schnitt und Farbe durchzusetzen, was letztendlich jedoch bis zum 27. Juli 1914, sechs Tage vor Kriegsausbruch, ergebnislos blieb. Erst an diesem Tag fiel eine Entscheidung. Die Franzosen mussten also zunĂ€chst mit den alten blau-roten Uniformen in den Krieg, mit denen sie weithin sichtbar waren. Auch die deutsche Pickelhaube gehörte eigentlich in eine vergangene Epoche.

Im Laufe des Jahres 1916 wurden die meisten deutschen Frontsoldaten mit einem zeitgemĂ€ĂŸen Stahlhelm ausgestattet.

Sowohl der Begriff „Tarnung“ als auch das Verb „tarnen“ setzten sich im Umfeld des Ersten Weltkriegs im deutschen Wortschatz durch. Der Tarnungseffekt von gedeckten Uniformfarben hatte sich bei den sandfarbenen Uniformen vieler Kolonialtruppen bereits seit dem 19. Jahrhundert bewĂ€hrt. Um nicht mehr das aus dem Französischen stammenden Wort „camouflieren“ verwenden zu mĂŒssen, benötigte man ein deutsches Wort fĂŒr „verstecken/verbergen“, das aber dennoch nicht die Konnotation von Feigheit haben sollte. In dieser Situation lebte das lange vergessene, seit dem 19. Jahrhundert, z. B. in „Tarnkappe“ durch deutsche Literaten wieder aufgegriffene mittelhochdeutsche Wort „tarnen“ wieder auf.[76]

Ende der Kavallerie

Deutscher Kavallerist in Deutsch-SĂŒdwestafrika

Der traditionelle Einsatz von Kavallerie stellte sich, besonders unter den Bedingungen der Westfront, bald als anachronistisch heraus. Massives Auftreten von ReiterverbĂ€nden hatte bereits zu Kriegsbeginn schwere Verluste zur Folge. Deutlich anders war die Situation in den ausgedehnten RĂ€umen der Ostfront; beide Seiten machten besonders im Bewegungskrieg der Jahre 1914/15 umfangreichen Gebrauch von ihren Kavallerietruppen, vor allem zur bewaffneten AufklĂ€rung und GelĂ€ndesicherung. Doch auch im Osten war die Ära der altbekannten „Schlachtenkavallerie“ bereits 1914 unweigerlich an ihr Ende gekommen. In den spĂ€teren Kriegsjahren reduzierten sĂ€mtliche kriegfĂŒhrenden MĂ€chte ihre Reitertruppen stark. Bisherige Kavalleristen wurden oft als OrdnungskrĂ€fte im Hinterland der Front eingesetzt oder wechselten in andere Waffengattungen ĂŒber, etwa in das umfangreiche Nachschubwesen der Artillerie mit seinem großen Pferdebestand. Viele Kavallerieoffiziere traten zu den FliegerkrĂ€ften ĂŒber.

Lediglich die britische Armee setzte bis zum Ende des Krieges auch an der Front ihre Reiterei ein. So sollten in der Flandern-Schlacht von 1917, britische Kavallerie-Einheiten flĂŒchtende deutsche Truppen endgĂŒltig schlagen, wozu es jedoch nicht kam. Einer der letzten großen erfolgreichen Kavallerieangriffe der Geschichte wurde am 31. Oktober 1917 unter General Edmund Allenby von der australischen 4. Light Horse Brigade und der britischen 5. Mounted Brigade bei der Eroberung von Beerscheba gefĂŒhrt.

Aberglaube

Der wĂ€hrend des Ersten Weltkrieges stark verbreitete Aberglaube stand in einem gewaltigen Gegensatz zu der militĂ€rischen RealitĂ€t. Viele Soldaten erwarben Talismane und „Nothemden“, mit denen sie sich vor Verwundungen zu schĂŒtzen suchten. Dasselbe PhĂ€nomen trat gehĂ€uft bereits wĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Krieges auf. Angesichts von Maschinengewehren mit einer Feuerrate von bis zu 600 Schuss pro Minute und GeschĂŒtzen mit einem Kaliber von bis zu 42 cm wirkt dieser Aberglaube wie ein Überbleibsel aus mittelalterlicher oder sogar vorchristlicher Zeit. Auf der andern Seite förderte gerade das verbreitete GefĂŒhl, einem unbegreiflichen, technikbestimmten Kriegsgeschehen hilflos ausgeliefert zu sein, Okkultismus und aberglĂ€ubische Vorstellungen.[77]

UrteilsfÀhigkeit der MilitÀrs

Das ebenso unerwartete wie allseitige Weltkriegsdesaster der KriegfĂŒhrung hatte seine wesentliche Ursache in der ungleichen Entwicklung von Technik und militĂ€rischer Taktik. In den letzten 30 Jahren vor dem Krieg hĂ€uften sich neue Erfindungen in der Waffentechnik: Rauchschwaches Pulver, kleinkalibrige Mehrladegewehre, SchnellfeuergeschĂŒtz, Maschinengewehr, Flugzeuge und vieles mehr verdichteten sich zu einer „kritischen Masse“, deren Verhalten und Folgen sich ohne das „große Experiment“, das im Sommer 1914 losbrach, einfach nicht beurteilen ließen.

Sowohl die deutsche wie die französische ArmeefĂŒhrung versuchten die immer stĂ€rkere Gewichtung der Technik in ihrem Metier zu ignorieren bzw. abzuwerten, dagegen den Willen und den Angriffsgedanken in den Vordergrund zu stellen. Die Betonung der Kampfmoral bot sich zur Relativierung der durch die Technisierung der RĂŒstung hervorgerufenen Probleme an. Dementsprechend wurden auch nur einseitig Lehren aus der Belagerung von Port Arthur (1904/1905) gezogen, obwohl sich hier die neue militĂ€rtechnische Situation des industrialisierten Krieges schon deutlich abzeichnete.

Das Besondere an den MilitĂ€rdoktrinen in Frankreich und Deutschland war nicht die Ausrichtung auf die Offensive, sondern deren einzigartige Übersteigerung – die taktische Vernunft kam dabei praktisch abhanden. Nicht zuletzt spielte dabei die weltanschauliche PrĂ€gung des Sozialdarwinismus eine Bedeutung. Dem Kriegshandwerk bot der Sozialdarwinismus eine neue, quasi wissenschaftliche Legitimation: Modernisierungsbewusstsein verband sich mit der Betonung des vitalen Elements der KriegsfĂŒhrung und fĂŒhrte so auf einen Weg, der angesichts einer beispiellosen Entwicklung der Waffentechnik auf ungeheure BlutbĂ€der zuleitete. Nirgends waren die MilitĂ€rfĂŒhrungen bereit anzuerkennen, dass der seinerzeit ungleiche Entwicklungsstand von Feuerkraft und Bewegung einen konventionellen Overkill herbeigefĂŒhrt hatte, der den offensiven Bewegungskrieg unmöglich machte. Der Sieg konnte nur noch mit Opfern erkĂ€mpft werden, die auch nach MaßstĂ€ben der Zeit in gar keinem VerhĂ€ltnis mehr zum Gewinn standen.[78]

Propaganda

Deutsche Kriegskinematografen an der Westfront, 1917

Ein wesentliches Kennzeichen der Propaganda im Ersten Weltkrieg war, dass zur Motivation der eigenen Bevölkerung der teilnehmenden LÀnder zum Kriegsdienst mit fremdenfeindlichen Vorurteilen und patriotischen Symbolen geworben wurde.

Im Deutschen Reich wurde zwecks Propaganda die Zentralstelle fĂŒr Auslandsdienst am 5. Oktober 1914 gegrĂŒndet, es folgten die MilitĂ€rische Stelle des AuswĂ€rtigen Amtes (MAA) am 1. Juli 1916 und letztlich das Bild- und Filmamt (BUFA) am 30. Januar 1917. In Österreich-Ungarn war das schon am 28. Juli 1914 geschaffene K.u.k. Kriegspressequartier (KPQ) zustĂ€ndig. Auf Seiten der Alliierten wurde in Frankreich das Maison de la Presse im Februar 1916 gegrĂŒndet, in Großbritannien gab es zum gleichen Zweck das War Propaganda Bureau, in den USA das Committee on Public Information.

Im deutschsprachigen Teil Österreich-Ungarns konnte man unter anderem kriegsverherrlichende Zeichnungen in PlakatgrĂ¶ĂŸe mit der illustrierten Aussage „Jeder Tritt ein Britt, jeder Stoß ein Franzos, jeder Schuss ein Russ“ und „Serbien muss sterbien“ finden. Prominente britische Wissenschaftler erklĂ€rten nach Berichten ĂŒber den Brand der UniversitĂ€tsbibliothek Löwen Ende August 1914, das deutsche Heer habe das Feuer absichtlich gelegt, deutsche prominente Wissenschaftler antworteten mit GegenerklĂ€rungen.[79] Die „Hunnenrede“, mit der Wilhelm II. deutsche Truppen, die 1900 zur Niederschlagung des Boxeraufstands nach China entsandt wurden, zu einem rĂŒcksichtslosen Rachefeldzug aufgefordert hatte, trug den Deutschen in angloamerikanischen LĂ€ndern nachtrĂ€glich die Bezeichnung „huns“ ein. Andere bekannte Propagandakampagnen waren etwa die behauptete Kreuzigung von Nonnen an Kirchentoren in Belgien oder das angebliche Abschlagen der HĂ€nde von Kindern durch die deutschen Truppen in Belgien.

Foto eines Massengrabes bei Vimy (oder evtl. bei Fromelles), wie es zunÀchst 1916 in kleiner Auflage als Postkarte veröffentlicht wurde.
Vermutlich aufgrund der zu lÀssigen Haltung der Offiziere angesichts der Gefallenen wurde das Bild vom Bild- und Filmamt retuschiert, so dass keine Offiziere mehr zu sehen waren.

Gut untersucht ist die Haltung der britischen Presse: Sie hatte in den letzten zwei Jahren vor dem Krieg eine zunehmend positive Haltung gegenĂŒber Deutschland eingenommen. Die Zeitungen vertraten u. a. die Meinung, dass die deutsche AufrĂŒstung zur See zwar lĂ€stig sei, aber fĂŒr die Royal Navy keine tatsĂ€chliche Gefahr bedeute.[80] WĂ€hrend der Julikrise wurde zunĂ€chst in erster Linie der russische Zar fĂŒr die Eskalation verantwortlich gemacht. Dies Ă€nderte sich mit dem deutschen Ultimatum an Russland und vor allem mit dem Einmarsch in Belgien und Luxemburg. Mit dem weiteren Fortgang des Kriegs wurde Deutschland nicht nur als Gegner diskreditiert und als Alleinschuldiger am Krieg gebrandmarkt, sondern zum Feindbild der gesamten Menschheit stilisiert. Dabei wurde nur zu Beginn des Krieges noch zwischen Regierung und Bevölkerung differenziert. Umfang und Überzogenheit der GrĂ€uelpropaganda waren ein wesentlicher Grund, dass ein eventueller VerstĂ€ndigungs- oder Verhandlungsfrieden unmöglich wurde, und erschwerte nach dem Krieg auf allen Seiten die Aussöhnung. Die Nationalsozialisten konnten spĂ€ter mit Hinweis auf diese Propaganda (Völkischer Beobachter vom 4. September 1939: „Greuelmeldungen wie einst“) ihre Verbrechen leichter vertuschen.[81]

Die GrĂ€uelpropaganda der MittelmĂ€chte war schon deswegen weniger ausgeprĂ€gt, da kaum deutsches Gebiet besetzt war und somit vergleichsweise wenige deutsche Zivilisten direkten Kriegseinwirkungen ausgesetzt waren. In erster Linie wurden die russische Seite (Armee und Bevölkerung) und die alliierten Soldaten aus den Kolonialgebieten verunglimpft oder dĂ€monisiert. Die Propagandaabteilungen der MittelmĂ€chte tendierten ansonsten eher dazu, den Gegner herabzuwĂŒrdigen, lĂ€cherlich zu machen und die eigene StĂ€rke herauszustellen. Hierzu wurden auch zahlreiche Bilder veröffentlicht und als Postkarten vertrieben, die gefallene alliierte Soldaten sowie entsprechende MassengrĂ€ber zeigten.[82]

In Deutschland wurde die feindliche – namentlich die britische – Propaganda als wesentlich effektiver als die eigene eingeschĂ€tzt, nicht wenige fĂŒhrten die deutsche Kriegsniederlage auf feindliche Propaganda zurĂŒck. Wilhelm II. schrieb in seinem niederlĂ€ndischen Exil ĂŒber den englischen Verleger Northcliffe, dessen Zeitungen an der Spitze der antideutschen Propaganda standen: „HĂ€tten wir einen Northcliffe gehabt, wir hĂ€tten den Krieg gewinnen können.“ Auch Erich Ludendorff Ă€ußerte sich im Nachhinein anerkennend. Adolf Hitler schrieb in Mein Kampf ĂŒber die britische Propaganda: „An dieser feindlichen Kriegspropaganda habe auch ich unendlich gelernt.“[83]

Kriegswirtschaft in Deutschland

„Spare Seife! 
 aber wie?“ – Plakat des Kriegsausschusses fĂŒr Öle und Fette, das auffordert, Seife und Öle zu sparen und VorschlĂ€ge unterbreitet, wie das zu tun ist.

Die deutsche Kriegswirtschaftspolitik hatte vier grundlegende Ziele:

  • das Herstellen von ausreichend Material (Munition, Waffen, sonstige AusrĂŒstung) fĂŒr die neue Kriegsform der Materialschlachten, zu diesem Zweck vor allem die Sicherung der Rohstoffversorgung,
  • das Verteilen von ArbeitskrĂ€ften beziehungsweise Soldaten zwischen Armee und Wirtschaft, vor allem RĂŒstungsbetrieben, um beide funktionsfĂ€hig zu erhalten,
  • das Erhalten des sozialen Friedens durch Ausgleich zwischen den Interessen von Unternehmern, Arbeitern und dem kriegsfĂŒhrenden Staat,
  • das Sicherstellen der Nahrungsmittelversorgung trotz des kriegsbedingten Importstopps.

Die verschiedenen staatlichen Eingriffe lösten keines dieser Probleme, brachten eine ĂŒberbordende, wenig effektive BĂŒrokratie hervor und wirkten sich letztlich auch kaum auf den Kriegsverlauf aus. Zum Kriegsende vereinigen sich die Einzelprobleme zu einer umfassenden Krise. Die wichtigsten Folgen der deutschen Wirtschaftspolitik waren die Aufwertung der Arbeiter und der Gewerkschaften, ein Konzentrations- und Wachstumsprozess vor allem der Schwerindustrie, die Ausweitung der sozialen Krise durch VersorgungsmĂ€ngel und die ZerrĂŒttung der Wirtschaftsstruktur, die durch Reparationszahlungen nach dem Krieg noch weiter geschĂ€digt werden sollte.

Dazu kamen die Herausforderungen der Finanzpolitik: 1915 betrugen die Kriegsausgaben Deutschlands 24 Milliarden. Das war das Zehnfache der Steuereinnahmen des letzten Friedenshaushalts. Da die Kriegsfinanzierung nicht durch Steuern, sondern durch Kreditaufnahmen erfolgen sollte, kam es von Anfang an zu massiven Eingriffen in die Finanzwirtschaft. Zudem zog dieses Vorgehen alle negativen Folgen nach sich, die man von einer auf Schulden basierenden Volkswirtschaft kennt.

KriegswirtschaftsplÀne vor Kriegsbeginn

Die wirtschaftlichen Maßnahmen waren anfangs noch unter der Voraussetzung getroffen worden, dass der Krieg in wenigen Monaten beendet sein wĂŒrde. Eine weitere falsche Annahme war die Erwartung umfangreicher Rohstoffbeute aus den eroberten Gebieten. Entsprechend gab es beim Ausbruch des Krieges keine Behörden, die sich mit der Kriegswirtschaft befassten. Im Deutschen Reich war zudem die zivile Wirtschaftsverwaltung zwischen den Reichsbehörden und den Behörden der einzelnen Teilstaaten aufgeteilt. Aufgrund des Belagerungszustands, der im August 1914 ausgerufen wurde, begannen sich militĂ€rische Stellen verstĂ€rkt in die Wirtschaftsverwaltung einzumischen.

Kriegswirtschaft 1914 bis 1916

Munitionswerk, 1914

Kurz nach Kriegsbeginn gab es BemĂŒhungen um eine Reform der Wirtschaftsverwaltung. Anlass war die sich abzeichnende Munitionskrise. Angesichts dieser Lage grĂŒndete das Kriegsministerium am 13. August die Kriegsrohstoffabteilung (KRA). Ihre Hauptaufgabe sah sie in der Versorgung der Privatwirtschaft mit den benötigten Rohstoffen. Dazu wurden diese zentral bewirtschaftet, was auch Beschlagnahmung und Neuverteilung umfasste. Anfang November 1914 stand nur noch Munition fĂŒr sechs Tage zur VerfĂŒgung. Danach begann die Wirtschaftssteuerung zu greifen und die Versorgungslage im deutschen MilitĂ€r entspannte sich langsam.

Auch zur ArbeitskrĂ€fteverteilung zwischen der zivilen und militĂ€rischen Produktion sowie der Rekrutierung fĂŒr die Armee hatte es vor dem Krieg keine PlĂ€ne gegeben. Im Januar 1915 entstand die „Abteilung fĂŒr ZurĂŒckstellungswesen“ AZ(S), die von sozialreformerischen Wissenschaftlern und BĂŒrokraten dominiert wurde.

Die Nahrungsmittelversorgung wurde anfangs von den staatlichen Stellen ebenfalls vollkommen ignoriert. Deutschland war vor dem Krieg im Gegensatz zu Großbritannien weitgehend Selbstversorger, nur 10 Prozent der Nahrungsmittel mussten importiert werden. Die britische Seeblockade wurde zur sogenannten Hungerblockade, als 1916 allgemeine EngpĂ€sse der deutschen Kriegswirtschaft eintraten.[84] Dazu kam der Mangel an Nitrat fĂŒr KunstdĂŒnger. Zum Jahresende 1914 kam es zu ersten Preissteigerungen und damit verbundenen Unruhen. Am 17. November 1914 wurde im Innenministerium die Kriegsgetreidegesellschaft gegrĂŒndet. Sie sollte nach dem Vorbild der KRA VorrĂ€te aufkaufen und bewirtschaften sowie Preise festlegen. Dieses Konzept ging nur ansatzweise auf. Im Januar 1915 gab es die erste Brotrationierung in Berlin, im Juni im ganzen Reich. Die Landwirte reagierten mit Schwarzhandel und dem Ausweichen auf andere Produkte. 1916 kam es zu einer massiven Verschlechterung der Lage nach einer schlechten Kartoffelernte. Es kam zu Hungerkrawallen. Auch die Industrieproduktion begann unter der schlechten ErnĂ€hrung der Arbeiter zu leiden. Im Mai 1916 folgte die GrĂŒndung des KriegsernĂ€hrungsamtes (KEA). Damit wurden die Probleme nicht gelöst, jedoch verbesserte sich die Versorgung der Industriearbeiter leicht. Das Grundproblem der zu geringen Nahrungsproduktion blieb bestehen.

Auch die Sozialpolitik stand unter der Anforderung, die Wirtschaftsproduktion aufrechtzuerhalten. Der Staat versuchte die Gefahr von Streiks oder gar einer Revolution zu bannen. Ab 1915 betrieb das Kriegsministerium eine entschiedene Sozialpolitik. Die AZ(S) wurde schnell zur TrÀgerin einer progressiven, gewerkschaftsfreundlichen Sozialpolitik.

Kriegswirtschaft 1916 und 1917

Im August 1916 wurde Paul von Hindenburg Generalstabschef und Erich Ludendorff dessen Stabschef und Generalquartiermeister. Ihr zentrales wirtschaftspolitisches Instrument war das Hindenburg-Programm mit massiver Steigerung der Munitions- und Waffenproduktion, um den Mangel an Soldaten auszugleichen. ErfĂŒllt wurde das Hindenburg-Programm nur in wenigen Teilaspekten.

Die bereits vorher wiederholt gefĂŒhrte Diskussion um einen Arbeitszwang bekam mit der neuen Obersten Heeresleitung wieder Auftrieb. Im Dezember 1916 wurde das Hilfsdienstgesetz (HDG) verabschiedet. Es sollte die gesamte mĂ€nnliche Bevölkerung dienstverpflichten und sah die Möglichkeit vor, Betriebe still- oder zusammenzulegen, um eine effizientere Produktion zu erreichen. Der erhoffte Effekt des HDG, die Verringerung von RĂŒckstellungen, blieb weitgehend aus, eher wuchsen sie noch an, da die Industrie sich weigerte, ungelernte KrĂ€fte anzustellen. Dagegen begann das Kriegsamt, sich verstĂ€rkt um weibliche ArbeitskrĂ€fte zu bemĂŒhen. Auch die Betriebszusammenlegungen nach dem HDG erzielten nicht die erwĂŒnschte Effektivierung. Das Hauptproblem des HDG bildete aber der Paragraph 9. Er sollte den Arbeitsplatzwechsel regeln und erlaubte den Wechsel zur „angemessenen Verbesserung“ von Lohn und Arbeitsbedingungen. Im FrĂŒhjahr 1917 entstand dadurch ein totales Chaos auf dem Arbeitsmarkt: Arbeiter, auch zurĂŒckgestellte Wehrpflichtige, nutzten die Regelungen, um besser bezahlte Stellen zu bekommen. Arbeitgeber warben Arbeiter mit höheren Löhnen ab. Dies fĂŒhrte unter anderem zu einer allgemeinen Lohnsteigerung, hoher Lohndifferenz zwischen Arbeitern der Kriegsindustrie und den ĂŒbrigen ErwerbstĂ€tigen sowie zu Inflation.

Warteschlangen vor einer Brotausgabe, Ort und Datum unbekannt

Im Herbst 1916 begann die Transport- und Kohlekrise, die sich bis in das FrĂŒhjahr 1917 hinzog. ZusĂ€tzliche Anforderungen durch den Transport von Truppen, Waffen und Munition verschĂ€rften nach dem Kriegseintritt RumĂ€niens im August 1916 die Anforderungen an die lange vernachlĂ€ssigte Eisenbahn-Infrastruktur. Mit dem Hindenburg-Programm kam der Zusammenbruch. Im September 1916 kam es zu ersten schweren Störungen im Kohletransport, die im Oktober ProduktionsausfĂ€lle in RĂŒstungsbetrieben nach sich zogen. Der Kohletransport brach weitgehend zusammen. Im Januar und Februar 1917 wurden mehrtĂ€gige Transportsperren verhĂ€ngt, um das Chaos zu entwirren. Das schĂ€digte zwar die Produktion weiter, entlastete aber die Eisenbahn. Mit Abklingen der Transportkrise wurde klar, dass auch in der Kohleproduktion erhebliche Probleme herrschen, weil viele Bergarbeiter einberufen worden waren. Letztlich fĂŒhrte die Eisenbahn- und Kohlekrise zum Scheitern des Hindenburg-Programms. Die Waffen- und Munitionsproduktion brach im Januar und Februar 1917 ein, was einer der GrĂŒnde fĂŒr den RĂŒckzug an der Westfront auf die „Siegfriedlinie“ war. Ebenfalls im Winter 1916/17 kam es zu einer Krise der Nahrungsmittelversorgung, dem sogenannten SteckrĂŒbenwinter. Angesichts der katastrophalen Lage wurden die Nahrungsmittelrationen noch einmal deutlich gekĂŒrzt.

1917 begannen sich die Schwierigkeiten der Kriegsfinanzierung verstĂ€rkt auszuwirken. Versuche, Kriegskosten ĂŒber neue Steuern zu decken, setzen erst 1916 ein und hatten wenig Erfolg. Der Staat verschuldete sich durch Kriegsanleihen im Inland. Die Reichsbank begann Geld zu drucken und löste damit eine Inflation aus, die durch steigende Löhne der Kriegsindustrie verschĂ€rft wurde.

Zudem kam die Wirtschaftspolitik ihrem sozialen Anspruch immer weniger nach. Die USPD verstĂ€rkte ab dem Beginn des Jahres 1917 ihre Agitation. Nach KĂŒrzungen der Brotrationen kam es im April zu massiven Streiks, die erst Anfang August nach Repressionen des MilitĂ€rs endeten.

Wirtschaft in den letzten Kriegsmonaten

In der sich verschlimmernden Krise ab Sommer 1917 wurden kaum noch wirtschaftspolitische Maßnahmen ergriffen. Das Lösen unmittelbarer Notlagen trat an die Stelle von weitreichenden Konzepten. In der zweiten JahreshĂ€lfte brach die ErnĂ€hrungsversorgung vollkommen zusammen. Dazu kamen vermehrte Forderungen nach politischen Reformen, die ihren Höhepunkt mit riesigen Streiks Ende Januar 1918 erreichten. Das MilitĂ€r griff hart durch und brach die Streiks bis Ende Februar. Ab MĂ€rz 1918 trat Ruhe im Inneren ein. Die Versorgung der Bevölkerung verschlechterte sich weiter, erstmals mangelte es auch an Kleidung und Wohnraum. Ab 1918 gab es erstmals auch massiven Mangel an Stahl. Die Industrie begann teilweise mit der Umstellung auf Friedensproduktion, was zum KapazitĂ€tsabzug aus der Kriegsproduktion fĂŒhrte. Die britische Offensive am 8. August beendete schließlich auch die Wirtschaftspolitik des Deutschen Reiches.

Rezeption

Historische Forschung

Der Erste Weltkrieg zĂ€hlte in der Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts zu den wichtigsten Themen der Neueren, Neuesten und Zeitgeschichte. Die „Weltkriegsforschung“ stellt auch nach fast 100 Jahren noch ein Gebiet dar, in dem sich allgemeinere Forschungstendenzen recht genau widerspiegeln:

„Kreisten die Fragen bis in die 1960er-Jahre um die Politikgeschichte, wurde diese zunehmend von sozialgeschichtlichen Schwerpunkten abgelöst. Seit etwa 15 Jahren [also seit Mitte der 1990er-Jahre] dominieren Studien, die sich der Erfahrungsgeschichte verpflichtet sehen oder den ReprĂ€sentationen des Krieges nachspĂŒren. Mittlerweile ist dabei ein disparates und ausdifferenziertes Forschungsfeld entstanden, in dem sozial- und kulturgeschichtliche Aspekte zusammengefĂŒhrt werden.“[85]

In diesem Prozess hat sich die MilitĂ€rgeschichtsschreibung an die allgemeine Geschichtswissenschaft angenĂ€hert.[85] Die Forschung seit der Jahrtausendwende lĂ€sst sich in verschiedene Schwerpunktthemen einteilen, in denen die Vielfalt der Methoden und AnsĂ€tze deutlich wird, mit denen sich Historiker dem Ersten Weltkrieg nĂ€hern. So geht die Untersuchung spezifischer sozialer Gruppen hĂ€ufig einher mit der Analyse der sie reprĂ€sentierenden Medien und Symbole. Bildpostkarten etwa wurden als relativ junge Quellengattung fĂŒr den Ersten Weltkrieg erschlossen, aber auch die Berichterstattung ĂŒber die Kampfhandlungen in offiziellen Heeresberichten wie Massenmedien hat Forschungsinteressen geweckt. Ausdifferenzierte Untersuchungen der Kriegsauswirkungen auf verschiedene Gruppen behandelten etwa Kinder, Frauen, Korporationsstudenten, die Kriegsinvaliden und die bisher unterschĂ€tzten Kriegsdienstverweigerer im Ersten Weltkrieg. Aber auch Orden und Ehrenzeichen werden in der jĂŒngeren Forschung nicht mehr kontextfrei analysiert, sondern in ihrer materiellen und symbolischen Bedeutung im Zusammenhang mit dem Konzept der militĂ€rischen Ehre beachtet.[85]

Die Untersuchung von Selbstzeugnissen wie TagebĂŒchern oder Briefen war stets ein wichtiger Bestandteil der Weltkriegsforschung. „Da Selbstzeugnisse hĂ€ufig in unmittelbarer zeitlicher NĂ€he zum Geschehen angefertigt wurden, sind sie nicht durch spĂ€tere Ereignisse und Erkenntnis ĂŒberformt“[85] und werden daher meist als besonders wertvolle Quellen eingeschĂ€tzt und in den vergangenen Jahren als solche ediert. Als „zweifellos bedeutendste Neuerscheinung“ gilt dabei Ernst JĂŒngers 2010 erschienenes Kriegstagebuch 1914–1918, aus dem JĂŒnger die Anregungen fĂŒr zahlreiche seiner literarischen Werke nahm.[85] Aber auch Briefe sozialistischer Soldaten, die zahlreiche kriegskritische Passagen enthalten, oder Tagebucheintragungen Intellektueller wurden als Quelleneditionen publiziert, so auch die TagebĂŒcher der Juristen Karl Rosner und Harry Graf Kessler. Anders als Feldpostbriefe von Soldaten in die Heimat sind Briefe an Soldaten nur selten erhalten geblieben. Ihre neueren Editionen „zeigen das BemĂŒhen von Soldaten und Daheimgebliebenen, Distanzen zu ĂŒberbrĂŒcken und Einblicke in den Kriegsalltag von Front und Heimat zu gewĂ€hren.“[85]

Zu den Leitmotiven der gegenwĂ€rtigen Weltkriegsforschung zĂ€hlt auch die Gewalterfahrung an und hinter der Front. Die Kriegsgewalt des Ersten Weltkriegs wird dabei als VerbindungsstĂŒck zwischen den Ă€lteren Gewaltformen, den technischen Neuentwicklungen seit der Jahrhundertwende und der Entgrenzung der Gewalt im Zweiten Weltkrieg betrachtet. Die Dynamik der Zerstörung gilt dabei als mentalitĂ€tsgeschichtlicher Bestandteil der kriegfĂŒhrenden Gesellschaften. Um Gewalt geht es aber auch bei Studien ĂŒber die österreichische Besatzungspolitik in Serbien, bei der umstritten ist, ob es sich ĂŒberwiegend um zufĂ€llige oder systematische GewaltausbrĂŒche handelt. Die Besatzungsherrschaft ĂŒber RumĂ€nien hingegen fand in enger Kooperation mit den dortigen Eliten statt, so dass Zwangsmaßnahmen nicht das prĂ€gende Element waren. Anderes gilt fĂŒr die deutsche Besatzung Belgiens, in der der Weltkrieg als „globaler ökonomischer Konflikt zwischen Industrienationen“ sichtbar wird.[85] Im Herbst und Winter 1916 wurden belgische ArbeitskrĂ€fte nicht angeworben, sondern zu Zwangsarbeit gezwungen; diese Praxis erwies sich jedoch nicht als erfolgreich, so dass das Besatzungsregime unter dem Eindruck internationaler Proteste davon bald wieder Abstand nahm. Auch die Kriegsgefangenenlager wurden Gegenstand mehrerer jĂŒngerer Studien; zunehmend fiel der Forschungsfokus auch auf die Internierung von Zivilisten: „Auch hier zeigt sich, dass die Trennlinie zwischen Kombattanten und Zivilisten im Ersten Weltkrieg verblasste.“[85]

Hinsichtlich der Kriegserfahrung der Frontsoldaten fand der Umgang mit Sport – der Popularisierung des Fußballs – und Tieren im Krieg neue Aufmerksamheit. Zur Erfahrungsgeschichte zĂ€hlt auch „Das lange Warten“ von deutschen und britischen Marineoffizieren auf einen Seekrieg, „der schließlich doch kaum stattfand.“[85] Herkömmliche Themen klassischer Operationsgeschichte – Planungen, Taktiken, KĂ€mpfe und Schlachtbeschreibung – wurden von der Forschung lange Zeit kaum beachtet: „Publikationen, die sich der neuen MilitĂ€rgeschichtsschreibung verpflichtet fĂŒhlten, wichen solchen Fragen hĂ€ufig aus und thematisierten militĂ€risches Handeln im erweiterten Kontext. Mittlerweile ist der Kampfeinsatz der MilitĂ€rangehörigen Thema einiger Untersuchungen geworden.“[85] Dabei sind Wandlungsprozesse in den Blick geraten, etwa die Abkehr vom französischen Offensivfetischismus wĂ€hrend des Grabenkriegs und die Lernprozesse, bei denen die Kriegsparteien die Taktiken des Gegners ĂŒbernahmen.[85] Doch auch die psychischen Belastungen von Frontsoldaten und die zum „Durchhalten“ der Kriegssituation beitragenden Faktoren wurden wissenschaftlich untersucht. Dabei entwickelte Alexander Watson[86] eine neue ErklĂ€rung fĂŒr die Niederlage des Deutschen Reichs an der Westfront: Frontoffiziere hĂ€tten ihre Einheiten als Ausweg aus ihrer schlechten Lage, insbesondere der mangelnden Versorgung, in die Kriegsgefangenschaft gefĂŒhrt, indem sie auch vor zahlenmĂ€ĂŸig unterlegenen feindlichen Truppen kapituliert hĂ€tten.[85]

Jenseits der Fronterfahrung haben die Kriegswirkungen in den HeimatstĂ€dten der Soldaten inzwischen einige Beachtung erfahren; Roger Chickering bemĂŒhte sich mit Freiburg im Ersten Weltkrieg[87] um eine totalgeschichtliche Perspektive, die den prĂ€genden Einfluss des Krieges auf alle Lebensbereiche demonstrieren soll. Auch hier spielte die abnehmende FĂ€higkeit zum „Durchhalten“ seit dem Winter 1916/17 eine entscheidende Rolle.[85] Aber auch Großbritannien im Krieg erfuhr nĂ€here Betrachtung, etwa von Adrian Gregory:[88] „Er weist die mittlerweile relativierte These der verbreiteten Kriegsbegeisterung im Jahr 1914 zurĂŒck und analysiert die Berichterstattung ĂŒber die deutschen KriegsgrĂ€uel. Die Propaganda habe keineswegs die Massen verfĂŒhrt, vielmehr hĂ€tten ‚real events‘ bis 1915 das Bild eines dĂ€monischen Deutschlands unterstĂŒtzt“.[85] In der deutschen wie in der britischen Gesellschaft spielte die staatliche Kontrolle der öffentlichen Kommunikation eine wichtige Rolle.[85]

Die drei folgenden Abschnitte stellen drei Schwerpunktthemen der vorhergegangenen historiographischen Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges dar.

Diskussion um Kriegsursachen

Ausgelöst hauptsĂ€chlich durch die im Versailler Vertrag behauptete alleinige Kriegsschuld des Deutschen Kaiserreichs, entstand in der Weimarer Republik in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ein umfangreiches apologetisches Schrifttum zur Abwehr der „KriegsschuldlĂŒge“ (→ Kriegsschuldfrage). Historiker der Siegerstaaten hielten ĂŒberwiegend an der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands und seiner VerbĂŒndeten fest. Die Zeit des Nationalsozialismus brachte in Deutschland eine Unterbrechung ernsthafter Forschung und fĂŒhrte zu einer Abschottung der westlichen Geschichtswissenschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Ansicht des britischen Premiers David Lloyd George durch, die Völker Europas seien „in den Weltkrieg hineingeschlittert“. In den 1960er-Jahren stellte der Hamburger Historiker Fritz Fischer dieses Geschichtsbild in Frage. Er löste einen ersten, jahrelangen Historikerstreit aus (Fischer-Kontroverse), beginnend mit seinem Buch Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Fischer stĂŒtzte sich auf umfangreiches Quellenmaterial (vor allem des Archivs des AuswĂ€rtigen Amtes). Er vertrat die These, das Deutsche Reich habe seit dem sogenannten „Kriegsrat“ vom 8. Dezember 1912 zielbewusst auf die HerbeifĂŒhrung eines europĂ€ischen Krieges hingearbeitet, allerdings unter der PrĂ€misse, dass Großbritanniens NeutralitĂ€t gewĂ€hrleistet bleibe. Insbesondere der Historiker Gerhard Ritter trat der Position Fischers scharf entgegen.

Über die „tieferen Ursachen des Machtkampfes zwischen den GroßmĂ€chten“ ist in der Geschichtswissenschaft bis heute keine Einigkeit erzielt worden.[89] Volker Berghahn etwa sieht die Ursachen des Krieges im europĂ€ischen BĂŒndnissystem, in Blockbildung, WettrĂŒsten und Imperialismus, außerdem in innenpolitischen Konflikten. Die Verantwortung fĂŒr die Entscheidung zum Krieg liege bei einem kleinen Personenkreis in Berlin und Wien, wo „die EntscheidungstrĂ€ger eine hohe Risikobereitschaft“ an den Tag legten, zudem „Missmanagement und Fehlkalkulationen [
] die Julikrise von 1914 bis zur ‚Flucht nach vorn’“ verschĂ€rften.[90] Wolfgang J. Mommsen relativiert seine Ă€ltere Sozialimperialismus-These etwas, „der zufolge die deutschen Eliten einen Krieg anzettelten, um ĂŒberfĂ€llige politische und gesellschaftliche Reformen abzuwehren“. Heute meint er nur noch, in „gewissem Sinne“ habe „die FĂŒhrung im Juli 1914 ihre Zuflucht im Kriege gesucht.“ Die Bevölkerung sei jedoch der Propaganda gefolgt, „die den Krieg als einen lange vorbereiteten Überfall der Alliierten darstellte“.[91]

Michael Salewski hingegen weist innenpolitische Ursachen des Weltkriegs zurĂŒck. Um gesellschaftliche VerĂ€nderungen zu verhindern, sei ein Krieg kontraproduktiv gewesen. Auch die Großindustrie habe kein Interesse an einem Großen Krieg gehabt: „Sie wollten im Zeichen der Globalisierung vor 1914 ihre GeschĂ€fte machen [
]. Wer konnte so dumm sein, den Krieg zu wĂŒnschen, wenn doch allen klar sein musste, dass man damit mehr verlieren als gewinnen wĂŒrde?“ Die Außenpolitik des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns hingegen sei „unfĂ€hig zu dem EingestĂ€ndnis gewesen, dass man eine Weltmachtrolle im 20. Jahrhundert nicht spielen könne oder wolle.“ Daher habe man sich in der Julikrise „wie bei einem Pokerspiel oder wie beim russischen Roulette verhalten“.[92] Niall Ferguson spricht sich dagegen fĂŒr das seiner Meinung nach in der neueren Forschung oft missverstandene Deutsche Kaiserreich aus, das er gegen die VorwĂŒrfe von exzessivem Militarismus, von außenpolitischem Verfolgungswahn und von europĂ€ischem Hegemoniestreben verteidigt. „Deutschland habe gar nicht nach der Weltmacht gegriffen, sondern lediglich gefĂŒrchtet, den RĂŒstungswettlauf zu verlieren.“ England hĂ€tte nicht in den Krieg eintreten mĂŒssen, schon gar nicht wegen des Einmarsches deutscher Truppen in Belgien.“ Er sieht die britische Politik gar als Hauptschuldigen an.[93] Es sei „die britische Regierung gewesen, die den Kontinentalkrieg in einen Weltkrieg verwandelt habe.“[94] Die Geschichtswissenschaft weist Fergusons Position allgemein entschieden zurĂŒck, ob nun aufgrund von Thesen, die „der ÜberprĂŒfung nicht stand“ halten, anstatt ĂŒberzeugender Einsichten,[95] oder weil trotz Anerkennung von Fergusons „bewunderungswĂŒrdigen ökonomischen Kenntnisse[n]“ angenommen wird „dass mit Ferguson die wissenschaftliche Phantasie durchgegangen ist.“[94]

Bruno Thoß und Hans-Erich Volkmann vergleichen den Ersten Weltkrieg mit dem Zweiten Weltkrieg. Sie seien einerseits verbunden dadurch gewesen, dass Deutschland „im 20. Jahrhundert zwei kriegerische AnlĂ€ufe zur Weltmacht“ unternahm (wie es Ludwig Dehio bereits kurz nach 1945 interpretiert hatte), andererseits aber auch durch „den ihnen zugrunde liegenden Typus totaler KriegsfĂŒhrung“ deutlich unterscheidbar.[96]

Kriegsbegeisterung

Abmarsch des Regiments LĂŒbeck am 31. Juli 1914
Reservisten auf Lastwagen, Berlin, 1914

Lange Zeit war in der Forschung, insbesondere aber in populĂ€rwissenschaftlichen Abhandlungen unbestritten, dass die Propaganda auf fruchtbaren Boden fiel und im Deutschen Reich, in Österreich-Ungarn und auch in Frankreich eine große Kriegsbegeisterung herrschte (Augusterlebnis, Ideen von 1914). Umstritten ist, ob sich diese Kriegsbegeisterung in der gesamten Bevölkerung wiederfand oder vor allem in der großstĂ€dtischen Mittel- und Oberschicht verbreitet war. Im Deutschen Reich wurde ein Notabitur eingefĂŒhrt, damit kriegsbegeisterte Oberprimaner vorzeitig ins Heer eintreten konnten. Neuere regionalgeschichtliche Forschungen in Deutschland widerlegen jedoch die Annahme einer allgemeinen Kriegsbegeisterung im August 1914 und haben ein weit differenzierteres Verhalten der Bevölkerung bei Kriegsausbruch festgestellt.[97] In Frankreich zeigte sich ein Großteil der Bevölkerung bereitwillig zur Verteidigung der Nation, jedoch erst nach der deutschen KriegserklĂ€rung. Bis dahin beschĂ€ftigte sich die Öffentlichkeit vorrangig mit innenpolitischen Fragen, von einer Erwartung oder gar Begeisterung eines bevorstehenden Krieges kann keine Rede sein. Lediglich nationalistische Politiker und Intellektuelle waren bereits vor dem Angriff offen fĂŒr einen Krieg eingetreten, etwa zur Revanche und zur RĂŒckgewinnung des Elsass und Lothringens.

ErklĂ€rungen fĂŒr die These der Kriegsbegeisterung kamen etwa von George L. Mosse: Er beschrieb den Wunsch nach Wiederherstellung einer intakten MĂ€nnlichkeit nach einer Phase der sogenannten Dekadenz, zu der neben einer vermeintlichen Vormachtstellung des Judentums die Frauenbewegung, erste AnsĂ€tze einer Schwulenbewegung und KĂŒnstler wie die „Dekadenzdichter“ gezĂ€hlt wurden.[98]

Zumindest in kleinerem Umfang kam es auch zu Aktionen von Kriegsgegnern. Am 28. Juli 1914 fanden beispielsweise Antikriegsdemonstrationen im Berliner Lustgarten sowie in Hamburg-Altona-Wandsbek statt. Die SPD-FĂŒhrung schreckte jedoch davor zurĂŒck, die Massenproteste als politisches Druckmittel einzusetzen und den Hurra-Patrioten offensiv entgegenzutreten. Antikriegsaktionen beschrĂ€nkten sich zumeist auf von der Polizei genehmigte Versammlungen in geschlossenen RĂ€umen, und die Straße blieb den kriegsbegeisterten Teilen des BĂŒrgertums ĂŒberlassen. Der radikale Schwenk der SPD-Leitung und der meisten SPD-Parteizeitungen wenige Tage spĂ€ter irritierte weite Teile der Arbeiterschaft, in der sich auch nach dem 1. August 1914 eher Resignation und wenig Kriegsbegeisterung einstellte.[99]

Am 1. Mai 1916 sprach Karl Liebknecht vor einer Demonstration von mehreren tausend Kriegsgegnern auf dem Potsdamer Platz, was zu seiner Verhaftung und spĂ€teren Verurteilung wegen Hochverrates fĂŒhrte.

Gesellschaftliche UmwÀlzungen

Mit dem Ersten Weltkrieg ging eine Epoche zu Ende – das lange 19. Jahrhundert wie es oft genannt wird, das mit der Französischen Revolution (1789) begonnen hatte und gemeinhin als das „bĂŒrgerliche Zeitalter“ apostrophiert wird. Das war bereits den Zeitgenossen bewusst. Der britische Außenminister Sir Edward Grey meinte, dass in Europa die Lichter ausgingen; Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg sprach in dĂŒsterer Vorahnung von einem „Sprung ins Dunkle“.

Der Erste Weltkrieg war – wie es der US-amerikanische Diplomat und Historiker George F. Kennan ausdrĂŒckte â€“ die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Er war vor allem ein Ereignis, das sich fatal auf die weitere Geschichte Europas auswirkte: Oktoberrevolution, Stalinismus, Faschismus, Nationalsozialismus und schließlich der Zweite Weltkrieg sind ohne die ErschĂŒtterungen des Ersten Weltkrieges nicht denkbar. Einige Historiker fassen die Jahre von 1914 bis 1945 als zweiten DreißigjĂ€hrigen Krieg zusammen und beschreiben die Zeit der Weltkriege als Katastrophenzeit der deutschen Geschichte.

Mit dem Ersten Weltkrieg endete eine Epoche unbedingten und optimistischen Fortschrittsglaubens, eine große Desillusionierung durch die mörderische RealitĂ€t der Materialschlachten und GrabenkĂ€mpfe setzte ein. Die Ordnung des 19. Jahrhunderts geriet aus den Fugen: parlamentarisch-demokratische Republiken lösten die liberal-konstitutionelle Regierungsform mit stark autokratischen ZĂŒgen besonders im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn ab. Letzteres zerfiel in mehrere neue Staaten. Die republikanische Staatsform löste in Europa endgĂŒltig die monarchische ab. Diesen Republiken blieben jedoch die wirtschaftlichen und sozialen Spannungen sowie die politischen Konzepte der Vorkriegszeit, um ihnen zu begegnen, erhalten. Alsbald brach sich die Krise der bĂŒrgerlichen Gesellschaft Bahn und sie wurden durch den Aufstieg großer faschistischer und kommunistischer Massenbewegungen bedroht, die in diktatorische und totalitĂ€re Regime mĂŒndeten. Die bĂŒrgerlich dominierte StĂ€nde- und Klassengesellschaft wandelte sich in Teilen zur Massengesellschaft.

Der Zusammenbruch der Monarchien in Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland und in der TĂŒrkei und der daraus folgende soziale und politische Umbruch mĂŒndete vor dem Hintergrund weiterhin schlechter Wirtschaftskonjunkturen zum Teil in Ă€ußerst instabile Regierungssysteme in den Nachfolgestaaten vor allem Ostmitteleuropas.

Die USA wurden durch ihr Eingreifen in den Ersten Weltkrieg zur dominierenden Weltmacht. Staaten wie Großbritannien und Frankreich gerieten in wirtschaftliche AbhĂ€ngigkeit von den USA. Der Erste Weltkrieg leitete das Ende der europĂ€ischen Vormachtstellung ein – auch durch die allmĂ€hliche Emanzipation der Völker Afrikas und Asiens vom Kolonialismus. Die eurozentrische Weltordnung wurde abgelöst durch eine zunehmende Polarisierung zweier SupermĂ€chte, die nach 1945 im Kalten Krieg offen zu Tage trat.

Ostfronthistoriografie

Die Historiografie zur Ostfront des Ersten Weltkriegs nimmt innerhalb der Literatur zu den Jahren 1914 bis 1918 wenig Raum ein. GrĂŒnde fĂŒr das geringe Forschungsinteresse war u. a. der Kalte Krieg, der den Zugang zu den östlichen Archiven fĂŒr westliche Forscher erschwerte. Unter Lenin wurden Soldatenfriedhöfe des Zarenreiches zerstört und so der Versuch unternommen, die damit zusammenhĂ€ngenden Ereignisse aus dem Geschichtsbewusstsein der Menschen auszulöschen. In der Sowjetunion konnten sowohl positive und patriotische wie auch negative Darstellungen der zaristischen Armee im Ersten Weltkrieg zu Problemen fĂŒr den Autor fĂŒhren, so dass das Thema eher gemieden wurde.

Norman Stone verfasste 1975 die erste umfassende Darstellung der Geschehnisse an der Ostfront.[100] Stone bezweifelt die wirtschaftliche RĂŒckstĂ€ndigkeit des Russischen Reiches. Die SchwĂ€che Russlands lag fĂŒr Stone in der veralteten Administration, der die Versorgungsschwierigkeiten und die ineffiziente ArmeefĂŒhrung anzulasten sei. Der Krieg im Osten unterschied sich markant von den Ereignissen an der Westfront, u. a. blieb es im Osten beim Bewegungskrieg, als im Westen die Fronten bereits erstarrt waren. Die GrĂŒnde hierfĂŒr lagen bei den spĂ€rlichen Kommunikationsmöglichkeiten und der schlechten Verkehrserschließung, aufgebrochene LĂŒcken in den Verteidigungslinien konnten nicht so schnell geschlossen werden wie im Westen. Die rĂ€umliche Ausdehnung der Ostfront mit mehreren tausend Frontkilometern kontrastierte mit lediglich 800 Kilometern LĂ€nge der Westfront. Erst in den neueren westlichen Darstellungen und Forschungen zum Ersten Weltkrieg rĂŒckt die Ostfront wieder in den Blickpunkt. Das MilitĂ€rgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) in Potsdam fĂŒhrte im August 2004 eine Konferenz ĂŒber „Die vergessene Front“ durch.[101]

KĂŒnstlerische Rezeption

Aus heutiger Sicht stehen kritische literarische und kĂŒnstlerische Rezeptionen des Ersten Weltkrieges wie Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues oder Stanley Kubricks Wege zum Ruhm unangefochten im Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung. Anders verhielt es sich wĂ€hrend des Ersten Weltkrieges und in den Folgejahren. Vor allem in Deutschland wurde ein problematischer ideologischer Überbau fĂŒr das unmenschliche Geschehen konstruiert.

Der deutsche Schriftsteller Richard Dehmel, ein Wegbereiter des Expressionismus, interpretierte 1916 den Krieg wie folgt:

„Um unser höchstes Seelengut geht der Krieg: unsern Geist will man niederkĂ€mpfen, unsre eigentĂŒmliche Kraft, die jene körperlichen BesitztĂŒmer in so kurzer Zeit emporwachsen ließ, daß den andern Völkern um ihre Zukunft bangt, um den Machtbereich ihres eigenen Geists. Diese unsre Schaffenskraft will man knebeln.[102]“

Die Auslegung des Ersten Weltkrieges als einen Vernichtungskampf gegen das ĂŒberlegene deutsche „Sonderwesen“ war eine ideologische NovitĂ€t und folgenschwer. Der nach dieser Interpretation von den Staaten der Entente aus Haß, Neid und Verzweiflung entfesselte Krieg richte sich nicht gegen MilitĂ€r, Ökonomie etc., sondern gegen das alle materiellen Leistungen ĂŒberhaupt erst ermöglichende Deutschtum. Der Krieg wurde in dieser Interpretation damit aus allen militĂ€rischen, ökonomischen und politischen ZusammenhĂ€ngen herausgelöst und erhielt eine geradezu heilsgeschichtliche QualitĂ€t.

Im August 1914 meinte man eine Wiedergeburt des deutschen Wesens erkennen zu können, der Krieg wische die bedrohliche Dekadenz weg:

„Im RĂŒckblick fĂ€llt sehr bald ein eklatanter Widerspruch auf zwischen der Idee einer zur geistigen FĂŒhrung der Welt berufenen deutschen ‚Sonderart‘ und den vielfachen Klagen ĂŒber eine abgrundtiefe ‚Dekadenz‘ der Jahre vor dem Krieg. FĂŒr die Zeitgenossen löste sich dieser Widerspruch durch die Auffassung einer unter dem Druck des neuen Krieges eingetretenen ‚Wiedergeburt‘ (Gerhart Hauptmann), des wahren, ‚des alten deutschen Wesens‘ (Rudolf Borchardt). Die allgemeine Überzeugung einer einzigartigen ‚Revolution der deutschen Seele‘ (Otto Ernst) im Moment der Mobilmachung bildet den wohl entscheidenden SchlĂŒssel zum spĂ€teren Verstehen der Kriegsbegeisterung vom Herbst 1914. [
] Die ‚Wiedergeburt‘ des deutschen ‚Wesens‘ manifestierte sich in einer schlagartigen RĂŒckbesinnung der Deutschen auf ihre eigentlichen ‚Tugenden‘ und Denkhaltungen. FĂŒr Robert Musil gehörten dazu an erster Stelle ‚Treue‘, ‚Mut‘, ‚Unterordnung‘, und ‚PflichterfĂŒllung‘. Ganz Ă€hnlich bestimmte Hermann Bahr ‚Entsagung, Pflicht und Ehrfurcht‘ als konstitutive Merkmale der deutschen ‚Persönlichkeit‘.[103]“

Der kriegsfreiwillige Schriftsteller Walter Flex schrieb im FrĂŒhjahr 1917 als Nachwort zu „Der Wanderer zwischen beiden Welten“, das eines der sechs meistverkauften deutschen BĂŒcher des 20. Jahrhundert wurde:

„Ich bin heute innerlich so kriegsfreiwillig wie am ersten Tage. Ich bin’s und war es nicht, wie viele meinen, aus nationalem, sondern aus sittlichem Fanatismus. Nicht nationale, sondern sittliche Forderungen sind’s, die ich aufstelle und vertrete. Was ich von der ‚Ewigkeit des deutschen Volkes‘ und von der welterlösenden Sendung des Deutschtums geschrieben habe, hat nichts mit nationalem Egoismus zu tun, sondern ist ein sittlicher Glaube, der sich selbst in der Niederlage oder [
] im Heldentode eines Volkes verwirklichen kann [
]. Mein Glaube ist, daß der deutsche Geist im August 1914 und darĂŒber hinaus eine Höhe erreicht hat, wie sie kein Volk vordem gesehen hat. GlĂŒcklich jeder, der auf diesem Gipfel gestanden hat und nicht wieder herabzusteigen braucht. Die Nachgeborenen des eigenen und fremder Völker werden diese Flutmarke Gottes ĂŒber sich sehen an den Ufern, an denen sie vorwĂ€rtsschreiten. – Das ist mein Glaube und mein Stolz und mein GlĂŒck, das mich allen persönlichen Sorgen entreißt 
.[104]“

Nahezu alle Deutschen waren in ihrer Vorstellung vom Krieg auf dem Stand von 1871 und frĂŒher stehengeblieben. DemgemĂ€ĂŸ war der Krieg auch als ein „offener, ehrlicher Kampf mit ritterlichen Waffen“ gedacht, der den Teilnehmern Abenteuer, Romantik und persönliches Heldentum bringen wĂŒrde. Das Erlebnis an der Front zerstörte diese anfĂ€nglichen Vorstellungen: „Mut, Tapferkeit und Geschick – alles ĂŒberflĂŒssig 
“. Der Erste Weltkrieg brachte den Soldaten nicht das erhoffte Abenteuer und Heldentum, sondern die verstörende Erfahrung einer völligen Degradierung des einzelnen zum wehrlosen Objekt der Kriegsmaschinerie.[105]

Die RealitĂ€t und das Scheitern der so sicher erwarteten Übernahme der geistigen Weltherrschaft durch die „sendungsvolle“ (Thomas Mann) deutsche „Wesensart“ musste die AnhĂ€nger einer weltgeschichtlichen „Missionsaufgabe“ des deutschen „Wesens“ zutiefst verstören. Die Schuld dafĂŒr wurde immer mehr bei einem inneren Feind gesucht, der die großartige geistig-moralische „Erhebung“ des deutschen Volkes vom August 1914 untergraben und zerstört hatte. Mit dem Kriegsende 1918 kam dann zu der Auffassung eines geistigen Verrats noch die Behauptung des Dolchstoßes, also die Schuldzuweisung fĂŒr den militĂ€rischen Ausgang des Krieges an die vermeintlich von Juden und Bolschewisten beherrschte Sozialdemokratie. Damit war eine wichtige Basis gelegt fĂŒr den spĂ€teren Erfolg völkisch nationaler Ideologie:

„Eine neue Generation, gehĂ€rtet in den ‚Stahlgewittern‘ des Ersten Weltkrieges, galt nun als auserwĂ€hlt zur Revision der Weltgeschichte.[106]“

Kunstwerke

Romane und Essays

Bildende Kunst

Comics

Der französische Comiczeichner Jacques Tardi setzt sich in mehreren seiner Werke mit dem Ersten Weltkrieg auseinander. Dabei legt er den Schwerpunkt auf die GrĂ€uel und Erlebnisse der einfachen Soldaten in den SchĂŒtzengrĂ€ben.

Filme

Der Erste Weltkrieg bot Stoff fĂŒr zahlreiche Verfilmungen, darunter auch NS-Propaganda-Filme. Bedeutendere Filme zum Thema sind:

Literatur

Einen Überblick ĂŒber die neuere Forschungsliteratur hat Christoph NĂŒbel erarbeitet.[85]

  • EnzyklopĂ€die Erster Weltkrieg. Hrsg. Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz in Verbindung mit Markus Pöhlmann, Ferdinand Schöningh, Paderborn 2003, ISBN 3-506-73913-1. (Standardwerk) teilw. online lesen bei google-books
  • Aus Politik und Zeitgeschichte 29-30/2004: 90 Jahre Erster Weltkrieg.
  • Jean-Jacques Becker / Gerd Krumeich: Der große Krieg. Deutschland und Frankreich 1914–1918. Klartext-Verlag, Essen 2010, ISBN 3-8375-0171-X
  • Volker R. Berghahn: Der Erste Weltkrieg. C.H. Beck, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-406-48012-8.
  • Deutschlandfunk (Hrsg.): Feldpostbriefe / Lettres de poilus 1914–1918 (Audio CD). Bearbeitung: Peter Lieck, Philipp Schepmann, Cedrik Piquard. Berlin 1999, ISBN 978-3-89813-027-1. (Gemeinsame Hörfunk-Produktion von Radio France und Deutschlandfunk, gesendet 1998).
  • Martin Farndale: Western front, 1914–18. London 1986, ISBN 1-870114-00-0.
  • Niall Ferguson: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert. MĂŒnchen 2001, ISBN 3-423-30808-7 (Orig.: The pity of war. 1998).
  • Fritz Fellner; Heidrun Maschl/Brigitte Mazohl-Wallnig (Hrsg.): Der Zerfall der Donaumonarchie in weltgeschichtlicher Perspektive und Der Vertrag von St. Germain in: Vom Dreibund zum Völkerbund: Studien zur Geschichte der internationalen Beziehungen 1882–1919. Verlag: R. Oldenbourg, MĂŒnchen 1994, ISBN 3-486-56091-3.
  • Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. DĂŒsseldorf 1961, 2000, ISBN 3-7700-0902-9. (Insbesondere die beiden Eingangskapitel lösten die Fischer-Kontroverse aus).
  • Fritz Fischer: Krieg der Illusionen. Die Deutsche Politik von 1911–1914. DĂŒsseldorf 1970 (2. Aufl.), ISBN 3-7700-0913-4. (Untermauerung und VerschĂ€rfung der Thesen von Griff nach der Weltmacht.)
  • Imanuel Geiss (Hrsg.): Juli 1914. Die europĂ€ische Krise und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 3. Aufl., MĂŒnchen 1986, ISBN 3-423-02921-8. (Veröffentlichung wichtiger Dokumente durch den bekannten SchĂŒler von Fritz Fischer)
  • Imanuel Geiss: Der lange Weg in die Katastrophe. Die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges 1815–1914. MĂŒnchen 1991 (2. Aufl.), ISBN 3-492-10943-8.
  • Sebastian Haffner: Die sieben TodsĂŒnden des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg. Bergisch Gladbach 2001.
  • Richard F. Hamilton, Holger H. Herwig: The Origins of World War I. Cambridge 2004, ISBN 0-521-81735-8.
  • Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Lenz (Hrsg.): „Keiner fĂŒhlt sich hier mehr als Mensch
“ Erlebnis und Wirkung des Ersten Weltkrieges. Essen 1993, ISBN 3-596-13096-4. (Beitrag zur neueren Forschungsperspektive der MentalitĂ€tsgeschichte.)
  • John Horne, Alan Kramer: Deutsche Kriegsgreuel 1914. Die umstrittene Wahrheit. Hamburger Edition, Hamburg 2004, ISBN 978-3-930908-94-3.
  • Michael Howard: Kurze Geschichte des Ersten Weltkriegs. MĂŒnchen 2004/05, ISBN 3-492-04588-X (Orig. Oxford 2002).
  • John Keegan: Der Erste Weltkrieg. Eine europĂ€ische Tragödie. Reinbek bei Hamburg 2003 (2. Aufl.), ISBN 3-499-61194-5.
  • George F. Kennan: Die schicksalhafte Allianz. Frankreich und Rußland am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1990, ISBN 3-462-02036-6.
  • Heinz von Lichem: Der Tiroler Hochgebirgskrieg 1915–1918 im Luftbild, Steiger, Innsbruck 1986, ISBN 3-85423-052-4.
  • Vejas Gabriel Liulevicius: Kriegsland im Osten. Eroberung, Kolonisierung und MilitĂ€rherrschaft im Ersten Weltkrieg 1914–1918. Hamburg 2002, ISBN 3-930908-81-6.
  • Peter MĂ€rz: Der Erste Weltkrieg. Deutschland zwischen dem langen 19. und dem kurzen 20. Jahrhundert, Verlag Ernst Vögel, Stamsried 2004, ISBN 978-3-89650-193-6.
  • Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Wirkung – Wahrnehmung – Analyse. Genehmigte Lizenzausgabe fĂŒr Seehamer Verlag GmbH, Weyarn 1997, ISBN 3-932131-37-1.
  • Wolfgang J. Mommsen: Der Grosse Krieg und die Historiker. Neue Wege der Geschichtsschreibung ĂŒber den Ersten Weltkrieg. Essen 2002, ISBN 3-89861-098-5.
  • Wolfgang J. Mommsen: Die Urkatastrophe Deutschlands. Der Erste Weltkrieg 1914–1918. (= Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, Bd 17), Stuttgart 2002 (10. Aufl.), ISBN 3-608-60017-5. (enthĂ€lt Quellen- und ForschungsĂŒberblick)
  • Wolfgang J. Mommsen: Der Erste Weltkrieg – Anfang vom Ende des bĂŒrgerlichen Zeitalters, Bonn 2004, ISBN 3-596-15773-0.
  • Sönke Neitzel: Blut und Eisen. ZĂŒrich 2003, ISBN 3-85842-448-X.
  • Sönke Neitzel: Weltkrieg und Revolution., Band 3 der Reihe Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, bebra-Verlag 2008, ISBN 978-3-89809-403-0.
  • Janusz Piekalkiewicz: Der Erste Weltkrieg, Econ Verlag, DĂŒsseldorf/Wien/New York 1988, ISBN 3-430-17481-3.
  • Kurt Riezler: TagebĂŒcher-AufsĂ€tze-Dokumente. (Hrsg. Karl Dietrich Erdmann). Göttingen 1972, ISBN 3-525-35817-2. (Wichtiges Quellenwerk, Riezler war Mitarbeiter und Vertrauter von Reichskanzler Bethmann Hollweg.)
  • Daniel Marc Segesser: Der Erste Weltkrieg in globaler Perspektive. Marixverlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-86539-953-3.
  • David Stevenson: 1914–1918. Der Erste Weltkrieg. DĂŒsseldorf 2006, ISBN 3-538-07214-0. (Wichtige Gesamtdarstellung; orig. 1914–1918. The History of the first World War. 2005.)
  • Norman Stone: The Eastern Front 1914–1917. Penguin Books, London 1975, 1998, ISBN 0-14-026725-5.
  • Hew Strachan: The First World War. Vol. 1: To Arms. Oxford University Press, Oxford 2003, ISBN 0-19-820877-4. (Erster Band einer auf drei BĂ€nde geplanten umfassenden Darstellung, verfasst von einem der anerkanntesten modernen MilitĂ€rhistoriker.)
  • Hew Strachan: Der Erste Weltkrieg. Eine neue illustrierte Geschichte. Pantheon Verlag, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-570-55005-2 (Orig.: The First World War. 2003).
  • Barbara Tuchman: August 1914. Verlag Fischer, 2. Auflage, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-596-15395-6.
  • Bernd Ulrich, Benjamin Ziemann (Hrsg.): Frontalltag im Ersten Weltkrieg. Ein historisches Lesebuch. Klartext Verlag, Essen 2008, ISBN 978-3-8375-0015-8.
  • Bernd Ulrich, Benjamin Ziemann (Hrsg.): Frontalltag im Ersten Weltkrieg. Quellen und Dokumente. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. 1994, ISBN 3-596-12544-8.
  • Theodor Wolff: TagebĂŒcher 1914–1919. Der Erste Weltkrieg und die Entstehung der Weimarer Republik in TagebĂŒchern, Leitartikeln und Briefen des Chefredakteurs am „Berliner Tageblatt“ und MitbegrĂŒnder der „Deutschen Demokratischen Partei“. Zwei Teile. Hrsg.: Bernd Sösemann. Boppard am Rhein 1984, ISBN 3-7646-1835-3 (Wichtiges Quellenwerk).

Weblinks

Allgemeine Informationen

 Commons: Erster Weltkrieg â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikisource: Erster Weltkrieg â€“ Quellen und Volltexte
Wiktionary Wiktionary: Erster Weltkrieg â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

 Portal:Imperialismus und Weltkriege – Weitere Artikel ĂŒber Imperialismus und Weltkriege

Vorgeschichte

MilitÀr und Kriegsverlauf

Folgen

Historische Forschung

Authors: Bilder und Karten

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d Spencer Tucker (Hrsg.): The Encyclopedia of World War I. A Political, Social and Military History. Verlag ABC-Clio, Santa Barbara 2005, ISBN 1-85109-420-2, S. 273.
  2. ↑ Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Erster Weltkrieg. Paderborn 2009, S. 664 f.
  3. ↑ Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch. Eine Dokumentensammlung. Hannover 1963, Band 1: S. 128 (Nr.50); und Ludwig Bittner, Hans Uebersberger (Hrsg.): Österreich-Ungarns Außenpolitik von der bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914. Diplomatische AktenstĂŒcke des österreichisch-ungarischen Ministeriums des Äußeren. Wien/Leipzig 1930, Band 8: S. 370 f. (Nr. 10145).
  4. ↑ Michael Salewski: Seekrieg. In: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Erster Weltkrieg. Paderborn 2009, ISBN 3-506-73913-1, S. 831.
  5. ↑ Georg Paul Rieß: „Aus FĂŒrth’s Geschichte – von Georg Paul Rieß. Chronikschreiber, 1914. Viertes Jahr“, FĂŒrth 1914 (offizielle handschriftliche Stadtchronik, Einzelexemplar im Stadtarchiv FĂŒrth). S. 81; zit. nach Alexander Mayer: FĂŒrth 1911–1914. Krieg der Illusionen – die lokale Sicht, FĂŒrth 2000, ISBN 3-927347-44-2, S. 90.
  6. ↑ George Kennan: Bismarcks europĂ€isches System in der Auflösung. Frankfurt am Main 1981, S. 12.
  7. ↑ Sebastian Haffner: Die sieben TodsĂŒnden des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg. Gustav LĂŒbbe Verlag, Bergisch Gladbach 2001, ISBN 3-7857-2077-7, S. 17.
  8. ↑ Niall Ferguson: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert. dtv, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-423-30808-7, S. 144 f.
  9. ↑ Matthias Erzberger (MdR): Die RĂŒstungsausgaben des Deutschen Reichs, in: Finanzwirtschaftliche Zeitfragen H. 14. Stuttgart 1914. S. 15 f.
  10. ↑ Niall Ferguson: The pity of war, Basic Books, 1999, ISBN 0-465-05712-8, Abschnitt Public Finance and National Security S. 106, dort zitiert nach John M. Hobson: The Military-Extraction Gap and the Wary Titan: The Fiscal-Sociology of British Defence Policy, 1870–1913, in: Journal of European Economic History 22(3) (1993), S. 466–507.
  11. ↑ ohne Ungarn
  12. ↑ Peter Graf Kielmansegg: Deutschland und der Erste Weltkrieg. Frankfurt am Main 1968, S. 21.3
  13. ↑ Fritz Fischer: Deutsche Kriegsziele. Revolutionierung und Separatfrieden im Osten 1914–18. In: Fritz Fischer: Der Erste Weltkrieg und das deutsche Geschichtsbild. BeitrĂ€ge zur BewĂ€ltigung eines historischen Tabus. DĂŒsseldorf 1977, S. 151–206, hier S. 153; (Zuerst veröffentlicht In: Historische Zeitschrift 188 (1959), S. 473–518.) und Wolfgang J. Mommsen: Das Zeitalter des Imperialismus. Frankfurt am Main 1969 (= Fischer Weltgeschichte; Band 28), S. 302 f.
  14. ↑ Ulrich Cartarius (Hrsg.): Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914–1918. MĂŒnchen 1982, S. 181 f. (Dok. Nr. 126); und Gunther Mai: Das Ende des Kaiserreichs. Politik und KriegsfĂŒhrung im Ersten Weltkrieg. MĂŒnchen 1997, ISBN 3-423-04510-8, S. 199–203.
  15. ↑ Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. DĂŒsseldorf 1964. S. 112.
  16. ↑ Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. DĂŒsseldorf 1964, S. 125 ff.; Hans W. Gatzke: Germany’s Drive to the West (Drang nach Westen). A study of Germany’s western war aims during the first world war. Baltimore 1950, S. 11 ff.
  17. ↑ Karl-Heinz Janßen: Der Kanzler und der General. Die FĂŒhrungskrise um Bethmann Hollweg und Falkenhayn (1914–1916). Göttingen 1967, S. 207 und 290; und Werner Conze: Polnische Nation und Deutsche Politik im Ersten Weltkrieg. Graz/Köln 1958, S. 319.
  18. ↑ Wolfdieter Bihl: Österreich-Ungarn und die FriedensschlĂŒsse von Brest-Litovsk. Böhlau, Wien/Köln/Graz 1970, ISBN 3-205-08577-9, S. 118.
  19. ↑ Fritz Fischer: Deutsche Kriegsziele. Revolutionierung und Separatfrieden im Osten 1914–18. In: Fritz Fischer: Der Erste Weltkrieg und das deutsche Geschichtsbild. BeitrĂ€ge zur BewĂ€ltigung eines historischen Tabus. DĂŒsseldorf 1977, S. 151–206 (Zuerst veröffentlicht In: Historische Zeitschrift 188 (1959), S. 473–518), hier: S. 202.
  20. ↑ Erich Volkmann: Die Annexionsfragen des Weltkrieges. Das Werk des Untersuchungsausschusses der Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung und des Deutschen Reichstages 1919–1928. Vierte Reihe. Die Ursachen des Deutschen Zusammenbruches im Jahre 1918. Zweite Abteilung. Der innere Zusammenbruch. Band 12, 1. Halbband: Gutachten des SachverstĂ€ndigen Volkmann. Berlin 1929, S. 16 und 20.
  21. ↑ Samuel R. Williamson, Jr: Austria-Hungary and the Origins of the First World War. Houndmills/Basingstoke/Hampshire/London 1991, S. 211.
  22. ↑ Imre Gonda: Verfall der Kaiserreiche in Mitteleuropa. Der Zweibund in den letzten Kriegsjahren (1916–1918).'. Budapest 1977, ISBN 963-05-1084-7, S. 344.
  23. ↑ Wolfdieter Bihl: Die österreichisch-ungarischen Kriegsziele 1918. In: Richard Georg Plaschka, Karlheinz Mack: Die Auflösung des Habsburgerreiches. Zusammenbruch und Neuorientierung im Donauraum.'. Wien 1970, S. 119–123, hier: S. 119.
  24. ↑ D. Stevenson: French war aims against Germany 1914–1919. New York 1982, S. 12.
  25. ↑ Georges-Henri Soutou: Übermut auf allen Seiten. Die Kriegsziele Frankreichs im Ersten Weltkrieg. In: Dokumente. Zeitschrift fĂŒr den deutsch-französischen Dialog. Jg. 43, 1987, Heft 4, S. 285–290, hier: S. 286 f.
  26. ↑ D. Stevenson: French war aims against Germany 1914–1919. New York 1982, S. 42–48.
  27. ↑ Pierre Renouvin: Die Kriegsziele der französischen Regierung 1914–1918. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Jg. 17, 1966, Heft 3. S. 129–168, hier: S. 135; und Friedrich Stieve (Hrsg.): Iswolski im Weltkriege. Der Diplomatische Schriftwechsel Iswolskis aus den Jahren 1914–1917. Neue Dokumente aus den Geheimakten der russischen Staatsarchive. Im Auftrage des Deutschen AuswĂ€rtigen Amtes. Berlin 1925, S. 213 (Wortlaut).
  28. ↑ Georges-Henri Soutou: Übermut auf allen Seiten. Die Kriegsziele Frankreichs im Ersten Weltkrieg. In: Dokumente. Zeitschrift fĂŒr den deutsch-französischen Dialog. Jg. 43, 1987, Heft 4, S. 285–290, hier: S. 288 ff.
  29. ↑ Horst-GĂŒnther Linke: Das zaristische Rußland und der Erste Weltkrieg. Diplomatie und Kriegsziele 1914–1917. MĂŒnchen 1982, ISBN 978-3-7705-2051-0, S. 40 f. und 237; und Henryk Batowski: PlĂ€ne zur Teilung der Habsburgermonarchie im Ersten Weltkrieg. In: Österreichische Osthefte, Jg.10, Heft 3 (1968). S. 129–140, hier: S. 130.
  30. ↑ V. H. Rothwell: British War Aims and Peace Diplomacy 1914–1918. Oxford 1971, S. 18.
  31. ↑ David French: British strategy and war aims 1914–16. London 1986, ISBN 0-04-942197-2, S. 22 und 83.
  32. ↑ Harry Hanak: Great Britain and Austria-Hungary during the First World War. A Study in the Formation of Public Opinion. London/New York/Toronto 1962, S. 205.
  33. ↑ V. H. Rothwell: British War Aims and Peace Diplomacy 1914–1918. Oxford 1971, S. 71 und 145–149; und W. B. Fest: British War Aims and German Peace Feelers During the First World War (December 1916–November 1918). In: The Historical Journal 15, 1972, S. 285–308, hier: S. 293.
  34. ↑ Keith Robbins: The First World War, Oxford/New York 1984, ISBN 0-19-289149-9, S. 112.
  35. ↑ Friedrich Stieve (Hrsg.): Iswolski im Weltkriege. Der Diplomatische Schriftwechsel Iswolskis aus den Jahren 1914–1917. Neue Dokumente aus den Geheimakten der russischen Staatsarchive. Im Auftrage des Deutschen AuswĂ€rtigen Amtes. Berlin 1925, S. 191 ff.; und Die BeschlĂŒsse der Londoner Konferenz vom 26. April 1915
  36. ↑ JĂŒrgen Möckelmann: Das Deutschlandbild in den USA 1914–1918 und die Kriegszielpolitik Wilsons. Dissertation, Hamburg 1964, S. 147 und 153.
  37. ↑ a b JĂŒrgen Möckelmann: Das Deutschlandbild in den USA 1914–1918 und die Kriegszielpolitik Wilsons. Dissertation, Hamburg 1964, S. 157 ff.
  38. ↑ David French: Allies, Rivals and Enemies: British Strategy and War Aims during the First World War. In: John Turner (Hrsg.): Britain and the First World War. London 1988, ISBN 0-04-445108-3. S. 22–35, hier: S. 32.
  39. ↑ David French: Allies, Rivals and Enemies: British Strategy and War Aims during the First World War. In: John Turner (Hrsg.): Britain and the First World War. London 1988, ISBN 0-04-445108-3, S. 22–35, hier: S. 33.
  40. ↑ Charles Seymour (Hrsg.): Die vertraulichen Dokumente des Obersten House. Stuttgart 1932, S. 227 f. und 333 f.
  41. ↑ Österreichisch-ungarisches Rotbuch. Diplomatische AktenstĂŒcke zur Vorgeschichte des Krieges 1914. Volksausgabe. Manzsche k.u.k. Hof-Verlags- und UniversitĂ€ts-Buchhandlung, Wien 1915, Dok. 7, S. 15–18.
  42. ↑ Teile von Abessinien (Ende 1915 bis 27. Oktober 1916 unter Iyasu IV.), das Fur-Sultanat (Darfur ab 1916), der Senussi-Staat (seit 1915) und Persien (Anglo-Russische Invasion Irans seit 2. November 1914) kĂ€mpften teilweise auf Seiten der MittelmĂ€chte. Zentralarabien und der Hedschas standen in der Arabischen Revolte seit Juni 1916 militĂ€risch auf Seiten der Entente. Bolivien, Peru, Ecuador, Uruguay und die Dominikanische Republik brachen 1917 unter Einfluss der USA ihre diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab. Vgl. Spencer Tucker (Hrsg.): The Encyclopedia of World War I. A Political, Social and Military History. Verlag ABC-Clio, Santa Barbara 2005, ISBN 1-85109-420-2, S. 672.
  43. ↑ Angegeben ist der tatsĂ€chliche Beginn der Kampfhandlungen, Daten der einzelnen KriegserklĂ€rungen sind davon teilweise abweichend. Falls nicht anders angegeben laut Erik Goldstein: Wars & Peace Treaties 1816–1991. Routledge, London 1992, ISBN 0-203-97682-7, S. 197 ff. EingeschrĂ€nkte Vorschau auf Google Books
  44. ↑ Provisorische Regierung / Königliche Regierung
  45. ↑ Imanuel Geiss (Hrsg.): Juli 1914. 3. Aufl., MĂŒnchen 1986, ISBN 3-423-02921-8, S. 364 f.
  46. ↑ Imanuel Geiss (Hrsg.): Juli 1914. 3. Aufl., MĂŒnchen 1986, ISBN 3-423-02921-8, S. 370.
  47. ↑ Dieter Langewiesche: Europa zwischen Restauration und Revolution 1815–1849. Oldenbourg Grundriss der Geschichte, 3. Aufl., MĂŒnchen 1993, ISBN 3-486-49763-4, S. 16, 42, 234, 238; Laurence van Ypersele: Belgien, in: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Erster Weltkrieg, Schöningh, Paderborn 2003, ISBN 3-506-73913-1, S. 44; Der große Ploetz. Freiburg i.B. 1993 (32. Aufl.), S. 1041.
  48. ↑ Luigi Albertini: The Origins of the War of 1914. Bd. 3, London/New York/Toronto 1952, S. 484 ff.; Fritz Fischer: Der Krieg der Illusionen. 2. Aufl., DĂŒsseldorf 1970, S. 732.
  49. ↑ Imanuel Geiss (Hrsg.): Juli 1914. 3. Aufl., MĂŒnchen 1986, ISBN 3-423-02921-8, S. 347, 371.
  50. ↑ Auszug des belgischen Graubuchs, Eintrag No. 27 vom 4. August 1914
  51. ↑ Thomas MĂŒller: Imaginierter Westen. Das Konzept des „deutschen Westraums“ im völkischen Diskurs zwischen politischer Romantik und Nationalsozialismus. transcript Verlag, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1112-0, S. 25; Gottfried Niedhart (Hrsg.), Gustav Mayer: Als deutsch-jĂŒdischer Historiker in Krieg und Revolution, 1914–1920. TagebĂŒcher, Aufzeichnungen, Briefe (= Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts; Bd. 65), Oldenbourg, MĂŒnchen 2009, ISBN 3-486-59155-X, S. 49.
  52. ↑ Imanuel Geiss (Hrsg.), Hermann Kantorowicz: Gutachten zur Kriegsschuldfrage 1914. DVA, Frankfurt am Main 1967, S. 260; Irene Strenge: Spa im Ersten Weltkrieg (1914–1918). Lazarett und großes Hauptquartier. Deutsche Besatzungspolitik in Belgien. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3693-4, S. 10; Andreas Wirsching: Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Beck, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-406-44765-1, S. 25.
  53. ↑ Vgl. dazu An das deutsche Volk! bei Wikisource
  54. ↑ John N. Horne, Alan Kramer: German Atrocities, 1914. A History of Denial. Yale University Press, 2001, ISBN 978-0-300-10791-3, S. 15.
  55. ↑ Peter Hoeres: Krieg der Philosophen. Die deutsche und britische Philosophie im Ersten Weltkrieg. Verlag Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-71731-6, S. 104.
    Spencer Tucker (Hrsg.): The Encyclopedia of World War I. A Political, Social and Military History. Verlag ABC-Clio, Santa Barbara 2005, ISBN 1-85109-420-2, S. 192.
  56. ↑ Jeremy Black: Rethinking military history. Routledge, 2004, ISBN 978-0-415-27533-0, S. 132.
  57. ↑ Patrick O®Sullivan: „Die Lusitania – Mythos und Wirklichkeit“, Hamburg/Berlin/Bonn 1999, ISBN 3-8132-0681-5, S. 85
  58. ↑ Philipp Witkop (Hrsg.): Kriegsbriefe gefallener Studenten. Teubner, Leipzig 1918, S. 115 f.
  59. ↑ Francois Caron: Frankreich im Zeitalter des Imperialismus 1851–1918 (= Jean Favier (Hrsg.): Geschichte Frankreichs. Bd. 5), DVA, Stuttgart 1991, ISBN 3-421-06455-5, S. 600.
  60. ↑ Brigitte Hamann: Der Erste Weltkrieg. Wahrheit und LĂŒge in Bildern und Texten. MĂŒnchen 2004, ISBN 3-492-4590-1 (formal falsche ISBN), S. 177.
  61. ↑ Heeres-SanitĂ€tsinspektion im Reichswehrministerium (Hrsg.): SanitĂ€tsbericht ĂŒber das Deutsche Heer im Weltkriege 1914/1918 (deutsches Feld- und Besatzungsheer; deutscher KriegssanitĂ€tsbericht 1914/1918). Band 3, Verlag Mittler, Berlin 1934
  62. ↑ Arnold Suppan: Jugoslawien und Österreich 1918–1938. Bilaterale Außenpolitik im europĂ€ischen Umfeld. Verlag fĂŒr Geschichte und Politik, Wien 1996, ISBN 3-486-56166-9, S. 30.
  63. ↑ Hans-Ulrich Wehler: Das Deutsche Kaiserreich 1871–1918. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1973, ISBN 3-525-33542-3, S. 203.
  64. ↑ Ernst Willi Hansen: Der Staat im Staate. MilitĂ€rgeschichte der Weimarer Republik 1919−1933. In: Karl-Volker Neugebauer, Michael Busch (Hrsg.): Grundkurs deutsche MilitĂ€rgeschichte. Band 2: Das Zeitalter der Weltkriege 1914 bis 1945. Völker in Waffen. Verlag Oldenbourg, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-486-58099-0, S. 86–197, hier: S. 91; und Horst Möller: Europa zwischen den Weltkriegen. Verlag Oldenbourg, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-486-52311-2, S. 2.
  65. ↑ Friedrich Raab: Die Entwicklung der Reichsfinanzen seit 1924. Zentralverlag, Berlin 1929, S. 15.
  66. ↑ Martin Schramm: Das Deutschlandbild in der britischen Presse 1912–1919, Berlin 2007, S. 509.
  67. ↑ Paul M. Kennedy, Aufstieg und Verfall der britischen Seemacht, Herford 1978, S. 263.
  68. ↑ So bezeichnen z. B. Janusz PiekaƂkiewicz (Der Erste Weltkrieg. DĂŒsseldorf/Wien/New York 1988, S. 408) oder Eberhard Orthbrandt (Bildbuch Deutscher Geschichte. Laupheim 1955/61, S. 466) die Skagerrakschlacht, vermutlich beziehen sie sich auf die Gesamttonnage der beteiligten Schiffe (ca. 1,8 Mio. Tonnen VerdrĂ€ngung).
  69. ↑ David Stevenson: „Seekrieg und Blockade.“ In: Ders.: 1914–1918. Der Erste Weltkrieg. DĂŒsseldorf 2006, S. 296 f.
  70. ↑ Michael Salewski: Seekrieg, in: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Erster Weltkrieg, Schöningh, Paderborn 2009, S. 829 f.
  71. ↑ Der erste war der Krieg Italiens gegen das Osmanische Reich 1911–12.
  72. ↑ Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Erster Weltkrieg. Schöningh, Paderborn 2003, S. 520.
  73. ↑ Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Erster Weltkrieg. Schöningh, Paderborn 2003, S. 521.
  74. ↑ Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Erster Weltkrieg. Schöningh, Paderborn 2003, S. 521 f.
  75. ↑ Formblatt des MilitĂ€rarchivs Freiburg i.Br.: Benutzungsantrag/Rechercheantrag – Übersicht: Verwahrung personenbezogener Unterlagen, 1. Weltkrieg aus dem Jahre 2010. Hierin sind folgende Hinweise: „Im Bundesarchiv-MilitĂ€rarchiv sind nur wenige Akten ĂŒber Personen und ihre MilitĂ€rdienstzeiten aus dem Ersten Weltkrieg bzw. der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ĂŒberliefert. Die Stammrollen und sonstigen Karteimittel der ehemaligen Preußischen Armee sind bei einem Luftangriff auf Potsdam im Jahr 1945 im Heeresarchiv fast vollstĂ€ndig vernichtet worden. FĂŒr Angehörige des Kontingentsheeres der Bayerischen, SĂ€chsischen, WĂŒrttembergischen und Badischen Truppen sind die jeweiligen Landesarchive in MĂŒnchen, Dresden, Stuttgart und Karlsruhe zustĂ€ndig, auch hier ist mit Verlusten zu rechnen.
    Eine Ausnahme bildet der Bestand Pers 9 (Krankenunterlagen der Preußischen Armee, Kaiserlichen Marine und Schutztruppen). In diesem Bestand sind – keineswegs vollstĂ€ndig – die im Zusammenhang mit einer Lazarettbehandlung entstandenen Krankenpapiere von Soldaten erhalten. Diese Papiere, meist mit StammrollenauszĂŒgen verbunden, sind nach Geburtsdaten geordnet und liegen in der Abteilung MilitĂ€rarchiv fĂŒr die GeburtsjahrgĂ€nge 1802–1899 vor.
    Von den GeburtsjahrgĂ€ngen 1891–1899 sind nur die Unterlagen der im Januar und Juli Geborenen ĂŒberliefert. Die GeburtsjahrgĂ€nge ab 1900 finden sich bei der Deutschen Dienststelle (WASt.). [
] Allgemein ist zu berĂŒcksichtigen, dass aufgrund der großen Schriftgutverluste im Zweiten Weltkrieg personenbezogene Recherchen nicht immer zu einem positiven Ergebnis fĂŒhren.
  76. ↑ Artikel Tarnkappe. In: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. (gedruckt: 16 Bde., S. Hirzel, Leipzig 1854–1960). „Tarnkappe“ z. B. aufgegriffen von Heinrich Heine. Vgl. Eintrag tarnen. In: Duden, Bd. 7: Das Herkunftswörterbuch. Dudenverlag, Mannheim u. a. 1989, ISBN 3-411-20907-0.
  77. ↑ Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Erster Weltkrieg, Schöningh, Paderborn 2003, S. 323.
  78. ↑ Dieter Storz: Die Schlacht der Zukunft. Die Vorbereitungen der Armeen Deutschlands und Frankreichs auf den Landkrieg des 20. Jahrhunderts. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Wirkung, Wahrnehmung, Analyse. Weyarn 1997, ISBN 3-932131-37-1, S. 271 und 273 f.
  79. ↑ The Oxford Companion to the History of Modern Science (J. L. Heilbron, ed.), Oxford University Press, New York 2003, S. 419.
  80. ↑ Martin Schramm: Das Deutschlandbild in der britischen Presse 1912–1919. Berlin 2007, S. 498 ff.
  81. ↑ Martin Schramm: Das Deutschlandbild in der britischen Presse 1912–1919. Berlin 2007, S. 510.
  82. ↑ Vgl. z. B. Brigitte Hamann: Der Erste Weltkrieg. Wahrheit und LĂŒge in Bildern und Texten. Piper, MĂŒnchen 2004; J. M. Winter: Propaganda and the Mobilziation of Consent, in: Hew Strachan (Hrsg.): World War I – A History. Oxford 1998, S. 216–226.
  83. ↑ Zit. nach Martin Schramm: Das Deutschlandbild in der britischen Presse 1912–1919. Berlin 2007, S. 362 u. 512 f.
  84. ↑ Alan Kramer: Kriegsrecht und Kriegsverbrechen, in: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Erster Weltkrieg, Schöningh, Paderborn 2003, S. 281–292, hier: S. 285.
  85. ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p Christoph NĂŒbel: Neue Forschungen zur Kultur- und Sozialgeschichte des Ersten Weltkriegs. Themen, Tendenzen, Perspektiven. In: H-Soz-u-Kult, 14. Juni 2011, abgerufen am 14. Juni 2011.
  86. ↑ Alexander Watson: Enduring the Great War. Combat, Morale and Collapse in the German and British Armies, 1914–1918. 2. Auflage, Cambridge 2009.
  87. ↑ Roger Chickering: Freiburg im Ersten Weltkrieg. Totaler Krieg und stĂ€dtischer Alltag 1914–1918. Paderborn 2009.
  88. ↑ Adrian Gregory: The Last Great War. British Society and the First World War. Cambridge 2008.
  89. ↑ Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Jay Winter, Geoffrey Parker, Mary R. Habeck (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert, Hamburg 2002, in: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  90. ↑ Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Volker Berghahn: Der Erste Weltkrieg. MĂŒnchen 2003. In: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  91. ↑ Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Wolfgang Mommsen: Die Urkatastrophe Deutschlands. Der Erste Weltkrieg 1914–1918. Stuttgart 2002. In: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  92. ↑ Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Michael Salewski: Der Erste Weltkrieg. Paderborn 2002. In: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  93. ↑ Niall Ferguson, The Pity of War. 1998.
  94. ↑ a b Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Niall Ferguson: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert. MĂŒnchen 2001. In: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  95. ↑ Klaus Hildebrand: Wie entstand der Erste Weltkrieg? Rezension zu: Niall Ferguson: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das zwanzigste Jahrhundert. Stuttgart 1999. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 175 vom 31. Juli 1999, S. 7.
  96. ↑ Volker Ackermann: Literaturbericht: Erster Weltkrieg. Hier Rezension zu: Bruno Thoß, Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Erster Weltkrieg – Zweiter Weltkrieg: Ein Vergleich. Krieg, Kriegserlebnis, Kriegserfahrung in Deutschland. Paderborn 2002. In: H-Soz-u-Kult, 13. Mai 2004.
  97. ↑ Exemplarisch Christian Geinitz: Kriegsfurcht und Kampfbereitschaft. Das Augusterlebnis in Freiburg. Eine Studie zum Kriegsbeginn 1914, Essen 1998; Volker Ullrich: Vom Augusterlebnis zur Oktoberrevolution. BeitrĂ€ge zur Sozialgeschichte Hamburgs und Norddeutschlands im Ersten Weltkrieg. Bremen 1999.
  98. ↑ Vgl. hierzu auch Thomas RohkrĂ€mer: August 1914 – KriegsmentalitĂ€t und ihre Voraussetzungen, in: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltlkrieg. MĂŒnchen 1994, S. 759–777.
  99. ↑ Volker Ullrich: Vom Augusterlebnis zur Oktoberrevolution. BeitrĂ€ge zur Sozialgeschichte Hamburgs und Norddeutschlands im Ersten Weltkrieg. Bremen 1999, S. 12 ff.
  100. ↑ Vgl. Neuauflage: Norman Stone: The Eastern Front 1914–1917, 2., ĂŒberarbeitete Auflage, Penguin Global, New York 2008.
  101. ↑ Tagungsbericht: Die vergessene Front – der Osten 1914/15: Ereignis, Wirkung, Nachwirkung
  102. ↑ Zitat nach Helmut Fries, Deutsche Schriftsteller im Ersten Weltkrieg. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Weyarn 1997, S. 833.
  103. ↑ Helmut Fries, Deutsche Schriftsteller im Ersten Weltkrieg, in: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Weyarn 1997, S. 834 f.
  104. ↑ Walter Flex: Der Wanderer zwischen beiden Welten, MĂŒnchen o.J. (Aufl. „315. bis 321. Tausend“, ca. 1930; zuletzt neu aufgelegt 1998), S. 101.
  105. ↑ Helmut Fries, Deutsche Schriftsteller im Ersten Weltkrieg. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Weyarn 1997, S. 840.
  106. ↑ Helmut Fries: Deutsche Schriftsteller im Ersten Weltkrieg. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Weyarn 1997, S. 844.
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