Erstes Konzil von NicÀa

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Erstes Konzil von NicÀa
1. Konzil von NicÀa
Datum 20. Mai – 25. Juli 325
Akzeptiert von Römisch-Katholische Kirche, Orthodoxe Kirchen, Altorientalische Kirchen, Assyrische Kirche des Ostens, Anglikanische Kirchen, Altkatholische Kirche, Lutherische Kirchen, Evangelisch-methodistische Kirche
Vorangehendes Konzil
NĂ€chstes Konzil Erstes Konzil von Konstantinopel
Einberufen von Konstantin dem Großen
PrÀsidium Papst Silvester I. (durch seinen Legaten Ossius von Córdoba), Alexander von Alexandria
Beteiligung Insgesamt etwa 2000 Teilnehmer (davon vermutlich 318 Bischöfe)
Diskussionsthemen Christologie (Gottheit Christi) Arianismus, Arianischer Streit, HĂ€retikertaufe, Kastration, Wegzehrung fĂŒr die Sterbenden
Konzilsdokumente Glaubensbekenntnis,
20 Kanones, 1 Synodalbrief
Liste ökumenischer Konzilien
Ikone: Erstes Konzil von NicÀa. Kaiser Konstantin entrollt den Text der ersten HÀlfte des NicÀnischen Glaubensbekenntnis

Das Erste Konzil von NicĂ€a wurde vom römischen Kaiser Konstantin I. im Jahr 325 in der kleinen Stadt NicĂ€a (heute Ä°znik, TĂŒrkei) bei Konstantinopel (heute Istanbul) einberufen, um den in Alexandria ausgebrochenen Streit ĂŒber den Arianismus zu schlichten. Teilnehmer waren zwischen 200 und 318 Bischöfe, die fast alle aus dem Osten des Reiches kamen, damit der Streit um das Wesen Jesu und die TrinitĂ€t beendet werde, da Konstantin das Christentum als stabilisierenden Faktor seines Kaisertums zu benutzen gedachte. Das Konzil endete mit dem (vorlĂ€ufigen) Sieg der Gegner des Arianismus und der Formulierung des nicĂ€nischen Glaubensbekenntnisses, obwohl die arianischen Bischöfe in der Mehrzahl waren. Aber als der Kaiser die Diskussion damit beendete, dass „der Sohn eines Wesens mit dem Vater“ sei, gaben alle Bischöfe, die anderer Meinung gewesen waren, dem Wort des Kaisers, der sich als „Bischof der Bischöfe“ bezeichnete, nach.

Die Kanons des Konzils sind die ersten Lehrentscheidungen der christlichen Gesamtkirche, die allein durch die gemeinsamen Unterschriften von ĂŒber 300 Bischöfen aus dem gesamten damaligen Verbreitungsgebiet des Christentums eine weit höhere Bedeutung hatten, als die bisherigen Entscheide einzelner Bischöfe oder lokaler Bischofsversammlungen. Durch die AutoritĂ€t des Kaisers, der das Konzil einberufen hatte, wurden sie fĂŒr die gesamte Kirche im Reich verpflichtend.

In der Kirchengeschichte wird das Konzil von NicĂ€a als das erste ökumenische Konzil gezĂ€hlt und als einer der wesentlichen Bezugspunkte der Kirchengeschichte angesehen, so dass die Geschichte der Alten Kirche oft in vor-nicĂ€nische und nach-nicĂ€nische Theologie eingeteilt wird. Die kirchenhistorische Bedeutung des Konzils kristallisierte sich jedoch erst im Verlauf des vierten Jahrhunderts heraus, und die BeschlĂŒsse des Konzils wurden nach dem Tod Konstantins 337 vielfach in Frage gestellt, bevor sie 381 durch das erste Konzil von Konstantinopel bestĂ€tigt wurden.

In der orthodoxen Kirche wird das Erste Konzil von NicÀa am sechsten Sonntag nach Ostern gefeiert.

Inhaltsverzeichnis

Quellen

Auf dem Konzil selbst wurde kein Protokoll gefĂŒhrt, auch wenn nachtrĂ€glich einige angebliche Protokolle aufgetaucht sind. Es gibt jedoch zeitgenössische Dokumente und Berichte darĂŒber, so dass die wesentlichen VorgĂ€nge am Konzil heute historisch unbestritten sind:

ZeitumstÀnde

Der römische Kaiser Konstantin I. hatte seit etwa 313 (Toleranzedikt von Mailand) das Christentum privilegiert. Konstantin erhoffte sich wohl vom Christentum eine stabilisierende Wirkung fĂŒr die eben erst wiedergewonnene Einheit des Römischen Reiches. Diese völkerverbindende Funktion war durch den arianischen Streit gefĂ€hrdet. Eine Spaltung der Kirche drohte. Da das Problem von der Kirche allein nicht gelöst werden konnte, drĂ€ngte der Kaiser auf eine Beendigung des Streites. Er griff auch mit Kompromissformeln aktiv in den Konzilverlauf ein. Aus Sicht Konstantins war die Sicherung des Religionsfriedens eine wesentliche kaiserliche Aufgabe mit politischen Implikationen (siehe auch Pax romana).

Ein VorlÀufer: Das Konzil von Antiochia

Im 20. Jahrhundert wurden die Akten eines lokalen Konzils entdeckt, das ein halbes Jahr vor dem Konzil von NicĂ€a in Antiochia (heute Antakya/TĂŒrkei) stattgefunden hat. Dieses Konzil wird von einigen Forschern (J.N.D. Kelly, Eduard Schwartz) als wesentlicher VorlĂ€ufer von NicĂ€a angesehen. Teilnehmer waren 59 Bischöfe aus Palaestina, Arabien, Phönizien und Kappadokien. Die Leitung hatte Ossius von CĂłrdoba, der auch in NicĂ€a eine fĂŒhrende Rolle spielte. Der Anlass fĂŒr das Konzil war die Wahl eines neuen Bischofs von Antiochia, aber daneben wurde eine deutliche Stellungnahme zum Arianismus und ein ausfĂŒhrliches antiarianisches Glaubensbekenntnis verfasst, das jedoch keine literarische Verwandtschaft zum nicĂ€ischen Glaubensbekenntnis aufweist. Drei der Bischöfe, unter ihnen Eusebius von Caesarea, weigerten sich, dieses Bekenntnis zu unterzeichnen, und wurden deshalb provisorisch exkommuniziert, mit der Chance, ihre Meinung vor der „großen und heiligen Synode“ von Ancyra (die dann in NicĂ€a stattfand) zu Ă€ndern.

Das Konzil

Ort und Zeit

Das Konzil fand in NicĂ€a, dem heutigen Ä°znik statt, damals die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt von Bithynien und nur etwa 30 km vom damaligen Kaisersitz Nikomedia entfernt, ein Ort, der zu Land und zu See gut erreichbar war. Die LokalitĂ€ten gehörten vermutlich zum kaiserlichen Palast.

Die Eröffnungssitzung fand am 20. oder 25. Mai 325 statt, und das Konzil endete Ende Juli desselben Jahres mit einem Bankett zur Feier des 20. Jahrestags der Thronbesteigung von Kaiser Konstantin.

Die Teilnehmer

Kaiser Konstantin hatte alle 1800 Bischöfe der damaligen christlichen Kirche (etwa 1000 im griechischen und 800 im lateinischen Sprachraum) brieflich zur Teilnahme aufgefordert und ĂŒbernahm die Reisespesen der etwa 300 Bischöfe, die die Einladung annahmen.

Da jeder Bischof zwei Presbyter und drei Diakone mitbringen konnte, dĂŒrften bis zu zweitausend Personen am Konzil teilgenommen haben. Die meisten östlichen Provinzen des Reichs waren gut vertreten. Von der lateinischen Kirche kamen jedoch nur sieben: Ossius von CĂłrdoba, Nicasius von Dijon, Caecilian von Karthago, Domnus von Strido, Markus von Kalabrien und die beiden Presbyter Victor (oder Vitus) und Vicentius als Abgeordnete des alten Bischofs von Rom Silvester I.

Unter den Bischöfen waren einige, z. B. Paphnutius von Theben, Potamon von Heraklea und Paul von Neo-Caesarea, sichtbar durch die erst 15 Jahre zurĂŒckliegende Christenverfolgung verstĂŒmmelt. Bemerkenswert sind Jakobus von Nisibis, der als Einsiedler, oder Spyridion von Zypern, der auch als Bischof noch als Schafhirte gelebt hatte. Daneben waren auch Nikolaus von Myra, ein persischer Bischof Johannes und ein gotischer Bischof Theophilus anwesend.

Auf Befehl des Kaisers nahm auch der alexandrinische Presbyter Arius teil.

Beim Kaiser dĂŒrften Ossius von CĂłrdoba und Eusebius von Caesarea am meisten Einfluss gehabt haben.

Die Teilnehmer hatten bezĂŒglich der Hauptfrage im Wesentlichen drei Positionen:

  • Die Arianer oder Eusebianer waren etwa zwanzig Bischöfe unter der FĂŒhrung des einflussreichen Eusebius von Nikomedia, des spĂ€teren Patriarchen von Konstantinopel, der mit der kaiserlichen Familie verbunden war, und des Presbyters Arius.
  • Die Mehrheit nahm auf die eine oder andere Art eine Mittelposition ein. Eine wichtige Gruppe gehörte zu den SchĂŒlern des Origenes, die theologisch in der Mitte standen (auch beide Parteien gebrauchten Argumente, die sie von Origenes herleiteten). Viele hatten einen anti-arianischen Instinkt, aber wenig theologisches Unterscheidungsvermögen, andere hatten nur unsichere Meinungen und wechselten die Seiten je nach Argumenten oder Ă€ußeren EinflĂŒssen.

Verlauf

Zu Beginn brachten viele Bischöfe Eingaben ĂŒber private Streitigkeiten vor den Kaiser, der alle diese Papiere verbrennen ließ, ohne ĂŒber sie zu reden, und die Teilnehmer zu Versöhnung und Harmonie ermahnte.

Zuerst schlugen die Arianer ein Bekenntnis vor, das jedoch, gemĂ€ĂŸ Eustathius, unter Tumulten von den Anwesenden zerrissen wurde, worauf sechzehn der achtzehn Unterzeichner die Seite wechselten.

Arius argumentierte aus der Position einer absolut monotheistischen Theologie, die keinerlei Verletzung der Einheit und Einzigkeit Gottes zulassen dĂŒrfe. Folgerichtig sprach er der Person Jesu Christi (als bloß homoiousios = „wesensĂ€hnlich“) die Gottheit ab, und wies ihr nur die Rolle des vornehmsten aller Geschöpfe zu. In seinen philosophischen Argumenten ging er von platonischen und neuplatonischen PrĂ€missen aus.

Die Gegner des Arius auf Seite von Athanasius hingegen argumentierten mit dem Begriff homo-ousios, eines Wesens (Wesensgleichheit). Die Homoousianer argumentierten, dass der Arianismus die christliche Gotteslehre nicht durch Monotheismus, sondern durch einen Polytheismus ersetze, da Gott und Jesus Christus fĂŒr die Arianer völlig verschiedene Wesen sind, die beide verehrt werden. Daneben wĂŒrden dadurch liturgische Traditionen wie die Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes oder Gebete zu Jesus Christus unsinnig. Außerdem, vielleicht am wichtigsten, sei beim Arianismus das christliche Konzept der Erlösung in Christus nicht denkbar, da nur ein wirklich göttlicher Mittler eine Versöhnung der Schöpfung mit Gott zustande bringen könne – fĂŒr ein Geschöpf sei das nicht möglich.

Dann schlug Eusebius von Caesarea, der Arius nach seiner Verbannung von Alexandria bei sich aufgenommen hatte, ein altes palĂ€stinisches Bekenntnis vor, das die Göttlichkeit von Christus in allgemeinen biblischen AusdrĂŒcken bestĂ€tigte. GemĂ€ĂŸ neueren Erkenntnissen aufgrund des Konzils von Antiochia dĂŒrfte das jedoch kein Vorschlag eines Bekenntnisses fĂŒr die Versammlung gewesen sein, sondern eine Rechtfertigung seiner RechtglĂ€ubigkeit vor dem Konzil aufgrund seiner Exkommunikation (was Eusebius verstĂ€ndlicherweise in einem Brief an seine Gemeinde nicht besonders betont).

Seine Aussage, dass der Kaiser sein Bekenntnis fĂŒr gut befand, dĂŒrfte den Tatsachen entsprechen (offen bleibt, ob es als Vorschlag oder als Rechtfertigung akzeptiert wurde).

Da auf der einen Seite die arianische Seite fĂŒr jeden biblischen Ausdruck, den die trinitarische Seite vorschlug, eine ihnen gemĂ€ĂŸe Interpretation fand, und auf der anderen Seite die Trinitarier nicht bereit waren, die Entscheidung durch ein doppeldeutiges Bekenntnis weiter offen zu lassen, stimmte der Kaiser ausdrĂŒcklich fĂŒr den von Arius zurĂŒckgewiesenen Ausdruck wesenseins (griechisch áœÎŒÎżÎżÏ…ÏƒÎčÎżÏ‚ homoousios, lateinisch consubstantialis (von gleicher Substanz)), und ordnete an, das Bekenntnis entsprechend zu ĂŒberarbeiten. Eusebius schreibt, der Kaiser persönlich habe diesen Ausdruck so ausgelegt, dass er möglichst breit akzeptiert werden konnte: „Er erklĂ€rte, dass áœÎŒÎżÎżÏ…ÏƒÎčÎżÏ‚ nicht im Sinn von körperlichen Beziehungen verstanden werden dĂŒrfte, (?) da eine immaterielle geistige und nichtkörperliche Natur nicht körperlichen Beziehungen unterworfen sein könne. Diese Dinge mĂŒssten verstanden werden als geistliche und unaussprechliche Bedeutung.“

Da verschiedene sehr Ă€hnlich lautende östliche Bekenntnisse existieren, kann nicht entschieden werden, welches davon die Grundlage fĂŒr das neu erarbeitete Bekenntnis war. Die ĂŒberarbeitende Gruppe unter Ossius von CĂłrdoba begnĂŒgte sich nicht mit dem Ausdruck der Gotteinigkeit des Sohnes mit dem Vater, sondern fĂŒgte weit gehend alle Formeln ein, gegen die sich die Arianer in den letzten Jahren gestellt hatten. Zu den Formeln gehörte „gezeugt aus dem Wesen des Vaters“, „gezeugt und ungeschaffen“, und „wesenseins mit dem Vater“. Das Konzil betonte, dass der Sohn Person der Dreieinigkeit sei, und nicht Teil der Schöpfung. Dazu kam ein Zusatz, der die arianische HĂ€resie ausdrĂŒcklich verurteilt.

Konzilsakten

Bekenntnis von NicÀa

Siehe Bekenntnis von NicÀa

Praktisch alle Bischöfe unterschrieben das von Ossius vorgeschlagene nicĂ€ische Glaubensbekenntnis, zuerst Ossius und nach ihm die beiden römischen Presbyter im Namen ihres Bischofs. Auch Eusebius von Caesarea unterschrieb nach einem Tag Bedenkzeit und verteidigte seine Unterschrift in einem Brief an sein Bistum. Eusebius von Nikomedia und Theognis von NicĂ€a unterschrieben das Bekenntnis, jedoch ohne den Zusatz der Verdammung der Arianer, und wurden dafĂŒr abgesetzt und fĂŒr eine Zeit verbannt, schlossen sich aber schließlich den BeschlĂŒssen des Konzils an. Nur zwei Ă€gyptische Bischöfe, Theonas und Secundus weigerten sich konsequent zu unterschreiben und wurden mit Arius nach Illyrien verbannt.

Die BĂŒcher von Arius wurden verbrannt, der Besitz seiner Schriften unter Todesstrafe gestellt, und seine Partei als Feinde der Christenheit bezeichnet – der erste Fall, wo eine abweichende Lehre nicht bloß als Vergehen gegen die Kirche, sondern auch als Vergehen gegen den Staat angesehen wurde.

Kanones des Konzils

Neben dem Hauptthema des Arianismus entschied das Konzil ĂŒber weitere Fragen, die in der damaligen Kirche diskutiert wurden. Diese sind in den Kanons des Konzils aufgefĂŒhrt [1]:

  • Kanon 1: Eunuchen können – außer wenn sie sich selbst kastriert haben – Priester werden. Verbot der Selbstkastration.
  • Kanon 2: Leute, die nach kurzem Katechumenat entgegen 1 Tim 3,6-7 EU gleichzeitig mit der Taufe zum Priester oder Bischof geweiht wurden, können ihren Status behalten, aber in Zukunft soll das nicht mehr vorkommen. Wenn ein so geweihter Geistlicher von zwei oder drei Zeugen einer SĂŒnde ĂŒberfĂŒhrt wird, wird er suspendiert werden.
  • Kanon 3: Das Konzil verbietet absolut, dass Bischöfe, Priester und Diakone mit einer Frau zusammenleben, ausgenommen natĂŒrlich ihre Mutter, Schwester oder Tante oder eine ĂŒber jeden Verdacht erhabene Frau.
  • Kanon 4: Ein Bischof soll von allen Bischöfen der Provinz geweiht werden. Wenn dies nicht praktikabel ist, sollen mindestens drei Bischöfe die Ordination vornehmen, nachdem die ĂŒbrigen schriftlich ihr EinverstĂ€ndnis gegeben haben. In jedem Fall steht dem Metropolitan das Recht zu, das Vorgehen zu bestĂ€tigen.
  • Kanon 5: Die Exkommunikation eines Priesters oder Laien muss durch die Bischöfe aller Provinzen respektiert werden. Es soll jedoch eine Untersuchung durch die ĂŒbrigen Bischöfe der Provinz geben, um sicherzustellen, dass niemand aus persönlichen GrĂŒnden von einem Bischof exkommuniziert wurde. Um diese Untersuchungen geordnet durchzufĂŒhren, sollen die Bischöfe jeder Provinz zweimal jĂ€hrlich zu einer Synode zusammentreten.
  • Kanon 6: Die althergebrachte AutoritĂ€t der Bischöfe von Alexandria, Antiochia und Rom ĂŒber ihre Provinzen wird bestĂ€tigt. Eine Bischofswahl ohne Zustimmung des Metropolitans ist ungĂŒltig. Wenn es jedoch unter den wĂ€hlenden Bischöfen zwei oder drei Gegenstimmen gibt, entscheidet die Mehrheit.
  • Kanon 7: Der Bischof von Aelia (Jerusalem) soll nach altem Brauch geehrt werden, ohne jedoch die Rechte des Metropolitans einzuschrĂ€nken.
  • Kanon 8: Geistliche der Novatianer, die öffentlich in die Kirche eintreten, dĂŒrfen ihren geistlichen Rang behalten, wenn sie sich schriftlich dazu verpflichten, die Dekrete der Kirche zu akzeptieren und zu befolgen. Sie sind jedoch im Rang allfĂ€lligen örtlichen Geistlichen der Kirche untergeordnet.
  • Kanon 9: Wenn Leute ohne PrĂŒfung zum Priester geweiht wurden und nachtrĂ€glich eine SĂŒnde bekennen, die sie dafĂŒr disqualifiziert, ist die Priesterweihe ungĂŒltig.
  • Kanon 10: Wenn entdeckt wird, dass ein Priester seinerzeit unter der Verfolgung abgefallen ist und nachtrĂ€glich zum Priester geweiht wurde, ist die Priesterweihe ungĂŒltig.
  • Kanon 11: Wenn Leute ohne Gefahr vom Glauben abgefallen sind, sollen sie milde behandelt werden, obwohl sie keine solche Milde verdienen: Sie sollen nach einer Buße von zwölf Jahren wieder zur Kommunion zugelassen werden.
  • Kanon 12: Wenn Christen, die erst auf den MilitĂ€rdienst verzichtet haben, zur Armee zurĂŒckgekehrt sind (was unter Licinius Opfer fĂŒr heidnische Götter bedingte), sollen sie nach dreizehn Jahren Buße wieder zur Kommunion zugelassen werden. Diese Bußzeit kann jedoch im Fall von echter Reue durch den Bischof verkĂŒrzt werden.
  • Kanon 13: Einem Sterbenden darf die Eucharistie gegeben werden, wenn er danach verlangt, auch wenn er nicht zur Kommunion zugelassen war.
  • Kanon 14: Katechumen, die abgefallen sind, dĂŒrfen nach einer Bußzeit von drei Jahren wieder mit den Katechumen beten.
  • Kanon 15: Bischöfe, Priester und Diakone dĂŒrfen nicht von Stadt zu Stadt wandern, sondern sollen, wenn sie das versuchen, zu der Kirche zurĂŒckgeschickt werden, wo sie ordiniert wurden.
  • Kanon 16: Priester und Diakone, die ihre Kirche verlassen, dĂŒrfen nicht von einer anderen Kirche aufgenommen werden. Bischöfe dĂŒrfen niemanden ordinieren, der zu einer andern Diözese gehört.
  • Kanon 17: Wer Wucherzinsen verlangt, soll abgesetzt werden.
  • Kanon 18: Diakone dĂŒrfen die Eucharistie nicht Priestern geben, sondern sollen die Eucharistie von Bischof oder Priester empfangen.
  • Kanon 19: AnhĂ€nger von Paul von Samosata, die bei der Kirche Zuflucht suchen, sollen in jedem Fall neu getauft werden. Geistliche können nach PrĂŒfung neu ordiniert werden.
  • Kanon 20: Am Sonntag und in der Pfingstzeit soll nicht kniend, sondern stehend gebetet werden.

Osterdatum

Der wörtliche Kanon bezĂŒglich des Osterdatums ist nicht erhalten, der Beschluss kann aber aus verschiedenen erhaltenen Bemerkungen von Autoren des vierten Jahrhunderts (z.B. bei Epiphanius von Salamis, Sokrates Scholasticus) rekonstruiert werden. Danach wurde beschlossen:[2]

  • Ostern muss bei allen Kirchen an demselben Tag gefeiert werden.
  • Ostern ist nach FrĂŒhlingsbeginn zu feiern.
  • Ostern ist an einem Sonntag nach dem jĂŒdischen Pessach-Fest zu feiern.
  • Der Bischof von Alexandria soll jĂ€hrlich das Osterdatum berechnen und es frĂŒhzeitig dem Papst in Rom melden, damit es von hier aus allen anderen Kirchen angezeigt werden kann. Die Alexandrinische Wissenschaft wurde als die am besten fĂŒr mathematisch-astronomische Berechnungen befĂ€higte gehalten. Der Papst sollte aber aus den differierenden Ergebnissen konkurrierender Berechnungsarten auswĂ€hlen oder eine Einigung durch Verhandlungen herbeifĂŒhren.[3]

Folgen

Trotz des Konzilsentscheids blieb die Christenheit durch den arianischen Streit gespalten, und eine Reihe der Unterzeichner widerrief spĂ€ter. Beispielsweise schrieb der Arianer Eusebius von Nikomedia in einem Brief an den Kaiser: „Wir handelten sĂŒndig, o FĂŒrst, als wir aus Furcht vor Euch einer Blasphemie zustimmten.“

Einfluss des Kaisers auf das Ergebnis

Mit allen Mitteln suchte Konstantin die StabilitÀt und Einheit des Reiches zu festigen. Die dynamisch wachsende christliche Kirche bot sich als ein integrierender Faktor an, dessen er sich bediente.

Konstantin ließ sich erst auf dem Sterbebett taufen. Seine Mutter war Christin, wĂ€hrend er selber den Sonnengott Sol anbetete. Von seiner Mutter hatte er von „Christos“ gehört. Nach einer Legende soll er vor der Schlacht gegen Maxentius beim Blick in die Sonne, wĂ€hrend des Gebetes zu Sol „Balken“ gesehen haben, die er mit „Christos“ in Verbindung brachte. Nach dem ĂŒberraschenden Sieg erklĂ€rte er dies dem Papst und vereinigte so Staat und Kirche. Er identifizierte den christlichen Gott mit seinem Sonnengott. Aus seinem Verhalten in den Jahren nach dem Konzil, wo er einmal die Trinitarier und dann wieder die Arianer unterstĂŒtzte, je nachdem, was ihm fĂŒr den Frieden dienlicher schien, lĂ€sst sich schließen, dass er dogmatisch weder auf der einen noch auf der anderen Seite fest stand.

Belegt ist, dass dem Kaiser in erster Linie an Frieden und Einheit in der Kirche – und damit des Reiches – lag. In einem Brief schrieb er: „Mein Ziel war es, die unterschiedlichen Urteile unter allen Nationen, die die Gottheit verehren, zu einem Zustand der beschlossenen Einheit zu bringen, und zweitens, den gesunden Ton im Weltsystem wieder herzustellen.“ Dieses Ziel hat der Kaiser jedoch weder am Konzil noch in den Folgejahren erreicht.

Gegen ein kaiserliches Diktat sprechen die folgenden Argumente:

  • Das Konzil von Antiochia ist, ohne jeden kaiserlichen Einfluss, theologisch zum selben Ergebnis gekommen
  • Die Trinitarier hatten keine wirkliche RegierungsunterstĂŒtzung: Konstantin selbst war alles andere als ein energischer Verfechter des NizĂ€anums: er verbannte einige Jahre spĂ€ter Athanasius, ließ sich vom Arianer Eusebius von Nikomedia taufen und war drauf und dran, Arius, den er schon 327 aus der Verbannung zurĂŒckgerufen hatte, auch als Priester rehabilitieren zu lassen (was durch Arius' Tod hinfĂ€llig wurde). Die meisten Kaiser im vierten Jahrhundert unterstĂŒtzten den Arianismus und verfolgten die Trinitarier massiv.
  • Viele der anwesenden Bischöfe hatten noch die letzte Christenverfolgung erlebt und durchgestanden, waren von daher nicht so leicht unter Druck zu setzen.
  • In den Folgejahren wurden viele trinitarische Bischöfe wegen ihrer Lehre verbannt, ohne dass sie deshalb zu den Arianern wechselten.
  • Im nĂ€chsten ökumenischen Konzil von Konstantinopel wurde die Lehre von NicĂ€a voll bestĂ€tigt, ohne dass ein Kaiser Druck ausĂŒbte.

Siehe auch

Literatur

Quellen

SekundÀrliteratur

  • Henricus Gelzer, Henricus Hilgenfeld, Otto Cuntz: Patrvm Nicaenorvm nomina Latine, Graece, Coptice, Syriace, Arabice, Armeniace. Stuttgart 1898 (unverĂ€nderter Neudruck 1995), ISBN 3-519-01995-7
  • Felix Haase: Die koptischen Quellen zum Koncil von NicĂ€a. Paderborn 1920
  • Ignacio Ortiz de Urbina: NizĂ€a und Konstantinopel. Geschichte der ökumenischen Konzilien 1. Mainz 1964
  • Jörg Ulrich: Die AnfĂ€nge der abendlĂ€ndischen Rezeption des NizĂ€nums. Patristische Texte und Studien 39. Berlin 1994, ISBN 3-11-014405-0
  • Lewis Ayres: Nicaea and its legacy. An approach to fourth-century trinitarian theology. Oxford 2004, ISBN 0-19-875506-6

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. ↑ Nicene and Post-Nicene Fathers, Series II, Vol. XIV, The Canons of the 318 Holy Fathers Assembled in the City of Nice (sic), in Bithynia.. Early Church Fathers. Abgerufen am 8. Mai 2006.
  2. ↑ Nikolaus BĂ€r: Das Datum des Osterfestes, Abschnitt: Das Konzil von NicĂ€a, [1],
  3. ↑ Joseph Bach: Die Osterfest-Berechnung in alter und neuer Zeit, Strassburg 1907, Seite 14 [2]

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