Erzgebirge

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Erzgebirge

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Erzgebirge
physische Karte des Erzgebirges

physische Karte des Erzgebirges

H√∂chster Gipfel Kl√≠novec (1.244 m)
Koordinaten 50¬į 35‚Ä≤ N, 13¬į 0‚Ä≤ O50.583333333333131244Koordinaten: 50¬į 35‚Ä≤ N, 13¬į 0‚Ä≤ O
Gestein Basalt, Glimmerschiefer, Phyllit, Granit, stellenweise Steinkohle
Alter des Gesteins ca. 200 - 400 Mio Jahre
Fl√§che 6.000 km¬≤
Besonderheiten Pultschollengebirge
Lage des Erzgebirges in Deutschland

Das Erzgebirge (tschechisch: KruŇ°n√© hory) ist ein Mittelgebirge und bildet die nat√ľrliche Grenze zwischen Sachsen und B√∂hmen. Knapp n√∂rdlich der Kammlinie verl√§uft die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien. Die h√∂chsten Erhebungen sind der Keilberg (tschech. Kl√≠novec) (1.244 m √ľ. NN) und der Fichtelberg (1.215 m √ľ. NN).

Inhaltsverzeichnis

Geomorphologie

Das Erzgebirge zählt erdgeschichtlich zum Variskischen Gebirge. Es entstand in einem langwierigen Prozess:

Bei der Faltung des variskischen Gebirges fand in der Tiefe Gesteinsmetamorphose statt, es bildeten sich kristalline Schiefer und Gneis. Daneben findet man in √§lteren Magmablasen gro√üe Granitvorkommen. Bis zum Ende des Pal√§ozoikums wurde das Gebirge auf eine flachwellige H√ľgellandschaft abgetragen (Perm'scher Rumpf), womit die harten Gesteine freigelegt wurden.

Im Terti√§r wurde der Gebirgsrumpf durch plattentektonische Prozesse stark beansprucht (alpidische Gebirgsbildung, Trennung der nordamerikanischen von der eurasischen Platte). Da das Gestein nicht mehr gefaltet werden kann, reagiert es mit Bruchtektonik, wobei die Bruchscholle nach Nordwesten gekippt wird. Sehr gut zu beobachten ist dies auf dem, √∂stlich von Zinnwald-Georgenfeld gelegenen, M√ľckent√ľrmchen (Kom√°Ňô√≠ v√≠Ňĺka) in einer H√∂he von 807 m √ľ. NN. Es befindet sich auf tschechischer Seite, genau auf der Kante der Bruchscholle. Auf deutscher Seite steigt das Gebirge langsam an, auf tschechischer Seite f√§llt es steil ab.

Somit ist es ein Pultschollengebirge, welches heute durch eine ganze Reihe von Flusst√§lern, deren Fl√ľsse nach S√ľden zur Eger und nach Norden zur Mulde oder direkt zur Elbe entw√§ssern, durchschnitten wird. Dieser Prozess wird auch als Zertalung bezeichnet.

Blick vom M√ľckent√ľrmchen im Osterzgebirge gen Westen. Links der steile Abfall zum Egergraben, rechts die flache Nordabdachung.

Das Erzgebirge ist geologisch als eines der weltweit am besten erforschten Gebirge zu sehen.

Wichtige vorkommende Gesteine sind im Erzgebirge Glimmerschiefer, Phyllite und Granite mit Kontakth√∂fen im Westen, Basalt als Reste im Ple√überg (PleŇ°ivec), Scheibenberg, B√§renstein, P√∂hlberg, Gro√üen Spitzberg (Velk√Š҆pińć√°k), Ha√überg (Jelen√≠ hora) und Geisingberg sowie Gneise und Quarzporphyr (Kahleberg) im Osten. Die B√∂den bestehen aus schnell auslaugendem Grus. Im westlichen und mittleren Teil des Gebirges ist dessen Ursprung verwitterter Granit. Phyllite ergeben einen lehmigen, schnell verwitternde Gneise im Osten des Gebirges einen leichten Boden. Die Bodennutzung besteht auf den Untergr√ľnden aus Granit und Quarzporphyr aus Wald, auf den Gneisb√∂den ist der Anbau von Flachs in fr√ľheren Jahrhunderten, sp√§ter Roggen, Hafer und Kartoffeln bis in hohe Lagen m√∂glich gewesen und betrieben worden. Heute besteht die √ľberwiegende Nutzung in Weidegr√ľnland. Nicht selten sind jedoch auch naturnahe Bergwiesen zu finden.

Dem Erzgebirge n√∂rdlich vorgelagert, westlich von Chemnitz und um Zwickau liegt das, jedoch nur in geologischer Hinsicht bekannte, Erzgebirgische Becken. Hier befinden sich Steinkohlelagerst√§tten, in denen der Bergbau bereits aufgelassen worden ist. Ein √§hnliches, jedoch kleineres Becken mit aufgelassenen Steinkohlelagerst√§tten, das D√∂hlener Becken, befindet sich s√ľdwestlich von Dresden am Nordrand des Osterzgebirges. Es bildet den √úbergang zur Elbtalzone und ist gleichfalls vorwiegend in geologischer Hinsicht bekannt.

Naturräumliche Gliederung

Karte der Naturräume im Erzgebirge

In der naturräumlichen Gliederung nach Meynen und anderen, die deutschlandweit in den 1950er Jahren erfolgt war, stellte das Erzgebirge die Haupteinheitengruppe 42 dar:

  • 42 Erzgebirge
    • 420 S√ľdabdachung des Erzgebirges
    • 421 Oberes Westerzgebirge
    • 422 Oberes Osterzgebirge
    • 423 Unteres Westerzgebirge
    • 424 Unteres Osterzgebirge

Auch nach der Umgliederung durch das Bundesamt f√ľr Naturschutz 1994 blieb das Erzgebirge unter D16 mit praktisch unver√§nderten Grenzen eine Haupteinheitengruppe, jedoch fasste die Arbeitsgruppe Naturhaushalt und Gebietscharakter der S√§chsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig zu Anfang des 21. Jahrhunderts zum einen das Erzgebirge mit der sich westlich anschlie√üenden Haupteinheitengruppe Vogtland und den im Osten folgenden Haupteinheiten S√§chsische Schweiz, Lausitzer Bergland und Zittauer Gebirge zur √úbereinheit S√§chsisches Bergland und Mittelgebirge zusammen, zum anderen wurde die interne Gliederung ge√§ndert. Dabei wurde die (ehemalige) Haupteinheit 420 mit dem Westen der Haupteinheiten 421 und 423 zur neuen Haupteinheit Westerzgebirge, der Osten von 421 und 423 zum Mittelerzgebirge und 422 und 424 zum Osterzgebirge zusammengefasst.

Die aktuelle Gliederung sieht daher wie folgt aus:[1]

Die raumgeographische Einheit S√ľdabdachung des Erzgebirges blieb unver√§ndert unter dem Begriff S√ľderzgebirge erhalten.

Topografische Beschreibung

Das Erzgebirge und einige angrenzende Landschaften

Das Erzgebirge ist in (S√ľd-)West-(Nord-)Ost-Richtung etwa 150 km lang und durchschnittlich 40 km breit. Aus geomorphologischer Sicht gliedert es sich in West-, Mittel- und Osterzgebirge, getrennt durch die T√§ler von Schwarzwasser und Zwickauer Mulde bzw. Fl√∂ha ("Fl√∂halinie"), wobei die Teilung des Westteiles l√§ngs des Schwarzwassers j√ľngeren Datums ist. Das Osterzgebirge ist vor allem durch ausgedehnte, langsam ansteigende Hochfl√§chen gepr√§gt, welche im st√§rker gegliederten sowie gr√∂√üere H√∂hen erreichenden Mittel- und Westteil kleiner sind und zudem von h√§ufiger richtungswechselnden T√§lern durchschnitten werden. Der Kamm des Gebirges selbst bildet, in allen drei Segmenten, eine Abfolge von Hochfl√§chen und Einzelbergen.

√Ėstlich schlie√üt sich das Elbsandsteingebirge, westlich das Elstergebirge und andere s√§chsische Teile des Vogtlandes an. S√ľd(√∂st)lich von Mittel- und Osterzgebirge liegt das Nordb√∂hmische Becken, unmittelbar √∂stlich davon das B√∂hmische Mittelgebirge, das durch schmale Ausl√§ufer des o.g. Beckens vom Osterzgebirge getrennt wird. S√ľd(√∂st)lich des Westerzgebirges liegen das Falkenauer Becken, der Egergraben und das Duppauer Gebirge. Nach Norden hin ist die Grenze unscharf, weil das Erzgebirge, als typischer Vertreter der Pultschollengebirge, sehr flach abf√§llt.

Man bezeichnet die landschaftliche √úbergangszone von West- und Mittelerzgebirge zum sich n√∂rdlich anschlie√üenden L√∂ssh√ľgelland zwischen Zwickau und Chemnitz als Erzgebirgsbecken, jene n√∂rdlich des Osterzgebirges als Erzgebirgsvorland. Das Erzgebirgsvorland wird zwischen Freital und Pirna als Dresdner Erzgebirgsvorland oder als Bannewitz-Possendorf-Burkhardswalder Plateau bezeichnet. Geologisch reicht das Erzgebirge mit dem Windberg bei Freital und der Karsdorfer Verwerfung bis an die Stadtgrenze Dresdens. Die Kerbt√§ler des Osterzgebirges durchbrechen diese Verwerfung und die Talschulter des Elbtalkessels.

Das Erzgebirge z√§hlt innerhalb der Mittelgebirgsschwelle einerseits zum B√∂hmische Masse genannten Gebirgsstock, der au√üerdem aus Oberpf√§lzer Wald, B√∂hmerwald, Bayerischem Wald, Lausitzer Gebirge, Isergebirge, Riesengebirge und den innerb√∂hmischen Gebirgen besteht. Gleichfalls bildet es mit Oberpf√§lzer Wald, B√∂hmerwald, Bayerischem Wald, Fichtelgebirge, Frankenwald, Th√ľringer Schiefergebirge und Th√ľringer Wald einen ypsilonf√∂rmigen Gebirgskomplex, der zwar keinen Eigennamen tr√§gt, klimatisch aber recht einheitlich zu bewerten ist.

Der Tradition der Kulturr√§ume folgend z√§hlt man Zwickau historisch noch zum Erzgebirge, Chemnitz liegt in analoger Weise historisch knapp au√üerhalb und Freiberg wird wiederum dazugerechnet. Die mutma√üliche Grenze des Erzgebirges l√§uft weiter s√ľdwestlich Dresdens auf das Elbsandsteingebirge zu. Dabei setzt sich der ma√ügebliche Charakter, also flache Hochebenen mit Anstieg zum Kamm und einschneidende Kerbt√§ler, bis an die s√ľdliche Kante des Elbtalkessels fort. N√∂rdlich des Erzgebirges geht die Landschaft allm√§hlich in das S√§chsische H√ľgelland und das S√§chsische Elbland √ľber. Der kulturr√§umliche √úbergang zum Elbsandsteingebirge ist auf H√∂he des M√ľglitz- und Gottleubatals sehr unscharf.

Bemerkenswerte Erhebungen

Das Fichtelberg-Keilberg-Massiv
Das Fichtelberg-Keilberg-Massiv

Der h√∂chste Berg des Erzgebirges ist der Keilberg (Kl√≠novec) mit 1.244 Metern im b√∂hmischen Teil des Gebirges. H√∂chste Erhebung auf s√§chsischer Seite und gleichzeitig h√∂chster Berg Ostdeutschlands ist der 1.215 Meter hohe Fichtelberg. Im Erzgebirge existieren etwa drei√üig Erhebungen mit einer H√∂he von mehr als 1.000 m √ľ. NN, die aber nicht alle markante Berge sind. Die meisten sind rund um den Keilberg und den Fichtelberg zu finden. Etwa ein Drittel davon befindet sich auf s√§chsischer Seite.

Siehe: Liste von Bergen im Erzgebirge

Wichtige Fl√ľsse

Quellgebiet der Freiberger Mulde bei Moldau (Tschechien) im Osterzgebirge
Burg Stein an der Zwickauer Mulde

Von West nach Ost:

Siehe auch: Liste der Gewässer in Sachsen

Klima

Der St√ľrmer im Winter

Das Klima der Erzgebirgs-Kammlagen ist als deutlich rau zu charakterisieren. Die Temperaturen liegen das ganze Jahr √ľber erheblich niedriger als im Tiefland und der Sommer ist merklich k√ľrzer und bietet h√§ufig k√ľhle Tage. Die Jahresmitteltemperaturen erreichen nur Werte von 3 bis 5 ¬įC. Im auf 922 m √ľ. NN gelegenen Oberwiesenthal treten im Schnitt nur etwa 140 frostfreie Tage im Jahr auf. Dabei muss den Berichten √§lterer Chronisten nach das Klima in den vergangenen Jahrhunderten in den oberen Erzgebirgslagen noch rauer als heute gewesen sein. Quellen aus dieser Zeit berichten von harten Wintern, in denen das Vieh in den St√§llen erfror und noch im April so viel Schnee fiel, dass H√§user und Keller zugeschneit wurden. Die Bev√∂lkerung war regelm√§√üig von der Umwelt abgeschnitten. (Athenaum sive Universitas Boemo-Zinnwaldensis von 1717, verfasst von Peter Schenk) Das obere Erzgebirge wurde in der Vergangenheit daher oft mit dem Beinamen S√§chsisches Sibirien versehen.

Die von Nordwest nach S√ľdost ansteigende Pultscholle des Gebirges, die ein lang anhaltendes Abregnen als Stauregen bei West- und Nordwestwetterlagen erm√∂glicht, ruft eine im Vergleich zum Tiefland fast doppelt so hohe Niederschlagsmenge hervor, die bis in die Kammlagen auf √ľber 1.100 mm ansteigt. Da ein Gro√üteil des Niederschlages als Schnee f√§llt, bildet sich in vielen Jahren eine m√§chtige bis in den April anhaltende Schneedecke. Die Kammlagen des Erzgebirges geh√∂ren zu den schneesichersten Gebieten der deutschen Mittelgebirge. Es k√∂nnen F√∂hnwinde, aber auch der so genannte B√∂hmische Wind bei besonderen S√ľdwetterlagen auftreten.

Aufgrund dieses Klimas und der gro√üen Schneemengen gibt es bei Satzung, im Bereich der Grenze zu B√∂hmen, auf knapp 900 m √ľ. NN ein nat√ľrliches Latschen-Kiefern-Gebiet. Zum Vergleich: In den Alpen kommen Latschen erst ab 1.600 bis 1.800 m √ľ. NN vor.

Natur

Im oberen Westerzgebirge bei Oberwildenthal
Sphinx mit Steilabbruch des Erzgebirges
Stausee bei F√∂rsterh√§user am Rande des NSG BoŇĺ√≠darsk√© raŇ°eliniŇ°tńõ auf ca. 960 m √ľ. NN

Das Erzgebirge gehört mit seinem westlichen oberen Teil dem Naturpark Erzgebirge/Vogtland an. Das östliche Erzgebirge steht als LSG Osterzgebirge unter Landschaftsschutz. Weitere kleinere Gebiete stehen als Naturschutzgebiete und Naturdenkmale unter staatlichem Schutz.

Die erzgebirgische Natur wurde seit der Besiedlungswelle im Mittelalter immer durch seine Bewohner intensiv geformt. Dies geschah besonders durch gro√üfl√§chige Rodungen des urspr√ľnglich dichten Waldes um dem enormen Holzbedarf des Bergbaus und H√ľttenwesens nachzukommen. Auch die √ľberall neu entstehenden Siedlungen sowie die Landwirtschaft ben√∂tigten Raum. Jedoch pr√§gte der Bergbau mit Halden, Stauanlagen, Gr√§ben und Pingen an vielen Orten das Landschaftsbild und die Lebensr√§ume von Pflanzen und Tieren auch direkt. Bereits im 19. Jahrhundert gab es zudem erste Anzeichen f√ľr lokales Waldsterben durch H√ľttenrauch, bevor im 20. Jahrhundert unter Einfluss von Emissionen der modernen Industrie, besonders der nahen tschechischen Braunkohlekraftwerke, einige Bergr√ľcken in exponierter klimatisch ung√ľnstiger Kammlage entwaldet wurden. In den letzten Jahren werden daher, statt den bisher vorherrschenden Fichten-Monokulturen, wieder bevorzugt standortgerechte Mischw√§lder angebaut, welche gegen√ľber Witterungseinfl√ľssen und Sch√§dlingen widerstandsf√§higer sind.

Trotzdem haben vor allem die menschlichen Eingriffe seit alters her eine einzigartige Kulturlandschaft entstehen lassen. Sie beherbergt eine gro√üe Zahl typischer und sch√ľtzenswerter Biotope wie, teils selten gewordene, Berg- und Feuchtwiesen oder Steinr√ľckenlandschaften. Und selbst alte Bergbauhinterlassenschaften bieten heute vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum. Zudem gibt es vor allem im Westerzgebirge riesige zusammenh√§ngende, allerdings s√§mtlich forstwirtschaftlich genutzte Waldgebiete bis in h√∂chste Lagen. So ist der Naturpark Erzgebirge/Vogtland zu 61 Prozent von Wald bedeckt. Hier liegen au√üerdem mehrere gr√∂√üere, nur von Regenwasser gespeiste, Hochmoore. In vielen dieser verschiedenen unter Schutz gestellten Gebiete finden seltene, anspruchsvolle Arten, wie Alpenflachb√§rlapp, Feuerlilie, verschiedene Enzian- und Orchideenarten, Sperlingskauz, Eisvogel oder Flussperlmuschel, einen R√ľckzugsraum.[3] In den H√∂henlagen des Gebirges sind zudem mehrere Vorkommen alpiner Tier- und Pflanzenarten bekannt, deren n√§chste nachgewiesene Vorkommen erst im Riesengebirge und den Alpen zu finden sind. In den letzten Jahren konnten nach Verbesserung ihrer Lebensbedingungen auch wieder einst verdr√§ngte Tierarten, wie der Uhu und der Schwarzstorch, das Erzgebirge zur√ľckerobern.

Der Charakterbaum des Erzgebirges ist die Vogelbeere (Eberesche). Ihm wurde durch Max Schreyer mit einem der bekanntesten erzgebirgischen Volkslieder ‚ÄěDr Vugelbeerbaam" ein Denkmal gesetzt.

Naturschutzgebiete

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in Sachsen

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in Tschechien


Geschichtliche und kulturgeschichtliche Aspekte

Etymologie des Namens

Gediegenes Silber aus dem Freiberger Raum

Im 12. Jahrhundert tauchte der Begriff Saltus bohemicus auf. In deutscher Sprache wurde auch B√∂hmischer Wald, Beheimer Wald, Behmerwald oder B√∂hmerwald benutzt, im Tschechischen ńĆesk√Ĺ les. Letztgenannte Bezeichnungen werden heute f√ľr die s√ľdwestlichen Randgebirge Tschechiens verwendet (siehe: B√∂hmerwald).

Von der √§lteren Forschung wurden auch weiter, an vereinzelten Stellen in √§lteren Schriftquellen erscheinende Bezeichnungen als Namen des Erzgebirges angesehen. Jedoch wurden die im 9. Jahrhundert erscheinenden Bezeichnungen Hircanus Saltus (Herzynischer Wald) oder Fergunna nur allgemein f√ľr die ausgedehnten W√§lder der Mittelgebirgszone verwendet. H√§ufig wurde der lediglich an zwei Stellen im 10. und fr√ľhen 11. Jahrhundert erscheinende Begriff Miriquidi direkt auf das Erzgebirge bezogen, jedoch erlauben diese Quellen keine Identifizierung mit dem gesamten ehemals das Erzgebirgsvorland und das Erzgebirge bedeckenden Urwald.

Nach der Entdeckung gro√üer Erzvorkommen kam es im 16. Jahrhundert zu weiteren Umbenennungen. Petrus Albinus benutzte den Namen Erzgebirge erstmals 1589 in seiner Chronik. Vor√ľbergehend verwendete man zu Beginn des 17. Jahrhunderts auch den Namen Mei√üener Berge. Ein viertel Jahrhundert sp√§ter b√ľrgerte sich endg√ľltig die Bezeichnung Erzgebirge und tschechisch RudohoŇô√≠ ein. Das tschechische Toponym lautet heute KruŇ°n√© hory, was so viel wie ‚Äěbeschwerliches Gebirge‚Äú bedeutet. Die Bezeichnung Erzgebirge tragen au√üerhalb Deutschlands weitere Landschaften.

Wirtschaftsgeschichte

Nachbau eines Pferdegöpels in Johanngeorgenstadt
Technisches Museum Frohnauer Hammer

Die erzgebirgische Geschichte wurde seit der Zeit der ersten Besiedlungswelle in besonderem Maße von der wirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere der des Bergbaus, beeinflusst.

Die Besiedlung des Erzgebirges verlief zu Beginn vor allem auf der b√∂hmischen Seite langsam. Das rauhe Klima und die kurzen Vegetationszeiten verhinderten den Anbau landwirtschaftlicher Produkte. Die Ansiedlung, gef√∂rdert durch das Adelsgeschlecht der Hrabischitz, erfolgte meist vom Fu√ü der Berge aus und verlief entlang der Gebirgsfl√ľsse in die tiefen W√§lder.

In Folge der im 12. Jahrhundert beginnenden Besiedlung am Nordfu√ü des Erzgebirges wurde 1168 das erste Silbererz in der Umgebung des heutigen Freiberg entdeckt, wo sich anschlie√üend das Erste Berggeschrey erhob. Nahezu zeitgleich wurde erstes Zinnerz am S√ľdfu√ü in B√∂hmen gefunden.

Im 13. Jahrhundert fand die Besiedlung des Gebirges nur sporadisch entlang des b√∂hmischen Weges (antiqua Bohemiae semita) statt. Hier entstand Sayda, eine Station auf dem Handelsweg von Freiberg √ľber Einsiedl, Johnsdorf und Br√ľx nach Prag, wobei in Sayda der sogenannte Salzweg hinzustie√ü, der von Halle √ľber Oederan ebenfalls nach Prag f√ľhrte. Seit der zweiten H√§lfte des 13. Jahrhunderts hielt die Glasfabrikation Einzug in die Region. Das Entstehen dieses Gewerbezweiges war durch Holz√ľberschuss beg√ľnstigt, der durch Rodungen und Neuansiedlungen entstand und den hohen Bedarf der Glash√ľtten decken konnte. Kenntnisse in der Glasfabrikation hatten M√∂nche aus dem Kloster Waldsassen ins Erzgebirge gebracht. Die meisten Glash√ľtten befanden sich in der Gegend von Moldau, Brandau und im Frauenbachtal. Als √§ltester Glash√ľttenstandort gilt Ulmbach. Dieser holzintensive Wirtschaftszweig verlor jedoch mit dem Aufbl√ľhen des Bergbaus, der jenem gegen√ľber privilegiert war, wieder an Bedeutung.

Mit dem Bergbau wurde auf der b√∂hmischen Seite vermutlich im 14. Jahrhundert begonnen. Ein Hinweis darauf ist ein Vertrag zwischen Boresch von Riesenburg und dem Ossegger Abt Gerwig, in dem die Teilung der Ertr√§ge aus gewonnenen Erzen vereinbart wurde. Zinnk√∂rner (Graupen) wurden damals im Seiffenbergbau gewonnen und gaben der b√∂hmischen Bergstadt Graupen (tschech. Krupka) ihren Namen.

Historische Darstellung des Bergbaus auf dem Annaberger Bergaltar (1522)

Mit der weiteren Besiedlung des Erzgebirges wurden im 15. Jahrhundert schlie√ülich neue, reiche Erzvorkommen um Schneeberg, Annaberg und St. Joachimsthal (J√°chymov) entdeckt. Das Zweite Berggeschrey erhob sich und l√∂ste eine gewaltige Besiedelungswelle aus. In kurzer Folge entstanden im gesamten Erzgebirge neue, planm√§√üig errichtete Bergst√§dte in N√§he weiterer neu entdeckter Erzvorkommen. Typische Beispiele daf√ľr sind die St√§dte Marienberg, Oberwiesenthal, Gottesgab (BoŇĺ√≠ Dar), Sebastiansberg (Hora Sv. ҆ebesti√°na) und Platten (Horn√≠ Blatn√°). Wirtschaftlich wurden damals jedoch nur die Silber- und Zinnerze genutzt. Zu jener Zeit begr√ľndete der Silberbergbau im Erzgebirge den Reichtum Sachsens. Als M√ľnzmetall wurde Silber vor Ort in den Bergst√§dten zu Geld verarbeitet. Ber√ľhmt geworden sind die in Joachimsthal gepr√§gten Joachimsthaler. Nach Beendigung der Hussitenkriege setzte sich der (durch diese behinderte) wirtschaftliche Aufschwung auch in B√∂hmen wieder fort.

Im 16. Jahrhundert wurde das Erzgebirge zum Zentrum des Bergbaus in Mitteleuropa. Die neuen Funde zogen immer mehr Menschen an, und die Zahl der Einwohner auf der s√§chsischen Seite stieg weiter rasch an. Auch B√∂hmen konnte neben Zuwanderung aus seinem Landesinneren starke Migration, vor allem deutscher Bergleute feststellen, die sich in den Siedlungen des Erzgebirges und in den St√§dten an dessen Fu√ü niederlie√üen.

Erzgebirgische Klöppelspitze - Briefmarkensatz DDR

Unter Kaiser Ferdinand II. begann in B√∂hmen 1624-1626 eine beispiellose Rekatholisierung. Eine Gro√üzahl der b√∂hmischen Protestanten fl√ľchtete daraufhin in das benachbarte Kurf√ľrstentum Sachsen. In der Folge wurden viele b√∂hmische D√∂rfer verw√ľstet und ver√∂deten, w√§hrend auf s√§chsischer Seite durch diese Emigranten neue Orte, wie die Bergstadt Johanngeorgenstadt, begr√ľndet wurden.

Der Erzbergbau kam im 17. Jahrhundert, besonders nach dem Drei√üigj√§hrigen Krieg, weitgehend zum Erliegen. Infolge des sehr starken R√ľckgangs des Bergbaus und wegen der vergeblichen Suche nach neuen Erzvorkommen mussten die Erzgebirger auf andere Erwerbszweige ausweichen. Landwirtschaftlicher Anbau war jedoch wenig ertragreich, und auch der Holzbedarf lie√ü durch Schlie√üung von H√ľtten nach. Viele Einwohner waren zu dieser Zeit schon in der Textilproduktion t√§tig. Da aber auch diese nicht zum Lebensunterhalt ausreichte, entwickelte sich, vor allem im Osterzgebirge, die Holzwaren- und Spielzeugherstellung. Dabei waren die Handwerker, durch die vom Kurf√ľrsten August 1560 erlassene Holzordnung, gehalten, das Holz in B√∂hmen zu kaufen. Das Holz aus dem s√§chsischen Erzgebirge wurde weiterhin f√ľr Bergwerke und H√ľtten in Freiberg ben√∂tigt. Dieser Holzexport f√ľhrte unter anderem zum Bau der Neugrabenfl√∂√üe am Fl√ľsschen Fl√∂ha. Wegen des R√ľckgangs der industriellen Produktion in dieser Zeit wanderten Menschen ohne Bindungen in das Landesinnere Deutschlands oder B√∂hmens ab.

Nach der Entdeckung des Kobaltblaues lebte der Bergbau erneut auf. Vor allem in Schneeberg wurde Cobalt gef√∂rdert, der in den staatlichen Blaufarbenwerken zu Kobaltblau verarbeitet wurde. Es gelang, das Produktionsgeheimnis f√ľr lange Zeit zu wahren, so dass die Blaufarbenwerke f√ľr rund 100 Jahre das Weltmonopol innehatten. Ab etwa 1820 wurde in Johanngeorgenstadt auch Uranerz abgebaut, welches damals unter anderem zum F√§rben von Glas verwendet wurde. Noch reichere Vorkommen an Uranerz fanden sich in St. Joachimsthal. Die Wei√üerdenzeche St. Andreas bei Aue lieferte fast 150 Jahre lang das Kaolin f√ľr die Porzellanmanufaktur in Mei√üen. Eine Ausfuhr au√üer Landes war durch den Kurf√ľrsten unter Androhung strenger Strafen bis hin zum Tode verboten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam der Bergbau jedoch wieder langsam zum Erliegen. Die immer kostenintensivere Wasserhaltung f√ľhrte bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zum st√§ndigen R√ľckgang der Ausbeute, trotz des Vortriebs tieferer Erbstollen und des Ausbaus von Gr√§ben- und R√∂schensystemen zur Zuf√ľhrung des erforderlichen Aufschlagwassers vom Kamm des Gebirges, wie der Revierwasserlaufanstalt des Freiberger Reviers oder dem Reitzenhainer Zeuggraben. Nur wenige Gruben konnten √ľber einen l√§ngeren Zeitraum Gewinne erzielen. Zu ihnen geh√∂rte die Himmelsf√ľrst Fundgrube bei Erbisdorf, die 1818 mit der Herausgabe ihres ersten Ausbeutetalers auf eine 50-j√§hrige kontinuierliche Gewinnphase zur√ľckblickte, welche bis 1848 andauerte. Durch reiche Erzanbr√ľche wurde sp√§ter die Himmelfahrt Fundgrube zur ertragreichsten Freiberger Grube im 19. Jahrhundert. Doch selbst der Vortrieb des Rothsch√∂nberger Stollns als gr√∂√üter und bedeutendster s√§chsischer Stollen, der der Entw√§sserung des gesamten Freiberger Reviers diente, konnte den Niedergang des Bergbaus nicht aufhalten. Denn noch vor der Fertigstellung dieser technischen Meisterleistung wurde 1871 im Deutschen Reich die Goldw√§hrung eingef√ľhrt. Der dadurch einsetzende rapide Verfall des Silberpreises f√ľhrte zur Unrentabilit√§t des gesamten erzgebirgischen Silberbergbaus. An dieser Situation konnten auch kurzzeitige reiche Funde in einzelnen Gruben oder der staatliche Aufkauf s√§mtlicher Freiberger Zechen und deren Einbringung in das 1886 gegr√ľndete Staatsunternehmen der Oberdirektion der K√∂niglichen Erzbergwerke nichts mehr √§ndern. 1913 wurden die letzten Silberbergwerke stillgelegt und das Unternehmen aufgel√∂st.

Historische Schwibbögen - Briefmarkensatz DDR

Zur Rohstoffgewinnung in den Kriegsjahren des 1. und 2. Weltkrieges wurde der Bergbau im Erzgebirge wiederbelebt. Dabei kam es w√§hrend des Dritten Reiches ebenfalls zur Wiederaufnahme des Silberbergbaus. Danach war f√ľr die Bev√∂lkerung wieder die Holzwaren- und Spielzeugherstellung vor allem im Osterzgebirge von Bedeutung. Die Uhrenindustrie hat in Glash√ľtte einen Schwerpunkt. Im Westerzgebirge gab es wirtschaftliche Alternativen durch den Maschinenbau und die Textilindustrie.

In Pechblende aus Johanngeorgenstadt wurde 1789 das chemisches Element Uran entdeckt. In Joachimsthaler Uranerz wurde das Radium und Polonium durch Marie Curie entdeckt. Ende der 1930er Jahre wurde, nach der Entdeckung der Kernspaltung, das Uranerz besonders f√ľr milit√§rische Zwecke interessant. Nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland 1938 wurde die gesamte Produktion von Uran f√ľr die Entwicklung von Kernwaffen beschlagnahmt. Seit dem Einsatz der amerikanischen Atombombe in Japan 1945 begann die Sowjetunion ebenfalls fieberhaft mit der Entwicklung dieser Waffe. Kurz darauf startete unter dem Tarnnamen SAG Wismut die F√∂rderung von Uranerz f√ľr die Sowjetunion im Erzgebirge. Zum dritten Mal in der Geschichte str√∂mten nun Tausende von Menschen ins Erzgebirge, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Schwerpunkte des Abbaues waren Johanngeorgenstadt, Schlema und Aue. Auch im b√∂hmischen St. Joachimsthal wurden die Uranerzlagerst√§tten f√ľr die Sowjetunion ausgebeutet. Der Abbau war mit schwerwiegenden Gesundheitsfolgen f√ľr die Bergleute verbunden. Zudem ereignete sich 1954 bei Lengenfeld ein Dammbruch an einem Uranerz-Abraumsee: 50'000 Kubikmeter Abraum ergossen sich bis 4 Kilometer ins Tal[4]. Bis 1991 wurden Uranerze noch in Aue-Alberoda und P√∂hla abgebaut.

Historische Weihnachtspyramiden - Briefmarkensatz DDR

In Freiberg wurde der seit 1168 betriebene Bergbau nach 800 Jahren 1968 beendet. In Altenberg und Ehrenfriedersdorf erfolgte bis 1991 Bergbau auf Zinnerz. Die Verh√ľttung dieser Erze fand unter anderem in Muldenh√ľtten bis Anfang der 1990er Jahre statt. In Sankt Egidien und Aue befanden sich bedeutende Standorte f√ľr die Nickelverh√ľttung. Im westerzgebirgischen P√∂hla wurden, bei Erkundungsarbeiten f√ľr die SDAG Wismut, in den 1980er Jahren neue, reiche Zinnerzlagerst√§tten gefunden. Die damals entstandenen Versuchsabbaue gelten heute als die gr√∂√üten Zinnkammern Europas. Ein weiterer bekannter Ort der Zinngewinnung war Seiffen. Das Dorf im Osterzgebirge ist heute Mittelpunkt der Holzwaren- und Spielzeugherstellung. Hier werden R√§ucherm√§nner, Nussknacker, Spanb√§ume, Schwibb√∂gen, Weihnachtspyramiden und Spieldosen aus Holz gefertigt. Bei Zwickau, Lugau, Oelsnitz sowie bei Freital wurde bis in das vorletzte Drittel des 20. Jahrhunderts Steinkohle abgebaut.

Das bis in das sp√§te 11. und fr√ľhe 12. Jahrhundert) noch vollst√§ndig mit Wald bestandene Gebirge wurde durch den Bergbau und die Besiedlung fast vollst√§ndig zur Kulturlandschaft umgestaltet. Bis in hohe Lagen des Gebirges ist die Bev√∂lkerungsdichte hoch. So liegt mit Oberwiesenthal die h√∂chstgelegene Stadt Deutschlands im Erzgebirge und das benachbarte BoŇĺ√≠ Dar (Gottesgab) auf tschechischer Seite gilt gar als h√∂chstgelegene Stadt Mitteleuropas. Nur in den relativ unzug√§nglichen, klimatisch ung√ľnstigeren Kammlagen finden sich noch gr√∂√üere zusammenh√§ngende Waldgebiete, die jedoch seit dem 18. Jahrhundert forstwirtschaftlich genutzt werden. Bedingt durch den hohen Bedarf des Bergbaus und H√ľttenwesens an Grubenholz und Brennstoffen, erfolgten seit dem 12. Jahrhundert gro√üfl√§chige Abholzungen; selbst die landesherrlichen W√§lder konnten dem wachsenden Holzbedarf nicht mehr decken. Zum Erhalt der W√§lder wurde seit dem 18. Jahrhundert die Verwendung von Kohle als Brennstoff gef√∂rdert und im 19. Jahrhundert schlie√ülich anbefohlen. Bereits zu Beginn der 1960er Jahre wurden im Osterzgebirge bei Altenberg und bei Reitzenhain erste Anzeichen von Waldsterben festgestellt, nachdem bereits seit dem 19. Jahrhundert √∂rtliche Sch√§den an den W√§ldern durch H√ľttenrauch sichtbar geworden waren.

Tourismus

Annaberg-Buchholz, St.-Annen-Kirche

Als im 19. Jahrhundert mehrere Erzgebirgsp√§sse chausseem√§√üig ausgebaut und auch das obere Erzgebirge durch die Eisenbahn erschlossen wurde, entwickelte sich der Fremdenverkehr. Vielerorts wurden Berggasth√§user sowie Aussichtst√ľrme auf den h√∂chsten Erhebungen errichtet. Skisportler nutzten schon damals die schneesicheren Kammlagen. Heute sind die aus dieser Zeit stammenden mit Dampflokomotiven betriebenen Schmalspurbahnen, wie die Pre√ünitztalbahn, beliebte Touristenattraktionen. Mit der Fichtelberg-Schwebebahn entstand 1924 die erste Schwebeseilbahn Deutschlands, die noch heute Besucher auf den h√∂chsten Berg Sachsens bringt. Mit dem Kammweg wurde einer der ersten Fernwanderwege geschaffen. Dieser f√ľhrte einst vom Hainberg bei Asch √ľber das Erzgebirge, die B√∂hmische Schweiz und das Lausitzer Gebirge bis zur Schneekoppe im Riesengebirge. Heute existiert nicht nur ein dichtes Netz von Wanderwegen, sondern auch ausgedehnte Loipennetze und Abfahrtspisten f√ľr den Wintersport. Als bedeutendster Wintersportort gilt Oberwiesenthal am Fichtelberg. Mit der Skimagistrale Erzgebirge/KruŇ°n√© hory gibt es eine deutsch-tschechische Skiwanderstrecke √ľber den gesamten Erzgebirgskamm.

In Anlehnung an die historische Silberstra√üe wurde nach 1990 eine zwischen Zwickau und Dresden das gesamte Erzgebirge durchquerende Touristenstra√üe geschaffen, die alle bedeutenden Sehensw√ľrdigkeiten erschlie√üt. Zu diesen geh√∂ren neben Besucherbergwerken, Bergbaulehrpfaden, technischen und heimatkundlichen Museen und einer Vielzahl weiterer kleiner Anziehungspunkte, vor allem die mittelalterlichen Stadtzentren der alten Bergst√§dte und ihre bedeutenden Kirchenbauten, wie der Freiberger Dom, die St.-Annen-Kirche in Annaberg-Buchholz oder die Schneeberger St.-Wolfgangs-Kirche. Auf b√∂hmischer und auf s√§chsischer Seite sind au√üerdem viele Schl√∂sser und Burgen verschiedener Stilepochen zu besichtigen, zu deren bekanntesten Vertretern das Jagdschloss Augustusburg z√§hlt.

In der Advents- und Weihnachtszeit ist das Erzgebirge mit seinen besonderen Traditionen, den Weihnachtsm√§rkten und Bergparaden zudem als ein beliebtes Reiseziel f√ľr Kurzurlauber bekannt.

Mit 960.953 G√§sten bei 2.937.204 √úbernachtungen im Jahr 2007[5] ist das Erzgebirge mit Westsachsen das bedeutendste s√§chsische Reisegebiet neben den Gro√üst√§dten und der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region. Seit 2004 wird durch den Tourismusverband Erzgebirge die ErzgebirgsCard angeboten, mit der √ľber 100 Museen und andere Sehensw√ľrdigkeiten kostenlos besichtigt werden k√∂nnen.

Bevölkerung

Im Erzgebirge leben je nach dessen Abgrenzung zwischen 800.000 und √ľber 1,2 Millionen Menschen. Zu den gr√∂√üten St√§dten geh√∂ren Freiberg (42.000), Annaberg-Buchholz (22.000), Schwarzenberg (19.000) und Aue (18.000) auf deutscher sowie Most (68.000), Karlsbad (52.000), Teplice (52.000) und Chomutov (51.000) auf tschechischer Seite. Bereits seit mehreren Jahrhunderten geh√∂rt es zu den am dichtesten besiedelten Gebirgsregionen Europas, was prim√§r auf seine Tradition als Erzabbaugebiet zur√ľckzuf√ľhren ist. Die gr√∂√üeren St√§dte befinden sich mehrheitlich am S√ľdhang des Erzgebirges. Auf deutscher Seite nimmt die Bev√∂lkerungsdichte vom Westerzgebirge, mit seinen vielen kleinen St√§dten, hin zum l√§ndlichen Osterzgebirge st√§ndig ab. Die Bev√∂lkerung hat seit der Wiedervereinigung um durchschnittlich 17 Prozent abgenommen, was auf die allgemein schwierige wirtschaftliche Lage zur√ľckzuf√ľhren ist. Im Jahr 2004 betrug die Bev√∂lkerungsdichte etwa 210 Einwohner je km¬≤ (etwa Bundesschnitt), welche auf Grund der Abwanderung und eines starken Sterbe√ľberschusses weiter abnehmen wird. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der b√∂hmische Anteil des Erzgebirges gr√∂√ütenteils von einer deutschsprachigen Bev√∂lkerung bewohnt. Nach deren Vertreibung kam es zum Zuzug von Tschechen aus dem Landesinneren und tschechischen Repatrianten, au√üerdem siedelten sich Slowaken, Roma und Vietnamesen an.

Religion

Etwa 42 % der Bev√∂lkerung des s√§chsischen Erzgebirges geh√∂ren der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche an. Zudem sind traditionell verschiedene christliche Freikirchen, wie die Evangelisch-methodistische Kirche im Westerzgebirge, stark vertreten. Die b√∂hmische Seite des Gebirges ist im Gegensatz zum s√§chsischen Teil vorrangig katholisch gepr√§gt. In Pockau hat die Gemeinschaft in Christo Jesu (‚ÄěLorenzianer‚Äú) ihr Zentralheiligtum, die Eliasburg, in Freiberg befindet sich einer der beiden deutschen Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), der Freiberg-Tempel.

Kultur

Bergparade in Marienberg
Weihnachtsland Erzgebirge: Schwibbogen mit Nussknacker und Räuchermännern in Seiffen

Die Kultur des Erzgebirges wurde vor allem durch den, seit dem Mittelalter betriebenen, Bergbau nachhaltig gepr√§gt. Der alte, hier gepr√§gte Ausspruch ‚ÄěAlles kommt vom Bergwerk her!‚Äú bezieht sich dabei von der Landschaft √ľber das Handwerk, die Industrie bis hin zur Volkskunst und den lebendigen Traditionen auf weite Bereiche des Lebens in der Region. Der Besucher kann dies bereits bei seiner Ankunft an der allt√§glich benutzten Begr√ľ√üungsformel ‚ÄěGl√ľck Auf!‚Äú erkennen.

Das Erzgebirge hat seinen eigenen Dialekt, das Erzgebirgische, das an der Schnittstelle von Oberdeutsch zu Mitteldeutsch steht und deshalb nicht einheitlich ist.

Als erster bedeutender Mundartdichter des Erzgebirges gilt Christian Gottlob Wild im fr√ľhen 19. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirkten Hans Soph, Stephan Dietrich und vor allem Anton G√ľnther, deren Werke das erzgebirgische Lied- und Schriftgut bis heute nachhaltig pr√§gen. Erzgebirgische Mundartlieder wurden auch sp√§ter durch verschiedene Heimatgruppen verbreitet. Zu den bekanntesten z√§hlen die Pre√ünitzer Musikanten, Geschwister Caldarelli, Zschorlauer Nachtigallen, das Erzgebirgsensemble Aue sowie Joachim S√ľ√ü und sein Ensemble. Heute sind es vor allem De Randfichten aber auch Gruppen wie Wind, Sand und Sterne, "De Ranzn", De Krippelkiefern und Schluckauf, die in erzgebirgischer Mundart singen.

√úberregional bekannt sind vor allem die vielf√§ltigen erzgebirgischen Br√§uche zur Advents- und Weihnachtszeit. Besonders findet dabei die traditionelle Erzgebirgische Volkskunst, etwa in Form von R√§ucherm√§nnchen, Weihnachtspyramiden, Schwibbogen, Nussknacker oder Bergmanns- und Engelfiguren, als Weihnachtsschmuck Verwendung. Vor allem die Orte im Oberen Erzgebirge verwandeln sich in der Weihnachtszeit durch ihre so geschm√ľckten Fenster in ein ‚ÄěLichtermeer‚Äú. Auch die √ľberall zu Weihnachten stattfindenden traditionellen Christmetten, die h√§ufig unter Tage abgehaltenen Mettenschichten und die heute oft auch touristisch genutzte Tradition der Hutzenabende (siehe: Hutzenstube) ziehen viele Besucher an und machen das Erzgebirge als ‚ÄěWeihnachtsland‚Äú bekannt.

Neben den Weihnachtsmärkten und anderen kleineren traditionellen und moderneren Volksfesten ist die Annaberger Kät das wohl bekannteste und größte erzgebirgische Volksfest. Im Jahr 1520 von Herzog Georg dem Bärtigen ins Leben gerufen, findet sie seitdem jährlich statt.

Interessant ist zudem die erzgebirgische K√ľche, welche einfach aber ebenfalls reich an Traditionen ist.

Seit 1998 strebt das Erzgebirge als ‚ÄěMontanregion Erzgebirge‚Äú den Status des Weltkulturerbes an.

Wirtschaft

Der deutsche Teil des Erzgebirges geh√∂rt zu den wichtigen Wirtschaftsstandorten innerhalb Sachsens. Die Region verf√ľgt √ľber eine hohe Industriebetriebsdichte. Die Anzahl der Industriebesch√§ftigten stieg entgegen dem deutschlandweiten Trend seit dem Jahr 2000 um etwa 20 Prozent. Typisch f√ľr das Erzgebirge sind die vorwiegend kleinen mittelst√§ndischen, h√§ufig inhabergef√ľhrten Betriebe.

Die wirtschaftlichen Stärken des Erzgebirges liegen vor allem im verarbeitenden Gewerbe. 63 Prozent der Industriebeschäftigten arbeiten in der Metall- und Elektroindustrie.

Nur von geringer Bedeutung sind die ehemals strukturbestimmende Textil- und Bekleidungsindustrie (5 Prozent der industriellen Wertschöpfung) und das Ernährungsgewerbe. Die Zweige Chemie, Leder, Kunststoff und die traditionell im Erzgebirge ansässigen Unternehmen im Bereich Holz, Papier, Möbel, Glas, Keramik tragen jeweils mit ca. 14 Prozent zur regionalen Wertschöpfung bei.

Bergbau, als die wesentliche geschichtliche Grundlage f√ľr die industrielle Entwicklung des Erzgebirges, spielt gegenw√§rtig eine geringe wirtschaftliche Rolle im s√§chsischen Erzgebirge. Erstmals wurde nach zwei Jahrzehnten am 28. Oktober 2010 wieder ein Erzbergwerk in Niederschlag bei Oberwiesenthal er√∂ffnet. Es wird erwartet, dass dort j√§hrlich zwischen 50.000 und 130.000 Tonnen Flussspat abgebaut werden k√∂nnen.

Siehe auch

 Portal:Erzgebirge ‚Äď √úbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Erzgebirge

Literatur

  • Manfred Blechschmidt, Klaus Walther, Christoph Georgi (Fotos): Erzgebirgs-Lexikon, Chemnitzer-Verlag, Chemnitz 1991 ISBN 3-928678-01-9.
  • Walter Fr√∂be: Ein Jahrtausend erzgebirgischer Geschichte - Heimatgeschichte in Bildern, 1. Auflage 1933, 2. Auflage 1965
  • Harald H√§ckel (Fotos), Joachim Kunze: Unser sch√∂nes Erzgebirge. 4. Auflage, H√§ckel, Oberwiesenthal 2001 (Erstausgabe 1994) ISBN 3-9803680-0-9.
  • Rainer Karlsch, Zbynek Zema: Urangeheimnisse. Das Erzgebirge im Brennpunkt der Weltpolitik 1933-1960, Ch. Links Verlag, Berlin 2002 ISBN 3-86153-276-X.
  • Siegfried Sieber: Das Erzgebirge. Landschaft und Menschen, W. Jess, Dresden 1930
  • Johannes Zemmrich, Karl G√§bert: Das Erzgebirge (= Landschaftsbilder aus dem K√∂nigreiche Sachsen, Band 2), H. W. Schlimpert, Mei√üen 1911.
  • Martina Schattkowsky (Hg.): Erzgebirge. (= Kulturlandschaften Sachsens, Band 3), Edition Leipzig 2010 ISBN 978-3-361-00645-4.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Karte der Naturr√§ume in Sachsen auf www.umwelt.sachsen.de (PDF, 859 kB)
  2. ‚ÜĎ a b c d Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961-1990
  3. ‚ÜĎ Naturpark Erzgebirge/Vogtland, Steckbrief
  4. ‚ÜĎ Peter Diehl: Altstandorte des Uranbergbaus in Sachsen PDF-File
  5. ‚ÜĎ Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Beherbergungsstatistik (mit Campingtourismus)

Allgemeine Quellen

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Erzgebirge ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen
 Commons: Erzgebirge ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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  • Erzgebirge ‚ÄĒ [erts‚Ä≤g…ô birőĄg…ô] mountain range along the border of Germany & Czech Republic: highest peak, 4,080 ft (1,244 m) ‚Ķ   English World dictionary


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