Erzherzogtum

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Erzherzogtum

Dieser Artikel gibt einen Überblick ĂŒber die Geschichte Österreichs von ihren AnfĂ€ngen bis in die Gegenwart. Die einzelnen Epochen der Geschichte Österreichs werden in den jeweiligen Hauptartikeln ausfĂŒhrlicher dargestellt.

Inhaltsverzeichnis

Erdgeschichte

→ Hauptartikel: Erdgeschichte Niederösterreichs

Die Erdgeschichte des Alpenraums und des Granit- und Gneisplateaus der böhmischen Masse und deren VorlĂ€nder lĂ€sst sich heute bis in das Zeitalter des Proterozoikums zurĂŒckverfolgen. Wesentlich fĂŒr die Geologie und heutige Geographie Österreichs war die Alpidische Gebirgsbildung und die Entwicklung des Randmeers Paratethys seit der Kreidezeit.

Ur- und FrĂŒhgeschichte des heutigen Österreichs

Die Venus von Willendorf, entstanden um 25.000 v. Chr.

→ Hauptartikel: Urgeschichte Österreichs

Die ersten vorgeschichtlichen Menschenarten wie der Homo habilis, der 2,5 bis ca. 2,0 mya in Ostafrika lebte, verbreiteten sich nicht bis nach Europa, erst vom Homo erectus lassen sich erste Funde, die nicht Ă€lter als 700.000 Jahre sind, in Europa – u. a. in Ungarn – nachweisen.

PalÀolithikum

WĂ€hrend der Eiszeiten waren die Alpen vergletschert und wenig bis gar nicht zugĂ€nglich. Die Ă€ltesten Spuren der Anwesenheit von Menschen in Österreich gehören dem MittelpalĂ€olithikum, der Zeit des Neandertalers, an. Etwa 70.000 Jahre alte Spuren des Neandertalers sind aus der Gudenushöhle im nordwestlichen Niederösterreich bekannt. Auch viele Fundstellen des JungpalĂ€olithikums liegen in Niederösterreich, die bekanntesten befinden sich in der Wachau. Darunter auch Fundorte der beiden Ă€ltesten österreichischen Kunstwerke, die figĂŒrlichen Frauendarstellungen der sogenannten „Venus vom Galgenberg“ von Stratzing/Krems-Rehberg (32.000 Jahre alt, Reliefplastik, 7,2 cm, Amphibolit-Schiefer) und der Venus von Willendorf (26.000 Jahre alt, 11 cm, Kalkstein). Eine 2005 entdeckte in Rötel gebettete und unter einem Mammutschulterblatt befindliche SĂ€uglings-Doppelbestattung vom Wachtberg in Krems an der Donau aus der Zeit des Gravettiens ist mit einem Alter von ca. 27.000 Jahren (Radiokohlenstoffdatierung) die Ă€lteste Bestattung Österreichs.

Mesolithikum

Abris aus dem Bodensee-Rheintal, eine Bestattung von Elsbethen und wenige weitere Fundstellen mit mikrolithischen Artefakten sind spĂ€rliche Zeugen der Übergangszeit zwischen jĂ€gerisch-sammlerisch lebenden Gruppen und sesshaften Ackerbauern und ViehzĂŒchtern.

Neolithikum

WĂ€hrend der Jungsteinzeit werden nach und nach alle Regionen Österreichs, in denen Landwirtschaft möglich ist oder Rohstoffe vorhanden sind, besiedelt. Die erste nachgewiesene bĂ€uerliche Siedlung aus der Zeit der Ă€ltesten Linienbandkeramik stammt aus Brunn am Gebirge. Das Ă€lteste Industriedenkmal Österreichs, das Hornsteinbergwerk von Mauer-Antonshöhe, stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Nachfolgend ist eine dichte Besiedlung der Lengyel-Kultur nachgewiesen, wĂ€hrend der in Niederösterreich eine Reihe von sog. Kreisgrabenanlagen errichtet wurde.

Kupferzeit

Die Ă€ltesten Kupferobjekte haben ihren Ursprung im Karpatenbecken, unter anderen das Depot von Stollhof (Niederösterreich). Höhensiedlungen sind im Osten Österreichs verbreitet. Im Laufe der Kupferzeit werden auch die inneralpinen Gebiete vollstĂ€ndig auf der Suche nach Rohstoffen – insbesondere Kupfer – erschlossen. Der wichtigste Fund ist die Gletschermumie Ötzi (Mann vom Hauslabjoch), der etwa 3300 v. Chr. lebte. Die Mondseekultur ist durch Pfahlbauten um die Alpenseen gekennzeichnet.

Bronzezeit

Die vermehrt entstehenden Wallanlagen, bereits zu Beginn der Bronzezeit, scheinen als Macht- und Handelszentren Abbau, Verarbeitung und Handel von Kupfer und Zinn ĂŒberwacht zu haben. Der florierende Handel mit Rohmaterial und Halbprodukten spiegelt sich in den Ausstattungen der GrĂ€ber (Pitten, Franzhausen, Niederösterreich). In der Urnenfelderzeit wird mit dem Salzabbau in der Nordgruppe des Salzbergwerks von Hallstatt begonnen.

Eisenzeit

Die Eisenzeit Österreichs ist durch die EinflĂŒsse der mediterranen Hochkulturen und der Steppenvölker geprĂ€gt. Der Übergang zwischen der Ă€lteren Hallstattkultur und der jĂŒngeren – keltischen – LatĂšne-Kultur erfolgte fließend.

Hallstattkultur

Lederschuh aus der Hallstattkultur, 800-400 v. Chr.

Die Ă€ltere Eisenzeit wird nach dem berĂŒhmten Fundort Hallstatt, (Oberösterreich), Hallstattzeit genannt. Der West- und Osthallstattkreis werden durch die FlĂŒsse Enns, Ybbs und Inn getrennt. Der Westhallstattkreis stand in Kontakt mit den griechischen Kolonien an der ligurischen KĂŒste. In den Alpen werden Kontakte zu den Etruskern und den unter griechischem Einfluss stehenden Regionen in Italien gepflogen. Der Osten hatte enge Verbindungen zu den Steppenvölkern, die vom Karpatenbecken bis zu den sĂŒdrussischen Steppengebieten beheimatet waren. Die Bevölkerung von Hallstatt wird durch das Salz reich. Importe von LuxusgĂŒtern aus dem Nord- und Ostseeraum bis Afrika sind im GrĂ€berfeld von Hallstatt entdeckt worden. Der Ă€lteste Nachweis fĂŒr österreichischen Wein wurde in Zagersdorf (Burgenland) in einem HĂŒgelgrab entdeckt. Der Kultwagen von Strettweg (Steiermark) ist ein Beleg des religiösen Lebens.

LatĂšne-Kultur

Die jĂŒngere Eisenzeit, LatĂšne-Kultur, ist die Zeit der Kelten. Erstmals können Bevölkerungsgruppen mit Namen benannt werden. Es entsteht mit dem Regnum Noricum (kelt. Norig) – einem Zusammenschluss mehrerer keltischer StĂ€mme – unter der FĂŒhrung der Noriker das erste Staatsgebilde auf österreichischem Boden. Es beschrĂ€nkte sich auf den SĂŒden und Osten des heutigen Österreich. Der Westen war von verschiedenen rĂ€tischen StĂ€mmen besiedelt.

DĂŒrrnberg und Hallein (Salzburg) werden keltische Salzmetropolen. Im Osten Österreichs gewinnt eine blĂŒhende Eisenindustrie in der Oberpullendorfer Bucht (Burgenland) das bei den Römern so begehrte, hochwertige Ferrum Noricum (Norisches Eisen). Befestigte Höhensiedlungen (Oppida) wie auf dem Magdalensberg (KĂ€rnten), bei Schwarzenbach oder am Braunsberg bei Hainburg unweit von Carnuntum werden zu Zentren des öffentlich-rechtlichen Lebens.

Römisches Reich

Römische Provinzen und Orte auf dem Gebiet des heutigen Österreichs
Das römische Heidentor in Carnuntum

Der grĂ¶ĂŸte Teil des heutigen Österreich wurde um 15 v. Chr. vom Römischen Reich besetzt. Der römische Kaiser Claudius richtete wĂ€hrend seiner Herrschaft (41–54 n. Chr.) die römische Provinz Noricum ein, deren Grenzen im Norden bis zur Donau, im Nordosten bis zum Wienerwald, im Osten etwa entlang der heutigen steirischen Ostgrenze sowie im SĂŒdosten und SĂŒden jenseits von Eisack und Drau verliefen. SpĂ€ter, unter Diokletian (284–305), wurde die Provinz entlang des Alpenhauptkamms in eine nördliche (Noricum ripense, „Ufernoricum“) und eine sĂŒdliche (Noricum mediterraneum, „Binnennoricum“) Provinz aufgeteilt. Das am Ziller westlich an das Noricum angrenzende Gebiet der heutigen BundeslĂ€nder Vorarlberg und Tirol kam zur Provinz Raetia, im Osten schloss sich Pannonia mit dem heutigen Burgenland an Noricum an. Die Donau bildete mit dem Donaulimes die Grenze zu den nördlichen Teilen Ober- und Niederösterreichs, die von den Germanen (Markomannen und Quaden) besiedelt wurden.

Einige StĂ€dte und Orte Österreichs gehen noch auf die Kelten zurĂŒck wie z. B. Linz (Lentos). Zahlreiche weitere Siedlungen entstanden durch die Römer. Die östlich von Wien gelegene Stadt Carnuntum war die grĂ¶ĂŸte römische Stadt, weitere wichtige Orte waren Virunum (nördlich des heutigen Klagenfurt) und Teurnia (nahe Spittal an der Drau). Bedeutende AusgrabungsstĂ€tten fĂŒr die Römerzeit sind heute unter anderem Kleinklein (Steiermark) und das Zollfeld (Magdalensberg).

Im 2. Jahrhundert n. Chr. begann sich das Christentum auszubreiten; die damalige kirchliche Organisation des Landes geht auf das 4. Jahrhundert n. Chr. zurĂŒck. Nach der Besiedelung durch die Bajuwaren wurde das Land allerdings neu missioniert, vor allem durch Rupert und Virgil (Iroschottische Mission).

Völkerwanderung

Die Völkerwanderung besiegelte den Niedergang der römischen Macht. Ab dem 5. Jahrhundert wurde das Römische Reich von germanischen StĂ€mmen bedrĂ€ngt. Nach mehreren EinfĂ€llen in Italien drangen die Goten im Jahr 408 unter Alarich I., von Emona (dem heutigen Ljubljana) ĂŒber die Karnischen Alpen kommend, erstmals in das durch den römischen HeerfĂŒhrer Stilicho befehligte Noricum ein. Ab 472 kamen Ostgoten und Alemannen durch das Land, ohne es erobern zu können. Selbst nachdem Odoaker 476 den letzten römischen Kaiser abgesetzt hatte, blieb in den Provinzen die römische Verwaltung erhalten. Mit dem Tod des Königs Theoderich zerbrach das Reich der Goten schließlich, ohne dass diese die Kontrolle ĂŒber Noricum erlangt hĂ€tten.

Ab dem 6. Jahrhundert begann eine kontinuierliche Besiedlung durch die Bajuwaren und im heutigen Vorarlberg durch die Alemannen. Ende des 6. Jahrhunderts zerbrach das römische Reich schließlich. Von Osten zogen die Slawen, durch die Awaren bedrĂ€ngt, ein und zogen, da sie von der noch verbliebenen keltoromanischen Bevölkerung daran nicht gehindert wurden, entlang der Drau immer weiter nach Westen ein, bis sie um 610 von den Bajuwaren, die zu dieser Zeit von Norden kommend bis ins Pustertal vorgedrungen waren, aufgehalten wurden. Die Besiedlungsgrenze zwischen Slawen und Bajuwaren entspricht in etwa der Linie Freistadt, Linz, Salzburg (Lungau), Osttirol (Lesachtal).

Mittelalter

FrĂŒhmittelalter (bis 976)

Awarenmark und Mark Karantanien zur Zeit Karls des Großen

Im SĂŒden des heutigen Österreichs bildeten die slawischen VolksstĂ€mme, die sich in den TĂ€lern von Drau, Mur und Save niedergelassen hatten, um das Jahr 600 das erste unabhĂ€ngige slawische Staatsgebilde Europas, Karantanien; Zentrum Karantaniens war das Zollfeld. Mit den verbliebenen Resten der einheimischen keltoromanischen Bevölkerung verband sie der Wille zum Widerstand gegen ein weiteres Vordringen der benachbarten Franken und Awaren in den sĂŒdöstlichen Alpenraum.

Im nördlichen Alpenraum hatte sich ab Mitte des 6. Jahrhunderts das bairische Stammesherzogtum gebildet, deren Herrscher aus dem Geschlecht der Agilolfinger stammten und unter frĂ€nkischer Oberhoheit standen. Das Siedlungsgebiet der Baiern wurde in diesem Zeitraum nach SĂŒden bis ins heutige SĂŒdtirol und nach Osten bis zur Enns erweitert. Östlich davon und auf dem Gebiet des heutigen Böhmens ließen sich Awaren und spĂ€ter Slawen nieder. Sitz der lange weitgehend unabhĂ€ngig regierenden baierischen Herzöge war Regensburg.

Unter den Karolingern kam es zu einem Erstarken des Frankenreichs, wodurch 788 das Ă€ltere baierische Stammesherzogtum, zu dem weite Gebiete des heutigen Österreich gehörten, beseitigt wurde. Der letzte weitgehend unabhĂ€ngige Herzog der Baiern war Tassilo III.. Ebenfalls in der zweiten HĂ€lfte des 8. Jahrhunderts zerbrach das Slawenreich Karantanien und kam unter frĂ€nkische Oberhoheit.

Nach Eroberung des Reichs der Awaren errichtete der frĂ€nkische Herrscher Karl der Große um 800 eine Grenzmark in der Region des heutigen Niederösterreichs, zwischen den FlĂŒssen Enns, Raab und Drau, die auch als Awarenmark bezeichnet wurde, und sĂŒdlich davon die Mark Karantanien.

Herzogtum Bayern im 10. Jahrhundert

Die Grenzmark gegen die Awaren wurde durch die EinfĂ€lle der Ungarn vernichtet. Nach den drei Schlachten von Pressburg im Sommer 907 wurde die Grenze des nachfolgenden Ostfrankenreiches bis an die Enns zurĂŒckgenommen. Der anschließende Antritt Arnulfs I. als Herzog von Baiern wird gleichzeitig als Beginn des jĂŒngeren baierischen Stammesherzogtums gesehen, zu dem der gesamte östliche Alpenraum zĂ€hlte. Nach dem Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld unter dem ostfrĂ€nkischen König Otto I. war die Bedrohung durch die Ungarn gebannt. Diese wurden danach sesshaft. Anschließend erfolgte eine zweite Welle baierischer Ostansiedlungen mit Gewinn von Gebieten im heutigen Niederösterreich, in Istrien und der Krain. In der zweiten HĂ€lfte des 10. Jahrhunderts entstand erneut eine dem Herzog von Baiern unterstellte Markgrafschaft östlich der Enns, die Marchia orientalis genannt wurde.

Markgrafschaft Österreich (976–1156)

976 wurde Liutpold (Leopold) aus dem Geschlecht der Babenberger mit dieser Mark belehnt. 996 wird hierfĂŒr erstmals urkundlich der Name OstarrĂźchi verwendet; daraus entwickelte sich spĂ€ter die Schreibweise Österreich. Daneben ist auch noch sehr lange die Namensform Osterlant (Ostland bzw. Land im Osten) gebrĂ€uchlich, die Einwohner sind der Ostermann und die Osterfrau. Die latinisierte Form Austria fĂŒr dieses Gebiet taucht in den Schriften erst im 13. Jahrhundert auf (siehe auch Austrien als östlicher Teil des Frankenreiches).

Die Babenberger trieben eine zielbewusste Rodungs- und Kolonisierungspolitik und errichteten – in Zusammenarbeit mit anderen HĂ€usern, etwa den Kuenringern – eine gefestigte Landesherrschaft. Die Residenz befand sich anfangs in Pöchlarn, spĂ€ter in Melk. Markgraf Leopold III. gelang es, ins Kaiserhaus einzuheiraten; im Machtkampf zwischen Kaiser Heinrich IV. und König Heinrich V. wechselte er zu Heinrich V. und trug so wesentlich zu dessen Sieg bei. Als Lohn erhielt er die Hand von Heinrichs Schwester Agnes von Waiblingen. Er wurde wegen seiner KlostergrĂŒndungen – vor allem Klosterneuburg – nach seinem Tod heilig gesprochen.

Herzogtum Österreich unter den Babenbergern (1156–1246)

Im Zuge des Konfliktes zwischen den Staufern und den Welfen kam 1139 das Herzogtum Baiern an die Babenberger. Als Friedrich I. diesen Streit beenden wollte, gab er den Welfen das Herzogtum Baiern zurĂŒck – als „Trostpreis“ wurde mit dem Privilegium minus 1156 Österreich zum Herzogtum erhoben. Mit der UnabhĂ€ngigkeit vom bairischen Mutterland beginnt fĂŒr Österreich die Geschichte als unabhĂ€ngiges Herrschaftsgebiet innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Erster Herzog war Heinrich Jasomirgott, der auch 1156 Wien zur Residenzstadt erhob. Auf Grund der Georgenberger Handfeste (1186) fiel auch das Herzogtum Steiermark, das den Traungau, den zentralen Teil des heutigen Oberösterreichs, und die Grafschaft Pitten im sĂŒdlichen Niederösterreich sowie große Gebiete im heutigen Slowenien umfasste, mit dem Erlöschen der Traungauer 1192 an die Babenberger.

Rudolf von Habsburg

Mit Leopold VI. erreichte das hochmittelalterliche Österreich einen kulturellen Höhepunkt – unter ihm wurde auch die damals revolutionĂ€re Kunst der Gotik eingefĂŒhrt. Mit seinem Sohn Friedrich II. starb 1246 die mĂ€nnliche Linie der Babenberger aus.

Herzogtum Österreich zwischen Babenbergern und Habsburgern (1246–1282)

Unter den vielen Nachfolgekandidaten konnte sich der König von Böhmen, Ottokar Pƙemysl, durchsetzen, der 1256 von den StĂ€nden ins Land gerufen worden war, um die Wirren zu beenden. Seine Politik war aber dennoch darauf ausgerichtet, den Adel zurĂŒckzudrĂ€ngen und das stĂ€dtische BĂŒrgertum zu fördern, weswegen er den Wienern bis tief in die Habsburger-Zeit in guter Erinnerung blieb. Seinem Griff nach der königlichen Macht im Heiligen Römischen Reich wurde von Rudolf von Habsburg begegnet, der ihn 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld besiegte. Die Habsburger konnten sich daraufhin als Herzöge von Österreich und der Steiermark etablieren.

Herzogtum Österreich unter den Habsburgern (1282–1452)

Ab Mitte des 13. bis Ende des 14. Jahrhunderts war Österreich Schauplatz intensiver Ketzerverfolgungen durch die Inquisition. Eine erste große Verfolgungswelle um 1260 in ĂŒber vierzig Pfarren im sĂŒdlichen Donauraum zwischen dem Salzkammergut und dem Wienerwald war hauptsĂ€chlich gegen Waldenser gerichtet. Weitere Inquisitionen fanden 1311–1315 in Steyr, Krems, St. Pölten, und Wien statt. Unter dem Inquisitor Petrus Zwicker kam es von 1391 bis 1402 neuerlich zu schweren Verfolgungen, u.a. in Steyr, Enns, Hartberg, Ödenburg und Wien. Im Jahr 1397 wurden dabei allein in Steyr zwischen 80 und 100 Waldenser verbrannt, woran dort ein 1997 errichtetes Denkmal erinnert.

1335 konnten die Habsburger die Meinhardiner in KĂ€rnten und Krain beerben und 1363 fiel auch Tirol von Margarete von Tirol an Herzog Rudolf IV. Dadurch entstand ein LĂ€nderkomplex in den Ostalpen, der Herrschaft zu Österreich genannt wurde.

Rudolf IV. war der umtriebigste Herrscher des SpĂ€tmittelalters. Er initiierte vielerlei Maßnahmen, die vor allem die Bedeutung der Stadt Wien heben sollten. Er ließ das Privilegium maius fĂ€lschen, das Österreich zum Erzherzogtum erhob und ihm innerhalb des Reiches eine Anzahl von Privilegien sicherte. Anerkannt wurde dies erst von dem Habsburger Friedrich III.

1379 wurde im Vertrag von Neuberg die habsburgische Herrschaft zum ersten Mal geteilt. Danach gab es noch 1406 und 1411 weitere Teilungen. Daraus entstanden drei LĂ€nderkomplexe:

  • Die Niederösterreichischen LĂ€nder (Ober- und Niederösterreich)
  • die Innerösterreichischen LĂ€nder (Steiermark, KĂ€rnten, Krain und Inner-Istrien sowie Triest)
  • die Vorderösterreichischen LĂ€nder (Tirol, Vorarlberg und die schwĂ€bischen und elsĂ€ssischen Vorlande)

Fast das gesamte 15. Jahrhundert ist eine Phase wirrer Erbteilungen und Familienstreitigkeiten, die die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Habsburgischen LĂ€nder weitgehend schwĂ€chten. Friedrich V. († 1493) gelang es schließlich die LĂ€nder wieder zu einen, indem er alle seine Gegner ĂŒberlebte und beerbte. Schon Albrecht V. war als Erbe der Luxemburger zum römisch-deutschen König gewĂ€hlt worden. Diese Position ging in der Folge an Friedrich ĂŒber, der 1452 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde und sich fortan Friedrich III. nannte.

Das Erzherzogtum Österreich seit 1453

Die Erhebung des Herzogtums Österreich zum Erzherzogtum geht auf das im Auftrag von Rudolf IV. gefĂ€lschte Privilegium Maius zurĂŒck und wurde im Jahre 1453 von Kaiser Friedrich anerkannt. Die habsburgischen Prinzen bezeichneten sich fortan als Erzherzöge, womit man Bezug auf die auch als ErzfĂŒrsten bekannten KurfĂŒrsten nahm. Das Herzogtum war fortan ein Erzherzogtum des Heiligen Römischen Reiches um dieses den KurfĂŒrstentĂŒmern rechtlich gleichzustellen – nur deren Herren, die KurfĂŒrsten waren an der Wahl des römisch-deutschen Kaisers beteiligt. Als den KurfĂŒrstentĂŒmern de facto gleichrangiges Herzogtum galt fĂŒr Österreich die Primogenitur und die Unteilbarkeit. SpĂ€ter wurde es offiziell Erzherzogtum Österreich ob und unter der Enns bezeichnet und schließlich als Erzherzogtum Österreich ob der Enns und Erzherzogtum Österreich unter der Enns.

FrĂŒhe Neuzeit bis 1804

Der Aufstieg Österreichs zur Großmacht

tu felix austria nube. Maximilian I. (links) im Kreise seiner Familie

Die Hausmacht des Kaisers im Reich war nicht besonders groß. Die vielen adligen HerrscherhĂ€user strebten innerhalb und außerhalb des Reiches nach eigener politischer Macht. So hinterließ die glanzlose, aber zĂ€he Politik Friedrichs III. eine gefestigte Herrschaft. Deren Bedeutung wurde erhöht durch die Heirat (1477) seines Sohnes Maximilian mit Maria, der Erbin des burgundischen LĂ€nderkomplexes zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Frankreich. Nach dem frĂŒhen Tod Marias heiratete Maximilian die bretonische Prinzessin Anna von Bretagne, die einen Erbanspruch auf die Bretagne besaß. Eine Intervention Frankreichs verhinderte jedoch die MachtĂŒbernahme der Habsburger in der Bretagne. 1496 verheiratete Kaiser Maximilian seinen Sohn Philipp mit der Prinzessin Johanna von Kastilien und Aragon. Er sicherte den Habsburgern damit nicht nur die Erbrechte auf Spanien, Neapel, Sizilien und Sardinien, sondern auch auf die spanischen Kolonien. Die Heiratspolitik der Habsburger wird im berĂŒhmten Spruch ausgedrĂŒckt: Bella gerant alii – tu felix austria nube („Kriege mögen andere fĂŒhren – Du glĂŒckliches Österreich heirate“). Im Jahre 1499 endete der Schwabenkrieg. Die Habsburger mussten im Frieden zu Basel ihr Stammland mit der Habichtsburg aufgeben. Damit begann die Ablösung der Schweiz vom Heiligen Römischen Reich, die im WestfĂ€lischen Frieden von 1648 endgĂŒltig besiegelt wurde. Im Jahr 1500 erbte Maximilian die Grafschaft Görz. Da sein Sohn Philipp der Schöne gleichfalls durch Heirat zum König von Spanien (mit seinen neu eroberten Kolonien) werden konnte, standen die Habsburger kurz davor, nach der Weltmacht zu greifen. Der 1519 gekrönte Karl V. verfehlte dieses Ziel, gilt aber bis heute als mĂ€chtigster Habsburger aller Zeiten.

Karl V. Zitat: In seinem Reich ging die Sonne nie unter

Schon 1521 wurden die österreichischen LĂ€nder von Kaiser Karl V. an seinen Bruder Ferdinand I. ĂŒbergeben, der die AnfĂ€nge zentraler Verwaltungsstrukturen etablierte. Ferdinand I. heiratete im gleichen Jahr Anna, die Erbfolgerechte in Böhmen und Ungarn besaß. Diese Erbrechte wurden 1526 wirksam. 1524 fĂŒgte Karl V. Friesland dem Reich hinzu. 1526 nach der unglĂŒcklich verlaufenen Schlacht von MohĂĄcs erbte Ferdinand nicht nur die Königreiche Ungarn und Böhmen (mit den NebenlĂ€ndern MĂ€hren, Schlesien und Lausitz), sondern auch die Bedrohung durch das Osmanische Reich, gegen das Ungarn vorher ein Schutzschild gewesen war. Zudem gerieten die Habsburger zum ersten Mal mit dem ungarischen Adel in Konflikt, der damals den alternativen König Johann ZĂĄpolya unterstĂŒtzte. 1528 gerieten Overijssel und Utrecht unter habsburgische Herrschaft. 1531 wurde mit Hilfe von Bestechungsgeldern Ferdinand I. zum römisch-deutschen König gewĂ€hlt. Das Herzogtum Mailand wurde von Karl V. annektiert. 1538 war das Königreich Ungarn dreigeteilt:

  • Das Königliche Ungarn (die heutige Slowakei, Westkroatien und Teile des heutigen Ungarns) blieb bei Habsburg.
  • Die Mitte des Landes fiel an die TĂŒrken.
  • SiebenbĂŒrgen kam unter die Kontrolle rivalisierender ungarischer Adeliger.

1555/56 dankte Karl V. nach dem Augsburger Religionsfrieden ab. Dies fĂŒhrte zur Teilung der Habsburger in eine spanische und in eine österreichische Linie. Die österreichische Linie stellte bis 1806 fast ununterbrochen den römisch-deutschen Kaiser.

Reformation, Gegenreformation und katholische Reform in den habsburgischen LĂ€ndern

In den österreichischen LĂ€ndern (mit Ausnahme Tirols) trat die Bevölkerung fast geschlossen zum Protestantismus ĂŒber. Die Rekatholisierung setzte erst gegen 1600 ein (siehe auch Gegenreformation), dafĂŒr aber mit umso grĂ¶ĂŸerer Heftigkeit und GewalttĂ€tigkeit. In diesem Prozess taten sich die Jesuiten und der Kardinal Melchior Khlesl, der Kanzler von Erzherzog Matthias, hervor. Ein fĂŒhrender Betreiber dieser Politik war Ferdinand II., von dem der Ausspruch stammt, er wolle lieber eine WĂŒste regieren als ein Land voller Ketzer.

Aufgrund dieser Politik wurden die österreichischen LĂ€nder auch in den DreißigjĂ€hrigen Krieg verwickelt, der durch den böhmischen Aufstand herbeigefĂŒhrt wurde. Eine Zeit lang sah es so aus, als könnten die Habsburger das Heilige Römische Reich in eine absolutistische Monarchie umwandeln (siehe auch Schlacht am Weißen Berg); am Ende dieses Krieges waren sie jedoch auf die österreichischen und böhmischen LĂ€nder zurĂŒckgeworfen. So versuchten sie, aus diesen ein sinnvolles Staatsgebilde zu machen. Schon in den 1680er Jahren gab es ökonomische Theoretiker wie Philipp von Hörnigk oder Johann von Justi, die in diese Richtung drĂ€ngten.

Das Habsburgerreich und die osmanische Bedrohung

Nachdem es schon seit dem spĂ€ten 15. Jahrhundert zu EinfĂ€llen von tĂŒrkischen Marodeuren gekommen war, wurde Wien 1529 von der regulĂ€ren Streitmacht der Osmanen belagert. Nur die Tatsache, dass sie zu spĂ€t im Jahr auftauchten, konnte die Stadt damals retten. In der Folge kam es zu einem fast 200-jĂ€hrigen permanenten Kleinkrieg zwischen kaiserlichen und tĂŒrkischen Truppen, der nur durch Phasen regulĂ€ren Krieges unterbrochen wurde.

1683, Zweite Belagerung von Wien durch die Osmanen

Die Osmanen belagerten 1683 Wien ein zweites Mal erfolglos. Einen entscheidenden Ausschlag gab das von Herzog Karl von Lothringen gefĂŒhrte Entsatzheer unter dem Oberbefehl des Königs von Polen, Johann III. Sobieski, das mit seinen Husaren vom Kahlenberg aus den Belagerern in den RĂŒcken fiel. In den Jahren darauf gelang endlich der Befreiungsschlag gegen die osmanische Bedrohung. Mit Hilfe von fĂ€higen Feldherren wie Karl von Lothringen und Prinz Eugen von Savoyen konnten die Osmanen wĂ€hrend des Großen TĂŒrkenkrieges 1683–1699 und in einem weiteren TĂŒrkenkrieg 1716–1718 bis hinter Belgrad zurĂŒckgeworfen werden. Die Gebietsgewinne aus dem Frieden von Karlowitz (1699) und dem Frieden von Passarowitz (1718) wurden im Frieden von Belgrad (1739) allerdings grĂ¶ĂŸtenteils wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht.

Dies ermöglichte nun ein beispielloses AufblĂŒhen der Barockkultur, die eine spezifisch österreichische Ausformung entwickelte und Stadt („Vienna gloriosa“) und Land zutiefst prĂ€gte.

Erbfolgekriege

Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger 1700 kĂ€mpften die österreichischen Habsburger gegen Ludwig XIV. im Spanischen Erbfolgekrieg um das spanische Erbe. Der Krieg wurde vor allem von Kaiser Joseph I. mit Verve und Erfolg gefĂŒhrt – nach seinem Tod brach jedoch alles zusammen. Sein Bruder Karl war der letzte lebende mĂ€nnliche Habsburger; er hĂ€tte ein Weltreich geerbt, was die anderen europĂ€ischen MĂ€chte verhindern wollten. Immerhin kamen mit dem Frieden von Utrecht 1713 aus der Erbmasse alle europĂ€ischen Nebenlande Spaniens (Spanische Niederlande, Neapel, die Lombardei) an die Habsburger.

Im selben Jahr wurde von Karl VI. auch die Pragmatische Sanktion erlassen, die als erstes Grundgesetz fĂŒr die Habsburgermonarchie angesehen werden kann. Die Pragmatische Sanktion bestimmte die Unteilbarkeit und Untrennbarkeit der Monarchie und fĂŒhrte zu diesem Zweck eine einheitliche Thronfolge nach dem Prinzip der Primogenitur und subsidiĂ€rer weiblicher Erbfolge ein. Diese Regelung hatte bis zum Ende der Habsburgermonarchie 1918 Bestand, sie wurde von Ungarn im Ausgleich 1867 explizit bestĂ€tigt.

In der Geschichtsschreibung wird oft angefĂŒhrt, Karl VI. habe die weibliche Thronfolge unter dem Blickwinkel ermöglicht, dass er nur zwei Töchter, die 1717 geborene Maria Theresia (1740–80) und Maria Anna, hinterließ. Dies entspricht nicht den Tatsachen, da zum Zeitpunkt der Erlassung der Pragmatischen Sanktion 1713 noch keines der vier Kinder des Kaisers (ein Sohn, drei Töchter) geboren war und selbstverstĂ€ndlich nicht vorausgesehen werden konnte, dass sein Erstgeborener das Geburtsjahr 1716 nicht ĂŒberleben wĂŒrde.

Nach dem erfolgreichen TĂŒrkenkrieg von 1714–18 erhielten die Habsburger Nordbosnien, Nordserbien (ungefĂ€hr das Gebiet der heutigen Vojvodina), das Banat und die kleine Walachei. Mit dem Tausch von Sardinien gegen Sizilien erzielte das Habsburger-Reich seine grĂ¶ĂŸte territoriale Ausdehnung.

Mit dem Tod Karls VI. 1740 waren die Habsburger im Mannesstamm ausgestorben. Daher trat auf Grund der Pragmatischen Sanktion seine Tochter Maria Theresia die Herrschaft in den österreichischen LĂ€ndern an. Mit ihrem Ehemann Franz Stephan von Lothringen wurde sie BegrĂŒnderin der neuen Dynastie Habsburg-Lothringen. Ihr Erbe konnte sie im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-48) ĂŒberwiegend verteidigen. Im Vorfrieden von Breslau, der im Frieden von Berlin 1742 bestĂ€tigt wurde, fiel jedoch der Großteil Schlesiens, mit Ausnahme von Österreichisch-Schlesien, an Preußen und konnte trotz vieler BemĂŒhungen und zweier weiterer Kriege (unter anderem 1756-63) nicht wiedergewonnen werden.

Die Reformen Maria Theresias

In den darauffolgenden Jahren wurden von Maria Theresia einige Änderungen fĂŒr die Erblande in Österreich und Böhmen durchgefĂŒhrt:

  • Sonderrechte in der Monarchie wurden eingeschrĂ€nkt.
  • Die NebenlĂ€nder verloren das Recht auf eine eigene Verwaltung.
  • Die StĂ€nde verloren ihr Mitspracherecht bei Entscheidungen der Regierung.
  • Justiz und Verwaltung wurden getrennt.
  • Die Hofkammern der österreichischen und der böhmischen LĂ€nder wurden zu einer zentralen Finanz- und MilitĂ€rbehörde vereint.
  • Der Adel wurde zum Dienst fĂŒr die Monarchie verpflichtet.
  • Die Schulpflicht wurde eingefĂŒhrt.

Der ungarische Adel, der Maria Theresia im Machtkampf am Beginn ihrer Herrschaft unterstĂŒtzt hatte, behielt seine Privilegien. Es entstand somit ein österreichisch-ungarischer Dualismus.

Unter Maria Theresia begann man die damals sehr dĂŒnn besiedelten Gebiete in Galizien und Lodomerien, dem Banat und SiebenbĂŒrgen zu besiedeln. Die prĂ€gendste Einwanderergruppe waren die Donauschwaben. Diese Siedlungspolitik wurde bis zum Zerfall der Monarchie weitergefĂŒhrt und fĂŒhrte unter anderem auch zur Ansiedlung von Juden in der Bukowina, die im spĂ€ten 19. Jahrhundert die dortige Kultur stark prĂ€gten.

Der aufgeklÀrte Absolutismus

1765 wurde ihr Sohn Joseph II. zum Mitregenten ernannt. Er sollte die AmtsgeschĂ€fte in den Jahren 1780-90 komplett ĂŒbernehmen. Joseph II. fĂŒhrte viele Reformen durch; seine Regierungsform (Josephinismus) wurde spĂ€ter als aufgeklĂ€rter Absolutismus bezeichnet (Alles fĂŒr das Volk, nichts durch das Volk.) Er öffnete ab 1766 bisherige Privatparks des Kaiserhofes fĂŒr jedermann. Er schaffte 1781 die Leibeigenschaft ab und schloss Klöster, die nur kontemplativ tĂ€tig waren und keine Leistungen fĂŒr die Allgemeinheit erbrachten. Nachdem 1779 im Frieden von Teschen das Innviertel fĂŒr Österreich gewonnen wurde, scheiterte 1785 der Versuch, Bayern gegen die österreichischen Niederlande zu tauschen. Weitere Reformen wurden vor allem durch den Widerstand Ungarns und der österreichischen Niederlande verhindert, wo 1789 die Brabanter Revolution ausbrach. Trotzdem gilt Joseph als wichtiger AufklĂ€rer und entscheidender Wegbereiter der bĂŒrgerlichen Gesellschaft.

Österreich wirkte 1773 an der ersten und in der Folge 1795 an der dritten Teilung Polens mit. (Maria Theresia wollte 1773 dem Gebietsgewinn von Preußen und Russland nicht untĂ€tig zuschauen.) Bei der ersten Teilung erhielt Österreich Galizien mit dem Gebiet um Lemberg und grĂŒndete das Königreich Galizien und Lodomerien. Bei der dritten Teilung konnte Österreich das spĂ€ter Westgalizien genannte Gebiet mit Kleinpolen bis sĂŒdöstlich von Warschau fĂŒr sich gewinnen.

Josephs Nachfolger wurde sein jĂŒngerer Bruder Leopold II. Seine Hilfe – gemeinsam mit Preußens Friedrich Wilhelm II. – fĂŒr den französischen König Ludwig XVI. kam nicht mehr zustande, Leopold II. starb völlig ĂŒberraschend im MĂ€rz 1792 mit 44 Jahren.

Die aufklĂ€rerischen AnsĂ€tze wurden nach dem Schock der Französischen Revolution schnell eingefroren: Leopolds Sohn Franz II. (als römisch-deutscher Kaiser, spĂ€ter Franz I. von Österreich) trieb eine „geradezu starrköpfige Reaktionspolitik“, die vor allem mit dem Namen des Staatskanzlers Metternich verbunden ist. Diese politische Stagnation sollte die gesamte erste HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts andauern. Durch sie geriet Österreich in seiner gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung gegenĂŒber Preußen, Frankreich und England ins Hintertreffen.

Nach der Französischen Revolution wurde auch Österreich in die Napoleonischen Kriege verwickelt. Die Kaiserkrönung Napoleons 1804 wurde von Franz II. mit der Ausrufung des Kaisertums Österreich beantwortet; Kaiser Franz II. (HRR) war nun als Franz I. auch Kaiser von Österreich. Im Frieden von Pressburg musste Österreich 1805 große Gebiete abtreten, unter anderem Venetien, aber auch Tirol und Vorarlberg an das mit Napoleon verbĂŒndete Bayern, dafĂŒr kam Salzburg zu Österreich. Auf DrĂ€ngen Napoleons legte Franz II. 1806 die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder, das damit aufhörte zu existieren.

Kaisertum Österreich (1804–1866)

→ Hauptartikel: Kaisertum Österreich

Gleichzeitig grĂŒndeten deutsche FĂŒrsten auf Bestreben Napoleons den ihm zur Heerfolge verpflichteten Rheinbund. Auf DrĂ€ngen des mittlerweile zum Außenminister aufgerĂŒckten Metternich wurde Marie Louise, die Tochter von Kaiser Franz I., 1810 mit Napoleon I. verheiratet. Napoleon wurde von den vereinigten österreichischen, russischen und preußischen Truppen im Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig vernichtend geschlagen. Im April 1814 dankte Napoleon ab, im September begann der Wiener Kongress zur Neuordnung Europas. Hier erhielt Österreich viele an Napoleon verlorene Gebiete zurĂŒck und tauschte die schwĂ€bischen Vorlande gegen das Erzbistum Salzburg. Durch Nebenlinien beherrschten die Habsburger nun auch weite Teile Mittelitaliens.

Im MĂ€rz 1815 kehrte Napoleon aus seinem Exil in Elba nach Frankreich zurĂŒck, sein Ende war die Niederlage bei Waterloo im Juni 1815. 1815 wurde der Deutsche Bund mit dem Bundestag in Frankfurt unter dem stĂ€ndigen Vorsitz Österreichs als Nachfolger des Heiligen Römischen Reiches gegrĂŒndet. Gleichzeitig wurde zwischen Preußen, Österreich und Russland die so genannte Heilige Allianz geschlossen, welche die politische StabilitĂ€t in Europa garantieren sollte.

In der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem Erstarken nationalistischer Bewegungen. Die verschiedenen NationalitĂ€ten im Vielvölkerstaat Österreich arbeiteten vehement gegeneinander und konnten so vom Kaiserhaus gegeneinander ausgespielt werden. Diese Uneinigkeit der NationalitĂ€ten und die Hilfe Russlands retteten in der Revolution von 1848 das Kaisertum vor dem Auseinanderfallen.

Am 13. MĂ€rz 1848 verlangten verschiedene Gruppen in Petitionen Pressefreiheit, Geschworenengerichte und akademische Freiheiten. Die anschließenden Demonstrationen wurden jedoch blutig niedergeschlagen. In Wien kam es daraufhin zu heftigen AufstĂ€nden, Metternich wurde entlassen und floh nach England. Die Zensur wurde aufgehoben, Pressefreiheit und eine Verfassung im formellen Sinn versprochen. Die Pillersdorfsche Verfassung wurde am 25. April 1848 verkĂŒndet, trat jedoch nie in Kraft. Sie stieß vor allem wegen der Bestimmungen ĂŒber die Zusammensetzung des Reichstages auf Ablehnung, weshalb sie am 16. Mai als provisorisch erklĂ€rt (mit Zusage des allgemeinen und gleichen Wahlrechts) und im Juli schließlich ganz zurĂŒckgenommen wurde. Auf dieser Grundlage trat am 22. Juli 1848 der Reichstag, das erste österreichische Parlament im modernen Sinne, in Wien zusammen. Da es noch kein ParlamentsgebĂ€ude gab, bediente man sich der Winterreitschule als provisorischer Unterkunft.

Inzwischen griff die Revolution auf andere Teile der Monarchie (Ungarn, Mailand, Venetien und Prag) ĂŒber. Der Aufstand in Mailand wurde von Radetzky niedergeschlagen, der Prager Pfingstaufstand im Juni von WindischgrĂ€tz. Im September ĂŒbernahm in Ungarn Lajos Kossuth die Macht und stellte eine Armee auf. Als sich in Wien kaiserliche Truppen weigerten, nach Ungarn abzumarschieren, und von BĂŒrgern unterstĂŒtzt wurden, brachen heftige KĂ€mpfe aus. Ungarn konnte nur mit Hilfe Russlands zurĂŒckerobert werden.

Der Hof floh nach OlmĂŒtz und verlegte den Reichstag in das benachbarte StĂ€dtchen Kremsier. Am Ende des Wiener Oktoberaufstandes wurde Wien am 1. November von kaisertreuen Truppen unter FĂŒhrung von WindischgrĂ€tz und Joseph Jelačić von BuĆŸim erobert, 24 RevolutionĂ€re wurden hingerichtet, die Revolution war gescheitert.

In OlmĂŒtz dankte Kaiser Ferdinand I. zugunsten seines Neffen Franz Joseph Karl ab, der im Dezember 1848 als Franz Joseph I. den Thron bestieg. Der Reichstag von Kremsier wurde am 4. MĂ€rz 1849 aufgelöst und am selben Tag eine neue Verfassung vom Kaiser oktroyiert (Oktroyierte MĂ€rzverfassung), die jedoch nur zu einem geringen Teil wirksam wurde, insbesondere wurde kein neuer Reichstag einberufen. Nachdem die AufstĂ€nde in Italien und in Ungarn vollstĂ€ndig niedergeschlagen worden waren, hob Franz Joseph mit den Silvesterpatenten vom 31. Dezember 1851 auch die Oktroyierte MĂ€rzverfassung von 1849 wieder auf und leitete eine Phase des Neoabsolutismus ein.

1853 wurde das BĂŒndnis mit Russland schwer erschĂŒttert, weil weder Preußen noch Österreich in den Krimkrieg eingriffen. Von da an datiert der österreichisch-russische Gegensatz, der sich durch die Balkankrisen der nachfolgenden Jahrzehnte wesentlich verschĂ€rfte.

Die Zeit des Neoabsolutismus neigte sich mit den Niederlagen der kaiserlichen Truppen in Italien 1859 gegen die italienische Einigungsbewegung (Risorgimento) dem Ende zu: Die Direktregierung durch den Kaiser und seine Minister ohne jedes Parlament hatte selbst im GroßbĂŒrgertum keine AnhĂ€nger mehr und konnte sich auch nicht durch Erfolge legitimieren. Das Oktoberdiplom 1860 und das Februarpatent 1861 waren kurzlebige Verfassungsexperimente.

Die Niederlage von KöniggrĂ€tz im Deutschen Krieg von 1866 (Deutscher Bund unter Vorsitz Österreichs gegen Preußen) fĂŒhrte zur Auflösung des Deutschen Bundes. Hintergrund des Krieges war, dass Bismarck ein deutsches BĂŒndnissystem unter der Hegemonie Preußens anstrebte. Eine solche Hegemonie war nach EinschĂ€tzung Bismarcks nur ohne Österreich möglich, da Österreich als bisherige Hegemonialmacht des Deutschen Bundes wirtschaftlich und militĂ€risch zu bedeutend war. Nach dem preußischen Sieg, der durch technisch ĂŒberlegene Waffen erreicht wurde, konnte Bismarck gegen den Willen Österreichs die GrĂŒndung eines Norddeutschen Bundes ohne Österreich durchsetzen. Da im Krieg 1866 Venetien trotz der fĂŒr Österreich erfolgreichen Seeschlacht von Lissa unter Admiral Wilhelm von Tegethoff verloren ging, war das Ansehen des Monarchen auf einem Tiefpunkt angelangt.

Österreich in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (1867–1918)

→ Hauptartikel: Österreich-Ungarn

Die Österreichisch-Ungarische Monarchie, auch als k.u.k. Monarchie oder inoffiziell als Donaumonarchie bezeichnet, wurde am 8. Juni 1867 infolge des Ausgleichs mit dem Königreich Ungarn gegrĂŒndet. An diesem Tag wurde Kaiser Franz Joseph I. von Österreich in Budapest (Pest-Buda) zum Apostolischen König von Ungarn gekrönt. Ungarn schied aus dem Kaisertum aus und wurde gleichberechtigter Teilstaat in einer Realunion mit Österreich.

Die nicht-ungarischen KronlĂ€nder (Cisleithanien), die im Kaisertum verblieben waren, erhielten am 21. Dezember 1867 die Dezemberverfassung, die im Wesentlichen bis zum Ende der Monarchie Bestand hatte. Die Außenpolitik wurde zuerst durch das DreikaiserbĂŒndnis und in spĂ€terer Zeit durch den Zwei- bzw. Dreibund geprĂ€gt.

In dieser Zeit begann der – bisher von den HerrscherhĂ€usern unterdrĂŒckte – Nationalismus seinen Siegeszug durch die LĂ€nder Europas und insbesondere der Habsburger Monarchie. Zur AbschwĂ€chung des ungarischen Nationalismus gedacht, verschĂ€rfte der Ausgleich von 1867 die Spannungen mehr als er sie kalmierte. Dieser Ausgleich schuf nĂ€mlich die Situation, dass die nationalitĂ€ren Konflikte durch die Magyarisierungspolitik der ungarischen Regierung zusĂ€tzlich angeheizt wurden. Die Polen in Galizien kooperierten oft mit der Wiener Regierung und erhielten fĂŒr Galizien bedeutende Infrastrukturinvestitionen aus dem Staatsbudget. Die anderen slawischen NationalitĂ€ten Altösterreichs fĂŒhlten sich mit den Deutschsprachigen, die die StaatsbĂŒrokratie dominierten, nicht gleichberechtigt. Die vergeblichen BemĂŒhungen der Tschechischen Nationalbewegung in Böhmen und MĂ€hren um einen Österreichisch-Tschechischen Ausgleich konkurrierten mit den Bestrebungen der dortigen deutschsprachigen Minderheit und der deutsch-nationalistischen Arbeiterpartei. Hier konnte die EinfĂŒhrung der Zweisprachigkeit 1880 in Böhmen und MĂ€hren, 1882 in den slowenischen Gebieten und in Österreichisch-Schlesien auch nicht weiterhelfen. Der MĂ€hrische Ausgleich 1905 nahm dem NationalitĂ€tenkonflikt zwar in diesem Kronland einiges an SchĂ€rfe, fĂŒr Böhmen konnte eine ahnlich ausgewogene Lösung aber nicht erreicht werden. Auch in KĂ€rnten, der Steiermark und Tirol wurden AutonomiewĂŒnsche der nationalen Minderheiten von den deutschsprachigen Mehrheiten in den Landtagen schroff abgelehnt.

Böhmen und MĂ€hren wuchsen in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts zu den industriellen Zentren Altösterreichs heran. Hier war die Betriebsansiedlung einfacher als im gebirgigen Alpenraum, die verkehrsgeografische Lage (NĂ€he zu den Ballungszentren Berlin und Wien und zum oberschlesischen Industriegebiet des Deutschen Reiches) gĂŒnstig, es standen ausreichend ArbeitskrĂ€fte zur VerfĂŒgung. Die Österreichische Wirtschaft und die Österreichische Kultur erreichten um 1900 eine große BlĂŒtezeit, wĂ€hrend sich der Staat auf Grund des NationalitĂ€tenhaders oft nur durch Fortfretten und Fortwurschteln (wienerische AusdrĂŒcke fĂŒr „mĂŒhsam weiterkommen“) weiterentwickeln konnte.

1878 erhielt Österreich-Ungarn beim Berliner Kongress das Recht zugesprochen, die osmanische Provinz Bosnien-Herzegowina, bis dahin von Istanbul aus regiert, zu besetzen und zu verwalten. Die Doppelmonarchie investierte krĂ€ftig in die Modernisierung des Landes. Als sie die Provinz aber 1908 annektierte, fĂŒhrte dies zu starken Spannungen mit dem Königreich Serbien und war auch ein Grund fĂŒr das Attentat in Sarajewo. 1879 wurde mit Deutschland der Zweibund und 1882 mit Italien der Dreibund geschlossen. Er sollte noch fĂŒr den Ersten Weltkrieg ausschlaggebend sein. Der Dreibund hatte von Anfang an mit der italienischen Irredenta zu kĂ€mpfen, was vor allem die Beziehungen mit Österreich belastete.

Um 1880 wurde der Wahlzensus (Mindeststeuerleistung als Bedingung fĂŒr das Wahlrecht der MĂ€nner; Frauen weiterhin nicht wahlberechtigt, wenn nicht Großgrundbesitzerin) gelockert, was die Bildung von neuen Parteien ermöglichte:

Um 1900, zum fin de siecle, lebten Johann Strauß, Gustav Mahler, Sigmund Freud, Ernst Mach, Otto Wagner, Gustav Klimt, Karl Kraus, Arthur Schnitzler und viele andere KĂŒnstler und Wissenschaftler in Wien. Diese etwa zwei Jahrzehnte, in denen Wien eine nie zuvor und danach erreichte Vielzahl an kulturellen und wissenschaftlichen Persönlichkeiten hervorbrachte, wird auch als Wiener Moderne bezeichnet.

1903 gab Serbien nach einem ungarischen Importstopp fĂŒr serbisches Schweinefleisch (der Fleischexport war eine Haupteinnahmequelle der serbischen Landwirtschaft) die Anlehnung an Österreich-Ungarn auf und begann auf die Abtrennung der sĂŒdslawischen Gebiete der Doppelmonarchie hinzuarbeiten (es handelte sich um slowenisch, kroatisch, serbisch und bosniakisch besiedelte Gebiete in beiden ReichshĂ€lften). Dieses Ziel wurde vor allem von Russland unterstĂŒtzt.

1905 begannen Verhandlungen der Sozialdemokratie mit der k.k. Regierung, die – wie Historiker das Ergebnis einschĂ€tzen – mit einem historischen Kompromiss endeten: 1907 fanden die ersten Reichsratswahlen statt, bei denen jeder erwachsene mĂ€nnliche StaatsbĂŒrger wahlberechtigt war und jede Stimme gleich viel zĂ€hlte. Das Frauenwahlrecht wurde erst 1919 in der Republik eingefĂŒhrt. Die Christlichsozialen gewannen 1907 vor den Sozialdemokraten und den liberalen Parteien. 1911 erreichten die Sozialdemokraten die meisten Mandate.

In den letzten Jahrzehnten der Doppelmonarchie befand sich Altösterreich – abgesehen von seinen NationalitĂ€tenfragen – in der Situation, dass Altungarn nur etwa ein Drittel der gemeinsamen Ausgaben fĂŒr Armee, Kriegsflotte und diplomatischen Dienst deckte, ohne Zustimmung der Budapester Regierung aber keine wesentliche außen-, wirtschafts- oder militĂ€rpolitische Entscheidung getroffen werden konnte. Der Reichsrat als Parlament war oft durch tschechische Obstruktionspolitik lahmgelegt; viele erforderliche Regelungen erfolgten daher auf Vorschlag der k.k. Regierung durch kaiserliche Verordnung statt durch Parlamentsbeschluss. Der Staat wurde im Wesentlichen von der k.k. BĂŒrokratie und der k.u.k. Armee, beide ĂŒbernational auf die Person des Monarchen eingeschworen, zusammengehalten. Man besprach in politischen Kreisen, so lange er lebt (gemeint war der greise Kaiser Franz Joseph I., 1910 bereits achtzig Jahre alt), werde es keine wesentlichen VerĂ€nderungen geben, sah diese aber fĂŒr die Regierungszeit seines Nachfolgers voraus.

Das am 28. Juni 1914 vom serbischen Nationalisten Gavrilo Princip verĂŒbte Attentat von Sarajevo auf Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, der Bosnien-Herzegowina einen offiziellen Besuch abstattete, verĂ€nderte die Lage aber völlig. Hatten einzelne SpitzenfunktionĂ€re der Gesamtmonarchie wie Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf schon Jahre zuvor einen Krieg gegen Serbien befĂŒrwortet, so setzte sich nun in Wien und Budapest die so genannte Kriegspartei durch. Ohne den Reichsrat auch nur zu fragen, wurde dem Monarchen suggeriert, nun sei der Krieg gegen Serbien unausweichlich und eine Frage der Ehre der Monarchie. (Zuvor war Franz Joseph I. nach dem Attentat noch wie ĂŒblich nach Bad Ischl auf Sommerfrische gefahren; seinem Neffen Franz Ferdinand weinte er keine TrĂ€ne nach, weil dieser nicht standesgemĂ€ĂŸ geheiratet hatte.) Das mit Zustimmung Franz Josephs vom k.u.k. Außenminister Leopold Berchtold mit RĂŒckendeckung des deutschen Kaisers an Serbien gestellte Ultimatum bewirkte die Aktivierung der europaweit bestehenden BĂŒndnissysteme und Beistandsverpflichtungen und fĂŒhrte so zum Ersten Weltkrieg.

Österreich im Ersten Weltkrieg

→ Hauptartikel: Erster Weltkrieg
→ Hauptartikel: Österreich-Ungarns Armee im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg war fĂŒr Österreich-Ungarn ein Desaster, da die veraltete k.u.k. Armee auf einen Krieg in dieser GrĂ¶ĂŸenordnung nicht vorbereitet war. Besonders nach dem Kriegseintritt Italiens (1915) und RumĂ€niens (1916) war Österreich-Ungarn an einem großen Teil seiner Grenzen von Gegnern umgeben. Die Eroberung des Königreichs Serbien – man hatte sich ursprĂŒnglich eine auf Grund eigener Überlegenheit unschwierige „Strafexpedition“ vorgestellt – gelang erst mit deutscher und bulgarischer UnterstĂŒtzung. Im Krieg gegen Russland war Österreich lange unterlegen und musste einen Großteil Galiziens rĂ€umen. Erst spĂ€ter wurde Galizien mit deutscher Hilfe wieder besetzt. Dasselbe galt fĂŒr den rumĂ€nischen Kriegsschauplatz, wo die Initiative von Anfang an bei den deutschen Truppen lag. Im Krieg gegen Italien war Österreich erfolgreicher und konnte in zwölf Isonzoschlachten das Eindringen der italienischen Armee in die Monarchie verhindern und zuletzt tief ins Friaul eindringen. Allerdings brach hier, infolge Materialmangels, KriegsmĂŒdigkeit und Auflösungserscheinungen von Armee und Gesamtmonarchie, die Front Ende Oktober 1918 zusammen. Am Krieg an der Westfront war die österreichische Armee kaum beteiligt.

Die Versorgung der altösterreichischen Bevölkerung war speziell in den letzten Kriegsjahren sehr schlecht und es kam zu großen Hungersnöten. Im November 1916 starb Kaiser Franz Joseph I. und Karl I. wurde sein Nachfolger. Seine Chancen auf baldigen Friedensschluss und Erhalt der Doppelmonarchie waren gering. Als der Reichsrat, das altösterreichische Parlament, vom neuen Monarchen 1917 erstmals seit FrĂŒhjahr 1914 einberufen wurde, teilten die Abgeordneten der NationalitĂ€ten mit, welche Absichten sie nach Kriegsende verfolgen wĂŒrden. Der Erhalt des Gesamtstaates und der Monarchie gehörte nicht dazu. Es war daher bereits 1917 klar, dass Altösterreich zerfallen wĂŒrde.

Kaiser Karl I. unternahm am 16. Oktober 1918 den Versuch, das kaiserliche Österreich als Föderation zu erhalten. Er forderte die NationalitĂ€ten in einem Manifest auf, eigene NationalrĂ€te zu grĂŒnden, und sah seine Regierung quasi als Schiedsrichter fĂŒr eine friedliche Neuordnung der Monarchie: Österreich soll dem Willen seiner Völker gemĂ€ĂŸ zu einem Bundesstaat werden, in dem jeder Volksstamm auf seinem Siedlungsgebiet sein eigenes Gemeinwesen bildet.

Von der Nationalversammlung beanspruchtes Staatsgebiet der Republik Deutschösterreich (1918–1919)

Die NationalitĂ€ten nahmen die Einladung, NationalrĂ€te einzurichten, an, waren doch damit ihre bisher aus Sicht des Gesamtstaates separatistischen Planungen legalisiert. Von ihren Völkern nicht gewĂ€hlte Schiedsrichter ignorierten sie aber: Sie beschlossen, eigene Staaten zu grĂŒnden, und hatten an einem monarchischen Bundesstaat kein Interesse. Die provisorische Nationalversammlung von Deutschösterreich – bestehend aus den 1911 gewĂ€hlten Reichsratsabgeordneten der deutschen Gebiete Altösterreichs – bestellte am 30. Oktober 1918 ihre eigene Regierung und notifizierte dies am 6. November dem US-PrĂ€sidenten Woodrow Wilson; beim Kaiser stellte sich die deutschösterreichische Regierung nicht vor. Am 11. November 1918 entließ der Kaiser seine k.k. Regierung und verzichtete auf dringendes Anraten seiner letzten Minister und des deutschösterreichischen Staatsrates auf jeden Anteil an den StaatsgeschĂ€ften. Die Nationalversammlung rief am 12. November 1918 die Republik aus.

Der Kaiser hatte allerdings nicht abgedankt. Der Staat Deutschösterreich stellte ihn daher vor die Alternative, formell abzudanken oder das Land zu verlassen. Im MĂ€rz 1919 verließ Ex-Kaiser Karl I. Deutschösterreich, im April 1919 wurden das Habsburgergesetz und das Adelsaufhebungsgesetz beschlossen.

Die Erste Republik (1918–1938)

Deutschösterreich (1918–1919)

Karl Renner (1905)

Die provisorische Nationalversammlung beschloss am 12. November fĂŒr den vorerst „Deutschösterreich“ genannten Staat die Form der demokratischen Republik. Zugleich wurde in Artikel Zwei des Gesetzes festgehalten, dass das Land Teil der drei Tage zuvor ausgerufenen deutschen Republik sein sollte. Erster Staatskanzler wurde Karl Renner. Beansprucht, aber fĂŒr den neuen Staat nicht gewonnen, wurden Teile der neu bzw. wieder entstandenen Staaten Tschechoslowakei (Deutschböhmen, Teile MĂ€hrens) und Polen (Schlesien) sowie das von Italien annektierte SĂŒdtirol.

Weite Teile der Bevölkerung und die meisten Vertreter der politischen Parteien waren der Auffassung, dieser „Rest-“ bzw. „Rumpfstaat“ – ohne die ungarische Agrarwirtschaft und die böhmische Industrie – sei allein nicht lebensfĂ€hig. Der Publizist Hellmut Andics drĂŒckte das spĂ€ter mit dem Buchtitel Der Staat, den keiner wollte aus.

Der Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich bzw. der Deutschen Republik wurde von den alliierten SiegermĂ€chten im Vertrag von Saint-Germain ausgeschlossen. GemĂ€ĂŸ des Vertrages wurde auch der Staatsname Republik Österreich festgelegt. Am 21. Oktober 1919, mit der Ratifizierung des Friedensvertrages durch das Parlament, wurde dieser Name verbindlich (er wurde bis 1934 und wird seit 1945 gefĂŒhrt). Als Bundeskanzler Ignaz Seipel mit dem Völkerbund spĂ€ter die so genannte „Genfer Sanierung“ zur StĂŒtzung des inflationsgeschĂŒttelten Staatshaushaltes vereinbarte, wurde das spĂ€ter so genannte Anschlussverbot bekrĂ€ftigt. 1931 wurden PlĂ€ne Österreichs fĂŒr eine Zollunion mit dem Deutschen Reich unter Hinweis auf die Bestimmungen des Friedensvertrages verboten.

In Salzburg gab es Bestrebungen, sich unabhĂ€ngig von anderen Teilen Österreichs Deutschland anzuschließen. Dies wurde von Deutschland abgelehnt. In Tirol gab es bei Wenigen die Überlegung, sich Italien anzuschließen, um die Einheit Tirols zu wahren. Eine andere politische Linie strebte den Anschluss an Deutschland an. In Vorarlberg bestand der Wunsch, sich der Schweiz anzuschließen. In einer Volksabstimmung erhielt diese Idee in Vorarlberg eine große Mehrheit. Die Schweizer Bundesregierung legte aber auf den „Kanton Übrig“, der die Balance zwischen protestantischen und katholischen Kantonen verĂ€ndert hĂ€tte, keinen Wert.

Republik Österreich (1919–1934)

Staat und Wirtschaft

Die 1920 beschlossene Verfassung ist inhaltlich vor allem von Hans Kelsen, einem angesehenen Staatsrechtsexperten, geprĂ€gt. Er musste darin auf Grund der politischen WĂŒnsche (Sozialdemokraten: Zentralismus; Konservative: Föderalismus) bundesstaatliche GrundsĂ€tze mit einer starken Position von Nationalrat und Bundesregierung verbinden. Die Funktion des BundesprĂ€sidenten war vorerst schwach ausgeprĂ€gt; auf Wunsch der Sozialdemokraten war das Parlament das zentrale Organ der Republik (eine Reaktion auf die vorangegangene Monarchie).

Konflikte zwischen den Prinzipien Landeseinheit und Selbstbestimmungsrecht gab es ab 1918 in KĂ€rnten, weil die slowenische Bevölkerung SĂŒdkĂ€rntens teilweise zum Anschluss an den neuen sĂŒdslawischen Staat neigte und das Königreich SHS, um Fakten zu schaffen, SĂŒdkĂ€rnten militĂ€risch besetzte. Der KĂ€rntner Abwehrkampf gegen die sĂŒdslawischen Truppen war zwar militĂ€risch aussichtslos, mobilisierte aber die internationale Öffentlichkeit und fĂŒhrte auf Wunsch der SiegermĂ€chte zur Volksabstimmung in SĂŒdkĂ€rnten am 10. Oktober 1920, die eindeutig fĂŒr die Zugehörigkeit des Abstimmungsgebietes sĂŒdlich der Drau zur Republik Österreich ausging.

Die VertrĂ€ge von St. Germain 1919 mit Österreich und von Trianon 1920 mit Ungarn sahen vor, das seit Jahrhunderten deutsch besiedelte Westungarn an Österreich anzuschließen. (Damit wurden Überlegungen, einen slawischen Korridor von der Slowakei nach Slowenien zu errichten, durch den die Kriegsverlierer Österreich und Ungarn getrennt wĂŒrden, ad acta gelegt.) Deutsch-Westungarn wurde 1921 mit dem Namen Burgenland das achte Bundesland der neuen Republik, nachdem ungarische FreischĂ€rler versucht hatten, dies zu verhindern. FĂŒr die natĂŒrliche Hauptstadt des Gebietes, Ödenburg (Sopron), wurde auf ungarischen Wunsch, der von Italien unterstĂŒtzt wurde, die Volksabstimmung 1921 im Burgenland durchgefĂŒhrt, wobei sich die Mehrheit fĂŒr Ungarn entschied. In den zeitgenössischen österreichischen und ungarischen Darstellungen dieser Volksabstimmung waren zahlreiche Divergenzen zu bemerken.

Niederösterreich war 1918 mit ĂŒber 3 Millionen Einwohnern das bei weitem bevölkerungsstĂ€rkste (und das flĂ€chengrĂ¶ĂŸte) Bundesland Österreichs. Die politischen Absichten der im lĂ€ndlichen Raum stark vertretenen Konservativen und der vor allem in Wien sehr starken Sozialdemokraten waren schwer zu harmonisieren, außerdem bedrĂŒckte das niederösterreichische Übergewicht die anderen BundeslĂ€nder. Daher wurden die verfassungsmĂ€ĂŸigen Bestimmungen dazu geschaffen, dass Wien per 1. JĂ€nner 1922 aus dem Land Niederösterreich ausschied und als eigenes (neuntes) Bundesland konstutiiert wurde.

Arbeitslosenrate Österreichs zwischen 1919 und 1955

Die Wirtschaft des neuen Staates lag aufgrund der Kriegsfolgen (Reparationen, Gebietsverluste, neue Zollgrenzen) darnieder. Die damit zusammenhĂ€ngende Hyperinflation („galoppierende Inflation“) konnte erst durch eine WĂ€hrungsreform mit EinfĂŒhrung des im November 1924 beschlossenen Schillings ab 1. MĂ€rz 1925 statt der KronenwĂ€hrung beendet werden; Voraussetzung war eine von Ignaz Seipel verhandelte Anleihe des Völkerbundes. FĂŒr 10.000 Kronen hĂ€tte man 1914 noch einen HĂ€userblock kaufen können, im Dezember 1922 nur noch einen Laib Brot. Mit EinfĂŒhrung der SchillingwĂ€hrung betrieb die Regierung konsequente HartwĂ€hrungspolitik, was dem Schilling bald den Spitznamen Alpendollar eintrug, die wirtschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten in Krisenzeiten aber stark einschrĂ€nken sollte.

Der folgende zaghafte wirtschaftliche Aufschwung ging mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 auch schon wieder zu Ende. Zur latenten Strukturkrise, versinnbildlicht durch den Postsparkassenskandal von 1926, war die große Konjunkturkrise gekommen. Der 1931 drohende Zusammenbruch der Creditanstalt, die damals die grĂ¶ĂŸte Bank Mitteleuropas war, erforderte das Eingreifen der Regierung; dies bedrohte aber die WĂ€hrung. 1932 erhielt Österreich daher neuerlich eine Völkerbundanleihe (300 Millionen Schilling). Als Gegenleistung wurde bei der Konferenz von Lausanne das Anschlussverbot fĂŒr die nĂ€chsten 20 Jahre bekrĂ€ftigt. 1933 war etwa ein Drittel der ArbeitskrĂ€fte ohne Arbeit.

Das Erstarken der Konservativen veranlasste die Sozialdemokraten, 1929 einer Verfassungsnovelle zuzustimmen, die wieder ein herausgehobenes Staatsoberhaupt schuf: Der BundesprÀsident wurde nicht mehr vom Parlament, sondern vom Volk gewÀhlt. Er bestellte die Regierung und konnte auf deren Vorschlag das Parlament zwecks Neuwahlen auflösen (bis 1929 war dies nur durch Parlamentsbeschluss möglich). Die meisten Befugnisse des BundesprÀsidenten waren aber an einen Vorschlag der Bundesregierung gebunden, diese dem Nationalrat verantwortlich. Das Bundes-Verfassungsgesetz in der Fassung von 1929 war bis 1934 und ist seit 1945 in Kraft.

Politische Polarisierung

Antisemitisches Wahlplakat der Christlichsozialen Partei bei der Nationalratswahl 1920.

1918–1920 hatte eine große Koalition regiert. 1920–1934 befand sich die Sozialdemokratie in der Bundespolitik in Opposition zur konservativen Regierung und schuf im Roten Wien ihr politisches Gegenmodell. Mit zunehmendem Abstand vom entscheidenden Jahr 1918 formierten sich auf dem rechten FlĂŒgel des Parteienspektrums immer mehr Gegner der Demokratie. Die Sozialdemokraten gaben deren Furcht vor dem Bolschewismus dadurch Nahrung, dass sie in ihrem Parteiprogramm reichlich missverstĂ€ndlich von der Diktatur des Proletariats schrieben und den Marxismus im Munde fĂŒhrten, obwohl sie de facto eine gemĂ€ĂŸigte sozialdemokratische Politik betrieben.

Die beiden großen politischen Lager legten sich bald paramilitĂ€rische Einheiten zu: Die Heimwehr (den Christlichsozialen nahestehend, aber ohne klare Parteibindung) sollte, teilweise von heimgekehrten Soldaten des ersten Weltkriegs gebildet, die Heimat vor unerwĂŒnschten VerĂ€nderungen schĂŒtzen. Der Republikanische Schutzbund der Sozialdemokraten sollte die Demokratie gegen Rechtsradikalismus schĂŒtzen.

1927 demonstrierte der Republikanische Schutzbund in Schattendorf (Burgenland) gegen die Heimwehr. Mitglieder rechtsstehender „FrontkĂ€mpfer“ schossen auf die friedlichen, unbewaffneten Demonstranten. Dabei töteten sie ein Kind und einen Kriegsinvaliden. Mit dem Schattendorfer Urteil wurden die mutmaßlichen TĂ€ter im Juli 1927 von einem Geschworenengericht freigesprochen: nach Auffassung der „Arbeiter-Zeitung“ ein unverzeihlicher Justizskandal. Die am 15. Juli 1927 vor dem Justizpalast in Wien stattfindende Großdemonstration gegen das Urteil „entgleiste“ allerdings doppelt: Radikale Elemente unter den Demonstranten stĂŒrmten den Justizpalast und setzten ihn in Brand (die Regierung bezeichnete den Vorfall als Julirevolte).

Nachdem auch Polizeiwachzimmer gestĂŒrmt worden waren, bekam die Polizei von ihrem PrĂ€sidenten Johann Schober den Befehl, die Demonstration mit Waffengewalt aufzulösen, und schoss dabei auf viele an Ausschreitungen völlig Unbeteiligte, auch auf Menschen, die gerade auf der Flucht vor den Unruhen waren. Die Bilanz: 89 Tote (davon 84 Demonstranten), 1.057 Verwundete. Der Publizist Karl Kraus nahm die verhĂ€ngnisvolle Überreaktion zum Anlass, den PolizeiprĂ€sidenten durch Plakate öffentlich anzusprechen: „Ich fordere Sie auf abzutreten.“

In den Wochen danach kam es zu 1.000 Neubeitritten zu den austrofaschistisch ausgerichteten Heimwehren unter ihrem FĂŒhrer Ernst RĂŒdiger Starhemberg. Weil Bundeskanzler PrĂ€lat Ignaz Seipel bei der Nationalratsdebatte ĂŒber das Ereignis sagte, man könne von ihm „keine Milde“ verlangen, traten bis Jahresende 1927 28.000 Personen aus der römisch-katholischen Kirche aus; die Sozialdemokraten bezeichneten den Kanzler von da an stets als „PrĂ€laten ohne Milde“. Die Sozialdemokratie fĂŒhlte sich durch die Ereignisse geschwĂ€cht; sie sah es als Niederlage, dass die Staatsmacht rĂŒcksichtslos Jagd auf Arbeiter gemacht hatte. Bei den letzten Nationalratswahlen der ersten Republik wurde die SDAP 1930 aber stimmenstĂ€rkste Fraktion.

Gegner der beiden großen Parteien waren die österreichischen Nationalsozialisten, die vor allem außerhalb Wiens (etwa in der Steiermark) AnhĂ€ngerschaft hatten. Zeitweise gab es Kooperationen zwischen christlichsozialen und nationalsozialistischen Politikern. Bei den Nationalratswahlen 1927 bildeten Christlichsoziale, Großdeutsche, die nationalsozialistische Riehl- und Schulzgruppe und andere Gruppierungen eine Einheitsliste.

1930 organisierten die Heimwehren den so genannten Korneuburger Eid, eine Versammlung in Korneuburg bei Wien, bei der die Teilnehmer dem „westlichen, demokratischen Parteienstaat“ abschworen und unter der FĂŒhrerschaft Starhembergs einer autoritĂ€ren Politik huldigten. Julius Raab, Bundeskanzler der zweiten Republik, soll sich unter den Teilnehmern befunden haben.

Diskutierenswert bleibt, warum die Sozialdemokraten 1932 das Angebot der Christlichsozialen zu einer großen Koalition abgelehnt haben. Einzelne sozialdemokratische Stimmen bezeichnen dies heute als schweren Fehler der Partei.

Anfang der 1930er Jahre begannen sich in einer Reihe von Staaten Europas faschistische Bewegungen durchzusetzen. Auch Österreich blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Vor allem die Heimwehr vertrat faschistische Ideen nach dem Vorbild Italiens. Mussolini wurde von der im Ausland isolierten österreichischen Regierung als wichtigste StĂŒtze gesehen.

Eine am 4. MĂ€rz 1933 patt ausgegangene Abstimmung ĂŒber die EisenbahnergehĂ€lter und taktisch bedingte RĂŒcktritte der drei ParlamentsprĂ€sidenten nĂŒtzte der christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, um die „Selbstausschaltung des Parlaments“ zu verkĂŒnden. Den Wiederzusammentritt des Nationalrates am 15. MĂ€rz verhinderte Polizei, die das ParlamentsgebĂ€ude umstellt hatte.

Dollfuß nĂŒtzte das Kriegswirtschaftliche ErmĂ€chtigungsgesetz von 1917 dazu, ohne das Parlament zu regieren. Am 7. MĂ€rz 1933 erließ der Ministerrat ein Versammlungs- und Aufmarschverbot und fĂŒhrte die Zensur fĂŒr österreichische Zeitungen wieder ein. Durch den RĂŒckzug der christlichsozialen Mitglieder legte Dollfuß auch den Verfassungsgerichtshof lahm. BundesprĂ€sident Wilhelm Miklas griff nicht ein, obwohl ihm – eigenen privaten Aufzeichnungen zufolge – die Verfassungswidrigkeit bewusst war. Er ließ eine Petition von ĂŒber einer Million Stimmberechtigter, die die Wiedereinberufung des Parlaments verlangten, unberĂŒcksichtigt.

Der Weg in einen autoritĂ€ren StĂ€ndestaat nach dem Vorbild des faschistischen Italien war damit beschritten. Als politisches Sammelbecken grĂŒndete Dollfuß die VaterlĂ€ndische Front, eine Vereinigung der Christlichsozialen mit der Heimwehr, dem Landbund und einigen anderen WehrverbĂ€nden. Es kam zur Verhaftung politischer Gegner. Mit dem 31. MĂ€rz 1933 löste die Regierung den Republikanischen Schutzbund auf. Am 10. Mai 1933 verordnete die Regierung die Aussetzung aller Wahlen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene. Am 26. Mai wurde die Kommunistische Partei Österreichs aufgelöst, am 19. Juni schließlich auch die NSDAP. Die Sozialdemokratie konnte sich lange nicht zum Widerstand gegen diese Politik entschließen; sie war unschlĂŒssig, wie dem undemokratischen Vorgehen Dollfuß' zu begegnen sei. Da die Landtage der neun BundeslĂ€nder weiter funktionsfĂ€hig blieben, schien die Situation noch offen.

Austrofaschismus und Bundesstaat Österreich (1934–1938)

→ Hauptartikel: StĂ€ndestaat (Österreich)

→ Hauptartikel: Österreichischer BĂŒrgerkrieg

In Folge einer Hausdurchsuchung nach Waffen im Hotel Schiff, einem Parteiheim der Sozialdemokraten in Linz, kam es am 12. Februar 1934 zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und Heimwehr bzw. Bundesheer. Diese weiteten sich zu einem BĂŒrgerkrieg aus, den die Regierung als „Februaraufstand“ bezeichnete. Die VorgĂ€nge waren von der sozialdemokratischen Parteileitung in Wien nicht geplant worden; die SpitzenfunktionĂ€re wurden vom Aufstand der Basis ĂŒberrascht. Dementsprechend fanden KĂ€mpfe auch nur sehr punktuell und keineswegs im ganzen Land statt. Man kann diese KĂ€mpfe als Verzweiflungstaten bezeichnen, da sehr bald klar war, dass es nicht zu einem Volksaufstand kommen und daher die Diktatur siegen wĂŒrde.

Insbesondere in Wien und den Industriezentren (Steyr, Obersteiermark, Linz) wurde zwei bis drei Tage lang heftig gekĂ€mpft. Polizei, Bundesheer und die sie unterstĂŒtzenden Heimwehrabteilungen konnten den verzweifelt kĂ€mpfenden Republikanischen Schutzbund relativ leicht niederkĂ€mpfen. Die sozialdemokratische Parteileitung unter Dr. Otto Bauer, Julius Deutsch u.a. flĂŒchtete in die Tschechoslowakei. Der Wiener BĂŒrgermeister Karl Seitz wurde gewaltsam aus dem Rathaus entfernt. Die Sozialdemokratische Partei wurde verboten, ihr Vermögen eingezogen. Einige FebruarkĂ€mpfer, unter ihnen Koloman Wallisch und Karl MĂŒnichreiter, wurden standgerichtlich zum Tod verurteilt und hingerichtet. (Dollfuß wurde daher von der Sozialdemokratie oft als Arbeitermörder bezeichnet.) In die Geschichte ist der BĂŒrgerkrieg als erster bewaffneter Kampf gegen den Faschismus eingegangen. Deshalb lagen die Sympathien etwa in England eindeutig auf Seiten der Verlierer[1].

Nachdem die Mandate der Sozialdemokraten fĂŒr erloschen erklĂ€rt worden waren, wurde der Nationalrat fĂŒr den 30. April 1934 noch einmal einberufen. Von den Abgeordneten der VaterlĂ€ndischen Front wurde dabei beschlossen, die Regierung mit allen Befugnissen auszustatten, die zuvor Nationalrat und Bundesrat oblagen. Am 1. Mai 1934 trat die autoritĂ€re Maiverfassung in Kraft. Wien wurde zur bundesunmittelbaren Stadt erklĂ€rt, die Republik erhielt den Namen Bundesstaat Österreich. Eine wichtige Rolle bei der Konstruktion des StĂ€ndestaates hatte der Einfluss Mussolinis gespielt.

Am 25. Juli 1934 kam es zu einem nationalsozialistischen Putschversuch, dem so genannten Juliputsch. 154 als Soldaten und Polizisten verkleidete österreichische SS-MĂ€nner stĂŒrmten das Bundeskanzleramt, Engelbert Dollfuß wurde angeschossen und verblutete (Ă€rztliche Hilfe wurde nicht zugelassen) Stunden spĂ€ter an den Folgen der Schussverletzungen. Eine zweite Gruppe der Putschisten besetzte die Rundfunkstudios der RAVAG und verbreitete die Falschnachricht, Dollfuß habe die RegierungsgeschĂ€fte Anton Rintelen ĂŒbergeben. Dies war das vereinbarte Zeichen fĂŒr einen nationalsozialistischen Aufstand in ganz Österreich, insbesondere in der Steiermark, der allerdings nach wenigen Tagen von Polizei und Bundesheer niedergeschlagen werden konnte. BundesprĂ€sident Miklas betraute unmittelbar nach dem Mord an Dollfuß den bisherigen Unterrichtsminister Kurt Schuschnigg mit dem Amt des Bundeskanzlers.

UnterstĂŒtzung bekam Schuschnigg von Mussolinis Italien, das Österreich wie auch Ungarn an sich binden wollte und so gegen das Deutsche Reich auszuspielen versuchte. Drohend marschierten italienische Truppen am Brenner auf, worauf Adolf Hitler, der in Österreich geborene Diktator des Deutschen Reiches, jeden Einfluss auf die VorgĂ€nge in Österreich energisch bestritt.

Schuschnigg orientierte sich zwar an der SelbststĂ€ndigkeit eines „freien und deutschen Österreichs”, stieß aber auf wachsenden Widerstand, zumal Italiens Diktator Benito Mussolini zunehmend in AbhĂ€ngigkeit vom Deutschen Reich geriet und daher immer weniger in der Lage war, seine auf die SelbststĂ€ndigkeit Österreichs ausgerichtete Politik aufrechtzuerhalten. Schuschniggs Basis im Volk war schmal: Sozialdemokraten und Nationalsozialisten wirkten im Untergrund gegen sein Regime. Im spĂ€ten 20. Jahrhundert wurde seine Politik als „Konkurrenzfaschismus“ bezeichnet, da er danach strebte, die Nationalsozialisten zu â€žĂŒberhitlern“ und Österreich als den „besseren deutschen Staat“ erscheinen zu lassen.

Die österreichische Diktatur war aber im Vergleich zur deutschen nicht so extrem. Deshalb flĂŒchteten viele KĂŒnstler und Intellektuelle aus dem von Jahr zu Jahr unertrĂ€glicher werdenden Deutschen Reich nach Österreich, wo sie – wie etwa Carl Zuckmayer und Max Reinhardt – bis MĂ€rz 1938 Auftritts- und Arbeitsmöglichkeiten fanden.

1936 wurde die Achse Rom–Berlin geschmiedet. Kurt Schuschnigg war dadurch gezwungen, sich mit Hitler zu arrangieren. Er schloss im Juli 1936 ein Abkommen mit dem Deutschen Reich, in dessen Folge 17.000 österreichische Nationalsozialisten amnestiert wurden. Als Vertrauensleute der Nationalsozialisten wurden Edmund Glaise von Horstenau und Guido Schmidt in das austrofaschistische Regierungskabinett aufgenommen. Weiters wurde ein „Volkspolitisches Referat“ als Teilorganisation der VaterlĂ€ndischen Front geschaffen, mit dem man die illegale nationalsozialistische Opposition in die Partei eingliedern wollte. Zahlreiche zuvor verbotene nationalsozialistische Zeitungen wurden legalisiert. Die alten großdeutschen Ideen gewannen zusehends an Gewicht. Viele Menschen erhofften sich durch den 1918 von ganz Deutschösterreich angestrebten Anschluss – den die Sozialdemokraten nach Hitlers Machtantritt 1933 aus ihrem Programm gestrichen hatten – eine wirtschaftlich bessere Zukunft, da Österreich weiterhin unter hoher Arbeitslosigkeit und einer Wirtschaftskrise litt. So bekamen die – freilich weiterhin illegalen – österreichischen Nationalsozialisten Zulauf und einen grĂ¶ĂŸeren RĂŒckhalt bei den BĂŒrgern.

„Anschluss“ an das Deutsche Reich 1938

→ Hauptartikel: Anschluss (Österreich)

Seit der von der NS-Propaganda als Machtergreifung bezeichneten Betrauung Hitlers mit der Kanzlerschaft am 30. JĂ€nner 1933 durch ReichsprĂ€sident Hindenburg betrieb Hitler mit der NSDAP teils offen, teils verdeckt die Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich (siehe auch Zeit des Nationalsozialismus). Er bezeichnete Österreich als seine Heimat, obwohl er die österreichische StaatsbĂŒrgerschaft abgelegt und die deutsche angenommen hatte.

Der Anschlussgedanke war in Österreich, dessen Einwohner sich damals grĂ¶ĂŸtenteils als Deutsche verstanden, seit 1918 populĂ€r. Deutschösterreich hatte am 12. November 1918 durch sein provisorisches Parlament beschlossen, von diesem Tag an Republik und Bestandteil der deutschen Republik zu sein. Die Sozialdemokraten strichen den Anschlusswunsch 1933 aus ihrem Parteiprogramm, die Christlichsozialen machten sich daran, ihre eigene Spielart der Diktatur einzufĂŒhren (siehe StĂ€ndestaat (Österreich), Austrofaschismus). Man sprach sich nun fĂŒr die SelbststĂ€ndigkeit Österreichs aus und verbot nationalsozialistische Organisationen, wurde aber von Hitler immer mehr unter Druck gesetzt. NS-Gedankengut gewann in Österreich immer mehr BefĂŒrworter; insbesondere der Unterschied zwischen der bald florierenden Konjunktur in Deutschland und der hohen Arbeitslosigkeit in Österreich wurde hervorragende Werbung fĂŒr Hitler.

Der FĂŒhrer und Reichskanzler forderte im Februar 1938 – unter Androhung des Einmarsches der Wehrmacht – die Aufhebung des NSDAP-Verbots und die Beteiligung der österreichischen Nationalsozialisten an der Regierung. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg beugte sich dem Diktat. Wenig spĂ€ter versuchte er aber doch noch, den baldigen Anschluss an Deutschland zu verhindern: mit einer ĂŒberraschend angekĂŒndigten Volksabstimmung fĂŒr ein freies, unabhĂ€ngiges, deutsches und christliches Österreich, angesetzt fĂŒr den 13. MĂ€rz 1938.

Dieser Provokation kam Hitler zuvor: BundesprĂ€sident Miklas wurde durch Drohungen aus Berlin veranlasst, am Abend des 11. MĂ€rz den Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart, seit Februar Innenminister, zum neuen Bundeskanzler zu bestellen. Parallel dazu ĂŒbernahmen NSDAP-AnhĂ€nger in den LandeshauptstĂ€dten die Macht, die ersten GestapofĂŒhrer flogen noch am 11. MĂ€rz nach Wien. Am 12. MĂ€rz ließ Hitler die Wehrmacht in Österreich einmarschieren. Die Soldaten wurden von einem Teil der österreichischen Bevölkerung begeistert empfangen.

Hitler hatte vorerst geplant, in einer Übergangszeit Staatsoberhaupt von Deutschland und Österreich zu sein. Die völlig reibungslose, zum Teil bejubelte MachtĂŒbernahme veranlasste ihn aber noch am 12. MĂ€rz, am 13. MĂ€rz den sofortigen Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zu verkĂŒnden. In Österreich wurde das Anschlussgesetz vom 13. MĂ€rz 1938 von der NS-Bundesregierung beschlossen. Gleichzeitig begannen mit der so genannten wilden Arisierung bereits Terror und Raub an jĂŒdischen Österreichern. Der abgetretene Bundeskanzler Schuschnigg wurde in Schutzhaft genommen, in der er bis 1945 verblieb.

Am 15. MĂ€rz 1938 wurde in vielen Betrieben arbeitsfrei gegeben, damit die Mitarbeiter auf dem Wiener Heldenplatz Hitler zujubeln konnten. WĂ€hrend NS-Gegner bereits in Massen verhaftet wurden und Juden als Untermenschen vom deutschen Herrenvolk nach Belieben schikaniert wurden, erklĂ€rte Hitler den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich. Den Begriff Österreich verwendete er dabei nicht und vermied ihn auch sonst.

Den Anschluss ließ er nachtrĂ€glich, am 10. April, durch eine Volksabstimmung bestĂ€tigen (offizielles Ergebnis: 99,73 % dafĂŒr). Bis dahin waren rund 8 % der Wahlberechtigten bereits von der Wahl ausgeschlossen worden (Juden, „Mischlinge“, verhaftete Gegner der Nationalsozialisten).

Hitler ließ Österreich durch die vom mittelalterlichen marcha orientalis hergeleitete Bezeichnung „Ostmark“ ersetzen, spĂ€ter durch „Donau- und Alpenreichsgaue“, und das vergrĂ¶ĂŸerte Deutsche Reich spĂ€ter als „Großdeutsches Reich“ bezeichnen. Das Ostmarkgesetz vom 1. Mai 1939 bestimmte die komplette Auflösung österreichischer Zentralstellen; sein Vollzug war am 31. MĂ€rz 1940 beendet.

Sieben Reichsgaue (Vorarlberg wurde an Tirol angeschlossen, das Burgenland zwischen den Reichsgauen Niederdonau und Steiermark aufgeteilt), von Berlin direkt regiert, traten die Nachfolge Österreichs an. Wenn Österreicher in dieser Zeit von Deutschland in seinen Grenzen vor dem Anschluss sprachen, nannten sie das Gebiet inoffiziell „Altreich“.

Österreich im Deutschen Reich (1938–1945)

→ Hauptartikel: Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

1938/39 wurde Österreich staatlich, militĂ€risch, wirtschaftlich, kulturell und sozial nach reichsdeutschem Muster neu organisiert. Alle Reichsgaue auf österreichischem Gebiet unterstanden direkt den Berliner Zentralbehörden, der Begriff Österreich verschwand sehr bald aus der offiziellen Kommunikation. Zu Unterscheidungszwecken sprach man vom Altreich und der Ostmark. SpĂ€ter musste der Begriff Donau- und Alpenreichsgaue genĂŒgen.

Diskriminierung, Entrechtung und Beraubung der Einwohner jĂŒdischer Religion, die in Deutschland fĂŒnf Jahre lang Schritt fĂŒr Schritt durchgefĂŒhrt worden waren, wurden in der Ostmark in wenigen Wochen nachgeholt und ĂŒberholt. Private Rache- und RaubgelĂŒste spielten dabei eine große Rolle.

Krieg und NS-Ideologie forderten in Österreich rund 380.000 Todesopfer, davon 247.000 Tote oder fĂŒr tot ErklĂ€rte (dauerhaft Vermisste) in Wehrmacht und Waffen-SS, 65.500 ermordete Juden, 16.000 weitere in Konzentrationslagern Ermordete, davon 8.000 „Zigeuner“, 10.000 in Gestapo-Haft und mehr als 6.000 in GefĂ€ngnissen in vom Deutschen Reich besetzten LĂ€ndern getötete Österreicher, 2.700 als WiderstandskĂ€mpfer zum Tod Verurteilte und etwa 35.000 tote Zivilisten in Folge von Kampfhandlungen und Bombardements. 140.000 jĂŒdische Österreicher konnten flĂŒchten bzw. wurden vertrieben und kehrten grĂ¶ĂŸtenteils nach dem Krieg nicht mehr ins Land zurĂŒck.

Österreicher wie etwa Arthur Seyß-Inquart, Alexander Löhr, Irmfried Eberl, Franz Stangl, Odilo Globocnik, Adolf Eichmann und Ernst Kaltenbrunner waren an Kriegsverbrechen beteiligt; der Anteil der Österreicher in leitenden Positionen des Regimes war ĂŒberproportional. Die von Österreichern begangenen NS-Verbrechen hatten zum Teil auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Zweite Republik.

Aus der NS-Zeit sind noch viele GebĂ€ude erhalten, darunter ganze Stadtteile in Linz, die im Zuge der Errichtung der Hermann-Göring-Werke, der heutigen Voestalpine, und der Stickstoffwerke Ostmark als Unterkunft fĂŒr zehntausende Arbeiter notwendig wurden, und sechs FlaktĂŒrme in Wien. In Linz befinden sich darĂŒber hinaus mit der NibelungenbrĂŒcke samt BrĂŒckenkopfgebĂ€uden besonders markante Zeugnisse nationalsozialistischer BautĂ€tigkeit. Manche Bauwerke aus dieser Zeit stehen heute unter Denkmalschutz, wie etwa das Hitlerzimmer im Wiener Volkstheater.

1938 wurde das Doppellagersystem Mauthausen/Gusen errichtet, welches das KZ Mauthausen und KZ Gusen umfasste. Im Laufe der Jahre wurde diesem Lagersystem ein Netz von Außenstellen angeschlossen, das sich ĂŒber ganz Österreich erstreckte (KZ Loibl, KZ-Nebenlager Klagenfurt-Lendorf, KZ-Nebenlager Bretstein, KZ-Nebenlager Redl-Zipf, KZ-Nebenlager Steyr-MĂŒnichholz, KZ Ebensee, Raxwerke u. a.). Aus ganz Europa wurden in diesen Konzentrationslagern Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen u.a. in der RĂŒstungsproduktion und im Straßenbau eingesetzt. Allein in Mauthausen kamen etwa 100.000 HĂ€ftlinge ums Leben.

In der Moskauer Deklaration erklĂ€rten die Kriegsgegner des Dritten Reiches 1943, nach Kriegsende werde Österreich wieder als eigenstĂ€ndiger, von Deutschland unabhĂ€ngiger Staat errichtet werden. Sie nannten Österreich erstes Opfer der Aggression Hitlers gegen andere Staaten, verwiesen aber auch auf die Mitverantwortung vieler Österreicher fĂŒr die Untaten des Regimes.

Luftangriffe fanden in Österreich erst ab August 1943 statt, da es aufgrund seiner weiten Entfernung von der Front mit den damaligen Flugzeugen schwer zu erreichen war. Der Zweite Weltkrieg war in Wien und Umgebung nach der Schlacht um Wien am 23. April 1945 zu Ende. In anderen Landesteilen marschierten die Alliierten erst Anfang Mai 1945 ein.

Die Zweite Republik (seit 1945)

Österreich unter alliierter Besatzung (1945–1955)

→ Hauptartikel: Besetztes Nachkriegsösterreich

Als am 8. Mai 1945 die Bedingungslose Gesamtkapitulation der Wehrmacht in Kraft trat und der Zweite Weltkrieg in Europa damit sein Ende fand, waren alliierte Truppen bereits weit in die so genannten „Donau- und Alpenreichsgaue“ vorgedrungen. Am 13. April 1945 hatten die sowjetischen Truppen den Kampf um Wien, der rund 19.000 deutsche und 18.000 sowjetische Soldaten das Leben gekostet hatte, fĂŒr sich entschieden. Im spĂ€ten April und Anfang Mai drangen die Westalliierten von Westen her vor.

Bereits am 1. April hatte Karl Renner, der erste Staatskanzler der 1. Republik, Kontakt mit den sowjetischen Truppen aufgenommen, die in das Burgenland vorgedrungen waren. Schon seit 1941 gab es sowjetische PlĂ€ne, nach Kriegsende den Staat Österreich wieder herzustellen. 1943 stellten die Alliierten (USA, Großbritannien, Sowjetunion, wenig spĂ€ter auch das „Französisches Komitee fĂŒr die Nationale Befreiung“) in der Moskauer Deklaration fest, dass sie den Anschluss Österreichs und des Sudetenlandes 1938 an das Deutsche Reich Hitlers fĂŒr null und nichtig ansehen und die Befreiung Österreichs eines ihrer Kriegsziele sei. Zuvor hatte es, vor allem in Großbritannien, auch andere Denkmodelle gegeben, die neben einem eigenen Staat auch einen föderalistischen „Alpenstaat“ mit Bayern oder eine „Donaukonföderation“, Ă€hnlich der ehemaligen Donaumonarchie, beinhalteten.

Renner wurde von den Sowjets mit der Bildung einer provisorischen Staatsregierung beauftragt. UrsprĂŒnglich wollte Renner nur behilflich sein, eine Regierung zu bilden. Von Stalin wurde er aber direkt beauftragt, einer Regierung vorzustehen. Daher stand er bei den West-Alliierten im Verdacht mit den Sowjets zu kollaborieren. In der Folge kam es am 14. April zur GrĂŒndung der SPÖ (aus Sozialdemokraten und „RevolutionĂ€ren Sozialisten“) sowie am 17. April der ÖVP (Christlichsoziale und Landbund) und der KPÖ. Am 27. April 1945 – also noch vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges – wurde die UnabhĂ€ngigkeit Österreichs erklĂ€rt. Am 29. April trat die provisorische österreichische Staatsregierung zusammen (zehn Vertreter der SPÖ, neun ÖVP, sieben KPÖ und drei unabhĂ€ngige). Die Abgeordneten der KPÖ kamen zumeist direkt aus Moskau, wo sie im Exil gelebt hatten. Anfangs war die Regierung nur von der Sowjetunion anerkannt; die USA, Großbritannien und Frankreich folgten aber im Verlauf des Jahres. Ziel der Regierung war die Wiederherstellung der österreichischen Republik auf der Grundlage der Verfassung von 1920 und der Novelle von 1929. Am 25. November 1945 fanden die ersten Nationalratswahlen statt.

Besatzungszonen in Österreich

Als vormaliger Teil des Deutschen Reiches war Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt: Vorarlberg und Tirol gehörten zur französischen Zone, KĂ€rnten, die Steiermark und Osttirol zur britischen, Salzburg und der sĂŒdlich der Donau gelegene Teil Oberösterreichs zur US-amerikanischen und Oberösterreich nördlich der Donau, Niederösterreich und das Burgenland zur sowjetischen Zone. Wien wurde, wie Berlin, in vier Besatzungszonen aufgeteilt, wobei die „Innere Stadt” (der erste Bezirk) von den Alliierten gemeinsam verwaltet wurde.

Die sowjetische Besatzungsmacht demontierte in ihrer Zone Industriekomplexe und vieles, was als „Deutsches Eigentum” deklariert worden war, wurde unter dem Namen USIA beschlagnahmt. In den westlichen Besatzungszonen der USA, Großbritanniens und Frankreichs wurde hingegen der so genannte Marshall-Plan aufgelegt. Um an die finanziellen Mittel zu gelangen war eine WĂ€hrungsreform notwendig. Nicht zuletzt deshalb kam es in der Folge zu den Oktoberstreiks 1950. Wegen der ungleichen Mittelverteilung kam es im Westen des Landes erstmals zu einer eigenstĂ€ndigen Industrieentwicklung.

Mit dem Niedergang und der Auflösung des Deutschen Reiches verbunden war die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus ihren Siedlungsgebieten in Ost- und SĂŒdosteuropa und deren Zuzug auch nach Österreich.

Österreich vom Staatsvertrag bis zum EU-Beitritt (1955–1995)

Außenpolitik

Leopold Figl in seiner Zeit als Landeshauptmann. Er sprach die drei legendĂ€ren Worte „Österreich ist frei“

1955 erhielt die Republik Österreich durch den Staatsvertrag mit den vier BesatzungsmĂ€chten – anders als die BRD und die DDR – ihre volle staatliche SouverĂ€nitĂ€t zurĂŒck. Als Gegenleistung dafĂŒr musste die Zweite Republik ihre „ImmerwĂ€hrende NeutralitĂ€t“ erklĂ€ren und per Verfassungsgesetz festschreiben. Im September 1955 verließen die letzten sowjetischen Soldaten das Staatsgebiet, diejenigen der Westalliierten folgten am 25. Oktober. Am 26. Oktober 1955 beschloss der Nationalrat das NeutralitĂ€tsgesetz. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die österreichische Wirtschaft Ă€hnlich wie die bundesdeutsche, wobei die Wirtschaft in der ehemaligen Sowjetzone einen großen Nachholbedarf gegenĂŒber den westlichen BundeslĂ€ndern hatte und sich dieses Ost-West-GefĂ€lle erst nach Jahrzehnten ausglich (siehe auch Wirtschaftswunder).

Österreich versuchte in seiner NeutralitĂ€tspolitik auch eine BrĂŒckenfunktion zwischen den Blöcken im Kalten Krieg einzunehmen. So kam es am 3. und 4. Juni 1961 in Wien zu einem historischen Gipfeltreffen zwischen Kennedy und Chruschtschow. Unter anderem durch die Beitritte zu den Vereinten Nationen am 14. Dezember 1955 und zum Europarat am 16. April 1956 integrierte sich Österreich schon kurz nach der Wiederherstellung der SouverĂ€nitĂ€t in die internationale Staatengemeinschaft. Durch seine politisch neutrale Position wurde Österreich ein wichtiger Zufluchtsort fĂŒr Beteiligte des Aufstandes in Ungarn (1956) und fĂŒr viele Mitwirkende des Prager FrĂŒhlings (1968). Besonders im Jahr 1956, wo vor allem Ostösterreich noch stark durch die Besatzung in Mitleidenschaft gezogen war, war die humanitĂ€re Hilfe fĂŒr das Nachbarland sehr groß. Ganze Siedlungen wurden fĂŒr FlĂŒchtlinge aus dem Boden gestampft. Obwohl ein großer Teil der FlĂŒchtlinge vor allem von ÜberseelĂ€ndern aufgenommen wurde, blieben doch auch sehr viele in Österreich. Auch das Bundesheer, das erst neu aufgestellt worden war, hatte seine erste BewĂ€hrungsprobe. In beiden FĂ€llen spielte auch der ORF eine große Rolle, die Bevölkerung in den jeweils betroffenen NachbarlĂ€ndern als Staatsrundfunk möglichst neutral zu informieren.

Bundeskanzler Bruno Kreisky, der als einer der ersten westlichen Politiker mit Arafat und Gaddafi GesprĂ€che fĂŒhrte, beteiligte sich an der internationalen Diskussion zur Lösung des Nahostkonflikts. Wien wurde Sitz vieler internationaler Organisationen wie der UNO (Vienna International Centre), der IAEO und der OPEC.

Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regimes in den OstblocklĂ€ndern und dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 (Öffnung der Grenzen zu Westeuropa) verlor das Land seinen speziellen Charakter als neutraler Pufferstaat zwischen den verfeindeten Blöcken. Konsequenterweise trat Österreich daher 1995 der EuropĂ€ischen Union bei, was lange Zeit aufgrund des NeutralitĂ€tsgesetzes fĂŒr undenkbar galt, und unterzeichnete in der Folge auch das Schengener Abkommen zur Grenzöffnung. Dadurch wurden die Grenzkontrolle nun auch fĂŒr den Personenverkehr abgeschafft, zuerst an Österreichs Grenzen zu Deutschland und Italien (1. Dezember 1997), 10 Jahre spĂ€ter auch an der Grenze zu den NachbarlĂ€ndern Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien (21. Dezember 2007).

Innenpolitik

Die Innenpolitik war vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren stark von den Folgen des österreichischen BĂŒrgerkrieges geprĂ€gt. So wurde auf eine gleichmĂ€ĂŸige Machtverteilung zwischen ÖVP und SPÖ geachtet („Proporz“). Nachdem 1965 der von der SPÖ ausgeschlossene Innenminister Franz Olah eine eigene Partei (DFP) grĂŒndete und bei der Nationalratswahl 1966 antrat, dort rund 3 Prozent der Stimmen gewann, die hauptsĂ€chlich von der SPÖ kamen, war der Weg fĂŒr eine ÖVP Alleinregierung (Bundeskanzler Josef Klaus) frei.

1970 gewann die SPÖ unter Bruno Kreisky die Nationalratswahl und bildete mit Duldung der FPÖ eine Minderheitsregierung. Mit der vorgezogenen Wahl 1971 erlangte die SPÖ die absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit. In 13 Jahren Alleinregierung und in den Koalitionen danach konnte die SPÖ ihre Konzepte und Ideen weitgehend verwirklichen und Österreich zu einem sozialen, modernen und wirtschaftlich leistungsstarken Staat ausbauen. Bundeskanzler Kreisky wurde in der Aufbruchsphase der 1970er Jahre fĂŒr eine ganze Generation zum Symbol der Modernisierung und Weltoffenheit. So schuf er mithilfe der absoluten SPÖ-Mehrheit im Nationalrat einen modernen Sozialstaat. Er bekĂ€mpfte gleichzeitig die Arbeitslosigkeit, so blieb Österreich in den 1970er Jahren das einzige OECD-Land mit durchgehend positivem Wirtschaftswachstum. 1976 kam es zur Bindung des Schillings an die D-Mark, nachdem der Dollarkurs eingebrochen war.

Weiters wurden wichtige gesellschaftliche Modernisierungsschritte vorgenommen, z. B. EinfĂŒhrung der Fristenlösung, Abschaffung der StudiengebĂŒhren, EinfĂŒhrung eines Umwelt- und Gesundheitsministeriums, Schaffung der Volksanwaltschaft, Verringerung der Wochenarbeitszeit (40-Stunden-Woche), mehr Mindesturlaub, EinfĂŒhrung des Zivildienstes, die rechtliche Gleichstellung der Frau in der Ehe, der Mutter-Kind-Pass, Mitbestimmung an Schulen und UniversitĂ€ten. Des Weiteren vertrat Kreisky eine sehr liberale Einwanderungspolitik, Österreich diente vielen jĂŒdischen Auswanderern aus der Sowjetunion als Durchgangsstation. Das österreichische Strafrecht wurde modernisiert (Christian Broda).

1978 sorgte die Volksabstimmung ĂŒber das Kernkraftwerk Zwentendorf (die Inbetriebnahme wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt) fĂŒr Aufregung, trotzdem erhielt die SPÖ mit Kreisky 1979 wieder die absolute Mehrheit. Die Stimmenverluste 1983 – die SPÖ hatte die absolute Mehrheit verloren – hatten zur Folge, dass Bundeskanzler Kreisky zurĂŒcktrat. Die RegierungsgeschĂ€fte ĂŒbernahm Fred Sinowatz. Es wurde eine „rot-blaue“ (kleine) Koalition (SPÖ/FPÖ) mit Norbert Steger als Vizekanzler geschlossen. Diese fand 1986 nach der Wahl Jörg Haiders zum Parteiobmann der FPÖ ein jĂ€hes Ende, da der neue SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky eine Koalition mit Haider kategorisch ablehnte. In den folgenden Jahren vertrat die FPÖ offensiv eine rechtspopulistische Politik. Dies hatte neben einem enormen Stimmenzuwachs (von ca. 5 % im Jahr 1983 auf 27 % 1999) 1993 den Bruch mit dem liberalen FlĂŒgel der Partei zur Folge: Es entstand als Abspaltung das Liberale Forum (LIF), das bis 1999 im Nationalrat vertreten war. In den Folgejahren wurden einige Sozialleistungen und Steuern wieder abgeschafft, das Budget unter Finanzminister Ferdinand Lacina (SPÖ) teilweise saniert und die AuslĂ€ndergesetze unter Innenminister Franz Löschnak (SPÖ) schrittweise deutlich verschĂ€rft.

Eines der wichtigsten österreichischen Themen der 1990er-Jahre waren die jugoslawischen BĂŒrgerkriege. Aufsehen erregten vor allem Schießereien zwischen jugoslawischen Truppen und der slowenischen Territorialverteidigung an der österreichischen Grenze 1991 sowie mehrere GrenzĂŒberschreitungen der jugoslawischen Luftwaffe auf österreichischen Luftraum. Die folgenden Kriege in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und im Kosovo fĂŒhrten dazu, dass viele Menschen aus diesen LĂ€ndern als FlĂŒchtlinge nach Österreich kamen. Österreicher leisteten auch mit Spendenaktionen wie „Nachbar in Not“ und mit Aufbauprojekten wĂ€hrend und nach dem Krieg Hilfe.

Ein Aufsehen erregender, rechtsextrem motivierter Kriminalfall erschĂŒtterte Österreich fĂŒr mehrere Jahre: Es waren die AnschlĂ€ge von Franz Fuchs und seiner „Bajuwarischen Befreiungsarmee“. Er fĂŒhrte drei Briefbombenserien durch und legte auch mehrere Rohrbomben, bei denen mehrere Menschen ums Leben kamen: Beim Anschlag von Oberwart starben vier Roma. Das prominenteste Opfer war Helmut Zilk, der BĂŒrgermeister von Wien, der durch eine Briefbombe schwer verletzt wurde.

Nationale IdentitÀt

→ Hauptartikel: Österreichische Nation

Als Folge der jĂŒngeren Geschichte, der Erfahrungen nach dem „Anschluss”, der Verbrechen der Nationalsozialisten und der vollstĂ€ndigen Niederlage des Hitlerreiches im Zweiten Weltkrieg, wandelte sich auch das VerstĂ€ndnis der staatlichen IdentitĂ€t. War das SelbstverstĂ€ndnis und das VerhĂ€ltnis zum Staat in der Ersten Republik noch in weiten Teilen durch deutschnationale Gedanken geprĂ€gt, trat dieser Gedanke nun zunehmend in den Hintergrund. Dieses österreichische Nationalbewusstsein, das sich auch mit einer Abgrenzung zur neuen Bundesrepublik Deutschland verband, hatte allerdings auch zur Folge, dass sich viele Österreicher, „NormalbĂŒrger“ wie Politiker, jetzt als erstes Opfer des Nationalsozialismus sehen wollten (auch als „Opfermythos” bezeichnet), obwohl Hitler unter dem Jubel und mit Zustimmung weiter Teile der Bevölkerung den „Anschluss“ herbeigefĂŒhrt hatte. Die Beteiligung an den Verbrechen des Dritten Reiches wurde auch deshalb lange Zeit kaum aufgearbeitet. Dieser „blinde Fleck” im Geschichtsbewusstsein fand im BundesprĂ€sidentschaftswahlkampf 1986 besonderen Ausdruck, als Kurt Waldheim seine SA-Mitgliedschaft bzw. seine Rolle in der Wehrmacht verschwieg. Trotz weltweiter Empörung gewann er die PrĂ€sidentenwahl im zweiten Wahlgang. Erst unter der Regierung von Bundeskanzler Franz Vranitzky kam es zu einem ausdrĂŒcklichen Bekenntnis zur Mitverantwortung der Österreicher an den Verbrechen des Nationalsozialismus.

Österreich in der EuropĂ€ischen Union (seit 1995)

Außenpolitik

Design der Euro-Banknoten von dem Österreicher Robert Kalina
EU-Beitritt 1995 gleichzeitig mit Finnland und Schweden

Auf die Bildung einer Koalition der bĂŒrgerlich-konservativen ÖVP mit der rechtspopulistischen FPÖ am 4. Februar 2000 reagierten die ĂŒbrigen 14 EU-Staaten mit so genannten „Sanktionen“ (einem symbolischen Einfrieren diplomatischer Beziehungen). Insbesondere die französische und belgische Regierung erklĂ€rten diese Maßnahmen als Zeichen gegen den Rechtspopulismus in Europa. Die Sanktionen wurden aufgrund des „Weisenberichts“ wieder aufgehoben, da schnell klar war, dass BĂŒrgerrechte in Österreich durch die neue Regierung nicht eingeschrĂ€nkt wĂŒrden. Der Versuch, aus dem Ausland politischen Druck auf Österreich auszuĂŒben, hatte die ÖVP-FPÖ-Regierung eher gestĂ€rkt, als geschwĂ€cht, da diese innenpolitisch patriotische GefĂŒhle ansprechen konnte.

Am 1. JĂ€nner 1999 wird in Österreich die neue EU-WĂ€hrung Euro als Buchgeld eingefĂŒhrt, ab 1. JĂ€nner 2002 löst der Euro auch als Zahlungsmittel die SchillingwĂ€hrung ab. Österreich unterstĂŒtzt die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der EU. Das Parlament ratifiziert 2006 die spĂ€ter am Nein Frankreichs und der Niederlande gescheiterte EU-Verfassung. 2008 beteiligt sich Österreich an einer militĂ€rischen EU-Mission im Tschad.

Die aktive politische Mitarbeit Österreichs in der EU steht in Kontrast zur Akzeptanz der EU in der Bevölkerung, die mit der der Briten unter den 27 EU-Mitgliedstaaten am geringsten ist, obwohl 1994 zwei Drittel des Volkes fĂŒr den EU-Beitritt gestimmt haben. (Die „ferne“ EU dient auch vielen Politikern als SĂŒndenbock fĂŒr eigene VersĂ€umnisse.)

2008 erkannte Österreich den neuen Staat Kosovo sehr rasch an.

Innenpolitik

Nachdem die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP bei der Nationalratswahl am 3. Oktober 1999 schwere Verluste hinnehmen mussten – die ÖVP fiel in der Stimmenzahl knapp hinter die FPÖ zurĂŒck – und langwierige KoalitionsgesprĂ€che im JĂ€nner 2000 endgĂŒltig gescheitert waren, kam es nach 13 Jahren großer Koalition (1987-2000) gegen den Willen von BundesprĂ€sident Thomas Klestil zu einem Regierungswechsel. Es begann die ÖVP-FPÖ-Koalition unter Bundeskanzler Wolfgang SchĂŒssel, auf die – wegen der FPÖ-Regierungsbeteiligung – große Teile der österreichischen Bevölkerung mit Empörung reagierten und gegen die es auch eine Zeit lang regelmĂ€ĂŸige Demonstrationen (die „Donnerstagsdemonstrationen“) gab.

Ein innerparteilicher Bruch in der FPÖ (Knittelfelder FPÖ-Versammlung 2002) fĂŒhrte zum RĂŒcktritt eines Großteils der FPÖ-Regierungsmitglieder und in Folge zu Neuwahlen im Jahr 2002. Bei diesen konnte die ÖVP ihren Stimmenanteil von 26,9 % auf 42,3 % steigern und wurde somit erstmals seit 1966 wieder stimmenstĂ€rkste Partei, wĂ€hrend die FPÖ von vormals 26,9 % Stimmenanteil auf nunmehr 10,0 % abrutschte (SPÖ: 36,5 %, GrĂŒne: 9,5 %). Erneut kam es zur Bildung einer „schwarz-blauen“ Koalition, allerdings diesmal mit einer weitaus schwĂ€cheren FPÖ. Unter dieser Koalition wurde der Liberalisierungs- und Sparkurs, der bereits von der SPÖ/ÖVP-Koalition begonnen wurde, fortgefĂŒhrt.

Im April 2005 kam es durch ein erneutes ZerwĂŒrfnis innerhalb der FPÖ zu einer Änderung der Parteienlandschaft: die bisherigen Regierungsmitglieder und ein Großteil der Parlamentarier der FPÖ traten aus der Partei aus und einem vom KĂ€rntner Landeshauptmann Jörg Haider neu gegrĂŒndeten „BĂŒndnis Zukunft Österreich“ (BZÖ) bei. Die Regierungsarbeit wurde in einer „schwarz-orangen“ Koalition fortgesetzt.

Nach der Nationalratswahl am 1. Oktober 2006, in der die SPÖ eine relative Mehrheit erreichte, wurde im JĂ€nner 2007 eine Große Koalition unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) gebildet. Diese Regierung hielt aber nicht zuletzt aufgrund des wechselseitigen Misstrauens nur etwa anderthalb Jahre. Aus den Neuwahlen am 28. September 2008 ging die SPÖ trotz krĂ€ftiger Verluste als stimmenstĂ€rkste Partei hervor. Die ÖVP verlor massiv, FPÖ und BZÖ erzielten starke Gewinne, die GrĂŒnen stagnierten. BundesprĂ€sident Heinz Fischer erteilte dem neuen Bundesparteivorsitzenden der SPÖ Werner Faymann den Regierungsauftrag. Am 23. November 2008 erklĂ€rten Werner Faymann und der neue geschĂ€ftsfĂŒhrender Bundesparteivorsitzende der ÖVP, Josef Pröll, dass sie sich auf eine erneute Große Koalition mit Werner Faymann als Bundeskanzler geeinigt haben.[2]

Siehe auch

    Die Jahre 1918 bis 1920 sind in verfassungsrechtlicher Hinsicht
    eine bedeutende ZÀsur: Die konstitutionelle Monarchie
    Österreich-Ungarn wird zur Republik "Österreich".

Einzelnachweise

  1. ↑ siehe John Gunter: The Lost City; deutsch: Die verlorene Stadt, Molden, Wien
  2. ↑ NZZ: SPÖ und ÖVP einigen sich auf grosse Koalition in Österreich - Werner Faymann wird neuer Bundeskanzler, 23. November 2008

Literatur

  • Richard und Maria Bamberger, Ernst BruckmĂŒller, Karl Gutkas (Hrsg.): Österreich-Lexikon. Wien: Verlagsgemeinschaft Österreich-Lexikon, 2004, ISBN 3-85498-385-9
  • Peter Berger: Kurze Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert, Wien: Facultas UniversitĂ€tsverlag, 2. verb. Auflage 2008, ISBN 3708903544
  • Ernst BruckmĂŒller: Sozialgeschichte Österreichs. - Wien : Verl. fĂŒr Geschichte und Politik, 2. Aufl. 2001, ISBN 3-7028-0361-0
  • Walter Kleindel (Hrg.): Die Chronik Österreichs. Bertelsmann Lexikon Institut, 4., erg. u. aktualis. A. 1999
  • Stefan Karner, Lorenz Mikoletzky (Hrsg.): Österreich. 90 Jahre Republik. Beitragsband der Ausstellung im Parlament. Innsbruck 2008, ISBN 978-3-7065-4664-5
  • Helmut Konrad, Wolfgang Maderthaner (Hrsg.): "Das Werden der Ersten Republik. ...der Rest ist Österreich". Wien 2008, ISBN 978-3-9502631-0-7
  • Manfred Scheuch: Österreich im 20. Jahrhundert (Von der Monarchie zur Zweiten Republik). Wien: Verlag Christian BrandstĂ€tter, 2000, ISBN 3-85498-029-9.
  • Stephan Vajda: Felix Austria (Eine Geschichte Österreichs). Wien [u.a.] : Ueberreuter, 1980
  • Karl Vocelka: Geschichte Österreichs (Kultur – Gesellschaft – Politik). Verlag Styria, Graz/Wien/Köln 2002, ISBN 3-453-21622-9.
  • Herwig Wolfram (Hrsg.): Österreichische Geschichte. Wien 1994 ff.:
    • Bis 15 v. Chr.: Otto H. Urban: Der lange Weg zur Geschichte. Die Urgeschichte Österreichs. Wien 2000.
    • 15 v. Chr.–378 n. Chr.: Verena Gassner, Sonja Jilek, Sabine LadstĂ€tter: Am Rande des Reiches. Die Römer in Österreich. Wien 2002.
    • 378–907: Herwig Wolfram: Grenzen und RĂ€ume. Geschichte Österreichs vor seiner Entstehung. Wien 1995.
    • 907–1156: Karl Brunner: HerzogtĂŒmer und Marken. Vom Ungarnsturm bis ins 12. Jahrhundert. Wien 1994.
    • 1122–1278: Heinz Dopsch, Karl Brunner, Maximilian Weltin: Die LĂ€nder und das Reich. Der Ostalpenraum im Mittelalter. Wien 1999.
    • 1278–1411: Alois NiederstĂ€tter: Die Herrschaft Österreich. FĂŒrst und Land im SpĂ€tmittelalter. Wien 2001.
    • 1400–1522: Alois NiederstĂ€tter: Das Jahrhundert der Mitte. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit. Wien 1996.
    • 1522–1699: Thomas Winkelbauer: StĂ€ndefreiheit und FĂŒrstenmacht. LĂ€nder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter. 2 TeilbĂ€nde, Wien 2003.
    • 1699–1815: Karl Vocelka: Glanz und Untergang der höfischen Welt. ReprĂ€sentation, Reform und Reaktion im habsburgischen Vielvölkerstaat. Wien 2001.
    • 1804–1914: Helmut Rumpler: Eine Chance fĂŒr Mitteleuropa. BĂŒrgerliche Emanzipation und Staatsverfall in der Habsburgermonarchie. Wien 1997.
    • 1890–1990: Ernst Hanisch: Der lange Schatten des Staates. Österreichische Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert. Wien 1994.
    • Roman Sandgruber: Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Wien 1995.
    • Rudolf Leeb, Maximilian Liebmann, Georg Scheibelreiter, Peter Tropper: Geschichte des Christentums in Österreich. Von der SpĂ€tantike bis zur Gegenwart. Wien 2003.
    • Eveline Brugger; Martha Keil; Albert Lichtblau; Christoph Lind; Barbara Staudinger: Geschichte der Juden in Österreich, Wien 2006.
  • Erich Zöllner: Geschichte Österreichs. Von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart. Wien: Verlag fĂŒr Geschichte und Politik, 7. Auflage 1984, ISBN 3-7028-0222-3.

Weblinks


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