FRONT (Diskothek)

Das FRONT ist der Name einer ehemaligen populären House- und Schwulendiskothek in Hamburg,

Kellertreppe zum Club, 2008 residiert hier das „Shake“

Inhaltsverzeichnis

Location

Die Kellerräume des Kontorhaus Leder-Schüler am Heidenkampsweg im Stadtteil Hammerbrook waren schon seit den 1960er Jahren Herberge für ungewöhnliche Clubs. 1962 eröffnete Danny's Pan von Dany Marino, dem „Botschafter des französischen Chansons“ in Hamburg. Die Location wurde zum Mekka der Hamburger Folklore-Bewegung. Dany sang Georges Brassens auf Deutsch, er war Vorbild und Lehrer für viele junge Musiker, die bei ihm auftraten. Unter ihnen: Reinhard Mey, Klaus Hoffmann, Hannes Wader. Auch Mike Krüger und Otto Waalkes feierten im „Danny's Pan“ ihre ersten Erfolge.

Geschichte und Alltagskultur

Eröffnet wurde der Club im Jahr 1983 von Willi Prange (1949-2006), der Ende 2006 freiwillig aus dem Leben trat und seinem Lebensgefährten Phillip Clarke (verstarb 2003 an Krebs). Das FRONT existierte bis zum 15. Februar 1997. In den darauf folgenden vier Jahren gab es jeweils eine offizielle Revival-Party, ausgerichtet von der Original Crew, welche orgiastisch abgefeiert wurden. Davon existieren komplette Live-Mitschnitte auf MiniDisc (MD).

Das Publikum hatte einen bemerkenswert hohen Anteil an Homosexuellen, die den Club als ihren Treffpunkt ansahen. Samstags und mittwochs war das Publikum „gemischt“ (Männer und Frauen), freitags hieß es dagegen „Men Only“. Es gab seither eine starke Verbindung zu der Hamburger Homosexuellenszene sowie ein freundschaftliches Verhältnis mit der mittlerweile geschlossenen Lesbendisko „Camelot“ am Hamburger Berg in St. Pauli. Die Hamburger Aids-Benefiz-Veranstaltung red, hot & dance hat seine Wurzeln ebenfalls in der Community um die Diskothek FRONT und wurde von Willi Prange und seinem Vertrauten Lutz Kretschmann-Johannsen maßgeblich vorangetrieben [1].

Der Club war sehr minimalistisch eingerichtet, innen hellgrau lackiert, es gab eine kleine Bar, eine Garderobe hinter Gitter und Maschendraht, eine Videowand aus ca. 5 x 6 Monitoren - auf denen schwule Pornos liefen - sowie eine bemerkenswerte, von außen mit Edelstahl verkleidete DJ-Kabine mit verdunkeltem Plexiglas, welche nur den Blick hinaus auf die Tanzfläche zuließ.

Die Quadrophonie-Musikanlage bestand aus zwei Plattenspielern, die sonst in fast keinem Tanztempel zuhause waren. Mit dem THORENS TD524, einem riesigen Discotech-Laufwerk, gelangen Pitch-Variationen von bis zu 25 %. So konnten zwischen den Geschwindigkeiten 33,33 und 45 RPM fließende Geschwindigkeitsübergänge realisiert werden. Den dagegen schmächtigwirkenden und nach Plastik aussehenden Technics 1210 MK II gab es nur als Beiwerk, als dritten Plattenspieler in der DJ-Kanzel. Mischpult war ein Stanton Silver Shadow II und vier hart aufgehängte mittenbetonte Lautsprecher unter der Decke, zentriert zur Tanzfläche. Die Innendeko/-einrichtung lässt sich einfach zusammenfassen: Die Wände waren grau lackiert, teilweise auch blanker Putz, Stahl und Edelstahl dominierte das Interieur. Auch die Lichtanlage war gleichermaßen spartanisch, aber effektvoll! Herausragend war die als Lauflicht angeordneten farbigen Neonleuchten, welche unterstützend zur Musik mehrmals am Abend binnen Minuten die Spannungskurve nach oben trieben. Schließlich noch die Danger-Leuchte, die zum Höhepunkt flackerte, während sich die aufgeladene Spannung dann in einem kollektivem Geschrei aus unzähligen Kehlen entlud. Hier stand die Wiege des „Schreiens auf der Tanzfläche“. Nicht zu vergessen die Toiletten, welche regelmäßig als Tratsch- und Aufenthaltsraum genutzt wurden, wobei die Geschlechtertrennung konsequent von allen Gästen ignoriert wurde.

DJs und Musik

Im Front gab es als erste Location House-Musik in Deutschland. Auch andere musikalische Trends wie z. B. Acid House wurden hier geprägt. Die Diskothek beherbergte bis Mitte der 1990er Jahre die musikalische Avantgarde der Metropolregion. Erster stilprägender DJ des Clubs war der spätere Stylist und Moderedakteur Klaus Stockhausen. 1986 startete im FRONT Stockhausens „Eleve“ DJ Boris Dlugosch seine spätere internationale Karriere. Weitere DJs, die im Front als „Resident DJ“ aufgelegt haben, sind Michael Braune und Michael Lange. Als Gast-DJ wirkte ebenfalls Sören Schnakenberg aka DJ Stereo-Jack, welcher auch im neuen Jahrtausend einige Revival-Nächte ausgerichtet hat. Der musikalische Stil des Front hat über Jahre die House-Musikszene Continentaleuropas geprägt. Nahezu die gesamte Prominenz der Housemusik-Kultur hat über die Jahre im Front aufgelegt. Dazu gehören Stars wie Frankie Knuckles, aber z. B. auch Masters at Work. Das Front ist maßgeblich am Erfolg amerikanischer House-Plattenlabels, wie z. B. Strictly Rhythm oder Nu Groove auf dem deutschen Markt beteiligt.

Im Front selbst wurde fast ausschließlich House, insbesondere in seinen Deep- und Garage-Spielarten gespielt. Gelegentlich fanden hochgepitchte Diskoklassiker den Weg auf den Plattenteller. Auch Detroit, Chicago und Acid House gehörten zu ihrer jeweiligen Hochzeit zum Programm.

Quellen

  1. http://www.lutz-kretschmann.de/bigspender.htm

53.55083333333310.0258333333337Koordinaten: 53° 33′ 3″ N, 10° 1′ 33″ O


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