Aktiengesellschaft (Deutschland)

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Aktiengesellschaft (Deutschland)

Die Aktiengesellschaft (AG) nach deutschem Recht ist neben der GmbH und der KGaA eine von drei Formen der Kapitalgesellschaft. Die rechtlichen Grundlagen finden sich im Aktiengesetz (AktG).

Inhaltsverzeichnis

Gr√ľndung

An der Gr√ľndung einer AG m√ľssen sich eine oder mehrere Personen beteiligen, die die Aktien gegen Einlagen √ľbernehmen (¬ß 2 AktG). Die fr√ľhere Untergrenze von f√ľnf Gr√ľndern wurde im Jahr 1994 aufgehoben. Der Gesellschaftsvertrag ‚Äď die Satzung ‚Äď muss notariell beurkundet werden.

Die Gr√ľndung erfolgt in drei Phasen: die Vorgr√ľndungsgesellschaft (auch als sog. Vorgr√ľndungskonsortium bezeichnet), die Vorgesellschaft (Vor-AG oder AG in Gr√ľndung) und schlie√ülich die AG. Die Vorgr√ľndungsgesellschaft besteht bis zur notariellen Beurkundung des Gesellschaftsvertrags (Feststellung der Satzung) und ist in der Regel eine Gesellschaft b√ľrgerlichen Rechts; ihre Annahme setzt voraus, dass es mindestens zwei Gr√ľnder gibt, bei nur einem Gr√ľnder entf√§llt dieses Stadium. Zwischen der notariellen Feststellung der Satzung und der Eintragung der AG in das Handelsregister existiert ‚Äď auch bei nur einem Gr√ľnder ‚Äď eine Vorgesellschaft. Nach heutiger Ansicht ist auf diese Vorgesellschaften das Recht der Aktiengesellschaften anzuwenden, mit Ausnahme jener Vorschriften, die die Rechtsf√§higkeit voraussetzen. Nach Eintragung ist die AG entstanden und damit als solche rechtsf√§hig.

Grundkapital

Das gezeichnete Kapital einer AG nennt man Grundkapital. Das Grundkapital einer AG betr√§gt in Deutschland mindestens 50.000 Euro und ist in Aktien zerlegt. Es wird durch √úbernahme der Aktien durch den oder die Gr√ľnder aufgebracht. Es gibt Nennbetragsaktien und St√ľckaktien. Nennbetragsaktien lauten auf einen bestimmten Nennbetrag. Der Mindestnennbetrag einer Aktie liegt bei einem Euro. H√∂here Nennbetr√§ge m√ľssen auf volle Euro lauten. Bei den St√ľckaktien wird ein prozentualer Anteil des Grundkapitals des Unternehmens angegeben. Hierbei wird jedoch keine Quote auf der Aktie vermerkt, da diese sich bei einer Kapitalerh√∂hung (z. B. durch Ausgabe weiterer Aktien) oder ‚Äďherabsetzung √§ndern kann.

Gr√ľndungsbericht und Gr√ľndungspr√ľfung

Die Gr√ľndung der Aktiengesellschaft ist vom Vorstand, dem Aufsichtsrat und in bestimmten F√§llen (z.B. bei Sachgr√ľndungen oder wenn Gr√ľnder zugleich Vorstands‚Äď oder Aufsichtsratsmitglieder sind, ¬ß 33 Abs. 2 AktG) von einem fachkundigen Dritten (z.B. Wirtschaftspr√ľfer oder Steuerberater), zu pr√ľfen. Die Gr√ľndungspr√ľfer werden vom Gericht nach Anh√∂rung der Industrie- und Handelskammer bestellt und verpflichtet, einen Pr√ľfungsbericht aufzustellen. Bei der Bargr√ľndung (also insbesondere im Falle der Personengleichheit von Gr√ľnder und Vorstand/Aufsichtsrat) kann die Gr√ľndungspr√ľfung auch durch den Notar durchgef√ľhrt werden, der die Gr√ľndung beurkundet hat.

Anmeldung zum Handelsregister

Die gegr√ľndete Gesellschaft ist von allen Gr√ľndern, dem ersten Vorstand und dem ersten Aufsichtsrat zum Handelsregister anzumelden (¬ß 36 Abs. 1 AktG). Erst durch die Eintragung in das Handelsregister wird die AG zur juristischen Person. Die Eintragung hat bei der AG konstitutiven (= rechtserzeugenden, rechtsbegr√ľndenden) Charakter (¬ß 39 Abs. 1 AktG). Da die AG eine Kapitalgesellschaft ist, wird sie in Abteilung B des Handelsregisters eingetragen.

Haftung der Gr√ľndungsmitglieder vor Eintragung

F√ľr Forderungen, die vor Errichtung der Gesellschaft nach ¬ß 29 AktG entstanden sind, m√ľssen die Gr√ľnder im Au√üenverh√§ltnis gegen√ľber den Gl√§ubigern pers√∂nlich als Gesamtschuldner nach dem f√ľr die Rechtsnatur der Vorgr√ľndungsgesellschaft einschl√§gigen Recht einstehen. F√ľr die Vorgesellschaft, d.h. f√ľr die Phase zwischen Errichtung und Eintragung in das Handelsregister ergibt sich gem. ¬ß 41 Abs. 1 AktG ebenfalls eine gesamtschuldnerische Haftung, und zwar derjenigen, die f√ľr die Gesellschaft handeln (Handelndenhaftung). Ist die ‚Äď noch nicht im Handelsregister eingetragene ‚Äď Vorgesellschaft gesch√§ftlich t√§tig, haftet sie mit ihrem Grundkapital, soweit dieses bereits gebildet ist. Als Ausgleich f√ľr die noch nicht abgeschlossene Eigenkapitalbildung sind nach herrschender Meinung dar√ľber hinaus die Gr√ľnder, soweit die Verbindlichkeiten der Vor-AG nicht aus dem bereits eingezahlten Grundkapital berichtigt werden k√∂nnen, anteilig der durch sie √ľbernommenen Aktien der Gesellschaft gegen√ľber zum Ausgleich verpflichtet (√§hnlich einer Nachschusspflicht). Die Gl√§ubiger k√∂nnen die Forderungen der Vor-AG gegen ihre Gr√ľnder pf√§nden lassen und einziehen oder sich zum Nennwert √ľberweisen lassen. Eine andere Meinung will die Gr√ľnder direkt gegen√ľber den Gl√§ubigern in der H√∂he haften lassen, in der ihre Verpflichtung, ihre Stammeinlage zu leisten, noch besteht. Liegt zum Zeitpunkt der Eintragung in das Handelsregister das Nettoverm√∂gen der Gesellschaft unter der Kapitalziffer (Unterbilanz), bleiben die Gesellschafter in H√∂he der Unterbilanz der AG materiell verantwortlich.

Organe

Die Aktiengesellschaft hat drei Organe: Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung.

Hauptversammlung (beschließendes Organ)

Die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft besteht aus allen Aktionären.

Die Stellung der Hauptversammlung ist seit dem AktG 1937[1], anders als die Mitgliederversammlungen anderer Vereine und Kapitalgesellschaften wie der GmbH, schwach. Die Hauptversammlung kann dem Vorstand, der zur Gesch√§ftsf√ľhrung befugt ist, in Angelegenheiten der Gesch√§ftsf√ľhrung keine Weisungen erteilen (anders noch ¬ß 235 Abs. 1 HGB a.F. von 1900). √úber Fragen der Gesch√§ftsf√ľhrung kann die Hauptversammlung nur entscheiden, wenn der Vorstand es verlangt (¬ß 119 Abs. 2 AktG).

Die der Hauptversammlung heute zustehenden Rechte sind:

  1. Entscheidung √ľber Satzungs√§nderungen (Grundlagengesch√§ft), insbesondere √ľber Kapitalma√ünahmen (Kapitalerh√∂hungen, bedingtes Kapital, Kapitalherabsetzung usw.);
  2. Bestellung und Abberufung der Mitglieder des Aufsichtsrates (der seinerseits den Vorstand bestellt)
  3. Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrats;
  4. nur sofern Vorstand und Aufsichtsrat dies beschlie√üen: Feststellung des Jahresabschlusses; ansonsten nimmt die Hauptversammlung den von Vorstand und Aufsichtsrat festgestellten Jahresabschluss nur entgegen (¬ß 172, ¬ß 173 AktG);
  5. Verwendung des Bilanzgewinns;
  6. Bestellung von Abschlusspr√ľfern, Pr√ľfern f√ľr Gr√ľndungsvorg√§nge und die Gesch√§ftsf√ľhrung des Vorstands;
  7. Bestellung von Sonderpr√ľfern (¬ß 142 AktG)
  8. √úbertragung des gesamten Gesellschaftsverm√∂gens (¬ß 179a AktG);
  9. sonstige Gesch√§ftsf√ľhrungsma√ünahmen, die an die Kernkompetenz der Hauptversammlung, √ľber die Geschicke der Gesellschaft zu entscheiden, r√ľhren, und in ihrer Wirkung an die einer Satzungs√§nderung heranreichen[2];
  10. Auflösung der Gesellschaft.

Im Grundsatz wird das Stimmrecht in der Hauptversammlung nach Aktiennennbetr√§gen und bei St√ľckaktien nach deren Zahl ausge√ľbt (¬ß 134 Abs. 1 S. 1 AktG), wobei die Satzung nach S.2 auch eine andere Regelung vorsehen kann.

Mehrfachstimmrecht ist das durch die Satzung begr√ľndete Sonderrecht eines Gesellschafters, mehr Stimmen abzugeben, als es seiner Beteiligung entspricht. Ein Aktion√§r hat dann in Bezug auf die Kapitalbeteiligung ein √ľberdurchschnittlich hohes Stimmrecht. Mehrfachstimmrechte wurden vor allem von 1920 bis 1923, in einer Zeit hoher Inflation, zum Schutz vor sogenannter √úberfremdung ausgegeben. Seit 1998 sind sie in Deutschland durch das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich unzul√§ssig. Bestehende Mehrfachstimmrechte entfallen innerhalb einer √úbergangsfrist von f√ľnf Jahren gegen einen angemessenen Ausgleich ihres Wertes. Die f√ľr die Wirtschaft zust√§ndige oberste Beh√∂rde eines Landes kann jedoch Mehrfachstimmrechte gew√§hren, wenn diese zur Wahrung √ľberwiegender gesamtwirtschaftlicher Belange erforderlich sind. Bestimmungen zu Mehrfachstimmrechten sind in ¬ß 12 Abs. 2 S. 1 AktG geregelt. Die durch das VW-Gesetz geregelte Begrenzung des Stimmrechts auf 20 %, gemeinsam mit dem gesetzlichen Recht des Bundes und des Landes Niedersachsen, je zwei Vertreter in den Aufsichtsrat zu entsenden, die der √∂ffentlichen Hand ebenfalls ein h√∂heres Stimmgewicht vermittelte, als es ihrer prozentualen Beteiligung entsprach, verst√∂√üt laut Europ√§ischem Gerichtshof gegen den freien Kapitalverkehr.[3]

Sofern in der Satzung der Aktiengesellschaft nichts anderes vorgesehen oder durch ein Gesetz geregelt ist, gilt f√ľr Abstimmungen die einfache Mehrheit (¬ß 133 AktG). F√ľr einige Beschl√ľsse, wie beispielsweise eine Satzungs√§nderung (¬ß 179 AktG) oder die Liquidation der Gesellschaft (bei der AG als Abwickler bezeichnet: ¬ß¬ß 262 ff. AktG), ist die Zustimmung von mindestens drei Viertel des auf der Hauptversammlung vertretenen Gesellschaftskapitals n√∂tig. Zur Verhinderung dieser Beschl√ľsse reicht die so genannte Sperrminorit√§t.

Vorstand (leitendes Organ)

Die Leitung einer Aktiengesellschaft hat der Vorstand nach ¬ß 76 Abs. 1 AktG, der sich im Regelfall aus mehreren Personen zusammensetzt. Er ist nicht weisungsgebunden, wird aber in der grunds√§tzlichen Ausrichtung seiner Arbeit durch den Aufsichtsrat kontrolliert. Wenn es mehrere Vorstandsmitglieder gibt, wird h√§ufig einer zum Vorstandsvorsitzenden oder Vorstandssprecher ernannt. Der Vorstandsvorsitzende wird vom Aufsichtsrat gew√§hlt, hingegen wird der Vorstandssprecher vom Gesamtvorstand bestimmt.

Der Vorstand wird durch einen schuldrechtlichen Vertrag, in der Regel einem Dienstvertrag, angestellt. Er vertritt die AG nach au√üen (gerichtlich und au√üergerichtlich), ihm obliegt die Gesamtgesch√§ftsf√ľhrungsbefugnis und die Gesamtvertretungsmacht (z. B. Buchf√ľhrung, Jahresabschluss). Er beruft die ordentliche und die au√üerordentliche Hauptversammlung ein. Der Vorstand wird √ľblicherweise zun√§chst f√ľr drei Jahre und ab der ersten Wiederbestellung f√ľr f√ľnf Jahre bestellt.

Jedes Vorstandsmitglied haftet der Gesellschaft gem√§√ü ¬ß 93 AktG pers√∂nlich, d. h. mit seinem pers√∂nlichen Verm√∂gen, f√ľr Sch√§den, die der Gesellschaft aufgrund einer schuldhaften Pflichtverletzung (z. B. Verletzung der Sorgfaltspflichten eines ordentlichen und gewissenhaften Gesch√§ftsleiters) entstehen. Allerdings schlie√üen die Gesellschaften √ľblicherweise besondere Berufshaftpflichtversicherungen f√ľr das Handeln der Vorst√§nde (sog. ‚ÄěDirectors and Officers Versicherungen‚Äú, kurz ‚ÄěD&O-Versicherungen‚Äú) ab, die die Vorst√§nde vor einer Inanspruchnahme f√ľr Sach- und Verm√∂genssch√§den bei fahrl√§ssigem Handeln sch√ľtzen. Bei Sch√§den, die durch grobe Fahrl√§ssigkeit oder vors√§tzliches Handeln verursacht werden, tritt die Versicherung jedoch nicht ein, so dass die Gesellschaft den Vorstand zum Schutz der Aktion√§re in Anspruch nehmen kann. Durch das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsverg√ľtung (VorstAG)[4] wurde √ľberdies ein gesetzlich zwingend mit dem Versicherer zu vereinbarender Selbstbehalt in H√∂he von 10% des Schadens bis zur H√∂he von 1 1/2 Jahresgeh√§ltern eingef√ľhrt. Diesen Selbstbehalt kann der Vorstand aber wiederum nach h. M. versichern, wenn auch nur auf eigene Kosten.[5]

Aufsichtsrat (√ľberwachendes Organ)

Der Aufsichtsrat (AR) w√§hlt die Mitglieder des Vorstands und √ľberwacht die Vorstandst√§tigkeit (¬ß 111 Abs. 1 i.V.m. ¬ß 84 Abs. 1 AktG). Ferner vertritt der Aufsichtsrat die AG gegen√ľber den Vorstandsmitgliedern. Der Aufsichtsrat wird durch den Aufsichtsratsvorsitzenden gef√ľhrt. Die Amtsperiode des Aufsichtsrats betr√§gt maximal 4 Jahre (¬ß 102 Abs. 1 AktG). Zudem obliegt dem Aufsichtsrat die Bestellung des Abschlusspr√ľfers.

Rechte der Aktionäre

Ein Aktion√§r ist Inhaber eines Anteils an einer Aktiengesellschaft (¬ß 54 Abs. 1 AktG). Aktion√§re haben das Unternehmen bei der Unternehmensgr√ľndung oder nachfolgenden Kapitalerh√∂hungen mit Eigenkapital ausgestattet, oder haben die Anteile durch √úbertragung von fr√ľheren Inhabern erworben. Sie √ľben ihre Rechte im Allgemeinen durch die Teilnahme an der Hauptversammlung, durch ihr Recht auf Auskunft und auf Dividende sowie gegebenenfalls auf Liquidationserl√∂s aus.

Die Rechte der Aktionäre sind:

  1. Vermögensrechte (durch Anteil des Anlegers am Gesellschaftsvermögen)
    • Dividendenrecht (Beteiligung am Bilanzgewinn)
    • Bezugsrecht (Wahrung des Anteils am Grundkapital bei Kapitalerh√∂hungen)
    • Anteil am Liquidationserl√∂s bei Aufl√∂sung der AG
  2. Verwaltungsrechte (Wahrung der Interessen der Anteilseigner)
    • Antragsrecht zu Hauptversammlungen
    • Teilnahmerecht an Hauptversammlungen
    • Stimmrecht auf Hauptversammlungen
    • Auskunftsrecht zu Gesellschaftsangelegenheiten, die zur Beurteilung von Punkten der Tagesordnung auf der Hauptversammlung n√∂tig sind
    • Anfechtungsrecht bei Verdacht auf nicht satzungsgem√§√üe Beschlussfassung auf der Hauptversammlung

Bei b√∂rsennotierten Aktiengesellschaften k√∂nnen diese Rechte auf die depotf√ľhrende Bank √ľbertragen werden (f√ľr eine oder alle Hauptversammlungen √ľber maximal 15 Monate). Eine √úbertragung ist auch an andere juristische oder nat√ľrliche Personen (Verein, Gesch√§ftspartner, Freunde, Bekannte) m√∂glich. Mit der √úbertragung des Stimmrechts kann ein bestimmtes Verhalten bei Abstimmungen in Auftrag gegeben werden.

Durch stimmrechtslose Vorzugsaktien wird das Recht der Aktionäre eingeschränkt, wobei diese im Allgemeinen durch eine höhere Dividende entschädigt werden.

Sonstiges

Neben der eigenen Gr√ľndung einer Aktiengesellschaft besteht auch die M√∂glichkeit, eine bereits fertig gegr√ľndete AG zu kaufen. Diese sog. Vorratsgesellschaften, die seit ihrer Gr√ľndung keinerlei Gesch√§ftst√§tigkeit vorgenommen haben, werden mit voll eingezahltem Grundkapital ver√§u√üert.

Über eine Kapitalerhöhung kann sich eine AG zusätzliches Grundkapital beschaffen. Die Kapitalerhöhung kann (muss aber nicht) mit der Ausgabe von Aktien (Emission) verbunden werden.

Über einen Ausschluss von Minderheitsaktionären kann der Mehrheitsaktionär in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen alle restlichen Minderheitsaktionäre gegen eine Entschädigung ausschließen.

Sonderfälle

Die kleine Aktiengesellschaft

Im Jahr 1994 wurde das Aktiengesetz durch das ‚ÄěGesetz √ľber die kleine Aktiengesellschaft‚Äú ge√§ndert. Die kleine Aktiengesellschaft als eigenst√§ndige Rechtsform gibt es jedoch nicht. Allerdings hat der Gesetzgeber im AktG eine Reihe von Regelungen eingef√ľhrt, die von kleinen Aktiengesellschaften einfacher zu erf√ľllen sind. Beispiel: ¬ß 121 Abs. 3 AktG verlangt, dass die Einberufung der Hauptversammlung in ‚Äěden Gesellschaftsbl√§ttern bekanntzumachen‚Äú ist. Auf eine solche kostspielige Schaltung von Anzeigen, etwa in √ľberregionalen Tageszeitungen, kann verzichtet werden, wenn die Aktion√§re der Gesellschaft namentlich bekannt sind. Dann reicht es, die Aktion√§re mit eingeschriebenem Brief zu laden (¬ß 121 Abs. 4 AktG). Diese Regel gilt selbstverst√§ndlich f√ľr jede AG, nur werden regelm√§√üig lediglich einem kleinen Unternehmen alle seine Aktion√§re namentlich bekannt sein. Wichtig ist f√ľr kleine Aktiengesellschaften eine gesetzliche Regelung au√üerhalb des AktG: Laut ¬ß 1 Abs. 1 Nr. 1 des Drittelbeteiligungsgesetzes von 2004 (vormals ¬ß 76 Abs. 6 BVerfGG) entf√§llt bei weniger als 500 Arbeitnehmern deren Mitbestimmung im Aufsichtsrat.

Sofern das Gesetz √ľberhaupt zwischen verschiedenen Typen von Aktiengesellschaften unterscheidet, sind das b√∂rsennotierte und nicht b√∂rsennotierte Aktiengesellschaften.

Die gAG

Die gemeinn√ľtzige AG (gAG) ist der Sonderfall einer gemeinn√ľtzig t√§tigen Kapitalgesellschaft, die aufgrund der Vorschriften der Abgabenordnung steuerlich beg√ľnstigt wird. Sie ist in der Praxis selten.

Die InvAG

Die Investmentaktiengesellschaft (InvAG) ist ein Sonderfall einer Investmentgesellschaft mit variablem Grundkapital, die neben dem Sonderverm√∂gen die m√∂gliche rechtliche H√ľlle f√ľr Investmentfonds darstellt.

Die Europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea, SE)

Die Europ√§ische Aktiengesellschaft, lateinisch auch Societas Europaea genannt und SE abgek√ľrzt, ist eine Aktiengesellschaft europ√§ischen Rechts, auf die erg√§nzend das nationale Recht desjenigen Staates anzuwenden ist, in dem sie ihren Sitz hat. Eine SE mit Sitz in Deutschland unterliegt daher in erster Linie europ√§ischem und in zweiter Linie dem deutschen Aktienrecht, weshalb man sie ebenfalls als Sonderform der AG ansehen kann.

Die AG & Co. KG

Die AG und Co. KG ist eine Kommanditgesellschaft, deren pers√∂nlich haftender Gesellschafter/Komplement√§r nicht eine nat√ľrliche Person ist (dann handelte es sich um eine einfache Kommanditgesellschaft), sondern eine Aktiengesellschaft. Sie √§hnelt damit der viel bekannteren GmbH & Co. KG, die ebenfalls eine Kommanditgesellschaft ist, bei der die pers√∂nlich haftende Gesellschafterin aber eine GmbH ist. Strenggenommen handelt es sich bei der AG & Co. KG also nicht um eine Sonderform der AG, sondern um eine Sonderform der KG.

Geschichte

Als erste deutsche Aktiengesellschaft gilt die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie. Sie wurde am 17. M√§rz 1682 durch Edikt Friedrich Wilhelms, Kurf√ľrst von Brandenburg, als Handelscompagnie auf den K√ľsten von Guinea gegr√ľndet, um die notwendigen Ressourcen zu mobilisieren, um an der afrikanischen K√ľste mit Pfeffer, Elefantenz√§hnen, Gold und Sklaven zu handeln. Dieses waren damals die ersten Unternehmen in der Form "echter" Aktienvereine.

Es folgte die Gr√ľndung der Emder Handelskompanien, sp√§ter in 1770 in Preu√üen die Getreide-Companie auf der Oder und 1793 die Berliner Zuckersiederei.

Ab 1794 regelte das Allgemeine Landrecht (ALR) in Preu√üen das allgemeine Recht, in dem auch das Gesellschaftsrecht enthalten war. Schon damals gab es k√∂rperschaftlich verfasste Gesellschaften (societas personarum), die neben erlaubten und nicht erlaubten Privatgesellschaften auch privilegierte Gesellschaften sowie Corporationen und Gemeinen vorsahen.[6] Die Rechtsform der neuen "Actiengesellschaft" finden in diesem Gesetz noch keinen angemessenen Rahmen. Es entwickelten sich vermehrt Einzelregelungen wie der "Code de Commerce" von 1807, die jedoch meist sehr l√ľckenhaft waren.

Im Jahr 1821 wurde die Rheinisch-Westindische Companie zur F√∂rderung des Exports und der Gewinnung neuer √ľberseeischer M√§rkte gegr√ľndet.

Mit der Zeit erkannte der preu√üische Gesetzgeber die Unzul√§nglichkeiten des Allgemeinen Landrechts und so wurde erstmals ein eigenes Aktiengesetz entwickelt. Dieses erste deutsche Aktiengesetz (Gesetz √ľber die Aktiengesellschaften) trat ab 9. November 1843 durch Beschluss des preu√üischen K√∂nigs in Kraft. Vorarbeiten hierf√ľr gab es bereits im Rahmen der allgemeinen Gesetzesrevisionen ab 1817.[7] Die Gesellschaftsstellung dieser Aktiengesellschaft war damals jedoch meist noch zwingend ein gemeinn√ľtziger Verbandszweck.

Das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch (ADHGB) wurde am 31. Mai 1861 von der Bundesversammlung beschlossen.

Am 11. Juni 1870 trat die 1. Aktienrechtsnovelle, durch den Beschluss des Reichsgesetzes f√ľr den norddeutschen Bund, in Kraft. Diese befreite die Aktiengesellschaften in Deutschland erstmals von staatlicher Genehmigung und Aufsicht und schaffte daf√ľr privatrechtliche Normativbedingungen.[8]

Die 2. Aktienrechtsnovelle trat am 18. Juli 1884 in Kraft.

Das Handelsgesetzbuch vom 10. Mai 1897 löste das ADHGB von 1861 ab.[9]

Als Geburtsjahr der modernen deutschen Aktiengesellschaft wird allgemein das Jahr 1884, mit seiner 2. Aktiennovelle zum Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuch, gesehen.

Mit dem Beschluss des Gesetzes zur Umsetzung der Aktion√§rsrechterichtlinie (ARUG) am 28. Mai 2009 wurde das Recht rund im die Aktiengesellschaft in Deutschland den europ√§ischen Vorgaben entsprechend angepasst.[10] So wurde unter anderem die Geltungsdauer f√ľr den Genehmigungsbeschluss zum Erwerb Eigener Aktien von 18 Monate auf 5 Jahre erh√∂ht.

Literatur

  • Uwe H√ľffer: Aktiengesetz. Kommentar. Verlag C. H. Beck, 6. Auflage, M√ľnchen 2004, ISBN 3-406-51884-2.
  • Wilhelm Happ (Hrsg.): Aktienrecht, Handbuch ‚Äď Mustertexte ‚Äď Kommentar, Verlag Heymanns, 2. Auflage, K√∂ln 2004, ISBN 3-452-23925-X.
  • Manz/Mayer/Schr√∂der (Hrsg.): Die Aktiengesellschaft. Umfassende Erl√§uterungen, Beispiele und Musterformulare f√ľr die Rechtspraxis. Haufe-Verlag, 6. Auflage, M√ľnchen 2010, ISBN 978-3-448-10065-5.
  • Ralf Ek, Philipp von Hoyenberg: Aktiengesellschaften ‚Äď Gr√ľndung, Leitung, B√∂rsengang, Beck-Rechtsberater, 2. Auflage, M√ľnchen 2006, ISBN 3-423-05684-3.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ durch ¬ß70 AktG 1937 wurde die Weisungsfreiheit des Vorstandes einer AG als sogenanntes ‚ÄěF√ľhrerprinzip‚Äú eingef√ľhrt, n√§heres s. Hopt/Wiedemann AktG Gro√ükommentar Rdnr. 148ff.
  2. ‚ÜĎ BGHZ 83, 122 = NJW 1982, 1703 (Holzm√ľller); BGHZ 159, 30 = NJW 2004, 1860 (Gelatine I)
  3. ‚ÜĎ EuGH, Urteil vom 23. Oktober 2007 ‚Äď C-112/05 ‚Äď NJW 2007, 3481 ‚ÄěVW-Gesetz‚Äú
  4. ‚ÜĎ BGBl. I 2009, S. 2509
  5. ‚ÜĎ Manz in Manz/Mayer/Schr√∂der, Die Aktiengesellschaft ‚Äď Umfassende Erl√§uterungen, Beispiele und Musterformulare aus der Rechtspraxis, 6. Aufl. 2010, Rn. 1054j
  6. ‚ÜĎ Walther Hadding/Erik Kie√üling: Anf√§nge deutschen Aktienrechts: Das Preu√üische Aktiengesetz von 1843 (S. 161)
  7. ‚ÜĎ Walther Hadding/Erik Kie√üling: Anf√§nge deutschen Aktienrechts: Das Preu√üische Aktiengesetz von 1843 (S. 164)
  8. ‚ÜĎ http://dlib-pr.mpier.mpg.de/m/kleioc/0010/exec/bigpage/%22167940_00000397%22
  9. ‚ÜĎ Das Handelsgesetzbuch f√ľr das Deutsche Reich
  10. ‚ÜĎ Gesetz zur Umsetzung der Aktion√§rsrechterichtlinie (ARUG)
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