Familienname

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Familienname
Beispiel eines zusammengesetzten deutschen Namens, wie sie oft bei den Juden waren (Neuer jĂŒdischer Friedhof, Prag)

Ein Familienname (auch Nachname, Zuname, Schreibname oder, in Deutschland amtsdeutsch einfach Name) dient als ErgÀnzung zum Vornamen der besseren Unterscheidbarkeit von Personen.

Soziologisch-historisch wird mit dem Familiennamen die Zugehörigkeit des Individuums zu einer Familie ausgedrĂŒckt. Der Geburtsname (veraltet bei Frauen auch als MĂ€dchenname bezeichnet) drĂŒckt die Zugehörigkeit zur Elternfamilie aus, der Ehename die Zugehörigkeit zur Familie des Ehepartners und der Doppelname die Zugehörigkeit zu beiden Familien der Ehepartner aus. Außerdem gelten KĂŒnstlernamen und Ordensnamen als Familiennamen, ohne hierzu einen verwandtschaftlichen Bezug zu haben.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung der Familiennamen in Europa

Im 9. Jahrhundert wurde erstmals in Venedig ein Familienname vererbt. Diese Sitte breitete sich von dort aus im 10. Jahrhundert nach Norditalien und SĂŒdfrankreich aus. Im 11. Jahrhundert gelangte der Gebrauch nach Katalonien und Nordfrankreich, im 12. Jahrhundert nach England und in das Gebiet der Schweiz. Danach wurde der Gebrauch eines festen Familiennamens auch in den west- und sĂŒddeutschen StĂ€dten ĂŒblich. Anfang des 15. Jahrhunderts waren Familiennamen ĂŒberall im deutschen Sprachraum anzutreffen, aber nicht durchgehend. Auch konnte der Familienname noch wechseln, zum Beispiel bei Wegzug oder aufgrund neuer BerufstĂ€tigkeit. WĂ€hrend der Adel seit der Erblichkeit der Lehen im Jahr 1037 feste Familiennamen trug, um seine ErbansprĂŒche geltend machen zu können, folgten erst spĂ€ter die Patrizier und StadtbĂŒrger. BĂ€uerliche Gegenden kamen ohne einen festen Familiennamen bis zum 17. oder 18. Jahrhundert aus, in Friesland wurde er erst im 19. Jahrhundert gesetzlich eingefĂŒhrt.

Herkunft von Familiennamen

Familiennamen leiten sich hÀufig aus dem folgenden ab:

Berufe

Unter den 50 hĂ€ufigsten deutschen Familiennamen stellen die Berufsnamen die Mehrheit (30 Namen), schon die ersten 14 sind Berufsbezeichnungen. Dazu gehören MĂŒller, Schmidt (Schmied), Schneider, Fischer, Meyer (Verwalter, Hofvorsteher), Weber, Wagner (Wagenradbauer), Becker (BĂ€cker), SchĂ€fer und Schulz (Ortsvorsteher, BĂŒrgermeister, Vollstreckungsbeamter). Viele ĂŒberkommene Nachnamen erhalten so Berufe oder Berufsbezeichnungen, die es lĂ€ngst nicht mehr gibt.

Einige Berufsnamen sind nicht unmittelbar als solche erkennbar, denn sie waren Übernamen fĂŒr die eigentlich ausgeĂŒbten Berufe. Beispiele hierfĂŒr sind Nabholz fĂŒr einen Wagner, Stoiber oder Stauber fĂŒr einen MĂŒller, Hartnagel fĂŒr einen (Nagel-)Schmied.

Vornamen des Vaters, der Mutter

Einen vom Vornamen des Vaters oder der Mutter abgeleiteten Nachnamen nennt man Patronym beziehungsweise Metronym. In einigen LĂ€ndern, zum Beispiel in Island, wird der Nachname auch heute noch immer aus dem Vornamen der Mutter oder des Vaters abgeleitet (siehe IslĂ€ndischer Personenname). UrsprĂŒnglich war dies in vielen Sprachen weit verbreitet. Besonders ausgeprĂ€gt war die patronymische Form in Skandinavien und Norddeutschland. Durch AnhĂ€ngen der Endung -sen oder -son entstanden die typischen und sehr hĂ€ufigen Familiennamen wie Hansen, Peterson usw.

Sehr viel seltener finden sich von der Mutter abgeleitete Namen, zum Beispiel Tilgner von Ottilie, Trienes von Trina (= Catharina) oder Merkens von Merken (= Maria).

Im Laufe der Jahrhunderte verschwand außerhalb von Norddeutschland die Endung; es blieb nur der Vorname allein als Familienname (wie Claus, Johann oder Otto). Die hĂ€ufigsten deutschen Familiennamen dieser Art sind Hartmann, Werner, Herrmann, Walter, Friedrich und GĂŒnther.

Beispiele fĂŒr Vatersnamen, die mit einem lateinischen Genitiv („aus der Familie des Paul“ oder „Pauls Sohn“) gebildet werden, sind Pauli, Jakobi oder Caspari.

Die Vielfalt deutscher Dialekte und die Praxis, gĂ€ngige Vornamen abzukĂŒrzen oder zu verĂ€ndern, fĂŒhrt dazu, dass Namen wie Wetzel (Variante von Werner), Jahn (von Johannes), Vick (=Friedrich) oder Bentele (von Pantaleon) nicht mehr als ursprĂŒngliche Patronyme erkennbar sind. Besonders ursprĂŒnglich auf -old und -hart endende Vornamen enden mit einem starken Genitiv-z, solche mit der Endung -s, -z oder einer Vokalendung enden mit einem -en (z. B. Otten von Otto).

Eigenschaften

Übernamen sind aus körperlichen, charakterlichen oder biographischen AuffĂ€lligkeiten einer Person gebildet. Namensgebend sind hĂ€ufig die KörpergrĂ¶ĂŸe (Klein-Groß, Lang-Kurz), die Haarfarbe (Braun, Schwarz, im Rheinland Fuß fĂŒr fuchsrot) oder die Haarform (Krause) und andere Körpermerkmale (Links steht fĂŒr einen LinkshĂ€nder), Charaktereigenschaften (KĂŒhn, Fromm, Gut, Böse, Froböss=jĂ€hzornig) und besondere Merkmale (Neumann bedeutet der Neuhinzugezogene). Dagegen deutet Übel oder Uibel nicht auf einen Charaktermangel hin, sondern auf den Besitzer eines geringwertigen GrundstĂŒcks (Übelacker) oder einen Schwerhörigen (Übelhör); die zweite HĂ€lfte des Namens fiel im Lauf der Jahrhunderte weg.

Herkunft und WohnstÀtte

Herkunftsnamen geben an, aus welchem Ort die Person oder die Familie ursprĂŒnglich stammt oder wo sie lĂ€ngere Zeit gewohnt hatte. Diese Namen entstanden in einer Zeit, in der sich eine starke Binnenwanderung vollzog und die Landbevölkerung in die auflebenden StĂ€dte zog. Zugezogene wurden oft nach ihrer Heimat benannt (Bsp.: Peter [aus] Mecklenburg, Klaus [aus] Brandenburg). Dabei entstanden Herkunftsnamen nach Völkern oder LĂ€ndern (Unger[mann] ,der Ungar'), nach StĂ€mmen (Bayer), nach Regionen (BergstrĂ€ĂŸer), und nach Orten (Basler). Die hĂ€ufigsten Herkunftsnamen sind: Frank(e) (aus Franken), Böhm(e) (aus Böhmen), Duss(e) (aus Dieuze), Hess(e) (aus Hessen), Pohl (aus Polen oder Beziehung zu Polen, aber auch Orts- und WohnstĂ€ttenname); zu den hĂ€ufigsten WohnstĂ€ttennamen zĂ€hlen: Becker (am Bach wohnend, auch Berufsbezeichnung), Berger, Roth, Beck, Stein, Horn, Busch und Bergmann (auch Berufsbezeichnung).

Zu den FrĂŒhformen der Herkunfts- und WohnstĂ€ttennamen gehören Bezeichnungen wie in Walther von der Vogelweide (nach einem Flurnamen), Dietrich von Bern („aus Verona“, dessen alter deutscher Name Bern lautet), das entspricht etwa einem hollĂ€ndischen Anthonis van Dyck („am Deich lebend“), dem englischen Anselm of Canterbury oder dem Jörg uff der FlĂŒe in der Schweiz. Sie entstehen in der ausgehenden Zeit der Einnamigkeit, fixieren sich zu Familiennamen und verlieren spĂ€ter oft das „von“. Vor dem 16. Jahrhundert war die PrĂ€position selten ein Namenszusatz des Adels, sondern wurde als Angabe der Herkunft zum Bestandteil vieler Familiennamen, wie etwa von FlĂŒe. Auch grundbesitzende Familien – Grundbesitz war im Mittelalter ein Privileg des Adels – gaben diesen ĂŒber das Wörtchen "von" an, z. B. "von Habsburg" fĂŒr die Hausherren ihrer Burg, der Habsburg (Burg). Erst mit dem allmĂ€hlichen Verschwinden der PrĂ€position in den Namen des BĂŒrgertums im 17. Jhd. konnte sich die Funktion des Wörtchens "von" als reines Bindewort des Herkunftsnamens zum Hinweis auf das AdelsprĂ€dikat entwickeln. Allerdings existieren bis heute Herkunftsnamen mit der PrĂ€position "von", ohne dass diese auf eine frĂŒhere Zugehörigkeit zur Adelsschicht hinweisen [1].

Beispiele, die sich aus Ortsnamen, Regionennamen und anderen geographischen Namen bilden, sind: Adenauer („aus Adenau stammend“) oder Bayer („aus Bayern“). Die «-er»-Bildung ist typisch oberdeutsch. Insbesondere die aus Ortsnamen entstandenen Familiennamen tragen aber auch hĂ€ufig die Namensendungen der Orte denen sie entlehnt sind wie: -bach, -berg, -burg, -dorf, -feld, -hagen, -hausen, -stein, -thal, -wald (Bsp.: Lindenberg, Frankenstein, GrĂŒnewald) und die sich auf ursprĂŒnglich slawische OrtsgrĂŒndungen beziehende Namensendung -ow bzw. eingedeutscht -au. In diese Kategorie gehören auch die eigentlichen, echten Adelsnamen.

Hausnamen oder WohnstĂ€ttennamen lassen sich einem ganz bestimmten Bauernhof oder einem bestimmten Wohnplatz zuordnen. Mit der Übernahme als EigentĂŒmer oder PĂ€chter war der frĂŒhere Familienname nicht mehr gebrĂ€uchlich, der neue Wohnsitzname wurde Familienname. 1828 wurde die Annahme des Hofnamens in Westfalen untersagt.

Eine genaue Zuordnung zu einem bestimmten Ort oder einer Region allein anhand eines bestimmten Herkunftsnamens ist allerdings nicht immer möglich, da hĂ€ufig mehrere Orte mit gleicher Bezeichnung existieren. Den Herkunftsnamen als solchen zu erfassen ist ebenfalls nicht immer eindeutig, weil eine Trennung von Herkunftsnamen und WohnstĂ€ttennamen oft schwierig ist (Heinz von BĂŒhl und H. am BĂŒhl ,HĂŒgel' werden zu H. BĂŒhl). Auch lautliche Differenzen erschweren eine genaue Festlegung (bsp.: Abweichung von der heutigen Form, bausissin – bautzen).

Migration

Durch Immigration, kulturelle EinflĂŒsse und Ă€hnliche Faktoren können sich Nachnamen auch in Regionen und SprachrĂ€umen verbreiten, die weit entfernt vom Ursprungsort des Namens liegen.

Bestes Beispiel sind die USA, wo die meisten Familiennamen auf die Heimat eines eingewanderten Vorfahren hinweisen.

Familiennamen nach Region

Europa

Deutsche Familiennamen

siehe auch: Deutscher Familienname, Liste der hÀufigsten Familiennamen in Deutschland

Die deutschen Familiennamen haben sich im deutschsprachigen Raum seit dem 12. Jahrhundert nach und nach etabliert.

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Aber erst 1875 wurden im Deutschen Reich die StandesĂ€mter eingefĂŒhrt und die Namen festgeschrieben. Seitdem trĂ€gt jeder Deutsche einen Vornamen, einen eventuellen Zwischennamen und einen Familiennamen, und zwar in dieser Reihenfolge. In einigen deutschen Mundarten steht der Familienname vor dem Vornamen an erster Stelle.

Slawische Familiennamen

In vielen slawischen Sprachen lautet die mĂ€nnliche und weibliche Form des Familiennamens unterschiedlich (z. B. Jakowski / Jakowska, Hurvinek / Hurvinkova, Boltsow / Boltsowa), wohingegen im Serbischen oder Kroatischen die Nachnamen geschlechtsunabhĂ€ngig sind.

Griechenland

In Griechenland lautet die weibliche Form in der Regel anders: hier wird der Familienname einer verheirateten Frau als Genitivform des Familiennamens ihres Ehemannes gebildet, z. B. Kolidis (Nominativ/Ehemann)/Kolidi (Genitiv, Ehefrau) oder Tataros (Nominativ/Ehemann)/Tatarou (Genitiv, Ehefrau). Der Familienname der Ehefrau bedeutet daher sinngemĂ€ĂŸ "(Frau) des XY". Neuerdings wird (vor allem bei im Ausland lebenden Griechen) auch fĂŒr Ehefrauen dieselbe Form wie beim Ehemann gewĂ€hlt, so z. B. bei der Schauspielerin Susan Sideropoulos. In der Genitivform lautet ihr Name Sideropoulou.

Island

→ Hauptartikel: IslĂ€ndischer Personenname

Auf Island und auf den FĂ€röern haben nur wenige Personen Familiennamen in unserem Sinne. Dabei handelt es sich meist um aus DĂ€nemark stammende Familien. In der Regel jedoch besteht der zweite Name aus dem Namen des Vaters (im Genitiv) erweitert um -son (Sohn) oder -dĂłttir (Tochter). Benennungen nach der Mutter waren frĂŒher selten (uneheliche Geburt mit unbekanntem Vater), sind aber heute im Zuge der Gleichstellung gesetzlich möglich. So gibt es in Island ĂŒberhaupt keine durchgehenden Nachnamen. Beispiel einer Generationenfolge: Gustav JĂłhansson – dessen Sohn: Helgi Gustavsson – dessen Sohn: Ívar Helgason – dessen Sohn und Tochter: Lars Ívarsson und JĂłhanna ÍvarsdĂłttir usw. Die frĂŒhere islĂ€ndische PrĂ€sidentin VigdĂ­s FinnbogadĂłttir war also eine Tochter des Finnbogi.

Italien

In Italien gab es Familiennamen schon etwas frĂŒher als im deutschen Sprachgebiet. Wenn man die hĂ€ufigsten davon mit jenen in Deutschland vergleicht, stellt man fest, dass Berufe bei der Entstehung italienischer Nachnamen nicht eine so große Rolle spielten. Nachfolgend die hĂ€ufigsten, entnommen aus dem dtv-Atlas:

  • Rossi (rot, rothaarig)
  • Russo (rot, rothaarig)
  • Ferrari (Schmied)
  • Esposito (Rufname Esposito, Expositus, Findelkind)
  • Bianchi (weiß, blond)
  • Romano (Römer, Rufname Romano)
  • Colombo (Rufname Kolumbus)

In Deutschland stehen an diesen sieben Stellen nur Berufsnamen.

Den grĂ¶ĂŸten prozentuellen Anteil haben in Italien insgesamt die Herkunftsnamen. Ein solcher ist zum Beispiel der Name des 2006 zum StaatsprĂ€sidenten gewĂ€hlten Giorgio Napolitano (Aus Neapel Stammender); andere Beispiele sind Toscano, Calabrese oder Forlan. Etwa 10 Prozent aller italienischen Nachnamen stammen von Rufnamen germanischer Herkunft. Beispiele sind: Endrizzi (von Enrico – Heinrich), Gualtieri (von Gualtiero – Walter), Fedrizzi (von Federico – Friedrich).

Russland

Im Russischen wird der Vorname des Vaters (Patronym) zwischen Vor- und Familiennamen gestellt; zusÀtzlich erhÀlt die weibliche Form ein -a: Michail Pawlowitsch Lasarew (Sohn des Pawel), Lidija Andrejewna Lasarewa (Tochter des Andrei). Personen werden hÀufig auch nur mit Vorname und Patronym angesprochen.

Skandinavien

In Schweden, DĂ€nemark, Norwegen und Norddeutschland enden Familiennamen hĂ€ufig auf -sen oder -son (Vatersname, Patronym). Die Endung bedeutet Sohn, so dass Jensen/Jenson/Jensson Sohn des Jens hieße. Die -sen-Endungen finden sich oft im DĂ€nischen, Norwegischen und auch im Friesischen. Im Schwedischen wird statt -sen das Suffix -son benutzt. Die weibliche Form -dotter/-dĂłttir wird nur noch auf Island benutzt. In Finnland haben Familiennamen oft eine Beziehung zur Natur, beispielsweise Virtanen (Fluss/Strom), MĂ€kinen (Berg/HĂŒgel), JĂ€rvinen (Binnensee), mit ĂŒblichem Suffix "-nen". Familiennamen außerhalb des Adels setzten sich in diesen LĂ€ndern erst spĂ€ter als im ĂŒbrigen Europa durch, und zwar zuerst in der Oberschicht. In Schweden begann die Oberschicht im 16. Jahrhundert Familiennamen anzunehmen, bei Geistlichen und Gelehrten meist in lateinischer Form. Bauern und Handwerker erhielten nur den Vatersnamen. In DĂ€nemark wurden Familiennamen mit Gesetz vom 30. Mai 1828 gegen den Widerstand der Bevölkerung vorgeschrieben. Hiernach war der Vatersname (Vorname + sen) als Familienname festzuschreiben. Auf diese Weise erhielten große Teile der Bevölkerung gleiche Familiennamen. In Norwegen bestimmte erst das Personennamengesetz vom 9. Februar 1923, dass Kinder bei der Eintragung in das Geburtenregister einen Familiennamen haben mĂŒssen. Erwachsenen blieb es freigestellt, einen Familiennamen anzunehmen. Sofern nicht der Vatersname mit der entsprechenden Endung als Familienname gewĂ€hlt wurde, war der Name des Hofes, den die Familie besaß oder langfristig nutzte, zu verwenden. Auf diese Weise wurde eine starke HĂ€ufung der Familiennamen wie in DĂ€nemark vermieden.

Spanischer Sprachraum

Hauptartikel: Spanischer Name

In Spanien und in den meisten LĂ€ndern Hispanoamerikas setzt sich der Nachname von Personen in der Regel aus zwei Teilen zusammen. Kinder erhalten als ersten Teil ihres Nachnamens den ersten Teil des Nachnamens ihres Vaters, und als zweiten Teil den ersten Teil des mĂŒtterlichen Nachnamens. Die Kinder von Herrn MĂ©ndez Aznar und Frau SĂĄnchez HernĂĄndez erhalten also den persönlichen Nachnamen MĂ©ndez SĂĄnchez. Die Nachnamen werden somit patrilinear weiter gegeben, ein Namensteil der Mutter geht zwar noch auf ihre Kinder, aber nicht mehr auf ihre Enkel ĂŒber. Dies ist allerdings seit 1999 in Spanien nicht mehr zwingend. Die Eltern können auch bestimmen, dass der erste Teil des Nachnamens der Mutter vorangestellt wird, was damit dann auch der Namensteil ist, den das Kind spĂ€ter an seine Kinder weitergibt. Eheleute behalten nach der Heirat ihre Geburtsnamen. Gelegentlich, insbesondere im Adel, wird zwischen den ersten und den zweiten Teil des Nachnamens ein y („und“) gestellt, so ist etwa Jaime de Marichalar y SĂĄenz de Tejada der Sohn von Herrn de Marichalar y Bruguera und Frau SĂĄenz de Tejada y FernĂĄndez de Bobadilla. Im katalanischen Sprachgebiet wird grundsĂ€tzlich das katalanische i („und“) zwischen den Nachnamensteilen gefĂŒhrt, siehe etwa bei Jordi Pujol i Soley. Anders als bei deutschen Doppelnamen verwendet man im Spanischen aber keinen Bindestrich.

In formellen Angelegenheiten und im Schriftverkehr werden stets beide Namensteile benutzt. Im Alltag wird hingegen meist auf die Nennung des zweiten Namensteils verzichtet. Ausnahmen bilden Personen, deren erster Familienname sehr hÀufig ist. Zum Zwecke der besseren Identifizierung werden diese meist mit ihrem zweiten Namensteil bezeichnet, etwa der gegenwÀrtige spanische MinisterprÀsident José Luis Rodríguez Zapatero: Da Rodríguez in Spanien ein Allerweltsname ist, verwendet er selbst ebenso wie die Medien im Alltag Zapatero.

Portugal und Brasilien

In Portugal und im portugiesisch geprÀgten Brasilien ergeben sich die Nachnamen des Kindes aus den jeweils zweiten Nachnamen der Eltern, wobei der der Mutter zuerst genannt wird.

Felipe Faria Duarte ist also beispielsweise der Sohn von Henrique Coelho Duarte und Carolina Lemos Faria.

Wie im spanischsprachigen Raum werden auch hier die Nachnamen patrilinear weiter gegeben, da die Kinder sowohl vom Vater als auch von der Mutter, den zweiten, vÀterlichen Nachnamen erhalten.

Ausnahmen bilden Kinder, deren Eltern denselben Nachnamen vĂ€terlicherseits haben. Dann erhĂ€lt das Kind nur einen Nachnamen. Als Beispiel heißt das Kind von Antonio da Costa Moreira und Maria Sousa Moreira einfach Josefina Moreira.

Heiratet in Portugal ein Paar, so erhĂ€lt die Frau sogar einen dritten Nachnamen, nĂ€mlich den zweiten Nachnamen (vĂ€terliche Seite) des Mannes. Da alle Mitglieder der Familie, also auch die Kinder, mindestens diesen Namen gleichermaßen tragen, gilt der zweite Nachname des Vaters meistens als eigentlicher Hauptfamilienname (in o.g. Beispielen also Familie Duarte bzw. Familie Moreira). Im Alltag wird daher meist auf die Nennung der ersten Namensteile verzichtet und nur der Hauptfamilienname verwendet (Beispiel: EU KommissionsprĂ€sident JosĂ© Manuel DurĂŁo Barroso wird in den Medien hĂ€ufig nur als JosĂ© Manuel Barroso genannt).

In brasilianischen Gebieten, die besonders starke italienische, deutsche oder sonstige Einwanderungsgruppen haben, werden die Familiennamen oft nach den Gepflogenheiten dieser Volksgruppen vererbt, das heißt meist erhalten die Kinder nur den Nachnamen des Vaters. Zuweilen wird jedoch auch hier der ĂŒblichen Namenstradition gefolgt.

Eine Person kann bis sechs Namen haben (zwei Vornamen und vier Familiennamen – er oder sie können zwei Namen von der Mutter und zwei vom Vater haben). Manchmal werden auch Namen von Ahnen als Ehrerbietung weitergefĂŒhrt. Genauso ist es ĂŒblich, bei Übernahme des gleichen Vornamens des Vaters, Onkels oder Großvaters die Verwandtschaftsbeziehung zu diesem als Nachnamenanhang zu fĂŒhren, so ist zum Beispiel in Portugal oder Brasilien Tobias de Almeida Neto der Enkel des ursprĂŒnglichen Tobias de Almeida.

Osmanisches Reich bzw. TĂŒrkei

Erst elf Jahre nach der GrĂŒndung der TĂŒrkei wurden Familiennamen 1934 durch den StaatsprĂ€sidenten Kemal AtatĂŒrk per Gesetz Nr. 2525 vorgeschrieben. Vorher, im Osmanischen Reich wurden zur Vorstellung Stammesnamen, gefolgt vom Vornamen des Vaters und dem eigenen Vornamen verwendet – dazwischen stand jeweils die Bezeichnung „Sohn“ (oğlu). Das spiegelt sich auch in einigen modernen tĂŒrkischen Nachnamen wider. Namen sahen ungefĂ€hr so aus: Sarıpaçalı-nın oğlu Ahmet-in oğlu Hasan (Hasan, Sohn von Ahmet, Sohn der Sarıpaçalı). Ein Ă€hnlicher Aufbau ist auch in arabischen Namen mit ibn zu finden. KĂŒrzere Formen wie Sarıpaçalı-lardan Hasan (Hasan von den Sarıpaçalıs) fanden ebenfalls Verwendung. War kein besonders bekannter Stammesname vorhanden, war der Beruf des Vaters von Wichtigkeit, die deutschen MĂŒllers, Schmidts und Meyers zeigen hierbei eine gewisse ParallelitĂ€t auf. Diese Form der Erkennung wird auch heute noch gerne in einigen Gegenden und Ortschaften verwendet: Marangoz Ali-nin oğlu Ibrahim (Ibrahim, Sohn des Schreiners Ali). Matronyme sind eher unĂŒblich (das entsprechende weibliche Pendant fĂŒr Sohn von, also die Tochter von hieße kızı).

Die 1934 angenommene Namen sind hĂ€ufig AusdrĂŒcke selbstaffirmativer BezĂŒge zur jungen Republik, die als Reaktion auf den Untergang des Osmanischen Reiches, dem Widerstand seit 1919 unter Kemal AtatĂŒrk und dem anschließenden Kemalismus entstanden sind. Die sprachlichen Bilder beziehen sich auf Themen wie Mut, Furchtlosigkeit, Kraft und Widerstand, so etwa ÖztĂŒrk ("der echte TĂŒrke", Demir/Özdemir ("[echtes] Eisen"), Kaya ("Fels"), Yılmaz ("der Furchtlose"), Yıldırım ("Blitz"), Aslan ("Löwe"), ƞahin ("Falke"), Çelik ("Stahl"), Aydın ("hell"), Çetin ("hart").

Asien

China, Korea und Vietnam

Familiennamen in China, Korea und Vietnam bestehen ĂŒberwiegend nur aus einem chinesischen Schriftzeichen. Obwohl es ĂŒber 700 chinesische Familiennamen gibt, teilen sich die meisten Chinesen nur etwa 20 sehr hĂ€ufig vorkommende Namen. Dabei gibt es zu jedem als Namen verwendeten chinesischen Schriftzeichen jeweils eine Vielzahl von Aussprachen und daher auch Transkriptionen in den unterschiedlichen chinesischen und ostasiatischen Sprachen. Alle diese auf unterschiedliche Aussprache zurĂŒckzufĂŒhrenden Transkriptionen eines Schriftzeichens wurden bis zur Durchsetzung der Alphabetschrift in Vietnam und des Hangeul in Korea in ganz Ostasien einheitlich mit dem jeweiligen chinesischen Schriftzeichen geschrieben. Im internationalen amtlichen Gebrauch werden heutzutage jedoch unterschiedliche Transkriptionen desselben Namens meist als unterschiedliche Namen gewertet.

Typische Beispiele fĂŒr ostasiatische Familiennamen sind[2]:

Schriftzeichen Pinyin (Hochchinesisch) andere Transkriptionen bzw. chinesische Dialekte Koreanisch Vietnamesisch
李 Lǐ Lee, La, Lei5 Lee LĂœ
ćŒ” / ćŒ  Zhāng Chang, Cheung, Cheong, Chong, Tsan, Tsaon, Tiu, Teo, Teoh, Zoeng1 Jang TrÆ°ÆĄng
陳 / 陈 ChĂ©n Ch'en, Chan, Chun, Tan Jin Tráș§n
王 WĂĄng Wong, Wong4, Vong, Ong, Heng Wang VÆ°ÆĄng
金 Jīn Chin, Gam1, Kam, Gum Kim Kim
队 Ruǎn Yun2 Weon Nguyễn

Von den vier Namen Lǐ, Zhāng, Chén, Wång gibt es heute jeweils ca. 100 Millionen NamenstrÀger, vorwiegend in China.

In Korea sind Kim und in Vietnam Nguyễn jeweils lokal der mit Abstand hĂ€ufigste Familienname mit einem Bevölkerungsanteil von ĂŒber 40%. Beide Namen sind in China jedoch eher selten.

Der Familienname wird in China, Korea und Vietnam zuerst genannt. Der Namensteil, der im deutschen Sprachraum als Vorname bezeichnet wird, wird in diesen LĂ€ndern erst nach dem Familiennamen genannt und ist deshalb nachgestellt.

Bei Übertragungen ins Deutsche wird bei chinesischen, vietnamesischen und koreanischen Namen die Originalreihenfolge in der Regel beibehalten.

Japan

Die meisten japanischen Familiennamen werden mit zwei Kanji (chinesischen Schriftzeichen) geschrieben. Historisch war ein Nachname ein Privileg der Samurai und anderer höhergestellter Personen. Erst mit der Meiji-Restauration wurde per Gesetz veranlasst, dass sich alle Familien mit einem Familiennamen registrieren. Sie verwenden meist landschaftliche Begriffe, wie etwa Takeda (ç«č田) = Bambusfeld, es gibt aber auch Bedeutungen aus Alltag und Handwerk, z. B. Shuzƍ (酒造) = Sakebrauer. Andere Namen, wie zum Beispiel Mitsubishi (䞉菱) = 3 Rauten, sind abgeleitet vom Familienwappen.

Der Familienname wird in Japan zuerst genannt. Im Umgang mit westlichen AuslĂ€ndern in westlichen Sprachen bzw. lateinischer Schrift wird allerdings hĂ€ufig die Reihenfolge verwendet, die der Deutschen entspricht. Auch bei der Übertragung ins Deutsche werden japanische Namen – im Gegensatz zu chinesischen, vietnamesischen und koreanischen Namen â€“ hĂ€ufig umgestellt. Eine Ausnahme sind historische Personen wie Oda Nobunaga. Wird der Familienname vorangestellt, schreibt man ihn oft in Großbuchstaben, um eine Verwechslung zu vermeiden, wie zum Beispiel ABE Shinzƍ.

Indien

In Indien, mit seinen vielfĂ€ltigen kulturellen Traditionen, allein 21 in der Verfassung anerkannten und ĂŒber 100 gesprochenen Sprachen, existieren mehrere grundverschiedene Systeme der Namensgebung nebeneinander.

Wie die Namensgebung gehandhabt wird, entscheidet sich nicht primĂ€r nach dem Bundesstaat, sondern nach den Traditionen, die die Familie des Betroffenen verfolgt. Obwohl in Indien in den 70er Jahren Personalausweise eingefĂŒhrt wurden, besitzt ein Großteil der lĂ€ndlichen Bevölkerung keinen. So kommt es hĂ€ufig vor, dass der Name einer Person amtlich nicht erfasst ist. Beliebige Änderungen von Vor- und Familiennamen sind hĂ€ufig und einfach.

In Nordindien wird ein System Ă€hnlich wie in Deutschland bevorzugt: Die Ehefrau ĂŒbernimmt den Nachnamen des Mannes, den auch die Kinder ĂŒbernehmen. In Teilen Zentralindiens wird ein patrilineares System bevorzugt, das den Vornamen des Vaters undekliniert zum Nachnamen des Sohnes macht: Selvarasa Selvarainjan ist z. B. der Sohn von Selvarainjan Parthasarathy. Ein die Familie kennzeichnender Name existiert hier nicht.

Abgesehen von der offiziellen Namensgebung richtet sich die persönliche Anrede in Indien, ungeachtet der verschiedenen Regeln der Verleihung eines Namens, vornehmlich nach dem Verwandtschaftsgrad. Die Personen werden also als (Ă€lterer) Bruder: Dada, (Ă€ltere) Schwester: Didi, Vater: Baba, Großvater vĂ€terlicherseits oder mĂŒtterlicherseits: Nani bzw. Nana usw. angeredet. Die IndividualitĂ€t tritt in den Hintergrund und die Stellung in der Familie dominiert. Man kann in Indien fremde Personen jederzeit als Ă€ltere BrĂŒder/Schwestern oder Vater/Mutter ansprechen, je nach offensichtlichem Altersunterschied und Geschlecht. Auch die Verwendung von Vorname-Verwandtschaftsgrad ist hĂ€ufig, z. B. Manorainjan-Da (Da als AbkĂŒrzung fĂŒr Dada). Vertrauliche Respektbezeichnungen werden angehĂ€ngt: Shiv(a)-Ji(i) und offizielle vorangestellt: Shrii Govinda, aber nur von den anderen, nicht von sich selbst. Sich selbst kann man den Titel Dev(a) oder Devi (weiblich) anhĂ€ngen. Der vertraulichen Anrede „VĂ€terchen“ entsprĂ€che also Baba-ji.

Indonesien

Indonesische Namen bestehen im Allgemeinen aus mehreren Teilen, die alle nicht erblich sind. Im Verkehr mit deutschen Behörden kann dann der letzte „Vorname“ an die Stelle des Familiennamens treten. Es gibt aber auch Personen, die keinen Familiennamen haben, bekannteste Beispiele sind die ehemaligen StaatsprĂ€sidenten Sukarno und Suharto. In den einzelnen StĂ€mmen und Volksgruppen gibt es jedoch unterschiedliche Namensgebungen. Die Volksgruppe der Batak (Nordsumatra) beispielsweise haben immer Vor- und Nachnamen. Viele Angehörige der chinesischen Minderheit wurden zur Zeit der Suharto-Regierung gezwungen, ihre ursprĂŒnglichen Namen abzulegen. Sie wĂ€hlten dann hĂ€ufig anglo-amerikanische oder europĂ€ische Vornamen, z. B. Angelina, Steven.

Weitere LĂ€nder

Europa: Polnischer Name, Irische Familien, Römischer Name (historisch), IslÀndischer Personenname, FÀröischer Personenname, Nordgermanischer Personenname (historisch)

Naher Osten: Arabischer Name, JĂŒdischer Familienname

Asien: Birmanischer Name, Malaysischer Name, ThailÀndischer Familienname, Liste tibetischer Namen und Titel

Afrika: Gambischer Personenname

Demokratische Republik Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo wird zwischen dem Familiennamen einerseits und dem Nachnamen andererseits unterschieden. Dabei ersetzte der "authentische" Nachname (französisch: postnom) den "europĂ€ischen" Vornamen. Aus Joseph-DĂ©sirĂ© Mobutu wurde Mobutu Sese Seko. Heute sind die in der Kirche immer weiterverwendeten Taufnamen als Vornamen wieder in Gebrauch, die zairischen Nachnamen werden jedoch weiterhin verwendet. Dies fĂŒhrt dazu, dass Kongolesen vor und nach dem Familiennamen je einen von den Eltern gewĂ€hlten Namen tragen: vorgestellt den Vornamen, nachgestellt den Nachnamen (Beispiel: Joseph-DĂ©sirĂ© Mobutu Sese Seko). Kongolesische ReisepĂ€sse weisen entsprechend auch die drei Rubriken prĂ©nom(Vorname), nom (Name), postnom (Nachname) auf.

FamiliennamenhÀufigkeiten

Die FamiliennamenhĂ€ufigkeit ist die absolute und relative HĂ€ufigkeit von Familiennamen in einer Bevölkerung oder Teilbevölkerung. Aus diesen HĂ€ufigkeiten lĂ€sst sich unter BerĂŒcksichtigung der VerĂ€nderlichkeit von Familiennamen der Inzuchtkoeffizient f einer Population errechnen. Ebenfalls lĂ€sst sich mit der Verteilung der FamiliennamenhĂ€ufigkeiten der Grad der Blutsverwandtschaft zwischen Bevölkerungen und damit ihr Heiratskreis messen, ebenso die Ahnengemeinschaft zwischen zwei oder mehreren Ahnenlisten, aber auch der Einzugsbereich der Zuwanderung zu StĂ€dten oder zentralen Orten.[3] Der Grad der Verwandtschaft (oder Ähnlichkeit) ist dabei der von 0 bis 1 normierte statistische Korrelationskoeffizient r. Dabei bedeutet r = 0,00, dass in den verglichenen zwei Ahnenlisten in einer festgelegten Vorfahren-Generation, zum Beispiel in der sechsten, kein einziger Familienname identisch ist.

Der hĂ€ufigste Familienname der Welt ist das chinesische Li mit ĂŒber 90 Millionen[4] Vorkommen in seinen verschiedenen Schreibweisen. Unter den Han-Chinesen gibt es nur rund 700 Familiennamen. In Deutschland existieren nahezu eine Million verschiedene Familiennamen. Hier ist MĂŒller/Mueller mit 600.000 Vorkommen knapp fĂŒhrend vor Schmidt/-tt/-d/-tz. In Russland ist der hĂ€ufigste Familienname Smirnow [5]

Grafische Darstellung der geografischen Namensverteilung

Ein Hilfsmittel fĂŒr die Familiennamenforschung ist die grafische Darstellung der geografischen Verteilung von Familiennamen. Die folgenden Beispiele beruhen auf Daten von telefonischen FestnetzanschlĂŒssen aus dem Jahr 2002. Obwohl damit nur ein bestimmter Teil der Bevölkerung erfasst wird, erlauben diese Daten mehrere sehr nĂŒtzliche Analysen.

Verteilung von Namensvarianten

Die folgenden Beispiele können bei Geogen nachvollzogen werden:
Der Name Mayer findet sich in ganz Deutschland, aber eine klare HĂ€ufung ist sichtbar in SĂŒddeutschland.
Auch Meyer findet sich in ganz Deutschland, aber fĂŒr diese Variante des Namens liegt der Schwerpunkt im Nordwesten des Landes.
Die Variante Mayr findet sich kaum im Nordosten der Bundesrepublik, dafĂŒr aber im SĂŒdosten mit einer Ballung in Bayern.

Identifikation der Namensherkunft

Auch bei der Identifikation der historischen Ursprungsgegend gibt die geografische Verteilung von Familiennamen wertvolle Hinweise. Die folgenden Beispiele können bei Geogen nachvollzogen werden. So deutet z. B. Schlöder auf das sĂŒdliche Rheinland, Herbel nach Hessen und ZĂŒfle nach WĂŒrttemberg. Alte Familiennamen, die auch mehrere UrsprĂŒnge haben können wie Kolbe, weisen meist eine relativ gleichmĂ€ĂŸige Verbreitung auf.

Familiennamensverteilungen

Die folgenden Darstellungshilfen können fĂŒr regionale Familiennamensverteilungen verwendet werden.

NamenstrÀgerforschung

Die NamenstrĂ€gerforschung darf als eine Form der Stammtafelforschung aufgefasst werden. Arbeitsmittel ist in der Regel eine NamenstrĂ€gerkartei oder -datei, in der alle TrĂ€ger desselben Familiennamens erfasst werden, wobei unter BerĂŒcksichtigung der VerĂ€nderlichkeit der Familiennamen und des phonetischen Alphabets verschiedene Formen des Namens als jeweils eine Einheit zu betrachten sind.

Wenn NamenstrĂ€gerforschung nicht nur bloßen Sammeleifer dokumentiert, dann sind systematische Arbeit und genaue Verzeichnisse der ausgewerteten Quellen notwendig. Sinn haben derartige Datensammlungen insbesondere fĂŒr relativ seltene Namen. In manchen FĂ€llen sind sie der einzige Weg, um einen Toten Punkt der genealogischen Forschung zu klĂ€ren. Bisher gibt es in Deutschland noch keine umfassende Datenbank aller Publikationen, Karteien und Vereine (in England One-Name-Societies genannt[6]), die sich mit einem Familiennamen und den verwandtschaftlichen Beziehungen seiner TrĂ€ger befassen.

Rechtliche Grundlagen

NĂ€heres siehe unter: Namensrecht

Als „Familienname“ im juristischen Sinn wird in Deutschland lediglich der „Nachname“ einer Person bezeichnet. Dieser individuelle Nachname kann vollkommen anders sein als der Nachname der Herkunftsfamilie, der Nachname des Ehegatten oder der Nachname der Kinder. Mit dem Begriff „Ehename“ definiert der Gesetzgeber in § 1355 BGB jenen Nachnamen, den Eltern ihren Kindern geben wollen. Anders gesagt: „Familienname“ ist der eigene Nachname, „Ehename“ der Nachname der Kinder.

Die bĂŒrgerlichen Bestimmungen ĂŒber den Namen werden in der Bundesrepublik Deutschland nur auf Deutsche (Ethnie) angewendet. Bundesdeutsche Behörden und Gerichte wenden auf einen AuslĂ€nder das Recht desjenigen Staates an, dem der AuslĂ€nder angehört oder ihm entstammt. Soweit bundesdeutsche Vorschriften anzuwenden sind, erfolgt die Namensvergabe durch:

  1. Geburt
  2. Adoption
  3. durch Neubestimmung bei einem MinderjĂ€hrigen innerhalb enger Grenzen (z. B. bei SorgerechtsĂ€nderungen)
  4. Eheschließung und Ehescheidung, Eingetragene Lebenspartnerschaft und deren Auflösung

Siehe auch

Literatur

Namenkunde allgemein: siehe Literatur des Artikels Anthroponymie
Nachnamenlexika, deutsch allgemein:

  • Hans Bahlow: Deutsches Namenlexikon. Suhrkamp, 1972, ISBN 3518365657.
  • A. BĂ€hnisch: Die Deutschen Personennamen. Leipzig 1910.
  • Josef Karlmann Brechenmacher: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Familiennamen. ISBN 3-7980-0355-6.
  • Duden Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. Bearbeitet von Rosa und Volker Kohlheim. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2005, ISBN 3-411-70852-2. (ErklĂ€rung von 20.000 Nachnamen)
  • Heintze-Cascorbi: Die Deutschen Familiennamen. Berlin 1933.
  • Horst Naumann: Das große Buch der Familiennamen. Bassermann, ISBN 3809407291 (Weltbild ISBN 3828919553).
  • Ernst Schwarz: Deutsche Namenforschung. Band 1 Ruf- und Familiennamen, Göttingen 1950.
  • JĂŒrgen Udolph: Professor Udolphs Buch der Namen. MĂŒnchen 2005.
  • Konrad Kunze, Damaris NĂŒbling: Deutscher Familiennamenatlas. Berlin und New York 2009 ff..
  • Zunamen. Zeitschrift fĂŒr Namenforschung. Hamburg 2006 ff., ISSN 1618-7652 (einzige ausschließlich Familiennamen gewidmete Fachzeitschrift).

Lexika, deutsch regional:

  • Maria Hornung: Lexikon österreichischer Familiennamen. Wien 2002.
  • Max Mechow: Deutsche Familiennamen preussischer Herkunft. Tolkemita, Dieburg 1991.
  • Schweizerischer Verband der Zivilbeamten (Hrsg.): Familiennamenbuch der Schweiz. Bd. 1–4, Polygraphischer Verlag, ZĂŒrich 1968–1970. Nun ergĂ€nzt und online, siehe unten unter Weblinks
  • Reinhold Trautmann: Die altpreußischen Personennamen. 1925.

HandbĂŒcher, international:

  • Andrea Brendler / Silvio Brendler: EuropĂ€ische Personennamensysteme. Ein Handbuch von Abasisch bis Zentralladinisch, Hamburg: Baar 2007, ISBN 978-3-935536-65-3

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Familienname â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Surnames â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Adelszeichen und Adel – Institut fĂŒr Deutsche Adelsforschung
  2. ↑ Die Ziffern geben in den Transkriptionen der kantonesischen Sprache die TonalitĂ€t an.
  3. ↑ Die Verwendung von FamiliennamenhĂ€ufigkeiten zur SchĂ€tzung der genetischen Verwandtschaft. Ein Beitrag zur Populationsgenetik des Vogtlandes. Ethnographisch-ArchĂ€ologische Zeitschrift (1974) 433-451
  4. ↑ Seminararbeit Jan Hemmer Thema: Die „Entstehung und geschichtliche Entwicklung der Familiennamen in Deutschland bis in die Gegenwart“, 2000
  5. ↑ FamiliennamenshĂ€ufigkeit in Russland – Links unter â€œĐ‘Đ°Đ·Đ° ĐŽĐ°ĐœĐœŃ‹Ń…â€ den Unterpunkt БД ĐżĐŸ Ń„Đ°ĐŒĐžĐ»ĐžŃĐŒ anklicken. Angezeigt werden die 250 hĂ€ufigsten russischen Namen nach Rang sowie eine Tabelle von 10.000 russischen Namen mit HĂ€ufigkeitsrang
  6. ↑ One-name_study – englischsprachige Wikipedia

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